{"id":39795,"date":"2024-07-11T12:38:38","date_gmt":"2024-07-11T10:38:38","guid":{"rendered":"https:\/\/novastan.org\/de\/?p=39795"},"modified":"2024-07-11T12:38:41","modified_gmt":"2024-07-11T10:38:41","slug":"die-geschichte-des-zentralasiatischen-jazz-hamdam-zakirov-ueber-das-fergana-jazz-festival","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/novastan.org\/de\/gesellschaft-und-kultur\/die-geschichte-des-zentralasiatischen-jazz-hamdam-zakirov-ueber-das-fergana-jazz-festival\/","title":{"rendered":"Die Geschichte des zentralasiatischen Jazz: Hamdam Zakirov \u00fcber das Fergana Jazz Festival"},"content":{"rendered":"<p><strong>Hamdam Zakirov ist ein in Fergana geborener Dichter, DJ und Kenner zentralasiatischer Pop- und Jazzmusik. Er spricht &#xFC;ber das Jazzensemble &#x201E;Sato&#x201C;, den Kult-Avantgardek&#xFC;nstler Sergej Kurjochin und die ber&#xFC;hmteste Vertreterin des Roma-Volkes in der UdSSR, die S&#xE4;ngerin Walentina Ponomarjowa &#x2013; und &#xFC;ber ihre Verbindung mit dem Fergana Jazz Festival, das eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der lokalen Szene sowie der sowjetischen Musik spielte.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im Januar 1988, nachdem ich die Milit&#xE4;rschule in Leningrad abgebrochen und meine Zeit in der Nordflotte abgeleistet hatte, kehrte ich in meine Heimatstadt Fergana [heute <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Farg&#x2BB;ona\">Farg&#x2BB;ona<\/a>, Anm. d. &#xDC;.] zur&#xFC;ck. Das Leben begann sich sofort zu drehen: verschiedene Geschwindigkeiten, Farben, Ger&#xFC;che. Es schien, dass alles m&#xF6;glich war und alles vor uns lag &#x2013; <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Perestroika\">Perestroika<\/a>, Demokratisierung, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Glasnost\">Glasnost<\/a> &#x2026;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bekam einen Job als Kurier f&#xFC;r eine Regionalzeitung, schrieb mich in die Journalistische Fakult&#xE4;t der Universit&#xE4;t Taschkent ein, besch&#xE4;ftigte mich mit Poesie, las, schaute und h&#xF6;rte viel. Gesch&#xE4;ftiges Leben! Und das alles dank redaktioneller Auftr&#xE4;ge, die ich zum Teil selbst erfunden habe, und dank dem kulturellen Umfeld, in dem ich mich unerwartet wiederfand. Ich traf gro&#xDF;artige K&#xFC;nstler, Dichter, Kunstkritiker, Schauspieler und Musiker, die in unserer Stadt lebten, und gewann neues und sehr vielf&#xE4;ltiges kulturelles Gep&#xE4;ck. Und &#x2013; zu meiner &#xDC;berraschung &#x2013; entdeckte ich meine Heimatstadt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Perestroika in Fergana<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Es stellte sich heraus, dass es im Kino &#x201E;Kosmos&#x201C; einen &#x201E;Klub der Kino-Freunde&#x201C; gab, in dem wir anfingen, Meisterwerke des Weltkinos anzusehen. Nat&#xFC;rlich diejenigen, die damals noch im sowjetischen Filmverleih waren. Es gab einen Bardenclub, in dem ich auch regelm&#xE4;&#xDF;ig auftrat. Vor allem, weil einer meiner neuen Freunde die Lieder meiner Lieblingsbands <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Aquarium_(Band)\">Aquarium<\/a> und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kino_(russische_Band)\">Kino<\/a> kannte und sang. Wie sich herausstellte, gab es in der Stadt auch einen Jazzclub. Und w&#xE4;hrend all das obengenannte eine Idee der Perestroika war, gab es den Jazzclub schon seit mehr als zehn Jahren!