{"id":518,"date":"2016-08-05T12:00:00","date_gmt":"2016-08-05T10:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/novastan.org\/de\/?p=518"},"modified":"2023-08-20T16:34:51","modified_gmt":"2023-08-20T14:34:51","slug":"s51-wie-steht-es-um-die-amerikanische-zentralasienpolitik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/novastan.org\/de\/kirgistan\/s51-wie-steht-es-um-die-amerikanische-zentralasienpolitik\/","title":{"rendered":"\u04215+1: Wie steht es um die amerikanische Zentralasienpolitik?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\"><em>(Die <a href=\"https:\/\/egemen.kz\/2016\/08\/04\/54552\">kasachische Version dieses Artikels<\/a> erschien am 4. August 2016 in der Zeitung &#x201E;Egemen Kasachstan&#x201C; N&#xB0;148 (28876). Wir &#xFC;bersetzen ihn mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong><em>Danijar Kosnasarow verschuf sich bei einem Aufenthalt in den Vereinigten Staaten im Mai diesen Jahres durch Treffen mit amerikanischen Forschungszentren und Universit&#xE4;ten einen &#xDC;berblick &#xFC;ber Expertenmeinungen zur neuen C5+1 Initiative und zur Zentralasienpolitik unter Barack Obama. Er liefert uns seine Erkenntnisse und Prognosen zur Haltung der Vereinigten Staaten f&#xFC;r den Fall der Wahl Hillary Clintons im November. <\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Am 3. August diesen Jahres trafen sich die Au&#xDF;enminister der Vereinigten Staaten und der f&#xFC;nf zentralasiatischen Staaten in Washington. Das Treffen fand im Rahmen der amerikanischen &#x201E;C5+1&#x201C; Initiative statt, ein neues Format f&#xFC;r den innerzentralasiatischen Dialog. Das erste Treffen dieser Art wurde am 1. November 2015 in Samarkand abgehalten &#x2013; im Rahmen der Reise des Aussenministers John Kerry durch die f&#xFC;nf L&#xE4;nder der Region.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Bedrohungen, die unmittelbar aus Zentralasien kommen, haben keine direkte und schnelle Auswirkung auf die Sicherheitslage und die nationalen Interessen der Vereinigten Staaten. So hat die Bedeutung der Region f&#xFC;r sie nach der aktiven Phase des NATO-Einsatzes in Afghanistan deutlich abgenommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Den &#x201E;Puls&#x201C; Zentralasiens erfassen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Daher kann man die Institutionen der multilateralen &#x201E;C5+1&#x201C;-Plattform als eine Antwort auf die Sorgen verstehen, die Vereinigten Staaten w&#xFC;rden die Region entg&#xFC;ltig verlassen. Aber sie bietet auch einen wichtigen Raum, der es Washington weiterhin erlaubt, den &#x201E;Puls&#x201C; der Region zu erfassen. Kein ausreichender Raum jedoch, um den Positionsverlust in Zentralasien ganz zu kompensieren &#x2013; besonders hinsichtlich der verst&#xE4;rkten politischen und wirtschaftlichen Einfl&#xFC;sse von Moskau und Peking.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Im Gespr&#xE4;ch bemerkte ein Professor einer prestigetr&#xE4;chtigen Universit&#xE4;t, dass die aktuelle Lage in der Region den Vereinigten Staaten nicht in die H&#xE4;nde spielt, da Russland und China bereits den amerikanischen Abzug aus Zentralasien f&#xFC;r sich nutzen. Viele sind der Ansicht, die Initiative k&#xE4;me zu sp&#xE4;t, und aus diesem versp&#xE4;teten Vorstoss kann man schliessen, dass Zentralasien f&#xFC;r die Administration von Obama nie eine gro&#xDF;e Rolle gespielt hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Zentralasien: Eine marginale Region<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Washingtoner Analytiker, die sich mit Zentralasien besch&#xE4;ftigen, best&#xE4;tigen, dass Zentralasien w&#xE4;hrend der Pr&#xE4;sidentschaft von Obama zu den marginalen Regionen gez&#xE4;hlt wurde. Dies liegt besonders daran, dass die Strategie