{"id":45573,"date":"2026-11-04T11:11:50","date_gmt":"2026-11-04T10:11:50","guid":{"rendered":"https:\/\/novastan.org\/de\/?p=45573"},"modified":"2026-11-04T11:11:55","modified_gmt":"2026-11-04T10:11:55","slug":"qo%ca%bbshtepa-viel-wasser-fuer-afghanistan-und-viele-probleme-fuer-zentralasien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/novastan.org\/de\/umwelt-und-technologie\/qo%ca%bbshtepa-viel-wasser-fuer-afghanistan-und-viele-probleme-fuer-zentralasien\/","title":{"rendered":"Qo\u02bbshtepa: Viel Wasser f\u00fcr Afghanistan und viele Probleme f\u00fcr Zentralasien?"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Afghanistan baut einen 290 Kilometer langen Kanal am Fluss <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Amudarja\">Amudarja<\/a>, der die bisherige Verteilung der Wasserressourcen in Zentralasien ver&#xE4;ndern k&#xF6;nnte. Der Bau dieses Qo&#x2BB;shtepa-Kanals war in den vergangenen Jahren eines der meistdiskutierten Themen in Zentralasien: W&#xE4;hrend die einen in dem Projekt eine Gefahr f&#xFC;r die Wassersicherheit der ganzen Region sehen, halten die anderen es f&#xFC;r die Umsetzung des vereinbarten Rechts Afghanistans auf die Nutzung des Amudarja. Unser Partnermedium Azattyq Asia hat sich das Projekt und seine Geschichte angesehen und mit Experten dar&#xFC;ber gesprochen, was die Staaten flussabw&#xE4;rts des Amudarja erwarten k&#xF6;nnte, falls der Kanal fertiggestellt wird.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was ist der Qo&#x2BB;shtepa?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Qo&#x2BB;shtepa-Kanal ist eine hydrotechnische Anlage, die daf&#xFC;r bestimmt ist, Wasser aus dem Amudarja zu entnehmen und dieses weiter ins Innere Afghanistans zu transportieren. Das Projekt sieht den Bau eines 290 Kilometer langen Hauptkanals vor, der an der Wasserentnahmestelle 125 Meter breit und rund acht Meter tief sein soll. Nach dem Abschluss der Bauarbeiten rechnet Afghanistan damit, rund 550.000 Hektar neues Land f&#xFC;r die Landwirtschaft erschlie&#xDF;en zu k&#xF6;nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F&#xFC;r die vollkommene Realisierung des Projekts braucht es zudem den Bau von &#xFC;ber 500 Kilometer kleinerer Verteilungskan&#xE4;le. Nach verschiedenen Sch&#xE4;tzungen betragen die Baukosten des gesamten Projekts zwischen 680 Millionen und zwei Milliarden US-Dollar, umgerechnet zwischen 600 Millionen und 1,8 Milliarden Euro.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"flex flex-col md:flex-row justify-evenly items-center bg-yellow-100 my-20 p-10 space-y-10 subscribe\">\n\t<div class=\"container flex flex-col lg:flex-row justify-between\">\n\t\t<div class=\"flex flex-col w-full lg:w-3\/5 pb-4\">\n\t\t\t<h2 class=\"text-3xl text-secondary font-bold mb-4 text-[#749D02]\">\n\t\t\t\t\t\t\t\tUnterst&#xFC;tzt Novastan &#x2013; das europ&#xE4;ische Zentralasien-Magazin \n\t\t\t<\/h2>\n\t\t\t\tAls vereinsgetragene, unabh&#xE4;ngige Plattform lebt Novastan vom Enthusiasmus seiner ehrenamtlichen Mitarbeiter:innen &#x2013; und von eurer Unterst&#xFC;tzung! \n\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<div class=\"flex flex-col w-full lg:w-2\/5 justify-items-center justify-center pb-4\">\n\t\t\t<div class=\"rounded-md bg-accent-500 px-10 py-5 text-center w-72 mx-auto\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<a class=\"block rounded bg-white p-2 mt-4 font-bold\" href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/novastan-ev\/spenden\/\">Novastan unterst&#xFC;tzen<\/a>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den Medien wird der Qo&#x2BB;shtepa-Kanal oft als ein Projekt der Taliban bezeichnet, obwohl die Idee zum Bau selbst schon lange vor deren Macht&#xFC;bernahme entstanden ist. Der ehemalige Minister f&#xFC;r Katastrophenschutz Afghanistans, Najib Aqa Fahim, sagt, dass schon seit einigen Jahrzehnten Gespr&#xE4;che zum Bau des Kanals gef&#xFC;hrt wurden. Ihm zufolge ist das erste Kanalprojekt bereits zur Zeit des Pr&#xE4;sidenten Mohammad Dawud Chan in den 1970er-Jahren entstanden, praktisch begonnen habe die Umsetzung aber erst unter der westlich unterst&#xFC;tzten Regierung Afghanistans (2001-2021).