{"id":7693,"date":"2017-02-21T16:54:09","date_gmt":"2017-02-21T15:54:09","guid":{"rendered":"https:\/\/novastan.org\/de\/?p=7693"},"modified":"2017-03-20T10:54:34","modified_gmt":"2017-03-20T09:54:34","slug":"kasachstan-zwischen-zwei-grossmaechten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/novastan.org\/de\/kasachstan\/kasachstan-zwischen-zwei-grossmaechten\/","title":{"rendered":"Kasachstan &#8211; zwischen zwei Gro\u00dfm\u00e4chten"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Der deutsche Botschafter in Kasachstan, Rolf Mafael, spricht mit der <a href=\"http:\/\/daz.asia\/blog\/gemeinsam-unsere-zukunft-gestalten-bildung-in-deutschland-und-kasachstan\/\">Deutschen Allgemeinen &#xA0;Zeitung <\/a>in Almaty &#xFC;ber seine bisherigen Erfahrungen als Botschafter in S&#xFC;dkorea und jetzt in Kasachstan, &#xFC;ber die Chancen Kasachstans als Drehscheibe zwischen Asien und Europa, kasachstandeutsche Migrationsbande, und die bilateralen kasachisch-deutschen Beziehungen. <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Novastan ver&#xF6;ffentlicht das Interview mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Herr Mafael, haben Sie sich bereits eingelebt in Astana? Wie waren die ersten Monate in Kasachstan?<br>\n<\/strong>Meine Frau und ich sind Mitte letzten Jahres hierhergekommen und haben einen wunderbaren Sommer erlebt. Im September und Oktober konnten wir sowohl Astana, als auch etwas Almaty, Kustanai und Karaganda kennenlernen und von daher einen ersten und auch sehr positiven Eindruck vom Land gewinnen. Astana ist eine sehr attraktive Stadt geworden, die gut organisiert und lebenswert ist und wo ich mir vorstellen kann, dass es uns dort die n&#xE4;chsten Jahre gut geht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Hilft Ihre Erfahrung in S&#xFC;dkorea auch in Zentralasien, oder ist es hier ein anderes Terrain?<\/strong><br>\nDie Tatsache, dass ich zuvor als Botschafter f&#xFC;r vier Jahre in S&#xFC;dkorea war, ist letztlich sehr hilfreich f&#xFC;r meine T&#xE4;tigkeit in Kasachstan. Schlie&#xDF;lich liegt Astana auf halber Strecke zwischen Seoul und Berlin &#x2013; und so f&#xFC;hle ich mich dann auch. Es gibt sehr viele Parallelen zwischen der wirtschaftlichen Entwicklung in S&#xFC;dkorea seit den 60er Jahren und der Entwicklung in Kasachstan seit der Unabh&#xE4;ngigkeit. Insbesondere was den rasanten wirtschaftlichen Aufstieg Kasachstans in diesem Jahrtausend angeht. Es gibt auch viele Parallelen bei den Menschen. Die Koreaner sind extrem wissensbegierig und lernfreudig, und genau diesen Eindruck habe ich auch hier in Kasachstan. Korea und Kasachstan sind L&#xE4;nder, die geografisch zwischen gro&#xDF;en M&#xE4;chten gelegen sind. Im Falle von S&#xFC;dkorea sind es China, Japan, Russland. Hier sind es China und Russland.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von daher besteht die Notwendigkeit, ein eigenes Profil zu haben, international Aufmerksamkeit auf sich zu lenken und eigenes Gewicht zu entwickeln. Und beide L&#xE4;nder sind sehr erfolgreich in diesem Bem&#xFC;hen um internationale Anerkennung. Das sieht man bei Kasachstan u.a. auch bei der erstmaligen Wahl zum nichtst&#xE4;ndigen Mitglied des UN-Sicherheitsrates. Auch die Methoden sind &#xE4;hnlich &#x2013; wir haben im Sommer die EXPO in Astana. Die letzte thematische EXPO war 2012 in Yeosu in S&#xFC;dkorea und als ich dort meinen Dienst antrat, ging meine erste Reise zur EXPO, so wie jetzt mein erster Gespr&#xE4;chstermin EXPO Kommissar Jessimov galt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine meiner letzten Gro&#xDF;veranstaltungen in S&#xFC;dkorea war die