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	<title>Währung Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
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	<title>Währung Archives</title>
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		<title>Wie 1993 der Tenge in Kasachstan eingeführt wurde</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Robin Roth]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 25 May 2023 19:39:43 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Nach dem Zusammenbruch der UdSSR stand Kasachstan vor der Frage: im Geltungsbereich des von Russland geschaffenen neuen Rubels zu verbleiben und sich in der W&#xE4;hrungs-, Haushalts-, Steuer-, Sozial- und Au&#xDF;enwirtschaftspolitik vollst&#xE4;ndig abh&#xE4;ngig zu machen, oder eine eigene W&#xE4;hrung zu schaffen. Man entschied sich f&#xFC;r die Nationalw&#xE4;hrung Tenge, deren Geschichte hier erz&#xE4;hlt wird. Anfang 1992 wurde [&#x2026;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Nach dem Zusammenbruch der UdSSR stand Kasachstan vor der Frage: im Geltungsbereich des von Russland geschaffenen neuen Rubels zu verbleiben und sich in der Währungs-, Haushalts-, Steuer-, Sozial- und Außenwirtschaftspolitik vollständig abhängig zu machen, oder eine eigene Währung zu schaffen. Man entschied sich für die Nationalwährung Tenge, deren Geschichte hier erzählt wird.</strong><em></em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Anfang 1992 wurde in Kasachstan die „Strategie zur Schaffung und Entwicklung Kasachstans als unabhängiger Staat“ erarbeitet. Dies war der erste nationale Dreijahresplan. In dieser Strategie kündigte die Republik ihre Absicht an, eine nationale Währung einzuführen, jedoch mit einem Vorbehalt: erst nach Überwindung der Krise und Stabilisierung der Wirtschaft sollte dieses Thema in Betracht gezogen werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Der sowjetische Rubel wurde als gemeinsame Währung der Übergangszeit angesehen, weil wir damals noch nicht bereit für den Übergang zu einer neuen Währung waren. Darüber hinaus wurde der gesamte Warenhandel in Rubel abgerechnet. Und die russische Führung versprach, den Rubelraum für einige Zeit zu schützen. Aber plötzlich tauchten in Russland Menschen auf, die uns Bedingungen auferlegen wollten: entweder ihr bleibt dauerhaft im Raum des Rubels, oder wir zerstören eure Wirtschaft“</em>, schreibt der erste Präsident Kasachstans <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nursultan_Nasarbajew">Nursultan Nazarbaev</a> in seinem ersten Buch „Der kasachstanische Weg“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bis zur ersten Hälfte des Jahres 1992 erhielt Kasachstan kostenlos Geld von der russischen Zentralbank, aber im Anschluss an die Aufteilung der Haushalte musste der Rubel bereits gekauft werden. Daraufhin verspürte das Land sofort einen Bargeldmangel. Kasachstan musste sich Rubel „auf Kredit“ leihen und später stellte Russland Schulden in Höhe von 1,5 Milliarden US-Dollar in Rechnung. Diese konnten erst nach einigen Jahren bei der Kalkulation für das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kosmodrom_Baikonur">Kosmodrom Baikonur</a> abgeschrieben werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Zahlungssystem des Landes funktionierte nur über das Korrespondenzkonto der kasachstanischen Nationalbank in Moskau. In einigen Fällen vergingen für Überweisungen und Zahlungen mehr als sechs Monate. Sämtliche Aufgaben der Staatsbank der UdSSR gingen auf die Zentralbank Russlands über, ausschließlich Russland konnte Geldausgaben tätigen und allen Sowjetrepubliken monetäre Unterstützung leisten. Es verteilte das Geld jedoch nicht nach deren Bedürfnissen, sondern nach eigenem Ermessen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zunächst befürwortete Kasachstan die Beibehaltung der Rubelzone auf bestimmte Zeit: Die Aktivitäten praktisch aller Unternehmen waren an Zahlungen in Rubel gebunden, und die Einführung der Landeswährung erforderte Zeit und erhebliche Mittel. Russland begann jedoch, die Zuweisung von Bargeld an Kasachstan einzuschränken, im Frühjahr 1992 erhielt das Land kein Geld mehr, und ein Jahr später, im Mai 1993, stellte die russische Regierung die technische Kreditvergabe an die GUS-Staaten vollständig ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als die Zentralbank von Russland 1993 schließlich mit der Einführung neuer Banknoten begann, wurde Kasachstan versichert, dass dies die Währung der Rubelzone sein wird und dass es keinen plötzlichen Umtausch von Banknoten der UdSSR der Serien 1961 – 1992 geben wird. Kasachstan erhielt jedoch keine neuen Banknoten, und im Juni 1993 gerieten die Verhandlungen mit der russischen Regierung über die Schaffung einer Rubelzone endgültig in eine Sackgasse. Man schlug Kasachstan vor, <em>„denselben Manipulationsmechanismus mit Hilfe von Rubelbargeld nachzubilden – nur bereits in Abhängigkeit von der Landeswährung Russlands“</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„… als Ergebnis der Verhandlungen zwischen dem Präsidenten Kasachstans Nursultan Nazarbaev und dem Vorsitzenden der Zentralbank Russlands, Viktor Geraschenko, wurde keine optimale Lösung für die Durchführung einer Währungsreform in Kasachstan gefunden. Die in das Treffen gesetzten Hoffnungen, es würde die Lage im Finanzbereich beruhigen und die Schlüsselfragen der währungspolitischen Beziehungen zwischen Russland und Kasachstan lösen, haben sich also nicht erfüllt.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Das einzige konkrete Ergebnis des Treffens war die Entscheidung, eine Arbeitsgruppe auf der Ebene der Bereichsleiter der Nationalbanken Kasachstans und Russlands einzurichten – innerhalb von einer Woche müssen diese im Detail alle möglichen Optionen zur Lösung des Problems des Banknotenumtausches prüfen. […] Dass es zu keinen echten Ergebnissen auf dem Treffen kam, ist offensichtlich auf die Unmöglichkeit zurückzuführen, den Übergang zu russischem Geld in Kasachstan in naher Zukunft umzusetzen. Wie bekannt wurde, verfügt die Nationalbank der Republik nicht über genügend neue russische Banknoten.“</em>, schreibt die Zeitung „Panorama“ am 21. August 1993.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damals verschlechterte sich die soziale und wirtschaftliche Situation in Kasachstan. Der Produktionsrückgang in der ersten Hälfte des Jahres 1993 konnte nicht gebremst werden, es kam zu einer „Verstärkung der Krisenprozesse“, die makroökonomische Instabilität nahm zu, die Investititonstätigkeit nahm stark ab, das Ungleichgewicht des Geldumlaufs vergrößerte sich und die Inflationsrate blieb auf hohem Niveau. Die Hyperinflation lag beispielsweise im Jahr 1992 bei 3000 Prozent und im Jahr 1993 bei 2265 Prozent.</p>



<p class="has-primary-800-color has-accent-500-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph">A<strong>ls vereinsgetragene, <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/unser-projekt/">unabhängige</a> Plattform lebt Novastan vom Enthusiasmus seiner ehrenamtlichen Mitarbeiter:innen &#8211; und von eurer Unterstützung! Durch jede noch so kleine <a href="https://novastan.org/de/novastan-ev/spenden/">Spende</a> helft ihr uns, weiter ein realitätsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln</strong>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Menschen in Kasachstan erinnern sich an eine Zeit „astronomischer“ Lebensmittelpreise, Warteschlangen für Brot, leere Regale in den Geschäften und einer großen Unsicherheit. <em>„Vor dem Übergang von Rubel auf Tenge gab es eine Zeit, in der Lebensmittel auf Lebensmittelmarken ausgegeben wurden, es herrschte Brotknappheit. Man konnte nicht einfach wie heute zu jeder Tageszeit in den Laden gehen und Brot kaufen“</em>, sagt Natalia Katuntseva, Einwohnerin der Stadt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Jessik">Esik</a> im <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Almaty_(Gebiet)">Gebiet Almaty</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gulıa, eine Bewohnerin des Dorfes Erkin, erinnert sich, dass vor der Einführung der nationalen Währung <em>„alle Lebensmittel, alle Kleintiere plötzlich unglaubliche Summen kosteten“</em>. Ein Liter Sauerrahm beispielsweise kostete 100-200.000 Rubel, ein Kilogramm Schafskäse 200.000 Rubel. Sie sagt, für die einfachen Menschen war alles unglaublich teuer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alma, eine andere Bewohnerin des Dorfes, erzählte, dass es aufgrund der starken Abwertung des Rubel bereits praktisch unmöglich war, mit diesem Geld etwas zu kaufen. <em>„Ich erinnere mich, dass ich Urlaubsgeld erhalten hatte – eine ganze Tasche voller Geld, 600-700.000 sowjetische Rubel. Ich wusste nicht, was ich dafür kaufen sollte. Für 300.000 habe ich einen Kinderwagen gekauft. Und als wir schon zum Tenge übergegangen sind, kostete der nur noch Kopeken – 50 Tenge“</em>, sagt sie.&nbsp;&nbsp;&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit der Entscheidung, eine eigene Währung einzuführen, zog Kasachstan drei Varianten in Betracht: die Einführung eines kasachstanischen Rubels mit Banknoten in der Stückelung 5, 10 und 50.000 Rubel und dessen Herstellung in Russland; die Einführung einer nationalen Zwischenwährung für 1 bis 2 Jahre sowie die anschließende Einführung einer echten nationalen Währung parallel zum Rubel; oder die sofortige Einführung des Tenge. Am Ende entschied man sich für die letzte Option, und im Februar 1992 stellte Nazarbaev der Nationalen Staatsbank trotz der schwierigen Phase die entsprechende Aufgabe: ein groß angelegter Produktionsrückgang, der Bruch in den Wirtschaftsbeziehungen, sowie der Kollaps der Währungsbeziehungen zwischen den früheren Sowjetrepubliken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Bevölkerung Kasachstans stand der Einführung einer nationalen Währung skeptisch gegenüber. Die Agentur für öffentliche Kommunikation „BRIF“ führte im Juli 1992 eine Bevölkerungsbefragung durch. 32 Prozent der Befragten waren der Meinung, die Einführung einer nationalen Landeswährung sei nicht erforderlich. 21 Prozent gaben an, dass die Einführung einer Landeswährung das Leben der Bevölkerung noch verschlechtern würde. 33 Prozent glaubten, dass dies im Allgemeinen nur geringe Auswirkung auf das Leben der Bürger haben werde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Jahr später, im Juli 1993, waren 34 Prozent der Meinung, dass die Einführung einer eigenen Währung nicht erforderlich sei. 41 Prozent meinten, dass dies nicht in naher Zukunft erfolgen sollte. 48 Prozent glaubten, dass die Einführung einer nationalen Währung das Leben der meisten Menschen verschlechtern würde. Die Agentur stellte fest: Obwohl nach einem Jahr mehr Klarheit in der Bewertung der Einführung einer nationalen Währung herrschte, wurde sie von jedem zweiten Befragten negativ bewertet. Im Jahr 1992 war es noch jeder fünfte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kasachstan, das sich auch weiterhin um die Beibehaltung einer einheitlichen Rubelzone bemühte, bereitete sich gleichzeitig auf die Einführung einer eigenen Währung vor. Diese Vorbereitungen liefen im geheimen ab, lediglich sieben Personen wussten davon: Nazarbaev selbst, der Vize-Präsident Erik Asanbaev, der mit der Gesamtleitung der Vorbereitung einer Landeswährung vertraut war, der Vorsitzende des Obersten Rates Serikbolsyn Abdildin, der Vorsitzende des Finanz- und Haushaltsausschusses des Obersten Rates Sauk Takejanov, der Erste Vorsitzende der Nationalen Staatsbank Galym Baınazarov, sein Stellvertreter Mirsultan Tursunov, sowie der Leiter der Direktion der sich im Aufbau befindlichen Nationalbank Núrlan Kojamuratov.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig wurde, ebenfalls vertraulich, ein Kreativteam zusammengestellt, das an der Gestaltung der neuen Währung arbeitete. Dieser gehörten Mendybaı Alin, Timur Suleımenov, Agimsaly Duzelhanov und Haırully Gabjalilov an. Ihnen wies man eine Datscha auf dem Land zu, wo sie zweieinhalb Monate arbeiteten. Verschiedene Gestaltungsvarianten wurden für den Tenge diskutiert: es gab Skizzen in der farblichen Gestaltung des sowjetischen Rubels, Geldscheine mit aufwändigen kasachischen Ornamenten, oder Scheine, die dem Dollar ähnlich waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Künstler schlugen sogar Banknoten mit dem Abbild Nazarbaevs vor, aber er selbst lehnte diese Idee ab. Nach langer Diskussion entschied man sich schließlich für eine Variante mit Darstellungen berühmter und historisch bedeutsamer Persönlichkeiten Kasachstans. Die Portraits für die ersten Banknoten wurden nach Schädelmodellen gestaltet, die Anthropologen für die Designer erstellt haben. Ebenso wurden die Arbeiten englischer, deutscher, skandinavischer und russischer Wissenschaftler verwendet.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Wir waren in Eile. Wir haben im Durchschnitt nur drei Stunden geschlafen. Innerhalb von drei Monaten haben wir die ersten Entwürfe für den Tenge erstellt. Eine Besonderheit der ersten nationalen Währung ist es, dass wir sie mit unseren eigenen Händen gezeichnet haben!“</em>, erzählte Mendybaı Alin vor einigen Jahren im Interview mit „Kazinform“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es wurde viel über den Namen der Landeswährung gestritten. Man schlug vor, sie „Tanga“, „Som“, „Sum“ oder „Altyn“ [kasachisch für „Gold“, Anm. d. Red.] zu nennen. Der letztere Vorschlag gefiel Nazarbaev sehr gut, aber schlussendlich entschied man sich für den Namen „Tenge“: der turksprachige Name für die auf dem Gebiet der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kiptschak_(Volk)">Kyptschak</a>-Steppe im Umlauf gewesenen Münzen war „Tanga“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Man schaute sich auch nach ausländischen Firmen um, die dazu in der Lage waren, das erste Geld heimlich und in kürzester Zeit zu drucken, denn Kasachstan besaß keine Notendruckereien, alles wurde aus Moskau importiert. Die Wahl fiel auf die britischen Unternehmen „Harrison and Sons“ sowie „Thomas de la Rue“, die über umfangreiche Erfahrung in diesem Bereich verfügen und zudem absolute Vertraulichkeit über den Vertrag zusichern konnten. Und während der Herstellung der bestellten Auflage wurden die Banknoten unter dem Deckmantel der Industriefracht heimlich nach Kasachstan geliefert. In nur einer Woche wurden im Geheimen 19 Flüge von London ausgeführt, anschließend brauchte es eine weitere Woche, um das Geld an die Banken zu liefern.&nbsp;&nbsp;&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 12. November 1993 unterzeichnete Nursultan Nazarbaev ein Dekret „Über die Einführung der Landeswährung der Republik Kasachstan“: <em>„Ab 08.00 Uhr (Ortszeit) des 15. Novembers 1993 wird die Landeswährung der Republik Kasachstan – der Tenge &#8211; auf dem Territorium der Republik Kasachstan im Umlauf gebracht. Es wird festgestellt, dass ab 08.00 Uhr (Ortszeit) des 18. November 1993 der Tenge das einzige gesetzliche Zahlungsmittel in der Republik Kasachstan ist. Ein Tenge ist in 100 Tiyn unterteilt. In der Republik Kasachstan ist Bargeld in der Form von Banknoten und Münzen im Umlauf. Der Tenge ist auf dem Territorium der Republik Kasachstan bei allen Arten von Zahlungen von allen natürlichen und juristischen Personen, unabhängig von der Eigentumsform, sowie von Banken zur uneingeschränkten Gutschrift auf Einlagen und Konten obligatorisch.“</em></p>