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#x201E;Nach dem Sturz der Regierung der Republik durch die Taliban 2021 haben diese das Projekt geerbt&#x201C;, sagt Fahim, der als Minister f&#xFC;r Katastrophenschutz dieser gest&#xFC;rzten Regierung selbst angeh&#xF6;rte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/politik-und-wirtschaft\/zentralasien-bewahrt-angesichts-der-machtuebernahme-der-taliban-die-ruhe\/\">Zentralasien bewahrt angesichts der Macht&#xFC;bernahme der Taliban die Ruhe<\/a><\/strong><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Warum begannen die Taliban den Bau des Kanals?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2018 hatte die prowestliche Regierung Afghanistans die Idee wiederaufgegriffen, den n&#xF6;rdlichen Teil des Landes mithilfe der Wasserressourcen des Amudarja zu erschlie&#xDF;en. Dies geschah im Kontext des Baus des Kamal Khan-Staudamms und von Bew&#xE4;sserungssystemen am Fluss Helmand im S&#xFC;den des Landes. Dadurch wollte die Regierung die landwirtschaftliche Produktion ausweiten und so die Abh&#xE4;ngigkeit Afghanistans von Lebensmittelimporten verringern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Dezember 2018 unterzeichnete Kabul daher einen Vertrag mit dem US-amerikanischen Unternehmen AECOM zur Durchf&#xFC;hrung einer Machbarkeitsstudie. Die Arbeiten finanzierte die US-Entwicklungshilfebeh&#xF6;rde USAID. Als die Taliban im August 2021 die Kontrolle &#xFC;ber Kabul &#xFC;bernahmen, lagen alle notwendigen Dokumente f&#xFC;r den Bau des Kanals vollst&#xE4;ndig vor. Die Ingenieure von AECOM hatten den Ort f&#xFC;r die zuk&#xFC;nftige Wasserentnahme aus dem Amudarja bestimmt, sodass die neue Regierung der Taliban nur noch eine Finanzierung f&#xFC;r das Projekt finden und dann zu bauen beginnen musste.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Bauleiter des Qo&#x2BB;shtepa-Kanals, Said Zabihullah Miri, sagt: &#x201E;Wir gehen davon aus, dass der Qo&#x2BB;shtepa-Kanal keinen signifikanten Einfluss auf den Wasserstand des Amudarja haben wird, weil der Fluss gro&#xDF;e Wassermengen mit sich f&#xFC;hrt.&#x201C; Ihm zufolge verf&#xFC;gt der Fluss &#xFC;ber bedeutende Wasservorr&#xE4;te, insbesondere in den Zeiten von Hochwasser und durch den Zufluss von Gletscherschmelzwasser.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/umwelt-und-technologie\/klimawandel-und-wasserressourcen-in-zentralasien-wachsende-unsicherheit\/\">Klimawandel und Wasserressourcen in Zentralasien: Wachsende Unsicherheit<\/a><\/strong><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Streit um das Wasser des Amudarja<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Kabul ist man sich bewusst, dass der Bau des Kanals zu Streit mit den Nachbarl&#xE4;ndern f&#xFC;hrt. Doch noch vor der Macht&#xFC;bernahme der Taliban war die afghanische Regierung bereit, das Recht des Landes auf die Nutzung des Amudarja-Wassers zu verteidigen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Najib Aqa Fahim, der ehemalige Minister f&#xFC;r Katastrophenschutz Afghanistans, geht davon aus, dass in juristischer Hinsicht Usbekistan und Turkmenistan nicht &#xFC;ber eine ausreichende Rechtsgrundlage verf&#xFC;gen, um das Projekt anzufechten. &#x201E;Das Recht Afghanistans auf einen Anteil des Wassers wird durch eine Reihe historischer Dokumente und internationaler Konventionen garantiert&#x201C;, sagt er.