{"id":920,"date":"2015-12-03T12:00:00","date_gmt":"2015-12-03T11:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/novastan.org\/de\/?p=920"},"modified":"2016-10-06T08:11:36","modified_gmt":"2016-10-06T06:11:36","slug":"zentralasien-region-der-konkurrierenden-regionalen-organisationen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/novastan.org\/de\/kirgistan\/zentralasien-region-der-konkurrierenden-regionalen-organisationen\/","title":{"rendered":"Zentralasien, Region der konkurrierenden regionalen Organisationen?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\"><strong>Konkurrieren die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Shanghaier_Organisation_f%C3%BCr_Zusammenarbeit\">Shanghaier Organisation f&#xFC;r Zusammenarbeit<\/a>, die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Eurasische_Wirtschaftsunion\">Eurasische Wirtschaftsunion<\/a>, und die <a href=\"http:\/\/www.n-tv.de\/wirtschaft\/China-baut-neue-Seidenstrasse-article16166021.html\">Neue Seidenstra&#xDF;e<\/a> miteinander? Was sind die Ziele der Gr&#xFC;ndung, der Existenz und der Funktionsweise dieser&#xA0;drei regionalen Strukturen? Wo k&#xF6;nnen sie kooperieren? Novastan schl&#xE4;gt Euch einige Antworten vor. <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Seit der Aufl&#xF6;sung der Sowjetunion machen Integrationsprozesse im postsowjetischen Raum und dar&#xFC;ber hinaus Fortschritte. Diese Prozesse f&#xFC;hrten zur Bildung von regionalen Organisationen von unterschiedlicher Gr&#xF6;&#xDF;e und Inhalt: rein zentralasiatische (wie die 2006 aufgel&#xF6;ste <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Eurasian_Economic_Community#Origins_of_the_Eurasian_Economic_Community\">zentralasiatische Wirtschaftsgemeinschaft<\/a>), Organisationen in Zusammenarbeit zwischen Russland und Zentralasien (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Eurasische_Wirtschaftsgemeinschaft\">EAWG<\/a>, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Organisation_des_Vertrags_%C3%BCber_kollektive_Sicherheit\">Organisation des Vertrags &#xFC;ber kollektive Sicherheit<\/a>, usw.), zwischen dem Kaukasus und Zentralasien (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/GUAM\">Organisation f&#xFC;r Demokratie und Wirtschaftsentwicklung<\/a>), zwischen China und dem postsowjetischen Raum (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Shanghaier_Organisation_f%C3%BCr_Zusammenarbeit\">Shanghaier Organisation f&#xFC;r Zusammenarbeit<\/a>), oder rein postsowjetisch (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gemeinschaft_Unabh%C3%A4ngiger_Staaten\">Gemeinschaft Unabh&#xE4;ngiger Staaten<\/a>).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Vor kurzem sind aus russischem Impuls auch die Eurasische Wirtschaftsunion und aus chinesichem Impuls die&#xA0;Neue Seidenstra&#xDF;e entstanden. Warum aber die Anzahl der Organisation vermehren, anstatt existierende zu entwickeln? Sobald ein gewisses Niveau der Zusammenarbeit erreicht ist, kann man zum n&#xE4;chsten &#xFC;bergehen. Dennoch &#xFC;berlappen sich diese Organisationen in vielen F&#xE4;llen in ihrer Arbeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Die unerl&#xE4;ssliche Zusammenarbeit mit China<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Zusammenarbeit der postsowjetischen L&#xE4;nder mit China ist ein wesentlicher&#xA0;Bestandteil dieser Entwicklungen. In dieser Eigenschaft bot die Shanghaier Organisation f&#xFC;r Zusammenarbeit (SOZ) lange eine ausgezeichnete Plattform. In den letzten Jahren gab es dennoch eine Vervielf&#xE4;ltigung von regionalen Strukturen, wodurch sich die SOZ als teilweise unzureichend erwies. Die Erschaffung von Strukturen wie die Eurasische Union und der Neuen Seidenstra&#xDF;e k&#xF6;nnen nun die russisch-chinesischen oder auch chinesisch-zentralasiatischen Beziehungen beeinflussen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wozu wurden diese Organisationen erschaffen? Die Antwort h&#xE4;ngt mit den &#xC4;ngsten Russlands gegen&#xFC;ber China zusammen, dessen F&#xFC;hrung innerhalb der SOZ von Russland und einigen zentralasiatischen Staaten skeptisch betrachtet wurde. Als Reaktion darauf hat Russland die Beschleunigung der Aktivit&#xE4;ten der Zollunion zwischen Russland, Wei&#xDF;russland und Kasachstan bevorzugt und im Anschluss&#xA0;den &#xDC;bergang in die n&#xE4;chste Phase der Integration durch die Gr&#xFC;ndung der Eurasischen Wirtschaftsunion, der <a href=\"https:\/\/novastan.org\/articles\/zollgrenzen-zwischen-kirgistan-und-kasachstan-sind-offen\">Kirgistan<\/a> und Armenien bald beitraten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Peking, das es sich nicht leisten kann, seinen Einfluss in Zentralasien zur&#xFC;ckgehen zu sehen, hat die Neue Seidenstra&#xDF;e gef&#xF6;rdert, um