{"id":45202,"date":"2026-09-16T20:33:29","date_gmt":"2026-09-16T18:33:29","guid":{"rendered":"https:\/\/novastan.org\/de\/?p=45202"},"modified":"2026-09-16T20:33:34","modified_gmt":"2026-09-16T18:33:34","slug":"free-ride-ein-reisebericht-durch-zentralasien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/novastan.org\/de\/zentralasien-und-europa\/free-ride-ein-reisebericht-durch-zentralasien\/","title":{"rendered":"\u201cFree Ride\u201d: Ein Reisebericht (durch Zentralasien)"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Mit &#x201E;Free Ride&#x201C; nimmt die niederl&#xE4;ndische Reisebloggerin Noraly Schoenmaker ihre Leser:innen auf eine Motorradreise mit, die sie unter anderem durch die f&#xFC;nf zentralasiatischen Republiken f&#xFC;hrt. Eine Rezension.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einfach alles stehen und liegen lassen und auf einem Motorrad die weite Welt erkunden: Was f&#xFC;r viele Menschen ein k&#xFC;hner Traum bleibt, hat Noraly Schoenmaker in die Tat umgesetzt. Die Niederl&#xE4;nderin, in den sozialen Medien als &#x201C;<em>Itchy Boots<\/em>&#x201D; bekannt, hat auf ihrem Motorrad 36.000 Kilometer von Delhi in Indien bis in ihr Heimatland zur&#xFC;ckgelegt. Auch die f&#xFC;nf zentralasiatischen L&#xE4;nder wurden zum Schauplatz ihrer Reise.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#x201C;<em>Mir war eiskalt, ich hatte Angst, ich war allein. Doch gleichzeitig wollte ich nirgendwo anders sein als hier. Trotz aller Entbehrungen im kalten Pamir hatte ich mich blitzartig, mit Haut und Haar und Hals &#xFC;ber Kopf, in dieses St&#xFC;ckchen Welt verliebt. Es f&#xFC;hlte sich an, als ob alles, was geschehen war &#x2013; meine kaputte Beziehung, der erzwungene Verkauf meines Hauses, mein Versuch, Filmemacherin zu werden &#x2013; Teil eines gr&#xF6;&#xDF;eren Plans war: mich hierherzulocken. Hierher, allein, auf den Pamir. Ich wollte f&#xFC;r immer hier bleiben, in dieser Wildnis, zusammen mit Basanti<\/em> (Name ihres Motorrads, Anm. d. Red.).&#x201D;<\/p>\n\n\n\n<div class=\"flex flex-col md:flex-row justify-evenly items-center bg-yellow-100 my-20 p-10 space-y-10 subscribe\">\n\t<div class=\"container flex flex-col lg:flex-row justify-between\">\n\t\t<div class=\"flex flex-col w-full lg:w-3\/5 pb-4\">\n\t\t\t<h2 class=\"text-3xl text-secondary font-bold mb-4 text-[#749D02]\">\n\t\t\t\t\t\t\t\tUnterst&#xFC;tzt Novastan &#x2013; das europ&#xE4;ische Zentralasien-Magazin \n\t\t\t<\/h2>\n\t\t\t\tAls vereinsgetragene, unabh&#xE4;ngige Plattform lebt Novastan vom Enthusiasmus seiner ehrenamtlichen Mitarbeiter:innen &#x2013; und von eurer Unterst&#xFC;tzung! \n\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<div class=\"flex flex-col w-full lg:w-2\/5 justify-items-center justify-center pb-4\">\n\t\t\t<div class=\"rounded-md bg-accent-500 px-10 py-5 text-center w-72 mx-auto\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<a class=\"block rounded bg-white p-2 mt-4 font-bold\" href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/novastan-ev\/spenden\/\">Novastan unterst&#xFC;tzen<\/a>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Sommer 2018 war das Leben der 31-j&#xE4;hrigen Noraly Schoenmaker an einem Scheideweg angelangt. Nach einem heftigen Burnout und einer schmerzhaften Trennung von ihrem Partner, der sie mit einer Arbeitskollegin &#xFC;ber ein halbes Jahr hinweg betrogen hatte, beschlie&#xDF;t die Niederl&#xE4;nderin, Tabula rasa zu machen: Sie verkauft ihr Haus in <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Utrecht\">Utrecht<\/a>, gibt ihre hei&#xDF;geliebte Ducati Monster 796 in Kommission und k&#xFC;ndigt ihren Job als Geologin und Bauleiterin, um nach Indien zu reisen und Reisebloggerin zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Wahl