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<iframe title="12 ноября 1993 года Глава государства обратился к народу в связи с введением национальной валюты." width="500" height="375" src="https://www.youtube.com/embed/RXmGNkiPK8Q?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe>
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<p class="wp-block-paragraph">Noch am selben Abend wandte er sich im Fernsehen an die Bevölkerung des Landes und kündigte die Einführung der ersten nationalen Währung in der Geschichte Kasachstans an. Und dann wurde die erste Serie Banknoten in Umlauf gebracht. Die 1-Tenge-Banknote zeigte ein Portrait von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Al-F%C4%81r%C4%81b%C4%AB">al-Farabi</a>, die 3-Tenge-Banknote Suıunbaı, die 5-Tenge-Banknote <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Qurmanghasy_Saghyrbajuly">Qurmanģazy</a>, die 10-Tenge-Banknote <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Schoqan_U%C3%A4lichanuly">Shoqan Uálihanov</a>, die 20-Tenge-Banknote <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Abai_Qunanbajuly">Abai Qunanbaev</a>, die 50-Tenge-Banknote Abulchair-Khan und die 100-Tenge-Banknote Abylaı-Khan. Dabei wurde die erste Banknotenserie 1993-1994 nur in kasachischer Sprache gedruckt.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die Panik der Käufer und der erste Geldwechsel</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">In den Monaten bis zur Einführung der nationalen Währung herrschte Panik im Land: Die Menschen kauften einfach alles auf und tauschten Geld in Fremdwährungen. In einigen Regionen Kasachstans wurde die Einfuhr alter Banknoten eingeschränkt. So verbot beispielsweise die Verwaltung der Stadt Leninsk (heute Baikonur) die Einfuhr von Mengen über 100.000 Rubel pro Person, und auch der Verkauf von langlebigen Konsumgütern wie Fernsehern, Kühlschränken usw. wurde vorübergehend eingeschränkt. In <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Schesqasghan">Jezqasģan</a> wurden ähnliche Entscheidungen getroffen. Am Flughafen wurden die Geldbeträge durch den Zoll sowie von den nationalen Sicherheitsbehörden und dem Innenministerium kontrolliert. Außerdem wurden strenge Normen für den Export von Lebensmitteln, Industriegütern und Vieh aus der Region festgelegt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den ersten drei Tagen nach Bekanntgabe der Einführung der Nationalwährung verstärkte sich die Panik der Käufer nur noch. Wie es in den archivierten Veröffentlichungen der Medien heißt, kauften die Menschen Graupen, Hirse und sogar zwei Wochen alte Zeitungen. Gleichzeitig wurden in vielen Städten sogar Lebensmittelgeschäfte geschlossen. Und in denen, die geöffnet hatten, standen die Menschen Schlange für Brot und Milch. Die Preise schossen in diesen Tagen in die Höhe, während die Menschen versuchten, ihre wertlos gewordenen Ersparnisse loszuwerden und so viel zu kaufen, wie nur irgend möglich. Und dies, obwohl die Behörden versuchten, Maßnahmen zu ergreifen, um den massenhaften Wertverlust und den kompletten Aufkauf aller Waren an diesem Tag zu verhindern.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Es war die Rede davon, dass man das Geld umtauschen sollte, da der sowjetische Rubel bereits nichts mehr wert war, die Preise gingen in die Tausende. Alles war bereits sehr teuer, aber die Preise stiegen weiter. Vor dem Umtausch begannen die Menschen, in den Geschäften einfach alles zu kaufen, ob sie es brauchten oder nicht, ob es teuer war oder nicht – man hatte Angst, es überhaupt nicht mehr besser werden würde“</em>, erinnert sich Natalia Katuntseva.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die neue Währung wurde am 15. November 1993 eingeführt. Von diesem Tag an war auf dem Gebiet der Republik Kasachstan der Umlauf von Staatsanleihen und Banknoten der Staatsbank der UdSSR und der Bank Russlands der Jahre 1961 bis 1992 in den Stückelungen 1.000, 5.000 und 10.000 Rubel, und ab dem 18. November der Umlauf von Rubel in den Stückelungen 1 bis 500 verboten. Der Umtausch sowjetischer Rubel in Tenge dauerte bis zum 20. November.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig wurde eine Einschränkung eingeführt: Es war nur möglich, maximal bis zu 100.000 Rubel pro Person umzutauschen. Im Pass wurde ein Stempel angebracht, um auszuschließen, dass Rubel bei zwei oder mehr Banken gleichzeitig umgetauscht wurden. Beträge, die dieses Limit überstiegen, wurden zum Kurs von 1 Tenge für 500 Rubel einem speziellen Privatkonto ohne Nutzungsrecht für sechs Monate gutgeschrieben. In dieser Zeit prüfte eine Sonderkommission die Quelle und Rechtmäßigkeit der Herkunft. Die Freigabe dieser Konten erfolgte nur mit Genehmigung dieser Kommission.&nbsp;&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aufgrund der eingeführten Beschränkungen waren diejenigen, die über größere Geldbeträge verfügten, dazu gezwungen, nach anderen Möglichkeiten des Bargeldumtausches zu suchen. Sie suchten nach Mittelsmännern, vor allem unter Studenten, die für einen kleinen Prozentsatz Rubel in Tenge als ihr eigenes Geld umtauschten. Aber diese legten ihre eigene „Gebühr“ für diese Dienstleistung fest: von 25.000 Rubel bis zu 100.000 Rubel. Auch wurden Fälle von Amtsmissbrauch registriert. In Almaty beispielsweise versuchte ein Fahrer der „Kazsberbank“, 400 Tenge für 800.000 russische Rubel zu verkaufen. Ein Postbeamter versuchte, mit den Pässen seiner Bekannten 40 Millionen Rubel gegen 2.800 Tenge einzutauschen. Bei der Durchsuchung seines Arbeitsplatzes wurden 24 Pässe ohne Vermerk auf den Geldwechsel gefunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Ich erinnere mich, als der Geldumtausch begann, haben diejenigen, die kein eigenes Geld hatten, für andere gegen eine gewisse Belohnung Geld als ihr eigenes umgetauscht. Es gab auch Menschen, die über große Geldbeträge verfügten, aber keine solche Mittelsmänner zum Umtausch finden konnten. Sie haben damit begonnen, im großen Umfang Waren zu tauschen, die zumindest einen gewissen Wert hatten. Einige haben versucht, in Dollar zu investieren.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Zu dieser Zeit war der „Schwarzmarkt“ für Dollars weit verbreitet. Beispielsweise gab es an der Straßenecke Gogol-Straße und Qunaev-Straße eine Bank und ganz in der Nähe hingen ständig Devisenhändler herum. Man konnte die Devisen nicht direkt kaufen, aber man konnte zu ihnen gehen und bei ihnen Dollar zu einem bestimmten Kurs kaufen. Wer konnte, kaufte hier. Wer etwas übrig hatte, versuchte, so viel wie möglich zu investieren, bis zu dem Moment, als der Rubel nicht mehr im Umlauf war. Deshalb ist wirklich alles nur Denkbare aus den Geschäften verschwunden“</em>, erzählt Aleksej Feoktistov, Einwohner von Almaty.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Laufe einer Woche, in der Zeit des Umtausches des alten Bargeldes in die kasachstanische Währung, stieg in Almaty die Nachfrage nach sowjetischen Geldscheinen – die Straßendealer kauften sie zu einem Kurs von einem US-Dollar zu 7000 Rubel, dann von einem US-Dollar zu 3000 Rubel. Unmittelbar nach der Ankündigung des Übergangs zur Nationalwährung allerdings erreichte der US-Dollar die Höchstmarke von 20.000 bis 30.000 Rubel (aus der Zeitung „Panorama“ vom 20. November 1993).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aleksej Feoktistov erinnert sich, dass er als Jugendlicher das nach dem Umtausch übriggebliebene Geld der Familie zu „investieren“ und sich dann einen Taschenrechner kaufte, den er noch immer in funktionstüchtigem Zustand besitzt: <em>„Ich habe das gesamte Geld gesammelt, das es in der Familie gab. Hätte ich es in Dollar eingetauscht, hätte ich 15 Dollar bekommen. Heutzutage wird in Kryptowährung und in Bitcoins investiert, aber ich habe in einen Taschenrechner investiert.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Verwandten der Almatinerin Tatiana Vorobeva versuchten ebenfalls, die höchsten Verluste zu vermeiden, und teilten das Geld in der Familie auf. <em>„Ich war damals zehn Jahre alt. Ich erinnere mich, dass mütterlicherseits keiner der Verwandten eine solch hohe Summe besaß, als dass sie sich ernsthaft um den Umtausch hätten Gedanken machen müssen. Jeder ging los, und veränderte sich innerhalb seiner Grenzen. Aber auf Seiten des Stiefvaters war die Panik groß: Sie hatten das Geld zuhause, es war ein großer Betrag. Nach damaligen Maßstäben war es der Wert von zwei <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wolga_(Automarke)">Wolgas</a>. Und dann stieg meine Mutter mit ein: das ganze Geld wurde unter den Verwandten aufgeteilt und alle gingen los und tauschten das Geld um, und dadurch betrug der Verlust nur etwa 500 Rubel“</em>, erzählt sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach ihren Worten kam die Panik erst später: „<em>Wenn man statt einer anständigen Summe im Verhältnis 1:500 praktisch nichts bekommt, dann heißt das schon etwas“.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 15. November stellten sich die Rentner von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Taras_(Kasachstan)">Jambyl</a> ab 4 Uhr morgens in die Schlange am Postamt an, aber die Bank hielt das Geld zurück. Auch in Jezqasģan verzögerte sich die Geldausgabe. In Almaty gab es Schlangen an den Sparkassen und an den Postfilialen. In <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Schymkent">Shymkent</a> blieben die Regale in den Geschäften leer…</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch in Issyk (heute Esik) entstanden laut Natalia Katuntszeva in der Zeit des Geldumtauschs Warteschlangen. Und sie merkt ebenfalls an, dass Menschen, die viel Bargeld besaßen, es sich von anderen gegen ein Entgelt umtauschen ließen. Aber in der Familie von Natalia und in ihrem Umfeld gab es niemanden, der große Summen Geld verloren hätte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In dem Dorf Oktjabrskij allerdings, wo Alma damals lebte, war das Gegenteil der Fall: alle hielten Vieh, daher hatten, wie sie sagt, viele Menschen ihre „Verstecke“ zu Hause, aber viele Dorfbewohner verloren aufgrund der Beschränkungen beim Geldwechsel ihre Ersparnisse. Auch die Rentner litten, als auch das gesamte Geld in den Sparbüchern abgeschrieben wurde. Die Familie von Alma sparte für ein Auto, aber nach der Einführung des Tenge war von den Ersparnissen <em>„fast nichts mehr übrig“</em>. Mit Tenge konnte man bereits kein Auto mehr kaufen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Wir haben gespart, wollten uns ein Auto kaufen. Damals kostete ein alter <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Schiguli_(Automobil)">Schiguli</a> 3.000 Rubel. Wir haben uns das Geld zusammengespart und alles in die Sparkasse einbezahlt. Als es umgetauscht wurde, blieb so gut wie nichts mehr übrig, und so kauften wir gar nichts“</em>, erzählt Alma.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einige aber konnten von der Situation profitieren: beispielsweise haben jene, die bei Banken Kredite zum Kauf von Wohnungen aufgenommen hatten, in der Zeit des unkontrollierten Preisanstiegs ihr Vieh verkauft und so ihre Kredite zurückbezahlt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Glück hatten diejenigen, die Kredite zum Hausbau oder zum Kauf aufgenommen hatten und es gerade noch geschafft haben, die Landwirtschaft zu verkaufen. Sie konnten sich auskaufen. Bei uns im Dorf lebte ein junger Facharbeiter, er kaufte eine Doppelhaushälfte für drei oder vier Millionen Rubel. Als der Geldumtausch stattfand, verkaufte er auf dem Markt einen Jungbullen für 4 Millionen und zahlte den Kredit ab“</em>, merkt Gulıa, die Bewohnerin des Dorfes Erkin, an.&nbsp;</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Der erste Wechselkurs und eine Serie an Geldabwertungen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Vorteile der Einführung des Tenge beinhaltete, dass Kasachstan eine eigenständige Geldpolitik betreiben und einen direkten, einmaligen Geldwechsel für die Bevölkerung durchführen konnte. Aber es gab auch Nachteile: die technischen Probleme waren nicht vollständig geklärt, die gegründete Münzprägeanstalt schaffte es nicht, die erforderliche Menge an Münzen bis Jahresende zu prägen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daher wurde beschlossen, den Tiyn vorerst auf Papier zu drucken und erst mit Fertigstellung der Münzprägeanstalt vollwertige Münzen in Umlauf zu bringen. Auch ergab sich die Frage: wie sollte der Wechselkurs festgelegt werden. Es wurden Varianten eines variablen Zinssatzes, eines kontrolliert variablen Zinssatzes innerhalb einer Wertspanne, einer Bindung an den US-Dollar oder eines Währungskorbs berücksichtigt. Man beschloss, bei einem gesteuerten Kursfluss zu bleiben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der erste Kurs wurde von der Nationalbank des Landes auf 4,69 Tenge pro US-Dollar festgelegt, und bereits am 18. November passte die Nationalbank den Kurs an: 47,04 Tenge pro 10 US-Dollar.Am 17. November 1993 wurde zur Organisation und Entwicklung des nationalen Währungsmarktes die Valutabörse für den Bankensektor Kasachstans (heute KASE) gegründet. Die erste Fremdwährungsgeschäfte liefen in US-Dollar. Am 19. November nahmen 12 Banken am Handel teil, der Dollarkurs wurde auf einem Niveau von 4,68 Tenge fixiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ursprünglich nahm man an, dass ein fester Tenge-Wechselkurs mit einer monatlichen Abwertung von 2-3 Prozent eingeführt würde, falls die Devisenreserven für eine effektive Steuerung des Wechselkurses nicht ausreichen würden. Hauptsächlich entscheidend war aber, einen einheitlichen Wechselkurs anzuwenden, den Unterschied in der realen Kaufkraft der Währungen jedoch durch andere Mechanismen während der Privatisierung unter Beteiligung ausländischer Investoren auszugleichen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Sicherstellung der Landeswährung wurde aus vier Quellen konzipiert: den Gold- und Devisenreserven der Nationalbank, dem Währungsfonds des Landes, einem externen Stabilisierungsfonds, sofern dieser von internationalen Organisationen bereitgestellt wird, sowie einer positiven Zahlungsbilanz.