{"id":26494,"date":"2021-04-29T18:15:53","date_gmt":"2021-04-29T16:15:53","guid":{"rendered":"https:\/\/novastan.org\/de\/?p=26494"},"modified":"2021-08-11T20:30:00","modified_gmt":"2021-08-11T18:30:00","slug":"der-talas-und-seine-menschen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/novastan.org\/de\/kirgistan\/der-talas-und-seine-menschen\/","title":{"rendered":"Der Talas und seine Menschen"},"content":{"rendered":"<p><strong>FLUSSGESCHICHTEN. Drei Millionen Menschen in Kirgistan und Kasachstan sind von einem Fluss abh&#xE4;ngig, dessen Wasserstand immer weiter zur&#xFC;ckgeht. Die JournalistInnen Wlad Uschakow und Irina Bajramykowa sprechen mit einigen dieser Menschen dar&#xFC;ber, was die Wasserknappheit f&#xFC;r sie bedeutet. Es sind Geschichten von Dankbarkeit, Liebe, Erinnerungen, Ver&#xE4;nderungen und Angst. Die folgende Reportage erschien am 26. Januar 2021 auf <\/strong><a href=\"https:\/\/vlast.kz\/story\/43528-talas-i-ego-ludi.html\"><strong>Vlast<\/strong><\/a><strong>. Wir &#xFC;bersetzen sie mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Talas_(Fluss)\">Talas <\/a>ist ein grenz&#xFC;berschreitender Fluss. Er f&#xE4;ngt in den Bergen Kirgistans an und versiegt in der der kasachischen W&#xFC;ste. Die drei Millionen Menschen aus den zwei Staaten, die im Einzugsgebiet des Flusses wohnen, sind auf den Fluss angewiesen. Sie betreiben hier n&#xE4;mlich Landwirtschaft. Es ist nicht zu &#xFC;bersehen, wie sich der Fluss in den vergangenen Jahren ver&#xE4;ndert hat: Der Pegel wird immer niedriger. Wie wird sich das Leben der Menschen ver&#xE4;ndern, wenn es noch hei&#xDF;er wird, w&#xE4;hrend das Wasser zur&#xFC;ckgeht?<\/p>\n\n\n\n<p>Im Rahmen des Projekts &#x201E;Kleine Menschen &#x2013; Gro&#xDF;er Fluss&#x201C; reiste eine Gruppe von Journalisten und &#xD6;kologen Hunderte von Kilometern entlang des Talas, um diejenigen zu treffen, die sich als die &#x201E;Menschen des Flusses&#x201C; bezeichnen. Sie sprechen mit ihnen dar&#xFC;ber, wie sich ihr Leben ver&#xE4;ndert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ein Mann der Stra&#xDF;e<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der 41-j&#xE4;hrige Bajysbek Scheraliew stammt aus dem Dorf Konesawod in der Region Talas. Seine Arbeit dreht sich rund um die Instandhaltung von Stra&#xDF;en und vor allem um den Otmok-Pass der Talas-Suusamyr-Autobahn auf 3.330 Metern H&#xF6;he. Er r&#xE4;umt den Schnee und streut Enteisungsmittel auf den glatten Asphalt.<\/p>\n\n\n<p style=\"background-color: #d4d4d4;\"><span style=\"color: #000000;\">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin &#xFC;ber Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/novastan-ev\/werde-unser-mitglied-werde-novastan\/\"><strong>Dank eurer Teilnahme<\/strong><\/a>. Wir sind <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/novastan-ev\/unser-projekt\/\">unabh&#xE4;ngig<\/a> und wollen es bleiben, daf&#xFC;r brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/novastan-ev\/spenden\/\">Spende<\/a><\/strong> helft ihr uns, weiter ein realit&#xE4;tsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><em>&#x201E;Nach jedem starken Schneefall kommt es zu Stau auf dem Otmok-Pass. Doch fr&#xFC;her, zu Beginn meiner T&#xE4;tigkeit, waren die Schneedecken viel h&#xF6;her&#x201C;<\/em>, sagt Bajysbek. Auch in den Fl&#xFC;ssen, entlang derer die Stra&#xDF;en verlaufen, sei jedes Jahr weniger Wasser vorhanden. <em>&#x201E;Das ist alles der Klimawandel&#x201C;<\/em>, glaubt er.