{"id":33074,"date":"2023-05-08T19:57:51","date_gmt":"2023-05-08T17:57:51","guid":{"rendered":"https:\/\/novastan.org\/de\/?p=33074"},"modified":"2023-09-06T13:41:48","modified_gmt":"2023-09-06T11:41:48","slug":"setz-nicht-die-wohnung-deiner-mutter-aufs-spiel-wie-man-mit-10-000-som-ein-unternehmen-gruendet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/novastan.org\/de\/gesellschaft-und-kultur\/setz-nicht-die-wohnung-deiner-mutter-aufs-spiel-wie-man-mit-10-000-som-ein-unternehmen-gruendet\/","title":{"rendered":"\u201eSetz\u2018 nicht die Wohnung deiner Mutter aufs Spiel\u201c &#8211; Wie man mit 10.000 Som ein Unternehmen gr\u00fcndet"},"content":{"rendered":"<p><strong>F&#xFC;r gro&#xDF;e Unternehmen bleibt Kirgistan nach wie vor ein unangenehmes Terrain, selbst die Preisgabe des Umsatzes wird als riskant betrachtet. Andererseits stellt das Land vor allem f&#xFC;r Start-ups, die auf ausl&#xE4;ndische M&#xE4;rkte abzielen, eine vielversprechende Plattform dar. Ein Interview mit Danijar Amanalijew, Mitbegr&#xFC;nder von Ololo, dem gr&#xF6;&#xDF;ten Co-Working-Netzwerk in Zentralasien.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Jungen Start-ups r&#xE4;t Danijar Amanalijew, den Markt vorab gr&#xFC;ndlich zu studieren und mit einem bescheidenen Budget zu starten, um im Falle eines Misserfolgs ihre Risikobereitschaft aufrechtzuerhalten und Verluste zu minimieren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Laut unseren Recherchen haben Sie bereits elf kreative Zentren in ganz Kirgistan. Wie viele Menschen arbeiten derzeit f&#xFC;r Ololo und wie hoch ist Ihr Umsatz im Jahr 2022 &#x2013; zumindest ungef&#xE4;hr?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wir sind das gr&#xF6;&#xDF;te Netzwerk kreativer Zentren in Zentralasien. Zurzeit z&#xE4;hlt Ololo neun Kreativzentren, sechs in Bischkek, zwei am <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Yssykk%C3%B6l\">Yssykk&#xF6;l<\/a> und eines in Osch. Und wir haben ein zehntes Zentrum entworfen, das noch in diesem Jahr er&#xF6;ffnet werden soll. Es tr&#xE4;gt den Namen OloloYurt. Es wird ein Co-Working Space und ein gro&#xDF;es Hostel sein. Dar&#xFC;ber hinaus verwalten wir das Victory Business Center. Alles in allem sind dies elf gro&#xDF;e Einrichtungen mit einer Gesamtfl&#xE4;che von mehr als 30.000 Quadratmetern. Das ist doppelt so viel wie bei unserem n&#xE4;chsten Konkurrenten in Zentralasien [<a href=\"https:\/\/smartpoint.me\/\">SmArt.Point<\/a> in Almaty].<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-primary-800-color has-accent-500-background-color has-text-color has-background\">A<strong>ls vereinsgetragene, <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/novastan-ev\/unser-projekt\/\">unabh&#xE4;ngige<\/a> Plattform lebt Novastan vom Enthusiasmus seiner ehrenamtlichen Mitarbeiter:innen &#x2013; und von eurer Unterst&#xFC;tzung! Durch jede noch so kleine <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/novastan-ev\/spenden\/\">Spende<\/a> helft ihr uns, weiter ein realit&#xE4;tsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Ololo-Team hat etwas mehr als 60 feste Mitarbeiter. F&#xFC;r die Sommersaison stellen wir zus&#xE4;tzliche Mitarbeitende ein, sodass wir jetzt &#xFC;ber 100 Personen sind. In Kirgistan ist es unsicher, Angaben zum Umsatz und Wert der Anlagen zu machen. Aber lassen Sie es mich so sagen: Wir erwirtschaften viel, der Wert der von uns verwalteten