{"id":9725,"date":"2017-07-14T13:11:09","date_gmt":"2017-07-14T11:11:09","guid":{"rendered":"https:\/\/novastan.org\/de\/?p=9725"},"modified":"2023-08-20T16:52:13","modified_gmt":"2023-08-20T14:52:13","slug":"kirgistan-nachrichtenplattform-zanoza-konnte-nach-rechtsstreit-schliesen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/novastan.org\/de\/kirgistan\/kirgistan-nachrichtenplattform-zanoza-konnte-nach-rechtsstreit-schliesen\/","title":{"rendered":"Kirgistan: Nachrichtenplattform Zanoza k\u00f6nnte nach Rechtsstreit schlie\u00dfen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\"><strong>Zanoza ist eine unabh&#xE4;ngige Nachrichtenplattform, die von der ehemaligen Internetredaktion von Wetschernij Bischkek gegr&#xFC;ndet wurde. Seit April steht sie wegen Verleumdung des kirgisischen Pr&#xE4;sidenten vor Gericht und ist bereits stark verschuldet. <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nach f&#xFC;nf verlorenen Prozessen zeichnet sich allm&#xE4;hlich die Schlie&#xDF;ung der Online-Nachrichtenplattform Zanoza.kg im Herbst ab, wie der Mitgr&#xFC;nder Naryn Aijp der Presseagentur 24.kg am 6. Juli <a href=\"https:\/\/24.kg\/obschestvo\/56857_sayt_Zanozakg_skoree_vsego_prekratit_svoyu_rabotu\/\">mitteilte<\/a>. Die Plattform schuldet dem kirgisischen Pr&#xE4;sidenten insgesamt 27 Millionen Som (ca. 340 000 Euro) Schmerzensgeld. Eine solche Summe liegt weit &#xFC;ber den Mitteln des unabh&#xE4;ngigen Mediums.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Redaktion geht gegen diese Urteile weiter in Berufung, gibt sich aber &#x201E;<em>keinen Illusionen<\/em>&#x201C; hin, wie Aijp hinzuf&#xFC;gt. &#x201E;<em>Wir gehen davon aus, dass alle Gerichte gegen uns entscheiden werden<\/em>&#x201C;, erkl&#xE4;rt Zanozas Chefredakteurin Dina Maslowa <em>Novastan<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Maslowa hofft, dass sich die vom Mitgr&#xFC;nder angek&#xFC;ndigte &#x201E;<em>sehr pessimistischen Lage<\/em>&#x201C; nicht realisieren wird: &#x201E;<em>Die Dinge k&#xF6;nnen sich noch &#xE4;ndern.<\/em>&#x201C; Sie sieht die Perspektiven von Zanoza etwas differenzierter: &#x201E;<em>Vielleicht werden wir auf der Grundlage von Zanoza eine neue Webseite gr&#xFC;nden<\/em>&#x201C;. Die Zukunft der Nachrichtenplattform sollte bis zum Ende des Sommers klar sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Repression von den Wahlen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Somit liegt die Zanozas Schicksal vor allem in den H&#xE4;nden der Justiz. Der Prozess gegen die anerkannte Nachrichtenplattform bezieht sich auf mehrere Artikel, die den Pr&#xE4;sidenten Almasbek Atambajew direkt oder indirekt kritisiert haben. Es geht dabei um Finanzbetrug in offiziellen Beh&#xF6;rden, autorit&#xE4;re Machtaus&#xFC;bung und auch die Festnahme des Oppositionspolitikers &#xD6;m&#xFC;rbek Tekebajew. Manche der Artikel, die der Staatsanwaltschaft aufgetragen wurden, erw&#xE4;hnen nicht einmal den Namen des Pr&#xE4;sidenten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/kirgistan\/kirgistan-oppositionschef-wegen-korruption-festgenommen\/\">Oppositionspolitiker wegen Korruption festgenommen<\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Unabh&#xE4;ngige Union der Journalisten Kirgistans beschuldigt die Regierung und die Justiz, &#x201E;<em>mit allen Mitteln die Schlie&#xDF;ung dieser Online-Zeitung bewirken zu wollen und sie so an der Produktion einer alternativen Berichterstattung zu hindern<\/em>&#x201C;. &#x201E;<em>Es ist f&#xFC;r unabh&#xE4;ngige Medien immer schwerer geworden, ihre Rolle als vierte Macht zu spielen<\/em>&#x201C;, beklagt die Union in einer Presseerkl&#xE4;rung. &#x201E;<em>Unabh&#xE4;ngigkeit kostet viel.