{"id":9863,"date":"2017-07-25T19:32:32","date_gmt":"2017-07-25T17:32:32","guid":{"rendered":"https:\/\/novastan.org\/de\/?p=9863"},"modified":"2023-08-20T16:52:42","modified_gmt":"2023-08-20T14:52:42","slug":"terrorismus-warum-gibt-es-so-viele-usbekische-attentater","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/novastan.org\/de\/usbekistan\/terrorismus-warum-gibt-es-so-viele-usbekische-attentater\/","title":{"rendered":"Terrorismus: Warum gibt es so viele usbekische Attent\u00e4ter?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\"><strong>Nach den Anschl&#xE4;gen von Stockholm und Sankt Petersburg r&#xFC;ckten Usbekistan und die Usbeken als &#x201E;Quelle des Terrors&#x201C; in die &#xF6;ffentliche Wahrnehmung. Aber trotz der verbreiteten Vorurteile ist Usbekistan keine Dschihadistenfabrik, wie der Experte Achmed Rachmanow erkl&#xE4;rt. <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Am 3. April legte ein junger Usbeke eine Bombe in der Petersburger U-Bahn Station Sennaja-Platz und starb bei der Explosion, die vierzehn weitere Menschen das Leben kostete.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wenige Tage sp&#xE4;ter, am 7. April, traf ein weiterer Terroranschlag die schwedische Hauptstadt Stockholm. Es war der erste Anschlag in Schweden seit den 1970er Jahren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Unklare Hintergr&#xFC;nde<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In beiden F&#xE4;llen lassen die Ermittlungen auf usbekische Attent&#xE4;ter schlie&#xDF;en. Im ersten Fall Akbarschon Dschalilow, ein russischer Staatsb&#xFC;rger usbekischer Herkunft, der im kirgisischen Osch geboren wurde. Im zweiten besitzt der T&#xE4;ter Rachmat Akilow die usbekische Staatsb&#xFC;rgerschaft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Im Fluss der Eilmeldungen wurden beide als Usbeken bezeichnet. Nur wenige Medien hoben den Unterschied zwischen einem Usbeken und einem Staatsb&#xFC;rger Usbekistans hervor.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Dabei handelt es sich im postsowjetischen Raum um eine sehr wichtige Unterscheidung. Im Gegensatz zum europ&#xE4;ischen Raum wird zwischen der Nationalit&#xE4;t und der Staatsb&#xFC;rgerschaft einer Person unterschieden. Erstere bezeichnet die ethnische Herkunft oder Identit&#xE4;t und letztere die Zugeh&#xF6;rigkeit zu einem Staat. Bei der Selbstbezeichnung wird eher die Nationalit&#xE4;t genannt als die Staatsb&#xFC;rgerschaft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Die vielf&#xE4;ltige usbekische Gesellschaft<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Usbekistan hat eine sehr vielf&#xE4;ltige Gesellschaft, die durch verschiedene historische Faktoren gepr&#xE4;gt ist, so dass kaum von einem einheitlichen Identit&#xE4;tsverst&#xE4;ndnis die Rede sein kann. Es gibt auch keine erwiesene Verbindung zwischen diesen Anschl&#xE4;gen und der in Afghanistan ans&#xE4;ssigen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Islamische_Bewegung_Usbekistan\">Islamischen Bewegung Usbekistans<\/a>, wie mancherorts behauptet wurde. Usbekistan kann auch nicht ohne weiteres als &#x201E;<a href=\"http:\/\/www.bild.de\/news\/ausland\/terroranschlag\/istanbul-st-petersburg-stockholm-attentaeter-usbekistan-51219510.bild.html\">Terrornest<\/a>&#x201C; bezeichnet werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Seit M&#xE4;rz 2016 waren Usbeken in vier vermeintlich dschihadistische Anschl&#xE4;ge involviert: <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/weltspiegel\/russland-kinderfrau-in-moskau-nach-grausigem-mord-an-kind-festgenommen\/13031182.html\">Der Mord einer Kinderfrau<\/a> in Moskau, die Angriffe auf den <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/terror-in-istanbul-angriff-auf-flughafen-atatuerk-in-der-tuerkei-a-1100339.html\">Atat&#xFC;rk-Flughafen<\/a> in Istanbul im Juni und der auf den <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/istanbul-mutmasslicher-attentaeter-von-nachtklub-reina-offenbar-gefasst-a-1130267.html\">Reina-Klub<\/a> im Dezember 2016 und schlie&#xDF;lich die Attentate in Sankt-Petersburg und Stockholm.