{"id":43448,"date":"2025-11-19T07:12:38","date_gmt":"2025-11-19T06:12:38","guid":{"rendered":"https:\/\/novastan.org\/de\/?p=43448"},"modified":"2025-11-19T07:12:39","modified_gmt":"2025-11-19T06:12:39","slug":"riskante-zusammenarbeit-mit-china","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/novastan.org\/de\/politik-und-wirtschaft\/riskante-zusammenarbeit-mit-china\/","title":{"rendered":"Riskante Zusammenarbeit mit China"},"content":{"rendered":"<p>Der j&#xFC;ngste Gipfel der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Shanghaier_Organisation_f%C3%BCr_Zusammenarbeit\">Shanghaier Organisation f&#xFC;r Zusammenarbeit (SOZ)<\/a> zeigte, wie selbstbewusst China seine globalen Ambitionen pr&#xE4;sentiert und wie stark die zentralasiatischen Staaten inzwischen in Pekings Einfluss orbitieren. Doch das chinesische Modell der Zusammenarbeit erzeugt Misstrauen: wirtschaftlich, politisch und gesellschaftlich.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Xi Jinpings neue Ordnungsvorstellungen<\/h2>\n\n\n\n<p>Beim Gipfel der SOZ stellte Chinas Staatspr&#xE4;sident <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Xi_Jinping\">Xi Jinping<\/a> seine <a href=\"https:\/\/www.scochina2025.org.cn\/en\/n3\/2025\/0902\/c518818-20361093.html\">Global Governance Initiative<\/a> vor. Unterst&#xFC;tzt von Russlands Pr&#xE4;sident <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wladimir_Wladimirowitsch_Putin\">Wladimir Putin<\/a> zielt sie laut Expert:innen darauf ab, internationale Institutionen schrittweise nach chinesischen Vorstellungen umzubauen. Beobachter:innen sehen die SOZ l&#xE4;ngst auf dem Weg von symbolischen Erkl&#xE4;rungen hin zu festen Strukturen, darunter ein geplantes Sicherheitszentrum in Taschkent und ein Anti-Drogen-Zentrum in Duschanbe.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"flex flex-col md:flex-row justify-evenly items-center bg-yellow-100 my-20 p-10 space-y-10 subscribe\">\n\t<div class=\"container flex flex-col lg:flex-row justify-between\">\n\t\t<div class=\"flex flex-col w-full lg:w-3\/5 pb-4\">\n\t\t\t<h2 class=\"text-3xl text-secondary font-bold mb-4 text-[#749D02]\">\n\t\t\t\t\t\t\t\tUnterst&#xFC;tzt Novastan &#x2013; das europ&#xE4;ische Zentralasien-Magazin \n\t\t\t<\/h2>\n\t\t\t\tAls vereinsgetragene, unabh&#xE4;ngige Plattform lebt Novastan vom Enthusiasmus seiner ehrenamtlichen Mitarbeiter:innen &#x2013; und von eurer Unterst&#xFC;tzung! \n\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<div class=\"flex flex-col w-full lg:w-2\/5 justify-items-center justify-center pb-4\">\n\t\t\t<div class=\"rounded-md bg-accent-500 px-10 py-5 text-center w-72 mx-auto\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<a class=\"block rounded bg-white p-2 mt-4 font-bold\" href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/novastan-ev\/spenden\/\">Novastan unterst&#xFC;tzen<\/a>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p>Im Westen l&#xF6;ste Xis Vorsto&#xDF; Sorge aus: Manche f&#xFC;rchten, er k&#xF6;nne ein Versuch sein, die <a href=\"https:\/\/unric.org\/de\/\">Vereinten Nationen (VN)<\/a> zu verdr&#xE4;ngen. China und Russland weisen diesen Vorwurf zur&#xFC;ck. Dennoch r&#xFC;ckt angesichts aktueller Entwicklungen, etwa der Kooperationsbereitschaft Indiens, eine Weltordnung, in der die Volksrepublik China das politische Zentrum bildet, deutlich n&#xE4;her.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ein koloniales Erbe in neuer Form<\/h2>\n\n\n\n<p>In den 1990er Jahren galt Russland als wichtigster politischer und wirtschaftlicher Partner Zentralasiens, w&#xE4;hrend die Staaten der Region weiterhin stark in sowjetischen Denkmustern und Abh&#xE4;ngigkeiten eingebunden waren. Mit dem wirtschaftlichen Aufstieg Chinas &#xE4;nderte sich dieses Kr&#xE4;fteverh&#xE4;ltnis. Bereits 2004 erkl&#xE4;rten chinesische Expert:innen offen, dass Pekings Strategie darauf abziele, die SOZ zu nutzen, um die Ressourcen Zentralasiens zu erschlie&#xDF;en.