{"id":38158,"date":"2024-01-27T12:02:17","date_gmt":"2024-01-27T11:02:17","guid":{"rendered":"https:\/\/novastan.org\/de\/?p=38158"},"modified":"2024-01-27T12:04:46","modified_gmt":"2024-01-27T11:04:46","slug":"kasachische-kueche-du-bist-was-du-isst-und-was-deine-vorfahren-assen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/novastan.org\/de\/gesellschaft-und-kultur\/kasachische-kueche-du-bist-was-du-isst-und-was-deine-vorfahren-assen\/","title":{"rendered":"Kasachische K\u00fcche: Du bist, was du isst und was deine Vorfahren a\u00dfen"},"content":{"rendered":"<p>F&#xFC;r Aliia Bolathan ist die Esskultur eines Volkes einer der Schl&#xFC;ssel zum Verst&#xE4;ndnis seiner nationalen Identit&#xE4;t. Die Historikerin, die sich seit einigen Jahren mit der kulinarischen Geschichte Kasachstans befasst, arbeitet derzeit an der Erstellung eines gastronomischen Grundlagenwerks des Landes. In einem Gespr&#xE4;ch berichtet sie dar&#xFC;ber, wie sich ethno-demographische Ver&#xE4;nderungen auch in der nationalen K&#xFC;che niederschlagen und welche Kontroversen und Entwicklungen dies mit sich bringt.&#xA0;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Ein Staat, viele V&#xF6;lker, noch viel mehr Gerichte<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Obwohl heute ein Arbeitstag ist, herrscht auf dem<a href=\"https:\/\/www.google.com\/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=&amp;esrc=s&amp;source=web&amp;cd=&amp;cad=rja&amp;uact=8&amp;ved=2ahUKEwiu0MXlyuGDAxUKzAIHHclPBHMQFnoECBQQAQ&amp;url=https%3A%2F%2Fwww.youtube.com%2Fwatch%3Fv%3D_wG_Kb2IMdY&amp;usg=AOvVaw27oi1PaDtDLmsB9wlcw7eQ&amp;opi=89978449\"> Tastak-Basar<\/a> in <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/kasachstan\/warum-almaty-und-nicht-alma-ata\/\">Almaty<\/a> bereits seit dem Morgen reges Treiben. Beim Mittagessen an einem Schaschlik-Stand auf dem Markt erz&#xE4;hlt Aliia Bolathan, dass sie schon einmal dort war, um die M&#xE4;nner hinter dem Grill zu interviewen, die die nationale Kultur zu ihrem Gesch&#xE4;ft gemacht haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese &#x201A;Schaschlitschnaja&#x2018; (Schaschlik-Imbiss) ist ein Familienbetrieb, den es seit den 90er Jahren gibt. &#x201E;Die Stammkunden sch&#xE4;tzen diesen Laden f&#xFC;r seinen seit Jahren w&#xE4;hrenden Geschmack&#x201C;, sagt Aliia. Wir finden ein paar Tische vor, mit Brot und Zwiebeln gedeckt. Gegen Mittag bildet sich eine lange Schlange.<\/p>\n\n\n\n<p>&#x201E;Die Fleischspie&#xDF;e sind seit jeher in der regionalen Esskultur verankert, stellt Aliia fest und nennt noch weitere Nationalgerichte. &#x201E;In Handb&#xFC;chern, die seit der zweiten H&#xE4;lfte der 1940er Jahre ver&#xF6;ffentlicht wurden, gibt es einen Abschnitt mit dem Titel &#x201A;Nationalgerichte Kasachstans&#x2018;. Sie wurden nach dem Krieg verfasst. Damals f&#xFC;hrte man eine Menge ethnografischer Forschungen durch. Unter den Gerichten findet sich Fleisch, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Laghman_(Speise)\">Lagman<\/a><strong>, <\/strong><a href=\"https:\/\/www.google.com\/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=&amp;esrc=s&amp;source=web&amp;cd=&amp;cad=rja&amp;uact=8&amp;ved=2ahUKEwiQp7LIyeGDAxUA8gIHHYgjBY8QFnoECBYQAQ&amp;url=https%3A%2F%2Fwww1.wdr.de%2Fverbraucher%2Frezepte%2Falexander-wulf-kasachisch-plov-huhn-100.html&amp;usg=AOvVaw1CgEVqh0IjTybx-8QJxDN1&amp;opi=89978449\">Plov<\/a> und Schaschlik.&#x201C;<\/p>\n\n\n\n<p>Kasachstan ist ein Nationalstaat. Das bedeutet, dass hier neben ethnischen Kasachen auch eine Reihe Vertreter anderer ethnischer Gruppen wie Usbeken, Uiguren, Tataren oder Ukrainer leben und geboren wurden. Die nationale K&#xFC;che bildet dementsprechend alle Gerichte ab, die regelm&#xE4;&#xDF;ig von den Bewohnern verzehrt werden.