der &#x201E;<a href=\"http:\/\/www.state.gov\/p\/sca\/ci\/af\/newsilkroad\/\">neuen Seidenstrasse<\/a>&#x201C; sich kaum umsetzen lie&#xDF;. Russland und Eurasien-Experten vertreten eine &#xE4;hnliche Meinung: F&#xFC;r Obama w&#xE4;re die L&#xF6;sung des &#x201E;iranischen Problems&#x201C; und die Normalisierung der Beziehungen zu Kuba deutlich wichtiger gewesen. F&#xFC;r Obama seien die Ukraine-Krise, Afghanistan und Zentralasien zweitrangige oder gar drittranginge Fragen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Experten sind der Ansicht, dass die amerikanischen Sanktionen gegen Russland, die auch die zentralasiatischen Wirtschaften treffen, weitergef&#xFC;hrt werden. Die Beziehung zu Russland ist f&#xFC;r die Vereinigten Staaten nicht entscheidend genug, als dass eine Erleichterung oder Aufhebung der Sanktionen notwendig sei. Zudem wird in den politischen Zirkeln des Landes kein Druck auf die entscheidenden Personen ausge&#xFC;bt, die die Sanktionen aufheben k&#xF6;nnten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><img decoding=\"async\" style=\"height: 399px;width: 600px\" src=\"\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/old\/img\/1255\/5241270803_fe4c430f77_z.jpeg\" alt=\"Hillary Clinton Astana\"\/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Sollte Hillary Clinton die n&#xE4;chste Pr&#xE4;sidentin werden, k&#xF6;nnte das Interesse f&#xFC;r die Region jedoch wieder geweckt werden. Die Gelehrten und Forscher, die ihre politischen Ansichten teilen, vermuten, dass sich die Vereinigten Staaten unter der Pr&#xE4;sidentschaft von Clinton mehr an den wirtschaftlichen und politischen Prozessen verschiedener Weltregionen beteiligen werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ihre Russlandpolitik w&#xE4;re dann &#xE4;hnlich wie die Obamas oder gar aggressiver. Manche Figuren, die an der Vorwahlkampagne von Clinton beteiligt waren, haben bereits feste Ansichten zu Russland. Es ist schwer zu sagen, wie sehr sie sich &#xE4;ndern w&#xFC;rden, sobald sie in der Administration eingesetzt w&#xE4;ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Zuerst den Status Quo erhalten<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Analytiker bemerken allerdings, dass die Bildung einer neuen au&#xDF;enpolitischen Strategie der Vereinigten Staaten Zeit braucht. Das n&#xE4;chste Staatsoberhaupt wird sich die ersten hundert Tage der Amtszeit wohl eher innerstaatlichen Problemen und der neuen Regierungsbildung widmen. Insider sind der Ansicht, dass Clinton wahrscheinlich erfahrene Diplomaten und Experten rekrutieren wird, die die ihnen zugewiesenen Regionen aus erster Hand kennen. Es scheint, dass der gr&#xF6;&#xDF;te Teil des au&#xDF;enpolitischen Establishments Clinton unterst&#xFC;tzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Solange die Wahlkampagne l&#xE4;uft und noch nicht klar ist, wer die Wahlen gewinnen wird, wird die Politik der Vereinigten Staaten in vielen Weltregionen auf eine Erhaltung des Status Quo abzielen, beziehungsweise darauf, dass sich die aktuellen Krisenherde wie Syrien und Afghanistan nicht verschlimmern, so Berater des Wei&#xDF;en Hauses. Man kann vermuten, dass dies auch auf Zentralasien zutrifft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In amerikanischen Expertenkreisen gibt es jedenfalls ein Verst&#xE4;ndnis daf&#xFC;r, dass man Zentralasien Aufmerksamkeit schenken sollten &#x2013; insbesondere durch die aktive Nutzung von &#x201E;C5+1&#x201C;. Analytiker im Regierungsapparat teilen Beobachtungen nach diese Ansicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In politischen Kreisen kursiert die Meinung, dass Washington duch den Abzug der Streitkr&#xE4;fte aus Afghanistan sich verst&#xE4;rkt den Fragen der Demokratisierung und der Menschenrechte in