{"id":38565,"date":"2024-03-07T12:06:29","date_gmt":"2024-03-07T11:06:29","guid":{"rendered":"https:\/\/novastan.org\/de\/?p=38565"},"modified":"2024-03-07T12:06:32","modified_gmt":"2024-03-07T11:06:32","slug":"architektonisches-versuchslabor-taschkent-ueber-den-denkmalwert-sowjetischer-plattenbauten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/novastan.org\/de\/gesellschaft-und-kultur\/architektonisches-versuchslabor-taschkent-ueber-den-denkmalwert-sowjetischer-plattenbauten\/","title":{"rendered":"Architektonisches Versuchslabor Taschkent: \u00dcber den Denkmalwert sowjetischer Plattenbauten"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wer an den sowjetischen Massenwohnungsbau des vergangenen Jahrhunderts denkt, hat oft eint&#xF6;nige Plattenbauten vor Augen. In Usbekistan findet man jedoch zahlreiche Geb&#xE4;ude mit k&#xFC;nstlerisch gestalteten Fassaden und bunten Mosaiken. Die Br&#xFC;der Pjotr, Nikolaj und Alexander Jarsky verkleideten &#xFC;ber 200 Geb&#xE4;ude in Usbekistan. Einige davon sind bis heute erhalten. Wie lange noch, ist unklar, denn sie stehen nicht unter Denkmalschutz. Vor kurzem ist ein Buch &#xFC;ber die Br&#xFC;der der Taschkenter Moderne erschienen. Eine Rezension.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bunte Tierfiguren, Schn&#xF6;rkel und Formen aus der islamischen Geometrie, florale Ornamente und Mosaike, usbekische Sagenfiguren, Abbildungen des Sowjetmenschen, Astronauten und Kosmosdarstellungen. Das Buch von Philipp Meuser,<em> &#x201E;Fassadenkunst im Plattenbau. Das Werk der Br&#xFC;der Jarsky im sowjetischen Taschkent&#x201C;<\/em>, widmet sich dem k&#xFC;nstlerischen Gesamtwerk der Br&#xFC;der Jarsky. Dokumentiert sind 540 Abbildungen von Fassadenverkleidungen, Baupl&#xE4;nen und Zeichnungen. Der Bildband enth&#xE4;lt nicht nur fabelhafte Fotografien von damals und heute. Es wird auch ein Einblick in das Familienarchiv der Br&#xFC;der Jarsky mit Standorten in Taschkent und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ischewsk\">Ischewsk<\/a> gew&#xE4;hrt. So kann man einerseits die vielen Zeichnungen sehen, andererseits aber auch die Familiengeschichte nachlesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das bauk&#xFC;nstlerische Erbe von Pjotr, Nikolaj und Alexander Jarsky ist einzigartig. Die Architektenbr&#xFC;der haben es geschafft, einen eigenen Stil zu entwickeln, der sich von der typologisierten und auf Massenproduktion ausgerichteten sowjetischen Baupolitik absetzt. Der Autor des Buchs unterstreicht das Kulturerbe der Br&#xFC;der Jarsky und ruft dazu auf, die von ihnen gestalteten Geb&#xE4;ude in Taschkent international wahrzunehmen und Ma&#xDF;nahmen f&#xFC;r deren Schutz zu ergreifen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1455\" height=\"798\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2024\/03\/Bild1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-38570\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2024\/03\/Bild1.jpg 1455w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2024\/03\/Bild1-300x165.jpg 300w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2024\/03\/Bild1-1024x562.jpg 1024w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2024\/03\/Bild1-768x421.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1455px) 100vw, 1455px\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Jarsky-Geb&#xE4;ude an der Adresse: 08 Mirobod ko&#x2019;chasi, dom &#xA9; Philipp Meuser<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>&#xDC;ber die Br&#xFC;der Jarsky<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Der &#xE4;lteste des Trios, Pjotr Jarsky (1929-1993), kam als Sohn russischst&#xE4;mmiger Eltern in Estland zur Welt. Seine Eltern emigrierten mit ihm nach Frankreich, um dort Arbeit zu finden. Der Vater Wassili Jarsky tr&#xE4;umte eigentlich von der franz&#xF6;sischen Kunstszene. Stattdessen musste er vor dem Hintergrund der gerade ausgebrochenen Wirtschaftskrise eine Arbeit