{"id":8338,"date":"2017-03-28T18:38:54","date_gmt":"2017-03-28T16:38:54","guid":{"rendered":"https:\/\/novastan.org\/de\/?p=8338"},"modified":"2017-03-28T18:38:54","modified_gmt":"2017-03-28T16:38:54","slug":"uigurische-seiltanzer-uber-den-wolken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/novastan.org\/de\/uigurische-region\/uigurische-seiltanzer-uber-den-wolken\/","title":{"rendered":"Uigurische Seilt\u00e4nzer: \u00dcber den Wolken"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\"><strong>Der Seiltanz, oder <em>Darwazliq<\/em>, ist eine der traditionellen Unterhaltungsformen der Uiguren. Diese Show ist eine Demonstration des Geschicks des Hochseilakrobaten, des <em>Darwaz<\/em>. Die Tradition des Seiltanz ist ein sehr alter und legendenbehafteter Teil uigurischer Kultur. Dieser Artikel erschien zuerst in der dritten Ausgabe der franz&#xF6;sisch-uigurischen Zeitschrift &#x201E;<a href=\"http:\/\/www.oghouz.org\/\">Regard sur les Ou&#xEF;ghour.e.s<\/a>&#x201C; (Blick auf UigurInnen), wir &#xFC;bernehmen in mit frendlicher Genehmigung der Redaktion.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In der uigurischen Tradition wird den Darbietungen des Seiltanzes eine besondere Bedeutung beigemessen, es gibt etliche Erz&#xE4;hlungen und Legenden sowie zahlreiche Spuren in der m&#xFC;ndlichen Literatur &#xFC;ber diese Tradition. Der Seiltanz erfordert eine hohe technische Kompetenz. Zwischen Himmel und Erde ist es unumg&#xE4;nglich f&#xFC;r den <em>Darwaz<\/em> &#xFC;ber einen guten Gleichgewichtssinn zu verf&#xFC;gen und Vertrauen in seinen K&#xF6;rper und Geist zu haben. Nur so schafft er es, sich lediglich mit einer Balancierstange ausgestattet, zu bewegen und ein Spektakel zu bieten, dass Zuschauer verzaubert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Eine schamanistische Tradition<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Zu der Zeit, als die Uiguren den Schamanismus betrieben, brachten die <em>Darwaz<\/em> w&#xE4;hrend der Ernte ihre Fr&#xF6;mmigkeit dem Gott Tengri gegen&#xFC;ber zum Ausdruck, indem sie rote und gr&#xFC;ne Fahnen zu Trommelwirbeln schwenkten. Diese schamanistische Tradition findet eine poetische Resonanz im 1984 erschienenen epischen Werk <em>Aq Romalliq Perizat (Die G&#xF6;ttin im wei&#xDF;en Schleier) <\/em>von Qurban Barat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Lest mehr auf Novastan:&#xA0;<a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/uigurische-region\/schimengul-awut-uigurische-dichterin\/\">Schimengul Awut, uigurische Dichterin<\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Dort hei&#xDF;t es:<em> &#x201E;Ein bisschen weiter, auf dem mit Kieselsteinen bedeckten Feld, waren die Darwaz auf das aufgeh&#xE4;ngte Seil gestiegen; einer von ihnen gab sich der Zurschaustellung seiner Geschmeidigkeit und seiner Beweglichkeit inmitten dem Trubel der roten und gr&#xFC;nen Fahnen und dem Wirbeln der Trommeln hin. Der Darwaz, der sich gen Himmel erhob, wurde durch einen tosenden Applaus und einen Donner an Beifallsrufen begr&#xFC;&#xDF;t, w&#xE4;hrend die Schamanen unten blieben und dem Publikum das Spektakel erkl&#xE4;rten.&#x201C;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>&#x201E;Der Darwaz gilt als Symbol des Aufstiegs dem Firmament entgegen. Die Schamanen lie&#xDF;en ihre Gebete in einem Chor erklingen und bewegten ihre K&#xF6;pfe voller Geschrei von einer Seite zur anderen, ihre H&#xFC;te in der Hand, ihre Haare wehend, als w&#xE4;ren sie vom Wahnsinn ergriffen worden.