<\/p>\n\n\n\n<p>Die durchschnittliche Jahrestemperatur in Kirgistan ist in den letzten 100 Jahren um 1,6 Grad Celsius gestiegen, deutlich mehr als die globale Erderw&#xE4;rmung (um 0,6 Grad Celsius). Laut dem <a href=\"https:\/\/unfccc.int\/files\/national_reports\/non-annex_i_natcom\/application\/pdf\/nc3_kyrgyzstan_russian_24jan2017.pdf\">dritten nationalen Klimabericht Kirgistans<\/a> wird bei einer unver&#xE4;nderten Anstiegsrate die Durchschnittstemperatur im Jahr 2100 im besten Fall um 4,7 Grad Celsius h&#xF6;her sein und im schlechtesten sogar um 6,1 Grad Celsius. Der Temperaturanstieg f&#xFC;hrt zum Schmelzen der Gletscher und dem Absinken des Pegels in den Fl&#xFC;ssen. Doch Kirgistan braucht immer mehr Trink- und Bew&#xE4;sserungswasser. Schlie&#xDF;lich w&#xE4;chst die Bev&#xF6;lkerung des Landes.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ein Mann der Erde<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Wassermangel trifft die Bauern am h&#xE4;rtesten. Samat Osmonow ist ein <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Dehkan_farm\">Dekhan<\/a> (Bezeichnung f&#xFC;r einen zentralasiatischen Bauern, Anm. d. Red.). Der Lebensstandard seiner Familie h&#xE4;ngt somit direkt von der Bew&#xE4;sserung ab. Auch er wuchs in der N&#xE4;he des Flusses Talas auf.<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#x201E;Solange ich mich erinnern kann, habe ich immer dieses Wasser getrunken, habe es zuhause zum Kochen verwendet. Mit diesem Wasser wird das Vieh getr&#xE4;nkt und der Garten bew&#xE4;ssert. Und jetzt helfen mir auch meine Kinder, das Wasser aus dem Fluss in Eimern nach Hause zu tragen oder es auf Eseln zu transportieren. Das Problem ist aber, dass es immer weniger und weniger Wasser im Fluss gibt! Mein Gro&#xDF;vater sagte, dass zu seiner Zeit das Wasser so hoch stand, dass die Pferde den Fluss nicht &#xFC;berqueren konnten &#x2013; und heutzutage k&#xF6;nnen sie das problemlos&#x201C;<\/em>, erz&#xE4;hlt der 40-j&#xE4;hirge Osmonow, <em>&#x201E;Und ich erinnere mich auch daran, dass in meiner Kindheit das Eis auf dem Fluss im Winter so dick war, dass Karren mit Lasten leicht dar&#xFC;ber<\/em> <em>fahren konnten. Jetzt friert der Fluss zwar zu, aber das Eis ist so d&#xFC;nn, dass man nicht einmal darauf laufen kann!&#x201C;<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"699\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/04\/Bild-1-1024x699.jpg\" alt=\"Mann der Erde\" class=\"wp-image-26501\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/04\/Bild-1-1024x699.jpg 1024w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/04\/Bild-1-300x205.jpg 300w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/04\/Bild-1-768x524.jpg 768w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/04\/Bild-1-128x86.jpg 128w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/04\/Bild-1.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\"\/><figcaption>Mann der Erde<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Samat zitiert ein kirgisisches Sprichwort: <em>&#x201E;Wann leidet der Mensch nicht? Wenn viel Wasser vorhanden ist. Wenn alle genug davon haben!