Sommeruniversiade 2015 in Gwangju und soeben fand die Winteruniversiade 2017 hier in Almaty statt. Es gibt auch eine dritte Parallele. Aus Korea sind &#xFC;ber 20.000 Koreaner in den 60er Jahren nach Deutschland gegangen, um dort zu arbeiten. Und viele von ihnen kamen oder kommen nun zur&#xFC;ck, so dass eine menschliche Br&#xFC;cke besteht, wie wir es hier in viel gr&#xF6;&#xDF;erem Umfang mit den Kasachstandeutschen haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/kasachstan\/die-kleine-winterolympiade\/\">Die kleine Winterolympiade<\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Aus Ihrem Lebenslauf ist nicht zu entnehmen, dass sie bereits im postsowjetischen Raum aktiv waren. Ist diese Distanz vielleicht von Vorteil in ihrer Position in Kasachstan?<\/strong><br>\nF&#xFC;r mich selbst ist es in au&#xDF;enpolitischer Hinsicht so, dass die Befassung mit den Themen, die auch hier aktuell sind, mir &#xFC;ber einen langen Zeitraum vertraut ist. Ich habe 2007 mitgearbeitet an der EU-Zentralasienstrategie. Das war eine deutsche Initiative und von Deutschland lanciert. Zentralasien war immer in der Aufmerksamkeit der deutschen Au&#xDF;enpolitik, deshalb habe ich das schon l&#xE4;nger verfolgt. Insgesamt sind mir die au&#xDF;enpolitischen Fragestellungen hier vertraut. Manche Gespr&#xE4;chspartner sagen mir in der Tat, dass ein neuer Blick neue Schlussfolgerungen bringt. Allerdings werde ich f&#xFC;r die Innen&#x2013; und Gesellschaftspolitik nat&#xFC;rlich deutlich mehr Zeit brauchen, um zu verstehen, wie dieses Land wirklich funktioniert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Im R&#xFC;ckblick auf die EU-Zentralasienstrategie von 2007 &#x2013; wie haben sich die Ziele von damals in zehn Jahren umsetzen lassen?<\/strong><br>\nDie Schwerpunkte der Strategie waren und sind richtig gew&#xE4;hlt: Rechtsstaatsf&#xF6;rderung; Fragen des Umweltschutzes und der Wasserwirtschaft, Bildung und Sicherheit (Grenzmanagement, Bek&#xE4;mpfung von Drogenhandel). Auch der Ansatz, nicht nur bilateral mit den einzelnen L&#xE4;ndern zusammenzuarbeiten, sondern auch die regionale Zusammenarbeit zu f&#xF6;rdern war eine richtige Entscheidung. Nat&#xFC;rlich hatten wir uns erhofft, dass sich die Zusammenarbeit untereinander in der Region dynamischer entwickeln w&#xFC;rde, als es in den letzten zehn Jahren der Fall war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber wir haben Hoffnungen, dass, gerade mit dem Wandel in Usbekistan hier neue Impulse kommen werden. Auch Kasachstan hat in den Vorbereitungen f&#xFC;r seine Mitgliedschaft im UN-Sicherheitsrat einen Schwerpunkt darauf gelegt, die anderen zentralasiatischen Staaten einzubeziehen und Zentralasien als Region und als politisches Thema st&#xE4;rker in den Mittelpunkt der Vereinten Nationen und des Sicherheitsrates zu stellen. Insofern hoffe ich auf eine positivere Dynamik in der n&#xE4;heren Zukunft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wie sch&#xE4;tzen Sie die Rolle Kasachstans im Beziehungsgeflecht Europa-Asien ein? In welche Richtung wird sich das Land in Zukunft st&#xE4;rker orientieren?<\/strong><br>\nKasachstan ist aufgrund der privilegierten Lage zwischen Europa und Asien ein wichtiger Partner in den Bereichen Logistik und Kommunikation zwischen Ostasien und Europa. Und ich bin &#xFC;berzeugt, dass die Seidenstra&#xDF;en-Initiative f&#xFC;r Kasachstan tats&#xE4;chlich eine gro&#xDF;e Chance bei der Weiterentwicklung des Landes bietet. Ein infrastruktureller Ausbau entlang der Route kann dazu beitragen, mehr als nur ein Transportkorridor zu sein. Entlang dieser Strecke k&#xF6;nnen Dienstleistungen und auch Industrien ausgebaut werden. Es besteht demnach die Chance f&#xFC;r Kasachstan, neben einem Transitland eine wirtschaftliche Drehscheibe zu werden zwischen Ost und West, und im Hinblick auf Russland und Iran, auch zwischen Nord und S&#xFC;d.