seine wirtschaftliche Zusammenarbeit mit der Region und Russland zu vertiefen. Die offiziellen Reden dieser beiden Organisationen und der SOZ behaupten, dass sich alle drei erg&#xE4;nzen sollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>&#xC4;hnliche Missionen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Diese drei Akteure haben sehr &#xE4;hnliche Missionen. Die SOZ&#xA0;ist eine Kooperationsstruktur, die Bereiche der politischen, wirtschaftlichen, kulturellen, sicherheitstechnischen und humanit&#xE4;ren Zusammenarbeit abdeckt. Die von China angesto&#xDF;ene Neue Seidenstra&#xDF;e ist keine internationale Organisation, sondern&#xA0;eine offene Konfiguration wirtschaftlicher&#xA0;Zusammenarbeit im Rahmen von&#xA0;bestehenden Mechanismen und mit Verwendung von bereits existierenden Organisationen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Eurasische Wirtschaftsunion (EEU) ist ihrerseits eine Organisation der regionalen Wirtschaftsintegration, die den freien Verkehr von Waren und Dienstleistungen, Kapital und Arbeitskr&#xE4;ften gew&#xE4;hrleistet&#xA0;und mit einer koordinierten,&#xA0;koh&#xE4;renten und vereinheitlichten Wirtschaftspolitik.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Die &#xE4;ltere Idee einer Eurasischen Wirtschaftsunion<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das Konzept der Eurasischen Wirtschaftsunion ist deutlich&#xA0;&#xE4;lter als das der SOZ oder der Neuen Seidenstra&#xDF;e. Am 29. M&#xE4;rz 1994 wurde die Idee erstmals von&#xA0;Nursultan Nasarbajew an der Staatlichen Universit&#xE4;t Lomonossow&#xA0;(Moskau) vorgeschlagen. Der kasachische Pr&#xE4;sident&#xA0;schlug vor, eine neue Integrationsstruktur zu erschaffen, deren Zweck die Bildung einer neuen, koordinierten Wirtschaftspolitik zwischen den L&#xE4;ndern der Gemeinschaft Unabh&#xE4;ngiger Staaten (GUS) sowie die Verabschiedung von <a href=\"http:\/\/eec.eaeunion.org\/ru\/Documents\/eaes_voprosy_otvety.pdf\">gemeinsamen Programmen &#xFC;ber strategische Entwicklung w&#xE4;re<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Aber seine Idee wurde von den anderen GUS-Staaten nicht begr&#xFC;&#xDF;t. Zu jener Zeit war die Konsolidierung der Unabh&#xE4;ngigkeit der ehemaligen Sowjetstaaten eine Priorit&#xE4;t&#xA0;und jede Art der Integration der ehemaligen Sowjetstaaten mit Russland wurde als ein Wiederherstellungsversuch der Sowjetunion aufgefasst. Auch heutzutage halten sich einige&#xA0;GUS- und zentralasiatische&#xA0;Staaten&#xA0;von jeder Art von Union fern, wie zum Beispiel Turkmenistan und Usbekistan.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">1995 unterzeichneten Belarus, Kasachstan und Russland den Vertrag &#xFC;ber die Zollunion, der Kirgistan und Tadschikistan kurz danach ebenfalls beitraten. Im Jahr 2000 gr&#xFC;ndeten diese f&#xFC;nf L&#xE4;nder die Eurasische Wirtschaftsgemeinschaft (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Eurasische_Wirtschaftsgemeinschaft\">EAWG<\/a>) &#x2013; eine Struktur f&#xFC;r Wirtschaftsintegration mit dem Ziel der St&#xE4;rkung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Ein gemeinsamer Zolltarif innerhalb der EEU<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Von diesem Moment an wurden die gesetzlichen Grundlagen f&#xFC;r einen einheitlichen Wirtschaftsraum gelegt. Nach kurzem Interesse der Ukraine konzentriert sich die Schaffung der Zollunion und der einheitlichen Wirtschaftszone schlie&#xDF;lich 2006 zwischen Belarus, Russland und Kasachstan. Im Oktober 2007 unterzeichnen die &#x201E;Drei&#x201C; den Vertrag &#xFC;ber die Gr&#xFC;ndung der Zollunion, welche im Januar 2010, nach Harmonisierung der Zollvorschriften,&#xA0;Realit&#xE4;t wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><img decoding=\"async\" style=\"height: 400px;width: 600px\" src=\"\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/old\/img\/1040\/flag_of_the_eurasian_economic_union.svg.png\" alt=\"Logo EAWU\"\/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Im Rahmen dieser Union wurden ein gemeinsamer Au&#xDF;enzoll und ein einheitlicher Katalog der Au&#xDF;enwirtschaftst&#xE4;tigkeit festgelegt. Am 1. Juli 2011 wurden die Zollkontrollen an den Binnengrenzen abgeschafft. Die Zollunion hat den freien Warenverkehr auf dem gesamten Gebiet der Union gew&#xE4;hrleistet. Die einheitliche Liste der kontrollierten Produkte, der Anforderungen f&#xFC;r diese Produkte, Import und Bewegung innerhalb des gemeinsamen Zollgebiets sowie die Einschreiberlaubnis wurden best&#xE4;tigt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ab 1. Januar 2012 begann der Gerichtshof der EAWG seine Aktivit&#xE4;t, was den freien Verkehr von Dienstleistungen, Kapital und Arbeitskr&#xE4;ften noch mehr verst&#xE4;rkte. Im Folgemonat trat die Eurasische