ihres Reiseziels kommt nicht von ungef&#xE4;hr: Bereits acht Jahre zuvor hatte Schoenmaker w&#xE4;hrend eines Aufenthalts im Norden Indiens die einschneidende Entscheidung getroffen, von einer Fortsetzung ihrer akademischen Laufbahn abzusehen und ihr Gl&#xFC;ck lieber in einer Anstellung in der Privatwirtschaft zu suchen. Aus diesem Grund erscheint ihr das Land als der perfekte Ort, um die neueste Etappe ihres Lebens loszutreten. Ausgestattet mit einem spontan erworbenen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Royal_Enfield\">Royal Enfield<\/a>-Motorrad &#x2013; das sie liebevoll &#x201C;<em>Basanti<\/em>&#x201D; (indisches Wort f&#xFC;r &#x201C;Fr&#xFC;hling&#x201D;) getauft hat &#x2013; fasst Noraly den Entschluss, von Delhi aus aufzubrechen und auf zwei R&#xE4;dern die Stra&#xDF;en und Landschaften Asiens zu erforschen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>&#x201E;Meine Laune war auf dem Nullpunkt angekommen&#x201C;<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit knapp 8000 Kilometern macht der zentralasiatische Teil fast ein Viertel von Noralys gesamter Reise aus. Auf dem Weg von der iranisch-turkmenischen Grenze bis nach <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Atyrau\">Atyrau<\/a> an der kasachstanischen Grenze zu Russland begegnete sie herzlichen Menschen, atemberaubenden Aussichten, doch auch &#x2013; Leere. In vielen F&#xE4;llen landschaftlich, in manchen F&#xE4;llen jedoch auch pers&#xF6;nlich. Ob in der W&#xFC;ste des streng autorit&#xE4;ren Turkmenistans, in dem sie auf einer vorgezeichneten Route geradewegs von S&#xFC;den nach Norden fahren muss, oder den endlos weiten Steppen Kasachstans, verbringt Schoenmaker auf ihrem Motorrad sehr viel Zeit in der landschaftlichen &#xD6;dnis. Dies wirkt sich zwangsl&#xE4;ufig auch auf ihre Gedanken aus, die sich vor allem auf den letzten paar hundert Kilometern immer wieder um ihre Vergangenheit und ihre Einsamkeit drehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W&#xE4;hrend Noralys Erfahrungen im &#x201C;skurrilen&#x201D; Turkmenistan und ihre Introspektion in Kasachstan noch f&#xFC;r tiefere Einblicke in ihre Reiseerfahrung sorgen, wirken die Beschreibungen ihrer Reise durch Usbekistan und Kirgistan &#x2013; nicht zuletzt auch aufgrund der Reisestrapazen &#x2013; sehr gehetzt und teilweise oberfl&#xE4;chlich. Zu ihrer Fahrt durch Usbekistan schreibt sie: &#x201C;<em>Die ungem&#xFC;tliche W&#xFC;ste, das eint&#xF6;nige Essen, das fehlende Motor&#xF6;l und das schlechte Benzin &#x2013; meine Laune war auf dem Nullpunkt angekommen. Ich fand Usbekistan einfach &#xFC;berfl&#xFC;ssig<\/em>.&#x201D;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/panorama\/die-sackgasse-leben-am-pamir-highway\/\">Die Sackgasse &#x2013; Leben am Pamir Highway<\/a><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zwar schaffte ein mehrt&#xE4;giger Aufenthalt in <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Samarqand\">Samarkand<\/a>, ihre Meinung &#xFC;ber das Land nochmal zu verbessern, allerdings l&#xE4;sst es sich kaum bestreiten, dass der zentralasiatische Teil ihrer Reise von ihren vorherigen Eindr&#xFC;cken im Iran, logistischen Schwierigkeiten und ihrer Ungewissheit &#xFC;ber den weiteren Verlauf ihres Abenteuers beeinflusst wurde. Nur ihre Durchkreuzung Tadschikistans, wo sie den ber&#xFC;hmt-ber&#xFC;chtigten <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Pamir_Highway\">Pamir Highway<\/a> f&#xE4;hrt, scheint Schoenmaker komplett zu berauschen. Ihre Beschreibungen der k&#xF6;rperlichen Verausgabung, des Beinahe-Aufgebens und der Atmosph&#xE4;re auf dem teilweise menschenverlassenen Highway gleichen dem, was sich die meisten Menschen von einer Weltreise auf eigene Faust verhoffen: Die Selbstfindung und das Austesten der eigenen psychischen und k&#xF6;rperlichen Grenzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#x201C;<em>Ich hatte in der vergangenen Woche eine tiefe Bewunderung f&#xFC;r die Tadschiken entwickelt, f&#xFC;r ihre robuste Ausstrahlung, ihre Widerstandsf&#xE4;higkeit und Entschlossenheit<\/em>&#x201D;, schreibt Noraly gegen Ende ihres Aufenthalts in Tadschikistan.