{"id":44582,"date":"2026-04-25T20:29:48","date_gmt":"2026-04-25T18:29:48","guid":{"rendered":"https:\/\/novastan.org\/de\/?p=44582"},"modified":"2026-04-25T20:29:50","modified_gmt":"2026-04-25T18:29:50","slug":"das-taschkenter-erdbeben-1966-wir-beben-aber-wir-geben-nicht-auf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/novastan.org\/de\/gesellschaft-und-kultur\/das-taschkenter-erdbeben-1966-wir-beben-aber-wir-geben-nicht-auf\/","title":{"rendered":"Das Taschkenter Erdbeben 1966: \u201eWir beben, aber wir geben nicht auf\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong>Vor 60 Jahren zerst&#xF6;rte ein Erdbeben Usbekistans Hauptstadt Taschkent. Die Zerst&#xF6;rung entpuppte sich als Zeitenwende f&#xFC;r das Stadtbild, das durch den Wiederaufbau durch verschiedene Baumeister aus allen Sowjetrepubliken von nun an in einem neuen Kleid daherkam. Auch der deutsche Fotograf Heinz Kr&#xFC;ger war damals zuf&#xE4;llig vor Ort und lichtete die Zerst&#xF6;rung, aber auch die Hoffnung und den Wiederaufbau Taschkents ab.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die meisten Taschkenter schliefen noch, als vor 60 Jahren, am fr&#xFC;hen Morgen des 26.&#x202F;April&#x202F;1966 um 5:23&#x202F;Uhr lokaler Zeit ein starkes Erdbeben die Hauptstadt der damaligen Usbekischen Sozialistischen Sowjetrepublik ersch&#xFC;tterte. Das Beben war mit einer Magnitude von etwa 5,2&#x202F;auf der Richterskala bei einer sehr flachen Herdtiefe eigentlich nur mittelschwer. Da sich das Epizentrum jedoch mitten im Stadtzentrum befand, entfaltete es eine gewaltige Zerst&#xF6;rungskraft. Vor allem die elf Sekunden des ersten Erdsto&#xDF;es, aber auch viele Nachbeben in den folgenden Tagen und Wochen, zerst&#xF6;rten etwa 28.000&#x202F;Geb&#xE4;ude.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"824\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2026\/04\/Heinz_Krueger_Taschkent_Erdbeben_MusFalkensee-FHK-1512B-344-824x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-44588\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2026\/04\/Heinz_Krueger_Taschkent_Erdbeben_MusFalkensee-FHK-1512B-344-824x1024.jpg 824w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2026\/04\/Heinz_Krueger_Taschkent_Erdbeben_MusFalkensee-FHK-1512B-344-241x300.jpg 241w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2026\/04\/Heinz_Krueger_Taschkent_Erdbeben_MusFalkensee-FHK-1512B-344-768x954.jpg 768w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2026\/04\/Heinz_Krueger_Taschkent_Erdbeben_MusFalkensee-FHK-1512B-344-1236x1536.jpg 1236w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2026\/04\/Heinz_Krueger_Taschkent_Erdbeben_MusFalkensee-FHK-1512B-344.jpg 1613w\" sizes=\"auto, (max-width: 824px) 100vw, 824px\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Foto: Archiv Heinz Kr&#xFC;ger. Copyright&#xA0;gem. CCO, Museum und Galerie Falkensee<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Es gab nur sehr wenige moderne Hochh&#xE4;user, die auch standhielten. Die meisten traditionellen ein- und zweist&#xF6;ckigen H&#xE4;user aus Lehm wurden besch&#xE4;digt, st&#xFC;rzten aber nicht ein. So waren auch nur ein Dutzend Menschenleben und etwa 150 Verletzte zu beklagen. Dank des warmen Klimas war es kein Problem, dass die Stadt im Nu ins Freie umzog. In wenigen Tagen entstanden riesige Zeltsiedlungen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"825\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2026\/04\/Heinz_Krueger_Taschkent_Erdbeben_MusFalkensee-FHK-1512A-321-1024x825.