Wirtschaftskommission ihr Amt als best&#xE4;ndiges Institut der Zollunion und des gemeinsamen Wirtschaftsraums an. Diese Entwicklungen gehen mit der &#xDC;bertragung eines Teils der Souver&#xE4;nit&#xE4;t der Mitgliedstaaten einher. Nach der Unterzeichnung eines Vertrags durch die Pr&#xE4;sidenten von Belarus, Kasachstan, und Russland am 29. Mai 2014 in Astana trat die&#xA0;Eurasische Wirtschaftsunion schlie&#xDF;lich im Fr&#xFC;hjahr 2015&#xA0;in Kraft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Eine gezwungener Beitritt<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Armenien und Kirgistan traten vor kurzem ebenfalls dieser immer weiter wachsenden&#xA0;Union bei. Der Beitritt Kirgistans in die Eurasische Wirtschaftsunion wurde von Unzufriedenheit und einer gewissen Angst der Mehrheit der Bev&#xF6;lkerung begleitet, aber bis jetzt kann man noch keine negativen Auswirkungen auf das Land oder seine Bev&#xF6;lkerung sehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Allerdings hat die&#xA0;Union Spannungen f&#xFC;r die Bev&#xF6;lkerung in den Gr&#xFC;nderstaaten versursacht. Im Jahr 2012 vertrauten uns Vertreter eines kasachischen Think Tanks an, dass ein Referendum organisiert w&#xFC;rde, sodass Kasachstan die Wirtschaftsunion verlassen k&#xF6;nnte.<a href=\"#sdfootnote1sym\" name=\"sdfootnote1anc\"><sup>1<\/sup><\/a> Nichts davon ist bis jetzt passiert. Denn im Gro&#xDF;en und Ganzen scheint die Beteiligung der L&#xE4;nder an der EEU von wirtschaftlichen Zw&#xE4;ngen bestimmt zu werden. &#x201E;<em>Auch wenn Armenien und Kirgistan 2015 der EEU beigetreten sind, ist die Union unbeliebt au&#xDF;erhalb Russlands<\/em>&#x201C;, erkl&#xE4;ren die Forscher Jeffrey Mankoff<a href=\"#sdfootnote2sym\" name=\"sdfootnote2anc\"><sup>2<\/sup><\/a> und Richard Ghiasy<a href=\"#sdfootnote3sym\" name=\"sdfootnote3anc\"><sup>3<\/sup><\/a>. &#x201E;<em>Die betroffenen Staaten werden nur aufgrund des russischen Drucks Mitglied&#xA0;und weil sie das Gef&#xFC;hl haben, keine andere Wahl zu haben<\/em>&#x201C;, setzen sie fort.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Jeffrey Mankoff geht sogar noch weiter. F&#xFC;r den Wissenschaftler wird &#x201E;<em>die EEU weitgehend von der Politik geleitet, mit dem Ziel, die postsowjetischen Staaten des Kaukasus und Zentralasiens im Rahmen einer wirtschaftlichen Vereinigung an Moskau zu binden, die letztendlich politisch werden soll. Diese Absicht ist mit Pr&#xE4;sident Putins Ziel verbunden, einen zentralasiatischen Schwerpunkt als Gegengewicht zur Hegemonie des Westens in unserer multipolaren Welt zu schaffen.<\/em>&#x201C;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Die SOZ: eine Br&#xFC;cke zwischen China und der post-sowjetischen Region<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Shanghaier Organisation f&#xFC;r Zusammenarbeit (SOZ) ist eine komplexe Struktur, die eine breite Palette von Bereichen deckt: Politik, Wirtschaft, Kultur, Sicherheit, humanit&#xE4;re Eins&#xE4;tze. Sie wurde&#xA0;2001 gegr&#xFC;ndet und besteht aus sechs&#xA0;Mitgliedstaaten: China, Kasachstan, Kirgistan, Usbekistan, Russland und Tadschikistan. Dazu kommen bald Indien und Pakistan, deren Beitritt im Sommer von den anderen Mitgliedern <a href=\"http:\/\/www.dw.com\/ru\/%D0%B8%D0%BD%D0%B4%D0%B8%D1%8F-%D0%B8-%D0%BF%D0%B0%D0%BA%D0%B8%D1%81%D1%82%D0%B0%D0%BD-%D0%BD%D0%B0%D1%87%D0%B0%D0%BB%D0%B8-%D0%BF%D1%80%D0%BE%D1%86%D0%B5%D1%81%D1%81-%D0%B2%D1%81%D1%82%D1%83%D0%BF%D0%BB%D0%B5%D0%BD%D0%B8%D1%8F-%D0%B2-%D1%88%D0%BE%D1%81\/a-18575537\">bewilligt wurde<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die L&#xE4;nder der SOZ, die au&#xDF;erdem noch Beobachtungsl&#xE4;nder und Dialogpartner beinh&#xE4;lt, bedecken eine Fl&#xE4;che von ca. 40&#xA0;Millionen&#xA0;km2, oder ein Viertel der weltweiten Landfl&#xE4;che. Die SOZ versammelt zudem die H&#xE4;lfte der Weltbev&#xF6;lkerung, sowie ein Viertel des globalen Marktes und&#xA0;Bruttoinlandsproduktes (BIP).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><img decoding=\"async\" style=\"height: 401px;width: 600px\" src=\"\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/old\/img\/1040\/sco_2012.jpeg\" alt=\"Organisation de Coop&#xE9;ration de Shanghai rencontre 2012\"\/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Abgesehen davon, dass die SOZ nach der UNO die zweitgr&#xF6;&#xDF;te internationale Organisation ist, ist sie au&#xDF;erdem die einzige Sicherheitsorganisation, der China angeh&#xF6;rt und bei der die USA sich nicht beteiligen. Die SOZ-Mitgliedstaaten beherbergen 25% der weltweiten &#xD6;l-, 50% der Erdgas-, 35% der Kohle- und 50% der Uranreserven.