<\/p>\n\n\n\n<p>Im Herbst 1988 organisierten meine Freunde und ich auf Initiative von Rustam Juraev, dem Direktor des Kinos &#x201E;Kosmos&#x201C;, eine zweit&#xE4;gige Show-Pr&#xE4;sentation von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sergei_Alexandrowitsch_Solowjow_(Regisseur)\">Sergej Solowjows<\/a> Film <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Assa_(Film)\">Assa<\/a>. In Ermangelung von Postern mit Rockmotiven wurden Plattenh&#xFC;llen an die W&#xE4;nde geh&#xE4;ngt. Man malte Graffiti an die W&#xE4;nde in der Lobby und im Kinosaal. Es scheint, dass dies auch den Zuschauern gestattet wurde &#x2013; einer der ersten Schritte auf dem Weg vom &#x201E;Stra&#xDF;enrowdytum&#x201C; zur &#x201E;zeitgen&#xF6;ssischen Kunst&#x201C;.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lest auch auf Novastan: <\/strong><a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/kasachstan\/igla-mit-viktor-tsoi-durchs-kasachstan-der-perestroika\/\"><strong>Igla &#x2013; mit Viktor Tsoi durchs Kasachstan der Perestroika<\/strong><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Im Foyer gab es unter anderem eine Tafel, in die jeder mit einem in der N&#xE4;he liegenden Hammer seinen &#x201E;Nagel des Programms&#x201C; einschlagen konnte. Ganz echt, brandneu, gl&#xE4;nzend, scharf. Generell haben wir unserer Fantasie freien Lauf gelassen. An der Show nahmen sowohl Profis als auch Amateure &#x2013; Barden und Rocker &#x2013; teil. Und sogar Schulkinder, die &#xFC;brigens eine (f&#xFC;r damalige Verh&#xE4;ltnisse) hochmoderne Semi-Punk-Modenschau inszenierten. Wir hatten sogar unser eigenes &#x201E;Bananenm&#xE4;dchen&#x201C; [Anspielung auf den Film &#x201E;Assa&#x201C;, Anm. d. &#xDC;.]! Auch die Gruppe &#x201E;Sato&#x201C; trat bei unserer Show auf.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Das Jazzensemble &#x201E;Sato&#x201C;<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Ehrlich gesagt war ich damals kein Fan von Jazz. Meine Generation hatte gewisse Vorurteile gegen&#xFC;ber Blasinstrumenten. Der Grund daf&#xFC;r waren vielleicht die zahlreichen sowjetischen VIAs [&#x201E;Vokalisch-instrumentales Ensemble&#x201C;, die sowjetische Version von &#x201E;Band&#x201C;, Anm. d. &#xDC;.] oder die Tatsache, dass wir Rock leidenschaftlich liebten, welcher damals in unserem Land verboten war.<\/p>\n\n\n\n<p>Und wir waren misstrauisch gegen&#xFC;ber Gruppen mit mehr als vier oder f&#xFC;nf Mitgliedern. Maximum &#x2013; Schlagzeug, Gitarre und Bass. Nun, der Solist. Na ja, vielleicht auch Synthesizer. Aber keine Blechbl&#xE4;ser! Den Blechbl&#xE4;sern gegen&#xFC;ber waren wir gnadenlos. Rock war in jenen Jahren &#x2013; oder wurde zumindest von uns jungen Leuten als solcher wahrgenommen &#x2013; ein Sprachrohr des Protests. Und Jazz schien ziemlich konformistische Musik zu sein. Dar&#xFC;ber hinaus spielten verschiedene Jazzgruppen gr&#xF6;&#xDF;tenteils etwas v&#xF6;llig Konventionelles, das nicht &#xFC;ber die allgemein anerkannten Jazzstandards hinausging. Damals kam es mir so vor, als ob Rock&#x2019;n&#x2019;Roll noch nicht tot sei und Jazzmusiker halt irgendwo seien [Anspielung auf die Lieder &#x201E;&#x420;&#x43E;&#x43A;-&#x43D;-&#x440;&#x43E;&#x43B;&#x43B; &#x43C;&#x435;&#x440;&#x442;&#x432;&#x201C; und &#x201E;&#x41D;&#x435;&#x43C;&#x43E;&#x435; &#x43A;&#x438;&#x43D;&#x43E;&#x201C; von Aquarium].<\/p>\n\n\n\n<div class=\"flex flex-col md:flex-row justify-evenly items-center bg-yellow-100 my-20 p-10 space-y-10 subscribe\">\n\t<div class=\"container flex flex-col lg:flex-row justify-between\">\n\t\t<div class=\"flex flex-col w-full lg:w-3\/5 pb-4\">\n\t\t\t<h2 class=\"text-3xl text-secondary font-bold mb-4 text-[#749D02]\">\n\t\t\t\t\t\t\t\tUnterst&#xFC;tzt Novastan &#x2013; das europ&#xE4;ische Zentralasien-Magazin \n\t\t\t<\/h2>\n\t\t\t\tAls vereinsgetragene, unabh&#xE4;ngige Plattform lebt Novastan vom Enthusiasmus seiner ehrenamtlichen Mitarbeiter:innen &#x2013; und von eurer Unterst&#xFC;tzung! \n\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<div class=\"flex flex-col w-full