{"id":818,"date":"2016-02-05T12:00:00","date_gmt":"2016-02-05T11:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/novastan.org\/de\/?p=818"},"modified":"2016-10-06T18:45:01","modified_gmt":"2016-10-06T16:45:01","slug":"china-und-kirgistan-der-bse-nachbar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/novastan.org\/de\/kirgistan\/china-und-kirgistan-der-bse-nachbar\/","title":{"rendered":"China und Kirgistan: Der b\u00f6se Nachbar?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\"><strong><em>Eine 858km lange Grenze trennt China von Kirgistan, drei Grenz&#xFC;berg&#xE4;nge brechen die Barrieren aus hohen Bergen und verschneiten K&#xE4;mmen und hunderte von Lastw&#xE4;gen nehmen regelm&#xE4;&#xDF;ig die schwere Fahrt in Kauf, um chinesische Produkte nach Zentralasien einzuf&#xFC;hren. China z&#xE4;hlt zu Kirgistans wichtigsten Handelspartnern, doch trotzdem: Ein gro&#xDF;er<\/em><\/strong> <strong><em>Teil der <\/em><\/strong><strong><em>kirgisischen Bev&#xF6;lkerung begegnet seinem gro&#xDF;en Nachbarn mit Misstrauen und Argwohn.<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Laut dem <a href=\"http:\/\/atlas.media.mit.edu\/en\/profile\/country\/kgz\/\"><em>Observatory of Economic Complexity<\/em><\/a><em> (2013) <\/em>ist China Herkunftsland f&#xFC;r 34% von Kirgistans Importen, f&#xFC;r einen Gesamtwert von 2.48 Milliarden US-Dollar. Das sind 500 Millionen mehr als aus Russland kamen. Trotz der vielen M&#xF6;glichkeiten f&#xFC;r wirtschaftliche Zusammenarbeit und Intensivierung bilateraler Beziehungen h&#xE4;lt Kirgistan seinen &#xF6;stlichen Nachbarn auf Abstand und n&#xE4;hert sich stattdessen zunehmend Russland, nicht zuletzt durch seinen Beitritt zur Eurasischen Wirtschaftsunion (EEU). Auch die kirgisische Bev&#xF6;lkerung steht China mit gro&#xDF;em Misstrauen gegen&#xFC;ber.<\/p>\n<p><strong>Es war einmal&#x2026;<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wie viele Analysen Zentralasiens beginnt auch diese <em>nach dem Fall der Sowjetunion<\/em>, Allzweck-Einleitung f&#xFC;r Forschung im postsowjetischen Raum. Sie beschreibt den Moment kirgisischer Unabh&#xE4;ngigkeit, mit dem das kleine Bergland auf dem Radar chinesischer Au&#xDF;enpolitik erschien. Diese konzentrierte sich in den ersten Jahren nach vorwiegend auf sicherheitsbedingte Probleme, wie das der umstrittenen Grenzen, weitete sich aber schnell auch auf wirtschaftliche Themengebiete aus. Heute ist China der gr&#xF6;&#xDF;te Investor in den Bereichen der Infrastruktur und des Handels in Kirgistan.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die chinesische Au&#xDF;enpolitik basiert vor allem auf den <em>F&#xFC;nf Prinzipien der friedlichen Koexistenz<\/em>, die 1954 entwickelt wurden. Sie bestehen aus dem gegenseitigen Respekt f&#xFC;r territoriale Integrit&#xE4;t, dem Verzicht auf Aggression, dem Nicht-Eingreifen in die inneren Angelegenheiten anderer L&#xE4;nder, Gleichberechtigung sowie gegenseitigem Nutzen, und friedlicher Koexistenz. China verspricht damit, keine Hegemonie zu entwickeln und in seiner Au&#xDF;enpolitik stets gegenseitiges Interesse im Vordergrund zu halten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><img decoding=\"async\" style=\"width: 600px\" src=\"\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/old\/img\/1093\/tian_shan_2.jpeg\" alt=\"Tian Shan China Kirgistan\"\/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die regionale Entwicklung und Stabilisierung Zentralasiens hat demnach keine Expansion der Landesgrenzen oder des politischen Einflusses zum Ziel, sondern vielmehr <a href=\"http:\/\/www.isn.ethz.ch\/Digital-Library\/Publications\/Detail\/?lng=en&amp;id=172938\">die Vermeidung eines <em>Spillover-<\/em>Effekts<\/a> im Falle lokaler Unruhen oder Aufst&#xE4;nde. &#x201E;Wenn Leute an Chinas Einfluss in der Region denken, denken sie meistens an die vielen Investitionen &#x2013; aber es ist auch wichtig, diese mit den politischen Ereignissen zu verbinden&#x201C;, best&#xE4;tigt William Beacom, Gastwissenschaftler am <em>Central Asian Studies Institute <\/em>der Amerikanischen Universit&#xE4;t Zentralasiens (AUCA) und Sachs Global Forscher an der Princeton Universit&#xE4;t, im Interview mit Novastan.