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Milit&#xE4;risches Vertrauen liegt im Herzen der SOZ<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Auf dem Papier entstand die&#xA0;SOZ 1996,&#xA0;als die&#xA0;&#x201E;Shanghai F&#xFC;nf&#x201C; (Russland, China, Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan) ein Abkommen &#xFC;ber die St&#xE4;rkung&#xA0;des milit&#xE4;rischen Vertrauens in den Grenzzonen unterzeichneten. Seitdem gibt es regelm&#xE4;&#xDF;ige Gipfeltreffen die&#xA0;Staats- und Regierungschefs der Mitgliedstaaten&#xA0;zusammenbringen &#x2013; das j&#xFC;ngste fand letzten Oktober statt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Der Erfolg der Shanghai-Vereinigung ermutigte die Teilnehmerstaaten, diese Zusammenarbeit weiter zu entwickeln, und jedes Jahr wurde ein Gipfeltreffen des Shanghai Forums gehalten, abwechselnd in den verschiedenen L&#xE4;ndern. Im Jahr 1997 f&#xFC;hrte das Moskauer Treffen durch ein Abkommen zu einer beidseitigen Reduzierung der Streitkr&#xE4;fte an den Grenzen zwischen den Mitgliedstaaten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die SOZ &#xFC;bernahm seine endg&#xFC;ltige Form im Juni 2001, als sie Usbekistan integrierte,&#xA0;und wurde eine Organisation regionaler Zusammenarbeit. Seit einigen Jahren vervielf&#xE4;ltigen sich die Aktivit&#xE4;ten der SOZ. Seit 2001 setzt&#xA0;sich die SOZ den Kampf gegen die &#x201E;F&#xFC;nf &#xDC;bel&#x201C; als Ziel: Terrorismus, Islamismus, Separatismus und illegalen Drogen- sowie Waffenhandel. Die Charta der SOZ wurde am 7 Juni 2002 in St. Petersburg unterzeichnet und 2003 ratifiziert. Zwei dauerhafte Institutionen wurden gegr&#xFC;ndet: das Sekretariat in Peking und die regionale antiterroristische Struktur in Taschkent.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Im Fokus: zuerst die Sicherheit, dann die Wirtschaft<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nach der Meinung der&#xA0;Wissenschaftler Marl&#xE8;ne Laruelle und S&#xE9;bastien Peyrouse war die SOZ vor 2005 vorwiegend f&#xFC;r Fragen der regionalen Sicherheit zust&#xE4;ndig&#xA0;und &#xFC;bernahm&#xA0;erst danach &#x201E;<em>eine sehr viel wirtschaftlichere Ausrichtung<\/em>&#x201C;<a href=\"#sdfootnote4sym\" name=\"sdfootnote4anc\"><sup>4<\/sup><\/a>. Die Staatsoberh&#xE4;upter der SOZ glauben, dass die SOZ nach der Beseitigung regionaler Sicherheitsprobleme ihren T&#xE4;tigkeitsbereich auf die Wirtschaft und auf humanit&#xE4;re Zusammenarbeit ausweiten wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Heute ist die SOZ eine regionale Organisation, die praktisch alle Bereiche der Zusammenarbeit abdeckt, sogar im milit&#xE4;rischen Bereich. Jedes Jahr organisieren die Mitgliedstaaten Anti-Terror-Milit&#xE4;r&#xFC;bungen unter Beteiligung aller Mitgliedstaaten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><img decoding=\"async\" style=\"width: 600px\" src=\"\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/old\/img\/1040\/vladimir_putin_and_xi_jinping_brics_summit_2015_02.jpeg\" alt=\"Treffen China Russland BRICS\"\/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Meinungsverschiedenheiten&#xA0;zwischen Russland und China haben dabei die&#xA0;volle Entfaltung der SOE behindert.&#xA0;Zudem gef&#xE4;hrden die Schaffung der EEU und der Neuen Seidenstra&#xDF;e ihre wirtschaftlichen Aktivit&#xE4;ten und sogar die Zukunft dieser regionalen Struktur. Auf der theoretischen Ebene stellen die Debatten &#xFC;ber die Natur der SOZ au&#xDF;erdem die Bef&#xFC;rworter&#xA0;einer Organisation f&#xFC;r Zusammenarbeit jenen gegen&#xFC;ber, die eine Vision gr&#xF6;&#xDF;erer Integration unterst&#xFC;tzen. <a href=\"http:\/\/www.theses.fr\/2014AIXM1040\">Nach vier Jahren Recherche<\/a> kamen wir zu dem Schluss, dass die SOZ eine Organisation Regionaler Zusammenarbeit ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Trotz bestehender Kritikpunkte zur die Struktur der SOZ entwickelt sich die Organisation best&#xE4;ndig weiter und viele L&#xE4;nder, darunter auch Syrien und Iran, wollen ihr beitreten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Die Neue Seidenstra&#xDF;e: ein neues Format der Zusammenarbeit mit China<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Initiative zur <a href=\"http:\/\/swp-berlin.org\/fileadmin\/contents\/products\/studien\/2014_S09_gdh.pdf\">Gr&#xFC;ndung der Neuen Seidenstra&#xDF;e<\/a> wurde von Pr&#xE4;sident Xi Jinping anl&#xE4;sslich seines offiziellen Besuchs in Kasachstan an der Nazarbayev Universit&#xE4;t im Jahr 2013 angek&#xFC;ndigt. Im November 2014 schuf China einen Anlagefonds von 40 Milliarden US-Dollar, der zur Entwicklung von Projekten der Neuen Seidenstra&#xDF;e in den Bereichen Stra&#xDF;en und Meere verwendet werden soll.