lg:w-2\/5 justify-items-center justify-center pb-4\">\n\t\t\t<div class=\"rounded-md bg-accent-500 px-10 py-5 text-center w-72 mx-auto\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<a class=\"block rounded bg-white p-2 mt-4 font-bold\" href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/novastan-ev\/spenden\/\">Novastan unterst&#xFC;tzen<\/a>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p>Und so lernte ich das Jazzensemble von Fergana kennen. Mein erster Gedanke: Nun, nat&#xFC;rlich ist das Team in irgendeinem Kulturzentrum in unserem provinziellem <a>Fergana<\/a> wahrscheinlich amateurhaft. Doch beim Kennenlernen stellt sich heraus, dass dieses Ensemble im Vorjahr, 1987, seine zweite Platte auf [dem gr&#xF6;&#xDF;ten sowjetischen Plattenlabel, Anm. d. &#xDC;.] <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Melodija\">Melodija<\/a> ver&#xF6;ffentlicht hatte. Nat&#xFC;rlich gehe ich in Gesch&#xE4;fte, kaufe Sato-Platten und h&#xF6;re mir die Musik an. Und dann lerne ich die Musiker kennen, sehe und h&#xF6;re sie live auf der Kinob&#xFC;hne bei der Premiere von &#x201E;Assa&#x201C; und ich bin beeindruckt von ihrer Professionalit&#xE4;t. Wenn ich mich recht erinnere, spielte das Ensemble am ersten Tag vollst&#xE4;ndig und am zweiten Tag trat Enver Izmailov solo auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Jahre sp&#xE4;ter, bei meiner n&#xE4;chsten Reise nach Fergana, als ich die erhaltenen Platten aus dem Haus meiner Mutter mitnahm, entdeckte ich &#x201E;Sato&#x201C; wieder. Jetzt stand meine jugendliche Fixierung auf Rockmusik nicht mehr im Weg &#x2013; ich h&#xF6;rte Fusion, Acid Jazz, Elektronik, Funk. Endlich &#x201E;h&#xF6;rte&#x201C; ich, wie [&#x2026;] alle Mitglieder der Band brillant spielten. Das sieht man deutlich an den Soli &#x2013; Gitarre, Keyboards, Fl&#xF6;te &#x2026; Ich habe geh&#xF6;rt, wie leicht und elegant die Arrangements sind, die die Musik &#xFC;ber die Grenzen bekannter Genres hinausf&#xFC;hren. Ich bin mir sicher, dass das jeder Zuh&#xF6;rer sp&#xFC;ren wird.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Das Fergana Jazz Festival<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Das Ensemble &#x201E;Sato&#x201C; wurde 1974 von Leonid Atabekow gegr&#xFC;ndet. 1977 initiierten Mitglieder der Gruppe die Er&#xF6;ffnung des Fergana-Jazzclubs und organisierten das erste Jazzfestival der Stadt! Zuvor fand 1969 in Taschkent das einzige derartige Festival in Zentralasien statt. Au&#xDF;er den Fergana-Festivals kenne ich nur das Jazzfestival, das 1988 in Alma-Ata [heute <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/kasachstan\/warum-almaty-und-nicht-alma-ata\/\">Almaty<\/a>, Anm. d. &#xDC;.] stattfand. In den 90er Jahren und bereits im 21. Jahrhundert fanden und finden in Kasachstan und Usbekistan Festivals statt, die jedoch nur eine lokale Bedeutung haben, obwohl an ihnen manchmal sowohl regionale K&#xFC;nstler als auch G&#xE4;ste aus dem Ausland beteiligt sind.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lest auch auf Novastan: <\/strong><a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/kasachstan\/eine-musikalische-anthologie-von-almaty-die-geschichte-von-bumerang-avantgardisten-des-jazz-in-kasachstan\/\"><strong>Eine musikalische Anthologie von Almaty: Die Geschichte von &#x201E;Bumerang&#x201C; &#x2013; Avantgardisten des Jazz in Kasachstan<\/strong><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Insgesamt fanden damals in Fergana drei Festivals statt &#x2013; 1977, 1978 und 1984. Das vierte sollte im Dezember 1988 stattfinden. Aber leider wurde es aufgrund des schrecklichen Erdbebens in <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Xank&#x259;ndi\">Stepanakert<\/a> und der im Land ausgerufenen Trauer unterbrochen &#x2013; unmittelbar nach dem Er&#xF6;ffnungskonzert, an dem meine Freunde und ich teilnehmen konnten. Aber selbst drei Festivals und die K&#xFC;nstler, die auf ihnen auftraten [&#x2026;], reichten aus, um zu sagen, dass es sich um ein bedeutendes Ph&#xE4;nomen auf Unionsebene handelte, wie man damals sagte. Ich denke, ein paar Namen werden ausreichen, um dies zu best&#xE4;tigen.