{"id":45090,"date":"2026-07-29T21:18:48","date_gmt":"2026-07-29T19:18:48","guid":{"rendered":"https:\/\/novastan.org\/de\/?p=45090"},"modified":"2026-07-29T21:18:52","modified_gmt":"2026-07-29T19:18:52","slug":"nader-schah-afschar-und-irans-einfluss-auf-zentralasien-vor-300-jahren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/novastan.org\/de\/panorama\/nader-schah-afschar-und-irans-einfluss-auf-zentralasien-vor-300-jahren\/","title":{"rendered":"Nader Schah Afschar und Irans Einfluss auf Zentralasien vor 300 Jahren"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Fragt man nach dem heutigen Einfluss des Iran auf Zentralasien, f&#xE4;llt die Antwort n&#xFC;chtern aus: Er ist gering. Der anhaltende Konflikt zwischen dem Iran und den USA wirkt dabei als zus&#xE4;tzlicher Hemmfaktor. Auch das Erbe der historischen persischen Kultur ist zunehmend in den Hintergrund ger&#xFC;ckt und spielt im Alltag der Menschen in Zentralasien kaum noch eine Rolle. Vor rund 300 Jahren stellte sich die Lage jedoch v&#xF6;llig anders dar. Damals stand Zentralasien kurz davor, Teil des Afschariden-Reichs zu werden. Die zentralasiatischen Staatsgebilde von Buchara und Chiwa w&#xE4;ren fast gar zur persischen Provinz geworden.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heutzutage spielt der Iran f&#xFC;r die Staaten Zentralasiens keine besondere Rolle mehr. <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Teheran\">Teheran <\/a>hat erstaunlich wenig Einfluss auf Kirgistan, Kasachstan, Usbekistan und Tadschikistan &#x2013; und das, obwohl die geografische N&#xE4;he eigentlich einen gr&#xF6;&#xDF;eren Einfluss erwarten l&#xE4;sst. Auch der Handel und die Diplomatie mit dem Iran erhalten wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen ist der Iran ein Durchgangshub f&#xFC;r die chinesische Handelspolitik. So war es aber nicht immer. Blickt man etwa 300 Jahre zur&#xFC;ck, ins Jahr 1740, so h&#xE4;tte der persische <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nader_Schah\">Nader Schah Afschar<\/a> mit seiner 100 000-k&#xF6;pfigen Armee beinahe <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Buxoro\">Buchara<\/a> und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Choresmien\">Choresmien<\/a> &#x2013; heutzutage wichtige Regionen Usbekistans &#x2013; zu seinen Vasallenstaaten gemacht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nader Schah Afschar aus der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Afschariden\">Afschariden<\/a>-Dynastie, der sich vom mittellosen Hirten zum Eroberer Indiens und Bezwinger der Osmanen hochgearbeitet hatte, f&#xFC;hrte das <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Perserreich\">Perserreich<\/a> zu seiner fr&#xFC;heren Gr&#xF6;&#xDF;e aus der Zeit der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Safawiden\">Safawiden<\/a> und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sassanidenreich\">Sassaniden<\/a> zur&#xFC;ck. Nicht nur wegen seines pl&#xF6;tzlichen Todes, gelang es dem Schah nicht, in Zentralasien Fu&#xDF; zu fassen. Die Bev&#xF6;lkerung der eroberten Gebiete erwies sich als so schwer zu beherrschen, dass der persische Herrscher weder die Zeit noch die Ressourcen hatte, sie in sein Reich zu integrieren. Dieser Feldzug [von 1740] war der letzte glanzvolle H&#xF6;hepunkt der iranischen Macht in der Region. Mit der Ermordung des <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schah\">Schahs<\/a> versank Persien in eine &#xC4;ra des Chaos und verschaffte den zentralasiatischen Staaten Zeit f&#xFC;r das Entstehen von neuen Herrscherdynastien.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Ein Reich das von Krieg lebte<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gegen Ende der 1730er Jahre vollendete Nader Schah Afschar die politische Vereinigung des Iran, indem er Gebiete mit &#xFC;berwiegend persischer Bev&#xF6;lkerung zur&#xFC;ckeroberte, die in den 1720er Jahren im Zuge der afghanischen und osmanischen Invasionen verloren gegangen waren. Wichtige Provinzen kamen wieder unter einheitliche Kontrolle, doch die Wiederherstellung der Zentralgewalt war mit hohen Kosten verbunden. Ein Jahrzehnt der Besetzung durch afghanische und t&#xFC;rkische Truppen hatte das Land verw&#xFC;stet: St&#xE4;dte wie <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Isfahan\">Isfahan<\/a>, das seinen Status als Hauptstadt verloren hatte, standen halb leer, und die l&#xE4;ndlichen Gebiete waren teils entv&#xF6;lkert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Lest auch auf Novastan: <\/strong><a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/panorama\/die-tschagataiden-brueder-die-die-steppe-zaehmen-wollten\/\"><strong>Die Tschagataiden: Br&#xFC;der, die die Steppe z&#xE4;hmen wollten<\/strong><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der wirtschaftliche Niedergang, der bereits unter den Safawiden eingesetzt hatte, entwickelte sich zu einem v&#xF6;lligen wirtschaftlichen Zusammenbruch. Die landwirtschaftliche Produktion in den persischen Schl&#xFC;sselregionen, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Fars\">Fars<\/a> und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Chorasan\">Chorasan<\/a>, halbierte sich oder ging sogar noch st&#xE4;rker zur&#xFC;ck: Es mangelte an Arbeitskraft f&#xFC;r die Bew&#xE4;sserungssysteme und Kan&#xE4;le, Bauern flohen vor den pl&#xFC;ndernden Truppen in die Berge. Das Handwerk in den persischen Handelszentren kam praktisch zum Erliegen. Der Karawanenhandel wiederum ging um etwa zwei Drittel zur&#xFC;ck und der Seidenexport ins Osmanische Reich und nach Russland halbierte sich. [&#x2026;] Dies wirkte sich auf die Steuereinnahmen aus, die zunehmend sanken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unter diesen Umst&#xE4;nden wurde die Armee des Schah mit einer Gesamtst&#xE4;rke von &#xFC;ber 150.000 Mann im Grunde genommen zum einzigen Stabilit&#xE4;tsfaktor des Staates, der die Loyalit&#xE4;t des Feudaladels garantierte. Der Unterhalt einer derart zahlreichen Streitmacht stellte jedoch eine schwere Belastung f&#xFC;r die Staatskasse dar, zumal die persische Armee zu ihrer Zeit zu den fortschrittlichsten in Asien z&#xE4;hlte. [&#x2026;]<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Lest auch auf Novastan: <\/strong><a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/panorama\/fotoreise-durch-turkestan-ethnographischen-fotografien-des-19-und-20-jahrhunderts\/\"><strong>Fotoreise durch Turkestan: Ethnographische Fotografien des 19. und 20. Jahrhunderts<\/strong><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Den Truppen regelm&#xE4;&#xDF;ig Sold zu zahlen, erforderte allerdings st&#xE4;ndige Einnahmen in die Staatskasse. Dies konnte die ruinierte Wirtschaft des persischen Reiches kaum gew&#xE4;hrleisten Das Reich suchte deshalb nach neuen Einnahmequellen und hoffte auf erfolgreiche Gebietseroberungen: Tats&#xE4;chlich brachte der Feldzug nach Indien im Fr&#xFC;hjahr 1739 kolossale Kriegsbeute ein. [&#x2026;] Die wichtigsten Sch&#xE4;tze des <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mogulreich\">Mogulreichs<\/a> wurden erbeutet, darunter wertvolle Edelsteine und Diamanten, Elefanten mit goldenem Geschirr, Tonnen von Elfenbein und indischen Stoffen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die H&#xE4;lfte der Beute floss in die Armee und die Flotte, unter anderem f&#xFC;r den Kauf von Kanonen und Schie&#xDF;pulver bei den Niederl&#xE4;ndern. Der Rest diente der Befestigung von Chorasan als Br&#xFC;ckenkopf f&#xFC;r den Vorsto&#xDF; nach Zentralasien. Denn, wie der Hofhistoriker Nadir Muhammad Kazim damals schrieb: <em>&#x201E;Unter dem Einfluss seines unstillbaren Eroberungsdrangs hatte der siegreiche Herrscher bereits zu diesem Zeitpunkt beschlossen, dass er nach der Eroberung Indiens die Eroberung<\/em><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Russische_Eroberung_Turkestans\"><em> <\/em><em>Turkestans<\/em><\/a><em> in Angriff nehmen w&#xFC;rde.&#x201C;<\/em><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Chaos jenseits des Amudarja<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Iran wurde die politische Macht zunehmend konsolidiert. Demgegen&#xFC;ber herrschten in Zentralasien K&#xE4;mpfe und Macht und Ressourcen verschiedener Stammesverb&#xE4;nde und Feudalherren vor. In <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Xiva\">Chiwa<\/a> befanden sich kasachische Nomadenst&#xE4;mme (<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/J%C3%BCz\">J&#xFC;z<\/a>), die nach dem Tod von <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Tauke_Khan\">Tauke-Khan<\/a> in eine Phase innerer Unruhen geraten waren. Die Destabilisierung, begleitet von st&#xE4;ndigen &#xDC;berf&#xE4;llen der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Dsungarisches_Khanat\">Dschungaren<\/a>, verwandelte die unter den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Timuriden\">Timuriden <\/a>bl&#xFC;hende Region in ein Schlachtfeld.