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Neue Seidenstra&#xDF;e ist eine funktionale, aber nicht institutionelle Struktur. Das Zusammenwirken der L&#xE4;nder setzt nicht die Schaffung einer Organisation oder einer institutionellen Struktur voraus &#x2013; es ist vielmehr ein offenes Forum f&#xFC;r die Interaktion zwischen den verschiedenen Teilnehmern (welche nicht ausschlie&#xDF;lich aus den L&#xE4;ndern, sondern auch aus den wirtschaftlichen Gemeinschaften bestehen). Die Hauptaufgabe dieser Seidenstra&#xDF;e ist die Intensivierung der Funktionsf&#xE4;higkeit und<br>\ndes Gewichts der Teilnehmer in diesem Projekt.<sup><a href=\"#sdfootnote5sym\" name=\"sdfootnote5anc\">5<\/a><\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Ein Mega-Projekt von 21 Milliarde US-Dollar<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Als Xi Jinping im September 2013&#xA0;Zentralasien besuchte, pr&#xE4;sentierte der chinesische Pr&#xE4;sident die Hauptinhalte der Neuen Seidenstra&#xDF;e: ein konstanter Meinungsaustausch &#xFC;ber verschiedene Fragen der wirtschaftlichen Zusammenarbeit, der Aufbau einer einzigartigen Verkehrsinfrastruktur vom Pazifischen Ozean bis an die Ostsee, die St&#xE4;rkung der Handelsbeziehungen und Beseitigung von eventuellen Hindernissen, sowie die Vermehrung der Geldfl&#xFC;sse und der Ausbau der Beziehungen zwischen den Nationen.<sup><a href=\"#sdfootnote6sym\" name=\"sdfootnote6anc\">6<\/a><\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><img decoding=\"async\" style=\"height: 400px;width: 600px\" src=\"\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/old\/img\/1040\/8559226813_7516f5c4f1_z.jpeg\" alt=\"LkW Grenze Kirgistan China\"\/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die amerikanischen Spezialisten des Zentrums f&#xFC;r Strategische und Internationale Studien sehen die Neue Seidenstra&#xDF;e als eine um &#x201E;<em>Schaffung von Handels- und Transitbeziehungen<\/em>&#x201C; orientierte Organisation, ins Leben gerufen &#x201E;<em>um chinesischen Ausf&#xFC;hrern zu erlauben, <a href=\"http:\/\/caa-network.org\/archives\/4498\">die M&#xE4;rkte im Mittleren Osten und in Europa<\/a> zu erreichen<\/em>&#x201C;. Die Neue Seidenstra&#xDF;e, ein Mega-Projekt, dessen Kosten auf mehr als 21 Milliarden US-Dollar gesch&#xE4;tzt werden, ist ein leistungsf&#xE4;higes Werkzeug zur F&#xF6;rderung der <a href=\"http:\/\/ia-centr.ru\/expert\/20882\/\">wirtschaftlichen und geopolitischen Ambitionen Chinas<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Die EEU, eine Schande f&#xFC;r das chinesische Projekt?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das Erscheinen der EEU scheint die chinesische F&#xFC;hrung nicht in Verlegenheit zu bringen. Als der chinesische Pr&#xE4;sident Xi Jinping die Neue Seidenstra&#xDF;e zum ersten Mal pr&#xE4;sentierte, betonte er die M&#xF6;glichkeit der Schaffung eines gemeinsamen Raums der Interaktion sowie die Bereitschaft der Neuen Seidenstra&#xDF;e f&#xFC;r eine Kooperation mit der EEU.<sup><a href=\"#sdfootnote7sym\" name=\"sdfootnote7anc\">7<\/a><\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">F&#xFC;r den Verantwortlichen des Programmes &#x201E;Russland in der Region Asien-Pazifik&#x201C; des Cargenie-Zentrums in Moskau, Alexander Gabuew, wurde die EEU dennoch dazu geschaffen, die T&#xFC;re f&#xFC;r chinesische Importe zu schlie&#xDF;en&#xA0;und die Neue Seidenstra&#xDF;e kann nicht alles entfernen und aufheben. Seine Worte best&#xE4;tigen die Hypothese, dass die EEU daf&#xFC;r geschaffen wurde, um die Wirtschaftspolitik und den chinesischen Einfluss in der Region zu begrenzen. Diese Hypothese ist plausibel, aber nicht jeder kann dies offen zugeben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Konkurrierende regionale Organisationen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">F&#xFC;r Seyit Ali Avcu, Direktor des Forschungszentrums f&#xFC;r Zentralasien der T&#xFC;rkischen Universit&#xE4;t &#x201E;Manas&#x201C; in Bischkek, &#x201E;<em>gibt es heute zwei erfolgreiche Integrationsprozesse in Zentralasien<\/em>&#x201C;. Der Wissenschaftler, der auf einer vom <a href=\"http:\/\/www.nisi.kg\/\">Kirgisischen Institut f&#xFC;r strategische Studien<\/a> organisierten Konferenz sprach, ist einer entschiedenen Meinung. &#x201E;<em>Der erste (Integrationsprozess, Anm.) ist die Eurasische Wirtschaftsunion, die darauf aufgebaut ist, eine Kraft rund um Russland zu etablieren, um den westlichen Einfluss auszugleichen. Der zweite ist die Neue Seidenstra&#xDF;e, die ein grandioses Projekt von Pipelines, Infrastruktur und Entwicklung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen China und Europa, &#xFC;ber Zentralasien, ist.