{"id":42771,"date":"2025-08-31T22:27:26","date_gmt":"2025-08-31T20:27:26","guid":{"rendered":"https:\/\/novastan.org\/de\/?p=42771"},"modified":"2025-08-31T22:44:39","modified_gmt":"2025-08-31T20:44:39","slug":"aus-erde-feuer-und-geduld-die-lebendige-tradition-der-keramik-von-gijduvon","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/novastan.org\/de\/usbekistan\/aus-erde-feuer-und-geduld-die-lebendige-tradition-der-keramik-von-gijduvon\/","title":{"rendered":"Aus Erde, Feuer und Geduld: Die lebendige Tradition der Keramik von Gijduvon"},"content":{"rendered":"<p>Geschirr aus Keramik ist eines der bekanntesten Kulturg&#xFC;ter Usbekistans und wahrscheinlich das beliebteste Souvenir f&#xFC;r Touristen. Jeder Basar bietet eine Auswahl an keramischen Teesch&#xFC;sseln (<em>Piala)<\/em>, Serviertellern (<em>Ljagan)&#xA0;<\/em>oder Suppensch&#xFC;sseln (<em>Kosa)<\/em>&#xA0;in den verschiedensten Farben und Stilen. Wie es den Keramikschulen gelingt, die Traditionen und Techniken dieser historischen Handwerkskunst mit ihren starken regionalen Auspr&#xE4;gungen im 21. Jahrhundert zu bewahren, fasziniert im Zeitalter von Massenproduktion und Automatisierung. Novastan hat eine traditionelle Keramikwerkstatt in Gijduvon besucht und mit einem usbekischen Keramikmeister in siebter Generation gesprochen.&#xA0;<\/p>\n\n\n\n<p>&#x201E;<em>Es gibt mehrere Keramikschulen in Usbekistan, und jede hat ihre Besonderheiten: Die Produkte unterscheiden sich in Klang, Form, Farben und Technik<\/em>&#x201C;. Eine Gruppe von Touristen aus Russland betritt den kleinen Keramikladen auf dem Registon-Platz in Samarkand und der Verk&#xE4;ufer startet mit diesen Worten seine F&#xFC;hrung. Keramik findet man in den touristischen Zentren der Stadt an jeder Ecke, auf dem Registon-Platz herrschen Anfang Mai aber fast vierzig Grad, weshalb die Passanten in den Innenr&#xE4;umen der drei ber&#xFC;hmten Medresen Schatten suchen. Hier gibt es oft kleine Souvenirl&#xE4;den wie diesen, den Dilshod Nabiev betreibt. An den W&#xE4;nden h&#xE4;ngen&#xA0;Teller in allen Gr&#xF6;&#xDF;en und Farben aus verschiedenen Regionen des Landes. Dilshod kann &#xFC;ber jedes St&#xFC;ck eine Geschichte erz&#xE4;hlen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" data-id=\"42804\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/IMG_8798-&#x2014;-&#x43A;&#x440;&#x443;&#x43F;&#x43D;&#x44B;&#x439;-&#x440;&#x430;&#x437;&#x43C;&#x435;&#x440;-768x1024.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-42804\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/IMG_8798-&#x2014;-&#x43A;&#x440;&#x443;&#x43F;&#x43D;&#x44B;&#x439;-&#x440;&#x430;&#x437;&#x43C;&#x435;&#x440;-768x1024.jpeg 768w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/IMG_8798-&#x2014;-&#x43A;&#x440;&#x443;&#x43F;&#x43D;&#x44B;&#x439;-&#x440;&#x430;&#x437;&#x43C;&#x435;&#x440;-225x300.jpeg 225w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/IMG_8798-&#x2014;-&#x43A;&#x440;&#x443;&#x43F;&#x43D;&#x44B;&#x439;-&#x440;&#x430;&#x437;&#x43C;&#x435;&#x440;.jpeg 960w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\"\/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" data-id=\"42803\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/IMG_8796-&#x2014;-&#x43A;&#x440;&#x443;&#x43F;&#x43D;&#x44B;&#x439;-&#x440;&#x430;&#x437;&#x43C;&#x435;&#x440;-768x1024.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-42803\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/IMG_8796-&#x2014;-&#x43A;&#x440;&#x443;&#x43F;&#x43D;&#x44B;&#x439;-&#x440;&#x430;&#x437;&#x43C;&#x435;&#x440;-768x1024.jpeg 768w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/IMG_8796-&#x2014;-&#x43A;&#x440;&#x443;&#x43F;&#x43D;&#x44B;&#x439;-&#x440;&#x430;&#x437;&#x43C;&#x435;&#x440;-225x300.jpeg 225w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/IMG_8796-&#x2014;-&#x43A;&#x440;&#x443;&#x43F;&#x43D;&#x44B;&#x439;-&#x440;&#x430;&#x437;&#x43C;&#x435;&#x440;.jpeg 960w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\"\/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" data-id=\"42805\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/IMG_8799-&#x2014;-&#x43A;&#x440;&#x443;&#x43F;&#x43D;&#x44B;&#x439;-&#x440;&#x430;&#x437;&#x43C;&#x435;&#x440;-768x1024.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-42805\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/IMG_8799-&#x2014;-&#x43A;&#x440;&#x443;&#x43F;&#x43D;&#x44B;&#x439;-&#x440;&#x430;&#x437;&#x43C;&#x435;&#x440;-768x1024.jpeg 768w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/IMG_8799-&#x2014;-&#x43A;&#x440;&#x443;&#x43F;&#x43D;&#x44B;&#x439;-&#x440;&#x430;&#x437;&#x43C;&#x435;&#x440;-225x300.jpeg 225w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/IMG_8799-&#x2014;-&#x43A;&#x440;&#x443;&#x43F;&#x43D;&#x44B;&#x439;-&#x440;&#x430;&#x437;&#x43C;&#x435;&#x440;.jpeg 960w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\"\/><\/figure>\n<\/figure>\n\n\n\n<p><br>Die Touristen interessieren sich vor allem f&#xFC;r die bekannteste und am weitesten verbreitete Keramik, die aus <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Rishton_(Usbekistan)\">Rishton<\/a> im&#xA0;Ferganatal&#xA0;kommt. Rishton, mit seinen zahlreichen T&#xF6;pferwerkst&#xE4;tten und reicher Keramikgeschichte wird liebevoll &#x201E;Das Herzst&#xFC;ck der Keramik&#x201C; genannt. Alles, was dort herkommt, wird gerne gekauft. Die modernen Designs der Region sind un&#xFC;blich bunt. Im Gegensatz zu den traditionellen usbekischen Farben &#x2013; blau wie der Himmel, gr&#xFC;n wie die Natur, braun wie die Erde &#x2013; enth&#xE4;lt die neuzeitliche Rishton-Keramik auch Gelb-, Orange- und Rott&#xF6;ne. Genau diese&#xA0;<em>Pialas<\/em>&#xA0;stellt man sich oft vor, wenn man &#xFC;ber Steingut aus Usbekistan redet, obwohl sie in der Realit&#xE4;t h&#xE4;ufig maschinell produziert werden und wenig mit den alten Traditionen Usbekistans zu tun haben.