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Die anschließende Hauptaufgabe bestand darin, das Exportvolumen zu steigern und den Erhalt der Deviseneinnahmen aus dem Export in Ordnung zu bringen. In den ersten Jahren nach Einführung der Landeswährung herrschte ein erheblicher Mangel an inländischen Quellen für Fremdwährung. Der Abfluss von Fremdwährungen aus dem Land stellte eine Gefahr für die Stabilität des Wechselkurses dar“</em>, erinnert sich Nazarbaev.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um die Zahlungsfunktion des Tenge und das Vertrauen in die nationale Währung zu stärken, wurden Aus- und Einfuhrzölle auf Zahlungen in Tenge übertragen, verboten waren Einzelhandel in Fremdwährung und Tauschgeschäfte für juristische Personen. All dies ermöglichte es laut Nazarbaev, die Lage zu stabilisieren und mit der Konsolidierung der Landeswährung zu beginnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum „Belastbarkeitstest“ wurde allerdings die Finanzkrise in Russland im Jahr 1998. Eine deutliche Abwertung der Landeswährungen der Handelspartner Kasachstans führte zu einer realen Verteuerung. Große Deviseninterventionen der Nationalbank hatten nur eine vorübergehende Wirkung und führten zu einem deutlichen Rückgang der Gold- und Devisenreserven des Landes.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es wurde notwendig, den Tenge abzuwerten, was am 4. April 1999 erfolgte. Zu jener Zeit wurde beschlossen, von der Praxis der kontrollierten Wechselkursschwankungen zur freien Schwankung des Tenge-Wechselkurses überzugehen. Lag der Dollarkurs am 4. April bei 88 Tenge, so kostete ein US-Dollar am Abend des 5. April 150 bis 160 Tenge. Bis August 1999 pendelte sich der Wechselkurs auf dem Niveau von 130-135 Tenge pro US-Dollar ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Angaben der Regierung der Republik sollte der variable Wechselkurs in erster Linie dazu dienen, das Volumen der kasachstanischen Exporte zu stützen und zu steigern und es der Nationalbank ermöglichen, die kostspieligen Bemühungen zur Aufrechterhaltung des Tengekurses zu stoppen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die erste Abwertung des Tenge erfolgte im Zusammenhang mit sinkenden Weltmarktpreisen für Öl, der asiatischen Finanzkrise von 1997-1998 sowie dem russischen Zahlungsausfall im Jahr 1998. Am 4. Februar 2009 kam es in Kasachstan zur zweiten Abwertung der Landeswährung: Innerhalb weniger Stunden stieg der Wert des US-Dollars in den Wechselstuben von 128 auf 170 Tenge, später wurde der Wechselkurs des Tenge gegenüber dem US-Dollar auf 150 Tenge festgesetzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Anpassung des Wechselkurses der Landeswährung erfolgte erneut vor dem Hintergrund eines deutlichen Rückgangs der Ölpreise und der Abwertung der Landeswährungen in Ländern, die Handelspartner von Kasachstan waren, insbesondere in Russland: Dort betrug die Abwertung 44 Prozent. Die Nationalbank ging davon aus, dass die Abwertung des Tenge das potenzielle Defizit der Zahlungsbilanz Kasachstans halbieren und die Gold- und Devisenreserven schützen würde, da seit Ende 2008 6 Milliarden US-Dollar zur Stabilisierung des Devisenmarktes und der Aufrechterhaltung des Tenge-Wechselkurses ausgegeben wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die dritte Abwertung fand am 11. Februar 2014 statt – der Tenge verlor etwa 20 Prozent an Wert und fiel von 155 Tenge auf mindestens 185 Tenge pro Dollar. Zu diesem Zeitpunkt schrumpfte der Wert des Tenge gegenüber des US-Dollar seit der Einführung der Landeswährung um das 80-fache.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum vierten Mal verlor der Tenge im August 2015 deutlich an Boden, er fiel innerhalb eines Tages um 26 Prozent. Ein Dollar kostete nun 255 Tenge. Die Nationalbank kündigte eine neue Geldpolitik an, die auf Inflationszielen und einem frei schwankenden Wechselkurs basierte. Infolgedessen lag der Durchschnittskurs am Jahresende bereits bei 322 Tenge.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bis zum Jahr 2020 war der Tenge-Wechselkurs relativ stabil, er lag im März 2020 bei 382 Tenge. Die Pandemie aber trug zu einer weiteren Schwächung der Landeswährung bei – der US-Dollar Stieg auf 400 Tenge. Im Jahr 2021 lag der Kurs bei 420 Tenge pro Dollar. Im Februar letzten Jahres wurde die Stabilität des Wechselkurses durch den Absturz des russischen Rubels im Zusammenhang mit der militärischen Invasion in der Ukraine und den darauffolgenden Sanktionen gegen Russland negativ beeinflusst. Der Dollarkurs erreichte 518 Tenge.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um die Landeswährung zu stützen, führte die Nationalbank am 28. Februar Deviseninterventionen in Höhe von 98,1 Millionen US-Dollar durch. Das Volumen der Deviseninterventionen im März belief sich auf über 990 Millionen US-Dollar oder 29 Prozent des gesamten Devisenhandelsvolumens. Aufgrund der Stabilisierung der Lage am inländischen Devisenmarkt im April führte die Nationalbank keine weiteren Deviseninterventionen mehr durch. Mitte Juni berichtete der Chef der Nationalbank, Galymjan Pirmatov, dass die Gold- und Devisenbestände seit Jahresbeginn um 1,6 Milliarden US-Dollar zurückgegangen seien, auch aufgrund von Deviseninterventionen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Nationalbank hält weiterhin am flexiblen Wechselkurssystem fest, und die Volatilität des Tenge hängt nun von der geopolitischen Lage und der Lage auf den Weltmärkten ab.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Die Fotografien wurden von der Nationalbibliothek der Republik Kasachstan und dem Zentralen Staatsarchiv für Film- und Fotodokumenten und Tonaufnahmen der Republik Kasachstan zur Verfügung gestellt.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Irina Gumyrkina für Vlast</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://vlast.kz/modern_history/53658-1993-god-kak-vvodili-tenge.html">Russischen</a> von Philipp Dippl</strong></p>



<p class="has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kanälen: Schaut mal vorbei bei <a href="https://twitter.com/novastan_de">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/Novastan.org/">Facebook</a>, <a href="https://telegram.me/novastan">Telegram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/company/novastan/">Linkedin</a> oder <a href="https://www.instagram.com/novastanorg/">Instagram</a>. Für Zentralasien direkt in eurer Mailbox könnt ihr euch auch zu unserem <a href="http://eepurl.com/O0Qub">wöchentlichen Newsletter anmelden</a>.</strong></em></p>
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		<title>Zahltag</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 26 Oct 2019 02:16:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bild des Tages]]></category>
		<category><![CDATA[Geldscheine]]></category>
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		<category><![CDATA[Währung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Trotz der W&#xE4;hrungsreform und dem Druck von 10 000, 50 000 und 100 000 Sum Scheinen verbringen Usbeken noch viel Zeit damit, 1000 Sum Scheine zu z&#xE4;hlen. Photo: Herv&#xE9; Girolet (Frankreich) Hier geht&#x2019;s zu mehr Bildern des Tages.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Trotz der Währungsreform und dem Druck von 10 000, 50 000 und 100 000 Sum Scheinen verbringen Usbeken noch viel Zeit damit, 1000 Sum Scheine zu zählen.</p>
<p><strong>Photo: Hervé Girolet</strong> (Frankreich)</p>
<p><a href="https://novastan.org/de/cat/bild-des-tages/">Hier</a> geht’s zu mehr Bildern des Tages.</p>
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		<title>Halykcoin – Die erste kasachstanische Kryptowährung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[thevillage]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 11 Jan 2018 10:24:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Blockchain]]></category>
		<category><![CDATA[Kryptowährung]]></category>
		<category><![CDATA[Währung]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kasachstan bekommt eine eigene Kryptow&#228;hrung. Dies teilte die Initiative &#8222;Halykcoin Foundation&#8220; mit. Die Meldung dazu erschien im russischen Original bei The Village Kazakhstan. Kasachstan hat seine erste eigene Kryptow&#228;hrung erhalten &#8211; den Halykcoin. Ausgangspunkt war der Wunsch nach einer dezentralen, anonymen und zuverl&#228;ssigen Zahlungsoption. <a class="glossaryLink"  aria-describedby="tt"  data-cmtooltip="&#60;div class=glossaryItemTitle&#62;Kryptow&#228;hrungen&#60;/div&#62;&#60;div class=glossaryItemBody&#62;&#38;lt;!-- wp:paragraph --&#38;gt;Kryptow&#228;hrungen funktionieren auf Grundlage einer algorithmisch berechenbaren Zahlenreihe, der Blockchain. Diese misst den einzelnen W&#228;hrungseinheiten, den Coins, ihren Wert zu und stellt sicher, dass die W&#228;hrung nicht gef&#228;lscht werden kann. Grunds&#228;tzlich kann mit gen&#252;gend Rechenleistung jeder einen neuen Coin generieren, indem die Blockchain einmal durchgerechnet wird, dieser Prozess wir auch &#38;quot;Mining&#38;quot; genannt. Jeder Coin ist allerdings schwerer zu erzeugen als der vorherige, da die Blockchain mit jedem neu errechneten Coin l&#228;nger wird.&#38;lt;br/&#38;gt;&#38;lt;!-- /wp:paragraph --&#38;gt;&#60;/div&#62;"  href="https://novastan.org/de/glossary/kryptowaehrungen/"  data-gt-translate-attributes='[{"attribute":"data-cmtooltip", "format":"html"}]'  tabindex='0' role='link'>Kryptow&#228;hrungen</a> sind digitale Zahlungsmittel, die im Gegensatz zu regul&#228;ren W&#228;hrungen nicht [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Kasachstan bekommt eine eigene Kryptowährung. Dies teilte die Initiative „Halykcoin Foundation“ mit. Die Meldung dazu erschien im russischen Original bei <a href="http://www.the-village.kz/village/city/kznews/935-v-kz-sozdali-pervuyu-narodnyu-kriptovalyutu">The Village Kazakhstan</a>.<br />
</strong></p>
<p style="text-align: justify">Kasachstan hat seine erste eigene <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kryptow%C3%A4hrung">Kryptowährung</a> erhalten – den Halykcoin. Ausgangspunkt war der Wunsch nach einer dezentralen, anonymen und zuverlässigen Zahlungsoption.</p>
<p style="text-align: justify">Kryptowährungen sind digitale Zahlungsmittel, die im Gegensatz zu regulären Währungen nicht von einer Zentralbank, sondern durch private Nutzer in Umlauf gebracht. Informationen zu den Guthaben und Zahlungen werden nach dem dezentralen und Anonymen Prinzip einer <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Blockchain">Blockchain</a> gespeichert und weitergegeben. Zurzeit gibt es weltweit über 4500 Kryprowährungen, die bekannteste davon ist der Bitcoin.</p>
<p style="text-align: justify">Die kasachstanische Kryptowährung von der Initiative „Halykcoin Foundation“ konzipiert, deren Mitglieder zum Großteils Bürger Kasachstans sind.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/wie-bitcoins-die-zentralasiatische-wirtschaft-revolutionieren-knnten/">Wie Bitcoins die zentralasiatische Wirtschaft revolutionieren könnten</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">„<em>Das nächste Ziel unseres Teams besteht in der Errichtung der für die Entwicklung der Kryptowährung notwendigen Infrastruktur im Land“</em>, teilt die Pressestelle von Halykcoin mit. Damit sind vor allem die technischen und juristischen Rahmenbedingungen und die Ausarbeitung einer Basissoftware für Nutzer und Geschäftsleute gemeint.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Ein Vorverkauf in drei Etappen</strong></p>
<p style="text-align: justify">„<em>Die Erfahrung bestehender Kryptowährungen hat gezeigt, dass eine Begrenzung der Emissionsmenge sowie steigende Kosten für die Veröffentlichung jedes neuen Coins der kasachischen Kryptowährung ein stabiles Wachstum ermöglichen werden“</em>, heißt es weiter.</p>
<p style="text-align: justify">Laut Angaben der Stiftung arbeiten 15 Personen zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Währung an diesem Projekt. Die meisten von ihnen sind Programmierer, Krypto- und Marketingexperten.</p>
<p style="text-align: justify">Zum Aufbau der Infrastruktur wird ein nationales ICO (<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Initial_Coin_Offering">Initial Coin Offering</a>, Anm. d. Red.) der neuen Währung durchgeführt. Die Währung kann zum Eröffnungspreis auf der offiziellen Seite des Projekts halykcoin.org erworben werden. Der Vorverkauf verläuft in drei Etappen mit schrittweiser Preiserhöhung vom 21. Dezember 2017 bis zum 21. März 2018.</p>
<p style="text-align: justify">In dieser Zeit sollen 15 000 000 HLC (Kryptowährungscode) erstellt werden. Maximal ermöglicht der Algorithmus 185 000 000 HLC, die weitere Emission wird dann von den Nutzern selbst über ihre Computer erzeugt.</p>
<p style="text-align: right"><a href="http://www.the-village.kz/village/city/kznews/935-v-kz-sozdali-pervuyu-narodnyu-kriptovalyutu"><strong>The Village Kazakhstan</strong></a></p>
<p style="text-align: right"><strong>Aus dem Russischen von Katharina Kluge<br />
Mit Ergänzungen von der Redaktion</strong></p>
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		<title>Die Entstehungsgeschichte des kirgisischen Som</title>
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		<dc:creator><![CDATA[openasia]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 15 Apr 2017 04:11:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Design]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Som]]></category>