&#xA0;&#xA0;<\/p>\n\n\n\n<p>&#x201E;Nat&#xFC;rlich geh&#xF6;ren einige Gerichte, die die Kasachen seit Jahrhunderten essen, zur nationalen K&#xFC;che. Aber nicht ausschlie&#xDF;lich. Haben Sie zum Beispiel schon einmal Burme Karyn probiert? Grob gehacktes Fleisch, Kartoffeln und anderes Gem&#xFC;se werden zusammen mit <a href=\"https:\/\/www.google.com\/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=&amp;esrc=s&amp;source=web&amp;cd=&amp;cad=rja&amp;uact=8&amp;ved=2ahUKEwibofaCyuGDAxXY9gIHHfLoBEkQwqsBegQIDhAF&amp;url=https%3A%2F%2Fwww.youtube.com%2Fwatch%3Fv%3DFpqptfglV_I&amp;usg=AOvVaw0XZC627N2gkYnkkuwI4QJF&amp;opi=89978449\">Kutteln<\/a> vermengt und in Wasser gekocht. Niemand kocht es zu Hause, es sei denn, es soll demonstrativ als authentisches Essen herhalten. Viele von uns haben dieses Gericht noch nie probiert. Fr&#xFC;her gab es dieses Gericht in der traditionellen kasachischen K&#xFC;che, aber aus verschiedenen Gr&#xFC;nden ist es aus dem Massenkonsum verschwunden.&#x201C;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Auch Gerichte migrieren<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>&#xA0;&#x201E;Wir kochen <a href=\"https:\/\/www.google.com\/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=&amp;esrc=s&amp;source=web&amp;cd=&amp;cad=rja&amp;uact=8&amp;ved=2ahUKEwiQp7LIyeGDAxUA8gIHHYgjBY8QFnoECBYQAQ&amp;url=https%3A%2F%2Fwww1.wdr.de%2Fverbraucher%2Frezepte%2Falexander-wulf-kasachisch-plov-huhn-100.html&amp;usg=AOvVaw1CgEVqh0IjTybx-8QJxDN1&amp;opi=89978449\">Plo<\/a><a href=\"https:\/\/www.google.com\/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=&amp;esrc=s&amp;source=web&amp;cd=&amp;cad=rja&amp;uact=8&amp;ved=2ahUKEwiQp7LIyeGDAxUA8gIHHYgjBY8QFnoECBYQAQ&amp;url=https%3A%2F%2Fwww1.wdr.de%2Fverbraucher%2Frezepte%2Falexander-wulf-kasachisch-plov-huhn-100.html&amp;usg=AOvVaw1CgEVqh0IjTybx-8QJxDN1&amp;opi=89978449\">v<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.google.com\/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=&amp;esrc=s&amp;source=web&amp;cd=&amp;cad=rja&amp;uact=8&amp;ved=2ahUKEwi7wNG4yeGDAxW22gIHHXqzDQkQFnoECB4QAQ&amp;url=https%3A%2F%2Fde.dreamstime.com%2Fkasachisches-lagman-image137315342&amp;usg=AOvVaw0jenVHTZSVnanJMMYgUEw8&amp;opi=89978449\">L<\/a><a href=\"https:\/\/www.google.com\/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=&amp;esrc=s&amp;source=web&amp;cd=&amp;cad=rja&amp;uact=8&amp;ved=2ahUKEwi7wNG4yeGDAxW22gIHHXqzDQkQFnoECB4QAQ&amp;url=https%3A%2F%2Fde.dreamstime.com%2Fkasachisches-lagman-image137315342&amp;usg=AOvVaw0jenVHTZSVnanJMMYgUEw8&amp;opi=89978449\">a<\/a><a href=\"https:\/\/www.google.com\/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=&amp;esrc=s&amp;source=web&amp;cd=&amp;cad=rja&amp;uact=8&amp;ved=2ahUKEwi7wNG4yeGDAxW22gIHHXqzDQkQFnoECB4QAQ&amp;url=https%3A%2F%2Fde.dreamstime.com%2Fkasachisches-lagman-image137315342&amp;usg=AOvVaw0jenVHTZSVnanJMMYgUEw8&amp;opi=89978449\">gman<\/a>, Borschtsch und essen <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Kuurdak\">Kuirdak<\/a>. Mancherorts gibt esNan Kuirdak, was im Kontext des zwanzigsten Jahrhunderts ein durch seine Haltbarkeit au&#xDF;erordentlich praktisches Nahrungsmittel war.&#xA0; Es hei&#xDF;t, es sei unter dem Einfluss der deutschen Aussiedler entstanden. Die Verbreitung lie&#xDF; nicht auf sich warten, da es schmeckte und die Zutaten f&#xFC;r alle verf&#xFC;gbar waren&#x201C;, f&#xFC;gt die Historikerin hinzu.