&#x201C;<\/em> Wissenschaftler gehen davon aus, dass der Niederschlag in den Bergen in den kommenden Jahrzehnten zunehmen werde, doch in der Tiefland-W&#xFC;stenzone sei eine vermehrte Trockenheit m&#xF6;glich. Dies f&#xFC;hre zu einer W&#xFC;stenausbreitung und belaste angeschlossene &#xD6;kosysteme.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Anziehungskraft des Flusses<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wladimir Maser lebt seit 1965 in der Stadt Talas. Er k&#xF6;nne sich ein Leben ohne Natur nicht vorstellen, auch wenn alle seine Verwandten nach Deutschland ausgewandert sind. Maser bezeichnet sich selbst als <em>&#x201E;quasi den letzten Deutschen&#x201C;<\/em> in der Region Talas.<\/p>\n\n\n\n<p>Fr&#xFC;her arbeitete er als J&#xE4;ger. Heute ist er Vorsitzender der Gesellschaft der J&#xE4;ger und Fischer von Talas. Maser trifft uns an der Quelle des Kara-Kojun Flusses, ein Zufluss des Urmaral-Flusses, der wiederum in den Talas m&#xFC;ndet.<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#x201E;Das Wasser im Fluss ist knapp geworden: War es fr&#xFC;her im Fr&#xFC;hling und Fr&#xFC;hsommer &#xFC;berhaupt nicht m&#xF6;glich, den Fluss zu &#xFC;berschreiten, so kann man ihn jetzt in manchen Jahren in Galoschen &#xFC;berqueren! Ich erinnere mich noch an den 22. November 2006, als der <\/em><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Uljanowski_Awtomobilny_Sawod#UAZ\"><em>UAZ<\/em><\/a> (ein russisches Gel&#xE4;ndefahrzeug, Anm. d. Red.) <em>den Fluss wegen der Schneedecke nicht &#xFC;berqueren konnte. Und heute gibt es fast keinen Schnee, von den Fischen sind nur die kleinen &#xFC;briggeblieben. Deswegen habe ich seit fast zwei Jahren nicht mehr geangelt: Es macht ja keinen Spa&#xDF;, die winzigen Fische zu fangen&#x201C;<\/em>, erz&#xE4;hlt Wladimir.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lest auch auf Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/kasachstan\/die-letzten-ihrer-zunft-ueber-schiffsmechaniker-und-flusskapitaene-auf-dem-ural\/\">Die Letzten ihrer Zunft &#x2013; &#xDC;ber Schiffsmechaniker und Flusskapit&#xE4;ne auf dem Ural<\/a><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Klimawissenschaftler sagen voraus, dass der Klimawandel dazu f&#xFC;hren k&#xF6;nnte, dass die Fl&#xFC;sse <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tsch%C3%BCi_(Fluss)\">Tsch&#xFC;i <\/a>und Talas in den kommenden 25 bis 50 Jahren 25 bis 45 Prozent ihrer Wassermenge verlieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiteres Beispiel f&#xFC;r den Klimawandel, so Maser, ist der R&#xFC;ckgang der Wildtierpopulation. &#x201E;<em>In dieser Schlucht begann 1988 mein &#xB4;J&#xE4;gerleben&#xB4;. Damals liefen Wildschweine &#xFC;ber die H&#xE4;nge, Rehe grasten ungehindert. Man konnte sogar das bedrohte <\/em><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Argali\"><em>Argali<\/em><\/a> (ein Riesenwildschaf, Anm. d. Red.)<em> &#xFC;berall sehen. Ich habe selbst gesehen, wie sie keine Angst hatten, auf die Stra&#xDF;e zu gehen. Heutzutage sind die Argali praktisch verschwunden! Und es gibt jetzt auch viel weniger Schneeleoparden<\/em>&#x201C;, berichtet er.