<\/em>&#x201C;<sup><a href=\"#sdfootnote8sym\" name=\"sdfootnote8anc\">8<\/a><\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Seyit Ali Avcu denkt, dass diese beiden Prozesse nicht miteinander konkurrieren. Erstens ist die EEU eine echte Integration, wie die EU, w&#xE4;hrend die Natur der Neuen Seidenstra&#xDF;e noch nicht klar ist. Au&#xDF;erdem ist die EEU ein multilaterales Abkommen, w&#xE4;hrend die Neue Seidenstra&#xDF;e ein bilaterales ist. Schlie&#xDF;lich ist die EEU institutionalisiert, im Gegensatz zur Neuen Seidenstra&#xDF;e.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>&#x201E;Die EEU kann ein Instrument f&#xFC;r den Aufbau der Seidenstra&#xDF;e sein&#x201C;<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Muratbek Imanaliev, ehemaliger Generalsekret&#xE4;r der SOZ, glaubt, dass &#x201E;<em>die Eurasische Wirtschaftsunion ein Instrument f&#xFC;r den Bau der Seidenstra&#xDF;e sein kann<\/em>&#x201C;<a href=\"#sdfootnote9sym\" name=\"sdfootnote9anc\"><sup>9<\/sup><\/a>. Er sieht keine Konkurrenz zwischen den beiden Strukturen. So denkt er, dass die Teilnahmestaaten der Neuen Seidenstra&#xDF;e die existierenden, regionalen Sicherheitsstrukturen wie die Organisation des Vertrags &#xFC;ber kollektive Sicherheit, die SOZ&#xA0;und die Konferenz f&#xFC;r Interaktion und vertrauensbildende Ma&#xDF;nahmen in Asien (<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Conference_on_Interaction_and_Confidence-Building_Measures_in_Asia\">CICA<\/a>)&#xA0;verwenden k&#xF6;nnten, um der exzessiven Militarisierung Eurasiens zu begegnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><img decoding=\"async\" style=\"width: 600px\" src=\"\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/old\/img\/1040\/2.jpeg\" alt=\"Zug Russland China\"\/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Neue Seidenstra&#xDF;e k&#xF6;nnte also alle existierenden Strukturen der Region nutzen, um sich weiterzuentwickeln, ohne jemals die Absicht zu hegen, mit den anderen Strukturen zu konkurrieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Das ultimative Ziel der Neuen Seidenstra&#xDF;e: chinesische F&#xFC;hrung in Zentralasien?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Diese Meinung wird jedoch nicht von allen geteilt. &#x201E;In&#xA0;<em>Zentralasien&#xA0;k&#xF6;nnten die EEU Putins und die Neue Seidenstra&#xDF;e Chinas jederzeit in Konflikt geraten<\/em>&#x201C;, <a href=\"http:\/\/thediplomat.com\/2015\/06\/interview-joseph-nye\/\">glaubt der Analyst Joseph Nye<\/a>. Jeffrey Mankoff und Richard Ghiasy, Forscher am Zentrum f&#xFC;r Strategische und Internationale Studien, sch&#xE4;tzen, dass das ultimative Ziel der Neuen Seidenstra&#xDF;e die Schaffung einer Institution unter chinesischer F&#xFC;hrung ist, wie die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Asiatische_Infrastrukturinvestmentbank\">Asiatische Infrastrukturinvestmentbank<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">&#x201E;<em>Die Neue Seidenstra&#xDF;e ist ein sehr erfolgreiches chinesisches Projekt. Obwohl seine Hauptaufgabe wirtschaftlicher Natur ist, k&#xF6;nnten wir in der Zukunft Zeugen der Schaffung einer Sicherheitsstruktur auf Basis der Neuen Seidenstra&#xDF;e werden<\/em>&#x201C;, schreiben sie <a href=\"http:\/\/thediplomat.com\/2015\/05\/central-asias-future-three-powers-three-visions\/\">in einem&#xA0;Artikel<\/a> von The Diplomat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Die SOZ, eine Br&#xFC;cke zwischen China und Russland<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Es bestehen durchaus Gemeinsamkeiten zwischen der SOZ und der Neuen Seidenstra&#xDF;e. Die SOZ ist eine Organisation f&#xFC;r multilaterale Zusammenarbeit, aber nach 15 Jahren Bestehen&#xA0;spielt sich die bilaterale Zusammenarbeit vor allem im wirtschaftlichen Bereich ab. So k&#xF6;nnte die SOZ ein Instrument f&#xFC;r die Realisierung von Ideen der Neuen Seidenstra&#xDF;e werden. Die Neue Seidenstra&#xDF;e wurde von den chinesischen Machthabern &#x201E;erfunden&#x201C;, weil die SOZ sich aufgrund der Konkurrenz zwischen den chinesischen und russischen Ideen, der inneren Funktionsweise, ineffizienter Entscheidungsprozesse&#xA0;oder auch aufgrund der Abwesenheit von Finanzierungsmechanismen von gemeinsamen Wirtschaftsprojekten nicht vollst&#xE4;ndig entwickeln und funktionieren konnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">F&#xFC;r den stellvertretenden Generaldirektor der chinesischen Au&#xDF;enministeriums, Gui Congyou, k&#xF6;nnte die Shanghaier Organisation f&#xFC;r Zusammenarbeit als Hauptforum f&#xFC;r die F&#xF6;rderung der Neuen Seidenstra&#xDF;e und der EEU dienen, als <a href=\"http:\/\/sputniknews.com\/business\/20150708\/1024379330.html\">Br&#xFC;cke zwischen China und Russland<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Falls die SOZ von der Neuen Seidenstra&#xDF;e benutzt wird, sollte die Eurasische Wirtschaftsunion ihre Integrationsprozesse mit dem chinesischen Projekt synchronisieren. Der Wirtschaftsminister der EEU, Andrei Slepnew, und der