finden, um die junge Familie zu ern&#xE4;hren. Wassili arbeitete als Handwerker und Bauarbeiter; sp&#xE4;ter gelang es ihm, Auftr&#xE4;ge als Fotograf zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"flex flex-col md:flex-row justify-evenly items-center bg-yellow-100 my-20 p-10 space-y-10 subscribe\">\n\t<div class=\"container flex flex-col lg:flex-row justify-between\">\n\t\t<div class=\"flex flex-col w-full lg:w-3\/5 pb-4\">\n\t\t\t<h2 class=\"text-3xl text-secondary font-bold mb-4 text-[#749D02]\">\n\t\t\t\t\t\t\t\tUnterst&#xFC;tzt Novastan &#x2013; das europ&#xE4;ische Zentralasien-Magazin \n\t\t\t<\/h2>\n\t\t\t\tAls vereinsgetragene, unabh&#xE4;ngige Plattform lebt Novastan vom Enthusiasmus seiner ehrenamtlichen Mitarbeiter:innen &#x2013; und von eurer Unterst&#xFC;tzung! \n\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<div class=\"flex flex-col w-full lg:w-2\/5 justify-items-center justify-center pb-4\">\n\t\t\t<div class=\"rounded-md bg-accent-500 px-10 py-5 text-center w-72 mx-auto\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<a class=\"block rounded bg-white p-2 mt-4 font-bold\" href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/novastan-ev\/spenden\/\">Novastan unterst&#xFC;tzen<\/a>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p>Die beiden j&#xFC;ngeren S&#xF6;hne Nikolaj (1931-2014) und Alexander (1936-2015) waren bereits in Frankreich geboren. Nach und nach gelang es dem Vater, sich in der franz&#xF6;sischen Kunstszene zu etablieren. 1940 schloss sich Wassili Jarsky der franz&#xF6;sischen Armee gegen Deutschland an und landete schlie&#xDF;lich in einem Internierungslager f&#xFC;r Russen. Nachdem er dem Lager entkommen konnte, trat er der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Parti_communiste_fran%C3%A7ais\">Kommunistischen Partei Frankreichs<\/a> bei. Im Jahr 1945 beteiligte er sich an der Gr&#xFC;ndung der Vereinigung der Sowjetb&#xFC;rger und wurde k&#xFC;nstlerischer Vorsitzender des Regionalb&#xFC;ros der Kommunistischen Partei. Die beiden S&#xF6;hne Pjotr und Nikolaj Jarsky studierten zun&#xE4;chst an der &#xC9;cole des beaux-arts in Toulouse. 1946 erhielt Vater Wassili die sowjetische Staatsb&#xFC;rgerschaft und die Familie siedelte kurz darauf in die Sowjetunion &#xFC;ber.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lest auch auf Novastan: <\/strong><a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/usbekistan\/architektur-und-kulturfuehrer-taschkent-wie-eine-stadt-sich-neu-erfindet-und-der-welt-oeffnet\/\"><strong>Architektur- und Kulturf&#xFC;hrer Taschkent: Wie eine Stadt sich neu erfindet und der Welt &#xF6;ffnet<\/strong><\/a><strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Br&#xFC;der Pjotr, Nikolaj und Alexander widmeten sich auch in der Sowjetunion der Kunst und Architektur und arbeiteten zeitweise gemeinsam unter anderem an der Ausschm&#xFC;ckung von Geb&#xE4;uden in Taschkent. Das k&#xFC;nstlerische Schaffen der Jarskys beschr&#xE4;nkte sich nicht nur auf Usbekistan, sondern erstreckte sich von Chi&#x15F;in&#x103;u bis Tiflis und von Njagan bis Duschanbe. Ihre Werke sind vereinzelt auf Geb&#xE4;uden im gesamten Territorium der ehemaligen Sowjetunion zu finden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Taschkenter Moderne<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Wochenlange <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Erdbeben_von_Taschkent_1966\">Erdbeben<\/a> zerst&#xF6;rten im Fr&#xFC;hjahr 1966 gro&#xDF;e Teile der orientalischen Altstadt von Taschkent. Dies war einer der Gr&#xFC;nde, warum die sowjetische Regierung ein umfangreiches architektonisches Wiederaufbauprojekt initiierte. Die usbekische Hauptstadt wurde zu einer riesigen Baustelle, die zahlreiche Architekturschaffende anzog. Einerseits wurde Geld f&#xFC;r die Errichtung von Gro&#xDF;bauten bewilligt, andererseits erm&#xF6;glichte wohl gerade die geographische Distanz zum sowjetischen Zentrum Moskau gewisse gestalterische Freiheiten. Philipp Meuser beschreibt in seinem Buch, welche gestalterische L&#xFC;cke sich die Jarskys zu erschlie&#xDF;en wussten, weshalb ihre Fassadendekorationen bis heute einzigartig sind.