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Buchara stand <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Abu_al-Fayz_Khan\">Abulfeiz-Khan<\/a> aus der Dynastie der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Dschaniden\">Dschaniden <\/a>(auch: Astrachaniden), der seit 1711 formal regierte, unter der Kontrolle von Regenten, die weder den &#xE4;u&#xDF;eren noch den inneren Herausforderungen gewachsen waren. In den 1720er Jahren fielen Kasachen, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Karakalpakstan\">Karakalpaken<\/a> und Kirgisen &#xFC;ber <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Transoxanien\">Transoxanien<\/a> (auch: Mawara&#x2019;annahr) her, die ihrerseits von den Dschungaren aus dem Osten bedr&#xE4;ngt wurden.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"flex flex-col md:flex-row justify-evenly items-center bg-yellow-100 my-20 p-10 space-y-10 subscribe\">\n\t<div class=\"container flex flex-col lg:flex-row justify-between\">\n\t\t<div class=\"flex flex-col w-full lg:w-3\/5 pb-4\">\n\t\t\t<h2 class=\"text-3xl text-secondary font-bold mb-4 text-[#749D02]\">\n\t\t\t\t\t\t\t\tUnterst&#xFC;tzt Novastan &#x2013; das europ&#xE4;ische Zentralasien-Magazin \n\t\t\t<\/h2>\n\t\t\t\tAls vereinsgetragene, unabh&#xE4;ngige Plattform lebt Novastan vom Enthusiasmus seiner ehrenamtlichen Mitarbeiter:innen &#x2013; und von eurer Unterst&#xFC;tzung! \n\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<div class=\"flex flex-col w-full lg:w-2\/5 justify-items-center justify-center pb-4\">\n\t\t\t<div class=\"rounded-md bg-accent-500 px-10 py-5 text-center w-72 mx-auto\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<a class=\"block rounded bg-white p-2 mt-4 font-bold\" href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/novastan-ev\/spenden\/\">Novastan unterst&#xFC;tzen<\/a>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach Aussage eines Zeitgenossen geschah nach ihrem Einfall Folgendes: <em>&#x201E;Die einst so wundersch&#xF6;ne Region Buchara war so verarmt, dass sie auch sp&#xE4;ter, als diese Katastrophe vorbei war und viele Jahre in Frieden vergangen waren, nie wieder so bl&#xFC;hend wurde wie fr&#xFC;her.&#x201C;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Khan\"> Khan<\/a> [Abulfeiz] hatte die Kontrolle &#xFC;ber die Randgebiete verloren. Das Sagen hatten die eingewanderten St&#xE4;mme und lokale Dynastien. Die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mangit\">Mangiten<\/a> und Kungraten bem&#xFC;hten sich fast jedes Jahr darum, die Kontrolle &#xFC;ber die Zentralregierung zu erlangen. <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Taschkent\">Taschkent<\/a> wurde von den<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Oiraten\"> Oiraten <\/a>erobert. <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Badachschan\">Badachschan<\/a> und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Balch\">Balkh<\/a> spalteten sich ab, und in <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Qo%CA%BBqon\">Kokand<\/a> hatte der dortige herrschende Stamm bereits einen eigenen Staat gegr&#xFC;ndet. Die Wirtschaft des Khanats brach zusammen &#x2013; das <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Serafschan\">Serafschan-Tal<\/a> litt unter st&#xE4;ndigen D&#xFC;rren, die Bew&#xE4;sserungsarbeiten wurden aufgegeben, und der Seidenhandel mit Russland ging aufgrund der Expansion der Dschungaren um die H&#xE4;lfte zur&#xFC;ck. Die bucharische Armee jener Zeit bestand aus verstreuten Truppen nomadischer St&#xE4;mme und taugte allenfalls f&#xFC;r &#xDC;berf&#xE4;lle auf die Nachbarn, aber keineswegs f&#xFC;r einen richtigen Krieg.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Lest auch auf Novastan: <\/strong><a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/panorama\/der-fall-von-buchara-und-das-schicksal-der-tadschikinnen-war-es-eine-revolution\/\"><strong>Der Fall von Buchara und das Schicksal der Tadschik:innen: War es eine Revolution?<\/strong><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von der traurigen Lage im Khanat zeugen insbesondere die Aufzeichnungen des im russischen Dienst stehenden Italieners Florio Beneveni, der sich von 1721 bis 1723 im Auftrag des russischen Zaren <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Peter_der_Gro%C3%9Fe\">Peter I.<\/a> in Transoxanien aufhielt. Der Reisende berichtet: <em>&#x201E;Die Stadt [Buchara] war so sehr an Proviant und anderen Vorr&#xE4;ten verarmt, dass das einfache Volk gezwungen war, seine Kinder zu verkaufen, um sich davon zu ern&#xE4;hren, w&#xE4;hrend andere vor Hunger starben. Der Khan [Abulfeiz] selbst verlor mehr als die H&#xE4;lfte seiner Kamele, Pferde und sonstigen Viehbest&#xE4;nde und litt unter einem solchen Mangel an Proviant, da er sich scheute, Boten in seine D&#xF6;rfer zu schicken, damit die restlichen Kamele nicht in die H&#xE4;nde der Usbeken fielen.