<\/p>\n\n\n\n<p>In seinem Buch &#x201E;Gespr&#xE4;che &#xFC;ber Jazz&#x201C; erinnert sich der ber&#xFC;hmte Kontrabassist und damalige Pr&#xE4;sident des Taschkenter Jazzclubs Sergej Gilew an das zweite Fergana-Festival im Jahr 1978: <em>&#x201E;Das Festival wurde mit G&#xE4;sten aus Leningrad geschm&#xFC;ckt, dem Quartett von <\/em><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Anatoli_Petrowitsch_Wapirow\"><em>Anatolij Wapirow<\/em><\/a><em>, bestehend aus: A. Wapirow (Saxophon, Klarinette), <\/em><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sergei_Anatoljewitsch_Kurjochin\"><em>S. Kurjochin<\/em><\/a><em> (Klavier), S. Gretschkin (Schlagzeug), V. Greschtschenko (Bassgitarre, Schlagzeug). Wapirow war bekannt sowohl als gro&#xDF;artiger Interpret als auch als au&#xDF;ergew&#xF6;hnlicher Komponist. Der Pianist des Ensembles, S. Kurjochin, tritt h&#xE4;ufig bei Konzerten mit Soloprogramm auf und stellt verschiedene Ensembles f&#xFC;r einmalige Auftritte zusammen. Er ist einer der ernstzunehmenden Vertreter des Free Jazz.&#x201C;<\/em><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Walentina Ponomarjowa<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Ein weiterer nicht minder interessanter Gast in Fergana &#x2013; ein &#x201E;Stern von einem ganz anderen Horizont&#x201C; &#x2013; war die Moskauerin Walentina Ponomarjowa. Ponomarjowa begann ihre Karriere als Jazzmusikerin Ende der 60er Jahre und verbrachte fast die gesamten 70er Jahre damit, Romanzen und &#x201E;Zigeunerlieder&#x201C;, wie man sie damals nannte, als Solistin des Romen-Theaters und sp&#xE4;ter des gleichnamigen Trios zu singen. Doch Ende der 70er Jahre manifestierte sich ihr Interesse am Jazz immer mehr: 1979 verlie&#xDF; sie das Theater und begann mit der Solo-Jazzarbeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer wei&#xDF;, vielleicht war Fergana nicht nur eine der ersten Plattformen, sondern auch der Ausgangspunkt auf ihrem Weg zur&#xFC;ck zum Jazz. Ich war 1978 erst 12 Jahre alt und habe Ponomarjowas Auftritt nat&#xFC;rlich nicht besucht. Allerdings habe ich erst vor relativ kurzer Zeit von dieser Seite ihrer Arbeit erfahren, als eine der Jazzplatten der S&#xE4;ngerin in meine Sammlung kam. Im Gegensatz zu den Alben aus der Zeit des Romen-Trios entpuppte sich dies als eine ganz, ganz andere Welt, ein anderer Planet!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lest auch auf Novastan: <\/strong><a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/turkmenistan\/murat-sadykow-gunes-geschichte-ethno-jazz-turkmenistan\/\"><strong>Murat Sadykow und seine &#x201E;G&#xFC;ne&#x15F;&#x201C;: Aus der Geschichte des Ethno-Jazz in Turkmenistan<\/strong><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Ich wei&#xDF; nicht, welches Repertoire Walentina Ponomarjowa 1978 beim Konzert des zweiten Festivaltages auff&#xFC;hrte, aber es ist mit Sicherheit bekannt, dass fast alle Roma von Fergana dorthin kamen. Dies war wahrscheinlich das am schnellsten ausverkaufte Festivalkonzert aller Zeiten. Leonid erinnert sich, dass das Publikum die S&#xE4;ngerin mit Zetteln bombardierte. Man kann nur davon ausgehen, dass diejenigen, die kamen, um <em>&#x201E;die ber&#xFC;hmteste Zigeunerin der Sowjetunion&#x201C;<\/em> zu sehen und zu h&#xF6;ren, die avantgardistischen Sketche vor dem Hintergrund von Free-Jazz-Experimenten nicht ganz verstanden und sie in ihren Notizen gebeten haben, etwas mehr Erwartbares zu singen.