&#xA0; Ihrer Ansicht nach d&#xFC;rfen die Essgewohnheiten der V&#xF6;lker, die massenhaft nach Kasachstan aussiedelten oder in den 1920er und 1950er Jahren deportiert wurden, nicht in Vergessenheit geraten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lest auch auf Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/kasachstan\/die-uhlfeldkolonie-eine-osterreichische-kommune-in-kasachstan-12\/\">Die Uhlfeldkolonie &#x2013; Eine &#xF6;sterreichische Kommune in Kasachstan (1\/2)<\/a><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>So hat sich beispielsweise der <a href=\"https:\/\/www.google.com\/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=&amp;esrc=s&amp;source=web&amp;cd=&amp;cad=rja&amp;uact=8&amp;ved=2ahUKEwjXgLWDyeGDAxXpywIHHbD0Dz4QFnoECCUQAQ&amp;url=https%3A%2F%2Fwww.eatclub.tv%2Frezept%2Fmorkowtscha-koreanischer-moehrensalat&amp;usg=AOvVaw34DSJEPzfCJoNkNnM8mVfH&amp;opi=89978449\">koreanische Karotten-Salat <\/a>von einem regionalen Gericht zu einem festen Bestandteil der kasachischen Speisekarte entwickelt. Die <a href=\"https:\/\/www.google.com\/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=&amp;esrc=s&amp;source=web&amp;cd=&amp;cad=rja&amp;uact=8&amp;ved=2ahUKEwjjqo-gyeGDAxUC-gIHHS-JAVkQFnoECCoQAQ&amp;url=https%3A%2F%2Fde.wikipedia.org%2Fwiki%2FMant%25C4%25B1&amp;usg=AOvVaw3d6093gsKAF-OHrpqkFvVk&amp;opi=89978449\">Manti-Teigtaschen<\/a> hingegen haben ihren Ursprung in Zentralasien. Sie gelten heute als historisches Erbe der Region, das &#xFC;ber die Seidenstra&#xDF;e bis in die T&#xFC;rkei, nach China und Korea Einzug in andere Kulturen gefunden hat.<br>&#x201E;40 Prozent der unter Stalin Deportierten kamen nach Kasachstan. Viele von ihnen blieben im Land. Einige lebten 15 Jahre lang hier und verlie&#xDF;en dann das Land. In 15 Jahren lernt man so einiges von seinen Mitmenschen. Hinzukommt, dass das sowjetische System auf die Schaffung einer einzigartigen Kultur abzielte. Auf dessen Grundlage entwickelte Kasachstan seine eigene K&#xFC;che, unabh&#xE4;ngig von der ethnischen Zugeh&#xF6;rigkeit.&#x201C;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lest auch auf Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/gesellschaft-und-kultur\/liebe-gaeste-wie-fuehlen-sich-die-koreaner-in-kasachstan\/\">&#x201E;Liebe G&#xE4;ste&#x201C; &#x2013; Wie f&#xFC;hlen sich die Koreaner in Kasachstan?<\/a><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wichtig zu erw&#xE4;hnen ist auch, dass das Land nicht mit regionalen Spezialit&#xE4;ten geizt. So war beispielsweise <a href=\"https:\/\/www.google.com\/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=&amp;esrc=s&amp;source=web&amp;cd=&amp;cad=rja&amp;uact=8&amp;ved=2ahUKEwiQp7LIyeGDAxUA8gIHHYgjBY8QFnoECBYQAQ&amp;url=https%3A%2F%2Fwww1.wdr.de%2Fverbraucher%2Frezepte%2Falexander-wulf-kasachisch-plov-huhn-100.html&amp;usg=AOvVaw1CgEVqh0IjTybx-8QJxDN1&amp;opi=89978449\">Plo<\/a><a href=\"https:\/\/www.google.com\/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=&amp;esrc=s&amp;source=web&amp;cd=&amp;cad=rja&amp;uact=8&amp;ved=2ahUKEwiQp7LIyeGDAxUA8gIHHYgjBY8QFnoECBYQAQ&amp;url=https%3A%2F%2Fwww1.wdr.de%2Fverbraucher%2Frezepte%2Falexander-wulf-kasachisch-plov-huhn-100.html&amp;usg=AOvVaw1CgEVqh0IjTybx-8QJxDN1&amp;opi=89978449\">v<\/a> besonders im S&#xFC;den des Landes in der Vergangenheit eines der Alltagsgerichte. &#x201E;Die Kasachen lebten nicht allein. Produkte, die sie aufgrund regionaler Gegebenheiten nicht selbst herstellen konnten, beispielsweise Getreidekulturen, erwarben sie durch Tausch und Handel. Der Norden und Osten trieb Handel mit Russland und China, der S&#xFC;den und S&#xFC;dosten mit den zentralasiatischen L&#xE4;ndern. Die wichtigste Errungenschaft in diesem Bereich ist die Speisekarte, die auf wissenschaftlichen und kulturellen Forschungen beruht. Da habe ich die <em>hard facts sc<\/em>hwarz auf wei&#xDF;. Immerhin sind diese Gerichte Teil unser aller Kindheit und nach wie vor aktuell. Die Geschm&#xE4;cker rufen nicht nur Emotionen hervor, sondern haben auch eine kulturelle Bedeutung&#x201C;, erkl&#xE4;rt Bolathan.