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">An diesen Taten waren Usbeken aus Usbekistan oder Menschen usbekischer Nationalit&#xE4;t beteiligt. Doch f&#xFC;r die breite &#xD6;ffentlichkeit wird das Stichwort &#x201E;Usbeke&#x201C; immer mit Usbekistan in Verbindung gebracht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ohne die gemeinsame kulturelle Herkunft der Attent&#xE4;ter zu leugnen, kann man kein eindeutiges &#x201E;usbekisches&#x201C; Schema daraus schlie&#xDF;en. Jeder Anschlag hat seine eigenen Gr&#xFC;nde und Motivationen. Analysiert man die Hintergr&#xFC;nde des usbekischen Terrorismus, kann man dabei Gemeinsamkeiten finden, die manche Usbeken zur Radikalisierung f&#xFC;hren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Der historische Kontext <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Erst einmal lohnt sich ein Blick in die j&#xFC;ngere Geschichte Usbekistans. Die usbekische Nation ist als solche durch die Sowjetunion entstanden. Davor lebten die Usbeken unter verschiedenen Machtstrukturen, f&#xFC;r die das europ&#xE4;ische Konzept des Nationalstaats keine Anwendung findet. Mehr noch als die Ethnie war die Religion ein vereinender Faktor.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Durch die Sowjetunion entstand eine Klassifizierung der Menschen nach Nationen im europ&#xE4;ischen Sinne. Diese Nationen wurden vor allem aufgrund der vorhandenen sprachlichen und ethnischen Unterschiede definiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Zuerst hatte die Klassifizierung jedoch kaum einen Einfluss auf das Leben der B&#xFC;rger der Sowjetunion, da es keine Grenzen oder administrativen H&#xFC;rden zwischen ihnen gab. So unterschieden sich die Usbeken Usbekistans zum Beispiel kaum von den Usbeken Kirgistans.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Beginn der Radikalisierung in den 1990ern<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Erst nach dem Ende der Sowjetunion machten sich die zwischenstaatlichen Grenzen im Alltag der Zentralasiaten sp&#xFC;rbar. Das Ende der kommunistischen Ideologie f&#xFC;hrte zu einem politischen Vakuum, das schnell durch einen immer st&#xE4;rkeren Bezug auf nationale Identit&#xE4;ten gef&#xFC;llt wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Usbekische Nationalisten, Panturkisten und Islamisten erkannten die aus der Sowjetunion geerbte Regierung nicht an und schlossen sich dem radikal anti-sowjetischen Populismus an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-9868\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/07\/David-Holt.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"768\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/07\/David-Holt.jpg 1024w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/07\/David-Holt-300x225.jpg 300w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/07\/David-Holt-768x576.jpg 768w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/07\/David-Holt-800x600.jpg 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\"\/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Lest auch bei Novastan: <\/strong><a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/kirgistan\/vier-fragen-zum-anschlag-in-sankt-petersburg\/\"><strong>Vier Fragen zum Anschlag in Sankt-Petersburg<\/strong><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">F&#xFC;r die Regierung stellen die Islamisten die gr&#xF6;&#xDF;te Bedrohung dar. Ihre Diskurse erreichen die Bev&#xF6;lkerung im Ferganatal, der am dichtest besiedelten Region im S&#xFC;dosten Usbekistans, und sie konnten als Einzige Massen zu Protest <a href=\"https:\/\/www.diploweb.com\/Ouzbekistan-l-apres-Karimov-des.html\">bewegen<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Regierungstreu oder Islamist<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die fr&#xFC;he Gegen&#xFC;berstellung zwischen der Regierung und den Islamisten hat zu einer immer weiteren Polarisierung der Gesellschaft gef&#xFC;hrt. Einerseits bezichtigt die Regierung alle politischen Gegner des radikalen Islamismus, andererseits beschuldigen die radikalen Islamisten die B&#xFC;rger, die sich ihnen nicht anschlie&#xDF;en, als Komplizen der Regierung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Auf die Art haben sich auch die politischen Parteien in den 1990ern zwischen Regierungstreue und Islamismus aufgeteilt, w&#xE4;hrend die Zivilgesellschaft keine klare Partei ergriff.