{"id":45187,"date":"2026-09-15T21:25:13","date_gmt":"2026-09-15T19:25:13","guid":{"rendered":"https:\/\/novastan.org\/de\/?p=45187"},"modified":"2026-09-15T21:25:15","modified_gmt":"2026-09-15T19:25:15","slug":"vom-pamir-an-den-aralsee-eine-reise-entlang-des-amudarjas","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/novastan.org\/de\/umwelt-und-technologie\/vom-pamir-an-den-aralsee-eine-reise-entlang-des-amudarjas\/","title":{"rendered":"Vom Pamir an den Aralsee: Eine Reise entlang des Amudarjas"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Tausende von Kilometern, bevor im Sand von Moynaq verrostende Fischerboote auftauchen, entspringt der Amudarja im Gebirge.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seine Quellen liegen im <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Pamir_(Gebirge)\">Pamir<\/a> und im n&#xF6;rdlichen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hindukusch\">Hindukusch<\/a> und flie&#xDF;en &#xFC;ber die Flusssysteme von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Pjandsch\">Pjandsch<\/a> und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wachsch\">Wachsch<\/a> ab. Der Pjandsch bildet einen Gro&#xDF;teil der afghanisch-tadschikischen Grenze, bevor er auf den Wachsch trifft. Ab ihrem Zusammenfluss tr&#xE4;gt der Fluss den Namen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Amudarja\">Amudarja<\/a>. Von hier an verl&#xE4;sst er das Gebirge und tritt in eine v&#xF6;llig andere Welt aus W&#xFC;sten, bew&#xE4;sserten Ebenen, alten St&#xE4;dten und modernen Staatsgrenzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#xDC;ber Jahrhunderte hinweg hat der Amudarja &#x2013; der Oxus der Antike &#x2013; mitbestimmt, wo sich Menschen ansiedeln und wo politische Macht gedeihen konnte. Die Bew&#xE4;sserung mit seinem Wasser bildete die Lebensgrundlage f&#xFC;r einige der gro&#xDF;en Zivilisationen Zentralasiens. Ver&#xE4;nderungen seines Flusslaufs konnten die eine Siedlung beg&#xFC;nstigen und einer anderen das Wasser entziehen. Im 20. Jahrhundert versuchten sowjetische Planer, den Fluss in weitaus gr&#xF6;&#xDF;erem Ma&#xDF;stab technisch umzugestalten.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"flex flex-col md:flex-row justify-evenly items-center bg-yellow-100 my-20 p-10 space-y-10 subscribe\">\n\t<div class=\"container flex flex-col lg:flex-row justify-between\">\n\t\t<div class=\"flex flex-col w-full lg:w-3\/5 pb-4\">\n\t\t\t<h2 class=\"text-3xl text-secondary font-bold mb-4 text-[#749D02]\">\n\t\t\t\t\t\t\t\tUnterst&#xFC;tzt Novastan &#x2013; das europ&#xE4;ische Zentralasien-Magazin \n\t\t\t<\/h2>\n\t\t\t\tAls vereinsgetragene, unabh&#xE4;ngige Plattform lebt Novastan vom Enthusiasmus seiner ehrenamtlichen Mitarbeiter:innen &#x2013; und von eurer Unterst&#xFC;tzung! \n\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<div class=\"flex flex-col w-full lg:w-2\/5 justify-items-center justify-center pb-4\">\n\t\t\t<div class=\"rounded-md bg-accent-500 px-10 py-5 text-center w-72 mx-auto\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<a class=\"block rounded bg-white p-2 mt-4 font-bold\" href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/novastan-ev\/spenden\/\">Novastan unterst&#xFC;tzen<\/a>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer dem Fluss heute von den Bergen bis zum Aralsee folgt, begegnet vielen der entscheidenden Fragen, vor denen das heutige Zentralasien steht: Wasserkraft und Klimaresilienz, die zunehmende Nutzung des Flusses durch Afghanistan, grenz&#xFC;berschreitender Handel, Bew&#xE4;sserung, landwirtschaftliche Abh&#xE4;ngigkeit sowie das &#xF6;kologische Erbe der Aralsee-Katastrophe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf seinem Weg wandelt der Fluss immer wieder seinen Charakter. Er entspringt in den Bergen und wird entlang des Pjandsch zur Grenze. Am Wachsch liefert er Strom. Bei <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Termiz\">Termiz<\/a> trennt und verbindet er zugleich Usbekistan und Afghanistan. In <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Choresmien\">Choresmien<\/a> wird er zur verborgenen Infrastruktur der Zivilisation. Und nahe <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mo%CA%BBynoq\">Moynaq<\/a> endet seine Geschichte in einer Landschaft, die durch das Ausbleiben des Wassers grundlegend ver&#xE4;ndert wurde.