<\/p>\n<p><strong>Lest auch bei Novastan.org: <\/strong><strong><a href=\"https:\/\/novastan.org\/articles\/ich-komme-aus-xinjiang\">Ich komme aus Xinjiang<\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Gerade die zwei kirgisischen Revolutionen 2005 und 2010 wurden von China mit Besorgnis beobachtet. Das an Kirgistan grenzende uigurische autonome Gebiet Xinjiang ist eines der gr&#xF6;&#xDF;ten Sorgenkinder. Umschwungsstimmung in Kirgistan k&#xF6;nnte aus chinesicher Sicht leicht &#xFC;ber die Berge schwappen und die Uiguren mitrei&#xDF;en. Mit wirtschaftlichen F&#xF6;rdergeldern und Infrastruktur-Projekten versucht die chinesische Regierung daher, die Entwicklung Kirgistans zu stabilisieren und somit durch wirtschaftliche Sicherheit auch eine solche politische zu schaffen.<\/p>\n<p><strong>Chinesische Immigration und gegenseitige Abh&#xE4;ngigkeit<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die vielen F&#xF6;rdermittel, die &#xFC;ber die Grenze der beiden L&#xE4;nder flie&#xDF;en, bringen nicht nur <a href=\"http:\/\/thediplomat.com\/2016\/01\/can-china-fix-central-asias-soviet-rail-legacy\/\">neue Zugschienen<\/a> und moderne Geb&#xE4;ude mit sich, sondern vermehrt auch chinesische Einwanderer, die auf lokalen M&#xE4;rkten Arbeit finden. Die chinesische Regierung <a href=\"https:\/\/digital.lib.washington.edu\/researchworks\/handle\/1773\/23547?show=full\">unterst&#xFC;tzt<\/a> diese Entwicklung mit einer Liberalisierung der Wirtschaftst&#xE4;tigkeit und anderen favorablen Bedingungen. Da die F&#xF6;rdergelder meistens nicht an strenge wirtschaftliche, politische oder auch soziale Konditionen gebunden sind (wie so oft der Fall mit ihren russischen, US-amerikanischen oder unionseurop&#xE4;ischen &#xC4;quivalenten), bietet die chinesische Unterst&#xFC;tzung eine willkommene Alternative f&#xFC;r die kirgisische Regierung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Laut Beacom kommen die chinesischen F&#xF6;rdermittel meist in Form eines Darlehens nach Kirgistan &#x2013; mit Garantie auf R&#xFC;ckzahlung. Die stark verschuldete chinesische Regierung ist auf eine solche Form der Geldgewinnung angewiesen, genauso sehr wie Kirgistan auf die finanzielle Unterst&#xFC;tzung: &#x201E;Kirgistan, von allen zentralasiatischen Staaten, ist am begierigsten darauf, chinesische Schulden &#xFC;bernehmen.&#x201C;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><img decoding=\"async\" style=\"width: 600px\" src=\"\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/old\/img\/1093\/oshski_bazaar.jpeg\" alt=\"Bazaar Markt Bishkek Kirgistan\"\/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">China rechnet damit, das investierte Geld mit Zinsen zur&#xFC;ckbezahlt zu bekommen &#x2013; und wenn nicht, kann es nicht schaden, dass die meisten F&#xF6;rderdarlehen mit Sicherheiten unterlegt sind. &#x201E;Es wird vermutet, dass jeder Kredit mit einer Art Sicherheit verbunden ist &#x2013; Land, um genau zu sein. Dies k&#xF6;nnte auch teils erkl&#xE4;ren, warum China bei der Beilegung des kirgisisch-chinesischen Grenzstreits so viel Land f&#xFC;r sich beanspruchen k&#xF6;nnte&#x201C;, erl&#xE4;utert Beacom eine der g&#xE4;ngigen Theorien.