&#x201C;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Khanat von Chiwa unter <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ilbars\">Ilbars II.<\/a> (regierte dort seit 1728) befand sich dank seiner g&#xFC;nstigen Lage in einer etwas besseren Position. Die Einf&#xE4;lle der Dschungaren erreichten sie zwar nicht vollst&#xE4;ndig, doch waren die lokalen Gemeinschaften aufgrund st&#xE4;ndiger &#xDC;berf&#xE4;lle der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Turkmenen\">Turkmenen<\/a> und K&#xE4;mpfe zwischen St&#xE4;mmen ebenfalls vollst&#xE4;ndig zersplittert. Die Kan&#xE4;le der Chiwa-Oase verfielen, einzelne Gebiete fielen g&#xE4;nzlich aus dem Einflussbereich der Zentralmacht heraus. [&#x2026;]<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Gegensatz zu Buchara verf&#xFC;gte Chiwa jedoch trotz innerer Probleme &#xFC;ber eine kampfstarke Armee. Sowohl Ilbars II. als auch sein Vorg&#xE4;nger <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Shir_Ghazi_Khan\">Shir Ghazi Khan<\/a> [Khan des Khanats Chiwa &#x2013; Anm. der Red. von Novastan] pl&#xFC;nderten regelm&#xE4;&#xDF;ig sowohl die Gebiete Bucharas als auch die Randgebiete des persischen Reiches.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Grunde genommen dienten diese &#xDC;berf&#xE4;lle als formeller Vorwand f&#xFC;r den Einmarsch Nader Schah Afschars in Zentralasien. Eine <a href=\"https:\/\/archive.org\/details\/dli.ernet.1439\/page\/177\/mode\/2up\">britische Quelle<\/a> aus dem Jahr 1938 begr&#xFC;ndete den Feldzug der Perser gegen Buchara und Chiwa wie folgt: Die Perser wussten das Fehlen politischer Einheit in der Region f&#xFC;r ihren Vorteil zu nutzen. Nader Schah Afschar wollte seine Macht auf die lokalen Khanate auszudehnen und die n&#xF6;rdlichen Grenzen von Khorasan, die st&#xE4;ndig von usbekischen und turkmenischen St&#xE4;mmen verw&#xFC;stet wurden, absichern. Gerichtet war das Unterfangen aber auch gegen die m&#xF6;gliche Ausdehnung des Russischen Zarenreiches, insbesondere in Chiwa.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Feldzug gegen Zentralasien<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem also die Truppen von Ilbars II. in den Jahren 1734&#x2013;1735 einen weiteren &#xDC;berfall auf Choresmien unternommen hatten, nutzte Nader Schah Afschar die Feindseligkeiten zwischen den Turkmenen, die das R&#xFC;ckgrat der Armee von Chiwa bildeten, und ihren Nachbarn &#x2013; den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kurden\">Kurden<\/a> und den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kadscharen\">Kadscharen<\/a> &#x2013; aus, um die persische Grenzstadt <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Merw\">Merw<\/a> zu unterwerfen und sie anschlie&#xDF;end zu einem strategischen Hauptst&#xFC;tzpunkt f&#xFC;r Operationen im Norden und Osten auszubauen. Um seine Position in der Region zu festigen und deren Wirtschaft wiederzubeleben, ordnete der Schah an, alle, die sich ihm angeschlossen und unterworfen hatten, anschlie&#xDF;end in ihre Heimat zur&#xFC;ckzuschicken. [Dort sollten sie eine neue, ihm treue Ordnung erschaffen &#x2013; Anm. der Red. von Novastan]<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sein Hofhistoriker Muhammad Kazim zitiert folgende Worte Nadirs, die er an seine Soldaten gerichtet haben soll: <em>&#x201E;An meiner Seite habt ihr euer Leben geopfert, eure Pflicht standhaft und aufrichtig erf&#xFC;llt und eine wunderbare Treue bewiesen &#x2013; jenseits aller Ma&#xDF;st&#xE4;be. In Anerkennung eurer Verdienste und eurer Freundschaft gegen&#xFC;ber unserer Dynastie schenke ich auch euch meine Gunst. Um euch vor weiteren Ungl&#xFC;cksf&#xE4;llen in diesen unbekannten L&#xE4;ndern zu bewahren, schicke ich euch in eure geliebte Heimat, damit ihr dort, sobald ihr angekommen seid, als Erstes f&#xFC;r die n&#xF6;tige Ordnung sorgt und euch um das Wohlergehen dieses Landes k&#xFC;mmert.&#x201C;<\/em><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Feldzug gegen Indien<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Knapp zwei Jahre sp&#xE4;ter, im Jahr 1737, brach Nader Schah Afschar zum weiteren Feldzug an die Grenzen Indiens auf. W&#xE4;hrenddessen erhielt er von seinem Sohn und Thronfolger Reza Kuli Mirza, der Statthalter in Chorasan geworden war, die Nachricht, dass in Chiwa eine neue Elite das Ruder ergriff.