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er bezieht sich dabei auf das Abkommen zwischen Afghanistan und der Sowjetunion von 1958, in dem der Amudarja als grenz&#xFC;berschreitender Fluss anerkannt wurde. Fahim sagt, das Abkommen sehe eine gleichberechtigte Nutzung der Wasserressourcen vor.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach dem Zerfall der Sowjetunion behielten die L&#xE4;nder Zentralasiens durch das Abkommen von Almaty von 1992 das sowjetische System der Wasserverteilung bei. Diesem Dokument zufolge vereinbarten die Staaten der Region, die in der Sowjetzeit geltende Begrenzung der Wassernutzung nicht anzutasten. Den festgelegten Quoten zufolge verteilt sich die j&#xE4;hrliche Wasserentnahmemenge aus dem Amudarja daher folgenderma&#xDF;en auf die L&#xE4;nder Zentralasiens:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"alignwide wp-block-paragraph\">Usbekistan: 48,2 Prozent<\/p>\n\n\n\n<p class=\"alignwide wp-block-paragraph\">Turkmenistan: 35,8 Prozent<\/p>\n\n\n\n<p class=\"alignwide wp-block-paragraph\">Tadschikistan: 15,4 Prozent<\/p>\n\n\n\n<p class=\"alignwide wp-block-paragraph\">Kirgistan: 0,6 Prozent<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Problem ist aber: Afghanistan war kein Unterzeichner dieses Abkommens.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie viel Wasser darf Afghanistan entnehmen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Amudarja ist der wasserreichste Fluss Zentralasiens. Mit seinem Quellfluss Pandsch zusammen flie&#xDF;t er &#xFC;ber rund 2400 Kilometer durch die Region. Seine j&#xE4;hrliche Durchflusssumme l&#xE4;sst sich mit der des Nils vergleichen: rund 75 Kubikkilometer Wasser. Ein Kubikkilometer entspricht einer Milliarde Tonnen Wasser.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/umwelt-und-technologie\/vom-pamir-an-den-aralsee-eine-reise-entlang-des-amudarjas\/\">Vom Pamir an den Aralsee: Eine Reise entlang des Amudarjas<\/a><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die afghanische Seite argumentiert, dass rund 30 Prozent des nat&#xFC;rlichen Zuflusses in das Becken des Amudarja auf dem Gebiet Afghanistans zustande kommt. Wenn man diesen Mittelwert der vergangen 30 Jahre verwendet, entspr&#xE4;che das rund 21-23 Kubikkilometer Wasser im Jahr.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mithilfe des Qo&#x2BB;shtepa-Kanals plant Afghanistan dagegen nur sechs bis zehn Kubikkilometer Wasser j&#xE4;hrlich zu nutzen. Najib Aqa Fahim geht davon aus, dass selbst bei einer maximalen Auslastung des Qo&#x2BB;shtepa-Projekts die Wasserentnahme nicht &#xFC;ber zw&#xF6;lf Prozent der Durchflussmenge des Amudarja hinausgeht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zugleich weisen aber Experten darauf hin, dass auch schon eine Verringerung der Wasserressourcen um zehn bis zw&#xF6;lf Prozent f&#xFC;r die flussabw&#xE4;rts gelegenen L&#xE4;nder zu einer ernsten Bew&#xE4;hrungsprobe werden k&#xF6;nnte, da die Landwirtschaft von Usbekistan und Turkmenistan zu einem erheblichen Ausma&#xDF; vom Amudarja abh&#xE4;ngen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Dialog statt Konfrontation<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ungeachtet der alarmierenden Prognosen in den Sozialen Netzwerken und den Medien hat Usbekistan offiziell auf scharfe Rhetorik in Bezug auf den Bau des Kanals verzichtet. Im Fr&#xFC;hjahr 2025 haben Taschkent und Kabul eine &#xDC;bereinkunft zur gemeinsamen Verwaltung der Wasserressourcen im Becken des Amudarja