{"id":6063,"date":"2016-11-09T12:52:59","date_gmt":"2016-11-09T11:52:59","guid":{"rendered":"https:\/\/novastan.org\/de\/?p=6063"},"modified":"2020-12-20T13:39:26","modified_gmt":"2020-12-20T12:39:26","slug":"salz-panzer-und-aluminium","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/novastan.org\/de\/kasachstan\/salz-panzer-und-aluminium\/","title":{"rendered":"Salz, Panzer und Aluminium"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\"><strong>Pawlodar ist eine Stadt mit vielen Gesichtern. Beeindruckende moderne Sakralbauten, eine romantische Uferpromenade und breite Boulevards. Doch nicht nur Kircht&#xFC;rme und Minarette ragen in Pawlodar empor, auch riesige Schornsteine der Industriekomplexe, die mit ihrem Rauch den Himmel verdunkeln. Woher kam diese Stadt und wie ist sie heute? Das Portr&#xE4;t eines kasachischen Industriezentrums wurde uns mit freundlicher Genehmigung der Redaktion der&#xA0;<a href=\"http:\/\/deutsche-allgemeine-zeitung.de\/de\/content\/view\/3860\/28\/\">Deutsche Allgemeinen Zeitung (DAZ<\/a>)&#xA0;, die w&#xF6;chentlich aus Almaty berichtet, zur Verf&#xFC;gung gestellt.&#xA0;<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wie viele St&#xE4;dte Kasachstans ging auch diese aus einem befestigten Au&#xDF;enposten des Russischen Reichs hervor, der hier 1720 aufgebaut wurde. Strategisches Ziel dieser Befestigung, die unter dem Namen Korjakowski gegr&#xFC;ndet wurde, war es damals, Kontrolle &#xFC;ber die gro&#xDF;en Salzvorkommen zu erhalten, die zu dieser Zeit ein kostbares Handelsgut darstellten. Durch die Ausdehnung des Russischen Reichs in Richtung S&#xFC;den verlor der Ort im 18. Jahrhundert nach und nach an milit&#xE4;rischer Bedeutung als Vorposten, blieb jedoch als gro&#xDF;es Dorf von Kosaken besiedelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Strategisch wichtige Lage<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das imposante Hauptpostamt von Pawlodar. Die g&#xFC;nstige Lage am Fluss Irtysch sowie an verschiedenen Handelsrouten durch die Kasachische Steppe beg&#xFC;nstigte den wirtschaftliche Aufschwung der Siedlung. Sie entwickelte sich zu einem Zentrum der Salzgewinnung in der Region, aber auch der Abbau von Blei, Kupfer und Silber begann in dieser Zeit. Im Zuge dieser Entwicklung erhielt die Niederlassung 1861 den Status einer Stadt und ihren jetzigen Namen Pawlodar und wuchs bis zum Ende des Jahrhunderts auf 8.000 Einwohner an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann die Stadt weiter zu wachsen. Landwirtschaft und der gerade aufkommende Bergbau f&#xFC;hrten zu einem Aufschwung der Region. Auch die Russische Revolution hinterlie&#xDF; ihre Spuren in der Stadt. In den 1930er Jahren wurden im Sinne der kommunistischen Ideologie alle Kirchen und Moscheen Pawlodars zerst&#xF6;rt. Im gleichen Zuge wurde die Industrialisierung vorangetrieben, die bis heute eine entscheidende Rolle spielt. Mit dem Bau einer Aluminiumh&#xFC;tte, dem Beginn des Kohlebergbaus in der Umgebung, einer bedeutenden chemischen und industriellen Produktion ab Mitte der 1950er Jahre wuchs die Stadt noch einmal rapide. Die Produktion von Waffen und Panzern in den Fabriken sorgte jedoch daf&#xFC;r, dass Pawlodar bis 1992 den Status einer sogenannten &#x201E;geschlossenen Stadt&#x201D; innehatte, was es beispielsweise Ausl&#xE4;ndern verbot, die Stadt zu betreten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Klassischer Energiestandort<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Bis heute spielt die Industrie eine wichtige Rolle im Wirtschaftsleben der Region, die auch der Hauptarbeitgeber f&#xFC;r die 354.000 Einwohner der Stadt ist. Allein bei der Eurasian Natural Resources Corporation (ENRC) sind 12.000 Arbeiter mit der Herstellung von Aluminium besch&#xE4;ftigt. In der Region Pawlodar werden auch 59% der kasachischen Kohle abgebaut. Das reiche Vorkommen dieses Rohstoffes macht das Gebiet Pawlodar auch zum Energieexporteur: hier wird 23% der Kasachischen Elektrizit&#xE4;t produziert, die zum Teil auch gleich von den sehr energieintensiven Industrien verbraucht wird.