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach den Worten des persischen Historikers <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Mirza_Mehdi_Khan_Astarabadi\">Mirza Mehdi Khan Astarabadi<\/a> aus dem 18. Jahrhundert: <em>&#x201E;Ilbars-chan, der Herrscher von Choresmien, hielt, nachdem er von dem Feldzug Seiner Majest&#xE4;t nach Indien erfahren hatte, das Schlachtfeld f&#xFC;r ger&#xE4;umt und stellte eine gro&#xDF;e Streitmacht aus Usbeken und choresmischen Turkmenen auf.&#x201C;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Reza Kuli Mirza wiederum sorgte unterdessen auf Befehl seines Vaters f&#xFC;r Ordnung in der benachbarten Region<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Balch_(Provinz)\"> Balkh<\/a>. Mit seiner &#xDC;berwachung wurde Nadirs alter Mitstreiter, der Feldherr <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Tahmasp_Khan_Jalayer\">Tahmasp Khan Jalayer<\/a>, betraut. Nachdem sie den Auftrag des Schahs erf&#xFC;llt hatten, &#xFC;berquerten Reza Kuli Mirza und sein Mentor den Fluss <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Amudarja\">Amudarja<\/a>, zerschlugen die schwachen Posten von Buchara und zogen weiter nach <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Qarshi\">Qarshi<\/a>. Dort regierte ein Oberhaupt der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mangit\">Mangyten<\/a> namens Ataliq Hakim-bi, einer der einflussreichsten W&#xFC;rdentr&#xE4;ger des Khanats, der von <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Abu_al-Fayz_Khan\">Abulfeiz-Khan<\/a> nach einem weiteren Streit zwischen den St&#xE4;mmen aus Buchara verbannt worden war. Nachdem sie die strategische Initiative ergriffen hatten, besiegten die persischen Truppen die Armee von Ataliq Hakim-bi bei Qarshi und belagerten anschlie&#xDF;end die Festung selbst. [&#x2026;]<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Lest auch auf Novastan: <\/strong><a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/panorama\/zentralasien-um-1910-die-fotografien-sergej-prokudin-gorskijs\/\"><strong>Zentralasien um 1910: Die Fotografien Sergej Prokudin-Gorskijs<\/strong><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Khan von Buchara, Abulfeiz-Khan, eilte den Belagerten mit einem gro&#xDF;en Heer zu Hilfe. Doch die Perser schlugen ihn in der entscheidenden Schlacht. Bezeichnenderweise bat der Khan auf seinem Weg nach Qarshi Ilbars II. um milit&#xE4;rische Unterst&#xFC;tzung. Die Armee von Chiwa traf allerdings zu sp&#xE4;t ein. Die Bucharier flohen bereits vom Schlachtfeld. Als Ilbars davon erfuhr, beschloss er, das nun schutzlos gewordene Buchara einzunehmen, verzichtete jedoch schlie&#xDF;lich aufgrund der N&#xE4;he der Perser auf diesen Plan.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trotz der Erfolge von Reza Kuli-Mirza wurde der weitere Feldzug am rechten Ufer des Flusses Amudarja auf Befehl von Nader Schah Afschar gestoppt. Der Schah, der sich auf einen gro&#xDF; angelegten Einmarsch in Indien vorbereitete, war besorgt &#xFC;ber den langwierigen Konflikt in Transoxanien und eine m&#xF6;gliche Niederlage seines Thronfolgers Reza Kuli Mirza.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Historiker nennen verschiedene Gr&#xFC;nde f&#xFC;r seine Entscheidung, den Feldzug [ins heutige Zentralasien] abzubrechen: die hohen Verluste der Perser in den bisherigen K&#xE4;mpfen und die Herausforderung, Kriege an zwei Fronten zu f&#xFC;hren. Der Schah entschied sich, vor&#xFC;bergehend Neutralit&#xE4;t gegen&#xFC;ber Buchara zu wahren. Die Truppen von Reza Kuli Mirza hoben die Belagerung von Qarshi auf und zogen sich zur&#xFC;ck.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Schachmatt f&#xFC;r Buchara<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Fr&#xFC;hjahr 1740, nachdem er die Staatskasse mit Beute aus Indien gef&#xFC;llt hatte, f&#xFC;hrte Nader Schah Afschar eine 100.000 Mann starke Armee zum Amudarja. [&#x2026;] Abulfeiz-Khan, der erkannte, dass er der Armee Nader Schah Afschars nichts entgegenzusetzen hatte, beauftragte den Anf&#xFC;hrer der Mangyten, Hakim-bi, mit den Persern zu verhandeln. Wie im Buch des bucharischen Historikers Muhammad Wafa-i Kerminegi vermerkt wird, sah der F&#xFC;rst, der seit langem mit dem Khan verfeindet war und dessen Rache f&#xFC;rchtete, in Nader Schah Afschars Einfall eine Chance, das Kr&#xE4;fteverh&#xE4;ltnis in Buchara grundlegend zu ver&#xE4;ndern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach den Worten des Historikers Mirza Muhammad Abdalazim Sami Bustani aus dem sp&#xE4;teren <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Emirat_Buchara\">Emirat Bukhara<\/a> aus dem 19. Jahrhundert: <em>&#x201E;Atalyq Hakim-bi, der die ungeb&#xFC;hrlichen Handlungen des Khans satt hatte und von dessen unw&#xFC;rdigem Verhalten bedr&#xFC;ckt war, suchte aus Angst vor der Hinrichtung st&#xE4;ndig nach einer g&#xFC;nstigen Gelegenheit. Die Ankunft von Nader Schah Afschars empfand er als Gnade des Himmels, schrieb dem Schah sogleich einen freundlichen und herzlichen Brief und bekundete seine Bereitschaft, ihm zu gehorchen.