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"561\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2024\/03\/Bild2-1024x561.jpg\" alt=\"Quelle: Nikolai Jarsky, Skizze und Ausf&#xFC;hrungszeichnung f&#xFC;r sein Sonnenschutzelement, 1982. &#xA9; DOM publishers\" class=\"wp-image-38572\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2024\/03\/Bild2-1024x561.jpg 1024w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2024\/03\/Bild2-300x164.jpg 300w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2024\/03\/Bild2-768x421.jpg 768w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2024\/03\/Bild2.jpg 1386w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Quelle: Nikolai Jarsky, Skizze und Ausf&#xFC;hrungszeichnung f&#xFC;r sein Sonnenschutzelement, 1982. &#xA9; DOM publishers<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Zwischen politischen Anspr&#xFC;chen und k&#xFC;nstlerischer Freiheit<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nikita_Sergejewitsch_Chruschtschow\">Nikita Chruschtschow<\/a>, der 1953 an die Spitze des sowjetischen Staates gelangte, stellte die damaligen Architekt:innen und Bauingenieur:innen vor eine Herausforderung: Die Baukosten sollten niedrig gehalten werden, die Geb&#xE4;ude qualitativ hochwertig und widerstandsf&#xE4;hig sein. Der sowjetische Plattenbau musste Massenwohnraum bieten und in s&#xE4;mtlichen Klimazonen realisierbar sein. Die Produktion standardisierter Bauelemente erm&#xF6;glichte die Herstellung von Bauteilen in hoher St&#xFC;ckzahl, wobei jedes Element identisch zum anderen war. Die Herstellung war auf Effizienz und Schnelligkeit ausgerichtet.<\/p>\n\n\n\n<p>F&#xFC;r k&#xFC;nstlerische Gestaltungsfreiheit blieb wenig Raum. Einigen Architekt:innen gelang es jedoch, eine Verbindung zwischen Funktionalit&#xE4;t und &#xC4;sthetik herzustellen. Durch ihre Ideen zur Dekoration und farblichen Gestaltung konnte der serielle Charakter der fertigen Bauteile aufgelockert und versch&#xF6;nert werden. Ihr Gestaltungsspielraum lag in der &#xE4;u&#xDF;eren Verkleidung von Bauteilen. So wurden Fassaden, Sonnenschutzelemente, Balkone, Loggien sowie Treppenh&#xE4;user und Eing&#xE4;nge mit Menschenfiguren oder Ornamenten und geschwungenen Linien verziert.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Br&#xFC;der nutzten die Gelegenheit, um die Au&#xDF;enfassaden der H&#xE4;user sowie die Treppenh&#xE4;user mit Mosaiken, die H&#xE4;userw&#xE4;nde mit ornamentalen Formen wie runden Fensterumrahmungen oder geschwungenen Balkonen zu schm&#xFC;cken. Die Jarsky-Geb&#xE4;ude hatten einen deutlich h&#xF6;heren &#xE4;sthetischen Wert als die typischen Wohnblocke der Chruschtschow-&#xC4;ra. Dies ist vermutlich auch ein Grund, weshalb die Fassadengestaltungen toleriert und teilweise selbst von politischen Eliten in der Sowjetunion gesch&#xE4;tzt wurden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Architektonisches Labor Zentralasien<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Die Br&#xFC;der Jarsky haben eine eigene k&#xFC;nstlerische Methode entwickelt, die Meuser in seinem Werk beispielhaft darstellt. Sie schm&#xFC;ckten Fassaden mit lokalen Motiven und orientierten sich dabei an den Formgebungen, die sie in Zentralasien auf alten Stadtbauten wie Medressen und Moscheen aus der vorsowjetischen Zeit fanden. Besonders inspirierte sie die alte Kunst von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Afrasiab_(Stadt)\">Afrasiab<\/a>, <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Varakhsha\">Warachscha<\/a> und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Pandschakent\">Pandschakent.