{"id":5950,"date":"2016-10-20T04:00:22","date_gmt":"2016-10-20T02:00:22","guid":{"rendered":"https:\/\/novastan.org\/de\/?p=5950"},"modified":"2016-10-20T04:23:42","modified_gmt":"2016-10-20T02:23:42","slug":"verbesserungen-im-kirgisisch-usbekischen-grenzkonflikt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/novastan.org\/de\/kirgistan\/verbesserungen-im-kirgisisch-usbekischen-grenzkonflikt\/","title":{"rendered":"Verbesserungen im kirgisisch-usbekischen Grenzkonflikt?"},"content":{"rendered":"<p class=\"western\" style=\"text-align: justify\" align=\"justify\"><strong><em>Nach einem angespannten Jahresanfang an der kirgisisch-usbekischen Grenze gibt es Signale einer Ver&#xE4;nderung der Grenzlage in Richtung Normalisierung. Der k&#xFC;rzliche Besuch einer kirgisischen Delegation im usbekischen Ferganatal und die schrittweise &#xD6;ffnung der usbekischen Grenze f&#xFC;r kirgisische B&#xFC;rger scheinen den Beginn einer bilateralen Zusammenarbeit zu markieren<\/em>.<\/strong><\/p>\n<p class=\"western\" style=\"text-align: justify\">Am 12. Oktober berichtete die kirgisische Nachrichtenseite Zanoza.kg &#xFC;ber die Geschichte des <a href=\"http:\/\/zanoza.kg\/doc\/345736_yzbekskie_pogranichniki_pomogli_zabolevshemy_kyrgyzskomy_kollege.html\">kirgisischen Soldaten Kidikow Mirlanbek<\/a>, der an der Grenze mit Usbekistan arbeitete. Als er am 10. Oktober krank wurde, baten seine Kameraden die usbekischen Grenzkontrolleure um Hilfe. Der 17-j&#xE4;hrige Soldat wurde von seinen usbekischen Kollegen zu einem medizinischen Institut in der Region Taschkent &#xFC;berf&#xFC;hrt.<\/p>\n<p class=\"western\" style=\"text-align: justify\">Dieses Zeichen von gegenseitiger Hilfe zwischen Kirgisen und Usbeken ist umso lobenswerter, als es &#xE4;u&#xDF;erst &#xFC;berraschend ist. Die Beziehungen zwischen Usbekistan und Kirgistan sind seit einem Jahrzehnt sehr schlecht, vor allem in Bezug auf ihre gemeinsame Grenze, ein dauerndes Reizthema zwischen den beiden L&#xE4;ndern.<\/p>\n<p class=\"western\" style=\"text-align: justify\"><b>Die Grenze, ein sensibles Thema<\/b><\/p>\n<p class=\"western\" style=\"text-align: justify\">Die Grenze zwischen Kirgistan und Usbekistan ist, wie alle zentralasiatischen Grenzen, ein sowjetisches Erbe, und wurde eher nach verwaltungsrechtlicher als nach ethnischen oder wirtschaftlichen Erw&#xE4;gungen gezogen. Diese Teilung hat mehrere Fragen in der Schwebe gerlassen, die auf den Beziehungen zwischen den beiden L&#xE4;ndern lasten. Das gilt vor allem f&#xFC;r die Frage des interethnischen Zusammenlebens: das Ferganatal, geteilt zwischen Kirgistan, Usbekistan und Tadschikistan, ist eine sehr vielf&#xE4;ltige und gemischte Region.<\/p>\n<p class=\"western\" style=\"text-align: justify\">Die kirgisischen Grenzst&#xE4;dte Osch und Dschalalabat weisen eine sehr gro&#xDF;e usbekische Minderheit vor. Eine Situation, die auch als Grundlage f&#xFC;r die <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/2010_South_Kyrgyzstan_ethnic_clashes\">interethnischen Massaker von 2010<\/a> diente, als die Spannungen zwischen den kirgisischen und usbekischen Gemeinschaften eskalierten. Circa 2000 Menschen kamen dabei ums Leben. Nach diesen Ereignissen schloss Usbekistan seine Grenze fast komplett f&#xFC;r alle kirgisischen B&#xFC;rger.