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Gebirgswasser<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt keine einzelne, spektakul&#xE4;re Quelle, an der der Amudarja pl&#xF6;tzlich entspringt. Sein Ursprung verteilt sich auf ein gewaltiges Gebirgssystem. Der Pjandsch entw&#xE4;ssert Hochlandgebiete Afghanistans und Tadschikistans und bildet einen Gro&#xDF;teil der Grenze zwischen diesen L&#xE4;ndern. Der Wachsch durchflie&#xDF;t Tadschikistan, bevor er in den Pjandsch m&#xFC;ndet. Von diesem Zusammenfluss an flie&#xDF;t der vereinte Strom unter dem Namen Amudarja nach Westen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"960\" height=\"640\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2026\/09\/960px-Panj_river_Wakhan_44225098661.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-45198\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2026\/09\/960px-Panj_river_Wakhan_44225098661.jpg 960w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2026\/09\/960px-Panj_river_Wakhan_44225098661-300x200.jpg 300w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2026\/09\/960px-Panj_river_Wakhan_44225098661-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Der Pjandsch vor seinem Zusammenfluss mit dem Wachsch, Photo: Ninara \/ Wikimedia Commons.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Landschaft bildet das Gegenst&#xFC;ck zu dem, was flussabw&#xE4;rts wartet. Steile T&#xE4;ler sowie schneebedeckte und vergletscherte Berge speisen einen Fluss, der sp&#xE4;ter einige der trockensten bewohnten Gebiete Eurasiens durchqueren wird. Wasser, das hoch in den Bergen als Niederschlag f&#xE4;llt oder gefriert, wird schlie&#xDF;lich Felder bew&#xE4;ssern, die Hunderte von Kilometern entfernt liegen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese physische Verbindung ist einer der Gr&#xFC;nde, warum Klima und Wassermanagement am Oberlauf so wichtig f&#xFC;r die Gebiete flussabw&#xE4;rts sind. Das Aralbecken selbst ist letztlich stark von Flusssystemen abh&#xE4;ngig, die durch Gebirgsschnee und Gletscherschmelze gespeist werden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Der Wachsch: Stromgewinnung durch Wasserkraft<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bevor er in den Pandsch m&#xFC;ndet, &#xFC;bernimmt der Wachsch eine weitere Rolle: die der Energiegewinnung. Tadschikistan hat sein Stromversorgungssystem weitgehend auf Wasserkraft ausgerichtet, und das riesige <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Rogun-Staudamm\">Rogun<\/a>-Projekt, das derzeit am Wachsch errichtet wird, bildet das Herzst&#xFC;ck dieser Strategie.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Juni 2026 <a href=\"https:\/\/www.worldbank.org\/en\/news\/press-release\/2026\/06\/30\/advancing-energy-security-and-jobs-through-the-transformative-rogun-hydropower-project\">genehmigte<\/a> die Weltbank weitere Mittel in H&#xF6;he von 300 Millionen US-Dollar zur Finanzierung des Projekts. Nach der vollst&#xE4;ndigen Inbetriebnahme soll das Kraftwerk j&#xE4;hrlich rund 14.400 Gigawattstunden Strom erzeugen &#x2013; was etwa 60 Prozent der derzeitigen Stromerzeugung Tadschikistans entspricht. Zugleich soll es umfangreichere Stromexporte in die Nachbarl&#xE4;nder erm&#xF6;glichen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dies veranschaulicht eine der wiederkehrenden Komplexit&#xE4;ten der zentralasiatischen Wasserpolitik. F&#xFC;r Tadschikistan bedeuten Gebirgsfl&#xFC;sse Energiesicherheit, Stromversorgung im Winter und potenzielle Exporte. Flussabw&#xE4;rts erm&#xF6;glichen dieselben Wassermassen die Bew&#xE4;sserung der Landwirtschaft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Interessen sind nicht zwangsl&#xE4;ufig unvereinbar. Stauseen k&#xF6;nnen sowohl den Wasserfluss regulieren als auch Wasser speichern. Sie machen jedoch deutlich, dass Wasser nicht allein unter dem Aspekt der Menge betrachtet werden kann. Auch der Zeitpunkt der Speicherung