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn man Zentralasien als Ganzes sieht, so gilt das sicher f&#xFC;r die gesamte Region, aber Kasachstan hat einen Vorsprung, was Infrastruktur angeht und bietet vergleichsweise sehr gute Bedingungen f&#xFC;r gr&#xF6;&#xDF;ere Investitionen. Man ist WTO-Mitglied geworden und strebt den OECD-Beitritt an &#x2013; das hei&#xDF;t die wirtschaftspolitische Richtung des Landes ist f&#xFC;r Investoren klar. Und das schafft eine optimistische Stimmung, was das Potenzial des Landes zwischen Europa und Asien angeht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Welche Industrien schweben Ihnen da vor?<\/strong><br>\nDie offensichtlichen Bereiche sind nat&#xFC;rlich die Bereiche, die mit Rohstoffen zusammenh&#xE4;ngen. Das ist schlie&#xDF;lich die gro&#xDF;e Frage, ob es Kasachstan gelingt, neben der Rohstofff&#xF6;rderung auch die Veredelung dieser im eigenen Land durchzuf&#xFC;hren. Das w&#xFC;rde eine sehr viel gr&#xF6;&#xDF;ere Wertsch&#xF6;pfung erm&#xF6;glichen. Ein zweiter Bereich, der mir auffiel, ist das gro&#xDF;e Potential im Bereich der Landwirtschaft. Kasachstans Norden kann dabei zum Brotkorb der gro&#xDF;en Region werden. Auch China ist ein gro&#xDF;er Markt. Gerade eine dynamische Entwicklung der Landwirtschaft kann die Chance erm&#xF6;glichen, dass die Wertsch&#xF6;pfung und der Wohlstand nicht auf wenige Zentren beschr&#xE4;nkt bleiben, sondern, dass die Bev&#xF6;lkerung auch auf dem Lande am wirtschaftlichen Aufschwung partizipieren kann. Interessanterweise sind auch viele Kasachstandeutsche in diesem Bereich aktiv und ich w&#xFC;rde mir in den Bereichen Rohstoffe und Landwirtschaft eine deutliche Intensivierung der deutsch-kasachischen Zusammenarbeit w&#xFC;nschen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Im Januar und Februar fanden die Syrien-Friedensgespr&#xE4;che in Astana statt. Wie ist Ihre Bilanz dazu?<\/strong><br>\nWir hoffen, dass es durch diese Gespr&#xE4;che gelungen ist, einen Waffenstillstand l&#xE4;nger abzusichern und damit die Voraussetzungen f&#xFC;r eine friedliche L&#xF6;sung des Syrienkonflikts zu schaffen. Wir erhoffen uns die Absicherung einer Feuerpause und damit einen Beitrag zu den Genfer Syrien-Gespr&#xE4;chen unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen. Es ist aus unserer Sicht zentral, dass hier nicht eine zweite Verhandlungsschiene er&#xF6;ffnet wird, sondern, dass die Gespr&#xE4;che in Astana zum UN-Prozess beitragen.<\/p>\n<p>Ich m&#xF6;chte auch darauf hinweisen, dass Astana und Kasachstan in den letzten Jahren nicht so h&#xE4;ufig in der internationalen Presselandschaft vertreten waren wie im Zusammenhang mit den Syriengespr&#xE4;chen. Das war eine besonders gelungene medialen Er&#xF6;ffnung des EXPO-Jahres f&#xFC;r Astana. Die internationale Gesellschaft ist f&#xFC;r Kasachstan bereits zu Jahresbeginn sensibilisiert. Das ist ein gelungener N&#xE4;hrboden f&#xFC;r eine sich weiter intensivierende Werbekampagne f&#xFC;r die Weltausstellung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/kasachstan\/franzoesischer-fotograf-zeigt-ein-noch-futuristischeres-astana\/\">Franz&#xF6;sischer Fotograf zeigt ein noch futuristischeres Astana<\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>&#x201E;Terroristen aus Zentralasien&#x201C; war eins der Themen, mit denen die Region zuletzt wieder in Schlagzeilen geriet. Wie betrifft es Kasachstan?