{"id":40845,"date":"2024-11-22T21:26:32","date_gmt":"2024-11-22T20:26:32","guid":{"rendered":"https:\/\/novastan.org\/de\/?p=40845"},"modified":"2024-11-22T21:26:33","modified_gmt":"2024-11-22T20:26:33","slug":"ein-guter-kommandeur-schlaegt-nur-die-eigenen-soldaten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/novastan.org\/de\/kasachstan\/ein-guter-kommandeur-schlaegt-nur-die-eigenen-soldaten\/","title":{"rendered":"Ein guter Kommandeur schl\u00e4gt nur die eigenen Soldaten"},"content":{"rendered":"<p>Bericht eines Rekruten &#xFC;ber seine Erfahrung in der kasachischen Armee &#x2013;<strong> <\/strong>Von 2020 bis 2023 starben in der kasachischen Armee 270 Personen, 40 davon begangen Suizid. Diesen Oktober gab der Verteidigungsminister bekannt, dass die Suizide im Vergleich zum Vorjahr zur&#xFC;ckgegangen sind, genaugenommen um einen Fall.<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Jahr erhielten einige F&#xE4;lle besondere Resonanz: Erbaian Muhtar kam, wom&#xF6;glich infolge einer Tracht Pr&#xFC;gel, aus dem Koma frei, Marat Barkulov starb durch den Schuss eines Offiziers und in Almaty begingen sowohl ein Zeitsoldat als auch ein Mitarbeiter des Geheimdienstes Suizid.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir sprachen mit einem Rekruten, der seinen Pflichtdienst in der kasachischen Armee geleistet hat. Er berichtet von den Schl&#xE4;gen seiner Vorgesetzten, lebenslangen Traumata und der Inkompetenz der Milit&#xE4;rpolizei.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"flex flex-col md:flex-row justify-evenly items-center bg-yellow-100 my-20 p-10 space-y-10 subscribe\">\n\t<div class=\"container flex flex-col lg:flex-row justify-between\">\n\t\t<div class=\"flex flex-col w-full lg:w-3\/5 pb-4\">\n\t\t\t<h2 class=\"text-3xl text-secondary font-bold mb-4 text-[#749D02]\">\n\t\t\t\t\t\t\t\tUnterst&#xFC;tzt Novastan &#x2013; das europ&#xE4;ische Zentralasien-Magazin \n\t\t\t<\/h2>\n\t\t\t\tAls vereinsgetragene, unabh&#xE4;ngige Plattform lebt Novastan vom Enthusiasmus seiner ehrenamtlichen Mitarbeiter:innen &#x2013; und von eurer Unterst&#xFC;tzung! \n\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<div class=\"flex flex-col w-full lg:w-2\/5 justify-items-center justify-center pb-4\">\n\t\t\t<div class=\"rounded-md bg-accent-500 px-10 py-5 text-center w-72 mx-auto\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<a class=\"block rounded bg-white p-2 mt-4 font-bold\" href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/novastan-ev\/spenden\/\">Novastan unterst&#xFC;tzen<\/a>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p><em>Disclaimer: Die beschriebenen Szenen enthalten harte Gewalt und F&#xE4;lle von Suizid, die &#xC4;u&#xDF;erungen enthalten <\/em><a href=\"https:\/\/www.dekoder.org\/de\/gnose\/mat-schimpfsprache-kulturgeschichte\"><em>russischen Mat<\/em><\/a><em> &#x2013; sie sind also stellenweise sehr vulg&#xE4;r. In der &#xDC;bersetzung wurde versucht, die Mat-Ausdr&#xFC;cke m&#xF6;glichst sinngem&#xE4;&#xDF; zu &#xFC;bertragen, wobei das Schriftbild betroffener W&#xF6;rter wie im Original teilzensiert ist. Der Name des Rekruten bleibt derweil anonym.<\/em><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wie alles begann<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Ich diente im S&#xFC;den. Bei meiner Musterung war allen sonnenklar, dass ich nicht wollte. Sie drohten, mich nach <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Otar_(village)\">Otar<\/a> zu versetzen: <em>&#x201E;Sei lieber froh, dass wir dich nicht dorthin versetzen. In Otar gibt es keine Regeln und auch keine Videokameras.&#x201C; <\/em>&#xDC;ber die harten Bedingungen dort kursieren allerlei Ger&#xFC;chte. Ich setzte mich also mit 45 anderen Rekruten in den Zug und fuhr zu meinem Einsatzort in der kasachischen Ein&#xF6;de.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lest auch auf Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/politik-und-wirtschaft\/an-der-front-in-der-ukraine-sterben-weiterhin-zentralasiaten\/\">An der Front in der Ukraine sterben weiterhin Zentralasiaten<\/a><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der erste Monat erwies sich als au&#xDF;erordentlich ruhig. Das Essen war in Ordnung, wir durften rauchen, lernten zu n&#xE4;hen und die Kleidung korrekt anzuziehen und mussten uns noch nicht aufs &#xDC;belste beleidigen lassen. Alles &#xE4;nderte sich, nachdem wir unseren Soldateneid geschworen hatten. Danach wurde auch dem letzten klar, dass die ersten Wochen Eingew&#xF6;hnung nichts als ein dummer Bluff gewesen waren.