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Die Persona Abduwali Qori Mirsajew<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In den 1990ern weitete der usbekische Staat seine Kontrolle auf alle politischen, sozialen und wirtschaftlichen Kreise aus. In der Zeit sind aber auch einige charismatische, gebildete und rhetorisch begabte islamistische Ideologen auf der Bildfl&#xE4;che erschienen, wie zum Beispiel Abduwali Qori Mirsajew und Dschuma Namangani.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Letzterer wurde er sp&#xE4;ter als Kopf einer terroristischen Gruppierung bekannt. Mirsajew hingegen war der wohl wichtigste islamistische Ideologe Zentralasiens. Trotz seiner teils sehr radikalen Ansichten hat er nie zum bewaffneten Aufstand aufgerufen und an keinen terroristischen Taten teilgenommen. Nachdem er 1995 am Taschkenter Flughafen &#x201E;verschwand&#x201C;, entstand ein starker <a href=\"https:\/\/www.hrw.org\/news\/2015\/02\/17\/uzbekistan-prominent-religious-figure-freed\">Mythos um seine Person<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-9869\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/07\/BBC.jpg\" alt=\"\" width=\"304\" height=\"171\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/07\/BBC.jpg 304w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/07\/BBC-300x169.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 304px) 100vw, 304px\"\/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Regierung wurde verd&#xE4;chtigt, Mirsajew beseitigt zu haben, was von radikalen Islamisten instrumentalisiert wurde. Posthum erreichten seine Reden ein noch weiteres Publikum. Heute noch wird er regelm&#xE4;&#xDF;ig von zentralasiatischen oder uigurischen radikalen Ismalisten zitiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Von Mirsajews Ende zur Islamischen Bewegung Usbekistans<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Der Kult um den &#x201E;M&#xE4;rtyrer&#x201C; Mirsajew wurde vor allem von der Islamischen Bewegung Usbekistans (IBU) getragen. Diese wurde 1998 gegr&#xFC;ndet und organisierte mehrere Anschl&#xE4;ge in Usbekistan und im Ferganatal, ehe sie sich nach Afghanistan zur&#xFC;ckzog. Sie&#xA0; bediente sich aktiv bei Mirsajews Reden, um weitere Dschihadisten in Afghanistan zu gewinnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die IBU profitierte auch von der St&#xE4;rkung der Taliban in Afghanistan und der Schw&#xE4;chung Tadschikistans durch den B&#xFC;rgerkrieg. Sie wurde zum Sicherheitsrisiko nicht nur f&#xFC;r Usbekistan, sondern auch f&#xFC;r die Nachbarl&#xE4;nder. Neben <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/1999_Tashkent_bombings\">Anschl&#xE4;gen in Taschkent<\/a> (1999) und Angriffen in verschiedenen Regionen Usbekistans versuchte sie sogar, die bergigen Gebiete von Surchan-Darija an der Grenze zu Afghanistan zu <a href=\"http:\/\/www.easttime.ru\/analytics\/uzbekistan\/vtorzhenie-v-surkhandarinskuyu-oblast-uzbekistana\">kontrollieren<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Erst nach dem 11. September 2001 verlor die IBU allm&#xE4;hlich an Bedeutung. Usbekistan gelang es, sie auf die Liste der internationalen terroristischen Organisationen zu setzen. Daraufhin neutralisierte die amerikanische Armee nach und nach die wichtigen Anf&#xFC;hrer und K&#xE4;mpfer der Bewegung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Mit der Zeit hat sich die Bewegung zersplittert. Laut einigen Medienberichten schaffte es ein vermeintlicher V-Mann der usbekischen Sicherheitsdienste sogar, Befehlshaber der <a href=\"http:\/\/www.huffingtonpost.fr\/akhmed-rahmanov\/islamistes-ouzbeks-quel-jihad_b_6259670.html\">IBU zu werden<\/a>. So bekundete eine stark angeschlagene IBU im August 2015 ihre Treue zum Islamischen Staat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Lest auch bei Novastan: <\/strong><a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/kirgistan\/der-is-in-zentralasien-ein-gerucht\/\"><strong>Der Mythos des Islamischen Staats in Zentralasien<\/strong><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Diese Allianz birgt f&#xFC;r die IBU ein gro&#xDF;es Risiko, denn sie bewegt sich &#xFC;berwiegend in von den Taliban kontrollierten Gebieten. Im Dezember 2015 schien ihr Zerfall entg&#xFC;ltig zu sein, als ein Bild der Leiche ihres