<\/strong><br>\nDies ist heute eine globale Herausforderung, der sich Deutschland genauso gegen&#xFC;bersieht wie Kasachstan und wo auch beide L&#xE4;nder zusammenarbeiten. Die Tatsache, dass es auch mehrere Hundert sogenannter &#x201E;foreign fighter&#x201C; in den Reihen des IS gibt, l&#xE4;sst nicht ausschlie&#xDF;en, dass diese ein Sicherheitsrisiko darstellen. Man muss sich also mit der Frage besch&#xE4;ftigen, was passiert, wenn foreign fighters in das Ursprungsland zur&#xFC;ckkommen, sei es nun Deutschland oder Kasachstan. Insofern ist es sehr wichtig, dass die Regierung dies sorgf&#xE4;ltig beobachtet und zu verhindern versucht, dass aus diesen R&#xFC;ckkehrern ein Gefahrenpotential hervorgeht. Ein Teil der Erfolgsgeschichte Kasachstans ist die Tatsache, dass es als ein multiethnisches und multireligi&#xF6;ses Land ein s&#xE4;kularer Staat ist. Das Grundprinzip des s&#xE4;kularen Staates ist auch f&#xFC;r die Zukunft ein wichtiges Element der kasachstanischen Identit&#xE4;t und der Fortsetzung des Erfolges. Es ist insofern sehr begr&#xFC;&#xDF;enswert, dass auch die Regierung auf den Fortbestand des s&#xE4;kularen Staates gro&#xDF;en Wert legt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_7702\" aria-describedby=\"caption-attachment-7702\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-7702\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/02\/08-Zwischen-zwei-Grossmaechten-02-300x263-300x263.jpg\" alt=\"Astana EXPO Deutschland Pavillon\" width=\"300\" height=\"263\"\/><figcaption id=\"caption-attachment-7702\" class=\"wp-caption-text\">Achmedschan Jesimow (EXPO-Leitung) &#xFC;bergibt den deutschen Pavillon an Botschafter Mafael. Bild: Astana EXPO-2017<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Man feiert 2017 das 25-j&#xE4;hrige Jubil&#xE4;um kasachisch-deutscher diplomatischer Beziehungen. Wo liegen die strategischen Hauptinteressen Deutschlands in Kasachstan?<\/strong><br>\nDas Jubil&#xE4;um und die EXPO sind die Hauptthemen f&#xFC;r die bilateralen Beziehungen dieses Jahres. Die Botschaft veranstaltete am Jahrestag, dem 11. Februar 2017, zusammen mit dem Akimat ein Jubil&#xE4;umskonzert. Wir hoffen, dass es uns gelingt, weitere kulturelle Veranstaltungen im Laufe des Jahres durchzuf&#xFC;hren, auch au&#xDF;erhalb der Hauptstadt. Beispielsweise planen wir die &#x201E;Winterreise&#x201C; von Schubert, die bereits zu Weihnachten in Astana gespielt wurde, auch in Pawlodar und Karaganda aufzuf&#xFC;hren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im M&#xE4;rz werden die &#x201E;Wiedergeburt&#x201C; (Assoziation der Kasachstandeutschen, Anm. d. Red.) und die Botschaft zusammen eine bilaterale Bildungskonferenz in Astana veranstalten, die sich mit aktuellen Herausforderungen des Schul&#x2013; und Hochschulbildung in unseren beiden L&#xE4;ndern auseinandersetzt und das Potential der Zusammenarbeit ausloten soll. Zum Nationentag am 12. Juli erwartet der deutsche Pavillon zahlreiche Besucher aus Deutschland. In dessen Rahmenprogramm bietet der Nationentag ein deutsches Kulturprogramm. Ich kann bereits sagen, dass das Konzept des deutschen Pavillons sehr vielversprechend ist und sich alle Besucher auf ein hochspannendes und interaktives Gesamtprogramm zu dem Thema erneuerbare Energien und Energiewende in Deutschland freuen k&#xF6;nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Stichwort Energiewende. Kasachstan setzt auf atomare Energie und sieht diese auch als &#x201E;gr&#xFC;ne&#x201C; Energie. Es bietet eine Uran-Bank mit schwach-angereichertem Uran, Endlagerst&#xE4;tten in der Steppe und positioniert sich gleichzeitig als globaler Akteur bei nuklearen Abr&#xFC;stungsbem&#xFC;hungen. Wie passt es f&#xFC;r Sie zusammen?