und der Freisetzung spielt eine Rolle. Noch bevor der Name Amudarja &#xFC;berhaupt auf der Karte erscheint, ist der Fluss bereits zu einer wirtschaftlichen Infrastruktur geworden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Termiz: Afghanistan am anderen Ufer<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Termiz wird die Geopolitik des Amudarja greifbar. Der Fluss bildet die Grenze zwischen Usbekistan und Afghanistan. Jenseits des usbekischen Ufers liegt die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Balch_(Provinz)\">Provinz Balch<\/a>, w&#xE4;hrend nahe der Freundschaftsbr&#xFC;cke die afghanische Grenzstadt <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hairatan\">Hairatan<\/a> eines der wichtigsten Tore Afghanistans nach Zentralasien darstellt. Hier ist Afghanistan kein abstraktes Thema regionaler Diplomatie. Es liegt physisch pr&#xE4;sent auf der anderen Seite des Flusses.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Lest auch auf Novastan: <\/strong><a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/usbekistan\/termez-die-stadt-die-vom-krieg-und-von-der-grenze-lebt\/\"><strong>Termez &#x2013; die Stadt, die vom Krieg und von der Grenze lebt<\/strong><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Freundschaftsbr&#xFC;cke f&#xFC;hrt Stra&#xDF;en- und Bahnverbindungen &#xFC;ber den Amudarja. &#xDC;ber Jahrzehnte hinweg hat sie eine politische Symbolik erlangt &#x2013; sowjetische Truppen &#xFC;berquerten sie w&#xE4;hrend des Abzugs aus Afghanistan. Doch heute m&#xF6;chte Usbekistan, dass Termiz zunehmend f&#xFC;r etwas anderes steht: Handel, Logistik und Vernetzung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Wandel l&#xE4;sst sich unweit davon in <a href=\"https:\/\/airitom.com\/\">Airitom<\/a> beobachten. Die Freihandelszone nahm im August 2024 nahe der afghanischen Grenze ihren Betrieb auf. Sie wurde eigens zur F&#xF6;rderung des internationalen und grenz&#xFC;berschreitenden Handels eingerichtet und umfasst Einrichtungen aus den Bereichen Einzelhandel, Logistik, Hotellerie und Gesundheitswesen. Afghanische Staatsangeh&#xF6;rige k&#xF6;nnen die Zone f&#xFC;r Aufenthalte von bis zu 15 Tagen ohne usbekisches Visum betreten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2026\/09\/airitom-1152x1536-1-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-45197\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2026\/09\/airitom-1152x1536-1-768x1024.jpg 768w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2026\/09\/airitom-1152x1536-1-225x300.jpg 225w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2026\/09\/airitom-1152x1536-1.jpg 1152w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Freihandelszone Airatom, Photo: Mathieu Lemoine \/ Novastan.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die geografische Lage ist markant: Die Zone liegt <a href=\"https:\/\/www.voanews.com\/a\/uzbekistan-opens-free-economic-zone-on-afghan-border\/7789564.html\">direkt am Amudarja<\/a>. Derselbe Fluss, der als Staatsgrenze fungiert, wird somit zunehmend auch als Rand eines Wirtschaftskorridors zwischen Zentral- und S&#xFC;dasien wahrgenommen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Afghanistans Anspruch auf Wasser<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Handel ist nicht der einzige Weg, auf dem Afghanistan die Politik rund um den Amudarja neugestaltet. W&#xE4;hrend des Gro&#xDF;teils der Sowjetzeit erfolgte die Wasserverteilung flussabw&#xE4;rts innerhalb eines einzigen politischen Systems. Afghanistan wurde nie vollst&#xE4;ndig in die institutionellen Strukturen integriert, die die zentralasiatischen Republiken nach 1991 &#xFC;bernommen hatten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Asymmetrie l&#xE4;sst sich mittlerweile nur noch schwer ignorieren. Afghanistan baut derzeit den 285 Kilometer langen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kusch-Tepa-Kanal\">Qosh-Tepa-Kanal<\/a>, der durch die n&#xF6;rdlichen Provinzen des Landes verl&#xE4;uft. Erkl&#xE4;rtes Ziel ist es, Wasser aus dem Amudarja in d&#xFC;rregef&#xE4;hrdete landwirtschaftliche Gebiete zu leiten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus afghanischer Sicht ist das Argument eindeutig: Das Land hat einen erheblichen landwirtschaftlichen Bedarf und ein Interesse daran, einen Fluss zu nutzen, der entlang seiner Nordgrenze verl&#xE4;uft &#x2013; und das nach Jahrzehnten, in denen seine M&#xF6;glichkeiten zur Nutzung dieser Gew&#xE4;sser vergleichsweise eingeschr&#xE4;nkt waren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus der Sicht der flussabw&#xE4;rts gelegenen Staaten Usbekistan und Turkmenistan stellt sich das Projekt anders dar. Jede nennenswerte Wasserentnahme im Oberlauf verringert potenziell die Wassermenge, die in ihre Bew&#xE4;sserungsgebiete gelangt. Das Projekt hat sich daher zu einer der folgenreichsten neuen Fragen der <a href=\"https:\/\/www.lemonde.fr\/en\/international\/article\/2025\/12\/17\/afghanistan-the-realities-behind-the-economic-recovery-claimed-by-the-taliban_6748610_4.html\">zentralasiatischen Wasserpolitik<\/a> entwickelt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es w&#xE4;re jedoch irref&#xFC;hrend, das Qosh-Tepa-Projekt schlicht als drohenden &#x201E;Wasserkrieg&#x201C; darzustellen. Treffender ist es, die Angelegenheit als das Auftreten eines weiteren Gro&#xDF;verbrauchers an einem ohnehin schon stark beanspruchten Fluss zu betrachten. Dies unterstreicht die zentrale Gegebenheit im Einzugsgebiet des Amudarja: Alle Beteiligten haben Gr&#xFC;nde, mehr Wasser zu nutzen. Doch niemand kann einen weiteren Fluss erschaffen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Turkmenabat: Die W&#xFC;ste gestalten<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weiter westlich erreicht der Amudarja Turkmenistan und flie&#xDF;t an <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/T%C3%BCrkmenabat\">T&#xFC;rkmenabat<\/a> vorbei. Hier ist das Verh&#xE4;ltnis zwischen Wasser und menschlicher Besiedlung noch st&#xE4;rker durch technische Eingriffe gepr&#xE4;gt. Nahe der Stadt wird das Wasser des Amudarja in das gewaltige <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Karakumkanal\">Karakum-Kanalsystem<\/a> geleitet, das es nach Westen durch Turkmenistan f&#xFC;hrt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Projekt verk&#xF6;rperte eines der zentralen Ziele der sowjetischen Wasserwirtschaftsplanung: Anstatt sich den durch die Trockenheit auferlegten Beschr&#xE4;nkungen zu beugen, sollten Ingenieure Wasser durch die W&#xFC;ste leiten. Und technisch gesehen war dieses Vorhaben erfolgreich. Das Wasser erm&#xF6;glichte den Betrieb von landwirtschaftlichen Betrieben, Siedlungen und Industrieanlagen, die Hunderte von Kilometern vom Fluss entfernt lagen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch im gesamten Einzugsgebiet kam dieselbe Logik zur Anwendung. In Usbekistan und Turkmenistan breitete sich die bew&#xE4;sserte Landwirtschaft massiv aus, w&#xE4;hrend dem Amudarja zunehmend Wasser entzogen wurde, noch bevor er sein Delta erreichte. Dabei war die gro&#xDF;fl&#xE4;chige Bew&#xE4;sserung keineswegs eine sowjetische Erfindung; schon seit Jahrtausenden hatten flussabw&#xE4;rts gelegene Siedlungen den Fluss umgeleitet.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Choresmien: Eine Zivilisation erbaut durch Kan&#xE4;le<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kaum eine Landschaft verdeutlicht dies so sehr wie Choresmien. Wer in <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Xiva\">Xiva<\/a> ankommt, trifft auf eines der historisch dichtesten Stadtbilder Zentralasiens: Mauern aus Lehmziegeln, t&#xFC;rkisfarbene Kacheln, Minarette und Innenh&#xF6;fe, die sich aus einer extrem trockenen Umgebung erheben. Was man nicht zu Gesicht bekommt, ist der Amudarja. Xiva liegt nicht am heutigen Flussufer. Dieser scheinbare Widerspruch verr&#xE4;t uns so gut wie alles &#xFC;ber das historische Verh&#xE4;ltnis zwischen Choresmien und dem Wasser.