<\/p>\n<p><strong>Von Ablehnung und Zukunfts&#xE4;ngsten<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Im Gegenteil zur kirgisischen Regierung ist die Bev&#xF6;lkerung jedoch gr&#xF6;&#xDF;tenteils gegen jede Form chinesischer Einmischung in heimische Angelegenheiten. China engagiert sich f&#xFC;r die Entwicklung der kulturellen und zwischenmenschlichen Beziehungen, so wurden in den letzten Jahren drei Confucius-Institute und vier Klassenr&#xE4;ume <a href=\"http:\/\/english.hanban.org\/node_10971.htm\">er&#xF6;ffnet<\/a>. Trotzdem sind misstrauen und Vorsicht weit verbreitet und der Gro&#xDF;teil des Engagements bleibt <a href=\"http:\/\/kms2.isn.ethz.ch\/serviceengine\/Files\/RESSpecNet\/105548\/ichaptersection_singledocument\/5F53D93A-5163-44A5-8353-B685FFE1775D\/en\/05_icmk20090279-91.pdf\">auf staatlicher Ebene<\/a> h&#xE4;ngen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In Zeiten wachsenden Nationalismus finden chinesische Investitionen in dem Bergstaat weniger und weniger Halt, sowie auch chinesische Migranten mit zunehmender Feindlichkeit zu k&#xE4;mpfen haben. Einheimische sehen die Einwanderer zunehmend als Bedrohung am Arbeitsmarkt. Investitionen der chinesischen Regierung agieren somit schnell nur auf Basis einer politischen Lizenz &#x2013; keineswegs jedoch einer sozialen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Laut dem angehenden Politologen und Wissenschaftler <a href=\"https:\/\/src.auca.kg\/images\/stories\/files\/Kyrgyz-China%20Relations.pdf\">Samuel C. Ide<\/a> k&#xF6;nnen kirgisische Meinungen &#xFC;ber den chinesischen Nachbarn in drei grobe Tendenzen aufgeteilt werden- die allgemeine Meinung h&#xE4;ngt somit davon ab, welche Position Kirgistan in Zentralasien einnimmt; welche Beziehungen Kirgistan mit au&#xDF;enstehenden L&#xE4;ndern unterh&#xE4;lt; und inwieweit der kirgisische Nationalismus das Verhalten und die Meinungen der Bev&#xF6;lkerung pr&#xE4;gt. Unter diesen Einfl&#xFC;ssen k&#xE4;mpfen kirgisische Souver&#xE4;nit&#xE4;t und Nationalstolz in st&#xE4;ndiger Wiederholung gegen Vorteile und Risiken chinesischer Investitionen an.<\/p>\n<p><strong>Der Platz Kirgistans in Zentralasien<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Als einzige dieser drei Tendenzen tr&#xE4;gt die Position Kirgistans innerhalb Zentralasiens <em>positiv<\/em> zum Stimmungsbild bei. Dank der direkten Grenze zu China und den relativ lockeren Zollregelungen wurde Kirgistan nach dem Fall der Sowjetunion schnell zu einer Art Korridor f&#xFC;r chinesische Produkte auf dem Weg nach Zentralasien, vor allem nach Usbekistan. Das war nicht immer so &#x2013; in Sowjetzeiten wurde China als politischer Feind instrumentalisiert, insbesondere w&#xE4;hrend des chinesisch-sowjetischen Zerw&#xFC;rfnisses der sp&#xE4;ten 1950er bis 1980er.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" style=\"width: 600px\" src=\"\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/old\/img\/1093\/fullsizerender_1.jpeg\" alt=\"Sch&#xFC;tzengr&#xE4;ben Kirgistan\"\/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nach der ersten Zusammenkunft der Shanghai-5 (China, Kirgistan, Kasachstan, Russland und Tadschikistan) im Jahr 1996 und der L&#xF6;sung der Grenzprobleme zwischen Kirgistan und China 1999 bestand jedoch schlie&#xDF;lich die M&#xF6;glichkeit einer intensiveren Partnerschaft. 2001 wurde die Shanghaier Organisation f&#xFC;r Zusammenarbeit (SZO) gegr&#xFC;ndet, der Handel begann zu bl&#xFC;hen, und Kirgistan nahm seine Stellung als Korridor nach Zentralasien ein.<\/p>\n<p><strong>Lest auch bei Novastan.org: <\/strong><strong><a href=\"https:\/\/novastan.org\/articles\/zentralasien-region-der-konkurrierenden-regionalen-organisationen\">Zentralasien, Region der konkurrierenden regionalen Organisationen?<\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Laut aktuellen Sch&#xE4;tzungen werden heutzutage 75% aller chinesischen Importe nach Kirgistan in Drittl&#xE4;nder weiter exportiert. Dieser Landweg spielt einerseits der chinesischen Regierung in die H&#xE4;nde, die ihre Export- und vor allem auch Importwege diversifizieren m&#xF6;chte. Au&#xDF;erdem bedeutet der Beitritt Kirgistans zur Welthandelsorganisation (<em>World Trade Organisation, WTO<\/em>) 1998 als damals erstes und einziges Land in Zentralasien eine Erleichterung der Handelsbedingungen und gewisse Vorteile im Weiterexport der Waren, zumal auch China Teil der internationalen Organisation ist. Der Beitritt der anderen zentralasiatischer L&#xE4;nder (mit Ausnahme Usbekistans und Turkmenistans) zur WTO, sowie Kirgistans erh&#xF6;hte Zolltarife durch den Beitritt zur EEU, verringerten die bevorzugte Position Kirgistans in Zentralasien.