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Esskultur als DNA eines Volkes<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Die Forscherin ist sich sicher, dass die Esskultur und ihre Erforschung im Zuge der aktuellen Debatte um Entkolonialisierung an Bedeutung gewonnen hat. &#x201E;Es gibt Dinge, die eine Gesellschaft unabh&#xE4;ngig von Sprache, Religion, Glauben und anderen Merkmalen vereinen. Das sind zum Beispiel die Herkunft, die Flagge, der Ort sowie die Geschichte vor und seit der Unabh&#xE4;ngigkeit. Viele halten Sprache f&#xFC;r das wichtigste Teilst&#xFC;ck nationaler Identit&#xE4;t. Doch manchmal geht nationale Identit&#xE4;t dar&#xFC;ber hinaus und so ist die Esskultur ein nicht weniger relevanter Indikator. S&#xFC;dkorea zum Beispiel legt gro&#xDF;en Wert auf die Essenskultur, um der Welt ihre einzigartige Identit&#xE4;t zu pr&#xE4;sentieren.&#x201C;<\/p>\n\n\n\n<p>Bolathan merkt an, dass in den postsowjetischen L&#xE4;ndern allgemein wenig Forschung zur Esskultur best&#xFC;nde. &#x201E;Das ist nicht nur die Aufgabe der Forscher, sondern auch der staatlichen PR. Zwar &#xFC;bt sich der Staat bereits in Propaganda f&#xFC;r die nationale Identit&#xE4;t. So wurden Programme zur St&#xE4;rkung der Kultur geschaffen. Die waren damals sinnvoll, aber haben ausgedient. Immer wieder h&#xF6;re ich, ich studiere ein irrelevantes Thema, aber wenn man anf&#xE4;ngt, die Wege der Esskultur zu studieren und zu verstehen, wie sie mit der Migration der Menschen zusammenh&#xE4;ngen, versteht man ihr Leben, ihren Kummer, ihre Freude, ihre finanzielle Lage&#x201C;, so Aliia.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>In der Not schmeckt Be<\/strong>&#x15F;<strong>barmak<\/strong> <strong>auch ohne Teigbeilage<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Laut Aliia hatte der &#xDC;bergang der nomadischen Kasachen zur Halb- und Vollsesshaftigkeit, die Kolonisierung und sp&#xE4;ter die Zwangskollektivierung sowie die Hungersnot w&#xE4;hrend der Sowjetzeit verheerende Auswirkungen auf die Ern&#xE4;hrungsgewohnheiten. &#x201E;Ich habe bei Menschen, die im Nachkriegsjahrzehnt gelebt haben, Erinnerungen an den &#x201A;Geschmack der Kindheit&#x2018; gesammelt. &#x2018;Lebensmittel aus Mehl, Salz und Wasser&#x2018; erinnerten sie an ihre Kindheit und seien geschmacklich nicht zu &#xFC;bertreffen, hie&#xDF; es. <a href=\"https:\/\/www.google.com\/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=&amp;esrc=s&amp;source=web&amp;cd=&amp;cad=rja&amp;uact=8&amp;ved=2ahUKEwjH0sjPyOGDAxUhxAIHHRKECJcQwqsBegQIDhAG&amp;url=https%3A%2F%2Fwww.youtube.com%2Fwatch%3Fv%3DGHB8_vV-p0w&amp;usg=AOvVaw0RiO-V9nR05T6ueu6RUjnG&amp;opi=89978449\">&#x15E;elpeki<\/a> und&#xA0; <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Baursaki\">Baursaki<\/a><strong> &#x2013;<\/strong> Das ist ja im Grunde nichts weiter als frittiertes Brot und ein &#xDC;berbleibsel des kolonialen Erbes. Das war weder schmackhaft noch gesund, aber Brot und Wasser war alles, was sie hatten. Im Laufe der Zeit wurde es zu einem festen Bestandteil unserer nationalen Identit&#xE4;t und der Traditionen.