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2026\/09\/02_khiva_wedding_kalta_minor-1152x1536-1-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-45189\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2026\/09\/02_khiva_wedding_kalta_minor-1152x1536-1-768x1024.jpg 768w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2026\/09\/02_khiva_wedding_kalta_minor-1152x1536-1-225x300.jpg 225w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2026\/09\/02_khiva_wedding_kalta_minor-1152x1536-1.jpg 1152w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Kalta Minor in Xiva, Photo: Mathieu Lemoine \/ Novastan.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Stadt existiert, weil der Fluss zu ihr geleitet wurde. Xiva liegt am Rande des Kulturlandes und bezog historisch gesehen Wasser aus dem Amudarja &#xFC;ber einen der <a href=\"https:\/\/www.iranicaonline.org\/articles\/khiva\/\">Hauptkan&#xE4;le der Oase<\/a>. Lange vor der Entstehung moderner Staaten oder sowjetischer wasserbaulicher Gro&#xDF;projekte hatten die Bewohner Choresmiens gelernt, die W&#xFC;ste durch Bew&#xE4;sserung in eine Oase zu verwandeln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die UNESCO-Dokumentation der antiken St&#xE4;dte und Festungen in der Aralsee-Region datiert die Bew&#xE4;sserungslandwirtschaft am Unterlauf des Amudarja auf das Ende des zweiten Jahrtausends v. Chr. und stellt einen direkten Zusammenhang zwischen Bew&#xE4;sserungskan&#xE4;len und der <a href=\"https:\/\/whc.unesco.org\/en\/tentativelists\/6903\">Entstehung fr&#xFC;her St&#xE4;dte<\/a> in dieser Region her.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hierbei geht es nicht nur um Arch&#xE4;ologie. Die Bew&#xE4;sserungssysteme helfen zu erkl&#xE4;ren, wie es Generationen von Menschen m&#xF6;glich war, in einer ansonsten extrem trockenen Landschaft zu leben, Landwirtschaft und Handel zu betreiben und St&#xE4;dte zu errichten. Der Unterlauf des Flusses war selbst nie v&#xF6;llig best&#xE4;ndig; sein Lauf verlagerte sich immer wieder. Kan&#xE4;le versandeten oder wurden umgeleitet. Siedlungen bl&#xFC;hten auf und verfielen, je nachdem, wie sich ihr Zugang zum Wasser ver&#xE4;nderte.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2026\/09\/03_khiva_panorama-1024x768-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-45196\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2026\/09\/03_khiva_panorama-1024x768-1.jpg 1024w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2026\/09\/03_khiva_panorama-1024x768-1-300x225.jpg 300w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2026\/09\/03_khiva_panorama-1024x768-1-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Die Oasenstadt Xiva verdankt ihre Rolle dem Wasser des Amudarjas, Photo: Mathieu Lemoine \/ Novastan.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die UNESCO-Dokumentation zum antiken Choresmien h&#xE4;lt ausdr&#xFC;cklich fest, dass Ver&#xE4;nderungen im Verlauf des Amudarja Auswirkungen auf die st&#xE4;dtischen Zentren hatten und dass die Siedlungen der Region eng mit den wechselnden Flussl&#xE4;ufen verkn&#xFC;pft waren. In Choresmien bedeutete die Kontrolle &#xFC;ber das Wasser zugleich die Kontrolle &#xFC;ber die Geografie der Zivilisation selbst.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Nukus: flussabw&#xE4;rts von allen<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf dem Weg nach <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nukus\">Nukus<\/a> hat der Amudarja eine au&#xDF;ergew&#xF6;hnliche Abfolge menschlicher Eingriffe hinter sich. Flussaufw&#xE4;rts gelegene Stauseen regulieren seinen Lauf. Afghanistan und Turkmenistan leiten sein Wasser ab. Landwirtschaftliche Regionen in Usbekistan sind von ihm abh&#xE4;ngig. Wenn der Fluss Karakalpakstan erreicht, spiegelt er die Summe aller Entscheidungen wider, die im gesamten internationalen Einzugsgebiet getroffen wurden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Lest auch auf Novastan: <\/strong><a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/usbekistan\/der-enthusiast-der-wueste-wie-in-nukus-eine-der-bedeutendsten-avantgarde-sammlungen-entstand\/\"><strong>Der Enthusiast der W&#xFC;ste &#x2013; Wie in Nukus eine der bedeutendsten Avantgarde-Sammlungen entstand<\/strong><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nahe Nukus breitet sich der Amudarja in einer weiten, flachen Landschaft aus; sein Flussbett ist von freiliegenden Uferbereichen