unterzeichnet. Der Minister f&#xFC;r den Wasserhaushalt Usbekistans &#x15E;avkat Hamroyev erkl&#xE4;rte, dass Taschkent Afghanistan als Nachbarland betrachte, das ebenfalls Anspruch auf die Nutzung der Ressourcen des Flusses habe:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#x201E;Um es ganz unumwunden zu sagen: Die B&#xFC;rger Afghanistans sind unsere Verwandten. Sie haben ebenfalls das Recht, Wasser aus dem Amudarja zu entnehmen. Aktuell schreiben die Leute online: der Qo&#x2BB;shtepa-Kanal wird gebaut, es muss etwas geschehen&#x2026; Nun, sollen wir die Waffen in die Hand nehmen und in den Krieg ziehen? Nein. Wir stimmen unsere Beziehungen ab und f&#xFC;hren einen Dialog&#x201C;, sagt Hamroyev.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ihm zufolge m&#xFC;ssen die Fragen der Wasseraufteilung durch Gespr&#xE4;che, Abkommen und gemeinsame Arbeitsschritte zwischen den L&#xE4;ndern gel&#xF6;st werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/usbekistan\/die-taliban-sind-auch-ein-teil-der-afghanischen-gesellschaft-ein-interview-mit-dem-afghanistan-beauftragten-des-usbekischen-praesidenten\/\">&#x201E;Die Taliban sind auch ein Teil der afghanischen Gesellschaft&#x201C; &#x2013; ein Interview mit dem Afghanistan-Beauftragten des usbekischen Pr&#xE4;sidenten<\/a><\/strong><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hauptproblem: Wasserverlust<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den letzten 30 Jahren hat die Wassermenge des Amudarja um rund zw&#xF6;lf Prozent abgenommen. W&#xE4;hrend diese Abnahme aber schrittweise &#xFC;ber mehrere Jahrzehnte hinweg stattgefunden hat, k&#xF6;nnte sich dieser R&#xFC;ckgang mit der vollen Inbetriebnahme des Qo&#x2BB;shtepa wesentlich beschleunigen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nichtsdestotrotz weisen Experten darauf hin, dass das Problem des Wassermangels in der Region nicht nur mit dem neuen afghanischen Projekt zusammenh&#xE4;ngt. Einer der wesentlichsten Faktoren bleibt der Wasserverlust in den bestehenden Bew&#xE4;sserungssystemen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/umwelt-und-technologie\/gipfel-in-astana-zu-umweltproblemen-in-zentralasien\/\">Gipfel in Astana zu Umweltproblemen in Zentralasien<\/a><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Direktor des in London ans&#xE4;ssigen Beratungsunternehmens Central Asia Due Diligence Alisher Ilkhamov betont: &#x201E;Die Landwirtschaft in unserem Land, und m&#xF6;glicherweise in Turkmenistan ebenso, verbraucht 90 Prozent der gesamten Wasserressourcen. Aber nicht das ganze Wasser kommt bei den Landwirt:innen an. 65 Prozent der Kan&#xE4;le besitzen n&#xE4;mlich keinen Betonboden, weshalb ein bedeutsamer Teil der Wasserressourcen, Sch&#xE4;tzungen zufolge rund 36 Prozent, einfach im Boden versickert.&#x201C;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ihm zufolge befinden sich viele Kan&#xE4;le in einem schlechten Zustand und brauchen Ausbesserungsarbeiten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die alten Bew&#xE4;sserungssysteme verlieren Milliarden Kubikmeter Wasser<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Usbekistan und Turkmenistan nutzen das Wasser mittels eines verzweigten Netzes aus Hauptkan&#xE4;len und Pumpstationen. Die Gesamtl&#xE4;nge der Hauptkan&#xE4;le beider L&#xE4;nder betr&#xE4;gt zusammen &#xFC;ber 2500 Kilometer. Die Gesamtl&#xE4;nge des Bew&#xE4;sserungsnetzwerkes, inklusive der kleineren Kan&#xE4;le, ist dagegen nochmal um ein Vielfaches gr&#xF6;&#xDF;er: In Usbekistan betr&#xE4;gt sie &#xFC;ber 182.000 Kilometer, in Turkmenistan &#xFC;ber 39.000 Kilometer.