&#x201C; Folglich h&#xE4;tten sich die Essgewohnheiten w&#xE4;hrend der Angliederung Kasachstans an das Russische Reich zwar nicht radikal ge&#xE4;ndert, seien aber als Spiegel der Beziehung des Kolonisators zur Kolonie zu betrachten.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine beispielhafte Geschichte erz&#xE4;hlt das heutige kasachische Nationalgericht, das sich fr&#xFC;her ganz schlicht &#x201A;Fleisch&#x2018;, also &#x201A;et asu, tabak tartu<strong>&#x2018; <\/strong>nannte<strong>,<\/strong> da es damals auch die Hauptzutat war und ohne Teig gekocht wurde. Als die Kasachen sesshaft wurden, verringerte sich die Zahl der Tiere. Parallel dazu entwickelte sich die Landwirtschaft und verschaffte dem Gericht die Teigbeilage.&#xA0; Der Name &#x201A;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Beschbarmak\">Be&#x15F;barmak<\/a>&#x2018; folgte erst zehn Jahre darauf. &#x201E;2015 kochten wir f&#xFC;r einen Eintrag im Guinness-Buch den gr&#xF6;&#xDF;ten Be&#x15F;barmak. Dank der weltweiten Vernetzung ist dieser Name inzwischen weit verbreitet.&#x201C;<\/p>\n\n\n\n<p>Der fr&#xFC;here Name &#x201A;Bi&#x15F;barmak&#x2018; stammt aus dem 18. Jahrhundert. Damals herrschten die Kleine, Mittlere und Gro&#xDF;e Horde in verschiedenen Teilen des heutigen Mittel- und S&#xFC;dkasachstan. W&#xE4;hrend es zu kriegerischen Auseinandersatzungen mit den westmongolischen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Oiraten\">Dsungaren<\/a> kam, versuchte der russische Zar, die ersten Vorst&#xF6;&#xDF;e nach Zentralasien, besonders in die n&#xF6;rdlichen Steppengebiete. Die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/J%C3%BCngere_Horde\">Kleine Horde<\/a> pochte auf Unterst&#xFC;tzung der Russen im Kampf gegen die Dsungaren und so unterwarfen sie sich im Jahr 1731 freiwillig dem Russischen Reich. In diesem Zuge kam es auch zu einer kulinarischen Ann&#xE4;herung. &#x201E;Als die russische Delegation das erste Mal kasachstanisches Land betrat, tischte man ihnen Fleisch auf. Eine tatarisch-baschkirische Gruppe dolmetschte voller Sorgfalt, um kulturellen Konflikten vorzubeugen, die die Mission ins Wanken h&#xE4;tten bringen k&#xF6;nnen. So wurden die Vertreter des Reiches aufgefordert, mit den H&#xE4;nden, genauer, mit &#x201A;f&#xFC;nf Fingern&#x2018; zu essen. Denn das ist die &#xDC;bersetzung von &#x201A;bish barmak&#x2018; in der tatarischen und baschkirischen Sprache. Auf diese Weise kam das Gericht zu seinem heutigen Namen. Mitte des letzten Jahrhunderts kam es zu wissenschaftlichen Diskussionen um die Namensherkunft. Wenngleich die korrekte kasachische Bezeichnung &#x201A;bes barmak&#x2018; hei&#xDF;en m&#xFC;sste, setzte sich doch seit den 1970er Jahren mit fortschreitender Russifizierung auch die russische Schreibweise durch. Die Forscherin betont, dass dies auch im Kleinen zeigt, wie wenig die kasachische Kultur ber&#xFC;cksichtigt wurde und bis heute unter den Folgen der Kolonialisierung leidet.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lest auch auf Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/gesellschaft-und-kultur\/sprache-als-mittel-zur-identitaetsfindung-und-abkehr-von-kolonialen-strukturen\/\">Sprache als Mittel zur Identit&#xE4;tsfindung und Abkehr von kolonialen Strukturen<\/a><\/strong><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>K&#xFC;chentradition im Wandel<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>&#x201E;Die nationale Kultur wird hierzulande als etwas angesehen, das sich in Raum und Zeit nicht ver&#xE4;ndert. Und doch ist es gleichsam wichtig, die eigene Kultur zu teilen und f&#xFC;r Ver&#xE4;nderungen bereit zu sein. Denn wenn wir uns w&#xFC;nschen, dass sie sich weiterentwickelt