und flachen Inseln durchsetzt. Er unterscheidet sich stark von dem Gebirgswasser, mit dem die Reise einst begann. Nukus liegt nicht nur geografisch, sondern auch politisch flussabw&#xE4;rts. Gemeinden am Unterlauf eines Flusses bestimmen nicht allein &#xFC;ber ihre Wasserversorgung. Sie erhalten das kumulierte Ergebnis von Entscheidungen, die &#xFC;berall flussaufw&#xE4;rts getroffen wurden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2026\/09\/04_amu_darya_near_nukus-1024x768-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-45195\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2026\/09\/04_amu_darya_near_nukus-1024x768-1.jpg 1024w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2026\/09\/04_amu_darya_near_nukus-1024x768-1-300x225.jpg 300w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2026\/09\/04_amu_darya_near_nukus-1024x768-1-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Der Amudarja in der N&#xE4;he von Nukus, Photo: Mathieu Lemoine \/ Novastan.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Realit&#xE4;t ist nach wie vor hochaktuell. Im Juni 2026 unterzeichneten Usbekistan, das <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Entwicklungsprogramm_der_Vereinten_Nationen\">Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP)<\/a> und die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Globale_Umweltfazilit%C3%A4t\">Globale Umweltfazilit&#xE4;t (GEF)<\/a> das <a href=\"https:\/\/www.undp.org\/uzbekistan\/press-releases\/uzbekistan-advances-integrated-water-management-aral-sea-region-new-lower-amu-darya-basin-planning-framework\">Konzept<\/a> f&#xFC;r einen Plan zum integrierten Management der Wasserressourcen im Becken des unteren Amudarja. Die Initiative zielt darauf ab, einen st&#xE4;rker koordinierten und wissenschaftlich fundierten Rahmen f&#xFC;r die Bewirtschaftung der Wasserressourcen und &#xD6;kosysteme in der Region des Unterlaufs und des Aralsees zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dies stellt den Versuch dar, den unteren Amudarja als zusammenh&#xE4;ngendes hydrologisches System zu betrachten &#x2013; und nicht blo&#xDF; als Gew&#xE4;sser, das zwischen verschiedenen Verwaltungsgebieten aufgeteilt ist. Doch das Ausma&#xDF; der historischen Sch&#xE4;den wird weiter n&#xF6;rdlich deutlicher.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Moynaq: ein Hafen ohne Wasser<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Moynaq ist eines der bekanntesten Bilder Zentralasiens fast schon zu vertraut geworden: Fischerboote liegen im Sand. Besucher fotografieren ihre rostenden R&#xFC;mpfe. Was einst als Zeugnis des wirtschaftlichen Zusammenbruchs galt, hat ein seltsames Nachleben als Touristenattraktion gewonnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch die Boote sind von Bedeutung aufgrund dessen, was sie umgibt &#x2013; oder vielmehr: was fehlt: Wasser. Einst war der Aralsee der viertgr&#xF6;&#xDF;te Binnensee der Erde. Sein Wasserstand hing ma&#xDF;geblich von den Fl&#xFC;ssen Amudarja und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Syrdarja\">Syrdarja<\/a> ab. Die massive Umleitung von Flusswasser zur Bew&#xE4;sserung f&#xFC;hrte dazu, dass die Zuflussmenge einbrach. Der See schrumpfte und zerfiel in mehrere Teile.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2026\/09\/05_muynak_ship-1024x768-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-45193\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2026\/09\/05_muynak_ship-1024x768-1.jpg 1024w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2026\/09\/05_muynak_ship-1024x768-1-300x225.jpg 300w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2026\/09\/05_muynak_ship-1024x768-1-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Schiffswrack in Moynaq, Photo: Mathieu Lemoine \/ Novastan.