<\/p>\n<p class=\"western\" style=\"text-align: justify\">Das Orto-Tokoj Wasserreservoir ist ein weiteres Streitthema. Dieser Bau aus Sowjetzeiten befindet sich auf kirgisischem Territorium, dient aber vor allem zur Regulierung&#xA0; der Wasserzufl&#xFC;sse ins stromabw&#xE4;rtz gelegene Usbekistan. Seit der Unabh&#xE4;ngigkeit fordert die usbekische Seite die Kontrolle &#xFC;ber dieses strategisch wichtige Reservoir. Sie argumentiert, dass vor allem Gelder der usbekischen Sowjetrepublik zur Finanzierung des Projektes beigretragen haben. Beide Seiten einigten sich schlie&#xDF;lich darauf, dass das Reservoir kirgisisch bleibt, aber von usbekischen Fachkr&#xE4;ften betrieben wird.<\/p>\n<p class=\"Corps\">Doch im M&#xE4;rz diesen Jahres entsandten beide L&#xE4;nder acht Tage lang milit&#xE4;rische Ausr&#xFC;stung an die Grenze, nachdem die kirgisischen Beh&#xF6;rden usbekischen Experten den Zugang zu Orto-Tokoj nicht erlaubten.<\/p>\n<p class=\"western\" style=\"text-align: justify\">Im August setzte das usbekische Milit&#xE4;r sieben Hubschrauber auf dem umstrittenen Berg Ungar-Too ein, um gegen die Verhaftung von usbekischen Polizisten, die die Grenze ohne Erlaubnis &#xFC;berschritten hatten, zu protestieren. Die Gefangenen wurden sofort freigelassen, aber die Usbeken blieben einen Monat vor Ort, um die Abschaffung der Grenzkontrollstelle vom Orto-Tokoj Reservoir zu erzwingen. Im September wurde die Zahl der Polizisten sogar von sieben auf zwanzig erh&#xF6;ht. Nach langen Verhandlungen haben sie den Ungar-Too Berg schlie&#xDF;lich <a href=\"http:\/\/kloop.kg\/blog\/2016\/09\/19\/uzbekistan-otozval-silovikov-s-gory-ungar-too\/\">am 18. September verlassen.<\/a><\/p>\n<p class=\"western\" style=\"text-align: justify\"><b>Die erste offizielle Delegation in drei Jahren<\/b><\/p>\n<p class=\"western\" style=\"text-align: justify\">Eine Aufheizung der Beziehungen zwischen den beiden L&#xE4;ndern ist seit einigen Wochen sehr sichtbar. Am ersten Oktober <a href=\"http:\/\/kloop.kg\/blog\/2016\/10\/04\/vstrecha-v-andizhane-kak-kyrgyzstan-i-uzbekistan-pytayutsya-podruzhitsya\/\">besuchte eine kirgisische Delegation<\/a> auf Einladung der &#xF6;rtlichen Beh&#xF6;rden die Stadt Andischan im usbekischen Ferganatal. Die Delegation bestand aus&#xA0;130 Personen, darunter Vertreter der Regionen Osch, Batken und Dschalalabat und des Au&#xDF;enministeriums. Sie wurden vom usbekischen Vize-Premierminister Adham Ikramow und dem Gouverneur der Andischan Region, Schuchratbek Abdurachmanow, empfangen.<\/p>\n<p class=\"western\" style=\"text-align: justify\">Im Anschluss berichtete der Gouverneur von Andischan dem kirgisischen Dienst von RFE\/RL, dass er hoffe, &#x201E;<em>dass dieser Tag der Beginn der St&#xE4;rkung der Beziehungen zwischen Kirgistan und Usbekistan sein werde.<\/em>&#x201C; Im Vergleich zu den Spannungen im Sommers ist dies ein sehr positives Zeichen. Diese Art von internationalen Treffen hatte es in der Region seit April 2013 nicht mehr gegeben.<\/p>\n<p class=\"western\" style=\"text-align: justify\">Der Besuch war nicht nur symbolisch. Am 3. Oktober wurde ein Memorandum &#xFC;ber die grenz&#xFC;berschreitende Zusammenarbeit unterzeichne. Dieser Text sieht eine verst&#xE4;rkte Zusammenarbeit zwischen den kirgisischen Regionen Osch, Batken und Dschalalabat und ihren usbekischen Pendants Andischan, Fergana und Namangan vor. Ein Besuch von usbekischen Delegierten nach Kirgistan ist am 26. Oktober vorgesehen.