Emirs Usman Gasi ver&#xF6;ffentlicht wurde. Eine Warnung der Taliban gegen&#xFC;ber anderer Bewegungen, die eine Ann&#xE4;herung an den Islamischen Staat erwogen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Eine zerstreute Islamistische Szene<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Geschichte der IBU ist ein wichtiger Moment in der Entwicklung des Terrorismus in Usbekistan und in Zentralasien. Als sie noch eine richtige politische Bewegung war, versammelte sie in der Region einen gro&#xDF;en Anteil derer, die bewaffneten Wiederstand gegen ihre Regierung leisten wollten. Die IBU war eine Rebellionsbewegung mit klaren Zielen, wie der Errichtung eines islamischen usbekischen Emirats in Zentralasien.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Paradoxalerweise hat die Zerstreuung der IBU die Lage nicht sicherer gemacht. Ohne diesen politischen Anhanltspunkt sind viele usbekische K&#xE4;mpfer ganz von ihrem Land und ihrer Region getrennt und finden sich in Syrien wieder, ein Umfeld ohne Belang f&#xFC;r ihre politische Vision und ihre pers&#xF6;nliche Geschichte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Diese politische Desorientierung ist der Hauptgrund f&#xFC;r den Einsatz usbekischer K&#xE4;mpfer in t&#xF6;dlichen Missionen fern von Zentralasien. Zerstreut sind sie schwieriger zu erfassen, denn sie folgen verschiedenen Organisationen. Viele finden sich in K&#xE4;mpfen wieder, die nichts mit Zentralasien zu tun haben: Ein vermeintlicher Sieg f&#xFC;r den usbekischen Staat, aber ein Desaster f&#xFC;r viele andere.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Der kontraproduktive Kampf gegen den Radikalismus<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Usbekistan hat eine sehr weitreichende Politik gegen den islamischen Radikalismus. Einerseits garantiert der Staat seinen B&#xFC;rgern, dass sie einen offiziellen Islam praktizieren k&#xF6;nnen, indem er die Moscheen durch staatlich ausgebildete Imame kontrolliert. Andererseits sagt er dem politisierten Islam konsequent den Kampf an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">So kam es zu einer Teilung zwischen den Muslimen, die ihrem Glauben auf pers&#xF6;nlicher Ebene folgen und dem politisierten Islam.&#xA0;Auch wurde der &#x201E;offizielle Islam&#x201C; stets unterst&#xFC;tzt, w&#xE4;hrend jede religi&#xF6;se &#xC4;u&#xDF;erung, die sich der politischen Kontrolle entzieht, streng unterdr&#xFC;ckt wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die durch die Sowjetunion stark s&#xE4;kularisierte Zivilgesellschaft begr&#xFC;&#xDF;t diese Initiativen und unterst&#xFC;tzt den Staat in dessen Kampf gegen den Radikalismus.&#xA0;Aber dieser Kampf um jeden Preis und seine Instrumentalisierung gegen viele Regimekritiker hat gleichzeitig die Radikalisierung mancher Muslime in Usbekistan verursacht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Zwei usbekische Diaspora<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Als Konsequenz dieser repressiven Politik verlie&#xDF;en zuerst viele radikalisierte Usbeken das Land. In L&#xE4;ndern wie der T&#xFC;rkei, Russland und in Europa haben sich zwei verschiedene usbekische Diaspora entwickelt: Eine widersetzt sich offen dem usbekischen Staat und ist oft vom politischen Islam gepr&#xE4;gt, die zweite ist eher apolitisch oder gibt ihre politischen Einstellungen nicht preis.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-9870\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/07\/Slowther.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"480\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/07\/Slowther.jpg 640w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/07\/Slowther-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\"\/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die vom politischen Islam gepr&#xE4;gte Diaspora ist heute gut organisiert, solidarisch und aktiv innerhalb der usbekischen Gemeinschaften. Dies f&#xFC;hrt zu einer immer st&#xE4;rkeren Radikalisierung der Usbeken im Ausland. &#xDC;ber das Internet erf&#xE4;hrt diese Entwicklung auch ein Echo innerhalb Usbekistans.