{"id":579,"date":"2016-07-15T12:00:00","date_gmt":"2016-07-15T10:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/novastan.org\/de\/?p=579"},"modified":"2016-10-06T18:59:27","modified_gmt":"2016-10-06T16:59:27","slug":"historischer-besuch-merkel-in-kirgistan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/novastan.org\/de\/kirgistan\/historischer-besuch-merkel-in-kirgistan\/","title":{"rendered":"Historischer Besuch: Merkel in Kirgistan"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\"><strong>Als erstes deutsches Regierungsoberhaupt besuchte Kanzlerin Angela Merkel die einzige Demokratie in Zentralasien. Die Hauptstadt Kirgistans ist mit riesigen Merkel-Plakaten verziert. Ihre Ankunft wird wie die eines Popstars gefeiert. Was tat die deutsche Kanzlerin in Kirgistan und vor allem: warum?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\n<\/p><p style=\"text-align: justify\"><strong>Das Programm: Zwischen milit&#xE4;rischen Ehren und Milchproduktanalyse<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Am Mittwoch Abend traf die deutsche Kanzlerin Angela Merkel am Flughafen in Bischkek ein. Dort wurde sie mit milit&#xE4;rischen Ehren und der Verkostung kirgisischer Spezialit&#xE4;ten von Pr&#xE4;sident Almasbek Atambaev begr&#xFC;&#xDF;t.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Am Donnerstag traf sie neben dem Parlamentspr&#xE4;sidenten Kirgistans Chynybai Tursunbekow auch Vertreter der kirgisischen Zivilgesellschaft. Auch ein Bildungsprojekt der Gesellschaft f&#xFC;r Internationale Zusammenarbeit (GIZ), das die berufliche Bildung in Zentralasien mit deutscher Hilfe unterst&#xFC;tzt, w&#xFC;rdigte Merkel mit einem Besuch. Nachdem die promovierte Physikerin mit Studenten am Lehrstuhl f&#xFC;r Lebensmitteltechnologie der Technischen Universit&#xE4;t Bischkek sprach und das dortige Labor f&#xFC;r Mikrobiologie und Milchproduktanalyse begutachtete, fand die Kurzvisite einen touristischen Abschluss im Ala-Artscha Nationalpark.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><img decoding=\"async\" style=\"height: 398px;width: 600px\" src=\"\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/old\/img\/1216\/22888.jpeg\" alt=\"Merkel Atambajew Ala-Artscha\"\/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Grund der Reise: Wertsch&#xE4;tzung f&#xFC;r den eingeschlagenen Weg?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nach den Besuchen Atambajews in Berlin 2012 und 2015 revanchierte sich die Kanzlerin nun und legte einen Zwischenstopp auf dem Weg zum ASEM-Gipfel in der Mongolei ein. Warum eigentlich?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Kirgistan ist nur Handelspartner 146 von rund 200 L&#xE4;ndern weltweit. Es gebe laut Ausw&#xE4;rtigem Amt kaum deutsche Investitionen. Eine Verbesserung sei nicht in Sicht. F&#xFC;r Deutschland ist die einzige zentralasiatische Demokratie also wirtschaftlich nahezu bedeutungslos.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Der erste Staatsbesuch eines deutschen Kanzlers in Kirgistan soll, so teilt das Kanzleramt mit, die Wertsch&#xE4;tzung der Regierung f&#xFC;r die demokratische Stabilit&#xE4;t Kirgistans ausdr&#xFC;cken. Die Region habe gro&#xDF;es Potenzial. &#x201E;Wir haben gro&#xDF;en Respekt vor dem eigenst&#xE4;ndigen Weg, den Kirgistan seit 2010 (der Wahl Atambajews, Anm. d. Red.) geht&#x201C;, teilte Merkel mit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Auch wichtig: Deutschland und Kirgistan sind historisch verflochten<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Auch die historischen Verflechtungen beider L&#xE4;nder werden betont. Doch die einst 100.000 Menschen gro&#xDF;e deutsche Minderheit in Kirgistan ist, nachdem die Bundesregierung die Einb&#xFC;rgerung nach Deutschland erlaubte, rapide geschrumpft und spielt heute kaum mehr eine Rolle.