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	<title>Volkswirtschaft Archives</title>
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	<description>Wissenswertes und Nachrichten aus Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan</description>
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		<title>Armut in Zentralasien: Unterschiede zwischen den Ländern und deren Gründe</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Fergana News]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 20 Sep 2026 10:51:23 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Von den &#xD6;leinnahmen Kasachstans bis zu den R&#xFC;ck&#xFC;berweisungen von Migrantinnen und Migranten nach Tadschikistan: Woraus ergibt sich die Einkommensungleichheit in Zentralasien? L&#xF6;hne, Migration und Geld&#xFC;berweisungen sorgen daf&#xFC;r, dass Kasachstans, Usbekistans, Kirgistans und Tadschikistans Armutsindikatoren eine stabile Rangliste in dieser Reihenfolge bilden. Fergana News hat untersucht, woraus sich diese Rangliste zusammensetzt, und warum der Rubelkurs dabei [&#x2026;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Von den Öleinnahmen Kasachstans bis zu den Rücküberweisungen von Migrantinnen und Migranten nach Tadschikistan: Woraus ergibt sich die Einkommensungleichheit in Zentralasien? Löhne, Migration und Geldüberweisungen sorgen dafür, dass Kasachstans, Usbekistans, Kirgistans und Tadschikistans Armutsindikatoren eine stabile Rangliste in dieser Reihenfolge bilden. Fergana News hat untersucht, woraus sich diese Rangliste zusammensetzt, und warum der Rubelkurs dabei eine größere Rolle spielt als eigene Reformen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Durchschnittsgehalt in Kasachstan betrug im letzten Quartal des Jahres 2025 etwa 1.000 US-Dollar. In Tadschikistan lag er in denselben Monaten laut Angaben der Statistikbehörde bei etwa 366 US-Dollar und laut Angaben des Arbeitsministeriums bei etwa 276 US-Dollar. Der Unterschied beträgt etwa das Dreifache. Und das zwischen Nachbarländern mit einer gemeinsamen sowjetischen Vergangenheit, einem ähnlichen Klima und demselben Hauptarbeitgeber für ihre Arbeitsmigrant:innen – Russland.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die vier <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Volkswirtschaft">Volkswirtschaften</a> Zentralasiens befinden sich seit langem im gleichen Einflussbereich. Einnahmen, Armut und Haushalte hängen stärker vom Rubelkurs und den Entscheidungen des russischen Innenministeriums ab als von ihren eigenen Fünfjahresplänen. Das Jahr 2025 zeigte dies besonders deutlich: Der Rubel legte gegenüber dem Dollar von 101,68 auf 78,23 zu, was einem Anstieg von 23 Prozent entspricht. In Dollar ausgedrückt stiegen die Rücküberweisungen in die Heimat sofort an, obwohl es nicht mehr Menschen auf den russischen Baustellen gab.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Drei Maßstäbe für ein und dasselbe Gehalt</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ein und dasselbe Gehalt lässt sich auf drei verschiedene Arten messen, und die Platzierung eines Landes ändert sich, je nachdem welcher Maßstab angelegt wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erstens: der Nominalwert in Dollar zum aktuellen Wechselkurs (<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bruttoinlandsprodukt">BIP</a>). Hier ergibt sich ein deutliches Bild. Kasachstan (ca. 1.000 US-Dollar) liegt fast doppelt so hoch wie Usbekistan (507 US-Dollar im Jahr 2025) und Kirgistan (ca. 508 US-Dollar) und etwa dreimal so hoch wie Tadschikistan. Diese Skala zeigt die Kaufkraft in der jeweiligen Währung: Wie viel Importware kann ein Arbeitnehmer kaufen, wie viel kann er sparen und wie lässt sich dies mit seinem Verdienst in Russland vergleichen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zweitens: die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kaufkraftparit%C3%A4t">Kaufkraftparität</a>. Sie berücksichtigt, dass Lebensmittel, Wohnraum und Dienstleistungen in Duschanbe günstiger sind als in Astana. Gemessen am BIP pro Kopf in Kaufkraftparität (KKP) – einem groben Näherungswert für den realen Lebensstandard – liegt Kasachstan bei etwa 34.500 US-Dollar und Tadschikistan bei etwa 5.800 US-Dollar. Die Kluft beim nominalen BIP pro Kopf beträgt etwa das Zehnfache, in KKP verringert sie sich auf das Sechsfache. Dennoch bleibt die Reihenfolge der Länder unverändert.