{"id":7043,"date":"2017-01-06T11:28:03","date_gmt":"2017-01-06T10:28:03","guid":{"rendered":"https:\/\/novastan.org\/de\/?p=7043"},"modified":"2020-12-20T13:32:05","modified_gmt":"2020-12-20T12:32:05","slug":"jahreswechsel-und-umbruch-in-usbekistan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/novastan.org\/de\/usbekistan\/jahreswechsel-und-umbruch-in-usbekistan\/","title":{"rendered":"Jahreswechsel und Umbruch in Usbekistan"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\"><em><strong>Dieser Jahreswechsel ist der erste des neuen usbekischen Pr&#xE4;sidenten Schawkat Mirsijojew. Seine Neujahrsw&#xFC;nsche brechen mit vielen Traditionen seines Vorg&#xE4;ngers Islom Karimow. <\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Seit der <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/usbekistan\/usbekische-praesidentschaftswahlen-mirsijojew-mit-8861-der-stimmen-gewaehlt\/\">Wahl von Schawkat Mirsijojew<\/a> kommen aus Usbekistan viele neue Ank&#xFC;ndigungen, wie eine kommende <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/usbekistan\/usbekistan-beschliest-visafreiheit-fur-touristen-aus-27-landern\/\">Visafreiheit f&#xFC;r Touristen<\/a> oder die geplante Regularisierung des doppelten Wechselkurses. Auch der &#xDC;bergang ins Jahr 2017 tr&#xE4;gt Mirsijojews Handschrift.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Kurz vor Mitternacht wandte sich Mirsijojew am Sylvesterabend <a href=\"https:\/\/www.gazeta.uz\/ru\/2017\/01\/01\/2017\/\">in einer Fersehansprache<\/a> direkt an die B&#xFC;rger des Landes, um ihnen ein frohes neues Jahr zu w&#xFC;nschen. Es war die erste Ansprache dieser Art seit der Unabh&#xE4;ngigkeit des Landes: Mirsijojews Vorg&#xE4;nger Islom Karimow lie&#xDF; seine W&#xFC;nsche immer verlesen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Mirsijojew, der das Jahr 2017 unter das Zeichen des &#x201E;immer vorrangigen menschlichen Interesses&#x201C; setzte, sprach erst auf Russisch und dann auf Usbekisch, im Hintergrund der Senat und eine undekorierte Tanne. Seine Rede wurde mit Glockengel&#xE4;ut eingeleitet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Das Symbol einer neuen &#xC4;ra &#xA0;<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das Symbol ist nicht belanglos, da Karimow die aus der Sowjetzeit geerbte Neujahrsfeier stets mied. Sylvester wird in der Region ab und zu f&#xFC;r seinen &#x201E;westlichen&#x201C; Charakter kritisiert, als fremdes Fest, unvereinbar mit den &#xF6;rtlichen Traditionen und der Religion. Andere Feste, die einen lokalaren Charakter haben, wie das persische Neujahrsfest <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/kirgistan\/nouruz-ein-zweites-neues-jahr-in-zentralasien\/\">Nouruz<\/a> im M&#xE4;rz, werden ausgiebiger gefeiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Kurz vor Neujahr lie&#xDF; der neue Pr&#xE4;sident ebenfalls <a href=\"https:\/\/www.gazeta.uz\/ru\/2016\/12\/27\/gifts\/\">Geschenke an alle Kinder in den usbekischen Waisenh&#xE4;usern<\/a> schicken. Der 2. Januar wurde per Pr&#xE4;sidentendekret <a href=\"http:\/\/uznews.uz\/category\/Social\/3427\">als Feiertag<\/a> festgelegt. Schlie&#xDF;lich war die Hauptstadt Taschkent laut der Beobachtungen vieler Einwohner noch mit so viel Licht und Tannen dekoriert, wie in diesem Jahr, wie in der <a href=\"https:\/\/www.gazeta.uz\/ru\/2016\/12\/28\/happynewyear\/\">Fotoreportage von gazeta.ru<\/a>&#xA0;zu sehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Zahlreiche Reformen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Auch auf politischer Ebene gab es viele Ank&#xFC;ndigungen in der Zeit vor dem Jahreswechsel. Nach seiner Wahl am 4. Dezember hat Mirsijojew den Tourismus als eine Priorit&#xE4;t f&#xFC;r die usbekische Wirtschaft definiert. Die Ank&#xFC;ndigung einer einseitigen Visafreiheit f&#xFC;r Touristen aus 27 L&#xE4;ndern ist ein klares Zeichen f&#xFC;r den Reformwillen in dem touristischsten Land der Region.