&#xA0;<\/p>\n\n\n\n<p>&#x201E;<em>Das klassische Design der Rishton-Keramik hei&#xDF;t<\/em>&#xA0;mehrob<em>, oder Ring des Lebens&#x201C;<\/em>, &#x2013; erz&#xE4;hlt Dilshod. &#x2013; &#x201E;<em>Es entstand etwa im 12. bis 13. Jahrhundert und ist bis heute gebr&#xE4;uchlich. In der Mitte der Schl&#xFC;ssel wird ein Punkt gemalt: Ein Symbol f&#xFC;r die Geburt eines Kindes<\/em>&#x201C;. Mit der Zeit werden die Ringe rund um den Punkt gr&#xF6;&#xDF;er: Das Kind w&#xE4;chst auf, lernt, arbeitet, heiratet, bekommt Kinder und&#xA0;Enkel. Schlie&#xDF;lich kommt der Tag, an dem der Mensch diese Welt verl&#xE4;sst &#x2013; der Rand der Piala.<\/p>\n\n\n\n<p>In anderen Teilen des Landes ist&#xA0;<em>mehrob<\/em>&#xA0;nicht verbreitet; stattdessen werden auf dem Geschirr Naturmotive dargestellt &#x2013; zum Beispiel der Ph&#xF6;nix&#xA0;<em>Humo<\/em>, das Symbol Usbekistans, ein Fisch, der Freundschaft symbolisiert, der Fr&#xFC;hling&#xA0;<em>Bahor<\/em>&#xA0;oder der Baum des Lebens. Ganz anders wirkt vor diesem Hintergrund die strenge Geometrie der &#xFC;berwiegend blauen Keramik aus dem heutigen Chiwa: In Choresmien wurde der Begr&#xFC;nder der Algebra, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Al-Chwarizmi\">Al-Khwarizmi<\/a>, geboren, dessen Werke auch Einfluss auf die Gestaltung der &#xF6;rtlichen Keramik hatten.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"flex flex-col md:flex-row justify-evenly items-center bg-yellow-100 my-20 p-10 space-y-10 subscribe\">\n\t<div class=\"container flex flex-col lg:flex-row justify-between\">\n\t\t<div class=\"flex flex-col w-full lg:w-3\/5 pb-4\">\n\t\t\t<h2 class=\"text-3xl text-secondary font-bold mb-4 text-[#749D02]\">\n\t\t\t\t\t\t\t\tUnterst&#xFC;tzt Novastan &#x2013; das europ&#xE4;ische Zentralasien-Magazin \n\t\t\t<\/h2>\n\t\t\t\tAls vereinsgetragene, unabh&#xE4;ngige Plattform lebt Novastan vom Enthusiasmus seiner ehrenamtlichen Mitarbeiter:innen &#x2013; und von eurer Unterst&#xFC;tzung! \n\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<div class=\"flex flex-col w-full lg:w-2\/5 justify-items-center justify-center pb-4\">\n\t\t\t<div class=\"rounded-md bg-accent-500 px-10 py-5 text-center w-72 mx-auto\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<a class=\"block rounded bg-white p-2 mt-4 font-bold\" href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/novastan-ev\/spenden\/\">Novastan unterst&#xFC;tzen<\/a>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p>Die anderen Keramikschulen haben eigene Merkmale. &#x201E;<em>Die&#xA0;<\/em>S<em>amarkand Schule hat eine der &#xE4;ltesten Techniken. Bereits im 9. bis 10. Jahrhundert wurde Keramik nicht mehr bemalt, stattdessen wurden die Muster mit einer Nadel eingekratzt. Im Gegensatz zu Choresmien, wird in Samarkand historisch eine Mischung aus Gr&#xFC;n und Braun verwendet, nur manchmal wird etwas Blau hinzugef&#xFC;<\/em><em>gt<\/em>&#x201C;, so Dilshod Nabiev.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch der Klang der Keramik unterscheidet sich je nach Region: die Keramikmeister verwenden den lokalen Ton, der in den verschiedenen Landesteilen nicht die gleiche Zusammensetzung hat. &#x201E;<em>In Choresmien, das nahe am Aralsee liegt, enth&#xE4;lt der Boden viel Salz, weshalb die Keramik eher einen plastischen oder h&#xF6;lzernen Klang erzeugt<\/em>,&#x201C; &#x2013; sagt Dilshod. &#x2013; &#x201C;<em>Gijduvon liegt dagegen in der W&#xFC;ste, die Keramik daher klingt eher metallisch, &#xE4;hnlich wie die aus Taschkent. Das Geschirr aus Samarkand klingt dumpf, der rote Ton aus Rishton hingegen wie eine echte Glocke<\/em>&#x201C;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-audio\"><audio controls src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/Samarkand.mp3\"><\/audio><figcaption class=\"wp-element-caption\">So klingt die Keramik aus Samarkand<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-audio\"><audio controls src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/Choresmien.mp3\"><\/audio><figcaption class=\"wp-element-caption\">So klingt die Keramik aus Choresmien (Chiwa)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-audio\"><audio controls src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/Gijduvon.mp3\"><\/audio><figcaption class=\"wp-element-caption\">So klingt die Keramik aus Gijduvon bei Buchara<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-audio\"><audio controls src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/Taschkent.mp3\"><\/audio><figcaption class=\"wp-element-caption\">So