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/kirgistan/die-eurasische-wirtschaftsunion-eine-organisation-zwischen-ambitionen-und-realitaeten-in-zentralasien/">Die Eurasische Wirtschaftsunion – eine Organisation zwischen Ambitionen und Realitäten in Zentralasien</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der dritte Aspekt betrifft den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mittleres_Einkommen">Median</a> und Armut, und er deckt auf, was der Durchschnittswert verbirgt. In Kasachstan lag das Mediangehalt im vierten Quartal 2025 bei 339.912 Tenge, was nur etwa 72 Prozent des Durchschnittsgehalts entspricht. Der „Durchschnitt“ wird durch die Spitzenverdienste im Rohstoff- und Finanzsektor in die Höhe getrieben. Im Bergbau sind es 864.000 Tenge, im Finanzsektor 781.000. Die Hälfte der Kasachstani verdient deutlich weniger als die vielversprechende Zahl von 1.000 US-Dollar vermuten lässt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was Armut betrifft, sieht die Lage noch härter aus. Usbekistan hat den Anteil der von Armut betroffenen Menschen bis 2024 auf 8,9 Prozent gesenkt (laut Weltbank), Kirgistan stagniert bei 25,7 Prozent, wobei fast zwei Drittel der als arm geltenden Menschen im ländlichen Raum leben. Tadschikistan liegt nach dem internationalen Richtwert von 4,2 Dollar pro Tag (Kaufkraftparität 2021) bei 14,8 Prozent Armutsbetroffenheit.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Die Schlussfolgerung aus diesen drei Zahlenreihen ist einfach: Kasachstan liegt in jeder Messgröße an der Spitze, doch sein Vorsprung schmilzt dahin, sobald man vom nominalen Währungswert zum tatsächlichen Geldbeutel eines konkreten Menschen übergeht.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Kasachstan liegt vorne dank Öl</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Kasachstan ist drei- bis sechsmal reicher als seine Nachbarn und die Ursache für diesen Unterschied liegt unter der Erde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das BIP-Wachstum im Jahr 2025 betrug 6,5 Prozent – der höchste Wert seit 2011 – und wurde getragen von einer Rekord-Ölförderung, staatlichen Investitionen sowie von einem Boom im Bau- und Verkehrssektor. Die Wirtschaft stützt sich nach wie vor auf Rohstoffe: Öl, Metalle und Getreide machen die Exporte aus und Diversifizierungsversuche bleiben bislang nur kosmetischer Natur. Dadurch hängt der Wohlstand von den weltweiten Rohstoffpreisen ab und nicht von der Wirtschaftsstruktur.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/kasachstans-regierung-will-schuld-fuer-wirtschaftliche-probleme-der-bevoelkerung-zuschieben/">Kasachstans Regierung schiebt Schuld für wirtschaftliche Probleme der Bevölkerung zu</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Kehrseite zeigt sich in denselben Daten. Die Inflation beschleunigte sich bis Dezember auf 12,3 Prozent, die Reallöhne sanken zum Jahresende und die Nationalbank hält den Leitzins bei 18 Prozent. Innerhalb des Landes sind die Einkommen ungleich verteilt: Ein Median von 72 Prozent des Durchschnitts bedeutet, dass die 1.000 US-Dollar die obere Hälfte beschreiben und nicht den typischen Arbeitnehmer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kasachstan ist das einzige der vier Länder ohne einen großen Anteil an Arbeitsmigration. Es nimmt selbst Arbeitskräfte auf, unter anderem aus Usbekistan und Kirgistan. In der Gesamtwertung der Region ist dies der erste Platz, der durch Rohstoffrenten erkauft und mit wachsender Ungleichheit bezahlt wird.