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F&#xFC;r Moynaq war dies nicht blo&#xDF; eine Umweltstatistik. Es bedeutete das Verschwinden jener wirtschaftlichen Basis, um die herum sich die Stadt entwickelt hatte. Fischerei und Fischverarbeitung waren auf eine Uferlinie angewiesen, die sich immer weiter entfernte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die rostenden Boote lassen sich gewisserma&#xDF;en als die letzten Glieder einer Kette betrachten, die in den Bergen ihren Anfang nimmt. Stauseen, Kan&#xE4;le, Bew&#xE4;sserungssysteme und landwirtschaftliche Entscheidungen, die Hunderte oder Tausende von Kilometern flussaufw&#xE4;rts getroffen wurden &#x2013; sie alle beeinflussen, wie viel Wasser schlie&#xDF;lich den untersten Teil des Beckens erreicht. Von Moynaq aus l&#xE4;sst sich die Geschichte des Flusses gleichsam r&#xFC;ckw&#xE4;rts nachvollziehen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Der See ist nicht ganz verschwunden<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In verbreiteten Darstellungen hei&#xDF;t es oft, der Aralsee sei &#x201E;verschwunden&#x201C;. Die Realit&#xE4;t ist jedoch komplexer. Der See zerfiel in einzelne Gew&#xE4;sser. Gro&#xDF;e Teile seines ehemaligen Bodens liegen heute trocken, w&#xE4;hrend sich zwischen den verbliebenen n&#xF6;rdlichen und s&#xFC;dlichen Wasserfl&#xE4;chen erhebliche Unterschiede herausgebildet haben. Die &#xF6;kologische Katastrophe war gewaltig, doch der Aralsee ist nicht buchst&#xE4;blich verschwunden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2026\/09\/06_aral_sea_karakalpakstan-1024x768-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-45188\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2026\/09\/06_aral_sea_karakalpakstan-1024x768-1.jpg 1024w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2026\/09\/06_aral_sea_karakalpakstan-1024x768-1-300x225.jpg 300w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2026\/09\/06_aral_sea_karakalpakstan-1024x768-1-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Der Aralsee in Karakalpakstan, Photo: Mathieu Lemoine \/ Novastan<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Unterscheidung ist wichtig. Sie verhindert, dass die Region auf das <a href=\"https:\/\/www.unep.org\/resources\/emerging-issues\/changing-aral-sea\">blo&#xDF;e Bild einer unumkehrbaren Apokalypse<\/a> reduziert wird. Der n&#xF6;rdliche <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/N%C3%B6rdlicher_Aralsee\">Kleine Aralsee<\/a> hat beispielsweise gezeigt, dass gezielte wasserwirtschaftliche Ma&#xDF;nahmen zumindest eine teilweise &#xF6;kologische Erholung bewirken k&#xF6;nnen. Auf der usbekischen Seite hingegen vermittelt die Landschaft rund um die s&#xFC;dlichen &#xDC;berreste das Ausma&#xDF; dessen, was verloren gegangen ist.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Ein Fluss, konkurrierende Zuk&#xFC;nfte<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es w&#xE4;re ein Leichtes, die Geschichte des Amudarja allein als eine Geschichte der Umweltzerst&#xF6;rung zu erz&#xE4;hlen. Das w&#xE4;re jedoch unvollst&#xE4;ndig. Der Fluss versorgt nach wie vor Millionen von Menschen und dient als Grundlage f&#xFC;r mehrere sehr unterschiedliche Entwicklungsstrategien.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Tadschikistan ben&#xF6;tigt Strom. Afghanistan braucht bew&#xE4;ssertes Ackerland. Usbekistan ben&#xF6;tigt Wasser f&#xFC;r die Landwirtschaft und bem&#xFC;ht sich zugleich um eine effizientere Bew&#xE4;sserung. Turkmenistan ist nach wie vor in hohem Ma&#xDF;e auf das Wasser angewiesen, das &#xFC;ber sein Kanalsystem aus dem Fluss abgeleitet wird. Karakalpakstan ben&#xF6;tigt ausreichende Wassermengen, um die Gemeinden und &#xD6;kosysteme am Ende des Einzugsgebiets zu erhalten. All diese Anforderungen sind verst&#xE4;ndlich. Die Schwierigkeit liegt darin, dass sie gleichzeitig bestehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Lest auch auf Novastan: <\/strong><a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/umwelt-und-technologie\/der-aralsee-heute-nur-kleinere-pfuetzen-ein-interview-mit-dem-oekologen-yusup-kamalov\/\"><strong>Der Aralsee heute: Nur &#x201E;kleinere Pf&#xFC;tzen&#x201C; &#x2013; Ein Interview mit dem &#xD6;kologen Yusup Kamalov<\/strong><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Qosh-Tepa-Kanal ist daher nicht deshalb von Bedeutung, weil der Wettbewerb um den Amudarja neu w&#xE4;re, sondern weil sich die politische Geografie dieses Wettbewerbs