{"id":7153,"date":"2017-01-27T06:54:03","date_gmt":"2017-01-27T05:54:03","guid":{"rendered":"https:\/\/novastan.org\/de\/?p=7153"},"modified":"2017-11-15T14:31:47","modified_gmt":"2017-11-15T13:31:47","slug":"blutige-traenen-oder-das-lalsche-geheimnis-des-pamirs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/novastan.org\/de\/tadschikistan\/blutige-traenen-oder-das-lalsche-geheimnis-des-pamirs\/","title":{"rendered":"\u201eBlutige Tr\u00e4nen\u201c oder das Lal\u2019sche Geheimnis des Pamirs"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der Historiker Mirsobek Chajrullo erz&#xE4;hlte der tadschikischen Internetzeitung &#x201E;Asia Plus&#x201C;, wie der erste Lal (auch: Lall oder Lalik) aus dem in Zentralasien gelegenen Hochgebirge Pamir gewonnen worden ist und welcher Aberglaube diesem nachgesagt wurde. Wir <a href=\"https:\/\/news.tj\/ru\/news\/tajikistan\/society\/20170105\/krovavie-slezi-ili-lalovie-taini-pamira\">&#xFC;bersetzen den Artikel<\/a> mit der freundlichen Genehmigung der Redaktion. <\/strong><\/p>\n<p>Der Schl&#xFC;ssel zu den Geheimnissen des in Zentralasien gelegenen Pamirs befindet sich in seinem Namen. Nur wenige wissen, was das Wort &#x201E;Badachschan&#x201C; bedeutet. Der tats&#xE4;chliche Name dieser Orte hei&#xDF;t &#x201E;Lal-Roschkanda&#x201C;, was so viel wie &#x201E;die Blume des Lals&#x201C; hei&#xDF;t. Badachschan bedeutet hingegen &#x201E;das Land der Lals&#x201C;.<\/p>\n<p><strong>Edelsteine aus den Bergfelsen<\/strong><\/p>\n<p>&#xDC;ber seine Reise im Badachschan erz&#xE4;hlend, schrieb Marco Polo in einem seiner Werke: &#x201E;<em>In dieser Region gibt es Edelsteine, die &#x201A;Balasch&#x2018; genannt werden. Sie sind rot und wertvoll. Und sie entstehen in den Bergfelsen<\/em>&#x201C;. Dementsprechend ist der Lal kein Rubin, mit dem ihn Einheimische oft verwechselten, sondern sozusagen sein farbgleicher Zwilling, der edle Spinell, der genauso kostbar und teuer ist wie andere Edelsteine &#x2013; z. B. Diamanten, Saphire, Rubine, Smaragde und Alexandrite.<\/p>\n<p>Wie sein farbgleicher Zwilling der Rubin, galt auch der Lal als einer der meist verehrtesten Edelsteine im muslimischen Osten. Dort galt er lange Zeit als Synonym f&#xFC;r Sch&#xF6;nheit und Vollkommenheit.<\/p>\n<p><strong>Lest auch bei Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/kirgistan\/zentralasien-historisches-herz-der-muslimischen-welt\/\">Zentralasien &#x2013; historisches Herz der muslimischen Welt<\/a><\/strong><\/p>\n<p>&#x201E;Lal und Badachschon&#x201C; &#x2013; so lautete der metaphorische Name eines roten Sektes, den so manch einer mit den s&#xFC;&#xDF;en und sch&#xF6;nen Lippen einer Geliebten verglich. Der Lal des Badachschan erinnert an das K&#xF6;nigsbuch &#x201E;Schahnameh&#x201C;. Der persische Dichter Firdausi verfasste es im 10. Jahrhundert nach Chr. und schreibt darin: &#x201E;<em>Und die Krone auf seinem Haupt ist durch die Lals scharlachrot!<\/em>&#x201C;<\/p>\n<p>Selbst der russische Zar Ivan IV., der auch als &#x201E;der Schreckliche&#x201C; bekannt ist, verg&#xF6;tterte den Spinell. &#x201E;<em>Hier ist der rote Rubin<\/em>&#x201C;, sprach er zu dem englischen Diplomaten und Politiker Jerome Horsey und verwies dabei auf diesen seinen ganzen Schatz, &#x201E;<em>Er hat eine heilende Wirkung auf das Herz und den Kopf sowie die Kraft und das Ged&#xE4;chtnis des Menschen.