klingt die Keramik aus Taschkent<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-audio\"><audio controls src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/Rishton.mp3\"><\/audio><figcaption class=\"wp-element-caption\">So klingt die Keramik aus Rishton, Fergana-Tal<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Als die touristische Gruppe den Laden verl&#xE4;sst und sich die Gelegenheit f&#xFC;r ein pers&#xF6;nliches Gespr&#xE4;ch ergibt, empfehlt Dilshod nach Gijduvon zu fahren und die die Werkstatt Narzullaevs, seinem Lehrmeister, zu besuchen. Die Familie Narzullaev arbeitet seit &#xFC;ber dreihundert Jahren mit Ton; anstelle eines Siegels befinden sich auf der Unterseite ihrer Produkte acht Punkte, das Symbol f&#xFC;r acht Generationen von Meistern. Der ganze Fertigungsprozess erfolgt nach Aussage Dilshods vollst&#xE4;ndig mit den alten Techniken. Auf Anfrage erkl&#xE4;rt sich Narzullaev bereit, einen Besuch f&#xFC;r Novastan zu organisieren, an einem gl&#xFC;henden Nachmittag machen wir uns von Buchara aus auf den Weg.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Meister<\/h2>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/G%CA%BBijduvon\">Gijduvon<\/a>, eine kleine Stadt vierzig Kilometer von Buchara entfernt, ist neben ihrer Keramik auch f&#xFC;r eine der drei Medresen von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ulugh_Beg\">Ulugbek<\/a> bekannt, als touristisches Zentrum kann man sie aber kaum bezeichnen. Es gibt keine Linienbusse au&#xDF;erhalb der Stadt, man muss mit dem Auto anreisen. Das h&#xE4;lt diejenigen, die die Werkstatt der Narzullaevs sehen wollen, nicht davon ab &#x2013; die meisten Touristen sind nicht einheimisch und&#xA0;kommen&#xA0;mit organisierten Busausfl&#xFC;gen auf dem Weg von Buchara nach Samarkand &#x2013; oder andersrum &#x2013; an Gijduvon vorbei.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Werkstatt Narzullaevs steht auf einem gro&#xDF;en Grundst&#xFC;ck in der N&#xE4;he einer Medrese und ist gleichzeitig ein Familienhaus, eine Galerie und ein Hof. Das Tor ist offen: Im Hof stehen&#xA0;<em>Taptschans,&#xA0;<\/em>breite Holzgestelle zum Sitzen oder Schlafen, die in Zentralasien vor allem f&#xFC;r die Pausen an hei&#xDF;en Nachmittagen verwendet werden. Auf dem Boden l&#xE4;uft stolz ein riesiger Hahn herum.&#xA0;<\/p>\n\n\n\n<p>Aus der Werkstatt kommt Obidjon Narzullaev &#x2013; etwa vierzig Jahre alt, nicht sehr gro&#xDF; und schlank, mit dunklen Augen und leiser Stimme. Seine Klamotten sind mit Lehmflecken &#xFC;bers&#xE4;ht. Obidjon ist ein Keramikmeister in siebter Generation, kurz vor unserem Ankommen sa&#xDF; er noch an einer T&#xF6;pferscheibe. Bevor ich mich &#xFC;berhaupt vorstellen kann, bietet er uns zun&#xE4;chst einmal Tee an. Bei der Hitze mag Tee eine un&#xFC;bliche Getr&#xE4;nkewahl f&#xFC;r Europ&#xE4;er sein, f&#xFC;r die Einheimischen geh&#xF6;rt das Angebot zu den wichtigsten Regeln der Gastfreundschaft.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"682\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_13_2-1024x682.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-42780\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_13_2-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_13_2-300x200.jpg 300w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_13_2-768x512.jpg 768w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_13_2.jpg 1156w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>In dem Raum, in dem wir Tee trinken, h&#xE4;ngen Fotos an den W&#xE4;nden &#x2013; Generationen von Meistern der Familie Narzullaev. Der Ururgro&#xDF;vater von Obidjon ist auf dem &#xE4;ltesten bekannten Foto der Familie zu sehen. Daneben h&#xE4;ngt Obidjons Gro&#xDF;vater Ibodullo, der als Bewahrer der Gijduvon Keramikschule gilt. Sehr unerwartet folgt als n&#xE4;chstes ein Foto des sowjetischen Schriftstellers <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Konstantin_Michailowitsch_Simonow\">Konstantin Simonov<\/a>.&#xA0;<\/p>\n\n\n\n<p>Als er mein Erstaunen sieht, erkl&#xE4;rt Obidjon: &#x201E;<em>Vor der Sowjetherrschaft war Gijduvon ein Zentrum der Keramikkunst. Nicht nur unsere Familie, sondern 21 Familien besch&#xE4;ftigten sich mit diesem traditionellen Handwerk. Sp&#xE4;ter blieb unter dem Druck der sowjetischen Beh&#xF6;rden nur mein Gro&#xDF;vater als Fortf&#xFC;hrer dieses Handwerks &#xFC;brig, obwohl zuvor seine beiden Werkst&#xE4;tten zerst&#xF6;rt worden waren.&#xA0;(<\/em>Die Sowjets haben die Privatunternehmer bek&#xE4;mpft; statt Meisterwerkst&#xE4;tten sollten Keramikfabriken und Kooperativen unterst&#xFC;tzt werden, damit erwirtschaftete Gewinne an den Staat flie&#xDF;en &#x2013; Anm.<em>). Und als seine letzte Werkstatt zerst&#xF6;rt wurde, erhielt mein Gro&#xDF;vater dank dieser beiden Persone<\/em>n,&#xA0;<em>dem Arch&#xE4;ologen Sergej&#xA0;Jurenev und Konstantin Simonov,<\/em>&#xA0;<em>die Erlaubnis, legal als Einzelunternehmer zu arbeiten.