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Erwartung trifft auf Realit&#xE4;t<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Dann ging die ganze Sch**&#xDF;e los. Die Kommandeure, Unterfeldwebel und Offiziere beleidigten uns ohne Pause, schrien uns an und trichterten uns ein, dass wir ein Niemand seien. Das Essen war unterirdisch, die K&#xFC;che war auf Sparkurs. Seife und Rasierer gab es entweder gar nicht oder nur Billigprodukte. Die Einsatzstiefel fielen schon auseinander, die guten behielten die Hauptfeldwebel f&#xFC;r sich.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lest auch auf Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/gesellschaft-und-kultur\/rekrutierung-in-tadschikistan-problem-fuer-behoerden-hoelle-fuer-soldaten\/\">Rekrutierung in Tadschikistan: Problem f&#xFC;r Beh&#xF6;rden, H&#xF6;lle f&#xFC;r Soldaten<\/a><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wenn die Milit&#xE4;rpolizei zur Kontrolle vorbeikam und Feedback bei uns einholte, hielten wir dicht. Die Unterfeldwebel hatten klar gemacht, was uns sonst bl&#xFC;hen w&#xFC;rde. Als sich doch mal einer beim schriftlichen Feedback &#xFC;ber das Essen beschwert hatte, versuchten die Offiziere, den Schuldigen anhand der Handschrift zu ermitteln. Zur Strafe bekam dieser dann einen ordentlichen Anpfiff. Das Essen war danach f&#xFC;r etwa zwei Wochen besser, doch dann bekamen wir wieder angeschimmeltes Brot und w&#xE4;ssrigen Kascha. Es war klar, dass wir uns damit abgeben mussten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Schlagen&#x2026;<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Alle vierzehn Tage kontrollierte uns die Milit&#xE4;rpolizei auf blaue Flecken von Kopf bis Fu&#xDF;. W&#xFC;rde herauskommen, dass bei uns Leute verpr&#xFC;gelt werden, w&#xFC;rden die obersten Befehlshaber sofort rausfliegen. Um das zu verhindern, hatten sie eine bestimmte Schlagtechnik entwickelt: Sie wickelten uns ein Tuch um eine Hand, die wir dann vor unseren Kopf halten mussten, bevor sie drauf los droschen und uns dabei brutal beleidigten. Auf diese Weise verteilte sich der Sto&#xDF; auf das ganze Gesicht, innendrin entsteht ein gewaltiger Schaden, von au&#xDF;en fehlt jede Spur. Es dauert etwa zwei Wochen, bis es im Mund aufh&#xF6;rt zu bluten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lest auch auf Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/kasachstan\/fluchtziel-kasachstan-eine-reportage-aus-qostanai-wo-hunderte-russen-aufgenommen-wurden\/\">Fluchtziel Kasachstan &#x2013; Eine Reportage aus Qostana&#x131;, wo Hunderte Russen aufgenommen wurden<\/a><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Schl&#xE4;ge kassierten wir alle und aus allen m&#xF6;glichen Gr&#xFC;nden: der eine war zu langsam, der andere zu leise gewesen, der n&#xE4;chste hatte eine Anweisung nicht korrekt ausgef&#xFC;hrt. Kollektivstrafen waren die Regel. So fand die ganze Kompanie einen S&#xFC;ndenbock, auf den sie dann eintraten. Ich bin kein Heiliger, ich habe auch zugetreten, ich wollte nicht nur selbst kassieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer einen Verwandten hatte, der ein hohes Tier war, entkam den Schl&#xE4;gen. Und obendrauf durfte er sich eine Menge Extraw&#xFC;rste erlauben: ob rauchen, ungefragt auf Toilette gehen oder einen Ausflug in die Stadt machen. Wir kochten vor Wut wegen dieser ungleichen Behandlung.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>&#x2026;und geschlagen werden<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Einmal war ich selbst das Opfer. Es war bei einer sehr anstrengenden Stellungs&#xFC;bung auf dem Schie&#xDF;platz. Ich war m&#xFC;de und au&#xDF;er Atem und darum etwas langsamer bei der Sache. Der Kommandeur schnauzte mich ein erstes Mal an, ich solle einen Zahn zulegen, als w&#xE4;re ich ein Rindvieh auf der Weide. Als ich bei einem Kommando, bei dem wir auf dem Boden kriechen sollten, erneut zu langsam war, stellte mich der Kommandeur schlie&#xDF;lich vor den anderen blo&#xDF;.