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die apolitische Diaspora ist hingegen eher zerstreut und verfolgt in erster Linie wirtschaftliche Interessen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Der religi&#xF6;se Konservatismus in der usbekischen Gesellschaft <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die zweite Folge der repressiven Politik des usbekischen Staats ist, dass der radikalisierte Teil der Gesellschaft, der das Land nicht verlassen konnte oder wollte, unter dem Dach des offiziellen Islam weiterbesteht. Innerhalb dieses Rahmens wirbt diese Gemeinschaft durch &#x201E;Soft Power&#x201C; f&#xFC;r einen streng konservativen Islam.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Von den 2000er- Jahren bis heute ist an vielen Stellen ein &#x201E;softe&#x201C; Radikalisierung in Usbekistan gelungen, insbesondere durch die Verkn&#xFC;pfung von Islam und Wirtschaft. Unter den usbekischen H&#xE4;ndlern und Unternehmern ist ein m&#xE4;chtiges Netzwerk entstanden, dass das Vorbild von Gesch&#xE4;ftsm&#xE4;nnern verbreitet, die dank ihrer Frommheit erfolgreich geworden sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Konservativer Islam in Mode<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Gegen&#xFC;ber der Globalisierung und der immer fremdenfeindlicheren Diskurse der russischen Gesellschaft gegen die Zentralasiaten ist der konservative Muslim ein Rollenmodell f&#xFC;r nicht-russifizierte und nicht westlich gepr&#xE4;gte Usbeken geworden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Diese &#x201E;Mode&#x201C; wurde mit der Ankunft des Scheichs <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Muhammad_Sodiq_Muhammad_Yusuf\">Muchammad Sodiq Muchammad Jusuf<\/a>, dem ersten Mufti des unabh&#xE4;ngigen Usbekistans, weiter gest&#xE4;rkt. Das charismatische und konservativ eingestellte religi&#xF6;se Oberhaupt des Landes hat es geschafft, Gl&#xE4;ubige verschiedener gesellschaftlicher Umfelder um sich zu versammeln. Sein religi&#xF6;ses Verst&#xE4;ndnis st&#xFC;tzt sich auf die fundamentalen Texte, l&#xE4;sst aber auch Raum f&#xFC;r lokale Traditionen und Br&#xE4;uche.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Der m&#xE4;chtige Scheich Muchammad <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Der Scheich hat es geschafft, die st&#xE4;ndigen und teils gewaltt&#xE4;tigen Konflikte zwischen usbekischen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sufismus\">Sufis<\/a> und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Salafismus\">Salafisten<\/a> zu bes&#xE4;nftigen. Er hat eine Art hybriden Islam verbreitet, der salafistische und sufistische Elemente verbindet und der staatlichen Politik treu bleibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Der Scheich Muchammad erhielt auch Unterst&#xFC;tzung von der Regierung, um radikale Gl&#xE4;ubige um sich zu versammeln und ihre Flucht zu terroristischen Organisationen zu stoppen. Er unterhielt ein <a href=\"http:\/\/carnegieendowment.org\/files\/cp_82_olcott2_final.pdf\">Netzwerk von Gesch&#xE4;ftsm&#xE4;nnern<\/a>, politischen Pers&#xF6;nlichkeiten und islamischen Denkern in Usbekistan und in der ehemaligen Sowjetunion.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Direkter Draht nach oben<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Mehrere Internetseiten wurden erschaffen, auf denen der Scheich &#xF6;ffentlich auf Fragen der &#xD6;ffentlichkeit antwortete. Ein solch direkter Draht war f&#xFC;r Usbekistan eher ungew&#xF6;hnlich und wurde ein gro&#xDF;er Erfolg. Seit dem Tod von Abuwali Qori Mirsajew in den 1990ern hatte keine religi&#xF6;se Pers&#xF6;nlichkeit mehr einen solchen Enthusiasmus geweckt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Der Scheich verstarb jedoch im M&#xE4;rz 2015 an einem Herzinfarkt. Die gro&#xDF;e Trauergemeinde, die zu Scheich Muhammads Beerdigung erschien, verdeutlichte seine bedeutende Rolle in der Gesellschaft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><iframe loading=\"lazy\" title=\"&#x424;&#x430;&#x437;&#x438;&#x43B;&#x430;&#x442;&#x43B;&#x438; &#x428;&#x430;&#x439;&#x445; &#x41C;&#x443;&#x4B3;&#x430;&#x43C;&#x43C;&#x430;&#x434; &#x421;&#x43E;&#x434;&#x438;&#x49B; &#x41C;&#x443;&#x4B3;&#x430;&#x43C;&#x43C;&#x430;&#x434; &#x42E;&#x441;&#x443;&#x444; &#x4B3;&#x430;&#x437;&#x440;&#x430;&#x442;&#x43B;&#x430;&#x440;&#x438;&#x43D;&#x438;&#x43D;&#x433; &#x434;&#x430;&#x444;&#x43D; &#x43C;&#x430;&#x440;&#x43E;&#x441;&#x438;&#x43C;&#x43B;&#x430;&#x440;&#x438;&#x434;&#x430;&#x43D;\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/VvS-7ag7qGA?