&#xA0;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Sergej Jurenev nahm damals an arch&#xE4;ologischen Ausgrabungen bei uns in Buchara teil. Er wusste von meinem Gro&#xDF;vater und wusste, dass er der letzte Meister in Gijduvon war. Wenn Jurenev keramische Erzeugnisse fand, die arch&#xE4;ologisch wertvoll waren, rief er meinen Gro&#xDF;vater an und kam zu ihm f&#xFC;r eine Expertenmeinung. Jurenev war ein guter Freund von Simonov, und Simonov war ein einflussreicher Milit&#xE4;rschriftsteller. Also hat er Simonov gebeten, meinem Gro&#xDF;vater zu helfen &#x2013; und Simonov, der auf Gesch&#xE4;ftsreise in Usbekistan war, kam zu Besuch, lernte meinen Gro&#xDF;vater kennen und hat es tats&#xE4;chlich geschafft, dass ihm nicht nur eine Arbeitserlaubnis gegeben wird, sondern auch das Land f&#xFC;r den Bau einer neuen Werkstatt. Gott selbst hat sie geschickt, ohne die beiden w&#xE4;re das alles nicht m&#xF6;glich gewesen.&#x201C;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lest auch auf Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/usbekistan\/zentralasien-durch-die-linse-vonbehzod-boltayev\/\">Zentralasien durch die Linse von&#x2026;Behzod Boltayev<\/a><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Narzullaevs Werkstatt ist seitdem zu einer Plattform f&#xFC;r die Erhaltung der zu dieser Zeit fast verschwundenen traditionellen Keramikschule von Gijduvon geworden. Derzeit arbeiten in der Werkstatt sieben Meister: neben Obidjon und seinem Bruder Olimjon auch die ehemaligen Azubis von Obidjon und seinem Vater Alisher. Einer der Letztgenannten ist Mardjon, der seit &#xFC;ber zwanzig Jahren in der Werkstatt t&#xE4;tig ist und von Obidjon als Lehrer bezeichnet wird. Mardjon ist etwa f&#xFC;nfzig Jahre alt, w&#xE4;hrend unseres Gespr&#xE4;chs mit Obidjon schweigt er, hochkonzentriert auf das Formen einer Schale. Er f&#xFC;hrt uns vor, wie die mechanische T&#xF6;pferscheibe funktioniert und wie die Meister den &#xFC;bersch&#xFC;ssigen Ton abschneiden. Die Schale wird von Hand geformt, weshalb jede einzelne ein Unikat ist.&#xA0;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-2 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"683\" height=\"1024\" data-id=\"42774\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_03_2-683x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-42774\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_03_2-683x1024.jpg 683w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_03_2-200x300.jpg 200w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_03_2-768x1152.jpg 768w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_03_2-1024x1536.jpg 1024w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_03_2-1365x2048.jpg 1365w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_03_2-scaled.jpg 1707w\" sizes=\"auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px\"\/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"683\" height=\"1024\" data-id=\"42775\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_05_3-683x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-42775\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_05_3-683x1024.jpg 683w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_05_3-200x300.jpg 200w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_05_3-768x1152.jpg 768w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_05_3-1024x1536.jpg 1024w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_05_3-1365x2048.jpg 1365w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_05_3-scaled.jpg 1707w\" sizes=\"auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px\"\/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"683\" height=\"1024\" data-id=\"42776\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_06_4-683x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-42776\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_06_4-683x1024.jpg 683w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_06_4-200x300.jpg 200w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_06_4-768x1152.jpg 768w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_06_4-1024x1536.jpg 1024w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_06_4-1365x2048.jpg 1365w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_06_4-scaled.jpg 1707w\" sizes=\"auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px\"\/><\/figure>\n<\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-3 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" data-id=\"42790\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_39_3-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-42790\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_39_3-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_39_3-300x200.jpg 300w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_39_3-768x512.jpg 768w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_39_3-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_39_3-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\"\/><\/figure>\n<\/figure>\n\n\n\n<p>Neue Azubis kommen eher selten in die Werkstatt. Die bestehende Nachfrage wird mit dem jetzigen Team gedeckt, weshalb der Bedarf nach neuen Fachkr&#xE4;ften meistens nur dann entsteht, wenn ein Meister die Werkstatt verl&#xE4;sst, um in Rente zu gehen oder eine eigene Werkstatt zu &#xF6;ffnen. Berufliche Mobilit&#xE4;t ist in der Region un&#xFC;blich, oft bleiben die Menschen dort sesshaft, wo sie geboren wurden. Meister mit besonderen Fachkenntnissen wie