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lest auch auf Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/kirgistan\/autoritarismus-politische-morde-und-vetternwirtschaft-die-praesidentschaft-kurmanbek-bakijews\/\">Autoritarismus, politische Morde und Vetternwirtschaft: Die Pr&#xE4;sidentschaft Kurmanbek Bakijews<\/a><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Er kam zu mir, br&#xFC;llte mir das Kommando ins Gesicht und als ich mich vor Schwachheit nicht regte, verpasste er mir mit seinen Kampfstiefeln einen Tritt in die Nieren. Vor meinen Augen flog mein ganzes Leben vorbei. Dann folgte ein weiterer Tritt in die Nieren. Ich hob den Kopf, um aufzustehen, doch auch auf den trat er ein, immer und immer wieder. <em>&#x201E;Kriegst du es heute noch irgendwann mal geschi**en?&#x201C; <\/em>Ich h&#xE4;tte ihn in diesem Moment am liebsten aufgeschlitzt. Die Soldaten schauten dabei zu, wie der Kommandeur meinem Kopf, der auf dem steinigen, schmutzigen Boden lag, einen Tritt nach dem anderen verpasste. Irgendwann traf sein Stiefel mein linkes Ohr. Mein Trommelfell muss dabei geplatzt sein, denn das Blut lief danach nur so aus meinem Ohr heraus. Dann, endlich, lies der Kommandeur von mir ab und beendete die &#xDC;bung.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Nur nicht auffliegen<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Etwa zwei Wochen voller Schmerzen vergingen, bevor die Sanit&#xE4;ter sich um mich k&#xFC;mmerten. Meine Nieren hatte es hart erwischt, sie hatten sich unter den Schl&#xE4;gen verschoben und vermischt. Passiert das, bilden sich dunkle Flecken unter den Augen. Ich sah aus wie ein Panda. Richtig geheilt haben mich die Sanit&#xE4;ter nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Als die Milit&#xE4;rpolizei die Flecken bemerkte und mich in einem separaten Raum auszufragen versuchte, sagte ich nur, es sei alles in Ordnung, mehr nicht. Sie durften nichts wissen. Nicht nur hatte der Kommandeur mir noch mehr Pr&#xFC;gel gedroht, ich w&#xFC;rde obendrein auch noch auf ewig das offizielle Kameradenschwein sein.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lest auch auf Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/kasachstan\/kasachstan-wird-die-teilnahme-an-friedensmissionen-erweitern\/\">Kasachstan wird die Teilnahme an Friedensmissionen erweitern<\/a><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Am Tag darauf brachte die Milit&#xE4;rpolizei mich ins Krankenhaus. Sie hatten keine Zweifel, dass ich zusammengeschlagen worden war und wollten es allen beweisen. <em>&#x201E;Die haben dich auf jeden Fall verpr&#xFC;gelt, ich seh&#x2018; doch die Spuren von den Stiefeln auf deinem R&#xFC;cken.&#x201C; <\/em>Doch ich stritt konsequent alles ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Als sie mich zum Unfallarzt brachten, der mich einer Ultraschalluntersuchung unterzog, flehte ich diesen mit den Augen an. Er verstand und verwehrte den Milit&#xE4;rpolizisten die klare Diagnose, auf die sie gehofft hatten. &#x201E;<em>Verf**ckte Sch**&#xDF;e, da h&#xE4;ttest du einmal was Gutes tun k&#xF6;nnen, aber du kriegst ja den Mund nicht auf&#x201C;,<\/em> warf einer von ihnen mir danach vor. Dann brachten sie mich wieder zu den Sanit&#xE4;tern, wo ich eine Woche das Bett h&#xFC;tete, bevor es zur&#xFC;ck in meine Einheit ging, als w&#xE4;re nichts gewesen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die ungeschriebenen Regeln<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>In der Armee ordnest du dich allen unter, ob Unterfeldwebel, Offizier oder sonst einer Einheit. Sie kommandieren dich herum, erniedrigen und schlagen dich. Meistens kamen die Schl&#xE4;ge sogar von den Leitern des eigenen Kommandos. Traf es Soldaten aus anderen Einheiten, machte sich sonst gleich Eifersucht breit, nach dem Motto <em>&#x201E;Was schl&#xE4;gst du meine Soldaten? Dann zeig ich&#x2019;s deinen gleich auch mal!&#x201C;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>In der dritten Einheit gab es einen Unterfeldwebel, dessen Schl&#xE4;ge alle f&#xFC;rchteten. Einmal verpasste er mir w&#xE4;hrend einer &#xDC;bung zwei Ohrfeigen, ohne Grund, einfach aus Jux. Mein Kommandant fragte daraufhin nur: <em>&#x201E;Du schl&#xE4;gst jetzt also neuerdings meine M&#xE4;nner, ja? Das ist meine Aufgabe, verstanden?