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ende Dezember wurde zudem <a href=\"https:\/\/www.gazeta.uz\/ru\/2016\/12\/30\/tourism\/\">ein Runder Tisch organisiert<\/a>, bei dem sich Vertreter der Beh&#xF6;rden und Tourismusfachleute offen &#xFC;ber die Probleme im Tourismussektor austauschen konnten. Die in staatlich kontrollierten Medien ausgetragene Debatte lie&#xDF; keine sensiblen Themen aus: Die international kritisierte Renovation mancher historischer Denkmale wie die Stadt Shahrisabz, der der <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/usbekistan\/shahrisabz-ein-bedrohtes-erbe-in-usbekistan\/\">Verlust des Status eines UNESCO-Weltkulturerbes<\/a> droht, wurde angesprochen, genau wie die Schwierigkeiten der t&#xE4;glichen Registrierung von Touristen und der Zustand &#xF6;ffentlicher Toiletten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Eine neue regionale Dynamik<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die gr&#xF6;&#xDF;te Neuerung unter Mirsijojew, der zwischen September und Dezember bereits als Interimspr&#xE4;sident regierte, betrifft die regionalen Beziehungen Usbekistans. Vor allem das Verh&#xE4;ltnis Tadschikistan hat sich aufgew&#xE4;rmt: Es gab mehrere gegenseitige offizielle Besuche und die direkte Flugverbindung zwischen Taschkent und Duschanbe wurde wiedereingef&#xFC;hrt. Der usbekische Vizepremierminister Rustam Asimow, der auch unter Karimow eine wichtige Stellung einbehielt, <a href=\"https:\/\/www.gazeta.uz\/ru\/2016\/12\/27\/dushanbe\/\">besuchte am 27. Dezember<\/a> den tadschikischen Pr&#xE4;sidenten Emomalii Rachmon.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Auch die <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/kirgistan\/verbesserungen-im-kirgisisch-usbekischen-grenzkonflikt\/\">Beziehungen mit Kirgistan<\/a> haben sich deutlich verbessert. Seit dem Machtantritt Mirsijojews wurden mehrere &#xDC;bereinkommen unterschrieben, um die konfliktgeladene Grenzziehung zwischen den beiden L&#xE4;ndern voranzubringen. Am 24. Dezember <a href=\"http:\/\/kloop.kg\/blog\/2016\/12\/25\/rabochij-vizit-prezidenta-kyrgyzstana-v-uzbekistan-chto-izvestno\/\">besuchte der kirgisische Pr&#xE4;sident Almasbek Atambajew<\/a> als erster ausl&#xE4;ndischer Staatschef seit der Wahl Mirsijojews Usbekistan. Die zwei Staatschefs demonstrierten dabei ihre N&#xE4;he und signalisierten ihren Willen zur weiteren Kooperation.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Auch Kasachstan, der regionale Rivale Usbekistans, wurde von mehreren usbekischen Delegationen besucht. Dabei <a href=\"https:\/\/www.gazeta.uz\/ru\/2016\/12\/26\/kz\/\">signalisierte Taschkent<\/a> auch, dass es eine L&#xF6;sung f&#xFC;r das Problem der Grenzziehung zwischen den zwei gr&#xF6;&#xDF;ten L&#xE4;ndern Zentralasiens finden wolle.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Auch Turkmenistan n&#xE4;hert sich Usbekistan an &#x2013; &#xFC;ber <a href=\"https:\/\/www.gazeta.uz\/ru\/2016\/11\/26\/bridge\/\">eine Reihe neuer Br&#xFC;cken<\/a> &#xFC;ber den Amudarija, die Anfang 2017 er&#xF6;ffnet werden sollen, wie der turkmenische Pr&#xE4;sident Gurbanguly Berdimuchammedow verk&#xFC;ndete.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">W&#xE4;hrend sich unter Karimow die Nachbarschaftskonflikte Usbekistans h&#xE4;uften, hat Mirsijojew in wenigen Monaten die Karten neu gemischt. Er scheint auch als gew&#xE4;hlter Pr&#xE4;sident weiter auf Vers&#xF6;hnungskurs zu bleiben und k&#xF6;nnte so als Friedensmacher und Stabilit&#xE4;tsgarant in Zentralasien eine internationale Stellung entwickeln. Dies k&#xF6;nnte sich auch positiv auf die Beziehungen zu weltweiten M&#xE4;chten aus&#xFC;ben, die oft das Risiko einer regionale Destabilisierung hervorheben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Zugang zu internationalen Medien und &#x201E;Dialogsarmee&#x201C; <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wie <a href=\"http:\/\/www.eurasianet.org\/node\/81806\">Eurasianet.org am 30. Dezember bemerkte<\/a>, waren die Webseiten der gro&#xDF;en Nachrichtendienste zu Usbekistan, wie der usbekischsprachige Dienst der BBC, die unabh&#xE4;ngige Presseagentur Fergana.ru und der Ozodlik, der usbekische Dienst von RFE\/RL im Land, nicht mehr gesperrt. Dies gilt sogar f&#xFC;r die Webseiten gro&#xDF;er Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch und Amnesty International.