&#x201C;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>In Legende verankert<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ebenfalls findet man antike Darstellungen der <em>Darwaz<\/em> unter den Wandbemalungen der 77 Grotten von Kizil Ming&#x2019;&#xF6;y, auch unter dem Namen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tausend-Buddha-H%C3%B6hlen_von_Kizil\">Tausend-Buddha-H&#xF6;hlen von Kizil<\/a> bekannt, welche im Kreis Bay im Regierungsbezirk Aksu liegen. Ebenfalls gibt es unter den in den Ruinen von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Turpan\">Turpan<\/a> gefundenen Statuen, die auf das VII bis VIII Jahrhundert zur&#xFC;ckgehen, ein Duo von Figurinen, die den Fu&#xDF; gen Himmel gerichtet am Ende einer Balancierstange gezeigt werden. Der uigurische Linguist <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mahmud_al-K%C4%81schghar%C4%AB\">Muhammad Kaschghari<\/a> verweist in seinem Werk <em>d&#x12B;w&#x101;n lugh&#x101;t at-turk (Sammlung der Dialekte der T&#xFC;rken)<\/em> ebenfalls auf das Seiltanzen: &#x201E;<em>Man praktizierte das Seiltanzen, das hei&#xDF;t, dass man auf einem Drahtseil auf- und abging.&#x201C;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Eine uigurische Legende erkl&#xE4;rt die Entstehung des Seiltanzens: Damals erschien ein Hexenmeister oberhalb einer Stadt, versetze den Himmel in Unruhe und fing an, nach seinem Belieben den Bewohnern der Stadt schlimmes Unheil zuzuf&#xFC;gen und ihnen keinen Frieden zu g&#xF6;nnen. Trotz aller Anstrengungen der Bewohner, den Hexenmeister vom Himmel zu vertreiben, fuhr er fort, sie zu tyrannisieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Eines Tages hegte ein junger Heros namens Obul den Wunsch, sein Volk von dieser Unterdr&#xFC;ckung zu erl&#xF6;sen. Er errichtete &#xA0;Masten, die bis zu den Wolken reichten und die er mit einem Seil miteinander verband. Als der Hexenmeister erschien, richtete der junge Mann sich auf dem Seil auf und k&#xE4;mpfte gegen ihn mit Geschicklichkeit und Gewandtheit. Obul schaffte es, den Hexenmeister zu t&#xF6;ten, indem er ihm den Kopf abschnitt und rettete somit seine Mitb&#xFC;rger. Seitdem wurde das Seiltanzen zum Symbol des Heldentums und hat nicht aufgeh&#xF6;rt, sich unter der Bev&#xF6;lkerung zu verbreiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Die lange Geschichte des Seiltanz<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Von der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Han-Dynastie\">Han-Dynastie<\/a> bis zur <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tang-Dynastie\">Tang-Dynastie<\/a> reisten die Schamanen der uigurischen Region mit ihrem Eisendraht durch das zentrale Tiefland und in der Chang&#x2019;an-Region. Zur Zeit des mongolischen Imperiums, zwischen 1221 und 1223, machte der chinesische Gelehrte <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Qiu_Chuji\">Qiu Chuji<\/a> eine Reise durch die uigurische Region.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nach seiner R&#xFC;ckkehr erz&#xE4;hlt er in seinem Werk <em>Aufzeichnungen &#xFC;ber die Reise in den Westen <\/em>von seiner Reise: <em>&#x201E;Den Weg von Norden Richtung S&#xFC;dwesten nehmend, schritten wir drei Tage dahin, bevor wir in einer Stadt ankamen, dessen K&#xF6;nig, ein Uigure, uns herzlich aufnahm und uns Geschenke machte. Er lud uns ein, Suppe und Brot aus der Region zu essen. Als wir eine andere Stadt erreichten, &#xFC;berraschte uns ein kleiner uigurischer Junge, der dabei war, einen Mast hinaufzuklettern, um die Spitze zu erreichen, wobei er sich als perfekter Fechter erwies.