{"id":5477,"date":"2016-10-17T04:02:19","date_gmt":"2016-10-17T02:02:19","guid":{"rendered":"https:\/\/novastan.org\/de\/?p=5477"},"modified":"2023-08-20T16:36:36","modified_gmt":"2023-08-20T14:36:36","slug":"der-usbekische-stress-test","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/novastan.org\/de\/usbekistan\/der-usbekische-stress-test\/","title":{"rendered":"Der usbekische Stress-Test"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\"><strong><em>Danijar Kosnasarow ist Mitgr&#xFC;nder des kasachischen Zentrums f&#xFC;r China- und Zentralasienstudien &#x201E;Synopsis&#x201C;. W&#xE4;hrend in Usbekistan nach dem Tod des ersten Pr&#xE4;sidenten Islam Karimow Anfang September vor einer neuen politische &#xC4;ra steht, bietet er uns in seinem Kommentar eine kasachische Perspektive auf den s&#xFC;dlichen Nachbar. <\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Alle zentralasiatischen Staaten m&#xF6;chten gute Beziehungen zu Usbekistan. Die Nachbarl&#xE4;nder wollen die nach dem Tod des ersten usbekischen Pr&#xE4;sidenten Islam Karimow einmalig eingetretene Gelegenheit nutzen, die Beziehungen auf Null zu setzen oder zumindest unerwartete Wendungen vermeiden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">F&#xFC;r Tadschikistan bietet sich zum Beispiel erstmals die M&#xF6;glichkeit, einige schmerzhaften Probleme in den Beziehungen mit Usbekistan neu zu behandeln. F&#xFC;r andere L&#xE4;nder, wie Russland und China, geht es weniger um einen Neustart, als um die Garantie, dass die Partnerschaft zu Usbekistan wie zuvor weitergef&#xFC;hrt werden kann. Wobei sie langfristig wohl auch nichts gegen eine Orientierung des neuen Pr&#xE4;sidenten in ihre Richtung einzuwenden h&#xE4;tten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Die Weiterf&#xFC;hrung einer &#x201E;karimowschen&#x201C; Au&#xDF;enpolitik<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Es ist nicht zu erwarten, dass Usbekistan bald der Organisations des Vertrags &#xFC;ber kollektive Sicherheit (OVKS) beitreten wird oder sein Veto gegen den Aufbau einer freien Wirtschaftszone der Shanghaier Organisation f&#xFC;r Zusammenarbeit (SOZ) zur&#xFC;ckziehen wird (was jeweils eine Orientierung gen Russland oder China bedeuten w&#xFC;rde, Anm. d. Red.). Wahrscheinlich w&#xE4;re eine klare Orientierung Usbekistans nach Moskau oder Peking zuerst nicht im Interesse der zwei Gro&#xDF;m&#xE4;chte, da es die Beziehungen zwischen ihnen Gef&#xE4;rden k&#xF6;nnte. Eine Au&#xDF;enpolitik im &#x201E;karimowschen&#x201C; Stil w&#xE4;re kurz- und mittelfristig wohl am wichtigsten f&#xFC;r Russland und China.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In der Region hat man sich bereits sehr an das au&#xDF;enpolitische Verhalten von Usbekistan angepasst. Ein pl&#xF6;tzlicher Kurswechsel w&#xFC;rde niemandem in die Karten spielen. Die letzten Reden usbekischer Politiker zeigen, dass das Land im Prinzip bereit ist, weiter die Rolle eines von allen distanzierten Partners zu spielen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Kasachstan auf Tuchf&#xFC;hlung mit Usbekistan<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Kasachstan hat bereits zur F&#xF6;rderung der Partnerschaft eine Wirtschaftsdelegation nach Taschkent geschickt. Die Wirtschaftsinteressen k&#xF6;nnen nicht warten, bis das usbekische Volk einen neuen Pr&#xE4;sidenten gew&#xE4;hlt hat, da f&#xFC;r die Nachbarn die Verbesserung der Wirtschafts- und Handelsbeziehungen eine hohe Priorit&#xE4;t einnehmen. Das spricht daf&#xFC;r, dass sich die usbekisch-kasachischen Beziehungen unabh&#xE4;ngig von der Konjunktur auf dem alten Sockel entwickeln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Andererseits m&#xF6;chte Astana auch die Gelegenheit des Machtwechsels nutzen. Der neue Pr&#xE4;sident wird die Unterst&#xFC;tzung und Legitimierung anderer L&#xE4;nder suchen und k&#xF6;nnte sich erst mal kompromissbereiter zeigen. Indem sie zeigen, dass man an der Beziehung arbeiten muss, scheinen beide L&#xE4;nder dabei eine gewohnte Beziehungsebene zu suchen. Astana zeigt sich sicher, dass keine Schocks zu erwarten sind und dass die nachbarlichen Beziehungen wie zuvor weitergef&#xFC;hrt werden k&#xF6;nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das