und die Massen erreicht, m&#xFC;ssen wir auch mit den neuen Ern&#xE4;hrungs- und Konsumgewohnheiten gehen. Je mehr Menschen die Kultur konsumieren und leben, desto mehr wird sie bewahrt und lebt in einer neuen Form weiter. Vor kurzem besuchte ich die s&#xFC;d&#xF6;stlich gelegene Stadt <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Taldyqorghan\">Taldyqorgan<\/a>, wo viele Jahre lang koreanische Gro&#xDF;m&#xFC;tter Salate verkauften. K&#xFC;rzlich ersetzte sie ein kommerzielles Gesch&#xE4;ft. Dort ist nun in den Regalen &#xFC;berall ein und derselbe koreanische Salat zu finden. Nat&#xFC;rlich war das Salatgesch&#xE4;ft der Familien vom authentischen Standpunkt aus gesehen einzigartig. Aber die blo&#xDF;e Tatsache, dass sie es geschafft haben, diesen Salat als Kulturgut in der Gesellschaft zu verbreiten und in eine neue Form zu bringen, ist beachtlich&#x201C;, meint Aliia. In dieser Hinsicht sind Restaurants und Caf&#xE9;s interessant, die jetzt mit traditionellen Gerichten experimentieren und diese an die Nachfrage anpassen.<\/p>\n\n\n\n<p>&#x201E;Ich sehe diese Entwicklung gerade hinsichtlich des Tourismus positiv und bin auch f&#xFC;r Fastfood-Varianten traditioneller Gerichte offen. Allerdings gef&#xE4;llt es mir nicht, dass diese Restaurants sich oft &#x201A;nationale K&#xFC;che&#x2018; schimpfen. Passender f&#xE4;nde ich Bezeichnungen wie &#x201A;regional&#x2018; oder &#x201A;selbstgemacht&#x2018;. Doch Versuche, sich den Essensgewohnheiten anzupassen, hei&#xDF;e ich grunds&#xE4;tzlich gut.&#x201C;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><strong>Redaktion von Vlast<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><strong>&#xDC;bersetzet von Arthur Siavash Klischat<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background\"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kan&#xE4;len: Schaut mal vorbei bei <a href=\"https:\/\/twitter.com\/novastan_de\">Twitter<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Novastan.org\/\">Facebook<\/a>, <a href=\"https:\/\/telegram.me\/novastan\">Telegram<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/company\/novastan\/\">Linkedin<\/a> oder <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/novastanorg\/\">Instagram<\/a>. 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In einem Gespr&#xE4;ch berichtet sie dar&#xFC;ber, wie sich ethno-demographische Ver&#xE4;nderungen auch in der nationalen K&#xFC;che niederschlagen [&#x2026;]<\/p>\n","protected":false},"author":1940,"featured_media":38168,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[4357,4],"tags":[5124,1197,693,5126,1303],"coauthors":[4963],"class_list":["post-38158","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-gesellschaft-und-kultur","category-kasachstan","tag-esskultur","tag-identitat","tag-kasachstan","tag-kuechentradition","tag-migration"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/38158","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1940"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=38158"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/38158\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":38171,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/38158\/revisions\/38171"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/38168"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=38158"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=38158"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=38158"},{"taxonomy":"author","embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/coauthors?post=38158"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}