<\/p>\n<figure id=\"attachment_6087\" aria-describedby=\"caption-attachment-6087\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-6087\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2016\/11\/almaty2-1.jpg\" alt=\"Die Innenstadt von Pawlodar \" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2016\/11\/almaty2-1.jpg 300w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2016\/11\/almaty2-1-128x86.jpg 128w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\"\/><figcaption id=\"caption-attachment-6087\" class=\"wp-caption-text\">Die Innenstadt von Pawlodar<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Bedeutung der Industrie im Bezirk Pawlodar wird deutlich, wenn man betrachtet, dass hier auf etwas &#xFC;ber 4% der kasachischen Bev&#xF6;lkerung fast 10% der industriellen Produktion anfallen. So sind die Erzeugnisse aus der Chemie, der Metallbearbeitung, dem Maschinenbau und dem Bergbau haupts&#xE4;chlich f&#xFC;r die Weiterverarbeitung in Kasachstan oder f&#xFC;r den Export ins Ausland bestimmt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Engagement deutscher Minderheit<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Jedoch besteht die Stadt nicht nur aus Fabriken und rauchenden Schornsteinen. Zwei Theater und f&#xFC;nf Museen sorgen f&#xFC;r kulturelle Abwechslung. Die 33 Parks der Stadt und die gut ausgebaute Uferpromenade des Flusses Irtysch bieten Orte der Erholung und Entspannung. Auf den f&#xFC;nf weitl&#xE4;ufigen Boulevards der Stadt findet das gesch&#xE4;ftliche und gesellschaftliche Leben Pawlodars statt. Im h&#xFC;bschen Backsteinviertel in Hafenn&#xE4;he im historischen Teil der Stadt warten Bars und Caf&#xE9;s auf Einheimische und Besucher, hier etabliert sich langsam aber sicher ein Nachtleben.<br>\nGerade im Wirtschaftsleben spielen die &#xFC;ber 7000 Kasachstandeutschen, die die viertgr&#xF6;&#xDF;te ethnische Volksgruppe ausmachen, eine nicht zu &#xFC;bersehende Rolle. So befinden sich in Pawlodar zwei Superm&#xE4;rkte, sechs Kaufh&#xE4;user und spezialisierte Kaufbuden der Firma Rubikom. Sie sind Teil des Unternehmens des Kasachstandeutschen Wjatscheslaw Ruf, der in Pawlodar einen Komplex aus landwirtschaftlichen und Verarbeitungsbetrieben betreibt, welche &#xFC;berregional f&#xFC;r ihre hohe Qualit&#xE4;t der Wurst&#x2013; und Fleischwaren bekannt sind. Auch in der Gastronomie und dem Hotelgewerbe sind deutsche Unternehmer aktiv. So gibt es eine Gastst&#xE4;tte mit dem klangvollen Namen &#x201E;Alpenhof&#x201D;.<br>\nSieht aus wie aus der Zarenzeit, ist aber kaum 20 Jahre alt: die Mari&#xE4; Verk&#xFC;ndigungs-Kathedrale. Der Hotelkomplex &#x201E;Sewer&#x201C; und die Gastst&#xE4;tte &#x201E;Sommercafe&#x201D; geh&#xF6;ren dem Kasachstandeutschen Wladimir Scheck. Neben der Lebensmittel&#x2013; und Agrarindustrie sind Kasachstandeutsche in vielen weiteren Industriezweigen vertreten und nehmen auch Positionen im Kultur&#x2013; und Bildungsbereich ein. Larissa Fresorger ist Vizepr&#xE4;sidentin f&#xFC;r Finanzen und Entwicklung an der privaten Innovativen Eurasischen Universit&#xE4;t in Pawlodar. Alle der oben aufgef&#xFC;hrten UnternehmerInnen engagieren sich zudem aktiv in der Vereinigung der Kasachstandeutschen &#x201E;Wiedergurt&#x201D; in Pawlodar bzw. sind im Vorstand unter dem Vorsitz von Wjatscheslaw