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Weltbank zufolge erreicht am Unterlauf des Amudarja nur rund die H&#xE4;lfte des entnommenen Wassers tats&#xE4;chlich das zur Bew&#xE4;sserung vorgesehene Land. Der Rest geht verloren. Am gravierendsten ist diese Situation in den Provinzen Choresm und Karakalpakstan in Usbekistan und in Da&#x15F;oguz in Turkmenistan.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/usbekistan\/unabhaengigkeit-wie-lebt-das-autonome-karakalpakistan\/\">(Un)abh&#xE4;ngigkeit: Wie lebt das autonome Karakalpakistan?<\/a><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als einen der Gr&#xFC;nde f&#xFC;r den Wasserverlust nennt auch die Weltbank den Verfall der Bew&#xE4;sserungsinfrastruktur und die geringe Qualit&#xE4;t der Kan&#xE4;le. In Usbekistan verf&#xFC;gen nur rund 30 Prozent der Kan&#xE4;le &#xFC;ber eine Beschichtung, in Turkmenistan sogar nur 20 Prozent.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#x201E;Das beste Beispiel stellt der Karakumkanal in Turkmenistan dar: Gebaut und in Gebrauch seit 1967, bef&#xF6;rdert er heute nur noch die H&#xE4;lfte des Wassers, das dem Amudarja entnommen wird&#x201C;, schreibt die Weltbank in ihrer Einsch&#xE4;tzung. &#xDC;ber den Karakumkanal werden j&#xE4;hrlich bis zu zw&#xF6;lf Kubikkilometer Wasser bef&#xF6;rdert, also rund ein F&#xFC;nftel der Wassermenge des Amudarja.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#xD6;kologen argumentieren deshalb, dass die Modernisierung solcher Infrastrukturen eine der Hauptaufgaben der Region bleiben. Der turkmenische &#xD6;kologe und Menschenrechtsaktivist Farid Tuhbatullin sagt, dass die Modernisierung nur eines gro&#xDF;en Kanals das Problem nicht l&#xF6;st, wenn nicht alle Wasserinfrastrukturen ausgebessert werden: &#x201E;Nur deshalb, weil in diesem Kanal mehr Wasser erhalten bleibt, bedeutet das noch lange nicht, dass dieses Wasser auch auf dem Feld ankommt. Die Modernisierung muss f&#xFC;r alle Haupt- und Nebenkan&#xE4;le erfolgen. Viele dieser Kan&#xE4;le wurden sehr lange weder renoviert noch gereinigt.&#x201C;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Reform und Kritik<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor dem Hintergrund eines steigenden Defizits bei den Wasserressourcen hat Usbekistan begonnen, die Landwirtschaft zu reformieren und neue Technologien eingef&#xFC;hrt, die den Wasserverlust verringern sollen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/umwelt-und-technologie\/wie-haushalten-die-zentralasiatischen-laender-mit-ihren-wasserressourcen\/\">Wie haushalten die zentralasiatischen L&#xE4;nder mit ihren Wasserressourcen?<\/a><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine der zentralen Ma&#xDF;nahmen war ein Clustersystem f&#xFC;r die Landwirtschaft, das angestrebt hat, Produzierende, Verarbeitende und Zuliefernde in einer einzigen Produktionskette zusammenzubringen. Die Beh&#xF6;rden gingen davon aus, dass es dieses Modell erm&#xF6;glichen w&#xFC;rde, Investitionen anzuziehen und die Einf&#xFC;hrung von modernen Bew&#xE4;sserungsmethoden und anderen wassersparenden Technologien zu beschleunigen. Offiziellen Daten zufolge kommen solche Systeme mittlerweile auf 2,6 Millionen Hektar bew&#xE4;sserter Fl&#xE4;che zum Einsatz &#x2013; das entspricht rund 60 Prozent der Gesamtfl&#xE4;che. Die Beh&#xF6;rden geben an, dass es 2025 dank dieser Technologien m&#xF6;glich war, etwa zwei Kubikkilometer Wasser zu sparen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Experten gehen jedoch davon aus, dass technische L&#xF6;sungen allein nicht ausreichen. Alisher Ilkhamov von Central Asia Due Diligence argumentiert, dass das Problem nicht nur in den Formen des Wassertransports liegt, sondern am landwirtschaftlichen Modell selbst: &#x201E;Die Landwirte, insbesondere im Baumwollsektor, bleiben bis heute unfrei. Sie stehen unter dem Diktat der zentralisierten Kommandowirtschaft. Sie haben kein Recht, selbst &#xFC;ber ihr Land und die Pflanzen, die sie dort ans&#xE4;en, zu entscheiden.