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-44583\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2026\/04\/Heinz_Krueger_Taschkent_Erdbeben_MusFalkensee-FHK-1512A-321-1024x825.jpg 1024w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2026\/04\/Heinz_Krueger_Taschkent_Erdbeben_MusFalkensee-FHK-1512A-321-300x242.jpg 300w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2026\/04\/Heinz_Krueger_Taschkent_Erdbeben_MusFalkensee-FHK-1512A-321-768x619.jpg 768w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2026\/04\/Heinz_Krueger_Taschkent_Erdbeben_MusFalkensee-FHK-1512A-321-1536x1237.jpg 1536w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2026\/04\/Heinz_Krueger_Taschkent_Erdbeben_MusFalkensee-FHK-1512A-321.jpg 1965w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Foto: Archiv Heinz Kr&#xFC;ger. Copyright&#xA0;gem. CCO, Museum und Galerie Falkensee<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Neubau statt Wiederaufbau<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Taschkent war in den 1960er Jahren mit knapp einer Million Einwohnern die viertgr&#xF6;&#xDF;te Stadt der Sowjetunion und genoss in Moskau besondere Aufmerksamkeit. So wie Leningrad historisch als &#x201E;Fenster nach Europa&#x201C; galt, war Taschkent das &#x201E;Tor nach Osten&#x201C;. Dies stand synonym mit Usbekistan als &#x201E;Leuchtturm&#x201C; und Aush&#xE4;ngeschild, um die sogenannte dritte Welt anhand politischer, wirtschaftlicher und kultureller Diplomatie f&#xFC;r das sowjetische Gesellschaftsmodell zu begeistern.<\/p>\n\n\n\n<p>Moskau reagierte sofort auf die Katastrophe. Noch am selben Abend trafen Parteichef <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Leonid_Iljitsch_Breschnew\">Breschnew<\/a> und Regierungschef <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Alexei_Nikolajewitsch_Kossygin\">Kosygin<\/a> in Taschkent ein und erlebten w&#xE4;hrend der ersten Krisensitzung gleich ein kr&#xE4;ftiges Nachbeben. Dem Schicksalsschlag des Erdbeben-Epizentrums im unmittelbaren Stadtgebiet begegnete man in Taschkent mit dem durch Zufall fast fertigen neuen Generalbebauungsplan.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"flex flex-col md:flex-row justify-evenly items-center bg-yellow-100 my-20 p-10 space-y-10 subscribe\">\n\t<div class=\"container flex flex-col lg:flex-row justify-between\">\n\t\t<div class=\"flex flex-col w-full lg:w-3\/5 pb-4\">\n\t\t\t<h2 class=\"text-3xl text-secondary font-bold mb-4 text-[#749D02]\">\n\t\t\t\t\t\t\t\tUnterst&#xFC;tzt Novastan &#x2013; das europ&#xE4;ische Zentralasien-Magazin \n\t\t\t<\/h2>\n\t\t\t\tAls vereinsgetragene, unabh&#xE4;ngige Plattform lebt Novastan vom Enthusiasmus seiner ehrenamtlichen Mitarbeiter:innen &#x2013; und von eurer Unterst&#xFC;tzung! \n\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<div class=\"flex flex-col w-full lg:w-2\/5 justify-items-center justify-center pb-4\">\n\t\t\t<div class=\"rounded-md bg-accent-500 px-10 py-5 text-center w-72 mx-auto\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<a class=\"block rounded bg-white p-2 mt-4 font-bold\" href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/novastan-ev\/spenden\/\">Novastan unterst&#xFC;tzen<\/a>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p>Der schon auf dem Papier gehegte Traum einer sozialistischen Mustermetropole bekam &#xFC;ber Nacht die Chance auf eine z&#xFC;gige Umsetzung in Stahl und Beton. Der lokale KP-Chef <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Scharaf_Raschidow\">Sharof Rashidov<\/a> nutzte diese M&#xF6;glichkeit und konnte die Moskauer F&#xFC;hrung von der Umleitung gewaltiger Ressourcen an Fachkr&#xE4;ften, Material und Know-how aus der gesamten Sowjetunion in die usbekische Metropole &#xFC;berzeugen: Taschkent sollte nicht blo&#xDF; wieder aufgebaut, sondern entsprechend des sozialistischen Fortschrittsglaubens als ideale Stadt neu gebaut werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Generalbebauungsplan wurde im Rekordtempo adaptiert und Anfang 1967 verabschiedet. In den folgenden vier Jahren entstanden &#xFC;ber eine Million Quadratmeter neuer Wohn- und Nutzfl&#xE4;chen in der nun &#x201E;erdbebensicheren&#x201C; Hauptstadt. Ganz nach dem Motto <em>&#x201E;Wir beben, aber wir geben nicht auf&#x201C;<\/em>, wie es damals auf vielen H&#xE4;userw&#xE4;nden und Zelten geschrieben stand.