<\/p>\n<p class=\"western\" style=\"text-align: justify\"><b>Eine weitere Grenz&#xF6;ffnung?<\/b><\/p>\n<p class=\"western\" style=\"text-align: justify\">Die Auswirkungen der Vereinbarung auf die Bev&#xF6;lkerung haben nicht auf sich warten lassen. Der Grenz&#xFC;berschritt wurde bereits erleichtert. F&#xFC;r viele Jahre konnten Kirgisen ihre Verwandten in Usbekistan nur besuchen, wenn eine Beerdigung anstand. Von nun an sind auch<a href=\"http:\/\/rus.azattyk.org\/a\/28050107.html\"> Hochzeiten und Ferien Grund genug<\/a>, nach Usbekistan reisen zu d&#xFC;rfen.<\/p>\n<p class=\"western\" style=\"text-align: justify\">Der kirgisische Dienst von RFE\/RL, Azattyk.org berichtete,&#xA0;dass zum ersten Mal seit langer Zeit eine lange Schlange am Grenz&#xFC;bergang zu beobachten war. Vor der Unterzeichnung des Memorandums &#xFC;berquerten t&#xE4;glich 300 Personen die Grenze. Diese Zahl hat sich nun auf &#xFC;ber 1000 verdreifacht.<\/p>\n<p class=\"western\" style=\"text-align: justify\">Die Grenzen sind trotzdem nicht f&#xFC;r alle weit ge&#xF6;ffnet. Kirgisen ben&#xF6;tigen offizielle Einladungsschreiben, um nach Usbekistan zu reisen. Auch kirgisische LKW-Fahrer haben Probleme an der Grenze. Sie m&#xFC;ssen oft lange warten, was dazu f&#xFC;hrt, dass ihre russischen oder kasachischen Kollegen damit beauftragen m&#xFC;ssen, sie und ihre Waren &#xFC;ber die Grenze zu bringen.&#xA0;&#x201E;<em>Als Ausl&#xE4;nder kann man nicht entspannt nach Usbekistan fahren. Wir m&#xFC;ssen einen Fahrer mieten, dem wir 200 Dollar f&#xFC;r seine Verpflegung zahlen m&#xFC;ssen. Die Grenze ist teuer f&#xFC;r uns!<\/em>&#x201E;, zitiert <a href=\"http:\/\/rus.azattyk.org\/a\/28050107.html\">Azattyk.org<\/a>&#xA0;den Fernfahrer Islam Husseinow.<\/p>\n<p class=\"western\" style=\"text-align: justify\"><b>Neuanfang der Beziehungen zwischen Taschkent und Bischkek?<\/b><\/p>\n<p class=\"western\" style=\"text-align: justify\">Diese Entwicklungen sollten in den weiteren Kontext des politischen &#xDC;bergangs gesetzt werden, in dem sich Usbekistan <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/usbekistan\/usbekistans-prsident-islam-karimow-ist-tot\/\">seit Anfang September befindet<\/a>. Der provisorische Pr&#xE4;sident&#xA0;Schawkat Mirsijojew,&#xA0;der als der wahrscheinliche Sieger der Pr&#xE4;sidentschaftswahlen am 4. Dezember gilt, will sich anscheinend politisch etablieren, um seine Position zu festigen. Diese Haltung k&#xF6;nnte auch die Au&#xDF;enpolitik seines Landes beeinflussen und die Beziehungen zu den Nachbarl&#xE4;ndern, einschlie&#xDF;lich Kirgistans,&#xA0;grunds&#xE4;tzlich ver&#xE4;ndern.<\/p>\n<p class=\"western\" style=\"text-align: justify\"><b>Lest auch bei Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/usbekistan\/quelle-sera-la-premiere-visite-officielle-du-prochain-president-ouzbek\/\">Wohin f&#xFC;hrt der erste Staatsbesuch des n&#xE4;chsten usbekischen Pr&#xE4;sidenten?