&#x201C;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Neben dem Brief sandte der Anf&#xFC;hrer der Mangyten seinen Sohn mit kostbaren Geschenken und einer Einladung nach Buchara zu Nader Schah Afschar. Dieser nahm den Gast wohlwollend auf und verschaffte ihm einen Platz in seinem Umfeld.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Lest auch auf Novastan: <\/strong><a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/panorama\/der-letzte-kasachische-khan-leben-und-tod-von-kenesary-qasymuly\/\"><strong>Der letzte kasachische Khan: Leben und Tod von Kenesary Qasym&#x16B;ly<\/strong><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erst Anfang September &#xFC;berquerte der Schah mit seinen Hauptstreitkr&#xE4;ften bei <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/T%C3%BCrkmenabat\">Tschardschou<\/a> (dem heutigen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/T%C3%BCrkmenabat\">Turkmenabad<\/a>) den Amudarja. Der ver&#xE4;ngstigte Abulfeiz-Khan entsandte Ataliq Hakim-Bi pers&#xF6;nlich zum Schah. Bei einer Audienz bei Nader Schah Afschar schilderte er diesem offen die innere Krise des Khanats und bekundete seine pers&#xF6;nliche Treue, wof&#xFC;r er vom Schah weitreichende Befugnisse als dessen Vertreter in Buchara erhielt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach seiner R&#xFC;ckkehr in die Hauptstadt weigerte sich Ataliq Hakim-bi jedoch, den Khan zu treffen, und verschanzte sich in der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mir-Arab-Madrasa\">Mir-Arab-Madrasa<\/a>. &#xDC;ber seine Anh&#xE4;nger begann er, Verwaltungsfunktionen an sich zu rei&#xDF;en und das Volk auf seine Seite zu ziehen. Dies steigerte seine Popularit&#xE4;t sprunghaft, wurde am Hof jedoch als Auflehnung gewertet. Das Umfeld des Khans entwickelte einen Plan, den Ataliq Hakim-bi unter dem Deckmantel von Verhandlungen zu entf&#xFC;hren und hinzurichten, doch dieser Plan scheiterte, und Abulfeiz-Khan war gezwungen, sich selbst zu Nader Schah Afschar zu begeben, um ihm seine Ehrerbietung zu erweisen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Mirza_Mehdi_Khan_Astarabadi\">Mirza Mehdi Khan Astarabadi<\/a> schreibt: <em>&#x201E;Zusammen mit Ataliq Hakim-bi, den <\/em><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hodscha\"><em>Hodschas<\/em><\/a><em> [den Adeligen &#x2013; Anm. der Red. von Novastan] sowie den Stammesf&#xFC;hrern, den Feldherren, den W&#xFC;rdentr&#xE4;gern und dem gesamten Volk trat er &#x201A;durch die T&#xFC;r der Unterwerfung&#x2018; ein, in der Hoffnung auf die Gnade des Schahs.&#x201C;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Lest auch auf Novastan: <\/strong><a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/usbekistan\/usbekistan-veroeffentlicht-bilder-von-der-oeffnung-des-grabes-von-amir-temur\/\"><strong>Usbekistan ver&#xF6;ffentlicht Bilder von der &#xD6;ffnung des Grabes von Amir Temur<\/strong><\/a><em><\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Abulfeyi-Khan &#xFC;berreichte dem Schah wertvolle Geschenke, zu denen laut dem iranischen Historiker Ahmad Panoh Simnoni &#x201E;vier Spiegel von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Timur\">Amir Timur<\/a>&#x201C; und &#x201E;das Gold von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Dschingis_Khan\">Dschingis Khan<\/a>&#x201C; geh&#xF6;rten. In Folge des Treffens wurde Nader Schah Afschar als Oberherr des Khanats von Buchara ernannt, Abulfeiz-Khan wurde als nomineller Vasallenherrscher beibehalten, die tats&#xE4;chliche Macht wurde jedoch an Ataliq Hakim-bi &#xFC;bertragen. [&#x2026;] Die Khan-Besitzungen am linken Ufer des Amudarja fielen an die Perser. Somit f&#xFC;hrte der Feldzug zur Errichtung eines Protektorats unter iranischer Hand und zum faktischen Ende der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Dschaniden\">Dschaniden-Dynastie<\/a>, die seit dem Ende des 16. Jahrhunderts in Buchara regiert hatte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch in <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Samarqand\">Samarkand<\/a> marschierte Nader Schah Afschars Heer kampflos ein. Aus der verblassten