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lest auch auf Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/gesellschaft-und-kultur\/architektonisches-versuchslabor-taschkent-ueber-den-denkmalwert-sowjetischer-plattenbauten\/\">Architektonisches Versuchslabor Taschkent: &#xDC;ber den Denkmalwert sowjetischer Plattenbauten<\/a><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>&#xDC;ber 100.000 Bauarbeiter und Bausoldaten, Ingenieure und Architekten folgten unter den Fahnen der Solidarit&#xE4;t und V&#xF6;lkerfreundschaft dem Ruf in die Usbekische SSR. Viele der am Wiederaufbau Beteiligten blieben nach vollendeten Arbeiten in Taschkent. Die Lebensqualit&#xE4;t der neuen Wohnviertel, ein leichterer Zugang zu andernorts knappen Wohnungen und das warme Klima gaben der Stadt, nach der Aufnahme vieler Waisenkinder w&#xE4;hrend des 2. Weltkrieges, einen weiteren Multikulti-Schub.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Der &#x201E;seismische Modernismus&#x201C;<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Die Moderne hielt Einzug in Taschkent. Breite Prospekte und Alleen sowie gro&#xDF;fl&#xE4;chige Wohnsiedlungen mit der <a href=\"https:\/\/dom-publishers.com\/products\/fassadenkunst-im-plattenbau\">wohl weltweit gr&#xF6;&#xDF;ten Vielfalt an Plattenbauten<\/a> entstanden. Die neu erbauten Wohnh&#xE4;user ersetzten die einst&#xF6;ckigen Bauten der Taschkenter Altstadt und dehnten die R&#xE4;nder des Stadtgebietes mit vielen Neubaugebieten um mehr als die H&#xE4;lfte aus.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"835\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2026\/04\/Heinz_Krueger_Taschkent_Erdbeben_MusFalkensee-FHK-1512A-213-835x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-44586\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2026\/04\/Heinz_Krueger_Taschkent_Erdbeben_MusFalkensee-FHK-1512A-213-835x1024.jpg 835w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2026\/04\/Heinz_Krueger_Taschkent_Erdbeben_MusFalkensee-FHK-1512A-213-245x300.jpg 245w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2026\/04\/Heinz_Krueger_Taschkent_Erdbeben_MusFalkensee-FHK-1512A-213-768x942.jpg 768w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2026\/04\/Heinz_Krueger_Taschkent_Erdbeben_MusFalkensee-FHK-1512A-213-1253x1536.jpg 1253w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2026\/04\/Heinz_Krueger_Taschkent_Erdbeben_MusFalkensee-FHK-1512A-213.jpg 1668w\" sizes=\"auto, (max-width: 835px) 100vw, 835px\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Foto: Archiv Heinz Kr&#xFC;ger. Copyright&#xA0;gem. CCO, Museum und Galerie Falkensee<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Ausgedehnte Gr&#xFC;nanlagen wurden erhalten und erweitert, um das Stadtbild aufzulockern und die kontinentalklimatische Sommerhitze zu lindern. Markante architektonische Experimente bei der Konstruktion &#xF6;ffentlicher Geb&#xE4;ude sowie &#xFC;berdimensionale, orientalisch angehauchte Keramik-Mosaike an vielen Hausw&#xE4;nden verliehen dem Stadtbild zus&#xE4;tzlichen Charme. Die erste Metro und der h&#xF6;chste Fernsehturm in Zentralasien trugen schlie&#xDF;lich zur sichtbaren Modernisierung Taschkents bei.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lest auch auf Novastan: <\/strong><a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/gesellschaft-und-kultur\/die-mosaike-von-taschkent-von-den-bruedern-jarsky-zum-kulturerbe\/\"><strong>Die Mosaike von Taschkent: Von den Br&#xFC;dern Jarsky zum Kulturerbe<\/strong><\/a><strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Diese gerade im Wohnungsbau sichtbare Spezifik der st&#xE4;dtebaulichen Transformation macht Taschkent bis heute zu einem architektonischen Unikat. Der Stil wird gern als &#x201E;<a href=\"\/www.gisela-graf.com\/webyep-system\/daten\/pdf\/PM_E_Seismic_Modernism.pdf\">seismischer Modernismus<\/a>&#x201C; beschrieben. Denn neben Moskau und Leningrad leisteten die Wohnungsbaukombinate aller anderen Sowjetrepubliken ihren Beitrag. Sie alle brachten ihre lokaltypischen Hochhaustypen und Wohnungsentw&#xFC;rfe mit und konnten sie in Taschkent umsetzen. So verband sich sowjetische Moderne in allen Varianten zwischen Tallinn, Baku und Nowosibirsk mit orientalisch angehauchtem Charme lokaler Bautradition.