<\/strong><br>\nDiese au&#xDF;en&#x2013; und sicherheitspolitische Entscheidung des Pr&#xE4;sidenten, auf nukleare Waffen zu verzichten, und sich f&#xFC;r die nukleare Abr&#xFC;stung weltweit einzusetzen, ist ein zentraler Faktor f&#xFC;r die gute au&#xDF;enpolitische Entwicklung des Landes. Mit diesen Bem&#xFC;hungen leistet Kasachstan einen Beitrag zur regionalen und weltweiten Stabilit&#xE4;t. Das Engagement f&#xFC;r die nukleare Abr&#xFC;stung, was wir aus deutscher Sicht sehr begr&#xFC;&#xDF;en, wird durch Initiativen wie die Einrichtung der Uranium-Bank unterst&#xFC;tzt. Vor einiger Zeit konnten wir bei den Iran-Verhandlungen sehen, dass Kasachstan hier einen wichtigen Beitrag leisten kann. Der Kompromiss, der dem Atomwaffensperrvertrag zugrunde liegt, sieht im &#xDC;brigen vor, dass die Mitgliedsstaaten auf der einen Seite auf Atomwaffen verzichten, auf der anderen Seite aber die Nutzung der Atomenergie zu friedlichen Zwecken gef&#xF6;rdert werden soll. Allerdings habe ich nicht den Eindruck, dass f&#xFC;r Kasachstan ein Ausbau der Nutzung von Atomenergie besondere Priorit&#xE4;t hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Was L&#xE4;nderbeziehungen angeht, ist die recht gro&#xDF;e deutsche Minderheit in Kasachstan sicher speziell f&#xFC;r das bilaterale Verh&#xE4;ltnis. Wie sch&#xE4;tzen Sie ihre Rolle ein?<\/strong><br>\n1% der Bev&#xF6;lkerung Kasachstan macht die deutsche Minderheit aus. Auch umgekehrt sind 1% der Bev&#xF6;lkerung in Deutschland Russlanddeutsche. Die Bundesregierung und ich als Botschafter w&#xFC;nschen, dass diese Menschen in Zukunft sehr viel st&#xE4;rker zur Br&#xFC;cke zwischen unseren beiden L&#xE4;ndern werden und eine noch st&#xE4;rkere Rolle in der Pflege unserer Beziehungen spielen. Bereits heute ist es so, dass sie in der Tat eine wichtige Verbindung darstellen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_7698\" aria-describedby=\"caption-attachment-7698\" style=\"width: 1000px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-7698 size-full\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/02\/08-Zwischen-zwei-Grossmaechten-03.jpg\" alt=\"Mafael Deutschland Astana Kasachstan\" width=\"1000\" height=\"563\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/02\/08-Zwischen-zwei-Grossmaechten-03.jpg 1000w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/02\/08-Zwischen-zwei-Grossmaechten-03-300x169.jpg 300w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2017\/02\/08-Zwischen-zwei-Grossmaechten-03-768x432.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\"\/><figcaption id=\"caption-attachment-7698\" class=\"wp-caption-text\">Der deutsche Botschafter auf Besuch bei der Gesangsgruppe &#x201D;Sp&#xE4;te Blumen&#x201D;, Assoziation der Deutschen in Astana.<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber ich sehe hier f&#xFC;r die Zukunft ein sehr viel gr&#xF6;&#xDF;eres Potential. Gerade, wenn diejenigen, die nach Deutschland gegangen sind, wieder zur&#xFC;ckkommen und hier wirtschaftlich t&#xE4;tig werden und erfolgreich sind. Im Fall von S&#xFC;dkorea habe ich es erlebt, dass diese Menschen die zentrale Bezugsstelle der bilateralen Beziehungen geworden sind. Da es eine so gro&#xDF;e Zahl von Kasachstandeutschen gibt und die Bedingungen vor Ort immer lukrativer werden, bin ich dahingehend sehr optimistisch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Insgesamt sind die Gemeinde der Kasachstandeutschen und die Assoziation der Kasachstandeutschen &#x201E;Wiedergeburt&#x201C; wichtige Partner. In allen St&#xE4;dten