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Usbekistan: Reformen und Migrantenrente</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Usbekistan zeigt die glaubwürdigste Erfolgsgeschichte der Region und zugleich das beunruhigendste Warnsignal.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach 2016, bereits unter der Führung von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Shavkat_Mirziyoyev">Shavkat Mirziyoyev</a>, liberalisierte das Land den Devisenmarkt, öffnete sich für Investitionen und halbierte seine Armut innerhalb eines Jahrzehnts. Das BIP-Wachstum lag 2025 bei 7,7 Prozent (bestätigt durch eine IWF-Mission im April 2026), die Inflation verlangsamte sich auf 7,3 Prozent. Das Durchschnittsgehalt stieg auf 507 US-Dollar und lag damit fast auf dem Niveau von Kirgistan.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/usbekistan-will-regionaler-wirtschaftshub-werden/">Usbekistan will regionaler Wirtschaftshub werden</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Problem liegt aber in der Einkommensstruktur. Die Geldüberweisungen aus dem Ausland erreichten im Jahr 2025 18,9 Milliarden US-Dollar, das sind 27,2 Prozent mehr als noch im Vorjahr. Ihr Anteil am Gesamteinkommen der Bevölkerung stieg von 16,5 auf 21 Prozent, in der Region Fergana sogar auf 32,5 Prozent. Die Zentralbank der Republik nannte externe Faktoren als Grund für diesen Rekord, nämlich den starken Rubel und die steigende Zahl der Auswanderer, nicht aber einen Aufschwung der Beschäftigung im Inland.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Antwort Taschkents lautet: Diversifizierung der Herkunftsländer. Der Anteil Russlands an den Überweisungen sinkt (von 77,6 auf 72,4 Prozent im Jahr 2025), dafür verdoppelten sich die Rücküberweisungen aus Südkorea, aus der EU um das 2,4-Fache und aus der Türkei um das 2,5-Fache. Die Regierung setzte sich zum Ziel, 200.000 Bürgerinnen und Bürgern in 21 entwickelten Ländern Arbeit zu vermitteln. Die Richtung stimmt, die Reichweite ist jedoch bislang nur teilweise gegeben.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Kirgistan: Rekordwachstum und anhaltende Armut</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Kirgistan nimmt innerhalb der Vierergruppe einen unbehaglichen Platz ein: spektakuläres Wachstum auf dem Papier und eine der höchsten Armutsraten in der Praxis.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Armutsquote stagniert bei 25,7 Prozent, der Durchschnittslohn liegt bei etwa 508 US-Dollar, fast zwei Drittel der „Armen“ leben auf dem Land. Dabei sieht das BIP-Wachstum für 2025 triumphierend aus – es liegt bei 11,1 Prozent, einem Rekordwert, der alle Prognosen übertrifft. Diese Zahl ist jedoch mit Vorsicht zu genießen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/grosse-nachbarn-grosse-ambitionen-russland-china-und-der-iran-und-ihr-einfluss-in-zentralasien/">Große Nachbarn, große Ambitionen: Russland, China und der Iran und ihr Einfluss in Zentralasien</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wachstumstreiber sind Reexporte und Dienstleistungen, während in der Zahlungsbilanz für die ersten neun Monate ein großer Posten „Fehler und Auslassungen“ klafft, dessen Umfang mit den jährlichen Rücküberweisungen vergleichbar ist. Ein erheblicher Teil der Dynamik ist auf den Warentransit in die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Eurasische_Wirtschaftsunion">Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU)</a> zurückzuführen und nicht auf die eigene Produktion. In den Einkommen der Bevölkerung spiegelt sich dieses Wirtschaftswachstum kaum wider.