Ruf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Mari&#xE4;-Verk&#xFC;ndigungs-Kathedrale<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Idyllisch &#xFC;berragt diese orthodoxe Kathedrale den Fluss Irtysch: das Hauptkreuz thront golden auf 51 Metern. Der Bau wurde 1999 nach sieben Jahren Bauzeit eingeweiht. Wie ihre Vorbilder, die Kirchen des Moskauer Kreml, stammen auch die Glocken aus der russischen Hauptstadt: &#xFC;ber eine Tonne wiegt die schwerste. Das Kuppeldach der Kirche aus galvanisiertem Stahl ist eine Spezialanfertigung aus Nowosibirsk.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>M&#xE4;schh&#xFC;r-Sch&#xFC;ssip-Moschee<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Due Kuppel ist einer Jurte nachempfunden, die Minarette sind im arabischen Stil gehalten. Zentral gelegen &#xFC;berragt dieses moderne Geb&#xE4;ude mit seinen 63 Meter hohen Minaretten und der 54 Meter hohen Kuppel die Umgebung. In dem 2001 er&#xF6;ffneten Komplex befindet sich unter anderem ein Kulturzentrum, eine B&#xFC;cherei, ein Kino, ein Museum und ein Schule. Den gro&#xDF;en Gebetsraum, in dem 1.500 Gl&#xE4;ubige Platz finden, erleuchtet ein gewaltiger Kronleuchter mit 434 Lampen, der in Taschkent gefertigt wurde.<\/p>\n<figure id=\"attachment_6085\" aria-describedby=\"caption-attachment-6085\" style=\"width: 6000px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-6085\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2016\/11\/Moschee-min.jpg\" alt=\"Die Moschee in Pawlodar\" width=\"6000\" height=\"4000\"\/><figcaption id=\"caption-attachment-6085\" class=\"wp-caption-text\">Die Maschh&#xFC;r-Sch&#xFC;ssip-Moschee in Pawlodar<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Aluminiumwerk<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Trotz blauem Himmel wird es pl&#xF6;tzlich dunkel. Das Aluminiumwerk am Rande der Stadt ist eine ungew&#xF6;hnliche Attraktion in Pawlodar. Die Anlage beeindruckt durch ihre gigantischen Ausma&#xDF;e, durch ihre Schornsteine und K&#xFC;hlt&#xFC;rme. Hier werden 1.4 Millionen Tonnen Aluminiumoxid aufbereitet und daraus 250.000 Tonnen hochwertiges Aluminium gewonnen, haupts&#xE4;chlich zum Export ins Ausland.<\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><em><strong>Till Eichenauer<\/strong><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pawlodar ist eine Stadt mit vielen Gesichtern. Beeindruckende moderne Sakralbauten, eine romantische Uferpromenade und breite Boulevards. Doch nicht nur Kircht&#xFC;rme und Minarette ragen in Pawlodar empor, auch riesige Schornsteine der Industriekomplexe, die mit ihrem Rauch den Himmel verdunkeln. Woher kam diese Stadt und wie ist sie heute? Das Portr&#xE4;t eines kasachischen Industriezentrums wurde uns mit [&#x2026;]<\/p>\n","protected":false},"author":216,"featured_media":6084,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[1404,1117,693,4033],"coauthors":[1147],"class_list":["post-6063","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kasachstan","tag-deutsche-minderheit","tag-gesellschaft","tag-kasachstan","tag-pavlodar"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6063","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/216"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6063"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6063\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/6084"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6063"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6063"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6063"},{"taxonomy":"author","embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/coauthors?post=6063"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}