		<category><![CDATA[Währung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kirgistan war die erste zentralasiatische Republik, die nach dem Ende der Sowjetunion eine eigene W&#xE4;hrung einf&#xFC;hrte. The Open Asia hat Dmitryj Lisogorow, den Designer der&#xA0; ersten Som-Scheine und des ersten kirgisischen Passes getroffen. Wir &#xFC;bersetzen den Artikel mit der freundlichen Genehmigung der Redaktion. In Kirgistan diskutiert man momentan &#xFC;ber den Entwurf des zuk&#xFC;nftigen biometrischen Passes [&#x2026;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong><em>Kirgistan war die erste zentralasiatische Republik, die nach dem Ende der Sowjetunion eine eigene Währung einführte. The Open Asia hat Dmitryj Lisogorow, den Designer der  ersten Som-Scheine und des ersten kirgisischen Passes getroffen. Wir übersetzen <a href="http://theopenasia.net/articles/detail/dmitriy-lysogorov-dizayner-narisovavshiy-somy-i-kyrgyzskiy-pasport/">den Artikel</a> mit der freundlichen Genehmigung der Redaktion. </em></strong></p>
<p style="text-align: justify">In Kirgistan diskutiert man momentan über den Entwurf des <a href="https://ru.sputnik.kg/infographics/20160617/1026655117.html">zukünftigen biometrischen Passes</a> und erst vor kurzem hat die kirgisische Nationalbank modifizierte 1000, 200, 100 und 50 Som Geldscheine in Umlauf gebracht. Auch ein grafisches Symbol für den Som, die kirgisische Währung, wurde nun definiert.</p>
<p style="text-align: justify">Das alles beweist, dass Kirgistan weiter an der Definierung seiner staatlichen Symbole arbeitet. Wie jede Änderung sind natürlich auch diese nicht unumstritten.</p>
<p style="text-align: justify">Ein passender Moment, also, um einen Blick auf die Geschichte zu werfen: Wie verlief die Arbeit an den ersten Entwürfen der kirgisischen Währung? Worum ging es in den Streitigkeiten um die erste Version des kirgisischen Passes? Dmitrij Lysogorow, grafischer Designer, Maler und Fotograf hat sowohl die erste Soms als auch den ersten kirgisischen Pass entworfen. „Open Asia online“ hat ihn getroffen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Die erste zentralasiatische Währung </strong></p>
<p style="text-align: justify">Als Kirgistan 1993 den Som einführte, gehörte es zu den ersten postsowjetischen Ländern mit einer eigenen Währung. Alle anderen zentralasiatischen Länder nutzten zu der Zeit noch den Rubel. Die Vorbereitungen für den Schritt begannen gleich nach der Unabhängigkeit.</p>
<p style="text-align: justify">„<em>Im Jahr 1991 waren mein Geschäftspartner Anatolij Zyganok und ich zur Nationalbank eingeladen</em>“, erinnert sich Dmitrij Lysogorow. „Der Vorsitzende, <em>Kemelbek Nanajew, bot uns an, die nationale Währung zu entwerfen. Als Honorar versprach er uns ein Auto oder eine Wohnung. Wir haben weder das eine, noch das andere jemals bekommen, aber die Arbeit war natürlich auch so für uns von großem Interesse</em>“.</p>
<p><figure id="attachment_8595" aria-describedby="caption-attachment-8595" style="width: 1024px" class="wp-caption alignnone"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-large wp-image-8595" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/04/4bf73d12d983414382ed8b63c6d4037e-1024x683.jpg" alt="Dmitrij Lysogorow" width="1024" height="683" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/04/4bf73d12d983414382ed8b63c6d4037e.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/04/4bf73d12d983414382ed8b63c6d4037e-300x200.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/04/4bf73d12d983414382ed8b63c6d4037e-768x512.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/04/4bf73d12d983414382ed8b63c6d4037e-128x86.jpg 128w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-8595" class="wp-caption-text">Der Designer Dmitrij Lysogorow</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Den Som zu designen war nicht nur interessant, sonder auch extrem schwierig. In Kirgistan gab es Anfang der 1990er keine Spezialisten auf dem Gebiet und natürlich auch keine Erfahrungswerte. Die Designer konnten auch nicht schnell nach Informationen „googeln“ oder ausländische Experten anschreiben, weil Kirgistan noch nicht ans Internet angeschlossen war.</p>
<p style="text-align: justify">Weder die Nationalbank noch die Grafikspezialisten nutzten damals Computer. „<em>Man musste die Information Stück für Stück sammeln. Die erste Dienstreise ging nach Litauen, das bereits eine eigene Währung hatte. Aber der dortige Künstler konnte uns nichts besonderes sagen. Er hat uns nur vor seinem Fehler ermahnt, erst die Beamten und dann die Designer über die Arbeitsschritte zu informieren.</em>“</p>
<p style="text-align: justify">Das ließ sich natürlich auch in Kirgistan nicht vermeiden. Die Beamten beschlossen, die ersten Geldscheine in der Türkei zu drücken. Dort wurden überaus günstige Bedingungen geboten.</p>
<p style="text-align: justify">„<em>Anatolij und ich reisten mit einer kirgisischen Delegation nach Ankara, um uns mit dem Design und dem Druck von Geldscheinen vertraut zu machen. Wir wurden sehr gut empfangen. Aber meine Kollegen und ich waren überracht und etwas enttäuscht, dass der ganze Prozess dort manuell ablief</em>“, so Lysogorow.</p>
<p style="text-align: justify">Aber wen interessiert die Meinung des Designers, wenn die Entscheidung schon auf höchster Ebene gefällt ist?</p>
<p style="text-align: justify">„<em>Während unseres Aufenthalts in Ankara wurde der türkische Tag der Republik im Hotel „Scheraton“ gefeiert. Dort war auch eine große kirgisische Delegation unter der Leitung des Präsidenten Askar Akajew anwesend. Dort haben wir ihn auch getroffen. Wir teiltem Akajew unseren Zweifel ehrlich mit. Er antwortete: ‚Was soll man machen, die erste Geldscheine sollen auf höhstem Niveau hergestellt werden. Wir müssen nach England</em>“, erinnert sich Lysogorow.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Wettrennen mit Kasachstan </strong></p>
<p style="text-align: justify">In Großbritannien machten sich die Designer mit mit dem ganzen Prozess des Gelddrucks vertraut. Dann begann die eigentliche Arbeit. Man informierte sie, dass sie innerhalb von drei Tagen die ersten Skizzen eines „provisorischen Som“ vorstellen sollten.</p>
<p style="text-align: justify">„<em>Man sagte uns, das es sehr wichtig sei. Wir sollten unsere Nachbarn überholen, damit war natürlich Kasachstan gemeint. Anatolij und ich warfen ein Los: Ich sollte an den Som arbeiten und er an den Tijins</em> (Die Unterteilung des Som. Die ersten Tijins waren aus Papier, Anm. d. Red.)“</p>
<p style="text-align: justify">Die ersten Geldscheine, die 1993 gedruckt wurden, unterschieden nur durch ihren Wert und ihre Farbe voneinander.</p>
<p><figure id="attachment_8594" aria-describedby="caption-attachment-8594" style="width: 1024px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="size-large wp-image-8594" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/04/679d81ada8023a8f094e9c51b1a0a80a-1024x768.jpg" alt="Design Kirgistan Währung Som" width="1024" height="768" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/04/679d81ada8023a8f094e9c51b1a0a80a.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/04/679d81ada8023a8f094e9c51b1a0a80a-300x225.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/04/679d81ada8023a8f094e9c51b1a0a80a-768x576.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/04/679d81ada8023a8f094e9c51b1a0a80a-800x600.jpg 800w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-8594" class="wp-caption-text">Skizzen der ersten kirgisischen Som</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">„<em>Ehrlich gesagt gefielen mir die gedruckten Somsscheine gar nicht. Ich machte die Skizzen mit Buntstiften und viele Details wurden beim Druck nicht berücksichtigt. Auch die Papierqualität ließ sehr zu wünschen übrig. Einmal hat meine Frau eine meiner Hosen mit den neuen Scheinen gewaschen: Die Farbe war weggewischt. Ihre wirtschaftliche und wahrscheinlich auch politische Rolle haben die ersten Somscheine aber erfüllt</em>“, so Lysogorow.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Unbekannter „Drucker“</strong></p>
<p style="text-align: justify">Lysogorow und sein Kollege Zyganok arbeiteten weiter am Design der eigentlichen Somscheine.</p>
<p style="text-align: justify">&#8222;<em>Ohne Computer war die Arbeit sehr aufwändig. Wir haben jedes Detail der zukünftigen Scheine mit Gouache gemalt, mit dem Zoom fotografiert und dann ausgeschnitten, um der Gesamtkompisition einzelne grafische Elemente hinzuzufügen</em>.&#8220; Lysogorows Frau und sein Sohn mussten ihm manchmal dabei helfen.</p>
<p style="text-align: justify"><em>„Ich arbeitete mit Pigmentdruck. Das ist ganz einfach, aber sehr aufwändig. Am Ende kommt ein optimales Bild dabei raus. Die Engländer fragten uns, welchen Drucker wir nutzten. Wir versuchten ihnen zu verstehen zu geben, dass wir ganz von Hand arbeiteten. Sie glaubten aber uns nicht</em>“, erinnert sich der Designer lachend. „<em>Mehrere Kommissionen arbeiteten am Som. Anatolij und ich waren nur für das Design verantwortlich. Man sagte uns lediglich, wen oder was die Scheine abbilden sollen. Auf dem Zehn-Som Schein sollte zum Beispiel ursprüglich der Schauspieler </em><a href="http://encyclopedia2.thefreedictionary.com/Muratbek+Ryskulov"><em>Muratbek Ryskulow</em></a><em> abgebildet sein.</em>“</p>
<p style="text-align: justify">„<em>Auch hier hat das Los über der Arbeitsverteilung entschieden: Ich arbeitete an 1, 10, 20 Soms. Anatolij, jeweils, an 5, 50, 100</em>“, fügt Lysogorow hinzu. „<em>Der Zehn-Som Schein ist übrigens auch dadurch interessant, dass die Rückseite wegen des Personenwechsel von mir ausgearbeitet wurde und die Vorderseite von Anatolij Zyganok.</em>“</p>
<p style="text-align: justify">Die ersten Skizzen zeigten die Designer den Parlamentsabgeordneten, aber es gab dazu so viele Meinungen wie Abgeordnete. Um Zeit zu sparen, entschloss sich der Vorsitzende der Nationalbank, nicht mehr um die Absegnung des Parlaments zu bitten. Er schickte die Skizzen an ein Design Büro in den Niederlanden, das sehr davon angetan war. Auch dem Präsidenten Akaej wurden sie vorgelegt.</p>
<p><figure id="attachment_8592" aria-describedby="caption-attachment-8592" style="width: 1024px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-8592" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/04/16396a0dd32c78a3708efc9d9047a009-1024x768.jpg" alt="Kirgistan Währung Som" width="1024" height="768" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/04/16396a0dd32c78a3708efc9d9047a009.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/04/16396a0dd32c78a3708efc9d9047a009-300x225.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/04/16396a0dd32c78a3708efc9d9047a009-768x576.jpg 768w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/04/16396a0dd32c78a3708efc9d9047a009-800x600.jpg 800w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-8592" class="wp-caption-text">Entwürfe für die Som-Scheine mit kyrillischen und lateinischen Schriftzeichen</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Einige Skizzen trugen Inschriften mit lateinischen Buchstaben. Damals erwog Kirgistan, nach dem Modell von Usbekistan auf die kyrillische Schrift zu verzichten. Man enschloss sich aber letztendlich, nichts zu riskieren.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Neuntausend Som für die Ausarbeitung der nationalen Währung.</strong></p>
<p style="text-align: justify">Nach getaner Arbeit erhielten die Designer weder ein Auto, noch eine Wohnung. Sie wurden in frisch gedruckten Som bezaht: „<em>Jeder von uns hat neuntausend Som bekommen. Wir haben sie sofort in Dollar umgetauscht, damalt waren das ungefähr viertausend US Dollar. Eine gute Entscheidung, wie sich herausstellte, denn der Som verlor sehr schnell an Wert</em>.“</p>
<p style="text-align: justify">Danach beschäftigte sich Lysogorow nicht mehr mit dem Design der Somscheine: „<em>Einerseits tat es mir Leid, weil ich schon viel Erfahrung und Kenntnisse erworben hatte. Aber es war Zeit für andere große Projekte</em>.“</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Die Entstehung des kirgisischen Passes<br />
</strong></p>
<p style="text-align: justify">Im Jahr 2004 führte Kirgistan einen eigenen Pass ein und Lysogorow wurde kontaktiert, um das Design zu erarbeiten. „<em>Erst musste ich das Staatswappen &#8218;korrigieren&#8217;“, gesteht Lysogorow. „Maler, nicht Designer hatten unser Wappen entworfen. Der genehmigte Entwurf war riesig, anderthalb mal anderthalb Meter. Niemand dachte damals daran, dass das Wappen bei einem Kleindruck zu einem Fleck wird, da alle Details zusammenfließen. Besonders bei einer Goldprägung.</em>“</p>
<p><figure id="attachment_8597" aria-describedby="caption-attachment-8597" style="width: 1024px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-8597" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/04/d524305981003c96dff816014a57a371-1024x562.jpg" alt="Pass Kirgistan" width="1024" height="562" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/04/d524305981003c96dff816014a57a371.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/04/d524305981003c96dff816014a57a371-300x165.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/04/d524305981003c96dff816014a57a371-768x422.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-8597" class="wp-caption-text">Der von Lysogorow entworfene kirgisische Pass</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">Bei der Bearbeitung des Wappens beging Lysogorow aber einen „schlimmen ideologischen Fehler“: „<em>Heute hört es sich natürlich lustig an. Damals machten die Abgeordneten aber so einen Rummel, dass mir das Lachen verging. Ich hatte die falsche Anzahl an Gipfeln in das Wappen gemalt. Ich hätte nie daran gedacht, die Gipfel zu zahlen, es hätten aber genau sieben sein sollen &#8211; nach der Anzahl der Gebiete</em>“, erinnert sich Lysogorow.</p>
<p style="text-align: justify">Das englische Unternehmen, dass die Pässe druckte, beging einen weiteren <strong>„</strong>ideologischen<strong>“</strong> Fehler: „<em>Sie wollten die Anzahl der Sicherheitselemente steigern und fügten von sich aus einen schwarzen Steinadler hinzu. Die Abgeordneten sahen das als Sabotageversuch</em>“, so Lysogorow.</p>
<p style="text-align: justify">Noch etwas Kurioses: Das englische Unternehmen druckte die kirgisische Pässe in einer Filiale in Kenia: „<em>Sie entschieden sich, dass man den asiatischen Skizzen noch ein paar Farben hinzufügen muss. Und man druckte die kirgisischen Pässe mit hellen roten und gelben afrikanischen Motiven. Natürlich wurden diese „Verschönerungen“ abgelehnt</em>.“</p>