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Abhängigkeit von Rücküberweisungen liegt bei 15,4 Prozent des BIP, also 3,5 Milliarden US-Dollar für das Jahr 2025. Davon stammten 92,6 Prozent aus einem einzigen Land, nämlich Russland. Die Nationalbank von Kirgistan warnt selbst davor, dass eine solche Konzentration die Wirtschaft anfällig für Ereignisse beim einzigen Partner macht. Die Mitgliedschaft in der EAWU ermöglicht es Menschen aus Kirgistan, ohne Arbeitserlaubnis in Russland zu arbeiten – das bedeutet einen Wettbewerbsvorteil gegenüber usbekischen und tadschikischen Staatsbürger:innen, aber gleichzeitig auch weniger Spielraum in ihrer Anstellung.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Tadschikistan: Eine Wirtschaft, die von den Einkünften anderer lebt</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Tadschikistan ist ein berechtigter Außenseiter und sein letzter Platz ergibt sich aus durchaus messbaren Faktoren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hier gibt es die niedrigsten Löhne in der Region, die ärmste Wirtschaft und die weltweit größte Abhängigkeit von Rücküberweisungen. Nach Schätzungen der Weltbank und der IOM beliefen sich die Rücküberweisungen im Jahr 2024 auf rund 5,8 Milliarden US-Dollar und machten 45 Prozent des BIP aus – das ist weltweit der höchste Anteil in relativer Hinsicht. Ein Bericht der Weltbank vom 30. Juli 2025 beziffert den Anteil für das Jahr 2025 auf etwa 46 Prozent des BIP.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Daten sind mit Vorsicht zu genießen. Die absoluten Beträge der Rücküberweisungen hat Tadschikistan bereits 2013 unter Geheimhaltung gestellt, sodass die genauen Zahlen von internationalen Institutionen und nicht von der Nationalbank bezogen werden müssen. Für Analysen bedeutet dies eine Untergrenze der Schätzungen: Die tatsächlichen Geldströme, einschließlich der informellen, liegen über den offiziellen Angaben.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/gesellschaft-und-kultur/der-vorwand-sind-kopftuch-bart-und-predigten-auf-dem-handy-migrantinnen-aus-zentralasien-berichten-ueber-islamophobie-in-russland/">Kopftuch und Bart – Migrant:innen aus Zentralasien über Islamophobie in Russland</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Regierung in Duschanbe meldet ein BIP-Wachstum von 8,4 Prozent. Hinter dieser Zahl stehen jedoch nicht die eigene Produktivität, sondern der Konsum aus Rücküberweisungen sowie die Weltmarktpreise für Gold und Aluminium, die zwei Drittel der Exporte ausmachen. Die inländische Produktionsbasis ist schwach, das Handelsdefizit ist auf 35 Prozent des BIP angestiegen. Die Wirtschaft ist so aufgebaut, dass sie Menschen ins Ausland schickt, anstatt ihnen zu Hause Arbeit zu schaffen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein Rubel für alle</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Dieses gesamte System stützt sich auf Russland. Und im Jahr 2025 begann Moskau, es umzugestalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit dem 5. Februar 2025 gelten Ausweisungsbestimmungen und ein Register für kontrollierte Personen. Sobald die Aufenthaltsdauer eines Ausländers oder einer Ausländerin abläuft, wird er oder sie in das Register aufgenommen, was mit einem Verbot von Transaktionen einhergeht, einem Limit von 30.000 Rubel pro Monat für Bankkonten sowie dem Verbot zu heiraten und Immobilien zu erwerben. Der russische Innenminister <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wladimir_Alexandrowitsch_Kolokolzew">Wladimir Kolokoltsew</a> nannte im März 2025 eine Zahl von über 685.000 im Register eingetragenen Personen. Die Zahl der Ausländer:innen im Land sank innerhalb eines Jahres von 6,3 auf 5,7 Millionen (Stand: 1. Januar 2026), die Vergabe der Staatsbürgerschaft ging um 27 Prozent zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href="https://novastan.org/de/politik-und-wirtschaft/werden-die-angeklagten-im-fall-crocus-city-hall-ausgeliefert/">Werden die Angeklagten im Fall Crocus City Hall ausgeliefert?