Immobilien liegt im zweistelligen Millionen-Dollar-Bereich. Zum einen: Wir zahlen alle Steuern. Und zweitens bringen wir den Immobilieneigent&#xFC;mern etwa 20-50 Prozent mehr Rentabilit&#xE4;t pro Quadratmeter, als sie ohne uns erzielen w&#xFC;rden. Dank dieses Unterschieds k&#xF6;nnen wir expandieren. Ein weiterer Faktor, den wir meiner Meinung nach hervorheben k&#xF6;nnen, ist, dass jedes von Ololo verwaltete Objekt rentabel ist. Das ist ziemlich selten f&#xFC;r kreative Zentren, denn weltweit sind nur 40 Prozent der Co-Working-Spaces rentabel, die meisten sind unrentabel.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vor Ololo leiteten Sie mehr als zehn Jahre lang einen der gr&#xF6;&#xDF;ten Reiseveranstalter Zentralasiens, bevor Sie ein Sabbatical einlegten. Warum haben Sie sich entschieden, die Reisebranche zu verlassen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nach zw&#xF6;lf Jahren bei Kyrgyz Concept, zehn Jahre davon als Gesch&#xE4;ftsf&#xFC;hrer, bemerkten der Eigent&#xFC;mer Emil Umetalijew und ich, dass wir unterschiedlicher Meinung &#xFC;ber die zuk&#xFC;nftige Entwicklung des Unternehmens waren. Wir haben schlie&#xDF;lich beschlossen, getrennte Wege zu gehen und ich bin dankbar f&#xFC;r die wertvollen Erfahrungen, die ich dort gesammelt habe. Dort habe ich auch meine Frau kennengelernt. Obwohl ich den Tourismus nicht verlassen habe, glaube ich, dass der Bereich, in dem man arbeitet, nicht entscheidend ist. Sowohl Kyrgyz Concept als auch Ololo leisten wichtige Arbeit und der Tourismus ist f&#xFC;r Kirgistan genauso wichtig wie die Kreativwirtschaft.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ololo hat mit lediglich 10.000 Som begonnen, ohne eine gr&#xFC;ndliche Gesch&#xE4;ftsplanung. Das erste Studio befand sich in einem alten Haus in Erkindik. Danach folgte der ehemalige Kindergarten und schlie&#xDF;lich das sehr popul&#xE4;re Victory Business Centre, das durch sein einzigartiges Format in Bischkek bekannt wurde. In einem <\/strong><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/ololocity\/videos\/1434932936870656\/\"><strong>alten Pr&#xE4;sentationsvideo<\/strong><\/a> <strong>konnte man sehen, dass das Unternehmen auch in den Bau von Geb&#xE4;uden f&#xFC;r ihre Projekte investierte. Da dies ein teures Gesch&#xE4;ft ist, stellt sich die Frage, wie diese gro&#xDF;en Projekte finanziert wurden. Wurden das auf Kredit entwickelt oder durch vorherige Einnahmen finanziert?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Von au&#xDF;en betrachtet sieht es so aus, als ob &#x201E;Ololo Projekte baut&#x201C;. In Wirklichkeit bauen wir sie aber nicht. Um genau zu sein, beteiligen wir uns zwar am Bau, sind aber keine Investoren. Nat&#xFC;rlich haben wir uns von Anfang an an die Grunds&#xE4;tze der Beteiligung an den von uns erwirtschafteten Gewinnen gehalten. Wir arbeiten im Grunde wie eine Verwaltungsgesellschaft, die ihr eigenes Betriebssystem hat. Das hei&#xDF;t, wir betreiben nicht nur die Einrichtung, sondern wir bringen unsere Marke, unser Konzept mit und setzen es um. Wir arbeiten f&#xFC;r ein ganz bestimmtem Zielpublikum &#x2013; der kreativen Klasse. Und wir erwirtschaften f&#xFC;r die Immobilieneigent&#xFC;mer mehr Gewinn, als sie ohne uns machen w&#xFC;rden. <\/p>\n\n\n\n<p>Wir verlassen uns also auf die Investitionen der Immobilienbesitzer, anstatt selbst zu investieren. Die Objekte, die nach unseren Entw&#xFC;rfen gebaut werden &#x2013; oder manchmal bauen wir sie auch selbst &#x2013; werden auf Kosten der Bauherren gebaut, die unserem Konzept vertrauen und glauben, dass wir eine schnellere Rendite erzielen k&#xF6;nnen als traditionelle Modelle. So arbeiten wir, und so wachsen wir.