<\/em>&#x201C;<\/p>\n<p>Auf die erste Erw&#xE4;hnung der &#xF6;stlichen Saphire st&#xF6;&#xDF;t man im Werk des im 10. Jahrhundert n. Chr. lebenden arabischen Historikers Al&#x2018;-Mukadasi: &#x201E;<em>Hier [in Badachschan] gibt es Minen voller Edelstein, der aussieht wie Rubin. Solche Minen sind nirgends sonst zu finden.<\/em>&#x201C;<\/p>\n<p>Eine detailliertere Beschreibung des Entstehungsortes der Lals erw&#xE4;hnt der im 10. Jahrhundert n. Chr. lebende Mineraloge und Historiker Abu &#x201A;r-Rajchan al-Biruni: &#x201E;<em>Die Lal-Minen befinden sich in einem Gebiet, in dem das Dorf Warsa-Fandsch gelegen ist. Dieses ist drei Tagesreisen von Badakhshan entfernt, dessen Hauptstadt <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/bild-des-tages\/pamir-photo-du-jour-21102013\/\">Ishkoshim<\/a> (heutiges Tajikistan) sich in der N&#xE4;he der Minen befindet. Der Weg dorthin ist aber von Badakhshan aus bei Weitem angenehmer als von Ishkoshim aus.<\/em>&#x201C;<\/p>\n<p><em>Seht auch unsere Videoreportage &#x201E;<a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/usbekistan\/uber-den-fluss-pandsch\/\">&#xDC;ber den Fluss Pandsch<\/a>&#x201C; (Deutsche Untertitel per Einstellungen aktivieren): <\/em><\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"A travers la rivi&#xE8;re Piandj\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/C4HCa26UtPk?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p><strong>Altert&#xFC;mlicher Aberglaube<\/strong><\/p>\n<p>Die Methode, Lal zu gewinnen, hat sich seit den Zeiten Birunis bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts kaum merklich ver&#xE4;ndert. Die unterirdischen Sch&#xE4;chte durchquerend, bedienten sich die Bergarbeiter schon vor &#xFC;ber 1000 Jahren der &#x201E;Feuermethode&#x201C; und verrichteten alle Arbeiten mit den blo&#xDF;en H&#xE4;nden &#x2013; und zwar sowohl sitzend, hockend als auch liegend.<\/p>\n<p>In jeder Mine arbeiteten zwei oder drei Personen, denen aber unterschiedliche Aufgabenbereiche zugeteilt waren. Die einen bearbeiteten die Felsen, die anderen schaufelten die sich dabei herausl&#xF6;senden Steine beiseite und wieder andere bef&#xF6;rderten diese Steine ans Tageslicht. Da es an metallenem Arbeitsmaterial mangelte, bedienten sich die Bergarbeiter Argalih&#xF6;rnern und Holzkeilen, welche sie in die Felsspalten schlugen.<\/p>\n<p>Die so gewonnenen Steine wurden nahe des Tunnelausganges aufbereitet. Dort wurden sie mit Hilfe von Mei&#xDF;eln und Brechstangen soweit bearbeitet, dass der wertvolle Edelstein mit der blo&#xDF;en Hand aus dem ihn umschlingenden Stein herausgel&#xF6;st werden konnten. Denjenigen, die die Edelsteine aus den Steinen herausschlugen, gelang es jedoch nicht immer, alle unversehrt zu gewinnen. So musste der ein oder andere Edelstein leiden.<\/p>\n<p>Aber nicht nur dieser hatte es nicht immer leicht &#x2013; Unter den Bergleuten und -wachen sprach sich herum, dass der Lal in der Regel paarweise auftritt. In der Realit&#xE4;t geschah dies aber selten. Dennoch wurde den Bergarbeitern seitens der Bergwachen h&#xE4;ufig unterstellt, einen Teil der Edelsteine zu verstecken. Viele Bergarbeiter sahen sich in einer schwierigen Situation und hatten oft keine andere Wahl, als die herausgeschlagenen Steine zu spalten. Denn auf diese Weise gelang es ihnen, ungerechtfertigte Strafen seitens der Bergwachen zu umgehen.