&#x201C;<\/em> Und schon schlug er auf mich ein. <em>&#x201E;Sch**&#xDF;kerle, ihr habt sie doch nicht mehr alle&#x201C;<\/em>, dachte ich nur.<\/p>\n\n\n\n<p>Verteidigung war keine Option. Das machte die Schl&#xE4;ger nur noch aggressiver. Das ging mal so weit, dass ein Soldat, der sich mit den H&#xE4;nden zu sch&#xFC;tzen versuchte, nicht mehr nur von einem Unterfeldwebel, sondern gleich mehreren verkloppt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lest auch auf Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/kasachstan\/die-folgen-der-russischen-mobilmachung-fuer-zentralasien\/\">Die Folgen der russischen Mobilmachung f&#xFC;r Zentralasien<\/a><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das passierte auch mir einmal: Ich hielt es nicht mehr aus, wehrte mich gegen meinen Unterfeldwebel. Zur Strafe musste ich nicht nur einen Monat lang abends l&#xE4;nger bleiben, sondern auch zusehen, wie diese Hundes&#xF6;hne einen guten Kollegen von mir verpr&#xFC;gelten. Da brannte mir die Sicherung durch, ich schritt ein und verpasste meinem Unterfeldwebel einen Kinnhaken. Als der sich von seinem Schock erholt hatte, folgte die Rechnung daf&#xFC;r. Er hetzte die anderen auf mich und diese Ars**l&#xF6;cher verm&#xF6;belten mich als g&#xE4;be es kein Morgen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Gezeichnet f&#xFC;rs Leben<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Meine Nieren machen mir bis heute Probleme und auf meinem linken Ohr h&#xF6;re ich nach wie vor schlecht. Hin und wieder f&#xE4;ngt es wieder an zu bluten. F&#xFC;r die vielen Untersuchungen danach musste ich einiges blechen. Als ich die R&#xF6;ntgenbilder meiner Nieren sah, war ich v&#xF6;llig fassungslos. &#x201E;<em>Halb so wild&#x201C;, <\/em>sagte der Arzt, <em>&#x201E;da hat es andere bei der Armee schon schlimmer erwischt.&#x201C;<\/em><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Zwei Tage ohne Schlaf<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Alle zwei Wochen &#xFC;bten wir an einem nicht &#xFC;berwachten Ort auf dem Schie&#xDF;gel&#xE4;nde. Wir wiederholten dort Formationen, lernten unsere Waffen zu bedienen und verschiedene Dinge auf- und abzubauen. Es kam einmal vor, dass wir die Aufgaben deutlich schneller als vorgesehen erf&#xFC;llt hatten. So schnell, dass tats&#xE4;chlich ein paar freie Tage vor uns lagen. Wir erholten uns, gingen in die Stadt und drehten uns eine Kippe nach der anderen.<\/p>\n\n\n\n<p>An einem Abend, als viele schon im Bett lagen, lie&#xDF; sich einer von uns beim Rauchen erwischen. Die Konsequenz: <em>&#x201E;Ihr habt also nichts mehr zu tun? Dann raus mit euch! Die Nacht verbringt ihr stehend!&#x201C;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lest auch auf Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/kasachstan\/wie-russland-zentralasiatische-buerger-fuer-den-krieg-in-der-ukraine-anwirbt\/\">Wie Russland zentralasiatische B&#xFC;rger f&#xFC;r den Krieg in der Ukraine anwirbt<\/a><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Doch wir standen nicht nur diese eine Nacht, sondern auch den Tag, die darauffolgende Nacht und den n&#xE4;chsten Tag. Ich drehte durch vor Schmerzen und M&#xFC;digkeit. Nicht mal auf Toilette lie&#xDF;en sie uns gehen. Nur zum Mittagessen durften wir gehen. Ich war kurz davor, den Verstand zu verlieren.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Suizidversuche sind nutzlos<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Wir hatten einen Kerl in unseren Reihen, der st&#xE4;ndig Streit suchte und seine Klappe nicht halten konnte. Einmal verpr&#xFC;gelte er einen anderen Soldaten, der auf seine Provokation eingegangen war, bis seine Augen blau anschwollen. Unsere Kommandeure waren au&#xDF;er sich, weil bald die n&#xE4;chste Kontrolle der Milit&#xE4;rpolizei anstand.