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ololo steht in sch&#xF6;nem Kontrast zur traditionellen Gesch&#xE4;ftskultur Kirgistans mit ihrer starren Hierarchie und ihrem Stammesdenken. Aber diese Kultur wird sich dennoch nicht einfach aufl&#xF6;sen. Gab es in Ihrem Umfeld Partner:innen, die wohlhabender und einflussreicher waren als Sie selbst &#x2013; die Ihnen beim Bau, beim Landerwerb oder bei Verwaltungsfragen geholfen haben?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nein, auf solche Praktiken m&#xFC;ssen wir nicht zur&#xFC;ckgreifen. Wenn man eine bekannte Marke aufbaut, k&#xF6;nnen undurchsichtige Handlungen sehr schnell &#xF6;ffentlich werden und alles ruinieren, was man besitzt. Deshalb arbeiten wir transparent und zahlen Steuern. Wir arbeiten nur mit Menschen zusammen, die ihr Geld im Gesch&#xE4;ftsleben verdient haben, und nicht mit denen, die Macht und Korruption ausnutzen. Wir sind nicht so flexibel, aber das ist ein sehr wichtiger Teil f&#xFC;r uns bei Ololo &#x2013; wir tun, was uns wirklich Spa&#xDF; macht. Von den elf Standorten, die wir verwalten, haben nur zwei Eigent&#xFC;mer:innen. Alle anderen besitzen nur eine Anlage, und dieses Modell breitet sich gut aus.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vor Ihnen haben bereits mehrere Co-Working-Spaces in Bischkek geschlossen. Was hat Ololo geholfen zu &#xFC;berleben und zu wachsen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es gab etwa sechs Co-Working-Spaces in Bischkek, bevor Ololo er&#xF6;ffnet wurde. Viele von ihnen wurden ziemlich schnell wieder geschlossen. Der einzige Co-Working-Space, der jetzt in einem etwas konservativeren Format existiert, ist das Loft (auch bekannt als <em>Loft-Tsekh<\/em>), der erste Co-Working-Space in Zentralasien &#xFC;berhaupt. Heute gibt es viele kleine Co-Working-Spaces, die innerhalb von sechs Monaten, h&#xF6;chstens einem Jahr, er&#xF6;ffnet und wieder geschlossen werden. Aber es gibt auch immer mehr nachhaltige Projekte &#x2013; <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/coworking.collab\/\">Collab<\/a> zum Beispiel, deren Entwicklung wir interessiert beobachten. Das Team arbeitet gut; ich glaube, es gibt sie jetzt seit drei Jahren. Und dann gibt es noch <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/techcoworking.kg\/\">Technopark Coworking<\/a>, auch eine ziemlich gro&#xDF;e Investition. Ich denke, die werden sich auch gut entwickeln.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lest auch auf Novastan: <\/strong><strong><a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/politik-und-wirtschaft\/wie-auslaendische-investitionen-die-entwicklung-der-regionen-kasachstans-erschweren\/\">Wie ausl&#xE4;ndische Investitionen die Entwicklung der Regionen Kasachstans erschweren<\/a><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Grund, weshalb viele Co-Working-Unternehmen keinen Erfolg haben, ist meiner Meinung nach auf die Eigenheiten der Branche zur&#xFC;ckzuf&#xFC;hren. Dazu geh&#xF6;rt die Tatsache, dass Gr&#xF6;&#xDF;envorteile sehr wichtig sind. Viele denken, dass man in Co-Working-R&#xE4;umen, wie in anderen Unternehmen auch, klein anfangen kann. Zum Beispiel mit 100 Quadratmetern, und dann mit hundert weiteren. Aber in der Praxis steigen die Kosten kaum, wenn man die Fl&#xE4;che verdoppelt. Und sie sinken auch kaum, wenn Sie statt 1000 nur 500 Quadratmeter haben. Mit anderen Worten: Sie geben ungef&#xE4;hr gleich viel aus und verdienen nur halb so viel. Deshalb sind kleine Co-Working-Modelle super rentabel.