<\/a><\/b><\/p>\n<p class=\"western\" style=\"text-align: justify\">In einem Artikel f&#xFC;r die russischen Informationswebseite Sputnik.kg zeigt sich der Experte Esen Shyshkarew sehr optimistisch. Er ist der Meinung, <a href=\"http:\/\/ru.sputnik.kg\/opinion\/20161004\/1029538673\/o-perspektivah-kyrgyzsko-uzbekskih-otnoshenij-rasskazal-kolumnist-ehsen-shishkaraev.html\">dass die Beziehungen zwischen den beiden L&#xE4;ndern sich nur verbessern k&#xF6;nnen<\/a>. F&#xFC;r ihn ist die Neigung der neuen F&#xFC;hrung, den regionalen Beh&#xF6;rden zu erlauben, Memoranden f&#xFC;r eine Zusammenarbeit mit den Nachbarn zu unterzeichnen, &#x201E;beispiellos&#x201C;.<\/p>\n<p class=\"western\" style=\"text-align: justify\">Laut Azzatyk k&#xF6;nnte die Einsetzung einer Gruppe von usbekischen Offizieren in der <a href=\"http:\/\/rus.azattyk.org\/a\/28050188.html\">Andischan Region <\/a>ein Vorbote einer vollst&#xE4;ndigen &#xD6;ffnung der Grenze nach der usbekischen Pr&#xE4;sidentschaftswahlen im Dezember sein. Die Gruppe, auf der Suche nach Anzeichen extremistischer Aktivit&#xE4;ten, politischer Opposition und Anzeichen f&#xFC;r l&#xE4;ngere Aufenthalte im Ausland, w&#xE4;re ein Signal, dass die Beh&#xF6;rden vor dieser heiklen Operation ihre Kontrolle &#xFC;ber die Region konsolidieren m&#xF6;chten.<\/p>\n<p class=\"western\" style=\"text-align: justify\">Doch f&#xFC;r Medet Tulegenow, kirgisischer Politologe, der von<a href=\"http:\/\/kloop.kg\/blog\/2016\/10\/04\/vstrecha-v-andizhane-kak-kyrgyzstan-i-uzbekistan-pytayutsya-podruzhitsya\/\"> Kloop.kg <\/a>zitiert wurde, ist es noch zu fr&#xFC;h, um &#xFC;ber eine Normalisierung der Beziehungen zu sprechen. Usbekistan habe sich seit den 1990er Jahren politisch und wirtschaftlich isoliert. Der Interimpr&#xE4;sident wurde in dieser politischen Kultur gepr&#xE4;gt. Es ist sehr ungewiss, ob er das System radikal ver&#xE4;ndern kann oder will.<\/p>\n<p class=\"western\" align=\"right\"><i><b>Die Redaktion von Novastan.org<br>\n<\/b><\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach einem angespannten Jahresanfang an der kirgisisch-usbekischen Grenze gibt es Signale einer Ver&#xE4;nderung der Grenzlage in Richtung Normalisierung. Der k&#xFC;rzliche Besuch einer kirgisischen Delegation im usbekischen Ferganatal und die schrittweise &#xD6;ffnung der usbekischen Grenze f&#xFC;r kirgisische B&#xFC;rger scheinen den Beginn einer bilateralen Zusammenarbeit zu markieren. Am 12. Oktober berichtete die kirgisische Nachrichtenseite Zanoza.kg &#xFC;ber die [&#x2026;]<\/p>\n","protected":false},"author":216,"featured_media":5951,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[3,5],"tags":[1319,1260,690,1520,689,1289],"coauthors":[1147],"class_list":["post-5950","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kirgistan","category-usbekistan","tag-grenze","tag-internationale-beziehungen","tag-kirgistan","tag-konflikt","tag-politik","tag-usbekistan"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5950","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/216"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5950"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5950\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5951"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5950"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5950"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5950"},{"taxonomy":"author","embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/coauthors?post=5950"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}