<\/em>&#x201C;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Zanoza, entstanden aus einem Prozess<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Zanozas Gr&#xFC;ndung im Jahr 2015 folgte bereits auf eine Gerichtsentscheidung, die die g&#xE4;nzliche Kontrolle der gr&#xF6;&#xDF;ten kirgisischen Tageszeitung Wetschernij Bischkek einem regierungsnahen Aktieninhaber &#xFC;bergab. Der Prozess verlief im Vorlauf auf die Parlamentswahlen im Herbst 2015 und hatte bereits Beobachter beunruhigt, die autorit&#xE4;re Tendenzen im demokratischsten der zentralasiatischen L&#xE4;nder bef&#xFC;rchteten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nach der Entscheidung wurde ein Gro&#xDF;teil der Redaktion entlassen. Einige der Journalisten vereinigten sich daraufhin, um mit Zanoza ein weiteres unabh&#xE4;ngiges Medium zu gr&#xFC;nden. Auch der Inhaberwechsel bei Wetschernij Bischkek folgte auf eine Reihe kritischer Artikel gegen&#xFC;ber Atambajew und seiner Politik.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Ein Justizsystem &#x201E;ganz in den H&#xE4;nden der Regierung&#x201C;<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nur drei Monate vor der kommenden Pr&#xE4;sidentschaftswahl in Kirgistan am 15. Oktober beklagen mehrere Menschenrechtsorganisationen wie <a href=\"https:\/\/www.hrw.org\/news\/2017\/05\/12\/kyrgyzstan-president-targets-critics\">Human Rights Watch<\/a> die Unterdr&#xFC;ckungsversuche gegen&#xFC;ber der Opposition und unabh&#xE4;ngigen Medien. In der j&#xFC;ngsten Rangliste der Pressefreiheit laut Reporter ohne Grenzen hat Kirgistan vier Pl&#xE4;tze verloren und befindet sich nun auf dem 89. Platz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/kirgistan\/pressefreiheit-die-lage-in-zentralasien-verschlechtert-sich\/\">Pressefreiheit &#x2013; die Lage in Zentralasien verschlechtert sich<\/a> <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>Zanoza<\/em> ist nicht das einzige Medium, das von der kirgisischen Regierung angegriffen wurde. Im Juni wurde der Zugang zur in Moskau ans&#xE4;ssigen Nachrichtenagentur <a href=\"http:\/\/www.fergananews.com\/\">Ferghana News<\/a> blockiert und der Korrespondent Ulugbek Babakulow wegen Anstiftung zum ethnischen Hass ins Exil gezwungen. Babakulow hatte in einem Artikel den Rassismus im kirgisischsprachigen Segment sozialer Medien angeprangert. Ferghana News ist bis auf Weiteres in Kirgistan gesperrt. Ein weiterer Prozess gegen Radio Azattyk, der lokalen Branche von <a href=\"https:\/\/www.rferl.org\/\">Radio Free Europe<\/a>, wurde von der Regierung aufgegeben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">&#x201E;<em>Unser Justizsystem h&#xE4;ngt heutzutage vollkommen vom Pr&#xE4;sidenten ab<\/em>&#x201C;, kommentiert <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/rita.karasartova\">Rita Karasartowa<\/a>, Leiterin des <a href=\"http:\/\/www.koom.kg\/\">Instituts f&#xFC;r gesellschaftliche Analyse<\/a> und Pr&#xE4;sidenschaftskandidatin. Kirgistan hat k&#xFC;rzlich sein Medienrecht <a href=\"https:\/\/freedomhouse.org\/report\/freedom-press\/2016\/kyrgyzstan\">versch&#xE4;rft<\/a>, wonach auf manche Diffamierungsf&#xE4;lle Gef&#xE4;ngnisstrafen stehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><strong>Marion Biremon<\/strong><strong><br>\nNovastan.org, Bischkek<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><strong>Aus dem Franz&#xF6;sischen von Florian Coppenrath<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zanoza ist eine unabh&#xE4;ngige Nachrichtenplattform, die von der ehemaligen Internetredaktion von Wetschernij Bischkek gegr&#xFC;ndet wurde. Seit April steht sie wegen Verleumdung des kirgisischen Pr&#xE4;sidenten vor Gericht und ist bereits stark verschuldet. 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