<\/p>\n\n\n\n<p>Co-Working-Spaces scheitern au&#xDF;erdem oft aufgrund des klassischen Modells, bei dem langfristig viele R&#xE4;umlichkeiten angemietet werden. W&#xE4;hrend diese Strategie im Einzelhandel funktioniert, ist sie in der heutigen schnelllebigen Welt ein Risiko f&#xFC;r kleine Co-Working-Spaces. Insbesondere in Krisenzeiten wie der aktuellen Pandemie. Die Eigent&#xFC;mer:innen, die an kleine Co-Working-Spaces vermieten, sind oft unflexibel und zeigen wenig Kooperationsbereitschaft. Wer nicht zahlen kann, muss ausziehen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Kirgistans Kunst &#x2013; Das Ololohaus in Bischkek \/ L'art Kirghiz: L'Ololohaus &#xE0; Bichkek\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/nkFbsLOYUTI?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><figcaption class=\"wp-element-caption\">Unser Videointerview mit Danijar Amanalijew aus dem Jahr 2017<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Wir bauen langfristige Beziehungen zu den Eigent&#xFC;mer:innen auf, die verstehen, warum die Rentabilit&#xE4;t unseres Modells im Laufe der Jahre steigen wird. Unsere Nachhaltigkeit basiert auch auf unserem Sinn f&#xFC;r Ololo, der uns erm&#xF6;glicht, neue Produkte auf den Markt zu bringen und unser OloloEvents- und OloloMedia-Team zu betreiben, die zusammen mehr als ein Drittel unserer Gesamtgewinne erwirtschaften. Wir sind somit viel weniger von bestimmten Quadratmetern abh&#xE4;ngig als unsere Kolleg:innen. Unsere starke Gemeinschaft unterst&#xFC;tzt uns und wir haben w&#xE4;hrend der Pandemie unseren Kund:innen angeboten, nur so viel zu zahlen, wie sie bereit waren. Wir haben dadurch keine Verluste gemacht und uns innerhalb von zwei Monaten nach dem Ende der Quarant&#xE4;ne erholt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie lange hat es gedauert, bis Sie mit Ololo Gewinn gemacht haben?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Aufgrund unseres Startkapitals von 10.000 Som (etwa 104 Euro, Anm. der &#xDC;bersetzung) waren wir von Anfang an gezwungen, profitabel zu sein. Ein Scheitern des Gesch&#xE4;fts h&#xE4;tte sofort zur Schlie&#xDF;ung gef&#xFC;hrt. Ololo war bereits in den ersten Tagen profitabel und wir konnten bereits in der ersten Woche unsere Investition zur&#xFC;ckverdienen. Unser Unternehmen war also von Anfang an erfolgreich und wir mussten uns nie Gedanken dar&#xFC;ber machen, wie wir den Break-even erreichen k&#xF6;nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Welche Auswirkungen hatte der Zustrom von Umsiedler:innen aus Russland im vergangenen Jahr auf Ihr Gesch&#xE4;ft? Wir fragen das, weil der Immobiliemarkt f&#xFC;r Mietwohnungen in Almaty und Bischkek zun&#xE4;chst stark anstieg und dann im Dezember und Februar <\/strong><a href=\"https:\/\/kloop.kg\/blog\/2023\/02\/23\/arenda-odnushek-v-bishkeke-podeshevela-vdvoe-rossiyane-pereklyuchilis-na-pokupku-kvartir\/\"><strong>um 30 bis 50 Prozent abfiel<\/strong><\/a><strong>.