chinesische Wirtschaftsminister, Gao Hucheng, unterzeichneten daher am 8. Mai 2015 eine <a href=\"http:\/\/thediplomat.com\/2015\/06\/eurasian-silk-road-union-towards-a-russia-china-consensus\/\">Erkl&#xE4;rung &#xFC;ber die Aufnahme von Verhandlungen<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Diese begannen im Juli-August 2015, <a href=\"http:\/\/ria.ru\/economy\/20151111\/1318910422.html\">ohne bisher gro&#xDF;e Fortschritte zu verzeichnen<\/a>. Der Prozess kann&#xA0;etwa zwei Jahre in Anspruch nehmen, vielleicht sogar noch viel mehr. Alexander Knobel, ein Wissenschaftler an der Abteilung f&#xFC;r internationalen Handel des Instituts f&#xFC;r Wirtschaftspolitik in Russland, behauptet, dass die Vereinbarung zwischen der EEU und China einfach deklaratorisch und ineffizient sein kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Russland und Zentralasien und ihre Hassliebe zu China<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Mit der Ausnahme dieser Vereinbarung geschah noch nichts Konkretes zwischen der EEU und China oder der Neuen Seidenstra&#xDF;e. Nichtsdestotrotz gibt es Bem&#xFC;hungen um eine&#xA0;Zusammenarbeit oder Synchronisation der Aktivit&#xE4;ten der EEU und der Neuen Seidenstra&#xDF;e oder auch um eine Trennung der Arbeitsbereiche der jeweiligen regionalen Strukturen. Die postsowjetischen L&#xE4;nder scheinen einer Integration mit China mit Ablehnung zu begegnen. Kaum schl&#xE4;gt China eine Idee vor, kommt eine Kontra-Idee von Russland oder der anderen L&#xE4;nder.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><img decoding=\"async\" style=\"width: 600px\" src=\"\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/old\/img\/1040\/vladimir_putin_and_xi_jinping_brics_summit_2015_01.jpeg\" alt=\"Putin Xi Jinping\"\/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Im Rahmen der SOZ sind viele wirtschaftliche Projekte auf den&#xA0;Tisch gekommen, mit Durchf&#xFC;hrungsprogrammen und &#x2013;Mechanismen,&#xA0;aber sie sind allesamt aufgeschoben. Die Ideen der EEU und der Neuen Seidenstra&#xDF;e k&#xF6;nnten in der SOZ vollst&#xE4;ndig verwirklicht werden, aber stattdessen gibt es heute Duplikate regionaler Strukturen mit den gleichen Ideen &#xFC;ber regionale Zusammenarbeit. Russland und die L&#xE4;nder Zentralasiens wollen sich nicht an China ann&#xE4;hern, aber Zusammenarbeit ist unerl&#xE4;sslich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Im Jahr 2010 glaubte Muratbek Imanaliev, der damalige Generalsekret&#xE4;r der SOZ,&#xA0;dass die postsowjetischen L&#xE4;nder der SOZ es bevorzugen, sich in Sachen Sicherheits- und Wirtschaftsfragen&#xA0;zuerst an die Organisation des Vertrags &#xFC;ber kollektive Sicherheit zu binden. Erst danach diskutieren sie diese Fragen im Rahmen der SOZ mit China. Wir sehen momentan dasselbe Muster.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Aber auch wenn die postsowjetischen L&#xE4;nder keine Integration mit China wollen, wollen sie&#xA0;ihre Beziehung zu diesem gro&#xDF;en Nachbarn auch nicht brechen. Aus diesem Grund versucht Russland&#xA0;mit China zusammenzuarbeiten&#xA0;und China wissen zu lassen, dass sie immer noch Partner sind, die in allen Bereichen &#x2013; vor allem dem wirtschaftlichen &#x2013; miteinander kooperieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Drei sehr unterschiedliche regionale Organisationen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die EEU, die SOZ und die Neue Seidenstra&#xDF;e sind drei sehr unterschiedliche Strukturen, deren Ziele betreffend Gr&#xFC;ndung, Existenz, und Funktionsweise weit voneinander entfernt liegen. Theoretisch ist die Eurasische Wirtschaftsunion eine Organisation f&#xFC;r wirtschaftliche Integration von einigen postsowjetischen L&#xE4;ndern. Es ist eine wirtschaftliche Struktur, aber wie Konstantin Syroejkin best&#xE4;tigt, ist keine Organisation rein wirtschaftlich. Auch bei der EEU ist sicherlich eine gute Dosis Politik mit im Spiel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Shanghaier Organisation f&#xFC;r Zusammenarbeit ist eine regionale Organisation f&#xFC;r Zusammenarbeit. Ihr&#xA0;Ziel ist die Zusammenarbeit zwischen China,&#xA0;den L&#xE4;ndern Zentralasiens und&#xA0;Russland. Es gibt viele gemeinsame Probleme zwischen diesen L&#xE4;ndern, wie zum Beispiel Terrorismus, Extremismus, Separatismus, illegalen Drogen- und Waffenhandel, Grenzfragen und &#x2013;Streite, regionale und nationale Sicherheit, wirtschaftliche, soziale und politische Entwicklung. Die SOZ ist eine Art Br&#xFC;cke zwischen China, Zentralasien&#xA0;und Russland. China wurde in der Sowjetzeit als &#x201E;Feind&#x201C; wahrgenommen und diese Auffassung besteht zum Teil noch immer.