<p style="text-align: justify">A Propos: Die Pässe, die heute in Kirgistan im Umlauf sind, entsprechen nicht dem fertigen Design von Lysogorow. „<em>Man bat mich, die Skizzen zur Einsicht zu senden. Danach arbeitete ich noch drei weitere Monate daran und modernisierte den Umschlag. Erst dann erfuhr ich, dass das Dokument schon längst gedruckt wurde: Sie meinten, er wäre auch so schon gut gewesen</em>“, sagt der Designer.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Die Lysogorow-Dynastie</strong></p>
<p style="text-align: justify">Auch heute arbeitet Lysogorow weiter als Designer. Er wird dabei von seiner Frau unterstützt: „<em>Ich muss schon lange nichts mehr ausschneiden und kleben, sondern arbeite mit einer Software. Meine Frau ist Linguistin, für sie ist es ein Kinderspiel, sich Namen und Mottos für unsere Kunden auszudenken.</em>“</p>
<p style="text-align: justify">Die Ganze Familie arbeitet im Kunstgewerbe. <a href="http://lysogorov.pro/">Alexej Lysogorow</a>, Dmitrij Lysogorows Sohn, ist ein anerkannter Designer. Dmitrijs Bruder Ewgenij ist Grafiker im Textilbereich. Seine Teppiche werden in den kirgisischen Museen ausgestellt. „<em>Keine Ahnung, woher wir diese Lust auf Kunst haben. Mein Vater war beim Militär, meine Mutter Hausfrau</em>. <em>Aber der Bruder meiner Mutter – Pert Kusmitsch Antonenko – war Maler. Ich habe viel von ihm gelernt</em>“, erzählt Lysogorow.</p>
<p style="text-align: justify">Schon in der Schule wollte er Designer werden, obwohl es damals solch einen Beruf gar nicht gab: „<em>Zuerst war ich auf der hiesigen Kunsthochschule. Dann ging ich zur Armee und im Anschluss nach Leningrad, an die Kunst- und Industriehochschule namens Muchina. Ich hatte erst mit 30 meine Ausbildung im Bereich „industrielle Grafik und Verpackung“ beendet</em>.“</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lest auch bei Novastan: </strong><a href="https://novastan.org/de/kirgistan/die-geschichte-des-ersten-designers-der-kirgisischen-ssr/"><strong>Die Geschichte des ersten Designers der kirgisischen SSR</strong></a></p>
<p style="text-align: justify">Dann arbeitete Lysogorow im Gesamtsowjetischen Institut für technische Ästhetik, nach seiner Rückkehr nach Kirgistan in einem Verlag und später in Moskau, wo er seine interessanteste Arbeitserfahrung im Bereich der Werbung für den Außenhandel erwarb. Lysogorow hat nicht nur den Som und den kirgisischen Pass entworfen, sondern auch Etiketten, Verpackungen, Corporate Designs, Logos, Bücher und Postmarken.</p>
<p><figure id="attachment_8596" aria-describedby="caption-attachment-8596" style="width: 1024px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-large wp-image-8596" src="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/04/4b82bfb69501703938ada8cf6b3e20ec-1024x420.jpg" alt="Kunst Dmitrij Lysogorow" width="1024" height="420" srcset="https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/04/4b82bfb69501703938ada8cf6b3e20ec.jpg 1024w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/04/4b82bfb69501703938ada8cf6b3e20ec-300x123.jpg 300w, https://novastan.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2017/04/4b82bfb69501703938ada8cf6b3e20ec-768x315.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-8596" class="wp-caption-text">Weitere Werke von Dmitrij Lysogorow</figcaption></figure></p>
<p style="text-align: justify">„<em>Das sowjetische Design stand den westlichen Vorbildern in vielerlei Hinsicht nach. Ich hatte aber das Glück, als Student oft Kontakt zu ausländischen Freunden zu haben. Auch später, bei der Arbeit am Som, bin ich viel herumgekommen. Heutzutage ist es aber viel einfacher, an Information zu gelangen. Man sieht das auch am allgemeinen Niveau des Designs im Land. Wir haben immernoch Nachholbedarf, jetzt aber zehn Jahre, nicht 50. Durch die Globalisierung werden die Designer aber bald nur noch an ihrem Talent gemessen, die Grenzen verschwinden</em>“, erzählt Lysogorow. „<em>Aber vielleicht irre ich mich auch</em>“, fügt er mit einem Lächeln hinzu.</p>
<p style="text-align: right"><strong>Natalja Timirbaewa<br />
<a href="http://theopenasia.net/articles/detail/dmitriy-lysogorov-dizayner-narisovavshiy-somy-i-kyrgyzskiy-pasport/">The Open Asia</a></strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Aus dem Russischen von Roman Gushchin</strong></p>
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		<title>Wie Bitcoins die zentralasiatische Wirtschaft revolutionieren könnten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Florian Coppenrath]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 14 May 2016 10:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Bitcoin]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Währung]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Bitcoins k&#xF6;nnten die Wirtschaft Zentralasiens revolutionieren. Wie k&#xF6;nnte die Kryptow&#xE4;hrung helfen und welche Hindernisse stehen ihr (noch) im Weg?</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><em>(Dieser Artikel erschien ursprünglich beim russischen Businessmagazin </em><em><a href="http://secretmag.ru/longread/2015/10/01/bitcoins-v-kirgisii/" target="_blank" rel="noopener">„Sekret Firmy“</a></em><em>. Wir übersetzen ihn mit der freundlichen Genehmigung der Redaktion.)</em></p>
<p style="text-align: justify"><strong>„Ich bin mir sicher, dass Kryptowährungen zu einem profitablen Geschäft in Kirgistan werden“, sagt Emanuele Costa, Besitzer der ersten Bitcoinstation Zentralasiens. Wie andere Finanzexperten sieht er aber auch Probleme für die weitere Entwicklung. Eine Analyse über das Potenzial des neuen Zahlungsmittels. </strong></p>
<p style="text-align: justify">Der in Bischkek lebende Italiener führt aus: „Es bedarf riesiger Investitionen, um Überweisungen in Bitcoins den Massen zugänglich zu machen. Das Problem ist nicht allzu groß. Ich bin mir sicher, dass Akteure wie Western Union sich erlauben könnten, die notwendige Infrastruktur zu finanzieren. Das wahre Problem liegt aber in der Politik:</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 400px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/1174/4b7024e1db859e4b24a06fb978e346f5647d8557.jpeg" alt="Emanuele Costa" /></p>
<p style="text-align: justify">Die Behörden haben noch keine Stellung zu Bitcoins bezogen. Vor einem Jahr fing die Regierung an, eine Regulierung von elektronischen Währungen, also auch Kryptowährungen, zu erarbeiten. Die Lizenzen, die dafür eingeführt werden, machen eine Nutzung der Bitcoins unmöglich.“</p>
<p style="text-align: justify"><em><strong>Lest auch den ersten Teil der Artikelreihe: <a href="https://novastan.org/articles/bankautomat-in-der-steppe-wie-in-kirgistan-mit-bitcoins-experimentiert-wird">Wie in Kirgistan mit Bitcoins experimentiert wird</a></strong></em></p>
<p style="text-align: justify">Der bischkeker Programmierer Danil Wartanow versichert: „Für jeden in Mathematik und Programmierung bewanderten Menschen, der den Artikel von Satoshi Nakamoto (der Pseudonym des oder der Entwickler von Blockchain – Anm. d. Red.) liest, ändert sich damit das Leben. Die Blockchain-Technologie, nach der die Bitcoins funktionieren, ist so schön und durchdacht, dass ich nicht schlafen konnte, als ich erstmals von ihr erfuhr!“</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 400px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/1174/39aec291342c28b5ce7ba1e58e578b2d158baab0.jpeg" alt="Danil Wartanow" /></p>
<p style="text-align: justify">Vor zwei Jahren begann er, kostenlose Kurse zu Bitcoins und der Blockchains-Technologie anzubieten. Dort antwortet er auf alle Fragen zu der Kryptowährung und liefert detaillierte Erklärungen zu ihrer Funktionsweise. Die Kurse richten sich an Unternehmer, ziehen aber auch einfache Nutzer an.</p>
<p style="text-align: justify">Wartanow ist der größte Prediger der Bitcoins in Kirgistan. Er engagiert sich für die Erschaffung einer Bitcoin-Gemeinschaft im Land und seine inspirierenden <a href="http://www.youtube.com/watch?v=npdvqbLxv_g">Reden</a> zur Legalisierung der Kryptowährung wurden von Tausenden Youtube-Nutzern gesehen. Er ist sicher, dass sie Investitionen ins Land bringen werden und jeden Bürger reicher machen können.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Wie Fremdarbeiter profitieren könnten</strong></p>
<p style="text-align: justify"><a href="http://data.worldbank.org/indicator/BX.TRF.PWKR.DT.GD.ZS">Laut Weltbank</a> betrugen 2014 die Rückzahlungen der Migranten aus dem Ausland 30% des Bruttoinlandsproduktes, ca. 2,4 Milliarden US Dollar in absoluten Zahlen. Je nach Summe beträgt die Kommission für Überweisungen ein bis drei Prozent, so dass den Bürgern jährlich mehrere hundert Millionen entgehen.</p>
<p style="text-align: justify">Laut dem Nationalen Statistikkomitee lebt <a href="http://www.rg.ru/2015/07/16/bednost.html">knapp ein Drittel</a> der Bevölkerung unter der Armutsgrenze, verdient also weniger als 500 US Dollar im Jahr.</p>
<p style="text-align: justify">Das Problem der im Laufe der Überweisungen verlorenen Summen könnte man mit Kryptowährungen auf zwei Weisen lösen. Erstens, indem man das Geld auf Bitcoin-Geldbeutel überweist. Die Kommission dafür beträgt höchstens ein Zehntausendstel Bitcoin, also ca. 0,02 US Dollar.</p>
<p style="text-align: justify">Wenn zudem ein Teil der kirgisischen Wirtschaft Bitcoins annimmt, geht möglicherweise gar kein Geld mehr verloren. Wartanow glaubt an diese Entwicklung:</p>
<p style="text-align: justify">„Irgendein Origineller wird bestimmt bald einen Laden eröffnen, in dem man in Bitcoins zahlen kann. Ich glaube, das wird in einem abgelegenen Dorf geschehen, weil es dort besonders wichtig ist, kein Geld beim Transfer zu verlieren.“</p>
<div style="padding: 8px 0;font-family: Arial!important;font-size: 13px!important;line-height: 15px!important;text-align: center;border-top: 1px solid #dadada;margin: 0 30px">
<a style="color: #989898!important;text-decoration: none!important" href="http://charts.infogr.am/column-chart?utm_source=embed_bottom&amp;utm_medium=seo&amp;utm_campaign=column_chart" target="_blank" rel="noopener">Create column charts</a></div>
<p style="text-align: justify">Wartanow wiederholt gerne, dass Kryptowährungen die einzige technologische Revolution sind, die nicht aus dem Silicon Valley in die Welt getragen wird, sondern, andersrum, von Entwicklungsländern angetrieben ist. So zum Beispiel von Kenia:</p>
<p style="text-align: justify">Eine bedeutende Zahl der Kenianer arbeitet in Europa. Das Geld senden sie mit Bitcoins in die Heimat. Die Familien vor Ort merken nicht, dass sie es mit Kryptowährungen zu tun haben. Die Infrastruktur ist so gebaut, dass sie das Geld einfach aus einem Western-Union-Büro abholen können.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Wie Bitcoins Krisen überwinden helfen könnten</strong></p>
<p style="text-align: justify">Auch bei einer sehr volatilen Nationalwährung können Bitcoins eingesetzt werden. So verlor der argentinische Peso letztes Jahr zum Beispiel mehr als einen Drittel seines Wertes. Aus Angst vor Verlusten legten viele Argentinier ihr Geld in Bitcoins an und alle großen Geschäfte fingen an, die Währung anzunehmen.</p>
<p style="text-align: justify">Da die Nutzung von Kryptowährungen für Unternehmen günstiger ist als traditionelle Geldtransfersysteme, wurden bis zu 10 Prozent Ermäßigungen auf Bitcoin-Zahlungen geboten.</p>
<p style="text-align: justify">Heute hält Argentinien <a href="http://www.coindesk.com/argentina-most-likely-adopt-bitcoin/">den ersten Platz</a> im Bitcoin Market Potential Index, der die Wahrscheinlichkeit der Einführung der Kryptowährung in einem Land misst.</p>
<p style="text-align: justify">Wirtschaftskrisen sind natürlich keine Voraussetzung zur Entwicklung der Bitcoins. Auch das reiche Australien ist <a href="http://mashable.com/2015/08/04/bitcoin-currency-australia/">bereit</a>, Bitcoins als offizielles Zahlungsmittel anzuerkennen.</p>
<p style="text-align: justify">Die Steuerbehörde dort setzt sich dafür ein, dass die Steuern für Start-ups, die mit Bitcoins arbeiten, nicht zu hoch ausfallen. Die Behörden möchten solche Unternehmen nämlich im Land behalten.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Staatliche Hürden und ihre Sinnlosigkeit</strong></p>
<p style="text-align: justify">Wartanow erzählt, dass sich schon mehrfach Programmierer an Vertreter der Nationalen Bank gewendet haben um zu erklären, dass dem Land viele Investitionen entgehen, weil Geschäfte mit Bitcoins verhindert werden. Bisher ohne Ergebnis:</p>
<p style="text-align: justify">„Die Behörden unseres Landes schauen oft nach Moskau. Wären Bitcoins in Russland verbreitet, würden sie auch bei uns schnell legalisiert werden“, beklagt Wartanow.</p>
<p style="text-align: justify">Auch in Russland ist die Zukunft der Bitcoins unklar. Im vergangenen Juli <a href="http://secretmag.ru/articles/2015/07/15/putin-i-bitcion/">erklärte</a> der russische Präsident Wladimir Putin, dass Kryptowährungen in manchen Bereichen genutzt werden können.</p>
<p style="text-align: justify">Im September kündigte <a href="http://secretmag.ru/news/2015/09/16/qiwi-kriptovaljuta/">QIWI</a> (ein russischer Zahlungsdienstleister, Anm. d. Red.) an, dass die Herausgabe von BitRubel erwogen wird. Später <a href="http://www.interfax.ru/business/468528">schlug</a> das Finanzministerium vor, die Verbreitung von Kryptowährungen strafrechtlich verfolgen zu lassen.</p>
<p style="text-align: justify">„Generell haben die Regierungen zwei Kritikpunkte an Bitcoins“, sagt Wartanow, „Erstens, die Anonymität, die für kriminelle Zwecke genutzt werden könne. Das ist aber ein Mythos.</p>
<p style="text-align: justify">Jede Transaktion bei Blockchain wird von anderen Nutzern bestätigt. Man kann sehr gut errechnen, wer versucht hat, dort Drogen zu kaufen oder zu verkaufen. In den Vereinigten Staaten werden Drogenbosse einfach festgenommen, auch wenn sie Bitcoins nutzen.</p>
<p style="text-align: justify">Zweitens: die Unzuverlässigkeit. Die Behörden wiederholen oft, dass die Bevölkerung ihre Ersparnisse verlieren kann, wenn sie Bitcoins benutzt. Aber wie jede andere Währung weltweit sind Bitcoins auch nur so viel Wert wie die Produkte, die man mit ihnen kaufen kann.</p>
<p style="text-align: justify">Die Bitcoin-Wirtschaft hat keine staatlichen Grenzen, daher sind Bitcoins auch in jedem Fall zuverlässiger als die regelmäßig an Wert verlierenden Nationalwährungen.“</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Die Zukunft der Bitcoins in Zentralasien</strong></p>
<p style="text-align: justify">So oder so: ganz ohne Risiko ist das Geschäft mit Bitcoins nicht. Das liegt vor allem an der hohen Volatilität. Im Januar letzten Jahres war ein Bitcoin über 300 US-Dollar wert, im Sommer sank der Kurs auf 230 US-Dollar.</p>