&#xA0;Hat sich der positive Effekt der Verlagerung auch f&#xFC;r die Co-Working-Spaces in Kirgisistan als vor&#xFC;bergehend erwiesen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im letzten Jahr erlebte Bischkek eine gro&#xDF;e Migrationswelle. Wobei Umsiedler:innen Personen sind, die von ihren Unternehmen umgesiedelt und denen am neuen Standort Arbeitspl&#xE4;tze und Wohnraum zur Verf&#xFC;gung gestellt werden. Im Gegensatz zu Kasachstan und Usbekistan, wo Unternehmen wie InDriver, Yandex und WarGaming ihr Personal verlagerten, gab es bei uns so gut wie keine Umsiedler:innen. Der Gro&#xDF;teil der Personen zog auf eigene Kosten nach Kirgistan. Infolgedessen sollten sie als Migrant:innen und nicht als Umsiedler:innen bezeichnet werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl es Preisspitzen gab, haben wir uns nicht auf das Spiel eingelassen. Wir haben die Leute, die bereits in unseren Colivings wohnten, nicht rausgeschmissen, indem wir ihnen sagten: &#x201E;Wir haben jetzt die M&#xF6;glichkeit, das F&#xFC;nffache eines Colivings zu bieten, also zahlt oder geht.&#x201C; F&#xFC;r neue Kund:innen steigen die Ololo-Preise ohnehin Jahr f&#xFC;r Jahr, w&#xE4;hrend mit alten Kund:innen eine feste Vereinbarung besteht, wie viel Prozent pro Jahr die Preise steigen d&#xFC;rfen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lest auch auf Novastan: <\/strong><strong><a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/umwelt-und-technologie\/turkmenistan-auf-dem-weg-zu-einem-eigenen-intranet\/\">Turkmenistan auf dem Weg zu einem eigenen Intranet<\/a><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Als die Welle begann, war der Anstieg f&#xFC;r uns gering, weil Ololo bereits zu mehr als 90 % ausgelastet war. Wir hatten einfach nicht genug Platz in unseren Herbergen und Pensionen, um diese Welle vollst&#xE4;ndig aufzufangen und einen ordentlichen Gewinn zu erzielen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Anteil der Migrant:innen an den Gesamteinnahmen von Ololo im letzten Jahr liegt zwischen zehn und 15 Prozent. Das ist erheblich, aber ohne sie w&#xE4;re Ololo nicht leer gewesen. Als die Welle abebbte, mussten wir die Preise also nicht senken. Es w&#xE4;re besser, wenn es keinen Krieg g&#xE4;be und niemand gezwungen w&#xE4;re, seine Heimat zu verlassen, vor allem nicht die Ukrainer:innen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ololo hat Angebote aus St. Petersburg und Duschanbe erhalten. Haben Sie diese Angebote angenommen? Und wenn Sie diese abgelehnt haben, warum haben Sie das getan?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wir waren zweimal in Duschanbe, um uns zu informieren, ob wir einen potenziellen Partner finden k&#xF6;nnen, aber es hat nicht geklappt. Der Markt dort ist kompliziert, da das Startup-&#xD6;kosystem etwa f&#xFC;nf bis acht Jahre hinter dem in Bischkek zur&#xFC;ckliegt. Wir haben auch mit Anbietern aus St. Petersburg verhandelt, aber kein optimales Modell gefunden, das f&#xFC;r alle Parteien akzeptabel w&#xE4;re.