Hauptstadt des einstigen Reiches von Amir Timur, dem der Schah gro&#xDF;en Respekt entgegenbrachte, verschleppten die Perser zahlreiche Artefakte aus der Zeit der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Timuriden\">Timuriden<\/a>, darunter die verzierten T&#xFC;ren der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bibichonim-Moschee\">Bibichonim-Moschee<\/a>, Gold, Silber und Edelsteine sowie den Gro&#xDF;teil der in der Stadt verbliebenen Architekten, K&#xFC;nstler und Gelehrten. Samarkand wurde endg&#xFC;ltig zum Schatten seiner fr&#xFC;heren Pracht. Der Legende nach hatte Nader Schah Afschar vor, das Grabmal Amir Timurs, das aus schwarzem Nephrit gemacht war, nach <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Maschhad\">Maschhad<\/a> zu bringen, um damit sein zuk&#xFC;nftiges Grabmal zu schm&#xFC;cken. Doch unheilvolle Vorzeichen lie&#xDF;en ihn es sich anders &#xFC;berlegen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Chiwa zeigt die Z&#xE4;hne<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Noch w&#xE4;hrend seines Aufenthalts in Buchara sandte Nader Schah Afschar seine Gesandten zu Ilbars II., damit dieser sich ihm als Vasall unterwerfe, und forderte zugleich die Auslieferung der turkmenischen Anf&#xFC;hrer, die &#xDC;berf&#xE4;lle auf persische Gebiete ver&#xFC;bten. Der Khan von Chiwa wies jedoch alle Forderungen des Schahs zur&#xFC;ck und lie&#xDF; dessen Gesandte hinrichten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Gegensatz zu seinem Konrahenten aus Buchara bereitete sich Ilbars ernsthaft auf den Krieg vor und mobilisierte alle ihm zur Verf&#xFC;gung stehenden Ressourcen. Die erste gro&#xDF;e Schlacht gegen die Perser fand im Oktober 1740 in der Gegend von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/T%C3%BCrkmenabat\">Tschardschou<\/a> statt. Der Schah f&#xFC;hrte pers&#xF6;nlich ein Regiment ausgew&#xE4;hlter Kavallerie an, das die Reihen des Gegners durchbrach.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach den Worten von Mirza Mehdi Khan Astarabadi: <em>&#x201E;In einem gnadenlosen Angriff wurden sie [die Choresmier] besiegt und ergriffen die Flucht. Die Armee des Schahs nahm die Verfolgung auf. Bei vielen von ihnen &#x201A;entbrannten die Reisigzweige und Dornen des irdischen Daseins durch die Hitze des funkelnden Schwertes&#x2018;, viele wurden von der Schlinge des Feindes umschlungen. Sowohl gek&#xF6;pfte Leichen als auch lebende Gefangene lagen in gro&#xDF;er Zahl zu F&#xFC;&#xDF;en seiner Majest&#xE4;t.&#x201C;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die entscheidende Schlacht fand bei <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Pitnak\">Pitnak<\/a> an der s&#xFC;dlichen Grenze der Oase Choresmiens statt. Der Khan von Chiwa stellte ein 60.000 Mann starkes Heer auf, das sich aus turkmenischen (Jomuden) und usbekischen Truppen zusammensetzte. Unter dem Ansturm des zahlenm&#xE4;&#xDF;ig &#xFC;berlegenen Gegners ordnete Ilbars seine Kampfformationen wiederholt neu und startete Gegenangriffe, erlitt jedoch jedes Mal eine Niederlage.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schlie&#xDF;lich zog sich der Khan zur&#xFC;ck [&#x2026;]. Von den Persern belagert, wehrte er eine Zeit lang alle Angriffe des Feindes ab, musste sich aber schlie&#xDF;lich ergeben. Nadir ordnete an, sowohl Ilbars selbst als auch zwei Dutzend seiner Vertrauten hinzurichten. Einigen Quellen zufolge wurden ihnen die K&#xF6;pfe abgeschlagen, anderen zufolge befahl der Schah, der die Rache an seinen Gesandten noch nicht vergessen hatte, die Gefangenen lebendig zu begraben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Lest auch auf Novastan: <\/strong><a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/panorama\/zwischen-aralsee-und-kaspischem-meer-geschichte-und-archaeologie-turkmenistans\/\"><strong>Zwischen Aralsee und Kaspischem Meer: Geschichte und Arch&#xE4;ologie Turkmenistans<\/strong><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Anschlie&#xDF;end zog Nader Schah Afschar feierlich in Chiwa ein und befreite 30.000 iranische und einige russische Sklaven aus der Knechtschaft [&#x2026;]. Pl&#xFC;nderungen und Raubz&#xFC;ge unter seinen Kriegern unterband der Schah streng und bem&#xFC;hte sich im Allgemeinen auf jede erdenkliche Weise, die lokalen V&#xF6;lker f&#xFC;r sich zu gewinnen [&#x2026;].