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"900\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2026\/04\/Bodo_Thoens_UZ_Taschkent_2021_April_000311.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-44593\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2026\/04\/Bodo_Thoens_UZ_Taschkent_2021_April_000311.jpg 600w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2026\/04\/Bodo_Thoens_UZ_Taschkent_2021_April_000311-200x300.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Das fr&#xFC;here Inturist&#xA0;und jetzige Hotel Uzbekistan als markantes Beispiel des &#x201E;seismischen Modernismus&#x201C;. Foto: Bodo Th&#xF6;ns<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Noch heute findet man an vielen H&#xE4;userbl&#xF6;cken aus dieser Zeit gemauerte Inschriften wie &#x201E;Von Leningrad f&#xFC;r Taschkent&#x201C;, &#x201E;Kharkov&#x201C; oder das &#x201E;Litauische Viertel&#x201C;. Nirgends in der Welt findet man eine solche Vielfalt unterschiedlicher Plattenbauten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2026\/04\/Bodo_Thoens_UZ_Taschkent_Erdbeben_Exkursion_Belarus_2026_April_000004-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-44590\" style=\"aspect-ratio:1.3333401151553377;width:1024px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2026\/04\/Bodo_Thoens_UZ_Taschkent_Erdbeben_Exkursion_Belarus_2026_April_000004-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2026\/04\/Bodo_Thoens_UZ_Taschkent_Erdbeben_Exkursion_Belarus_2026_April_000004-300x225.jpg 300w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2026\/04\/Bodo_Thoens_UZ_Taschkent_Erdbeben_Exkursion_Belarus_2026_April_000004-768x576.jpg 768w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2026\/04\/Bodo_Thoens_UZ_Taschkent_Erdbeben_Exkursion_Belarus_2026_April_000004.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">&#x201E;Den Taschkentern zum Gl&#xFC;ck vom belarussischen Volk 1967&#x201C;. Foto: Bodo Th&#xF6;ns<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Der besondere &#xE4;sthetische Reiz entstand in der Einbindung lokaler Elemente. Vielerorts wurden Schatten spendende Arkaden eingeplant. Durch breite Sonnenschutzgitter wurde die direkte Sonneneinstrahlung an Fensterfronten verringert. Viele Fassaden beeindrucken durch bunte Ornamente und gro&#xDF;fl&#xE4;chige Panorama-Mosaike mit Motiven von Folklore bis Kosmos.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"900\" height=\"600\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2026\/04\/Bodo_Thoens_UZ_Taschkent_Platte_Meuser_2017_Sep_0369.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-44591\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2026\/04\/Bodo_Thoens_UZ_Taschkent_Platte_Meuser_2017_Sep_0369.jpg 900w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2026\/04\/Bodo_Thoens_UZ_Taschkent_Platte_Meuser_2017_Sep_0369-300x200.jpg 300w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2026\/04\/Bodo_Thoens_UZ_Taschkent_Platte_Meuser_2017_Sep_0369-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Taschkenter Fassadenschmuck zur Reduzierung der direkten Sonnenstrahlung. Foto: Bodo Th&#xF6;ns<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Architektur und Stadtplanung nach 1966<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Der einstige Lenin-Prospekt tr&#xE4;gt heute den Namen des damaligen KP-Chefs und &#x201E;Stadterneuerers&#x201C; Sharof Rashidov. Nicht nur das, bereits zum zehnten Jahrestag des Bebens wurde 1976 am Ort des Epizentrums am damaligen Leninprospekt