<\/p>\n<p><strong>&#x201E;Blutige Tr&#xE4;nen&#x201C;<\/strong><\/p>\n<p>Der Kuchilal ist der legend&#xE4;re Berg der Lals, an dem Tal des durch Zentralasien verlaufenden Flusses Pandsch beheimatet. Wie hier die ersten Edelsteine gefunden worden sein sollen, erz&#xE4;hlen viele Legenden aus der Region:<\/p>\n<p>&#x201E;Es war einmal ein starkes Erdbeben am Kuchilal. Das Erdbeben war so stark, dass sich der gesamte Berg entzweite und aus seinen Tiefen Tr&#xE4;nen frei lie&#xDF;. Diese Tr&#xE4;nen waren rot wie Blut und ihre Tropfen blieben an den Steinen haften. Aus diesen Tropfen bildete sich sp&#xE4;ter der Lal. Einige Frauen, die unweit des Berges lebten, sahen diese blutroten Tr&#xE4;nen und beschlossen sogleich sie als Farbe zu nutzen, um ihre T&#xFC;cher zu f&#xE4;rben. Aber alle ihre Bem&#xFC;hungen waren vergebens. Aus dem Lal lie&#xDF; sich keine Farbe gewinnen. Kurze Zeit sp&#xE4;ter fielen die Edelsteine in die H&#xE4;nde von H&#xE4;ndlern, die sie an Juweliere weiterreichten. Seitdem gibt es auf der Welt den ber&#xFC;hmten Lal Badachschans.&#x201C;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2016\/11\/2016-04-20.jpg\" alt=\"\" width=\"940\" height=\"788\"\/><\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"CtIgauNX3y\"><p><a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/fact\/die-alten-griechen-bezeichneten-den-grosten-teil-zentralasiens-als-transoxanien-also-hinter-dem-oxus-nach-der-damaligen-bezeichnung-des-amudarya\/\">Der Pandsch<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe loading=\"lazy\" class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" title=\"&#x201E;Der Pandsch&#x201C; &#x2014; Novastan Deutsch\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/fact\/die-alten-griechen-bezeichneten-den-grosten-teil-zentralasiens-als-transoxanien-also-hinter-dem-oxus-nach-der-damaligen-bezeichnung-des-amudarya\/embed\/#?secret=ji0hSz0rwI#?secret=CtIgauNX3y\" data-secret=\"CtIgauNX3y\" width=\"500\" height=\"282\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<p>Der Kuchilal ist aber nicht der einzige Ort auf der Welt, an dem der edle Spinell beheimatet ist. Auch an anderen Orten in Badachschan ist er zu Hause. Ein altes Sprichwort aus der Gegend besagt: &#x201E;<em>Der Kopf der Lals ist in Jamgin &#x2013; sein Herz ist in Sumdschine &#x2013; seine Beine sind in Kuchilal.<\/em>&#x201C;<\/p>\n<p>&#x201E;Das Dach der Welt&#x201C;, wie der Pamir genannt wird, bewahrt viele Geheimnisse dieser Erde. Und wir haben das Gl&#xFC;ck, dass sie bis in unsere heutige Zeit unber&#xFC;hrt &#xFC;berliefert worden sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><strong>Mirsobek Chajrullo<\/strong><br>\n<strong>Historiker<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><strong>Aus dem Russischen &#xFC;bersetzt von Olga Zoll<\/strong><\/p>\n<p>&#xA0;<\/p>\n<p>&#xA0;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Historiker Mirsobek Chajrullo erz&#xE4;hlte der tadschikischen Internetzeitung &#x201E;Asia Plus&#x201C;, wie der erste Lal (auch: Lall oder Lalik) aus dem in Zentralasien gelegenen Hochgebirge Pamir gewonnen worden ist und welcher Aberglaube diesem nachgesagt wurde. Wir &#xFC;bersetzen den Artikel mit der freundlichen Genehmigung der Redaktion. 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