{"id":6473,"date":"2016-11-17T17:31:40","date_gmt":"2016-11-17T16:31:40","guid":{"rendered":"https:\/\/novastan.org\/de\/?p=6473"},"modified":"2016-11-18T09:26:36","modified_gmt":"2016-11-18T08:26:36","slug":"von-pressefreiheit-keine-spur-journalismus-in-turkmenistan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/novastan.org\/de\/turkmenistan\/von-pressefreiheit-keine-spur-journalismus-in-turkmenistan\/","title":{"rendered":"Von Pressefreiheit keine Spur &#8211; Journalismus in Turkmenistan"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\"><strong>Bevor Gurbanguly Berdymuhammedow das erste Mal zum Pr&#xE4;sidenten Turkmenistans gew&#xE4;hlt wurde, hatte er ein &#xD6;ffnung der Medienlandschaft versprochen. Zum Ende seiner zweiten Amtszeit hat sich diesbez&#xFC;glich nicht viel getan. Im Gegenteil, Repression und &#xDC;berwachung scheinen zuzunehmen.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Bereits zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit wurde Soltan Atschilowa, Aschgabat-Korrespondentin von &#x201E;Radio Azatlyk&#x201C;, dem turkmenischen Ableger von Radio Free Europe\/ Radio Liberty, von Unbekannten bel&#xE4;stigt. Die 67-J&#xE4;hrige befand sich zur medizinischen Behandlung im Sanatorium &#x201E;Artschman&#x201C; in der N&#xE4;he der Hauptstadt, als sie von zwei Frauen mit F&#xE4;usten attackiert und beschimpft wurde: &#x201E;Du bewirfst Turkmenistan mit Dreck!&#x201C; Am gleichen Abend soll bereits eine 75-j&#xE4;hrige Rentnerin in der gleichen Einrichtung mit den Worten &#x201E;das hier ist f&#xFC;r deine Fotos&#x201C; niedergeschlagen worden sein. Nach Einsch&#xE4;tzung Atschilowas muss es sich dabei um eine Verwechslung mit ihr gehandelt haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Angriffe auf Journalistin<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Der erste Vorfall ereignete sich am 25. Oktober, nachdem Atschilowa Menschen, die in einem Gesch&#xE4;ft Schlange standen, fotografiert hatte. Ein Mitarbeiter des Gesch&#xE4;ftes, der sie bemerkt hatte, stellte sie zur Rede. Daraufhin verlie&#xDF; Atschilowa das Gesch&#xE4;ft, wurde jedoch kurz darauf von selbigem Verk&#xE4;ufer in Begleitung von Polizisten aufgehalten. Sie musste ihre Personalien angeben, weigerte sich aber, mit auf die Wache zu kommen und ihnen ihre Kamera auszuh&#xE4;ndigen. Nach einiger Zeit durfte Atschilowa tats&#xE4;chlich gehen, wurde aber sogleich von drei M&#xE4;nner und einer Frau umzingelt. Angeblich sei die Frau von Atschilowa fotografiert worden. Sie solle diese Fotos sofort l&#xF6;schen. Atschilova sagte, sie werde dies zu Hause tun, woraufhin die Unbekannten begannen sie zu beschimpfen. Sie entrissen ihr die Handtasche, nahmen sich die Kamera und rannten davon. Atschilowa sagt, sie kenne die Leute nicht, sei sich aber sicher, dass es sich um Mitarbeiter des Innenministeriums oder der Polizei handle.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Der Fall erregte internationale Aufmerksamkeit. Am 7. November, einen Tag vor dem &#xDC;bergriff im Sanatorium, ver&#xF6;ffentlichte Human Rights Watch auf seiner Internetseite eine Darstellung der Vorkommnisse und einen Aufruf an die turkmenischen Beh&#xF6;rden, daf&#xFC;r Sorge zu tragen, dass Atschilowa und andere Journalisten in Ruhe ihre Arbeit verrichten k&#xF6;nnen. Es ist nicht auszuschlie&#xDF;en, dass dies den zweiten &#xDC;bergriff provoziert hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Journalismus in Turkmenistan: ein fast unm&#xF6;glicher Job<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Human Rights Watch sowie Radio Free Europe gehen davon aus, dass es sich bei den Vorkommnissen um gezielte Versuche handelt, die Journalistin einzusch&#xFC;chtern. Daf&#xFC;r spricht, dass Atschilowas Internetzugang und ihr Mobiltelefon seit dem 8. November gesperrt sind. Zudem war es nicht die erste Erfahrung mit staatlicher Repression f&#xFC;r die Journalistin, die in der Vergangenheit &#xFC;ber Trinkwasserengp&#xE4;sse, Schlangen vor Lebensmittell&#xE4;den und Probleme im Gesundheitswesen berichtete. Und Atschilowa ist nicht die einzige. 2015 zwang ein Gericht drei Journalisten, ihre Arbeit f&#xFC;r Radio Azatlyk aufzugeben. Ein weiterer wurde zu drei Jahren Gef&#xE4;ngnis verurteilt, wegen angeblichem Drogenmissbrauch &#x2013; eine beliebte Praxis um unliebsame Personen aus der &#xD6;ffentlichkeit zu entfernen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Beh&#xF6;rden versuchen mit aller Macht die Verbreitung unerw&#xFC;nschter Informationen zu unterbinden. Ausl&#xE4;ndischen Journalisten wird konsequent die Einreise verweigert und die Medien im Inland unterliegen strengster Zensur, von Radio Azatlyk abgesehen. &#xA0;Zeitungen, Radio- und Fernsehsender berichten fast ausschlie&#xDF;lich &#xFC;ber die herausragenden Taten des Pr&#xE4;sidenten und die positive Entwicklung Turkmenistans. Probleme werden nicht angesprochen, auch Nachrichten zu Geschehnissen im Ausland kommen quasi nicht vor.