Mardjon werden nicht umziehen, weil sie woanders einen besseren Job gefunden haben. Umschulungen nach regionalen Keramiktraditionen f&#xFC;r Meister aus anderen Werkst&#xE4;tten kommen in der Praxis nicht vor. Um Gijduvon-Keramik herzustellen, braucht man genau die Erde aus Gijduvon, was bedeutet, dass der Meister vor Ort leben muss, um seinem Handwerk nachzugehen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Herstellung<\/h2>\n\n\n\n<p>Narzullaevs Werkstatt besteht aus mehreren Durchgangszimmern in einem Lehmgeb&#xE4;ude, die ineinander &#xFC;bergehen. Jeder Raum hat eine eigene Funktion und stellt einen Teil des Herstellungsprozess von der Lehmmischung bis zum Brennen dar. Hier ist alles so geblieben wie schon vor Jahrzenten. Die Prozesse bei der Familie Narzullaev folgen den Techniken der alten Meister, in der Werkstatt gibt es weder eine elektrische T&#xF6;pferscheibe noch einen modernen Brennofen.&#xA0;<\/p>\n\n\n\n<p>Die ben&#xF6;tigten Rohmaterialien werden vor Ort in Usbekistan beschaffen.&#xA0;<em>&#x201E;Der Ton, den wir verwenden, stammt aus unserer Region. Er wird in einer Tiefe von zwei Metern abgebaut und ist por&#xF6;s, was f&#xFC;r Keramik sehr gut geeignet ist<\/em>,&#xA0;<em>&#x2013;<\/em>&#xA0;erz&#xE4;hlt Obidjon als wir in den ersten Raum mit T&#xF6;pferscheiben beitreten.&#xA0;<em>&#x2013;<\/em>&#xA0;<em>Dazu geben wir Bentonit und Rohrkolben&#x2013; das verleiht der Keramik Plastizit&#xE4;t und verst&#xE4;rkt sie, wodurch es m&#xF6;glich wird, gro&#xDF;e Kr&#xFC;ge&#xA0;und Teller herzustellen&#x201C;<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-4 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" data-id=\"42773\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_02_1-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-42773\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_02_1-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_02_1-300x200.jpg 300w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_02_1-768x512.jpg 768w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_02_1-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_02_1-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\"\/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" data-id=\"42778\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_11_6-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-42778\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_11_6-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_11_6-300x200.jpg 300w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_11_6-768x512.jpg 768w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_11_6-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_11_6-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\"\/><\/figure>\n<\/figure>\n\n\n\n<p>Die drei Komponenten werden mit Wasser gemischt und mit den F&#xFC;&#xDF;en geknetet, bis die Masse plastisch genug wird, um etwas daraus zu formen. Mardjon rollt vor unseren Augen einen Fladen aus und legt ihn auf die T&#xF6;pferscheibe. Unter der Arbeitsfl&#xE4;che beginnt er mit den F&#xFC;&#xDF;en, die Scheibe zu drehen &#x2013; und innerhalb weniger Minuten entsteht aus dem unf&#xF6;rmigen St&#xFC;ck Ton eine kleine, glatte Schale &#x2013; eine der 140 modernen Formen der Gijduvon Keramik.&#xA0;<\/p>\n\n\n\n<p>Nach der Fertigstellung werden die Geschirrst&#xFC;cke zun&#xE4;chst einen Tag bei Raumtemperatur trocknen gelassen. Im Nebenzimmer werden sie anschlie&#xDF;end mit einer Basisfarbe &#xFC;bergossen: wei&#xDF; aus dem Taschkent-Kaolin, gelb aus dem Ton aus Buchara oder rot aus importiertem tadschikischen Ton. F&#xFC;r die Muster werden auch Oxide von Eisen, Kupfer oder Kobalt verwendet. Gijduvon Keramik hat traditionell warme Ocher-T&#xF6;ne und Ornamente, die von den gro&#xDF;en Pflanzen inspiriert sind. Im Gegenteil zu Rishton-Keramik steckt dahinten keine philosophische Idee. Es ist schwierig, zwei exakt gleiche Muster zu finden: Den K&#xFC;nstlern ist es &#x201E;<em>zu langweilig<\/em>&#x201C;, immer wieder die gleichen Muster zu wiederholen, weshalb jeden kleinen Details hinzuf&#xFC;gt, sodass sich das Muster immer wieder ein wenig ver&#xE4;ndert.<\/p>\n\n\n\n<p>Im n&#xE4;chsten Raum befindet sich eine M&#xFC;hle, zwei gro&#xDF;e M&#xFC;hlsteine, die rein mit Muskelkraft bewegt werden m&#xFC;ssen. Hier wird die Glasur hergestellt. Die M&#xFC;hle wird von der Eselin G&#xFC;ltschataj betrieben, die von russischen Touristen nach dem Charakter&#xA0;des&#xA0;<a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/turkmenistan\/die-weisse-sonne-der-wueste-sowjetischer-western-aus-turkmenistan\/\">sowjetischen Films &#x201E;Wei&#xDF;e Sonne der W&#xFC;ste&#x201C;<\/a>&#xA0;benannt wurde. &#x201E;<em>Seit jeher leben in unserem Haus die gl&#xFC;cklichsten Esel,<\/em>&#xA0;lacht Obidjon.&#xA0;<em>Sie arbeiten nur zwei Tage im Monat und ruhen sich den Rest der Zeit aus<\/em>&#x201C;.<\/p>\n\n\n\n<p>G&#xFC;ltschataj sorgt daf&#xFC;r, dass die Zutaten f&#xFC;r die Glasur gemahlen und zu einer gleichm&#xE4;&#xDF;igen, joghurtartigen Masse vermengt&#xA0;werden. Der Hauptbestandteil der Glasur ist&#xA0;<em>ishkor &#x2013;&#xA0;<\/em>eine Masse, die aus den lokalen Pflanzen hergestellt wird. Die Einheimischen nennen sie&#xA0;<em>Kirkbugin<\/em>, oder auch&#xA0;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Salsoloideae\">&#x201E;Fischauge&#x201C;,<\/a>wegen der Form der Bl&#xFC;ten.