suche ich immer die regionalen Niederlassungen auf. In Kustanai gab es zum Beispiel eine sehr sch&#xF6;ne Jubil&#xE4;umsfeier und in Karaganda erlebte ich eine &#xFC;berraschend gro&#xDF;e Gemeinde. Ich w&#xFC;nsche mir in dieser Beziehung eine noch regere Beteiligung der Kasachstandeutschen im Rahmen der regionalen Vertretungen, und dass vor allem j&#xFC;ngere Leute hier einen Ankn&#xFC;pfungspunkt an ihre Identit&#xE4;t und Zukunft sehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die momentane Situation der deutschen Sprache in Kasachstan gibt vielen zu denken. Sie sind nun der Vorsitzende der frisch gegr&#xFC;ndeten Arbeitsgemeinschaft f&#xFC;r die deutsche Sprache. Was sind hier die Ziele?<\/strong><br>\nInsgesamt bereiten wir die erste Sitzung mit kasachischen Regierungsvertretern vor. Wir stellen fest, dass die Anzahl der Deutschlerner mit den Jahren zur&#xFC;ckgeht. Es ist aber nachvollziehbar, da die Auswanderungswellen von Kasachstandeutschen diesen Prozess beg&#xFC;nstigt haben. Allerdings besteht das Risiko, dass Deutsch als Fremdsprache an den Schulen immer weniger unterrichtet werden kann. Es gibt eine Einbu&#xDF;e an M&#xF6;glichkeiten f&#xFC;r Kasachstaner, Deutsch zu lernen, auch f&#xFC;r diejenigen, die vorhaben, in Deutschland zu studieren. Das bereitet uns Sorge. Deutschland hat in den letzten 20 Jahren erhebliche Mittel investiert, um das PASCH-Programm vor Ort zu f&#xF6;rdern. Wir verstehen die Konzeption hinter der Dreisprachigkeit f&#xFC;r kasachische Schulen und Universit&#xE4;ten, aber wir hoffen auf ausreichend Flexibilit&#xE4;t f&#xFC;r verst&#xE4;rkten Deutschunterricht an den 16 betroffenen Schulen. Wir m&#xF6;chten dar&#xFC;ber hinaus auch die universit&#xE4;re Bildungsarbeit mit Kasachstan voranbringen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es macht den Eindruck, dass die meisten Deutschlernenden heutzutage an einem Studium in Deutschland interessiert sind.<br>\nMein Eindruck und auch der deutscher Organisationen ist, dass das Interesse am Studium in Deutschland rasant ansteigt. Unser Ziel muss nun sein, die Strukturen daf&#xFC;r zu behalten und zu schaffen, dass die kasachischen Studenten die Mindestvoraussetzungen mitbringen, um eine Chance auf ein Studium in Deutschland zu haben. Nat&#xFC;rlich hoffen wir, dass wir uns gemeinsam mit der kasachischen Seite hierzu auf Regelungen zu Sprach&#x2013; und Studienf&#xF6;rderung einigen k&#xF6;nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Apropos Sprachen &#x2013; lernen Sie bereits Kasachisch oder Russisch bzw. haben Sie es vor?<\/strong><br>\nIch glaube, aufgrund der Zeitintensivit&#xE4;t, die das Lernen mit sich bringt, werde ich mich darauf beschr&#xE4;nken m&#xFC;ssen in beiden &#x2013; komplexen &#x2013; Sprachen, ein paar S&#xE4;tze zu lernen, mit denen ich mein Interesse zum Land und beiden Sprachen zum Ausdruck bringe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Vielen Dank f&#xFC;r das Gespr&#xE4;ch.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong>Das Interview f&#xFC;hrte Julia Boxler<br>\n<a href=\"http:\/\/daz.asia\">Deutsche Allgemeine Zeitung, Almaty<\/a><\/strong><\/p>\n<p>&#xA0;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der deutsche Botschafter in Kasachstan, Rolf Mafael, spricht mit der Deutschen Allgemeinen &#xA0;Zeitung in Almaty &#xFC;ber seine bisherigen Erfahrungen als Botschafter in S&#xFC;dkorea und jetzt in Kasachstan, &#xFC;ber die Chancen Kasachstans als Drehscheibe zwischen Asien und Europa, kasachstandeutsche Migrationsbande, und die bilateralen kasachisch-deutschen Beziehungen. 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