<\/a> Es mag erstaunen, dass ausgerechnet islamische Wand- und Fassadenornamente f&#xFC;r sowjetische Hochh&#xE4;user &#xFC;bernommen wurden. Tats&#xE4;chlich entsprachen die Ornamente der islamischen Geometrie dem k&#xFC;nstlerischen Anspruch: Sie passten sich in den lokalen Kontext ein und erf&#xFC;llten die Anforderungen der sowjetischen Baupolitik nach Reproduzierbarkeit. Die geometrischen, sich unendlich wiederholenden Elemente konnten im Gro&#xDF;stil auf Fassaden reproduziert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Meuser spricht bei dieser Art von Geb&#xE4;udeschmuck von der Fr&#xFC;hphase der Gestaltungsweise der Br&#xFC;der. Ab Mitte der Siebzigerjahre traten zunehmend auch politische Motive auf. Es wurden staatliche und gesellschaftliche Themen aufgegriffen, wie beispielsweise Darstellungen aus dem Bereich der Weltraumforschung und der Naturwissenschaften sowie Idealisierungen des Sowjetmenschen. In der dritten Phase, den Achtzigerjahren, griff das Trio zunehmend auf ein abstrakteres Formenvokabular zur&#xFC;ck.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"563\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2024\/03\/Bild3-1024x563.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-38573\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2024\/03\/Bild3-1024x563.jpg 1024w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2024\/03\/Bild3-300x165.jpg 300w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2024\/03\/Bild3-768x422.jpg 768w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2024\/03\/Bild3.jpg 1384w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Quelle: &#xA9; DOM publishers<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Br&#xF6;ckelnde Fassaden<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Bei einem Besuch in Taschkent wird man bei genauerem Hinsehen viele Geb&#xE4;ude entdecken, die das k&#xFC;nstlerische Schaffen der Jarskys bezeugen. Leider sind diese Geb&#xE4;ude bis heute nicht denkmalgesch&#xFC;tzt, wodurch Mosaike schwinden, Fassaden br&#xF6;ckeln und Geb&#xE4;ude neuen Gro&#xDF;bauprojekten weichen m&#xFC;ssen . Meuser weist auf diese Problematik hin und pl&#xE4;diert daf&#xFC;r, die Geb&#xE4;ude der Jarsky-Br&#xFC;der in das <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/UNESCO-Welterbe\">UNESCO-Welterbe<\/a> aufzunehmen, um ihrem v&#xF6;lligen Verfall vorzubeugen und ihnen damit die internationale Bedeutung zu verleihen, die sie zweifellos verdienen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"610\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2024\/03\/Bild4-610x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-38574\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2024\/03\/Bild4-610x1024.jpg 610w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2024\/03\/Bild4-179x300.jpg 179w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2024\/03\/Bild4-768x1289.jpg 768w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2024\/03\/Bild4-915x1536.jpg 915w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2024\/03\/Bild4.jpg 928w\" sizes=\"auto, (max-width: 610px) 100vw, 610px\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Quelle: 07 Afrosiyob ko&#x2019;chasi, dom 10&#x2013;14 (Farovon mahallasi), Mirobod tumani, Federf&#xFC;hrender K&#xFC;nstler: Alexander Jarsky Planung und Bauzeit: 1973&#x2013;1975 &#xA9; Philipp Meuser<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Bauwerke werfen Fragen auf<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Meusers Werkmonografie l&#xE4;dt im weitesten Sinne dazu ein, den Denkmalwert vieler Bauten des sowjetischen Modernismus neu zu bewerten. Das Werk der Jarskys ist in seiner Vielfalt und Kreativit&#xE4;t einzigartig. An einigen Stellen im Buch h&#xE4;tte man sich mehr Informationen dar&#xFC;ber gew&#xFC;nscht, warum der Autor gerade die Jarsky-Bauten ausgew&#xE4;hlt hat, welche anderen Bauwerke und weiteren K&#xFC;nstler:innen die Taschkenter Moderne repr&#xE4;sentieren und inwiefern sich diese gegenseitig beeinflusst haben m&#xF6;gen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lest auch