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotzdem sind wir an Expansion im Ausland interessiert. Wir haben uns bereits Einrichtungen in Almaty angeschaut und verhandeln mit Interessenten aus Taschkent. Aber der Co-Working-Markt in Taschkent ist aktuell nicht der beste Ort f&#xFC;r uns. Unser Ziel ist es, in weiter entfernte L&#xE4;nder wie die T&#xFC;rkei, Indonesien, Indien und Vietnam vorzudringen und ein &#xD6;kosystem kreativer Zentren f&#xFC;r digitale Nomaden im globalen S&#xFC;den aufzubauen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir haben auch die Ukraine untersucht, aber der Krieg hindert uns momentan daran, dort t&#xE4;tig zu werden. Wir hoffen jedoch, in Zukunft am Wiederaufbau des Landes beteiligt zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Viele Erfinder:innen, die ein einzigartiges Produkt entwickeln k&#xF6;nnen, suchen aufgrund fehlender Verbindungen oft international nach Absatzm&#xE4;rkten. Aber hat ein Startup aus Kirgistan ohne eine solide lokale Basis &#xFC;berhaupt eine Chance, im Ausland Fu&#xDF; zu fassen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Kirgistan bietet eine ideale Plattform f&#xFC;r Experimente mit Minimum Viable Products (MVPs), um schnell Feedback von Kund:innen zu erhalten um das Produkt zu verbessern. Der kleine Markt des Landes muss kein Hindernis f&#xFC;r den internationalen Erfolg sein. Viele kirgisische Staatsb&#xFC;rger:innen kehren nach erfolgreichen Karrieren im Ausland in ihre Heimat zur&#xFC;ck, um eine hohe Lebensqualit&#xE4;t zu genie&#xDF;en und von hier aus f&#xFC;r globale M&#xE4;rkte zu arbeiten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lest auch auf Novastan: <\/strong><strong><a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/zentralasien-und-europa\/30-jahre-hand-in-hand-ueber-das-unternehmen-dschawoni-in-tadschikistan\/\">30 Jahre Hand in Hand &#x2013; &#xDC;ber das Unternehmen &#x201E;Dschawoni&#x201C; in Tadschikistan<\/a><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Daneben bietet Kirgistan eine enge Gemeinschaft von IT-Expert:innen, die sich auf verschiedenen Ebenen engagieren und miteinander interagieren. Die horizontale Verbindung zwischen den verschiedenen Bereichen bietet eine unglaubliche M&#xF6;glichkeit, mit verschiedenen Personenkreisen zu kommunizieren und Ideen auszutauschen. Zum Beispiel leitet Tilek Mamutov, der erste kirgisische Staatsb&#xFC;rger bei Google, jetzt sein eigenes <a href=\"https:\/\/outtalent.com\/about\/\">Startup Outtalent<\/a> von Kirgistan aus. Auch ehemalige Mitarbeiter:innen von Amazon haben sich hier niedergelassen, um von hier aus weiterhin in internationalen M&#xE4;rkten t&#xE4;tig zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p>F&#xFC;r Start-ups empfiehlt es sich, in Kirgistan zu lernen, schnell Feedback zu erhalten und das Produkt zu perfektionieren, bevor sie auf den globalen Markt gehen, wie es beispielsweise <a href=\"https:\/\/courses.nbfit.online\/\">NBfit<\/a> erfolgreich getan hat. Kirgistan bietet die einzigartige M&#xF6;glichkeit, ein hochwertiges Produkt zu entwickeln und von hier aus in der internationalen Gesch&#xE4;ftswelt t&#xE4;tig zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was sind Ihrer Meinung nach typische Fehler von Existenzgr&#xFC;nder:innen in Kirgistan?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Meiner Meinung nach gibt es zwei entscheidende Fehler, die viele Start-ups begehen. Der erste ist die fehlende Bereitschaft, von anderen zu lernen. Bei Ololo haben wir uns intensiv damit besch&#xE4;ftigt, warum andere Co-Working-Unternehmen vor uns gescheitert sind. Diese Erfahrung hat uns gelehrt, wie wichtig es ist, die Geschichte des Marktes und die Konkurrenz zu studieren. Leider ist in der Gesch&#xE4;ftswelt und insbesondere bei Start-ups eine gewisse Arroganz weit verbreitet, die dazu f&#xFC;hrt, dass viele Produkte ohne eingehende Recherche und Marktanalyse entwickelt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein:e Wettbewerber:in ist nicht zwangsl&#xE4;ufig ein:e Konkurrent:in, der\/die genau das gleiche Produkt anbietet. Ein:e Wettbewerber:in kann jedes Unternehmen sein, dessen Produkt das gleiche Bed&#xFC;rfnis befriedigt. Es ist daher unerl&#xE4;sslich, zu verstehen, was Kund:innen bereit sind, f&#xFC;r Ihr Produkt aufzugeben, um es von der Konkurrenz abzuheben.