&#xA0;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-5 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" data-id=\"42782\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_20_4-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-42782\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_20_4-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_20_4-300x200.jpg 300w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_20_4-768x512.jpg 768w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_20_4.jpg 1156w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\"\/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"682\" data-id=\"42783\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_23_5-1024x682.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-42783\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_23_5-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_23_5-300x200.jpg 300w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_23_5-768x512.jpg 768w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_23_5.jpg 1256w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\"\/><\/figure>\n<\/figure>\n\n\n\n<p>&#x201E;Fischauge&#x201C; w&#xE4;chst dort, wo es wenig Wasser und viel Salz gibt. &#x201E;<em>Wir sammeln die gr&#xFC;nen Pflanzen und verbrennen sie direkt vor Ort ohne Brennholz,&#xA0;<\/em>erz&#xE4;hlt Obidjon.<em>&#xA0;Dabei werden die Pflanzen ger&#xE4;uchert und am Boden der Brenngef&#xE4;&#xDF; sammelt sich Harz an. Zu diesem Harz werden Kaolin, Quarz und Sand hinzugef&#xFC;gt, und alles zusammen wird nochmal bei einer Temperatur von 1300-1400 Grad gebrannt. Das Ergebnis ist eine kristalline Masse, die mit der Hand grob zerkleinert und zusammen mit Wasser und gew<\/em><em>&#xF6;<\/em><em>hnlichem Mehl, dias wie Klebstoff wirkt, in die M&#xFC;hle gegeben wird<\/em>&#x201C;<em>&#x201C;.<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-6 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"683\" height=\"1024\" data-id=\"42781\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_17_3-683x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-42781\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_17_3-683x1024.jpg 683w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_17_3-200x300.jpg 200w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_17_3.jpg 759w\" sizes=\"auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px\"\/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" data-id=\"42791\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_43_4-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-42791\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_43_4-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_43_4-300x200.jpg 300w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_43_4-768x512.jpg 768w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_43_4-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_43_4-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\"\/><\/figure>\n<\/figure>\n\n\n\n<p>Nach dem Glasieren werden die fertigen Keramikst&#xFC;cke Trocknen gelassen und sp&#xE4;ter mit Hilfe spezieller Dreif&#xFC;&#xDF;e &#xFC;bereinander in den Brennofen gestellt. Anhand der Spuren dieser Dreif&#xFC;&#xDF;e auf dem Boden und dier getrockneten Glasurtropfen am Rand l&#xE4;sst sich Gijduvon-Keramik eindeutig erkennen. Es ist die einzige Keramik, die mit der Unterseite nach oben gebrannt wird. Dies geschieht, damit die Glasur, die mit der Hitze fl&#xFC;ssig wird und nach unten flie&#xDF;t, nicht auf dem Muster erstarrt, sondern zum Rand der Schale flie&#xDF;t und so den Rand verst&#xE4;rkt.&#xA0;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-7 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" data-id=\"42785\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_32_3-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-42785\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_32_3-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_32_3-300x200.jpg 300w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_32_3-768x512.jpg 768w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_32_3-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_32_3-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\"\/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"682\" data-id=\"42787\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_35_6-1024x682.