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">F&#xFC;r den usbekischen Staat war dieser Einfluss des Scheichs jedoch ein zweischneidiges Schwert.&#xA0;Er und seine Sch&#xFC;ler haben es zwar geschafft, viele Gl&#xE4;ubige um sich zu versammeln, andererseits haben sie unter den Muslimen der usbekischen Gesellschaft ein Modell gef&#xF6;rdert, in dem ein konservativer Gl&#xE4;ubiger chauvinistisch und dogmatisch sein soll und immer den Befehlen der religi&#xF6;sen Autorit&#xE4;ten folgen soll.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Vom Konservatismus zur Radikalisierung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Der m&#xE4;chtige Einfluss des Scheichs hat sich nach dessen Tod auf seine Sch&#xFC;ler und andere religi&#xF6;se Akteure aufgeteilt. Seine Sch&#xFC;ler vertreten verschiedene Vorstellungen vom Verh&#xE4;ltnis zwischen Islam und Politik. Manche schreiben den religi&#xF6;sen Angelegenheiten einen &#x2013;verfassungswidrigen&#x2013; Einfluss auf die politischen und &#xF6;ffentlichen Angelegenheiten zu.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Eines der bekanntesten Beispiele ist die Erkl&#xE4;rung eines Taschkenter Imams an den Gouverneur mit der Aufforderung, <a href=\"https:\/\/www.rferl.org\/a\/uzbekistan-imam-male-obstetricians-embarrassment\/28414419.html\">keine m&#xE4;nnlichen Frauen&#xE4;rzte<\/a> mehr auszubilden. Eine solche Erkl&#xE4;rung ist bei weitem kein Einzelfall.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Auf dieser religi&#xF6;s-konservativen Ebene findet sich auch die erste Stufe der Radikalisierung auf Grundlage sehr strikter religi&#xF6;ser Auslegungen. Der n&#xE4;chste Schritt ist die massive Auswanderung von Usbeken nach Russland, Kasachstan, in die T&#xFC;rkei oder nach Europa, wo die radikalisierten Diasporas diese konservativen Ansichten nutzen, um die Neuank&#xF6;mlinge f&#xFC;r ihre Ideen zu gewinnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Die staatliche Repression als Problem, das vorgibt die L&#xF6;sung zu sein &#xA0;<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Politik spielt auch eine wichtige Rolle in der Radikalisierung. Zum Ende der 1990er begann die usbekische Regierung, politische Gegner unter religi&#xF6;sem Vorwand zu verurteilen. Sp&#xE4;ter haben sich aber die Gegner selbst auf die wachsende Radikalit&#xE4;t gest&#xFC;tzt. Der Islam wurde zu einer Oppositionsideologie gegen den s&#xE4;kularen Staat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Am Ende der 1990er hat der Erfolg der IBU somit viele Regierungsgegner zur Radikalisierung gedr&#xE4;ngt. Es gab sogar Ger&#xFC;chte, <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Muhammad_Salih\">Muchammad Salih<\/a>, der Chef der usbekischen Opposition, sei eine Allianz mit <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Tohir_Yo%CA%BBldosh\">Tahir Juldasch<\/a>, dem Chef der IBU, <a href=\"http:\/\/www.antiterror.ru\/forum\/80863962.html\">eingegangen<\/a>. Die Information wurde aber nie best&#xE4;tigt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Salih hat wie viele Oppositionelle mit dem politischen Islam gelieb&#xE4;ugelt, vor allem w&#xE4;hrend des Arabischen Fr&#xFC;hlings. Sein Versuch, eine Art usbekische Muslimbr&#xFC;der ins Leben zu rufen, scheiterte aber an seinem kl&#xE4;glichen Ruf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Der Informationskrieg des usbekischen Staats <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Bez&#xFC;glich &#xA0;des Anstiegs des politischen Islams innerhalb der Opposition und der Diaspora hat der usbekische Staat konsequent die Diaspora beschuldigt, terroritischen Organisationen nahe zu stehen. Diese stark politisierte Darstellung st&#xFC;tzt sich auf reale Elemente, besonders in <a href=\"https:\/\/www.usnews.com\/news\/world\/articles\/2017-01-17\/the-latest-turkey-premier-confirms-attackers-arrest\">der T&#xFC;rkei<\/a> und in <a href=\"http:\/\/www.bbc.com\/news\/world-europe-39600119\">Schweden<\/a>, vor deren Diaspora Usbekistan mehrfach gewarnt hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die unklare Kommunikation und vor allem der mangelnde Dialog zwischen Usbekistan und den anderen Staaten wird aber von den usbekischen Islamisten ausgenutzt. Manche nutzen auch die europ&#xE4;ischen Rechtsstaaten und deren Verst&#xE4;ndnis der Menschenrechte aus, um sich als politische Fl&#xFC;chtlinge dorthin abzusetzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Radikale usbekische Gruppierungen im Ausland<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Im Fall des Anschlags in Stockholm hatte Usbekistan die schwedischen Beh&#xF6;rden indirekt vor dem Profil von Rachmat Akilow gewarnt.