&#x201C;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er glaubt daher, dass es anstelle administrativer Ma&#xDF;nahmen vielmehr n&#xF6;tig ist, die &#xF6;konomischen Rahmenbedingungen daf&#xFC;r zu schaffen, dass die Landwirt:innenen selbst ein Interesse an der Verringerung des Wasserverbrauchs und der Einf&#xFC;hrung neuer Technologien entwickeln. &#x201E;Die Ma&#xDF;nahmen, die die Regierung ergreift, reichen bei Weitem nicht aus, um der aufziehenden Krise zu entgehen, die wirklich in zwei bis drei Jahren eintreten wird&#x201C;, sagt der Experte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/umwelt-und-technologie\/was-passiert-wenn-die-wasserressourcen-zentralasiens-knapp-werden\/\">Was passiert, wenn die Wasserressourcen Zentralasiens knapp werden?<\/a><\/strong><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ungewisse Perspektiven<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ungeachtet der vermehrten Projekte zur Einf&#xFC;hrung wassersparender Technologien, ist das dem Amudarja entnommene Wasservolumen nicht nennenswert zur&#xFC;ckgegangen. Nach wie vor wird ein erheblicher Anteil des Flusswassers f&#xFC;r die Landwirtschaft genutzt, w&#xE4;hrend nur ein kleiner Teil des Wassers bis zum Aralsee kommt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/umwelt-und-technologie\/meine-kindheit-verbrachte-ich-am-ufer-eines-meeres-das-nicht-mehr-existiert\/\">&#x201E;Meine Kindheit verbrachte ich am Ufer eines Meeres, das nicht mehr existiert&#x201C;<\/a><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Experten gehen davon aus, dass der Bau des Qo&#x2BB;shtepa-Kanals den bestehenden Druck auf das Wassersystem der Region noch einmal verst&#xE4;rken k&#xF6;nnte. Der Kanal allein ist aber nicht der einzige Grund f&#xFC;r die zuk&#xFC;nftigen Probleme. Ihrer Einsch&#xE4;tzung zufolge wird die Effizienz der Wassernutzung zum zentralen Faktor werden, der &#xFC;ber die Folgen des afghanischen Kanals entscheiden wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber auch das Qo&#x2BB;shtepa-Projekt k&#xE4;mpft schon mit technischen Schwierigkeiten, noch bevor die volle Kapazit&#xE4;t des Kanals erreicht ist. Satellitenbilder haben Ende 2023 ein Wasserleck an einem der Abschnitte des sich noch im Bau befindlichen Kanals gezeigt. Als Folge dieses Lecks trat Wasser auf eine Fl&#xE4;che von rund 30 Quadratkilometern aus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Vorfall warf weitere Fragen &#xFC;ber die Qualit&#xE4;t des Bauprojekts und die F&#xE4;higkeiten der afghanischen Seite auf, den verl&#xE4;sslichen Betrieb der komplexen hydrotechnischen Anlage sicherstellen zu k&#xF6;nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right wp-block-paragraph\"><strong>Azattyk Asien<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right wp-block-paragraph\"><strong>Aus dem Russischen von Simon Schulz<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph\"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kan&#xE4;len: Schaut mal vorbei bei <a href=\"https:\/\/twitter.com\/novastan_de\">Twitter<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Novastan.org\/\">Facebook<\/a>, <a href=\"https:\/\/telegram.me\/novastan\">Telegram<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/company\/novastan\/\">Linkedin<\/a> oder <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/novastanorg\/\">Instagram<\/a>. 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