Zentralasien widmen kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In Hinsicht auf die erh&#xF6;hten Terrorismus- und Extremismusrisiken meinen viele Spezialisten, dass es viel wichtiger sei, sich mit allgemeinen Bedrohungen zu befassen. Sie sind der Ansicht, dass die Vereinigten Staaten sich auf die Zusammenarbeit in Sachen Sicherheit und auf die St&#xE4;rkung der Stabilit&#xE4;t in der Region konzentrieren sollte, wenn sie nicht aus den regionalen Prozessen ausgeschlossen werden wollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>&#x201E;C5+1&#x201C; als au&#xDF;enpolitisches Instrument<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Sie verstehen, dass Zentralasien keine einfache Zeit bevorsteht, wenn man die niedrigen &#xD6;lpreise, die geopolitischen Ver&#xE4;nderungen und die Verschlechterung der religi&#xF6;sen und sozial-wirtschaftlichen Lage in Betracht zieht. Diese Fragen sollten im Rahmen des &#x201E;C5+1&#x201C;-Formats offen auf den Treffen der Au&#xDF;enminister der Vereinigten Staaten und der f&#xFC;nf zentralasiatischen Republiken diskutiert werden. Nur durch offene Diskussionen k&#xF6;nnen die Beteiligten konsensuelle Entscheidungen und Strategien erarbeiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Jetzt, wo die Vereinigten Staaten die Bilanz der Pr&#xE4;sidentschaft Obamas betrachten, ist genau so ein Moment: Die neue Pr&#xE4;sidentschaft bietet die M&#xF6;glichkeit, die Zusammenarbeit neu zu definieren. Die &#x201E;C5+1&#x201C; Plattform erm&#xF6;glicht, die Beziehungen der Vereinigten Staaten mit Zentralasien in den letzten zehn Jahren zu analysieren und ein genaues Verst&#xE4;ndnis f&#xFC;r gemeinsame Probleme und Kooperationsperspektiven zu definieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Sollte Hillary Clinton die neue Pr&#xE4;sidentin werden, so wird es f&#xFC;r sie dank der durch &#x201E;C5+1&#x201C; entstandenen Empfehlungen und Vorschl&#xE4;ge deutlich leichter werden, ihre Zentralasienpolitik zu definieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><strong>Danijar Kosnasarow<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><strong>Aus dem Russischen &#xFC;bersetzt von Florian Coppenrath<\/strong><br>\n<strong>Mitgr&#xFC;nder von Novastan.org<\/strong><\/p>\n<p><!--End mc_embed_signup--><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>C5+1, eine recht neue diplomatische Initiative in der Zentralasienpolitik der Vereinigten Staaten, kommt sp&#xE4;t in Obamas Amtszeit. Was bedeutet das f&#xFC;r die Gegenwart und Zukunft des Verh&#xE4;ltnisses zur Region?<\/p>\n","protected":false},"author":88,"featured_media":519,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[4,3,6,7,5],"tags":[1328,1329,1260,1278,1211],"coauthors":[1620],"class_list":["post-518","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kasachstan","category-kirgistan","category-tadschikistan","category-turkmenistan","category-usbekistan","tag-automobil","tag-general-motors","tag-internationale-beziehungen","tag-vereinigte-staaten","tag-zentralasien"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/518","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/88"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=518"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/518\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":34029,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/518\/revisions\/34029"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/519"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=518"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=518"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=518"},{"taxonomy":"author","embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/coauthors?post=518"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}