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Noch rund 8.000 Deutschst&#xE4;mmige leben vor allem in den St&#xE4;dten und einigen D&#xF6;rfern wie Rotfront oder Kant, die ihre deutschen Namen noch tragen. Aber die Deutschen sind auch dort zu Minderheiten geworden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Der Sprecher der deutschen Minderheit in Kirgistan und ehemalige Vizepremier des Landes Valeri Dill, beklagte im Gespr&#xE4;ch mit Novastan: &#x201E;Das kulturelle Erbe der deutschen Minderheit ist gef&#xE4;hrdet. Vor allem junge Familien ziehen nach Deutschland und kaum einer spricht mehr deutsch.&#x201C;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Entscheidend?: Ann&#xE4;herung zwischen der EU und Russland<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Doch bei den Gespr&#xE4;chen zwischen Merkel und Atambajew ging es insbesondere um die Beziehungen zwischen der Eurasischen und der Europ&#xE4;ischen Union. Der kirgisische Pr&#xE4;sident sprach sich nochmals f&#xFC;r eine Wirtschaftsunion von Lissabon bis Wladiwostok aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Atambajew rief die EU und Russland dazu auf, die Differenzen um die Ukraine zu kl&#xE4;ren, damit die Sanktionen gegen die Russische F&#xF6;deration aufgel&#xF6;st werden k&#xF6;nnten. Merkel wiegelte zun&#xE4;chst ab: &#x201E;Da haben wir noch ein St&#xFC;ck Arbeit vor uns, aber ich bef&#xFC;rworte das im Grundsatz.&#x201C; Doch sie betonte auch:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">&#x201E;Wenn alle guten Willens sind, dann k&#xF6;nnen wir es schaffen, und dann werden wir uns auf andere Themen wieder konzentrieren k&#xF6;nnen.&#x201C;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">So war der Zwischenstopp in Kirgistan wohl auch ein Instrument, um die vorsichtigen Ann&#xE4;herungen zwischen dem Westen und Russland zu unterst&#xFC;tzen. Erst am Mittwoch tagte der Nato-Russland-Rat &#x2013; zum ersten Mal seit April wieder auf Botschafterebene. Laut Au&#xDF;enminister Steinmeier verlief dieser konstruktiv und beiderseitiges Interesse an einem fortlaufenden Dialog wurde bekundet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Disharmonien beim Thema Menschenrechte?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Auch disharmonische Kl&#xE4;nge begleiteten den historischen Besuch. Hoffnungen auf ein Pl&#xE4;doyer Merkels zur Einhaltung der Menschenrechte in der zentralasiatischen Republik kam die Kanzlerin nach. Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch (HRW), Amnesty International und Reporters Without Borders kritisieren Kirgistan insbesondere scharf f&#xFC;r die Inhaftierung eines usbekischst&#xE4;mmigen Journalisten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Merkel, so Hugh Williamson, Vorsitzender bei HRW f&#xFC;r die Abteilung Europa und Zentralasien forderte Merkel auf, das Gespr&#xE4;ch mit Atambajew zu nutzen, um kirgisische Menschenrechtsverst&#xF6;&#xDF;e anzusprechen. Sie solle sich um die Befreiung des seit 6 Jahren inhaftierten Journalisten Azimzhan Askarov bem&#xFC;hen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Bereits am 21. April forderte das UN-Menschenrechtskomitee die kirgisischen Beh&#xF6;rden auf, Askarov aus der Haft zu entlassen. Es sah als bewiesen an, dass Askarov in einem Scheinprozess verurteilt, zu Unrecht in Haft gesetzt und gefoltert wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Merkel sprach das heikle Thema zum Ende des Besuches im Ala-Artscha-Nationalpark an. Atambajew versprach, dass der Prozess offen sei und wieder aufgerollt w&#xFC;rde. Internationale Experten sind eingeladen, den Prozessverlauf zu beobachten.<\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><strong>Gregor Bauer<br>\nChefredakteur<\/strong><\/p>\n<p><!--End mc_embed_signup--><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als erstes deutsches Regierungsoberhaupt besuchte Kanzlerin Angela Merkel Kirgistan. 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