das &#x201E;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Denkmal_f%C3%BCr_die_Opfer_des_Erdbebens_von_Taschkent_1966\">Denkmal des Mutes<\/a>&#x201C; eingeweiht. Die Statue einer der Naturgewalt widerstehenden Familie zeigt Mann, Frau und Kind auf einem gespalten Granitw&#xFC;rfel. Die beiden W&#xFC;rfelh&#xE4;lften zeigen das Datum und die Uhrzeit des Bebens. Es symbolisiert weniger die Katastrophe und die Trauer dar&#xFC;ber als vielmehr den Opfermut und Optimismus beim Wiederaufbau der Hauptstadt. Die Unterst&#xFC;tzung vieler Bauunternehmen aus allen Ecken der damaligen Sowjetunion findet ihre W&#xFC;rdigung in den Reliefs und Zinnen der den Denkmalplatz schm&#xFC;ckenden Umrahmung.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2026\/04\/Bodo_Thoens_UZ_Taschkent_Erdbeben_Exkursion_2026_April_105864-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-44589\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2026\/04\/Bodo_Thoens_UZ_Taschkent_Erdbeben_Exkursion_2026_April_105864-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2026\/04\/Bodo_Thoens_UZ_Taschkent_Erdbeben_Exkursion_2026_April_105864-300x225.jpg 300w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2026\/04\/Bodo_Thoens_UZ_Taschkent_Erdbeben_Exkursion_2026_April_105864-768x576.jpg 768w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2026\/04\/Bodo_Thoens_UZ_Taschkent_Erdbeben_Exkursion_2026_April_105864.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Bei einem Taschkenter Stadtrundgang f&#xFC;hrt kein Weg am Denkmal&#xA0;&#x201E;Mut&#x201C; vorbei. Foto: Bodo Th&#xF6;ns<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Das heutige Taschkent ist mittlerweile mit &#xFC;ber 3,5 Millionen Einwohnern mehr als doppelt so gro&#xDF;. Die Infrastruktur des Zentrums basiert nach wie vor auf dem nach 1966 etablierten Stra&#xDF;ennetz. Nach der Unabh&#xE4;ngigkeit Usbekistans bekamen viele Aspekte der russisch-sowjetischen Kolonialzeit eine kritische Bewertung.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lest auch auf Novastan: <\/strong><a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/panorama\/taschkent-vs-almaty-die-geschichte-zweier-staedte-erzaehlt-anhand-ihrer-gebaeude\/\"><strong>Taschkent vs. Almaty &#x2013; die Geschichte zweier St&#xE4;dte erz&#xE4;hlt anhand ihrer Geb&#xE4;ude<\/strong><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Auch in der Architektur gab es Nostalgie nach dem alten Taschkent. Die Moderne war vielen zu wenig usbekisch und zu stark sowjetisch. <em>&#x201E;Nicht das Erdbeben, sondern die mit Planierraupen ausgestattete V&#xF6;lkerfreundschaft machten das alte Taschkent dem Erdbeben gleich&#x201C;<\/em>, <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=uPaUl_lKwX4\">kommentierte<\/a> die damals in Taschkent und heute in der N&#xE4;he von Jerusalem lebende Schriftstellerin Dina Rubina sarkastisch. Viele &#xF6;ffentliche Geb&#xE4;ude bekamen neue Fassaden. Wei&#xDF;er Marmor mit blauer Verglasung wurde das neue Ma&#xDF; der Dinge.<\/p>\n\n\n\n<p>In den letzten zehn Jahren intensiver Reformen unter <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Shavkat_Mirziyoyev\">Shavkat Mirziyoyev<\/a> brach ein regelrechter Bauboom aus. Die Stadt dehnt sich gen Norden und Osten aus. Verdichtung im Zentrum ist nun das Zauberwort. Mit dem Abstand der Jahre setzt sich auch ein differenzierterer Blick auf das oft als <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Brutalismus\">Brutalismus<\/a> diffamierte Erbe des &#x201E;seismischen Modernismus&#x201C; durch. Seine Einzigartigkeit generiert &#xFC;ber die Grenzen des Landes hinaus Neugier und Wertsch&#xE4;tzung und neuerdings einen sorgf&#xE4;ltigen Umgang mit diesem Erbe. Selbst die Idee eines Antrages f&#xFC;r eine Aufnahme in das UNESCO-Weltkulturerbe steht bereits <a href=\"https:\/\/whc.unesco.org\/en\/tentativelists\/6708\/\">im Raum<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Ein