<\/p>\n\n\n\n<p>Damals &#x2013; auf einem Festival in Fergana im Jahr 1978 &#x2013; lernten sich Walentina Ponomarjowa und Sergej Kurjochin kennen. Dieses Treffen markierte den Beginn von Ponomarjowas langj&#xE4;hriger Freundschaft und kreativer Zusammenarbeit mit Kurjochin, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Boris_Borissowitsch_Grebenschtschikow\">Boris Grebenschtschikow<\/a> und vielen anderen St. Petersburger Jazz- und Rockmusikern. Anschlie&#xDF;end nahm Ponomarjowa wiederholt als geladener Gast an Konzerten und Aufnahmen von <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Pop-Mechanics\">Pop-Mechanics<\/a>, Aquarium und Anatolij Wapirow teil. Man kann also mit Sicherheit sagen, dass diese Bekanntschaft in Fergana von historischer Bedeutung f&#xFC;r die Entwicklung der russischen Avantgarde-, Jazz- und sogar Rockszene war.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Sergej Kurjochin und Pop-Mechanics<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Leonid Atabekow erinnerte sich in einem Telefongespr&#xE4;ch mit mir daran, dass Sergej Kurjochin ein zweites Mal nach Fergana kam &#x2013; zum Festival 1984, diesmal jedoch mit seinem Ensemble. Leonid konnte sich nicht an den Namen erinnern, aber es kam mir nie in den Sinn, dass es &#x201E;Pop Mechanics&#x201C; sein k&#xF6;nnte. Doch als ich es erw&#xE4;hnte und sagte, dass Kurjochin sp&#xE4;ter ein solches Projekt haben w&#xFC;rde, best&#xE4;tigte Leonid: Ja, das stimmt: &#x201E;Popular Mechanics&#x201C;. Das hei&#xDF;t, die von Kurjochin im selben Jahr 1984 gegr&#xFC;ndete und sp&#xE4;ter ber&#xFC;hmt gewordene Gruppe hatte einen ihrer ersten Auftritte auf der B&#xFC;hne des III. Fergana Jazz Festivals!<\/p>\n\n\n\n<p>Leonid erinnerte sich, wie irgendwann w&#xE4;hrend ihres Auftritts, w&#xE4;hrend des Solos des Cellisten, die &#xFC;brigen &#x201E;Pop Mechanics&#x201C;-Musiker begannen, &#xFC;ber die B&#xFC;hne zu kriechen und, als sie den mit Blumen geschm&#xFC;ckten Rand erreichten, begannen, diese zu essen! Und am n&#xE4;chsten Tag litten fast alle unter Magenschmerzen. Eine lustige, aber auch erstaunliche Geschichte! Schockierender Free Jazz &#x2013; mit einem Wort: Fleisch gewordene Transzendenz. Wir k&#xF6;nnen sagen, dass die Vergangenheit in diesem Moment, ohne sich dessen v&#xF6;llig bewusst zu sein, die Zukunft kennenlernte. Nun, es ist sch&#xF6;n, dass Fergana nicht entt&#xE4;uscht hat, und ein solcher Skandal wie bei einem &#xE4;hnlich schockierenden Auftritt von &#x201E;Aquarium&#x201C; beim <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Tbilisi_Rock_Festival_(1980)\">Tbilissi Rock Festival 1980<\/a> einige Jahre zuvor gab es in meiner Heimatstadt nicht.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Weitere Bilder findet ihr im <a href=\"https:\/\/easteast.world\/ru\/posts\/310\">Originalartikel<\/a>.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><strong>Hamdan Zakirov f&#xFC;r EastEast<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><strong>Aus dem <\/strong><a href=\"https:\/\/easteast.world\/ru\/posts\/310\"><strong>Russischen<\/strong><\/a><strong> von Robin Roth<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background\"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kan&#xE4;len: Schaut mal vorbei bei <a href=\"https:\/\/twitter.com\/novastan_de\">Twitter<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Novastan.org\/\">Facebook<\/a>, <a href=\"https:\/\/telegram.me\/novastan\">Telegram<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/company\/novastan\/\">Linkedin<\/a> oder <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/novastanorg\/\">Instagram<\/a>. 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