<\/p>\n<p><strong>Kirgistan und die Welt &#x2013; unter dem Einfluss von Giganten<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nicht nur China interessiert sich f&#xFC;r das kleine Land in Zentralasien. Besonders Russland st&#xE4;rkt seine Beziehungen mit Kirgistan best&#xE4;ndig. Die neue Wirtschaftsunion, eine lange, gemeinsame Geschichte, das Erbe jahrzehntelanger sowjetischer Propaganda, sowie kulturelle und linguistische N&#xE4;he erleichtern dem n&#xF6;rdlichen Giganten die Arbeit. Die mehrheit der kirgisischen Bev&#xF6;lkerung zieht eine Ann&#xE4;herung an Russland jener an China vor, Russland wird viel h&#xE4;ufiger als Wohlt&#xE4;ter wahrgenommen als sein s&#xFC;dliches Gegenst&#xFC;ck. Laut <a href=\"http:\/\/www.iri.org\/sites\/default\/files\/wysiwyg\/2015-09-25_survey_of_kyrgyz_public_opinion_july_22-31_2015.pdf\">der letzten Umfrage<\/a> des International Republican Institute sieht jeweils etwa ein Drittel der &#xA0;kirgisischen Bev&#xF6;lkerung China als einen Partner und eine Bedrohung. Gegen&#xFC;ber Russland liegen die Werte bei jeweils 96 Prozent und einem Prozent.<\/p>\n<p><strong>Der kirgisische Nationalismus<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Letztlich beeinflusst auch der kirgisische Nationalismus stark die allgemeine Meinung &#xFC;ber China. Kirgistan erlebt einen noch nie dagewesenen Aufschwung von Nationalismus, besonders seit den Ereignissen 2010 und dem Umsturz der Bakiev-Regierung. Der starke Nationalstolz zeigt sich unter anderem in h&#xE4;ufigen Debatten &#xFC;ber Kirgisisch als allgemeine Unterrichtssprache (jetzt oftmals noch Russisch),&#xA0;<a href=\"http:\/\/www.nzz.ch\/international\/ein-dummer-witz-mit-politischen-folgen-1.18672934\">regelm&#xE4;&#xDF;ige Spannungen<\/a>&#xA0;rund um &#x201E;Kumtor&#x201C;, die gr&#xF6;&#xDF;te Goldmine des Landes, die von einer kanadischen Firma betrieben wird, Ausbeutung nationaler Symbole wie der kirgisische Held Manas oder lokaler K&#xFC;che, und auch in lebhaften Diskussionen &#xFC;ber die Rolle des Islams in Kirgistan. Inmitten der vielen Ethnizit&#xE4;ten und Volksgruppen Kirgistans ist dieser Nationalismus besonders explosionsgef&#xE4;hrdet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><img decoding=\"async\" style=\"height: 426px;width: 600px\" src=\"\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/old\/img\/1093\/3531251583_4bc74b39c6_o.jpeg\" alt=\"Manas Kirgistan Volksheld\"\/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Dieser Nationalismus zeigt sich auf zwei Arten: Einerseits existiert die Idee, dass China eine Gefahr f&#xFC;r die Zukunft Kirgistans darstellt und angehalten werden muss. Andererseits sehen viele die Investitionen als f&#xF6;rderlich, da auch die Wahrung nationaler Souver&#xE4;nit&#xE4;t ein wichtiges Prinzip der chinesischen Aussenpolitik ist. . Oftmals &#xFC;berwiegt jedoch die erste Ansichtsweise. Die chinesischen <em>F&#xFC;nf Prinzipien<\/em> mussten au&#xDF;erdem in den letzten Jahren mit Interessenskonflikten k&#xE4;mpfen: &#x201E;Auf jeden Fall gab es in den letzten zehn Jahren gro&#xDF;e Spannungen in der chinesischen Au&#xDF;enpolitik &#x2013; sowie Chinas Interesse am und im Ausland w&#xE4;chst, w&#xE4;chst auch die Spannung zwischen der Aufrechterhaltung der nationalen Souver&#xE4;nit&#xE4;t fremder L&#xE4;nder und Chinas eigenem Interesse&#x201C;, erkl&#xE4;rt Beacom.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In den letzten Jahren entwickelten sich eine exzessive Paranoia und auch Verschw&#xF6;rungstheorien. So gibt es zum Beispiel die Idee, dass die chinesische Regierung absichtlich M&#xE4;nner nach Kirgistan schickt, um kirgisische Frauen zu heiraten, um so langsam, nach und nach, das Land zu erobern &#x2013; von innen. China wird nicht nur als akute Gefahrenquelle angesehen, sondern auch als verheerende Gewalt &#xFC;ber die Zukunft.