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lest auch auf Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/politik-und-wirtschaft\/zweiter-china-zentralasien-gipfel-ein-reigen-an-handelsabkommen\/\">Zweiter China &#x2013; Zentralasien &#x2013; Gipfel: Ein Reigen an Handelsabkommen<\/a><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Denken folgte klar kolonialen Mustern, die China nach den Krisen des 20. Jahrhunderts &#xFC;bernahm, um den eigenen Aufstieg zu beschleunigen. Zwischen den Jahren 2000 und 2010 verkauften die zentralasiatischen Staaten verst&#xE4;rkt Rohstoffe und Infrastruktur an China und nahmen umfangreiche Kredite auf. Kurzfristig brachte das finanzielle Vorteile, langfristig wuchs jedoch die Angst vor politischer Abh&#xE4;ngigkeit und dem Verlust von Souver&#xE4;nit&#xE4;t.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wachsende Sinophobie<\/h2>\n\n\n\n<p>Trotz wirtschaftlicher Projekte nahm in Kasachstan und Kirgistan die <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Anti-Chinese_sentiment\">Sinophobie<\/a> deutlich zu. Viele Menschen st&#xF6;rten sich daran, dass chinesische Firmen h&#xE4;ufig eigenes Personal mitbrachten und Einheimische nur untergeordnet besch&#xE4;ftigten. Die hierarchischen Strukturen chinesischer Unternehmen wurden oft als herablassend empfunden.<\/p>\n\n\n\n<p>Gleichzeitig sorgten Berichte &#xFC;ber Diskriminierung muslimischer Minderheiten in China f&#xFC;r zus&#xE4;tzliche Emp&#xF6;rung. Auch historische Erfahrungen mit Grenzstreitigkeiten oder alten Konflikten verst&#xE4;rkten das Misstrauen. Zwischen 2016 und 2020 kam es in Kasachstan immer wieder zu Protesten gegen Joint Ventures mit China.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lest auch auf Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/politik-und-wirtschaft\/neue-seidenstrasse-taiwan-eisenbahn-sadyr-dschaparow-auf-offiziellem-besuch-in-china\/\">Neue Seidenstra&#xDF;e, Taiwan, Eisenbahn: Sadyr Dschaparow auf offiziellem Besuch in China<\/a><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Besonders im Ged&#xE4;chtnis blieb eine Aussage des chinesischen Botschafters <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Zhang_Hanhui\">Zhang Hanhui<\/a> aus dem Jahr 2016. Er kritisierte die versch&#xE4;rften Visa-Bestimmungen Kasachstans als <em>&#x201E;sehr unh&#xF6;flich&#x201C; <\/em>und erkl&#xE4;rte, das Land m&#xFC;sse wissen, mit wem man es zu tun habe.Dieser Satz wurde als Ausdruck chinesischer &#xDC;berheblichkeit empfunden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hierarchie als kulturelles Prinzip<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Spannungen haben auch kulturelle Ursachen. In der chinesischen Gesellschaft spielt Hierarchie eine zentrale Rolle, gepr&#xE4;gt von konfuzianischen Vorstellungen von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kindliche_Piet%C3%A4t\">Xiao<\/a>, der Ehrerbietung. Beziehungen gelten traditionell nicht als gleichberechtigt: &#xC4;ltere stehen &#xFC;ber J&#xFC;ngeren, Vorgesetzte &#xFC;ber Untergebenen. &#xC4;hnliche Denkweisen fanden sich in den Arbeitsbeziehungen zwischen chinesischen Firmen und lokalen Besch&#xE4;ftigten in Zentralasien wieder.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lest auch auf Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/kirgistan\/gemeinsam-gegen-den-westen-warum-china-und-russland-in-zentralasien-nicht-konkurrieren\/\">Gemeinsam gegen den Westen &#x2013; Warum China und Russland in Zentralasien nicht konkurrieren<\/a><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Prinzip der F&#xFC;rsorge, das im konfuzianischen Modell eigentlich auch eine Verantwortung der Vorgesetzten einschlie&#xDF;t, wurde von vielen Chines:innen allerdings nicht selbstverst&#xE4;ndlich auf ausl&#xE4;ndische Partner:innen &#xFC;bertragen. Viele Einheimische f&#xFC;hlten