bedeutet am ehesten, dass ein Konsens innerhalb der usbekischen Elite gefunden wurde und dass den internationalen Partnern gewisse Garantien gegeben wurden, dass es keinen Grund zur Beunruhigung gibt. Durch seine fr&#xFC;hen Besuche zeigt Astana, dass es keine Unterbrechung in den Beziehungen gibt und es nicht auf eine Kl&#xE4;rung der Machtfrage in Taschkent wartet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Die Kontinuit&#xE4;t zuerst<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Demnach ist der erste Stress-Test bestanden. Es ist wahrscheinlich, dass die Beziehungen Usbekistans zu seinen Nachbarstaaten auch nach den Wahlen wie zuvor weitergef&#xFC;hrt werden. Das w&#xFC;nschen auch Taschkents Partner. Weder Russland, noch China, noch die zentralasiatischen Staaten sind an einer innenpolitischen Instabilit&#xE4;t in einem der L&#xE4;nder der Region interessiert. Es ist wichtig, dass von Usbekistan so wenig Risiken, wie m&#xF6;glich ausgehen. Auch die weitere Beteiligung Usbekistans an der Terrorismusbek&#xE4;mpfung und der Verhinderung anderer destruktiver Tendenzen, die zum Teil aus Afghanistan kommen, ist wichtig f&#xFC;r die Region.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die regionalen Partner Usbekistans w&#xFC;rden eine destabilisierung des Landes durch intraelit&#xE4;re Konflikte kaum erlauben. Das politische Establishment in Taschkent ist relativ erfahren und kennt die &#x201E;roten Linien&#x201C;, die nicht &#xFC;berschritten werden sollten. Wahrscheinlich wird ein neues Gleichgewicht in der usbekischen Politik in den kommenden Jahren bestimmte &#xC4;nderungen mit sich bringen. bis dahin wird Usbekistan seine internationalen Pflichten weiter erf&#xFC;llen und die gemeinsamen Bedrohungen bek&#xE4;mpfen. Starke Kritik oder Feindschaft der regionalen M&#xE4;chte ist nicht zu erwarten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Stattdessen werden von dem neuen Pr&#xE4;sidenten Usbekistans auch interessante und frische Ans&#xE4;tze erwartet, um regionale Probleme zu behandeln, insbesondere Streitigkeiten um Wasser, Grenzen und den regionalen Transport.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\"><strong><em>Eine russische Version des Artikels ist auf dem kasachischen Internetportal <\/em><\/strong><a href=\"https:\/\/vlast.kz\/politika\/19426-uzbekskij-stress-test.html\"><strong><em>vlast.kz zu lesen.<\/em><\/strong><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><strong>Danijar Kosnasarow<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><strong>&#xA0;Aus dem russischen &#xFC;bersetzt von Florian Coppenrath<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Danijar Kosnasarow ist Mitgr&#xFC;nder des kasachischen Zentrums f&#xFC;r China- und Zentralasienstudien &#x201E;Synopsis&#x201C;. W&#xE4;hrend in Usbekistan nach dem Tod des ersten Pr&#xE4;sidenten Islam Karimow Anfang September vor einer neuen politische &#xC4;ra steht, bietet er uns in seinem Kommentar eine kasachische Perspektive auf den s&#xFC;dlichen Nachbar. Alle zentralasiatischen Staaten m&#xF6;chten gute Beziehungen zu Usbekistan. Die Nachbarl&#xE4;nder wollen [&#x2026;]<\/p>\n","protected":false},"author":88,"featured_media":5944,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[1260,3599,3511,1289],"coauthors":[1620],"class_list":["post-5477","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-usbekistan","tag-internationale-beziehungen","tag-islom-karimov","tag-shavkat-mirziyoyev","tag-usbekistan"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5477","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/88"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5477"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5477\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":34037,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5477\/revisions\/34037"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5944"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5477"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5477"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5477"},{"taxonomy":"author","embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/coauthors?post=5477"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}