auf Novastan: <\/strong><a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/usbekistan\/fotoreihe-die-ungewohnlichsten-und-schonsten-mosaike-taschkents\/?noredirect=de_DE\"><strong>Die ungew&#xF6;hnlichsten und sch&#xF6;nsten Mosaike Taschkents<\/strong><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Der Denkmalwert der Jarsky-Bauten ist eindeutig dargelegt. Andere Fragen bleiben offen. Der Autor verweist auf die Schwierigkeiten der akademischen Forschung im usbekischen und russischen Kontext. So bleibt unbeantwortet, welche Dialoge innerhalb der internationalen Forschungslandschaft zur Taschkenter Moderne bestehen, ob es in Usbekistan Institutionen gibt, die sich des Themas annehmen, aber auch welche Kooperationen sich anbieten w&#xFC;rden oder verunm&#xF6;glicht werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gr&#xFC;nde f&#xFC;r den schlechten Zustand der Jarsky-Bauten und die Frage, ob Sanierungsma&#xDF;nahmen von der Stadt oder von privater Seite unternommen werden, sind unklar. Auch auf die usbekische Denkmalschutzdebatte im gr&#xF6;&#xDF;eren Kontext geht der Autor nicht ein. Dies ist wohl zum einen den begrenzten M&#xF6;glichkeiten geschuldet, zum anderen ist dies aber auch nicht mehr der Fokus des Buches &#xFC;ber die Gebr&#xFC;der Jarsky.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Aufruf zur internationalen gesellschaftlichen Debatte<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Insgesamt handelt es sich beim Buch um ein einzigartiges Gesamtwerk, das das k&#xFC;nstlerische Schaffen von Pjotr, Nikolaj und Alexander Jarsky pr&#xE4;zise und differenziert erfasst. Die Monografie gew&#xE4;hrt au&#xDF;erdem Einblicke in die sowjetische Rezeptionsgeschichte sowie in das pers&#xF6;nliche Familienarchiv und kontextualisiert diese f&#xFC;r ein europ&#xE4;isches und deutschsprachiges Publikum. Die Arbeit &#xFC;ber die Jarsky-Br&#xFC;der soll auch ins Russische und Englische &#xFC;bersetzt werden. Der elegant gestaltete Bildband eignet sich nicht nur f&#xFC;r Kunst- und Architekturliebhaber. Das Buch l&#xE4;dt zum Schm&#xF6;kern und zum Bestaunen der farbenvollen Abbildungen ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben den Zeichnungen und Fotografien enth&#xE4;lt der Band eine Karte mit allen Jarsky-Geb&#xE4;uden sowie ein Adressverzeichnis. So k&#xF6;nnen Leser:innen die Jarsky-Fassaden in Taschkent leicht wiederfinden. Wer demn&#xE4;chst eine Kulturreise nach Usbekistan plant, sollte Meusers Buch vorher bestellen und lesen, um Taschkent von einer ganz neuen Seite kennenzulernen. Da es sich um ein gro&#xDF;formatiges Buch handelt, passt es zwar nicht in jede Reisetasche, eignet sich daf&#xFC;r aber gut als Geschenk.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Werk regt dar&#xFC;ber hinaus eine relevante akademische und gesellschaftliche Diskussion &#xFC;ber den Denkmalwert der sowjetischen Moderne an und mahnt zu Recht, den Bauten gen&#xFC;gend Aufmerksamkeit zu schenken, bevor sie allm&#xE4;hlich aus dem Stadtbild verschwinden.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Meuser Philipp: Fassadenkunst im Plattenbau. Das Werk der Br&#xFC;der Jarsky im sowjetischen Taschkent. Mit einem Beitrag von Nina Jarsky. 368 Seiten, DOM publishers, ISBN 978-3-86922-466-4, November 2023.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><strong>Berenika Zeller, Redakteurin f&#xFC;r Novastan<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background\"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kan&#xE4;len: Schaut mal vorbei bei <a href=\"https:\/\/twitter.com\/novastan_de\">Twitter<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Novastan.org\/\">Facebook<\/a>, <a href=\"https:\/\/telegram.me\/novastan\">Telegram<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/company\/novastan\/\">Linkedin<\/a> oder <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/novastanorg\/\">Instagram<\/a>. 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