&#x201C;<\/em><\/p>\n<p><strong>Lest mehr auf Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/kirgistan\/chinas-ruckkehr-nach-zentralasien\/\">Chinas R&#xFC;ckkehr nach Zentralasien<\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Im <em>Qamusname, <\/em>eine chinesische Enzyklop&#xE4;die die aus der Tang-Periode stammt, wird darauf hingewiesen, dass der Gro&#xDF;teil der Zirkusk&#xFC;nste aus westlichen L&#xE4;ndern stammt. So auch der Seiltanz, der f&#xFC;r die Chinesen aus dem Westen stammt, insbesondere aus dem uigurischen Territorium. Shi Ling berichtet in seinem Buch <em>Reise nach Xinjiang, <\/em>dass &#x201E;<em>im Kreis <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Yarkant\">Yarkant<\/a> die Frauen und M&#xE4;dchen gut singen k&#xF6;nnen und sich daran erfreuen, die Zirkusk&#xFC;nste zu praktizieren, solche wie Akrobatik und Seiltanz&#x201C;.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In dem Buch <em>Hanyi<\/em>, verfasst von Seyji, erf&#xE4;hrt man ebenfalls, dass zu manchen Gelegenheiten <em>&#x201E;die aus dem Westen stammenden M&#xF6;nche sich in einem Saal versammelten, um ihr Spektakel zu pr&#xE4;sentieren. Sie verwandeln sich zun&#xE4;chst in Fische, dann, ganz unerwartet, in goldene Drachen. An ihrer Seite tummeln sich zwei Frauen frei auf dem Drahtseil, von einem Mast zum n&#xE4;chsten gehend.&#x201C;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wie wir durch diese Erz&#xE4;hlungen sehen, hat sich der Seiltanz w&#xE4;hrend der Han-Dynastie &#xFC;ber die westlichen Regionen ausgebreitet, das hei&#xDF;t von der uigurischen Region &#xFC;ber das zentrale Flachland. In der j&#xFC;ngeren Geschichte hat die uigurische Bev&#xF6;lkerung die Kunst des Seiltanzens ebenfalls Ausl&#xE4;ndern vorgestellt, insbesondere w&#xE4;hrend Reisen in Zentralasien und in Saudi-Arabien. Heute setzt der uigurische Seiltanz, gest&#xE4;rkt von seinem Erbe, seine Rolle des Sports und traditioneller Kunst fort.<\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><strong>Im Original von Ihsan Ismayil,&#xA0;&#x201E;<a href=\"http:\/\/www.oghouz.org\/\">Regard sur les Ou&#xEF;ghour.e.s<\/a>&#x201C;<br>\n&#xDC;bersetzt von Agnes L&#xFC;dicke<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Seiltanz, oder Darwazliq, ist eine der traditionellen Unterhaltungsformen der Uiguren. Diese Show ist eine Demonstration des Geschicks des Hochseilakrobaten, des Darwaz. Die Tradition des Seiltanz ist ein sehr alter und legendenbehafteter Teil uigurischer Kultur. Dieser Artikel erschien zuerst in der dritten Ausgabe der franz&#xF6;sisch-uigurischen Zeitschrift &#x201E;Regard sur les Ou&#xEF;ghour.e.s&#x201C; (Blick auf UigurInnen), wir &#xFC;bernehmen [&#x2026;]<\/p>\n","protected":false},"author":362,"featured_media":8340,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[8],"tags":[1413,1117,1790,1358,1196],"coauthors":[1591],"class_list":["post-8338","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-uigurische-region","tag-geschichte","tag-gesellschaft","tag-seiltanz","tag-tradition","tag-uigurische-region"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8338","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/362"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8338"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8338\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/8340"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8338"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8338"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8338"},{"taxonomy":"author","embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/coauthors?post=8338"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}