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Schn&#xF6;rkellos und gradlinig<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der im Buch gepflegte Schreibstil ist schn&#xF6;rkellos und geradlinig, wobei Geschehnisse hier und da mit pers&#xF6;nlichen Eindr&#xFC;cken und Beschreibungen der Landschaft unterf&#xFC;ttert werden. Aufgrund der Transportationsweise spielen ihre Gedanken und Sorgen rundum ihr Motorrad, &#x201C;<em>Basanti<\/em>&#x201D;, eine bedeutende Rolle in ihren Erz&#xE4;hlungen. Obwohl Schoenmaker an manchen Stellen etwas naiv und unvorbereitet scheint &#x2013; unter anderem droht ihr an einem Punkt eine &#xDC;bernachtung ohne Zelt auf 3000 H&#xF6;henmetern in Tadschikistan, weil ihr Reifen besch&#xE4;digt ist -, tr&#xE4;gt dies zu ihrer Authentizit&#xE4;t bei. Der Leser sieht hierbei die ganze Reise vor sich, mit atemberaubenden Aussichten und interessanten Begegnungen, doch auch &#xC4;ngsten und Einsamkeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/zentralasien-und-europa\/mit-dem-architectural-guide-almaty-die-stadt-entdecken\/\">Mit dem &#x201E;Architectural Guide Almaty&#x201C; die Stadt entdecken<\/a><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#x201C;<em>Free Ride<\/em>&#x201D; ist ein sympathischer Reisebericht, in dem viele Leser sich sicherlich wiederfinden k&#xF6;nnen. Noraly Schoenmaker nimmt uns mit auf Ihre Reise und nimmt kein Blatt vor den Mund, weder in positiver noch in negativer Hinsicht. F&#xFC;r Abenteurer und neugierige Reiseenthusiasten ist es daher ein gro&#xDF;artiges Buch. Aus einer &#x201C;zentralasiatischen Perspektive&#x201D; ist es allerdings kein &#x201C;Must-Read.&#x201D; Hierf&#xFC;r sind Schoenmakers Ausf&#xFC;hrungen teilweise zu oberfl&#xE4;chlich und zu sehr von ihren pers&#xF6;nlichen Erfahrungen beeinflusst. Auch einige wenige Lichtpunkte, wie das Kosmodrom Baikonur, der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Krater_von_Derweze\">Krater von Derweze<\/a> oder Samarkand, &#xE4;ndern daran nichts. Im breiteren Kontext lohnt sich die Lekt&#xFC;re des Buches jedoch allemal.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Noraly Schoenmaker: Free Ride. 36.000 Kilometer auf dem Weg zu mir selbst. 256 Seiten, Wilhelm Goldmann Verlag, M&#xFC;nchen, in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH, ISBN 978-3-442-18079-0, Juli 2026.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>&#xDC;bersetzt aus dem Niederl&#xE4;ndischen von Marianne Kirch.<\/em> <em>Erwerb m&#xF6;glich &#xFC;ber die <a href=\"https:\/\/www.penguin.de\/buecher\/noraly-schoenmaker-free-ride\/paperback\/9783442180790\">Seite des Verlags<\/a>.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right wp-block-paragraph\"><strong>Benedikt St&#xF6;ckl f&#xFC;r Novastan<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph\"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kan&#xE4;len: Schaut mal vorbei bei <a href=\"https:\/\/twitter.com\/novastan_de\">Twitter<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Novastan.org\/\">Facebook<\/a>, <a href=\"https:\/\/telegram.me\/novastan\">Telegram<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/company\/novastan\/\">Linkedin<\/a> oder <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/novastanorg\/\">Instagram<\/a>. 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