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Der Kampf gegen das Fernsehen, Internet und andere ausl&#xE4;ndische Presse<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wegen des h&#xF6;heren Informationsgehalts erfreuen sich daher per Satellit empfangene ausl&#xE4;ndische Fernsehsender, besonders aus Russland aber auch aus der T&#xFC;rkei, gro&#xDF;er Beliebtheit. Der Regierung sind die vielen Satellitensch&#xFC;sseln ein Dorn im Auge. Die Stadt&#xE4;sthetik diente in den letzten Jahren wiederholt als Vorwand zur massenhaften Zwangsdemontage von Satellitensch&#xFC;sseln. Wahrscheinlicher aber ist, dass es sich dabei um eine Ma&#xDF;nahme im Rahmen der Informations- und Isolationspolitik Berdymuhammedows handelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Der Kampf gegen die Satellitensch&#xFC;ssel betrifft auch die Empf&#xE4;nger von Radio Azatlyk, der einzigen turkmenischsprachigen Quelle f&#xFC;r kritische Nachrichten. Denn der Sender, der in Turkmenistan weder &#xFC;ber ein B&#xFC;ro noch &#xFC;ber akkreditierte Journalisten verf&#xFC;gt, ist neben Kurzwelle auch &#xFC;ber Satellit zu empfangen. Azatlyks Internetauftritt ist in Turkmenistan ebenso gesperrt wie Youtube, Facebook, Twitter und unz&#xE4;hlige ausl&#xE4;ndische Nachrichtenportale. Findige Nutzer behelfen sich zwar mit VPNs oder Software zur Umgehung der Sperren wie Psiphon. Generell ist Internet in Turkmenistan aber langsam, relativ teuer und noch nicht fl&#xE4;chendeckend verbreitet. Nur etwa 15 Prozent der Bev&#xF6;lkerung hatten 2015 nach Sch&#xE4;tzung der CIA Zugang zum Netz. Es ist davon auszugehen, dass die online-Kommunikation umfassend &#xFC;berwacht wird.<\/p>\n<figure id=\"attachment_6478\" aria-describedby=\"caption-attachment-6478\" style=\"width: 1366px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-6478\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2016\/11\/TM-presse-2.jpg\" alt=\"Pressefreiheit in Turkmenistan\" width=\"1366\" height=\"768\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2016\/11\/TM-presse-2.jpg 1366w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2016\/11\/TM-presse-2-300x169.jpg 300w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2016\/11\/TM-presse-2-768x432.jpg 768w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2016\/11\/TM-presse-2-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2016\/11\/TM-presse-2-1300x731.jpg 1300w\" sizes=\"auto, (max-width: 1366px) 100vw, 1366px\"\/><figcaption id=\"caption-attachment-6478\" class=\"wp-caption-text\">Pressefreiheit in Turkmenistan<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify\">Welch verheerende Folgen es haben kann, sich in sozialen Netzen kritisch zu &#xE4;u&#xDF;ern, musste unl&#xE4;ngst eine Nutzerin von odnoklassniki, dem russischen &#xC4;quivalent zu Facebook, erleben. Galina Wertyakowa, 62, hatte sich nach einer schlechten Erfahrung mit den Beh&#xF6;rden an diversen Diskussionen &#xFC;ber Ma&#xDF;nahmen der Regierung beteiligt und negative &#xC4;u&#xDF;erungen wie &#x201E;die Idiotie der Beamten&#x201C; und &#x201E;unf&#xE4;hige F&#xFC;hrung&#x201C; gepostet. Einen Monat sp&#xE4;ter wurde Wertyakowa unter einem Vorwand verhaftet und ihr Computer beschlagnahmt. Laut des Informationsportals Alternative News Turkmenistan gehen die Beh&#xF6;rden st&#xE4;rker gegen Leute vor, die im Internet eine von der offiziellen Linie abweichende Meinung vertreten, seit Pr&#xE4;sident Berdymuhammedow Anfang Oktober den Minister f&#xFC;r Staatliche Sicherheit Dovrangeldi Bayramow verwarnt hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><strong>Sophia Sotje<br>\nL&#xE4;nderredakteurin f&#xFC;r Turkmenistan<br>\n<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bevor Gurbanguly Berdymuhammedow das erste Mal zum Pr&#xE4;sidenten Turkmenistans gew&#xE4;hlt wurde, hatte er ein &#xD6;ffnung der Medienlandschaft versprochen. Zum Ende seiner zweiten Amtszeit hat sich diesbez&#xFC;glich nicht viel getan. Im Gegenteil, Repression und &#xDC;berwachung scheinen zuzunehmen. Bereits zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit wurde Soltan Atschilowa, Aschgabat-Korrespondentin von &#x201E;Radio Azatlyk&#x201C;, dem turkmenischen Ableger von Radio [&#x2026;]<\/p>\n","protected":false},"author":227,"featured_media":6474,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[7],"tags":[1385,1200],"coauthors":[1182],"class_list":["post-6473","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-turkmenistan","tag-pressefreiheit","tag-turkmenistan"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6473","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/227"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6473"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6473\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/6474"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6473"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6473"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6473"},{"taxonomy":"author","embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/coauthors?post=6473"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}