deutscher Fotograf war zuf&#xE4;llig in Taschkent<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Zur&#xFC;ck zum Erdbeben: Zuf&#xE4;llig befanden sich in jenen Tagen zwei Reporter der DDR-Zeitschrift &#x201E;Freie Welt&#x201C; wegen eines anderen Redaktionsauftrags in Taschkent. Doch nun wurde f&#xFC;r Hans Frosch (Text) und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Heinz_Kr%C3%BCger_(Fotograf)\">Heinz Kr&#xFC;ger<\/a> (Bild) das Erdbeben zum alleinigen Thema. In der Ausgabe 23\/66 erschien Anfang Juni auf f&#xFC;nf Seiten ein gro&#xDF;er Bericht, wie Taschkent mit den Folgen des Erdbebens klarkam. Ein gutes Dutzend Fotos illustrierten die Reportage. Auf der Reise nach Zentralasien entstanden damals insgesamt knapp 140 Fotos.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie befinden sich heute im Foto-Archiv des seitdem ber&#xFC;hmt gewordenen Fotografen Heinz Kr&#xFC;ger (1919 &#x2013; 1980). Seine Witwe &#xFC;bergab den u. a. eine &#xFC;ber 30.000 Bilder umfassenden Nachlass seiner Heimatstadt Falkensee bei Berlin. In diesem Jahr werden nun einige Taschkenter Fotos wieder einer breiten &#xD6;ffentlichkeit gezeigt. Einen ersten Vorgeschmack gibt es <a href=\"https:\/\/www.goethe.de\/ins\/uz\/de\/ver.cfm?event_id=27267510\">am 29. April vor Ort im Taschkenter Goethe-Institut<\/a>, das dem Erdbeben-Jahrestag eine Gedenkveranstaltung widmet. Einer der Vortr&#xE4;ge wird den damaligen Aufnahmen von Heinz Kr&#xFC;ger gewidmet sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><strong>Bodo Th&#xF6;ns<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><strong>Redaktionell betreut von Mich&#xE8;le H&#xE4;fliger<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Novastan bedankt sich herzlich beim Autoren sowie beim <a href=\"http:\/\/www.museum-galerie-falkensee.de\/\">Museum und Galerie Falkensee<\/a>, die uns freundlicherweise die Bilder zur Verf&#xFC;gung stellen.<\/strong><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor 60 Jahren zerst&#xF6;rte ein Erdbeben Usbekistans Hauptstadt Taschkent. Die Zerst&#xF6;rung entpuppte sich als Zeitenwende f&#xFC;r das Stadtbild, das durch den Wiederaufbau durch verschiedene Baumeister aus allen Sowjetrepubliken von nun an in einem neuen Kleid daherkam. Auch der deutsche Fotograf Heinz Kr&#xFC;ger war damals zuf&#xE4;llig vor Ort und lichtete die Zerst&#xF6;rung, aber auch die Hoffnung [&#x2026;]<\/p>\n","protected":false},"author":2227,"featured_media":44584,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[4357,5],"tags":[5886,3771,1828,1572,5881,3971,4408,2679,5887,5169,5888,5885,3511,1233,1307,1289,5882,5889,3741,5890],"coauthors":[5891],"class_list":["post-44582","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-gesellschaft-und-kultur","category-usbekistan","tag-aleksej-kosygin","tag-brutalismus","tag-fernsehturm","tag-fotograf","tag-heinz-krueger","tag-leonid-breschnew","tag-metro","tag-moskau","tag-neubau","tag-plattenbauten","tag-seismischer-modernismus","tag-sharof-rashidov","tag-shavkat-mirziyoyev","tag-sowjetunion","tag-taschkent","tag-usbekistan","tag-ussr","tag-voelkerfreundschaft","tag-wiederaufbau","tag-zeltlager"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/44582","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2227"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=44582"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/44582\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":44600,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/44582\/revisions\/44600"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/44584"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=44582"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=44582"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=44582"},{"taxonomy":"author","embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/coauthors?post=44582"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}