<p style="text-align: justify">Heute steht die Währung bei über 450 US-Dollar. Seine Ersparnisse in Bitcoins aufzubewahren ist nicht ungefährlich. Dafür könnte man eine perfektioniertere Kryptowährung schaffen.</p>
<p style="text-align: justify">An dieser Idee sitzt auch der Business-Analytiker Iskender Scharschejew. Es wäre technisch möglich, eine staatliche Kryptowährung zu schaffen.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 400px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/1174/864eb00b1a22a4b88ad968b4bbed4ab24c25817f.jpeg" alt="Finanzanalytiker Scharschejew" /></p>
<p style="text-align: justify">Das wäre ein Bitcoin, der internationale Geldüberweisungen günstiger macht, also viele Geschäfts-Prozesse vereinfacht und auch keiner Inflation unterliegt. Solange die kirgisischen Behörden ihre Position dazu nicht klären, bleibt das aber nur eine Idee.</p>
<p style="text-align: justify">Aber Scharschejew ist sich sicher, das keine Regierung der Welt die Entwicklung der Kryptowährungen aufhalten kann: „Die staatliche Kontrolle des Geldes ist ein Atavismus. Die Menschheit entwickelt sich schnell und braucht keine Kontroll- und Exekutivapparate mehr. Die heutige Gesellschaft kann sich gut selbst regulieren.“</p>
<p style="text-align: justify">Scharschejew schrieb einmal in seinen Blog, dass er bereit ist, Güter gegen Bitcoins auszutauschen. Im Prinzip ist das die erste Online-Tauschbörse im Land. Zwar mit wenigen Transaktionen, aber Scharschejew zweifelt nicht daran, dass die Kryptowährungen schnell einen Boom im Land erfahren werden.</p>
<p style="text-align: justify">Es muss nur erst der Internetzugang in Kirgistan verbessert werden, bislang liegt er nur bei ca. 30 Prozent der Bevölkerung.</p>
<p style="text-align: justify">
<p style="text-align: right"><strong><em>Polina Potapowa<br />
Redakteurin für das russische Businessmagazin „</em></strong><a href="http://secretmag.ru/longread/2015/10/01/bitcoins-v-kirgisii/"><strong><em>Sekret Firmy</em></strong></a><strong><em>“</em></strong></p>
<p style="text-align: right"><strong><em>Aus dem Russischen übersetzt von Florian Coppenrath<br />
Mitbegründer Novastans</em></strong></p>
<p style="text-align: right"><strong><em>Redaktion: Gregor Bauer</em></strong><br />
<strong><em>Chefredakteur</em></strong></p>
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		<title>Bankautomat in der Steppe: Wie in Kirgistan mit Bitcoins experimentiert wird</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Florian Coppenrath]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 07 May 2016 10:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Bischkek]]></category>
		<category><![CDATA[Bitcoin]]></category>
		<category><![CDATA[Währung]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Bitcoins und ihre Zukunft sind weltweit ein Thema. Kirgistan ist einer der Orte, in dem die Probleme der Bitcoin-Wirtschaft und die F&#xFC;lle ihrer M&#xF6;glichkeiten zu beobachten sind. Eine Reportage aus Bischkek.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><em>(Dieser Artikel erschien ursprünglich beim russischen Businessmagazin </em><em><a href="http://secretmag.ru/longread/2015/10/01/bitcoins-v-kirgisii/" target="_blank" rel="noopener">„Sekret Firmy“</a></em><em>. Wir übersetzen ihn mit der freundlichen Genehmigung der Redaktion.) </em></p>
<p style="text-align: justify;"><strong><em>Die Bitcoins und ihre Zukunft sind weltweit ein Thema. Manche verbieten sie, andere verdienen an ihnen. In manchen Entwicklungsländern sind Kryptowährungen ein Weg, um das Leben der Bürger zu vereinfachen. Kirgistan ist einer der Orte, in dem die Probleme der Bitcoin-Wirtschaft und die Fülle ihrer Möglichkeiten zu beobachten sind. Eine Reportage aus Bischkek.    </em></strong></p>
<p style="text-align: justify;">Die Pizzeria Dolce Vita ist ein guter Ort, um vor der Sommerhitze in Bischkek zu fliehen. Die Kundschaft ist bunt: Ein Mädchen mit weißen Bändchen im Haar feiert ihren fünften Geburtstag mit ihren Freunden und Erwachsenen, die sich um die Torte kümmern.</p>
<p style="text-align: justify;"><img decoding="async" style="height: 397px; width: 600px;" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/1168/dsc_1908.jpeg" alt="Dolce Vita Bischkek Bitcoin" /></p>
<p style="text-align: justify;">Dahinter eine Gruppe Fünfzigjähriger beim Bier. Aus einer anderen Ecke hört man Englisch. Zwischen den Tischen strahlt das Lächeln von Giorgio, einem Italiener, der seit 20 Jahren in Bischkek lebt.</p>
<p style="text-align: justify;">Damals öffnete er die erste Pizzeria Kirgistans, die sich seitdem kaum verändert hat. Einfache Möbel aus massivem Holz, Tüll an den Fenstern, Bilder „mit italienischen Motiven“ an den Wänden: Eine Zeitreise in die 1990er.</p>
<p style="text-align: justify;">Der Eistee wird in Bierkrügen serviert und kostet acht Hundertstel eines Bitcoins. Zur Zahlung reicht Giorgio sein Smartphone mit dem QR-Code seines Bitcoin-Geldbeutels.</p>
<p style="text-align: justify;">Nach ein paar Minuten Ringen mit der Internetverbindung geht die Zahlung durch. Das Dolce Vita ist der einzige Betrieb in Kirgistan, in dem man mit Bitcoins zahlen kann. In der Pizzeria steht auch das erste Bitcoin-Terminal Zentralasiens.</p>
<p style="text-align: justify;">Dieses Terminal wurde vor zwei Jahren von lokalen Technologie-Enthusiasten ins Land gebracht: Nasik Tschonojewa und ihr italienischer Mann Emanuele Costa. Beide arbeiten in der Finanzbranche. Mit dem Terminal kann man Dollar in Bitcoins tauschen. Am Eingang des Dolce Vita steht nun neben den Visa- und Mastercard-Logos auch die Inschrift „Bitcoins“.</p>
<p style="text-align: justify;"><img decoding="async" style="height: 397px; width: 600px;" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/1168/dsc_1907.jpeg" alt="Dolce Vita Bischkek Bitcoin" /></p>
<p style="text-align: justify;">„Es kamen sehr viele Leute zur Vorstellung des Terminals. Vor allem Banker. Auch Angestellte der Nationalbank. Alle waren neugierig zu erfahren, was es damit auf sich hat. Damals hatten nur sehr wenige bei uns von Bitcoins gehört“, erinnert sich Nasik bei einer Pizza mit Artischoken.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Schwieriger Anfang</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Nasik ist gerade aus Japan zurückgekehrt, wo sie mit Emanuele ein Startup beriet, das mit Kryptowährungen arbeitet. Bitcoins sind ein Hobby für die beiden. Ihr Hauptgewerbe ist die Firma <a href="http://kyrstone.com/" target="_blank" rel="noopener">Kyrstone</a>, die sich mit Investitionsmanagement beschäftigt.</p>
<p style="text-align: justify;">Für dieses Unternehmen schrieb Emanuele, der bereits für Goldman Sachs und Barclays gearbeitet hat, einen Algorithmus, um jederzeit die profitabelsten Finanzanlagen auszumachen.</p>
<p style="text-align: justify;">„Wir haben vor drei, vier Jahren von Bitcoins erfahren. Anfangs haben wir 1500 US Dollar in Bitcoins gewechselt. Damals wuchs ihr Wert sehr schnell auf 20 US Dollar, dann auf 50. Und dann immer weiter“, erzählt Nasik. „Irgendwann kam uns die Idee, ein Terminal zu kaufen.</p>
<p style="text-align: justify;">Zu dem Zeitpunkt erschien das Terminal <em>Lamassu</em>, das mit 6000 US Dollar mehr als dreimal günstiger war als die zuvor käuflichen Terminals. Die Entwickler haben speziell für uns ein russisches Interface erstellt. Ein halbes Jahr nach der Bestellung stand es bei uns.“ Das Ergebnis war zunächst enttäuschend.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Bitcoins verloren stark an Wert (im Sommer 2015 lag ihr Wert am niedrigsten, um 230 US Dollar). Alle lokalen Zeitungen schrieben über das Terminal, aber ohne Ergebnisse. Die ersten Monate blieb es unbenutzt.</p>
<p style="text-align: justify;">Das Ehepaar erwog sogar, es wieder zu verkaufen. Der kirgisische Bitcoin-Markt wurde dann aber von Unternehmern gerettet, die begannen, ausländische Produkte in Bitcoins zu kaufen. Manche chinesischen Lieferanten bieten bis zu 8 Prozent Rabatt bei Zahlungen in Bitcoins. Auch westliche Firmen unterstützen die Kryptowährung: Microsoft und Dell bieten Ermäßigungen für Bitcoin-Nutzer.</p>
<p style="text-align: justify;">Heute nutzen monatlich drei, vier Personen das Terminal. Jeden Monat werden Bitcoins im Wert von 1500 US Dollar gekauft.</p>
<p style="text-align: justify;">„Natürlich müssen wir noch lange warten, bis die Investition in das Terminal ihre Früchte trägt, aber wir haben uns entschieden es stehen zu lassen. Jetzt wo sich ein gewisses Interesse zeigt“, sagt Emanuele mit einem starken italienischen Akzent und lächelt.</p>
<p><strong>Erfolge</strong></p>
<p>Der bischkeker Programmierer Alexej Baryschnikow arbeitet für ein Start-up. Vor ein paar Jahren fand er eine Heimarbeit in Australien. Später begann dieselbe Firma die Entwicklung der Bitcoin-Börse <a href="https://www.independentreserve.com/" target="_blank" rel="noopener">Independent Reserve</a>, wozu er wieder eingestellt wurde.</p>
<p>Noch bevor die Börse funktionierte, konnten die Gründer eine halbe Million US-Dollar Investitionen anziehen. Die Vorbereitung dauerte eineinhalb Jahre und sie wurde im Oktober 2014 eröffnet. Innerhalb eines Jahres wuchs die Kundenzahl auf 2000 Personen.</p>
<p><img decoding="async" style="height: 400px; width: 600px;" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/1168/9739872b484d5bd1a12e29a382c8f3b76b6cc7f7.jpeg" alt="Alexej Baryschnikow Bischkek Bitcoin" /></p>
<p>Die Ergebnisse entsprechen dem Business Plan des Start-ups. Und es gibt noch Wachstumspotential. Zum Vergleich: Die zwei größten Bitcoin-Börsen Austaliens (CoinJar und BitTradeAustralia) <a href="https://www.bitcoin.asn.au/wp-content/uploads/2014/09/tax-position-may-2014.pdf" target="_blank" rel="noopener">haben</a> zusammen 40 000 Nutzer.</p>
<p>Wie Baryschnikow erklärt, gibt es im Internet schon Konkurrenz zwischen solchen Börsen. Independent Reserve gewinnt ihre Nische dank einer strengen Positionierung. „Wir haben ein seriöses Design, keine Hipster-Bilder. Wir möchten, dass die Nutzer uns als Geschäftsleute sehen“, sagt er.</p>
<p>Baryschnikow hofft, dass er eines Tages ein eigenes Geschäft mit Kryptowährungen in Bischkek eröffnen kann. „Ich würde sehr gerne selbst eine online-Tauschbörse für Bitcoins eröffnen. Ich habe bereits Gespräche mit Internetgeschäften und Business Katalysatoren geführt und beobachtet, dass es dafür eine Nachfrage gibt. Leider ist die Gesetzeslage nicht hilfreich. Ich möchte legal daran arbeiten, anders ist es einfach sinnlos“.</p>
<p><strong>Die Benutzererfahrung</strong></p>
<p>Mussa Maschitow benutzt schon seit vier Jahren Bitcoins. 2011 studierte er Finanzen in London, ein Kommilitone riet im dazu, Kryptowährungen zu kaufen. Er kaufte 100 Bitcoins für 3000 US Dollar.</p>
<p>Nach zwei Jahren, als der Bitcoin-Kurs auf 100 US Dollar stieg, verkaufte er sie. Heute hält Maschitow keine Ersparnisse in Bitcoins, nutzt sie aber regelmäßig um Waren aus den Vereinigten Staaten und Europa zu kaufen.</p>
<p><img decoding="async" style="height: 400px; width: 600px;" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/1168/bf9c66d4b79026498b71186c916483b87cd8a0b3.jpeg" alt="Mussa Maschitow Bischkek Bitcoin" /></p>
<p>Einst kaufte er sogar ein paar Iphones zum Wiederverkauf, aber so weit sind Bitcoins nicht verbreitet. Nicht genug für ein groß angelegtes Geschäft dieser Art.</p>
<p>Vor kurzem schloss er seine Firma, die Flugtickets nach Europa verkaufte. Die russische Krise reicht bis nach Kirgistan und viele können sich die Flüge ins Ausland nicht mehr leisten.</p>
<p>Mussa zog nach Moskau und gründete ein neues Geschäft zur Miete und Untermiete von Immobilien. Er ist aber eine seltene Ausnahme. Die Mehrheit der Einwohner Kirgistans haben nicht nur nie mit Bitcoins gehandelt, sondern wissen noch nicht einmal nicht von ihrer Existenz.</p>
<p><strong>Eine neue Chance für Fremdarbeiter </strong></p>
<p>So auch Asimbek, der vor drei Jahren aus seinem Dorf in Kirgistan nach Moskau gezogen ist. Von seinem Smartphone aus geht er jeden Tag ins Internet, hat aber von Bitcoins nie gehört. Er sagt, dass es Probleme mit den Geldüberweisungen in die Heimat gibt.</p>
<p>Üblicherweise verliert er 500 Rubel bei jeder Transaktion. Das sind drei Prozent seines Monatslohns. Für Asimbek wie für andere ist das ein starker Anreiz, Bitcoins zu nutzen. Genau wie all die, die nicht mehr für SMS zahlen wollten, heute Internet-Messenger nutzen.</p>
<p><span style="font-size: 12.0pt;"> </span></p>
<p style="text-align: right;"><strong><em>Polina Potapowa<br />
Redakteurin für das russische Businessmagazin „</em></strong><a href="http://secretmag.ru/longread/2015/10/01/bitcoins-v-kirgisii/" target="_blank" rel="noopener"><strong><em>Sekret Firmy</em></strong></a><strong><em>“</em></strong></p>
<p style="text-align: right;"><strong><em>Aus dem Russischen übersetzt von Florian Coppenrath</em></strong></p>
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		<title>Der usbekische Sum</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 09 Mar 2016 13:58:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Fact]]></category>
		<category><![CDATA[CAFacts2]]></category>
		<category><![CDATA[Usbekistan]]></category>
		<category><![CDATA[Währung]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wenn ein Abendessen schon mal einen Haufen Scheine kosten kann.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn ein Abendessen schon mal einen Haufen Scheine kosten kann.</p>
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		<title>Der kirgisische Som im freien Fall</title>
		<link>https://novastan.org/de/kirgistan/der-kirgisische-som-im-freien-fall/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Florian Coppenrath]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 20 Sep 2015 10:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirgistan]]></category>
		<category><![CDATA[Krise]]></category>
		<category><![CDATA[Währung]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nach dem Rubel und dem kasachischen Tenge, bricht nun auch der Kurs des kirgisischen Som ein. Das Nachrichtenportal zanoza.kg fragt nach den Ursachen der Abwertung.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><em><strong>Nach dem kasachischen Tenge hat es nun auch den Som erwischt. Von Tag zu Tag </strong></em><em><strong>fällt der Wert des kirgisischen Som weiter. Die de facto-Abwertung ist aber kein konjunkturelles Phänomen, sondern viel mehr das Resultat eines seit Jahren unausgeglichenen Außenhandels, argumentiert das Nachrichtenportal </strong></em><u><a href="http://zanoza.kg/doc/324754_som:_padenie_eshe_prodoljitsia.html"><em><strong>zanoza.kg</strong></em></a></u><em><strong>. </strong></em></p>