&#xA0;Gleichzeitig arbeiten in Schweden viele Filialen sehr radikaler Organisationen, die sich als nicht gewaltt&#xE4;tig darstellen. Ein Beispiel ist <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hizb_ut-Tahrir\">Hisb-ut Tahrir<\/a>, das f&#xFC;r seine radikalen Ideen zur Erschaffung eines weltweiten islamischen Kalifats bekannt ist. Die Organisation ruft zu einem friedfertigen Dschihad auf, jedoch mit sehr radikalen Ansichten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Hisb-ut Tahrir wird in manchen F&#xE4;llen zu einem Ausbildungszentrum f&#xFC;r den bewaffneten Dschihad. Die usbekischen Mitglieder der Organisation betreiben von Schweden aus eine sehr breite Propaganda im Internet und auf sozialen Netzwerken. Diese Propaganda ist in Zentralasien, wo auf &#xF6;ffentlichen Plattformen wenig &#xFC;ber Politik geredet wird, sehr effektiv.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Die Vernachl&#xE4;ssigung der lokalen Sprachen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Neben der Repressionen profitieren die Islamisten auch von der niedrigen Stellung der lokalen zentralasiatischen Sprachen. Die Vermittlung dieser Sprachen steht der des Russischen nach, das als Sprache der Elite und der Intelligentsia wahrgenommen wird. Diese Vernachl&#xE4;ssigung wird von der islamistischen Propaganda ausgenutzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Abwertung derer, die nur Usbekisch sprechen k&#xF6;nnen, zieht eine weitere Trennlinie durch die usbekische Gesellschaft. Die russischsprachigen Usbeken sind eher Russland und dem Westen zugewandt, w&#xE4;hrend die anderen eher traditionell und konservativ eingestellt sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Terroristische Gruppierungen, radikale Organisationen und religi&#xF6;se Akteure nutzen diese Teilung aus, um die niedrigen Gesellschaftsschichten anzuziehen. Die Berichterstattung der usbekischen Medien infolge des Anschlags in Sankt Petersburg ist in der Hinsicht charakteristisch: Russischsprachige Nachrichten folgten meist den Berichten der offiziellen russischen Medien, w&#xE4;hrend usbekischsprachige Berichte oft den politischen Stellungnahmen Russlands widersprachen und auf den Nationalismus und den religi&#xF6;sen Konservatismus anspielten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Ein Graben zwischen den gesellschaftlichen Schichten<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Den gesellschaftlichen Graben in Usbekistan hat es immer gegeben, aber zuvor hatten die usbekischsprachigen Schichten keinen Zugang zu Plattformen, auf denen sie ihre gesellschaftlichen Meinungen teilen k&#xF6;nnen. Unter ihnen sind auch politisiertere religi&#xF6;se F&#xFC;hrer, die sich als F&#xFC;hrer der nicht russifizierten einfachen Schichten sehen. Politisiert haben sie sich weder &#xFC;ber Russland, noch &#xFC;ber den Western, sondern &#xFC;ber andere politische Zentren wie die T&#xFC;rkei, &#xC4;gypten und die Golfsstaaten. Sie bilden den alternativen Teil, der sich f&#xFC;r den Schutz der muslimischen Identit&#xE4;t gegen Russland und den Western einsetzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Trotz eines schnellen sozialen Wandels bleibt die usbekische Gesellschaft tief traditionell und st&#xFC;tzt sich auf die Philosophie eines rationalistischen Sufi-Islams. Entwickelt sich die Lage aber so weiter, k&#xF6;nnte dies zu einer Radikalisierung der usbekischen Gesellschaft &#xFC;ber den religi&#xF6;sen Konservatismus f&#xFC;hren, da die Gesellschaft immer st&#xE4;rker auf die Rufe der Geistlichen h&#xF6;rt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die brutale Repression der radikalen Elemente und der politischen Gegner ist nicht mehr so effektiv wie zuvor. Mit der Entwicklung neuer