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-42787\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_35_6-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_35_6-300x200.jpg 300w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_35_6-768x512.jpg 768w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_35_6-1536x1023.jpg 1536w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_35_6-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\"\/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"683\" height=\"1024\" data-id=\"42786\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_34_4-683x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-42786\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_34_4-683x1024.jpg 683w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_34_4-200x300.jpg 200w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_34_4-768x1152.jpg 768w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_34_4-1024x1536.jpg 1024w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_34_4-1365x2048.jpg 1365w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_34_4-scaled.jpg 1706w\" sizes=\"auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px\"\/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" data-id=\"42784\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_29_1-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-42784\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_29_1-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_29_1-300x200.jpg 300w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_29_1-768x512.jpg 768w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_29_1-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_29_1-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\"\/><\/figure>\n<\/figure>\n\n\n\n<p>Der Ofen, ein massives Lehmst&#xFC;ck, fast schulterhoch, ist am Ende des Korridors, in einer Ecke des Innenhofs angeordnet. Stufen f&#xFC;hren zum Deckel. Oben darauf liegen Scherben &#x2013; kleine und gro&#xDF;e Keramikteile, die den Brennprozess nicht schadlos &#xFC;berstanden haben. In manchen Chargen betragen die Verluste 5 bis 10% erkl&#xE4;rt Obidjon. Der Ofen ist noch warm &#x2013; am Tag zuvor war er noch in Betrieb.&#xA0;<\/p>\n\n\n\n<p>Der Brennprozess dauert mehrere Tage. Zuerst trocknet die Keramik 24 Stunden lang bei geringer Hitze, bis maximal 150 Grad. Am zweiten Tag geht es richtig los: eine Person muss zwanzig Stunden lang neben dem Ofen stehen und diesen stets mit Holz und Gas beheizen, unter st&#xE4;ndiger Temperaturkontrolle. Die Temperatur f&#xFC;r den erfolgreichen Brand muss ca. 1100 Grad erreichen, es obliegt dem verantwortlichen Brennmeister aufbauend auf seiner Erfahrung, die richtige Temperatur zu erreichen und f&#xFC;r die richtige Dauer zu halten.&#xA0;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Temperaturangaben sind alle nur ungef&#xE4;hr, sagt Obidjon. In der Werkstatt werden keine Thermometer oder Temperaturregler verwendet. Bei&#xA0;<em>offenem<\/em>&#xA0;Feuer w&#xE4;re das sinnlos: Die W&#xE4;rme verteilt sich ungleichm&#xE4;&#xDF;ig, die Temperatur wird nicht genau erfasst. Stattdessen bestimmen die Meister die Temperatur mit dem Auge, und zwar ganz einfach. &#x201E;<em>Im Deckel befindet sich ein Guckloch, das beim Brennen geschlossen bleibt. Anhand der Helligkeit der&#xA0;<\/em><em>Ofenw<\/em><em>&#xE4;nde und der Keramik selbst l&#xE4;sst sich feststellen, ob die Temperatur richtig ist. Wenn die Keramik im Inneren des Ofens richtig hei&#xDF; wird, leuchtet sie wie eine gelbe Gl&#xFC;hbirne. Vorher sind dort Muster und Ornamente zu sehen, bei einer Temperatur von 700-800 Grad. Bei der richtigen Temperatur verschwindet alles. Zwischen der Keramik selbst und der Ofenwand bleibt kein Schatten, da das Feuer in der Mitte brennt. Wenn der Moment erreicht ist, muss das Feuer sofort gel&#xF6;scht und die Holzreste rausgenommen werden. Ddie Abdeckung wird mit Lehm verschmiert und versiegelt. Das Wichtigste ist, diesen Moment nicht zu verpassen. Selbst bei 15-20 Minuten Verz<\/em><em>&#xF6;<\/em><em>gerung beginnt die Keramik sich zu verformen oder zu platzen<\/em>&#x201C;.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem das Feuer ohne Sauerstoff erloschen ist, dient der Ofen wie eine Thermoskanne f&#xFC;r die gl&#xFC;hende Keramikteile und l&#xE4;sst die Temperatur im Inneren langsam und gleichm&#xE4;&#xDF;ig absinken. Zwei Tage lang muss der Ofen versiegelt bleiben. Die fertige Keramikteile k&#xF6;nnen erst am f&#xFC;nften oder sechsten Tag rausgenommen werden &#x2013; und auch dann bleiben sie noch ziemlich hei&#xDF;.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_37_1-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-42788\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_37_1-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_37_1-300x200.jpg 300w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_37_1-768x512.jpg 768w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_37_1-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/T&#x424;pferwerkstatt_37_1-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Der gesamte Prozess zur Herstellung einer Keramikschale dauert 25-27 Tage: So viel Zeit braucht das Team, um in Handarbeit 100 &#x2013; 120 Keramikst&#xFC;cke anzufertigen und f&#xFC;r das Brennen vorzubereiten. Der Ofen ist gro&#xDF; und es ist wirtschaftlich unrentabel, ihn h&#xE4;ufiger einzuheizen als notwendig, weshalb er f&#xFC;r jeden Brennvorgang voll beladen sein muss.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Markt<\/h2>\n\n\n\n<p>Kurz vor dem Abschied frage ich Obidjon, ob die Nachfrage f&#xFC;r seine Produkte auf dem einheimischen Markt gr&#xF6;&#xDF;er ist, als bei Touristen. Nach der kurzen Pause sagt er: jetzt, Gott sei dank, schon. &#xDC;ber die letzten 3-4 Jahre steige die Nachfrage nach lokal hergestelltem Geschirr &#x2013; davor sei das Interesse eher bei Porzellan und modernen Keramiken gelegen.