<\/p>\n<p><strong>Die Zukunft: ein chinesisches Kirgistan?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Doch auch wenn viele Angst vor einer chinesischen &#xDC;bernahme haben &#x2013; die chinesische Expansion ins Ausland steht dennoch vier wichtigen Schranken gegen&#xFC;ber. Erstens ist die chinesische Migration in Entwicklungsl&#xE4;nder als ein Kurzzeit-Ph&#xE4;nomen anzusehen. &#x201E;Chinesische Migranten folgen ihrem Gesch&#xE4;ft &#x2013; das ist eine sehr wirtschaftliche Entscheidung&#x201C;, erkl&#xE4;rt Beacom. Meist ist ihre Auswanderung das Resultat einer abrupten Ver&#xE4;nderung in ihrem heimischen Arbeitsmarkt und die Besch&#xE4;ftigung in den umliegenden L&#xE4;ndern, darunter auch Kirgistan, soll Abhilfe verschaffen. Die chinesische Regierung arbeitet au&#xDF;erdem schrittweise an besseren Integrationsmechanismen f&#xFC;r interne Migration &#x2013; eine Ma&#xDF;nahme, die den Umzug ins Ausland noch weiter verringern sollte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Zweitens spielt der Empfang in den jeweiligen Ziell&#xE4;ndern eine wichtige Rolle. Nationalismus, Angst und Misstrauen, so wie es in Kirgistan der Fall ist, hindern weiteren Zufluss. Eine weitere Barriere f&#xFC;r chinesische Migration liegt in der zuk&#xFC;nftigen Entwicklung der Volksrepublik China verborgen. Da Migration und Investition zwei voneinander abh&#xE4;ngige Erscheinungen sind, setzt eine kontinuierliche chinesische Einwanderung voraus, dass auch die Investitionen nicht abbrechen. Unendliche (wirtschaftliche) M&#xF6;glichkeiten sind also die Grundvoraussetzung &#x2013; eine unrealistische Vision der Zukunft. Hinzu kommt, dass chinesische Wirtschaftsprojekte im Ausland noch jung sind &#x2013; es w&#xE4;re nicht das erste Mal, dass manche von ihnen schlussendlich in einem typischen <em>Boom-and-Bust-Cycle <\/em>zum Stillstand kommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nicht zuletzt spielt auch die politische Situation in Kirgistan eine wichtige Rolle. Wie viel Instabilit&#xE4;t und Unruhen ertragen chinesische Investitionen? Eventuelle Aufst&#xE4;nde oder politische Unruhen bleiben au&#xDF;erhalb der chinesischen Reichweite. Angesichts solcher Passivit&#xE4;t des Staates sind chinesische Investoren dazu gezwungen, zwischen wirtschaftlichem Ertrag und potenziellem Risiko abzuwiegen, dessen Abwesenheit die chinesische Regierung ihren Staatsangeh&#xF6;rigen nicht garantieren kann &#x2013; oder will.<\/p>\n<p>&#xA0;<\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><strong>Vanessa Graf<br>\nLandesdirektorin der Redaktion<br>\nBischkek, Kirgistan<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>China z&#xE4;hlt zu Kirgistans wichtigsten Handelspartnern, doch die kirgisische Bev&#xF6;lkerung begegnet dem Nachbarn mit Misstrauen und Vorsicht.<\/p>\n","protected":false},"author":316,"featured_media":819,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[1283,1260,690,689,751],"coauthors":[1149],"class_list":["post-818","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kirgistan","tag-china","tag-internationale-beziehungen","tag-kirgistan","tag-politik","tag-wirtschaft"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/818","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/316"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=818"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/818\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/819"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=818"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=818"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=818"},{"taxonomy":"author","embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/coauthors?post=818"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}