<p style="text-align: justify;">Der Som, die kirgisische Währung, verliert seit ein paar Wochen stetig an Wert. Aktuell wird er für etwa 70 Som pro US Dollar gehandelt. Vor einem Monat lag der Kurs noch bei etwa 61 Som pro Dollar. Manche Experten glauben, dass er nach den Parlamentswahlen am 4. Oktober noch stärker fallen wird. Zur Anhebung des Kurses wären umfassende währungspolitische Eingriffe nötig, denn die entwertete Währung ist nur ein Zeichen für die grundsätzlichen Probleme der kirgisischen Wirtschaft.</p>
<p style="text-align: justify;">Natürlich gibt es auch Spekulationen. Manche leben von unterschiedlichen Währungskursen. Vor allem leidet aber schon seit vielen Jahren der Saldo des Außenhandels: Es wird viel mehr importiert, als exportiert. Schuld sind nicht etwa die Spekulanten von „Mossowjet“ (eine für ihre große Anzahl an Wechselstuben bekannte Straßenkreuzung in Bischkek) oder andere Geldwechsler. Diese werden regelmäßig von der Nationalbank und Politikern für die instabile Währung verantwortlich gemacht und im Laufe des letzten Jahres war mehrmals eine <u><a href="http://24.kg/obschestvo/9529_nurbek_jenish_poka_natsbank_ne_otkazyivaetsya_ot_idei_zakryit_obmennyie_punktyi/">Schließung privater Wechselstuben</a></u> im Gespräch.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Eine schlechte Handelsbilanz</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Schuld an dem Wertverlust des Som ist vor allem eine Regierung, die nichts für eine ausgeglichene Außenhandelsbilanz unternommen hat, und auch weiterhin nichts unternimmt. Laut den <u><a href="http://stat.kg/media/statisticsoperational/027178ea-e867-49e0-8151-cc25a07acfdf.pdf">Daten des kirgisischen statistischen Komitees</a></u> betrug der Außenhandelsumsatz des Landes zwischen Januar und Juni diesen Jahres 3,7 Milliarden USD, wovon nur 22,5 % auf Exporte zurückzuführen sind. Auch in den vorherigen Jahren ist das Verhältnis ähnlich. Es ist schwer zu sagen, ob das Land überhaupt eine funktionierende Binnenwirtschaft hat, wenn die Importe die Exporte um das Dreifache übersteigen.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Importeure im Land brauchen Dollar, um Waren aus dem Ausland einzuführen. Damit bleibt die Nachfrage nach Dollar immer hoch. Und umso schlechter die Lage in Russland, China und Kasachstan, den drei Hauptlieferanten Kirgistans, desto mehr sind die Importeure bereit, für den Dollar zu zahlen. Da auch der Rubel, der Yuan und der Tenge kürzlich an Wert verloren haben, sind Einkäufe in Dollar dort relativ billiger geworden. Somit führen wirtschaftliche Probleme in diesen Ländern auch zu einer Währungskrise in Kirgistan.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Lesen Sie auch bei Novastan.org: </strong><a href="https://novastan.org/articles/kasachstan-ndert-seinen-whrungskurs"><u><strong>Kasachstan ändert seinen Währungskurs</strong></u><u> </u></a></p>
<p style="text-align: justify;">Dazu kommen die vielen Ersparnisse, die die kirgisische Bevölkerung selbst in Dollar hält. <u><a href="http://www.nbkr.kg/index1.jsp?item=1481&amp;lang=ENG">Laut der kirgisischen Nationalbank</a></u> beträgt der Dollar-Anteil privater Einlagen 64%, bei Krediten 54%.</p>
<p style="text-align: justify;">Damit von Abwertung des Som in Kirgistan jemand anders als die Spekulanten profitieren könnte, müssten dort wettbewerbsfähige Güter hergestellt werden, die bei einem schwachen Som günstig gekauft werden könnte. Aber um die nationale Produktion steht es auch nicht rosig.</p>
<p style="text-align: justify;">Dabei behauptet die Regierung, sie trage keine Verantwortung für diese Währungskrise und würde sich nicht in die freie Marktwirtschaft einmischen. Gewiss ist es in solchen Krisenzeiten besonders schwierig, Systemfehler zu beseitigen. Doch die Wirtschaft benötigt tiefgreifende Reformen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Kein einziges neues Großunternehmen in den letzten fünf Jahren</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Dabei erklärte der Präsident Atambajew am 16. September in Isfana, im Südwesten des Landes, dass im Land „in den letzten fünf Jahren nicht ein einziges großes Unternehmen erbaut wurde, dafür aber die Eingänge in das Budget sich mehr als verdoppelt haben. Das spricht für eine effektive Bekämpfung der Korruption.“ So wurde im Juli der Leiter der Präsidialverwaltung im Rahmen eines Korruptionsskandals <u><a href="http://www.24kg.org/obschestvo/16210_po_predvaritelnyim_dannyim_za_vyimogatelstvo_vzyatki_u_semi_tyuleevyih_zaderjan_rukovoditel_apparata_prezidenta_kyirgyizstana/">festgenommen</a></u> und musste zurücktreten. Wie effektiv die Zurückgewinnung öffentlicher Gelder auch sein mag, über den Mangel an Unternehmen im Land ist nicht zu prahlen.</p>
<p style="text-align: justify;">Der Ausgleich der Handelsbilanz ist eine Aufgabe, für die eine Generation an Ministern nicht ausreicht. Man muss sich bemühen, das herzustellen, was man verkaufen kann. Aber gerade solche Produkte scheint es nicht zu geben. Es ist oft die Rede von der ökologischen Qualität der kirgisischen Landwirtschaftsprodukte, aber damit sie als Exportware taugen, müssen sie in ganz anderen Maßstäben produziert werden. Der einzelne Tourist, der ein Glas Honig oder ein paar Kilo Äpfel kauft, wird die Handelsbilanz nicht aufrichten. In dieser Hinsicht sind auch die Nachbarländer eher Konkurrenten als Freunde.</p>
<p style="text-align: justify;">Es gibt sehr viel Fleisch in Kirgistan, und dennoch werden Würste aus Kanada importiert. Als Agrarland importiert es Tomaten aus China: der Import in Gefrierwagen über zwei Bergpässe scheint günstiger und einfacher zu sein, als die eigene Produktion zu entwickeln. Zudem besteht ein guter Anteil der kirgisischen Exporte aus dem Goldverkauf von Kumtor (die größte Goldmine im Land) an die Schweiz, so dass das reale Export/Import Verhältnis noch deutlich niedriger ist, als auf dem Papier.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Die Eurasische Union bringt keine Verbesserung</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Mit dem <u><a href="https://novastan.org/articles/zollgrenzen-zwischen-kirgistan-und-kasachstan-sind-offen">Eintritt in die Eurasische Wirtschaftsunion</a></u> (EAWU) diesen Sommer hatte man sich eine Verbesserung der Lage erhofft. Preise für Autos und Wohnungen sind in Kirgistan heute so günstig wie noch nie. Doch die Bevölkerung hat kein Geld für Investitionen, und die Autos, die in Erwartung an guten Handel mit den Ländern der Union gekauft wurden, stehen nun weiter auf den Märkten in Bischkek und in Osch.</p>
<p style="text-align: justify;">Beim Eintritt in die EAWU sagten alle bis zum Premierminister und zum Präsidenten, dass sich damit ein Markt von 170 Millionen Menschen für Kirgistan öffne. Als gäbe es eine Überproduktion von bestimmten Waren im Lande. Dabei hat Kirgistan bald schon seit zwei Jahrzehnten Zugriff auf den Markt der Welthandelsorganisation, also 162 Länder. Die vergleichsweise kleine und kriselnde Wirtschaftsunion wird so kaum zum Wundermittel gegen die Probleme der kirgisischen Wirtschaft.</p>
<p style="text-align: right;"><strong>Die Redaktion von zanoza.kg</strong></p>
<p style="text-align: right;"><strong>Aus dem Russischen übersetzt von Florian Coppenrath</strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Dieser Artikel beruht auf einem <a href="http://zanoza.kg/doc/324754_som:_padenie_eshe_prodoljitsia.html">Kommentar</a> vom kirgisischen Nachrichtenmagazin zanoza.kg. Wir haben ihn übersetzt und ergänzt. </strong></p>
<p style="text-align: justify;">
<p>The post <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/der-kirgisische-som-im-freien-fall/">Der kirgisische Som im freien Fall</a> appeared first on <a href="https://novastan.org/de">Novastan Deutsch</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Kasachstan ändert seinen Währungskurs</title>
		<link>https://novastan.org/de/kasachstan/kasachstan-ndert-seinen-whrungskurs/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Florian Coppenrath]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 14 Sep 2015 10:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
		<category><![CDATA[Abwertung]]></category>
		<category><![CDATA[Krise]]></category>
		<category><![CDATA[Währung]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Tenge, Kasachstans W&#xE4;hrung, hat zum zweiten Mal in zwei Jahren erneut stark an Wert verloren.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify"><strong>Der Tenge, Kasachstans Währung, hat zum Zweiten Mal in zwei Jahren erneut stark an Wert verloren. Laut der kasachischen Börse (KASE) fiel er am 20. August 2015 von 197 auf 256 Punkte pro Dollar auf ein Allzeittief. Eine solche drastische Änderung kam relativ überraschend und folgte auf die Ankündigung einer „neuen Geld- und Kreditpolitik“ durch die Regierung.</strong></p>
<p style="text-align: justify">Am 20. August 2015 kündigte der kasachstanische Ministerpräsident Karim Masimov bei einer Kabinettssitzung in Astana den Übergang zu einer neuen Geld- und Kreditpolitik an: Der Währungskurs wurde freigegeben und die Geldpolitik an ein Inflationsziel geknüpft. Dadurch sank die nationale Währung laut KASE um 23% auf ein neues Allzeittief.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 308px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/975/20150820_kzt.jpeg" alt="KZT USD Kurs" /></p>
<p style="text-align: justify"><span style="line-height: 1.6em">Es ist die zweite Abwertung des Tenge binnen kurzer Zeit, und die vierte insgesamt. Die letzte fand im Februar 2014 statt. In Hinsicht auf die dauerhaft niedrigen Ölpreise war eine weitere Abwertung in diesem Jahr für viele Beobachter nur eine Frage der Zeit. Dennoch behauptete Kairat Kelimbetow, der Präsident der kasachischen Nationalbank, noch Anfang diesen Jahres, es würde in diesem Jahr keine Abwertung mehr geben. Auch der Staatspräsident Nursultan Nasarbajew beteuerte </span><a style="line-height: 1.6em" href="https://novastan.org/articles/wiederwahl-des-prsidenten-in-kasachstan-was-kommt-danach">kurz </a><a style="line-height: 1.6em" href="https://novastan.org/articles/wiederwahl-des-prsidenten-in-kasachstan-was-kommt-danach">nach seiner Wiederwahl</a><span style="line-height: 1.6em"> Ende April dass eine frei schwankende Währung </span><a style="line-height: 1.6em" href="http://www.interfax.kz/?lang=eng&amp;int_id=expert_opinions&amp;news_id=8249">frühestens in fünf Jahren</a><span style="line-height: 1.6em"> zu erwarten sei.</span></p>
<p style="text-align: justify"><strong>Lesen Sie auch bei Novastan.org (Februar 2014): </strong><a href="https://novastan.org/articles/kasachstan-entwertet-seine-whrung-um-19"><strong>Kasachstan wertet seine Währung um 19% ab</strong></a><strong>/ </strong><strong><a href="https://novastan.org/articles/die-abwertung-der-tenge-alles-unter-kontrolle">Die Abwertung des Tenge, alles unter Kontrolle?</a></strong></p>
<p style="text-align: justify">Wie Nasarbajew mitteilte, wurde diese wirtschaftspolitische Entscheidung auf &#8220; <a href="http://top.rbc.ru/finances/20/08/2015/55d5b5429a7947acf74efc6c">Bitten von Geschäfts- und Exportkreisen</a> &#8220; getroffen. Wegen eines zu hohen Wechselkurses waren die kasachischen Waren nicht mehr konkurrenzfähig. Das führe zum Rückgang der Exporte und zu steigender Arbeitslosigkeit.</p>
<p style="text-align: justify">Laut Nasarbajew hätte es drei Alternativen gegeben: nichts unternehmen, weiter eine langsame Senkung des Tenge im Rahmen des im Juni eingeführten Währungskorridors anstreben (die bisherige Politik der Nationalbank) oder drittens einen schwankenden Kurs des Tenge akzeptieren. Die ersten zwei Lösungen hätten zu größeren Verlusten der Währungsreserven und einem starken Produktionsrückgang geführt, <a href="http://tengrinews.kz/kazakhstan_news/nazarbaev-obyyasnil-prichinyi-perehoda-svobodno-279553/">so der Präsident</a>. In den letzten zwei Jahren hatte die Nationalbank laut eigenen Angaben insgesamt <a href="http://forbes.kz/finances/exchange/nazarbaev_myi_sojgli_28_mlrd_za_2_goda_na_podderjanie_kursa_tenge">28 Millionen USD</a> für die Stabilität des Tenge ausgegeben.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Kasachstans Einstieg in den Währungskrieg</strong></p>
<p style="text-align: justify">Wirtschaftsexperten erklären jedoch, dass diese Maßnahme vor allem als eine Reaktion auf den sinkenden Ölpreis und die Abwertungen des Rubels und des Yuans, durch die der Import kasachischer Wahren nach Russland und China deutlich teurer wurde, getroffen worden sei. Laut der Nationalbank ist der Export Kasachstans im ersten Halbjahr 2015 <a href="http://astanatimes.com/2015/08/nazarbayev-discusses-economic-challenges-with-exporters/">um </a><a href="http://astanatimes.com/2015/08/nazarbayev-discusses-economic-challenges-with-exporters/">73% gesunken</a>.</p>
<p style="text-align: justify">Als größter Ölexporteur Zentralasiens ist Kasachstan sowohl stark vom Ölpreis als auch vom Weltmarkt im Allgemeinen abhängig. Einige Beobachter äußerten in der lokalen Presse dennoch ihre Kritik an Kasachstans Reaktion.</p>
<p style="text-align: justify">Für den Wirtschaftsexperten Igor Kindop ist das Haupthindernis für eine effektive Geldpolitik die Abhängigkeit der Nationalbank. Diese steht unter der Kontrolle des wirtschaftlichen Präsidentenapparats und des Finanzausschusses der Regierung. So kann es keine von der Wirtschaftspolitik unabhängige Währungspolitik geben: „Die Hauptrolle der Nationalbank ist die Kontrolle der Inflation; das Ziel des Staates ist die Förderung und die Gewährleistung des Wirtschaftswachstums“, <a href="http://kaztag.info/standpoint/detail.php?ID=393597">so Kindop</a>. „Es ist Nonsens, die Inflation kontrollieren zu wollen, wenn der Staat die Nationalbank mit dem Ziel der Förderung des Wirtschaftswachstums kontrolliert“.</p>
<p style="text-align: justify">Einige Kommentatoren bezweifeln auch die Freiheit des Währungskurses. Der Unternehmer und Gründer des „Kazakhstan Growth Forum“ Eldar Abdrazakow erklärt, dass dieser nur formal freigegeben wurde. „Das kann man doch an den Währungssprüngen sehen: Der Tenge springt zwischen 215 und 250 je Dollar,“ sagt Abdrazakow. „Die Nationalbank hat die Marktliquidität nicht gefördert und der Zinssatz wurde auch nicht geändert“. Die Situation sei also unverändert, nur mit einem anderen Währungskurs, <a href="http://forbes.kz/process/businessmen/eldar_abdrazakov_tenge_v_plavanie_otpustili_formalno">so der Geschäftsmann</a>.</p>