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch als diese wenige Tage sp&#xE4;ter eintraf, fanden sie anstelle des Soldaten mit den Schlagspuren im Gesicht nur einen Zeitsoldaten vor, der kurzerhand den Namen seines Vorg&#xE4;ngers &#xFC;bernommen hatte. So einfach hatten es sich unsere Vorgesetzten gemacht: Den Verwundeten hatten sie verr&#xE4;umt und keiner wusste wohin. Als er einen Monat sp&#xE4;ter zur&#xFC;ckkam, erz&#xE4;hlte er, dass sie ihn im Offizierszimmer eingesperrt hatten. Dort br&#xFC;llten sie ihn t&#xE4;glich an, was f&#xFC;r ein mieses St&#xFC;ck Sch**&#xDF;e er sei und zwangen ihn, auf Kommando in die Hocke zu gehen und in die Luft zu springen. Ich bin immer noch erstaunt, dass der sich nicht erh&#xE4;ngt hat.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lest auch auf Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/gesellschaft-und-kultur\/kasachstan-ein-tag-des-sieges-ohne-militaerparade-und-mit-eigenem-gedenken\/\">Kasachstan: Ein Tag des Sieges ohne Milit&#xE4;rparade und mit eigenem Gedenken<\/a><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Einmal fiel mir ein Typ auf, der st&#xE4;ndig drei Leibw&#xE4;chter um sich hatte. Sie folgten ihm an den Essenstisch und auf Toilette. Als ich einen Unterfeldwebel fragte, was mit dem los sei, sagte der <em>&#x201E;Das ist ein Suizidnik. Sie bringen ihn in die psychiatrische Klinik und hoffen auf eine Diagnose, die beweist, dass er nicht ganz bei Verstand ist.&#x201C; <\/em>So ging man hier mit allen Suizidversuchen um. Sie suchten die L&#xF6;sung lieber in irgendeiner Diagnose, statt die offensichtlichen Probleme innerhalb der Armee zu erkennen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir redeten nicht &#xFC;ber diese Ereignisse. Wir waren wie im Stall zusammengepferchte S&#xE4;ue. Die Meinung eines einzelnen Soldaten sei wertlos. <em>&#x201E;Hoffentlich ist das alles hier bald vorbei!&#x201C;<\/em>, war alles, woran ich dachte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><strong>Aleksandra Akanaeva f&#xFC;r The Village<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><strong>Arthur Siavash Klischat, &#xDC;bersetzer f&#xFC;r Novastan<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background\"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kan&#xE4;len: Schaut mal vorbei bei <a href=\"https:\/\/twitter.com\/novastan_de\">Twitter<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Novastan.org\/\">Facebook<\/a>, <a href=\"https:\/\/telegram.me\/novastan\">Telegram<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/company\/novastan\/\">Linkedin<\/a> oder <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/novastanorg\/\">Instagram<\/a>. F&#xFC;r Zentralasien direkt in eurer Mailbox k&#xF6;nnt ihr euch auch zu unserem <a href=\"http:\/\/eepurl.com\/O0Qub\">w&#xF6;chentlichen Newsletter anmelden<\/a>.<\/strong><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bericht eines Rekruten &#xFC;ber seine Erfahrung in der kasachischen Armee &#x2013; Von 2020 bis 2023 starben in der kasachischen Armee 270 Personen, 40 davon begangen Suizid. Diesen Oktober gab der Verteidigungsminister bekannt, dass die Suizide im Vergleich zum Vorjahr zur&#xFC;ckgegangen sind, genaugenommen um einen Fall. In diesem Jahr erhielten einige F&#xE4;lle besondere Resonanz: Erbaian Muhtar [&#x2026;]<\/p>\n","protected":false},"author":622,"featured_media":40855,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[4357,4],"tags":[2207,5399,1585,4540,5397],"coauthors":[3086],"class_list":["post-40845","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-gesellschaft-und-kultur","category-kasachstan","tag-gewalt","tag-koerperverletzung","tag-militaer","tag-suizid","tag-wehrdienst"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/40845","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/622"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=40845"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/40845\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":40847,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/40845\/revisions\/40847"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/40855"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=40845"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=40845"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=40845"},{"taxonomy":"author","embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/coauthors?post=40845"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}