</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Auswirkungen waren asymmetrisch. Die Zahl der Tadschik:innen, die zum Arbeiten ins Ausland gehen, sinkt das dritte Jahr in Folge – um etwa 11 Prozent im Jahr 2025, insgesamt um fast ein Fünftel in drei Jahren. Usbekistan hat im gleichen Zeitraum einen Teil der frei gewordenen Nischen übernommen und seine Präsenz sogar ausgebaut. Russland verzichtet dabei jedoch nicht auf ausländische Arbeitskräfte. Die legale Beschäftigung auf Vertragsbasis stieg auf fast 3 Millionen Menschen und es wurden 42 Prozent mehr Arbeitsgenehmigungen erteilt, mit einem Rekordzuwachs bei Arbeitskräften aus Indien und Bangladesch. Zentralasien wird teilweise durch Länder ersetzt, deren Staatsangehörige ein Visum benötigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Genau hier liegt die größte Falle für Analysen. Der Anstieg der BIP-Anteile in den Jahren 2022 und 2025 ist größtenteils auf den Wechselkurseffekt der Rubel-Aufwertung zurückzuführen und nicht auf ein Wachstum der realen Beschäftigung. Im Jahr 2022, als der Rubel zunächst einbrach, sanken die Rücküberweisungen nach Tadschikistan den Schätzungen der Weltbank zufolge um etwa 40 Prozent, und auch dies war eine Folge des Wechselkurses. Ein Teil der von den Hauptstädten gemeldeten „Verbesserung des Wohlstands“ existiert lediglich in der Währungsumrechnung.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Was bestimmt die Platzierung im Ranking?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die wirtschaftliche Lage der vier Länder lässt sich nicht durch den Grad der Reformen oder die Größe des Landes erklären, sondern dadurch, worauf sich jedes einzelne stützt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kasachstan hat sich dank der Rohstoffrente und des sowjetischen industriellen Erbes einen Vorsprung verschafft, doch seine Schwachstellen sind der Ölpreis und die innerstaatliche Ungleichheit. Usbekistan hat gezeigt, dass Marktreformen zu einem realen Einkommenswachstum führen, hat jedoch eine neue Abhängigkeit geschaffen: die Migrantenrente anstelle von Arbeitsplätzen im eigenen Land. Kirgistan hat bewiesen, dass ein rekordhohes BIP aus dem Transitverkehr die Bevölkerung nicht ernährt, wenn die Wirtschaft nicht diversifiziert ist. Tadschikistan bildet das Schlusslicht der Rangliste: Ohne eigene Produktion und mit einer rekordhohen Abhängigkeit von einem einzigen Außenmarkt verfügt es über kein Polster für den Fall, dass dieser Markt schrumpft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der gemeinsame Nenner ist Russland. Der Rubelkurs und die Migrationspolitik Moskaus beeinflussen die Einkommen von Millionen von Haushalten stärker als die Entscheidungen der lokalen Regierungen. Und das macht alle vier Länder zu Geiseln eines fremden Konjunkturzyklus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daraus ergibt sich die Frage nach der Verantwortung. Die Wirtschaftsstruktur fällt nicht vom Himmel. Die Wirtschaft zu diversifizieren, Arbeitsplätze zu schaffen, Statistiken offenzulegen oder zu verbergen – das sind Entscheidungen der Behörden und keine Frage der Wetterbedingungen. Usbekistan hat mit seinen Reformen gezeigt, dass Politik den Kurs ändern kann. Tadschikistan hat durch seine Abschottung und sein Setzen auf den Export von Arbeitskräften das Gegenteil bewiesen. Der Härtetest findet gerade statt: Wenn der vollständige Zyklus des Registers der kontrollierten Personen den Abfluss aus Russland im Jahr 2026 beschleunigt, wird derjenige als Erster in eine Konsumrezession geraten, der dreißig Jahre lang seine Bürger ins Ausland geschickt und keine Alternativen für sie geschaffen hat.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Fergana News</strong></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Aus dem <a href="https://fergana.news/articles/148040/">Russischen</a> von Michèle Häfliger</strong></p>



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