sich daher nicht nur benachteiligt, sondern grunds&#xE4;tzlich geringer gesch&#xE4;tzt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Historisch gewachsenes Misstrauen<\/h2>\n\n\n\n<p>Hinzu kommt ein historisch belastetes Verh&#xE4;ltnis zwischen der <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/themen\/asien\/china\/44301\/ethnische-minderheiten\/\">Han-Mehrheit<\/a> in China und muslimischen Bev&#xF6;lkerungsgruppen. Religi&#xF6;se Regeln, wie der Verzicht auf Schweinefleisch oder Alkohol und die Ablehnung der Darstellung von Menschen und Tieren, galten vielen Chines:innen traditionell als fremd oder unverst&#xE4;ndlich.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lest auch auf Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/gesellschaft-und-kultur\/wie-china-seinen-kulturellen-einfluss-in-zentralasien-verstaerkt\/\">Wie China seinen kulturellen Einfluss in Zentralasien verst&#xE4;rkt<\/a><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Erfolg muslimischer H&#xE4;ndler im Mittleralter n&#xE4;hrte Misstrauen in der damaligen chinesischen Gesellschaft. Diese Haltung &#xFC;bertrugen viele im Alltag auch auf die islamisch gepr&#xE4;gten Gesellschaften Zentralasiens. Immer wieder berichteten Einheimische von herablassendem Verhalten, das wiederum die sozialen Spannungen verst&#xE4;rkte.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Grenzen, Land und die Angst vor Verlusten<\/h2>\n\n\n\n<p>Grenzfragen, die nach dem Zerfall der Sowjetunion neu ausgehandelt werden mussten, spielten ebenfalls eine Rolle. W&#xE4;hrend Kasachstan, Kirgistan und Tadschikistan bis 1999 alle strittigen Abschnitte vertraglich regelten, mussten sie jeweils Teile ihres Territoriums an China abtreten. Obwohl diese Vereinbarungen formal abgeschlossen wurden, blieb Unbehagen bestehen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lest auch auf Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/kasachstan\/china-profitiert-in-zentralasien-von-der-isolation-russlands\/\">China profitiert in Zentralasien von der Isolation Russlands<\/a><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In Kasachstan f&#xFC;hrten 2016 geplante &#xC4;nderungen im Bodenrecht zu massiven Protesten. Die Bev&#xF6;lkerung bef&#xFC;rchtete, dass China gro&#xDF;e Agrarfl&#xE4;chen langfristig kontrollieren k&#xF6;nnte. Die Regierung reagierte schlie&#xDF;lich mit einem Moratorium und einem generellen Verbot, Land an Ausl&#xE4;nder:innen zu verkaufen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Soft Power als stille Gefahr<\/h2>\n\n\n\n<p>China setzt heute weniger auf direkte Einflussnahme, sondern auf <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/kurz-knapp\/lexika\/das-europalexikon\/177268\/soft-power\/\">Soft Power<\/a> durch Bildungsprogramme, Sprachzentren, Stipendien und Medienkooperationen. Es gibt Menschen in Zentralasien, die diese Form der Einflussnahme jedoch skeptisch sehen. Denn sie wirkt leise, unauff&#xE4;llig und ist schwer zu erkennen. Genau das macht sie aus ihrer Sicht gef&#xE4;hrlich. Die zentrale Frage lautet schlie&#xDF;lich, ob einer Macht vertraut werden kann, deren Einfluss gerade dann greift, wenn er am wenigsten sichtbar ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><strong>Aleksej Winokurow f&#xFC;r Fergana.News<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><strong>Aus dem <a href=\"https:\/\/fergana.agency\/articles\/140006\/\">Russischen<\/a> von der Redaktion<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der j&#xFC;ngste Gipfel der Shanghaier Organisation f&#xFC;r Zusammenarbeit (SOZ) zeigte, wie selbstbewusst China seine globalen Ambitionen pr&#xE4;sentiert und wie stark die zentralasiatischen Staaten inzwischen in Pekings Einfluss orbitieren. Doch das chinesische Modell der Zusammenarbeit erzeugt Misstrauen: wirtschaftlich, politisch und gesellschaftlich. 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