&#xA0;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Nachfrage treibt auch den Preis in die H&#xF6;he. Das bedeutet, dass es auch Findige gibt, die daran verdienen wollen: Ein Beispiel ist der betr&#xFC;gerische Verkauf von Massenware als Meisterst&#xFC;ck, bei dem das Markenzeichen auf dem Geschirrboden gef&#xE4;lscht wird. Die Arbeit eines Meisters l&#xE4;sst sich trotzdem recht leicht von Massenware unterscheiden, auch ohne das Markenzeichen zu ber&#xFC;cksichtigen: Es sind die Feinheit der Details und die Genauigkeit der Muster, die nicht schnell hingekritzelt werden k&#xF6;nnen.&#xA0;<\/p>\n\n\n\n<p>Dennoch werden auf den M&#xE4;rkten h&#xE4;ufig Keramikst&#xFC;cke angeboten, die als traditioneller Kunst verkauft werden und in der Realit&#xE4;t damit nichts zu tun haben. F&#xFC;r ahnungslose Touristen sagen die Ornamente wenig &#xFC;ber die Herstellung aus, f&#xFC;r die Massen ist die Gesamtsituation daher eher undurchsichtig.<\/p>\n\n\n\n<p>&#x201E;<em>Ich m&#xF6;chte Ihnen etwas erz&#xE4;hlen,<\/em>&#xA0;sagt Obidjon zum Abschied.&#xA0;<em>Von den f&#xFC;nf traditionellen Keramikschulen, die dieses Handwerk seit jeher bis heute fortf&#xFC;hren, haben nur drei die alten Technologien wirklich bewahrt. Das sind Choresmien, Samarkand und Gijduvon. Im Gegensatz dazu wird in Rishton und Taschkent die Keramik oft industriell produziert, also in Formen gestempelt.&#xA0;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Dabei wird in Taschkent generell nicht besonders viel hergestellt. In Rishton hingegen habe ich 127 Werkst&#xE4;<\/em><em>tten gez<\/em><em>&#xE4;hlt. Dort hat man bereits damit begonnen, Keramik in gro&#xDF;em Umfang zu produzieren, jetzt werden oft Fabrikglasur und diese neuen leuchtenden, chemischen Farben verwendet. Auf der Stra&#xDF;e wird solche Keramik in gro&#xDF;en Mengen verkauft.&#xA0;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Aber auch dort gibt es noch ein paar Meister, die bis heute Keramik auf dem traditionellen Weg herstellen. Das sind die Familie Nazirovs und Rustam Usmanov. Nur leider wissen nicht viele, wo man suchen muss.&#x201C;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Bei all der industriellen Konkurrenz besteht die Nachfrage nach authentischen Kunstwerken weiterhin. Das Wichtigste ist, dass Liebhaber ihre Meister finden und informiert sind, wo sie welche Art von traditioneller Keramik erwerben k&#xF6;nnen. Und solange es noch H&#xE4;nde gibt, die diesen Weg fortsetzen, bleibt auch die Tradition lebendig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><strong>Anna Wilhelmi f&#xFC;r Novastan<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><strong>Fotos von Robert Renner<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background\"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kan&#xE4;len: Schaut mal vorbei bei <a href=\"https:\/\/twitter.com\/novastan_de\">Twitter<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Novastan.org\/\">Facebook<\/a>, <a href=\"https:\/\/telegram.me\/novastan\">Telegram<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/company\/novastan\/\">Linkedin<\/a> oder <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/novastanorg\/\">Instagram<\/a>. F&#xFC;r Zentralasien direkt in eurer Mailbox k&#xF6;nnt ihr euch auch zu unserem <a href=\"http:\/\/eepurl.com\/O0Qub\">w&#xF6;chentlichen Newsletter anmelden<\/a>.<\/strong><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geschirr aus Keramik ist eines der bekanntesten Kulturg&#xFC;ter Usbekistans und wahrscheinlich das beliebteste Souvenir f&#xFC;r Touristen. Jeder Basar bietet eine Auswahl an keramischen Teesch&#xFC;sseln (Piala), Serviertellern (Ljagan)&#xA0;oder Suppensch&#xFC;sseln (Kosa)&#xA0;in den verschiedensten Farben und Stilen. Wie es den Keramikschulen gelingt, die Traditionen und Techniken dieser historischen Handwerkskunst mit ihren starken regionalen Auspr&#xE4;gungen im 21. Jahrhundert zu [&#x2026;]<\/p>\n","protected":false},"author":1579,"featured_media":42789,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[4357,5],"tags":[5672,2271,5673,2287],"coauthors":[4788],"class_list":["post-42771","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-gesellschaft-und-kultur","category-usbekistan","tag-gijduvon","tag-keramik","tag-keramikkunst","tag-rishton"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/42771","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1579"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=42771"}],"version-history":[{"count":20,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/42771\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":42822,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/42771\/revisions\/42822"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/42789"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=42771"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=42771"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=42771"},{"taxonomy":"author","embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/coauthors?post=42771"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}