<\/p>\n\n\n\n<p>Der zweite Fehler besteht darin, von Anfang an ein perfektes Produkt schaffen zu wollen. Dieser Wunsch nach Perfektion kommt oft aus der Schule oder von Eltern, die stets die bestm&#xF6;glichen Leistungen verlangen. In der Realit&#xE4;t gibt es jedoch kein perfektes Produkt, jede:r Kund:in ist anders und hat unterschiedliche Bed&#xFC;rfnisse. Es ist daher wichtig, mit einem Minimum Viable Product zu starten, einem Produkt, das ein wichtiges Bed&#xFC;rfnis befriedigt und sich auf dem Markt verkauft. Dann kann man von den Kund:innen lernen und das Produkt iterativ verbessern.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich werde oft von Start-ups um Rat gefragt. Doch leider setzten sie sich nicht mit spezifischen Herausforderungen auseinander, sondern pr&#xE4;sentieren mir ihre Ideen und bitten um allgemeines Feedback. Dabei gibt es mittlerweile viele Plattformen und Menschen, die bei der Entwicklung von Start-ups helfen k&#xF6;nnen, sei es durch F&#xF6;rderung oder Mentoring. Start-ups entwickeln Nischenprodukte und ihre Herausforderungen sind deshalb sehr spezifisch. Deshalb m&#xFC;ssen die Fragen, die gestellt werden, auch sehr pr&#xE4;zise sein. Wenn man bereit ist, von anderen zu lernen und auf Feedback von Kund:innen zu h&#xF6;ren, kann man ein erfolgreiches Start-up aufbauen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zum Abschluss: Welche universellen Empfehlungen k&#xF6;nnen Sie Unternehmensgr&#xFC;nder:innen in Kirgisistan mit auf den Weg geben?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Konzept des Product Market Fit besagt, dass eine L&#xF6;sung f&#xFC;r ein relevantes Kundenproblem gefunden werden muss, damit das Produkt erfolgreich am Markt sein kann. Ein Beispiel hierf&#xFC;r sind die <a href=\"https:\/\/weproject.media\/articles\/detail\/sabina-temiralieva-o-tom-kak-v-20-let-sozdala-pervuyu-makaronnuyu-v-bishkeke-i-za-chto-brend-lyubyat\/\">Macarons<\/a> von Sabina Temiralieva, die durch ihre Pers&#xF6;nlichkeit und ihren <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/sabinatemiralieva\/\">Blog <\/a>besonders gut bei der jungen Zielgruppe ankommen. Sobald der Product Market Fit erreicht ist, k&#xF6;nnen Investitionen angezogen werden. Es ist jedoch ein Fehler, direkt am ersten Tag Investitionen anzustreben. Stattdessen sollte das Produkt mit einem Mindestbudget gestartet werden, um unternehmerischen Mut zu f&#xF6;rdern.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt viele Mythen rund um das Thema Unternehmertum. Viele glauben beispielsweise, dass Gesch&#xE4;ftsleute viel Geld verdienen. In Wirklichkeit erzielen jedoch viele Unternehmen keinen Nettogewinn und scheitern letztendlich. Ein Unternehmen zu gr&#xFC;nden bedeutet, ein hohes Risiko einzugehen und zu akzeptieren, dass eine Niederlage m&#xF6;glich ist. Es ist wichtig, sich bewusst zu sein, dass man nicht so viel Geld in ein Unternehmen investieren sollte, dass man in diesem Fall alles verliert, einschlie&#xDF;lich der Familie, Freund:innen und Beziehungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotzdem ist ein Unternehmen eine gro&#xDF;artige Lernm&#xF6;glichkeit. Es erfordert, dass man sich selbst aufs Spiel setzt und tats&#xE4;chliche Konsequenzen tr&#xE4;gt. Es ist eine Gelegenheit, um wirklich zu lernen und pers&#xF6;nlich zu wachsen. In Kirgistan bietet sich die M&#xF6;glichkeit, ein kleines Unternehmen zu gr&#xFC;nden und von den b&#xFC;rokratischen H&#xFC;rden und Besteuerungen zu profitieren, denn Unternehmen mit einem Umsatz von bis zu 8 Millionen Som m&#xFC;ssen keine Steuern zahlen. Kirgistan ist zwar kein ideales Land, um ein gro&#xDF;es Unternehmen aufzubauen, aber es ist eine hervorragende Plattform f&#xFC;r die Expansion ins Ausland.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Dieses Interview ist Teil einer Publikationsreihe von Kloop unter dem Titel Made in KG. Es soll aufstrebenden Unternehmern aus Kirgistan wertvolle Ratschl&#xE4;ge geben und sie mit Geschichten von bereits etablierten Unternehmen und Wirtschaftszweigen in Kirgisistan inspirieren. Das Projekt wird mit Unterst&#xFC;tzung der deutschen Friedrich-Naumann-Stiftung f&#xFC;r die Freiheit realisiert.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wiktor Muchin f&#xFC;r Kloop<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Aus dem <a href=\"https:\/\/kloop.kg\/blog\/2023\/03\/31\/ne-riskujte-maminoj-kvartiroj-osnovatel-ololo-daniyar-amanaliev-o-tom-kak-nachat-biznes-s-10-tysyach-somov\/\">Russischen<\/a> von Ramona Bleimhofer<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-primary-800-color has-primary-100-background-color has-text-color has-background\"><em><strong>Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kan&#xE4;len: Schaut mal vorbei bei <a href=\"https:\/\/twitter.com\/novastan_de\">Twitter<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Novastan.org\/\">Facebook<\/a>, <a href=\"https:\/\/telegram.me\/novastan\">Telegram<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/company\/novastan\/\">Linkedin<\/a> oder <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/novastanorg\/\">Instagram<\/a>. 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Jungen Start-ups r&#xE4;t Danijar Amanalijew, [&#x2026;]<\/p>\n","protected":false},"author":403,"featured_media":33075,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[4357,3],"tags":[1074,2234,4896,4894,4895,751],"coauthors":[4959],"class_list":["post-33074","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-gesellschaft-und-kultur","category-kirgistan","tag-bischkek","tag-business","tag-co-working","tag-danijar-amanalijew","tag-ololo","tag-wirtschaft"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/33074","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/403"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=33074"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/33074\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":34993,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/33074\/revisions\/34993"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/33075"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=33074"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=33074"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=33074"},{"taxonomy":"author","embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/coauthors?post=33074"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}