<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach Aussage von Muhammad Kazim: <em>&#x201E;Nader Schah Afschar zeigte seine k&#xF6;nigliche F&#xFC;rsorge f&#xFC;r die Gefangenen, verlieh ihnen Belohnungen, umschmeichelte und beg&#xFC;nstigte sie, st&#xE4;rkte sie durch seine k&#xF6;nigliche Gunst und entlie&#xDF; sie gn&#xE4;dig, damit sie zu ihren Nomadenlagern zur&#xFC;ckkehren und unter den Jomuden Ruhe stiften k&#xF6;nnten, indem er ihnen Hoffnung durch den Hinweis auf die Gnade und Gunst des Schahs gab.&#x201C;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als Statthalter in Chiwa ernannte der Schah einen Verwandten von Abulfeiz-Khan namens Tahir-Khan. Dem Khanat wurden Tributzahlungen sowie die Verpflichtung auferlegt, Hilfstruppen f&#xFC;r die Armee des Schahs zu stellen. Nachdem er eine persische Garnison in der Stadt zur&#xFC;ckgelassen hatte, kehrte der Schah nach <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Chorasan\">Chorasan<\/a> zur&#xFC;ck. Doch schon bald erhob der Adel von Chiwa einen Aufstand, Tahir-Khan wurde get&#xF6;tet und <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Nuraly_Khan\">Nuraly-Khan<\/a>, der Sohn des kasachischen <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Abul_Khair_Khan\">Abul Khair-Khan<\/a>, wurde auf den Thron gesetzt. Er regierte nur wenige Monate, bis die von Nader Schah Afschar entsandte Armee in Chiwa die Ordnung wiederherstellte und eine weitere Marionette der Perser zum Khan ernannte.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Das Ende der &#xC4;ra Nader Schah Afschars<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Feldzug von 1740, der unmittelbar auf die Eroberung Indiens folgte, markierte den H&#xF6;hepunkt der iranischen Expansion und einen historischen Wendepunkt: Nie zuvor und nie danach dehnten persische Dynastien ihre Grenzen so weit nach Osten aus. Dennoch gelang es dem Schah nicht, die Grundlagen f&#xFC;r die Verwaltung der eroberten Gebiete zu schaffen und die Khanate vollst&#xE4;ndig in sein Reich zu integrieren. Die weiteren Kriege des Schahs, die fast bis zu seinem Tod im Jahr 1747 gef&#xFC;hrt wurden, endeten bestenfalls ergebnislos und lenkten dabei die Aufmerksamkeit der Obrigkeit von administrativen und wirtschaftlichen Reformen ab.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>Seine Versuche, Schiiten und Sunniten zu vers&#xF6;hnen, blieben erfolglos. Unmittelbar nachdem der Nader Schah Afschar von Aufst&#xE4;ndischen umgebracht worden war, brach sein Reich zusammen, und der einzige seiner S&#xF6;hne, der das Werk seines Vaters wahrscheinlich erfolgreich h&#xE4;tte fortsetzen k&#xF6;nnen war bereits 1741 auf Befehl Nader Schah Afschars von der Thronfolge ausgeschlossen worden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Lest auch auf Novastan: <\/strong><a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/usbekistan\/zentralasien-durch-die-linse-vonbehzod-boltayev\/\"><strong>Zentralasien durch die Linse von&#x2026;Behzod Boltayev<\/strong><\/a><strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ataliq Hakim-bi, der die Herrschaft &#xFC;ber Buchara innehatte, verstarb im Jahr 1743. Sein Sohn, der seine Ausbildung bei Nadir Schah Afschar absolviert hatte, vollendete das Werk seines Vaters und gr&#xFC;ndete die neue Herrscherdynastie der Mangyten. &#xC4;hnlich verhielt es sich in Chiwa: Kurz nach dem Tod des Schahs wurden seine Statthalter gest&#xFC;rzt und get&#xF6;tet, und eine lokale Dynastie, die Kungrat, kam an die Macht und festigte die Unabh&#xE4;ngigkeit des Khanats.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die kurzzeitige iranische Herrschaft hat mit Blick in die Geschichte auf paradoxe Weise das politische Feld ger&#xE4;umt. Der Adel in Zentralasien konnte dank dem Niedergang Nader Schah Afschars lokal neue Herrscherdynastien begr&#xFC;nden und relativ stabile Staaten schaffen, die bis 1920 an der Macht blieben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right wp-block-paragraph\"><strong>Pjotr Bologow f&#xFC;r Fergana News<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right wp-block-paragraph\"><strong>Aus dem <a href=\"https:\/\/fergana.agency\/articles\/145069\/\">Russischen<\/a> (gek&#xFC;rzt) von Berenika Zeller<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph\"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kan&#xE4;len: Schaut mal vorbei bei <a href=\"https:\/\/twitter.com\/novastan_de\">Twitter<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Novastan.org\/\">Facebook<\/a>, <a href=\"https:\/\/telegram.me\/novastan\">Telegram<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/company\/novastan\/\">Linkedin<\/a> oder <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/novastanorg\/\">Instagram<\/a>. 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