wandelt. Afghanistan entwickelt sich zu einem weitaus bedeutenderen Wassernutzer in einem System, dessen postsowjetische Institutionen weitgehend ohne das Land errichtet wurden. Zugleich m&#xFC;ssen der Ausbau der Wasserkraft in Tadschikistan, die Bew&#xE4;sserung flussabw&#xE4;rts, &#xF6;kologische Wiederherstellungsma&#xDF;nahmen und der durch den Klimawandel bedingte Druck innerhalb desselben hydrologischen Systems nebeneinander bestehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt keine einzelne technologische L&#xF6;sung, die diese grundlegende Einschr&#xE4;nkung beseitigt. Effizientere Bew&#xE4;sserung kann helfen. Bessere Kan&#xE4;le k&#xF6;nnen helfen. Eine verbesserte regionale Koordinierung kann helfen. Ein Management auf Ebene des Einzugsgebiets kann helfen. Doch nichts davon kann den Amudarja unersch&#xF6;pflich machen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Von Eis zu Sand &#x2013; und wieder Wasser<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Au&#xDF;ergew&#xF6;hnliche daran, dem Lauf des Amudarja zu folgen, ist die Vielfalt der Welten, die zu einem einzigen Fluss geh&#xF6;ren k&#xF6;nnen. In den Bergen entspringt sein Wasser inmitten von Schnee und Gletschern. Entlang des Pjandsch trennt er Afghanistan und Tadschikistan. Am Wachsch wird er zu Elektrizit&#xE4;t.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei Termiz bildet der Fluss die Grenze Usbekistans zu Afghanistan, w&#xE4;hrend Airitom versucht, diese Grenze in ein Handelsportal zu verwandeln. In Choresmien leiteten Kan&#xE4;le das Wasser zu St&#xE4;dten, die ohne den Fluss niemals h&#xE4;tten &#xFC;berleben k&#xF6;nnen. Nahe Nukus zeigen sich geb&#xFC;ndelt die Folgen von Entscheidungen, die im gesamten Einzugsgebiet getroffen wurden. In Moynaq liegen Schiffe dort auf dem Trockenen, wo einst Wasser stand. Und weiter dahinter sind noch Teile des Aralsees erhalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Lest auch auf Novastan: <\/strong><a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/umwelt-und-technologie\/was-passiert-wenn-die-wasserressourcen-zentralasiens-knapp-werden\/\"><strong>Was passiert, wenn die Wasserressourcen Zentralasiens knapp werden?<\/strong><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die St&#xE4;dte Zentralasiens werden meist &#xFC;ber Denkm&#xE4;ler, Herrscher und Reiche erkl&#xE4;rt &#x2013; die Mauern von Xiva, das buddhistische Termiz, die Museen von Nukus. Doch unter all dem verl&#xE4;uft eine andere Geschichte: die Geschichte von Gletschern, Wasserl&#xE4;ufen, Staud&#xE4;mmen und Kan&#xE4;len.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#xDC;ber Jahrtausende hinweg hat der Amudarja bestimmt, wo Besiedlung m&#xF6;glich war, wo die Landwirtschaft florieren und wo sich politische Macht konzentrieren konnte. Hoch in den Bergen beginnt das Wasser noch immer seine Reise in die Ebenen. Am anderen Ende dieser Reise liegen Schiffe in der W&#xFC;ste, w&#xE4;hrend dahinter ein geschrumpftes Meer fortbesteht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zwischen diesen beiden Landschaften liegt ein Gro&#xDF;teil der Vergangenheit Zentralasiens &#x2013; und eine der entscheidenden Fragen f&#xFC;r seine Zukunft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right wp-block-paragraph\"><strong>Mathieu Lemoine f&#xFC;r Novastan<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right wp-block-paragraph\"><strong>Aus dem <\/strong><a href=\"https:\/\/novastan.org\/en\/environment\/amu-darya-pamirs-aral-sea-central-asia\/\"><strong>Englischen<\/strong><\/a><strong> von Robin Roth<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph\"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kan&#xE4;len: Schaut mal vorbei bei <a href=\"https:\/\/twitter.com\/novastan_de\">Twitter<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Novastan.org\/\">Facebook<\/a>, <a href=\"https:\/\/telegram.me\/novastan\">Telegram<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/company\/novastan\/\">Linkedin<\/a> oder <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/novastanorg\/\">Instagram<\/a>. 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