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die SOZ spielte eine gro&#xDF;e Rolle seit ihrer Gr&#xFC;ndung &#x2013; sie erleichterte die Ann&#xE4;herung ihrer Mitglieder auf politischer, wirtschaftlicher, kultureller und strategischer Ebene. Dies ist der Hauptvorteil der SOZ. Aber sie konnte nicht alle ihre Ziele, die am Beginn der Zusammenarbeit fixiert wurden, erreichen. Gr&#xFC;nde daf&#xFC;r waren&#xA0;bestimmte&#xA0;Widerspr&#xFC;che zwischen Russland und China &#xFC;ber die Zukunft der SOZ, der&#xA0;Mangel an Finanzierungsmechanismen f&#xFC;r gemeinsame&#xA0;Projekte und ihre&#xA0;ineffizienten Entscheidungsverfahrens. Daher gr&#xFC;ndete China ein weiteres Projekt f&#xFC;r wirtschaftliche Zusammenarbeit mit seinen Nachbarl&#xE4;ndern:&#xA0;Die Neue Seidenstra&#xDF;e.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Strukturen, die f&#xFC;r den Moment nicht konkurrieren<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die meisten der Initiativen und Projekte, die den zentralasiatischen L&#xE4;ndern von China vorgeschlagen wurden, wurden&#xA0;als Versuch der regionalen Domination&#xA0;verstanden, w&#xE4;hrend die institutionellen Strukturen von ihren Mitgliedstaaten verlangen, sich vertraglich zu binden. Aus diesem Grund startete China mit der Neuen Seidenstra&#xDF;e&#xA0;eine weitere bilaterale Kooperation in nicht-bindender Form. Im diesem Rahmen arbeiten nicht nur die L&#xE4;nder, sondern auch private Organisationen&#xA0;wie Banken, internationale Strukturen&#xA0;und alle bereits existierenden Mechanismen zusammen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die drei analysierten Strukturen verfolgen ihre eigenen Ziele und beabsichtigen nicht, mit allen internationalen Strukturen oder unabh&#xE4;ngigen L&#xE4;ndern zu konkurrieren. Ihre fixierten Ziele zu verfolgen ist f&#xFC;r den Moment ihr Hauptaugenmerk. In der Zukunft k&#xF6;nnten sie zusammenarbeiten, oder sich sogar erg&#xE4;nzen, um gewisse Ziele besser zu erreichen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><strong>Jildiz Nicharapova<br>\nDoktorin in Politikwissenschaft&#xA0;und Forscherin an der <a href=\"https:\/\/www.auca.kg\/\">AUCA<\/a><br>\nDozentin an der Abteilung f&#xFC;r Internationale Beziehungen der Kirgisischen Nationaluniversit&#xE4;t<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><strong>Aus dem Franz&#xF6;sischen &#xFC;bersetzt von Vanessa Graf<\/strong><\/p>\n<hr>\n<p style=\"text-align: justify\"><a href=\"#sdfootnote1anc\" name=\"sdfootnote1sym\">1<\/a> Wir danken beiden Vertretern des Instituts f&#xFC;r Politik und Weltwirtschaft nahe des Ministerpr&#xE4;sidenten von Kasachstan, Almaty<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><a href=\"#sdfootnote2anc\" name=\"sdfootnote2sym\">2<\/a> Jeffrey Mankoff ist Mitglied und stellvertretender Direktor des Russland und Eurasien Programms am Zentrum f&#xFC;r Strategische und Internationale Studien, Washington<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><a href=\"#sdfootnote3anc\" name=\"sdfootnote3sym\">3<\/a> Richard Ghiasy ist Forscher am Stockholmer Institut f&#xFC;r Friedensforschung<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><a href=\"#sdfootnote4anc\" name=\"sdfootnote4sym\">4<\/a> S. Peyrouse, M. Laruelle, &#x201E;L&#x2019;Asie centrale &#xE0; l&#x2019;aune de la mondialisation&#x201C;, Paris, Armand Colin, 2010, S.234<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><a href=\"#sdfootnote5anc\" name=\"sdfootnote5sym\">5<\/a> Aidar Amrebaev, Runder Tisch organisiert vom Forschungsinstitut f&#xFC;r International und Regionale Zusammenarbeit, Kasachisch-Deutsche Universit&#xE4;t, Almaty, Mai 2015<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><a href=\"#sdfootnote6anc\" name=\"sdfootnote6sym\">6<\/a> Sammlung von Ver&#xF6;ffentlichungen nach dem Symposium &#x201E;Entwicklung und gemeinsame Prosperit&#xE4;t entlang der Seidenstra&#xDF;e&#x201C;, am 28. November 2014, Bischkek. S:81-82<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><a href=\"#sdfootnote7anc\" name=\"sdfootnote7sym\">7<\/a> Adil Kaukenov, Runder Tisch &#x201E;Die EEU und die Neue Seidenstra&#xDF;e: Eine Strategie der Erg&#xE4;nzung&#x201C;, Astana, Mai, 2015<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><a href=\"#sdfootnote8anc\" name=\"sdfootnote8sym\">8<\/a> Sammlung von Ver&#xF6;ffentlichungen nach dem Symposium &#x201E;Entwicklung und gemeinsame Prosperit&#xE4;t entlang der Seidenstra&#xDF;e&#x201C;, am 28. November 2014, Bischkek. S:81-82<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><a href=\"#sdfootnote9anc\" name=\"sdfootnote9sym\">9<\/a> Ebd.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Konkurrieren die Shanghaier Organisation f&#xFC;r Zusammenarbeit, die Eurasische Wirtschaftsunion, und die Neue Seidenstra&#xDF;e miteinander? 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