<p style="text-align: justify">Wegen dieser Politik haben die lokalen Banken nun Liquiditätsprobleme und können wenige Kredite vergeben, <a href="http://zonakz.net/view-nacionalnyjj-bank-odno-lechit-a-drugoe-kalechit.html">schreibt Sergey Zelepuhin</a>. Der Wirtschaftsanalytiker erklärt, dass einerseits das Ziel der Konkurrenzfähigkeit nationaler Waren erreicht wurde – anderseits verlieren lokale Banken jedoch massiv an Kreditfähigkeit. Auch Eldar Abdrazakow äussert sich kritisch: „Es ist erstaunlich, wie der Staat seine Bürger behandelt. Unter Experten gab es zwar Gerüchte über eine baldige Währungsabwertung, aber wenige glaubten an eine so spontane Entscheidung trotz gegenteiliger Verlautbarungen. Ich finde diese Reaktion des Staates unangemessen.“</p>
<p style="text-align: justify">Die Konsequenzen der neuen Geldpolitik sind im Land unmittelbar spürbar. Vor allem ist das Einkommen der Bürger stark gesunken, worunter auch der Einzelhandel und kleine Unternehmen leiden. Die Dollarisierung der kasachischen Wirtschaft beträgt <a href="http://journal-neo.org/2015/04/02/rus-valyutny-j-soyuz-eae-s-i-dedolarizatsiya/">mit 45%</a> das Doppelte des russischen Werts. Die meisten Bankkredite und Immobiliengeschäfte werden in Dollar abgewickelt, während lokale Gehälter in der Nationalwährung ausgezahlt werden.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 400px;line-height: 1.6em;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/975/1393096268_478683012.jpeg" alt="0 Tenge Münze" /></p>
<p style="text-align: justify">Die <a href="http://journal-neo.org/2015/04/02/rus-valyutny-j-soyuz-eae-s-i-dedolarizatsiya/">Entdollarisierung</a> der Wirtschaft steht in Kasachstan schon länger auf der Tagesordnung, auch im Rahmen der eurasischen Wirtschaftsunion. Um den Tenge attraktiver zu machen, sollen zum Beispiel Anlagen in der Nationalwährung einen höheren Zinssatz bekommen und stärkere Garantien vom Staat genießen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Eine Geste für die Bevölkerung</strong></p>
<p style="text-align: justify">Im April, als die Abwertung noch weit entfernt schien, <a href="http://www.interfax.kz/?lang=eng&amp;int_id=expert_opinions&amp;news_id=8249">bemerkte</a> Nasarbajew: „Die Bürger Kasachstans kennen mich gut genug. Wenn so etwas [eine Abwertung] kommen sollte, werde ich es euch sagen und ich werde euch sagen, wie ihr euch davor schützen könnt.“ Nun kam die Abwertung relativ plötzlich, aber verschiedene Maßnahmen sollen helfen, ihre Folgen für die Bevölkerung zu begrenzen.</p>
<p style="text-align: justify">So soll zum Beispiel der Wertverlust von Termineinlagen, die am 18. August existierten, um bis zu einer Millionen Tenge (knapp 3600 € nach neuem Wert) kompensiert werden. Als Bedingung steht, dass die Einlagen mindestens ein Jahr unberührt bleiben müssen. Neben der Entschädigung der Bürger soll somit zudem eine Kapitalflucht und eine Bankenkrise vermieden werden.</p>
<p style="text-align: justify">Zudem sollen zum Schutz der Bevölkerung auch die Preise von grundlegenden Waren erst einmal unangetastet bleiben. Ein paar Tage nach der Abwertung kontrollierte <a href="http://www.zakon.kz/4737253-akim-almaty-b.bajjbek-lichno-proverjaet.html">der Bürgermeister Almatys Bajbek</a> demonstrativ die Preislage auf den Marktplätzen der Wirtschaftsmetropole.</p>
<p style="text-align: justify">Dennoch wurde das Vertrauen der Bevölkerung erneut geschädigt, nicht nur gegenüber der eigenen Währung, sondern gegenüber der Regierung. So hat eine kürzliche Bemerkung des Präsidenten, <a href="http://top.rbc.ru/economics/07/09/2015/55edd4fa9a79476585490d12">dass </a><a href="http://top.rbc.ru/economics/07/09/2015/55edd4fa9a79476585490d12">alles nötige in Kasachstan hergestellt würde</a> und die Bevölkerung auch ohne westliche Kleidung und „für uns schädliche Produkte“ wie Foie-Gras und Bananen gut leben könnte, in sozialen Netzwerken eine Reihe <a href="http://radiotochka.kz/15620-geroi-socsetey-fua-gra-i-banany.html">zynischer Kommentare</a> ausgelöst.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 500px;width: 500px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/975/1441690571_12004835_1052805121426162_278198711457812590_n.jpeg" alt="Foie Gras Bananen Kasachstan" /></p>
<p style="text-align: justify">Beim Streben nach der Unabhängigkeit vom Dollar und vom Ölpreis riskieren die Regierung und die Nationalbank mit der insgesamt vierten Währungsabwertung eine weitere Destabilisierung des Landes. Aber vielleicht muss Kasachstan mit dieser Währungspolitik lediglich die bittere Pille einer langfristig erfolgreichen Wirtschaftspolitik schlucken.</p>
<p style="text-align: right"><strong>Zarina Zinnatova</strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Redigiert von Florian Coppenrath</strong></p>
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		<title>Die Abwertung des Tenge &#8211; alles unter Kontrolle?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[yelizavetac]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 20 Feb 2014 11:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kasachstan]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am 11. Februar wurde der Tenge um 19% abgewertet. Diesem drastischen Schritt entsprechend fallen die Reaktionen in der Presse, den sozialen Netzwerken aber auch auf der Stra&#xDF;e aus.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify">Wie Novastan.org letzte Woche <a href="http://francekoul.com/articles/kasachstan-entwertet-seine-whrung-um-19">berichtete</a>, wurde am 11. Februar der Tenge um 19 Prozent abgewertet. Diesem drastischen Schritt entsprechend fallen die Reaktionen in der Presse, den sozialen Netzwerken aber auch auf der Straße aus. Viele Menschen sehen durch die angeheizte Inflation ihre wirtschaftliche und soziale Lage in Gefahr. Die Regierung versucht jedoch beruhigende Zeichen zu senden und die Zweifel zu zerstreuen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Alternativlose Abwertung</strong></p>
<p style="text-align: justify">Am Montag gab Kairat Kelimbetow, der Präsident der kasachischen Nationalbank, in einem <u><a href="http://www.kommersant.ru/doc/2407213">Interview</a></u> mit dem russischen Magazin „Ogonjok“ bekannt, dass der Hauptgrund in der instabilen Lage der globalen Finanzmärkte zu suchen sei, die eine Abwertung der Währungen mehrerer Schwellenländer mit sich gebracht hätte. „Eine vernünftige Alternative zur Abwertung gab es nicht.“, bekräftigte Kelimbetow die Entscheidung, die nach einer Konsultation mit der Regierungsführung getroffen wurde.</p>
<p style="text-align: justify">Die abrupte Abwertung wurde einer graduellen Herabsetzung der Tenge vorgezogen, so Kelimbetow weiter, damit die kasachische Bevölkerung durch die Devaluation nicht unnötig nervös gemacht werde. Was Kelimbetov mit dieser „Nervosität“ meint, bleibt unklar, zumal die offizielle Beruhigungsrhetorik soziale und wirtschaftliche Nachteile in Folge der Abwertung für die Bürger ausschließt. Den edlen Motiven von Nationalbank und Regierung steht auch der Fakt entgegen, dass die Banken nicht im Voraus über die Abwertung informiert wurden, um Spekulationen zu vermeiden und vor allem eine gewisse Gleichheit zwischen den Betroffenen zu garantieren.</p>
<p style="text-align: justify">Laut Kelimbetow trägt die Abwertung zur Verbesserung der gesamten wirtschaftlichen Lage bei, indem sie die Konkurrenzfähigkeit kasachstanischer Güter für den Export erhöht. Nach der vorgenommenen Abwertung schätzt die Nationalbank Kasachstans das diesjährige Wirtschaftswachstum auf 7 Prozent, bei einer gleichzeitigen Inflationsrate von 6-8 Prozent. Nach diesem <u><a href="http://vlast.kz/article/nacbank_prognoziruet_7_procentnyj_rost_jekonomiki_posle_devalvacii-4500.html">„chirurgischen Eingriff“</a></u> in die Wirtschaft, würde sich jedoch eine Phase der Rehabilitation anschließen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Elektronischer Schlagabtausch</strong></p>
<p style="text-align: justify">Wenige Tage nach der Abwertung erhielten viele Menschen per Whatsapp, aber auch auf anderen sozialen Netzwerken eine anonyme Nachricht, in welcher der Bankrott der Kaspii Bank, der Center Credit Bank sowie der Alliance Bank ankündigt wurde. Im gleichen Atemzug wurde den Empfängern empfohlen das Geld so schnell wie möglich von diesen Geldinstituten abzuziehen. Die Folge waren Schlangen an vielen Filialen der Banken, weil viele versuchten ihr Geld noch vor dem prophezeiten Bankrott zu retten.</p>
<p style="text-align: justify">Prompt folgte am gestrigen Mittwoch die Antwort der Zentralbank, die unter anderem auch per SMS die Menschen darüber informierte, dass alle Banken über ausreichende Reserven in – und ausländischer Währung verfügten und die Bürger sich nicht durch die falschen Informationen – gar Provokationen – beunruhigen lassen sollten.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Abwertung, soziale Ungleichheit, Spitzenunterwäsche &#8211; Proteste am Wochenende</strong></p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 450px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/533/1.jpeg" alt="Demonstration Almaty Februar 2014" /></p>
<p style="text-align: justify">
<p style="text-align: justify">Trotz der Garantien der Regierung, dass keine starke Inflation zu erwarten sei, fand letzten Samstag eine Demonstration gegen die Abwertung in Almaty statt. Mehr als 100 Personen trafen sich neben dem Abai-Denkmal, um gegen die Regierungsentscheidung zu protestieren. Das Denkmal wurde nicht zufällig ausgewählt, denn es dient als kasachisches Gerechtigkeitssymbol. Der kasachische Dichter und Schriftsteller Abai Kunanbayuly propagierte in seinen Werken immer wieder Freiheit, Brüderlichkeit und Gleichheit.</p>
<p style="text-align: justify">Unter den Demonstrierenden befanden sich auch: Serikzhan Mambetalin, ein Mitglied der grünen „Ruhaniyat“-Partei sowie Zhasaral Kuanyschalin, ein Regimekritiker und Mitglied der Bewegung „Zhasa, Azattyk“ (Jugend, Freiheit). Letzterer konnte wegen einer Verurteilung nicht an den Präsidentschaftswahl im Jahr 2010 teilnehmen. Der Protest gegen die Abwertung wurde auch durch den generellen Unmut gegenüber der Regierung sowie sozialen Problemen und Ungleichheiten im Land getragen. Später bewegte sich die Gruppe Richtung Rathaus, wobei einige Teilnehmende kurzzeitig festgenommen wurden.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 411px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/533/2.jpeg" alt="Demonstration Spitzenunterwäsche" /></p>
<p style="text-align: justify">
<p style="text-align: justify">Auch am Sonntag versammelten sich wieder etwa 100 Menschen, wobei noch ein weiteres Anliegen hinzu kam. Stein des Anstoßes war das Verbot von Spitzenunterwäsche im Rahmen der Zollunion zwischen Kasachstan, Russland und Belarus. Am Freitag wurde ein Gesetz gegen die Produktion, den Verkauf und den Import von Spitzenunterwäsche in den Mitgliedsländern erlassen und soll schließlich am 1. Juli in Kraft treten. Über das Verbot gab es bereits letzten Herbst Spekulationen, inwieweit aber die endgültige Gewissheit nun „Nervosität“ innerhalb der Bevölkerung auslöst, wird sich wohl erst in den nächsten Tagen zeigen. Als offizielle Begründung für das Verbot werden vage „hygienischen Gründe“ angeführt. Für Kritiker ist es jedoch ein weiteres Zeichen für einen wachsenden Einfluss Russlands auf Kasachstan, nachdem die Abwertung der Tenge schon der des Rubels folgte.</p>
<p style="text-align: justify">Beide Demonstrationen waren nicht zugelassen, zudem wurde den Demonstrierenden der Zugang zu weiteren symbolischen Orten wie dem Platz der Republik in Almaty versperrt. Um die Demonstrationen einzudämmen, wurden auch Schneepflüge benutzt. Dies inspirierte die kasachische Internetgemeinschaft zu scherzen: die Demonstration müsste in verschiedene Stadtteile begleitet werden, weil in der ganzen Stadt zu viel Schnee läge und man sich deswegen “kaum“ bewegen könne.</p>
<p style="text-align: justify"><img decoding="async" style="height: 397px;width: 600px" src="/de/wp-content/uploads/sites/5/old/img/533/3.jpeg" alt="Schneepflüge in Almaty" /></p>
<p style="text-align: justify">
<p style="text-align: justify"><strong>Anzeichen für eine junge Protestkultur? </strong>.</p>
<p style="text-align: justify">Es ist nicht ausgeschlossen, dass die jüngere Generation in Zukunft ein gesteigertes politisches Engagement zeigen wird. Diese Proteste könnten <u><a href="http://rus.azattyq.org/content/almaty-week-and-protests-tenge-devaluation/25265768.html">laut einiger Politologen</a></u>, wie Talgat Mamijrajmow, auch für einen neuen Trend stehen: politisch engagierte Jugendliche der postsowjetischen Generation, die mit Hilfe von sozialen Netzwerken verstärkt virtuell kommunizieren, sich vernetzten und neue Koalitionen bilden, wodurch nicht zuletzt ein großes Mobilisationspotenzial geschaffen wird.</p>
<p style="text-align: justify"><em>Die Demonstration am Samstag (Video : <a href="http://rus.azattyq.org/content/almaty-week-and-protests-tenge-devaluation/25265768.html">Radio Azattyk</a>) </em></p>
<p style="text-align: justify">
<p style="text-align: justify">Auch viele der Demonstranten, die sich am Samstag vor dem Abai-Denkmal versammelten, sahen sich wohl zum ersten Mal jenseits der Bildschirme. Laut des Direktors der Gruppe für Risikobewertung, Dosym Satpaew, sollten die Proteste trotz ihrer kleinen Größe nicht unterschätzt werden. Wenn es früher für die Regierung möglich war die Bevölkerung zu kontrollieren, scheint es nun so, dass sich langsam eine selbstbestimmte Zivilkultur entwickelt.</p>
<p style="text-align: justify">Das Einschreiten der Polizei am Samstag wurde von einigen Demonstranten mit dem Motto „Schal, Ket!“ (auf kasachisch : Greis, geh weg!) begegnet. So meint auch Satpajew: „Nach dem Machtwechsel werden eben diese [jungen] neuen Spieler die politische Landschaft Kasachstans bestimmen.“</p>
<p style="text-align: justify">
<p style="text-align: right"><strong>Yelizaveta Chsherbakowa<br />
Journalistin für Novastan.org, Kasachstan </strong></p>
<p style="text-align: right"><strong>Redaktion: Antje Lehmann</strong></p>
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