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Noch &#xFC;berraschender ist, dass auch die Webseiten der Oppositionsbewegungen der Volksbewegung Usbekistans und eltuz.uz freigeschaltet wurden. Die Entwicklung wird von Eurasianet (das ebenfalls entsperrt wurde) skeptisch betrachtet, sie zeigt aber, dass das neue Regime ein anderes Gesicht zeigen will und vielleicht auch eine der am st&#xE4;rksten kontrollierten Pressen der Welt etwas befreien wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Eine Liberalisierung der Presse k&#xF6;nnte auch zu dem vom Pr&#xE4;sidenten verk&#xFC;ndeten Motto f&#xFC;r 2017 als Jahr des &#x201E;Dialogs mit dem Volk&#x201C; passen. Die offiziellen Medien betonen bereits in vielen Artikeln, wie wichtig Medien f&#xFC;r den Dialog sind, konkrete Ergebnisse werden jedoch viel Zeit beanspruchen und das Ziel wird kaum die vollst&#xE4;ndige Liberalisierung der Kritik sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In der Zwischenzeit lie&#xDF; Mirsijojew bereits w&#xE4;hrend der Wahlkampagne einen Internetdienst einstellen, &#xFC;ber den die B&#xFC;rger <a href=\"https:\/\/www.gazeta.uz\/ru\/2016\/12\/28\/decree\/\">ihre Anliegen direkt an den Pr&#xE4;sidenten schicken k&#xF6;nnen<\/a>. Nach der Wahl wurden zu dem Zweck Verwaltungsdienste in allen St&#xE4;dten des Landes er&#xF6;ffnet. Laut den Beh&#xF6;rden ist die Ma&#xDF;nahme ein Erfolg: es wurden schon mehrere hunderttausend Nachrichten empfangen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Reform und Realit&#xE4;t <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Mirsijojew sendet viele Signale an die internationale Gemeinschaft, auch rund um das Thema der Zwangsarbeit in der j&#xE4;hrlichen Baumwollernte, f&#xFC;r welche Usbekistan oft von internationalen Organisationen kritisiert wird. So lie&#xDF; er <a href=\"https:\/\/www.gazeta.uz\/ru\/2016\/12\/28\/cotton\/\">mehrere Verantwortliche daf&#xFC;r einsperren<\/a>, dass sie Leute zur Ernte n&#xF6;tigten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nach Jahren extrem strikter Einschr&#xE4;nkung der b&#xFC;rgerlichen Freiheiten bleibt der Optimismus im Hinblick auf den Reformwillen des neuen Pr&#xE4;sidenten jedoch verhalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Diese Reformen scheinen vor allem darauf abzuzielen, Mirsijojew mit einer Pr&#xE4;sidentenstatur zu versehen und ihm einen gewissen &#xF6;ffentlichen R&#xFC;ckhalt zu sichern. Manche &#xC4;nderungen, wie die <a href=\"https:\/\/www.gazeta.uz\/ru\/2016\/12\/27\/social\/\">Erh&#xF6;hung der Sozialleistungen<\/a>, kommen in der Bev&#xF6;lkerung besonders gut an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">An Karimow erinnert Mirsijojews Neubesetzung von Verwaltungsposten mit seinen Vertrauten: Er hat <a href=\"https:\/\/www.gazeta.uz\/ru\/2016\/12\/16\/bukhara\/\">beinahe alle &#x201E;Hokim&#x201C;<\/a> (regionale Gouverneure) in den Regionen und der Hauptstadt und mehrere Regierungsmitglieder ersetzt. Auch der neue Premierminister <a href=\"https:\/\/www.gazeta.uz\/ru\/2016\/12\/14\/pm\/\">Abdulo Aripow<\/a> steht Misijojew nah.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">So gibt es viele &#xC4;nderungen im Usbekistan des neuen Jahres, aber noch ist es schwer vorauszusehen, welche entscheidend sein werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><strong>Die Redaktion<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Jahreswechsel ist der erste des neuen usbekischen Pr&#xE4;sidenten Schawkat Mirsijojew. Seine Neujahrsw&#xFC;nsche brechen mit vielen Traditionen seines Vorg&#xE4;ngers Islom Karimow. Seit der Wahl von Schawkat Mirsijojew kommen aus Usbekistan viele neue Ank&#xFC;ndigungen, wie eine kommende Visafreiheit f&#xFC;r Touristen oder die geplante Regularisierung des doppelten Wechselkurses. Auch der &#xDC;bergang ins Jahr 2017 tr&#xE4;gt Mirsijojews Handschrift. 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