Kommunikationstechnologien w&#xFC;rde jede Festnahme oder jeder Druck auf eine religi&#xF6;se Pers&#xF6;nlichkeit ein starkes Echo erfahren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>F&#xFC;nf Erkl&#xE4;rungen f&#xFC;r die Radikalisierung in Usbekistan <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Im Gro&#xDF;en und Ganzen ist die Beteiligung ethnischer Usbeken und usbekischer Staatsb&#xFC;rger A terroristischen Anschl&#xE4;gen das Ergebnis vieler verschiedener Faktoren. Zuerst hat die Repression des usbekischen Staats eine radikalisierte Diaspora im Ausland gef&#xF6;rdert, w&#xE4;hrend der radikale Islam im Land sich weiter entwickelte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Auch die gesellschaftliche Kontrolle innerhalb des Landes zwingt radikale Elemente zur Auswanderung. Die Zersplitterung der IBU hat die islamistische Szene schwerer greifbar gemacht und sie auf der Welt verteilt, auch im sogenannten Islamischen Staat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Der f&#xFC;nfte Faktor ist die Radikalisierung der neu emigrierten Usbeken, die besonders in Russland wenig Wertsch&#xE4;tzung erfahren. Die Theorie, laut der die Usbeken sich in Usbekistan radikalisieren, bevor sie direkt nach Syrien ziehen, trifft daher in den wenigsten F&#xE4;llen zu.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Politische Reform notwendig <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In dieser sensiblen Lage ist es wichtig, dass der Staat seine s&#xE4;kulare Gesetzgebung st&#xE4;rker zur Geltung forciert und eine vielf&#xE4;ltige Zivilgesellschaft entstehen l&#xE4;sst. Ohne gesellschaftliche Alternativen wird es unm&#xF6;glich sein, die konservativ eingestellten Massen zu erreichen, die ansonsten eine Zeitbombe darstellen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Entwicklung einer s&#xE4;kularen, rationellen, ideologisch diversen und von religi&#xF6;sen Dogmen getrennten Intelligentsia kann dem Staat dabei helfen, den unterschwelligen Radikalismus der usbekischen Gesellschaft zu bek&#xE4;mpfen. Daf&#xFC;r muss der Staat sich seinerseits aber&#xA0; den sozialen Problemen zuwenden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Seit der Wahl im Dezember f&#xFC;hrt der neue Pr&#xE4;sident <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/usbekistan\/wer-ist-der-neue-praesident-usbekistans\/\">Schawkat Mirsijojew<\/a> eine transparentere Politik und geht auf die einfachen Gesellschaftsschichten zu. Diese populistische Politik muss aber zu einer wahren Grundsatzpolitik mit konkreten L&#xF6;sungen werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die gro&#xDF;en Probleme der usbekischen Gesellschaft, wie die Ungleichheiten zwischen Stadt und Land, die Bildung und vor allem die allgegenw&#xE4;rtige Korruption m&#xFC;ssen ernster genommen werden und es m&#xFC;ssen dauerhafte L&#xF6;sungsvorschl&#xE4;ge f&#xFC;r die Bev&#xF6;lkerung gefunden werden. Die religi&#xF6;se Radikalisierung wird vor allem von dem sozialen Chaos und den verbreiteten Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten angetrieben, mehr noch als durch die Armut und die schlechte Bildung.<\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><strong>Akhmed Rahmanov<\/strong><strong><br>\nForscher am Zentrum f&#xFC;r Studien der regionalen Sicherheit in Taschkent<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><strong>Aus dem Franz&#xF6;sischen von Florian Coppenrath<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Noch mehr Zentralasien findet Ihr auf unseren Social Media Kan&#xE4;len, schaut mal vorbei bei&#xA0;<a href=\"https:\/\/twitter.com\/novastan_de\">Twitter<\/a>,&#xA0;<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Novastan.org\/\">Facebook<\/a>,&#xA0;<a href=\"https:\/\/telegram.me\/novastan\">Telegram<\/a>,&#xA0;<a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/company-beta\/5246815\/\">Linkedin<\/a>&#xA0;oder&#xA0;<a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/novastanorg\/\">Instagram<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach den Anschl&#xE4;gen von Stockholm und Sankt Petersburg r&#xFC;ckten Usbekistan und die Usbeken als &#x201E;Quelle des Terrors&#x201C; in die &#xF6;ffentliche Wahrnehmung. 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