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/04\/Wladimir-Maser-1024x683.jpg\" alt=\"Wladimir Maser\" class=\"wp-image-26503\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/04\/Wladimir-Maser-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/04\/Wladimir-Maser-300x200.jpg 300w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/04\/Wladimir-Maser-768x512.jpg 768w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/04\/Wladimir-Maser-128x86.jpg 128w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/04\/Wladimir-Maser.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\"\/><figcaption>Wladimir Maser<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><em>&#x201E;Fr&#xFC;her lagen die Temperaturen im Winter bei durchschnittlich -22 bis -25 Grad Celsius. Und jetzt f&#xE4;llt kaum noch Schnee. Und wenn es keinen Schnee gibt, gibt es auch kein Futter. Ein Tier geht ja dorthin, wo es etwas zu fressen gibt<\/em>&#x201C;, erkl&#xE4;rt Wladimir, &#x201E;<em>Und was die Rolle der Menschen angeht: Glaubt mir, die Bewohner der Region Talas w&#xFC;rden lieber Schafe zum Essen schlachten, als dass sie Argali schie&#xDF;en w&#xFC;rden! Wer das tut, ist ein Wilderer! Trotzdem kommt auch das vor. In diesem Jahr wurden zwei wei&#xDF;e B&#xE4;ren erschossen<\/em>.&#x201C;<\/p>\n\n\n\n<p>Maser h&#xE4;lt ein vollst&#xE4;ndiges Jagdverbot f&#xFC;r eine L&#xF6;sung. &#x201E;<em>Wenn es nach mir ginge, w&#xFC;rde ich die Schluchten gut sch&#xFC;tzen und das Jagen f&#xFC;r mindestens 10 bis 15 Jahre komplett verbieten. So k&#xF6;nnte sich die Wildtierpopulation erholen. Nur der Steinbock ist bislang noch erhalten. Manchmal kommt ein B&#xE4;r, insbesondere im Herbst, wenn die Hagebutten reifen. Ist es nicht seltsam, von einem Berufsj&#xE4;ger etwas &#xFC;ber ein Jagdverbot zu h&#xF6;ren? Aber eigentlich ist es ganz logisch: Wenn wir die Tiere nicht sch&#xFC;tzen, wird es auch keine zum Jagen geben. Und au&#xDF;erdem jagen Berufsj&#xE4;ger niemals bedrohte Tierarten oder Jungtiere. Ein Mensch erlegt das, was leicht zu fangen ist. Und das sind in erster Linie alte Tiere, die sich nicht mehr fortpflanzen. Ein J&#xE4;ger jagt nicht, um seinen K&#xFC;hlschrank zu f&#xFC;llen, sondern aus beruflicher Leidenschaft<\/em>&#x201C;, erkl&#xE4;rt er.<\/p>\n\n\n<p style=\"background-color: #d4d4d4;\"><span style=\"color: #000000;\">Lust auf Zentralasien in eurer Mailbox? Abonniert unseren kostenlosen w&#xF6;chentlichen Newsletter <strong><span style=\"text-decoration: underline;\"><a href=\"https:\/\/2ff41361.sibforms.com\/serve\/MUIFAD3kOVgHRZMEzVL0tQuvV__Lm5slYuTqY-DEgdyDpH9WazOpCwYD2CLbIZdPKxyD_Mnaw2SKMY78StG6vCfPNIE1HcIumNXgnjsKyqsb8MuZ5Ng1jN3cNsBhf4SSp2VDJAgy_38b6jiUL7aU6Y-RaIAVhUpNqW1tNwmWOB-8YcNp9LBWEk57rUlkszlx_tQ8qxYED63Sz6UU\">mit einem Klick.<\/a><\/span><\/strong><\/span><\/p>\n\n\n\n<p>Maser findet auch, dass es unabdingbar sei, die Anzahl der Weidetiere zu regulieren. &#x201E;<em>Die Hirten werden das Vieh grasen lassen, weil es eine lebenswichtige Notwendigkeit ist. In den 1990er Jahren hat hier jedoch fast kein Vieh geweidet und jetzt leben die Menschen von Subsistenzwirtschaft. Mit jedem Jahr gibt es mehr und mehr Herden von kleinen und gro&#xDF;en Rindern und Pferden in ein und derselben Schlucht! Hinzu kommt, dass jeder Hirte noch f&#xFC;nf bis sechs Hunde hat. Eine so gro&#xDF;e Anzahl von Tieren auf einer Fl&#xE4;che f&#xFC;hrt zu &#xDC;berweidung und letztlich zu Bodendegradierung und dem Verlust der Artenvielfalt&#x201C;<\/em>, stellt er fest.<\/p>\n\n\n\n<p>Der J&#xE4;ger erz&#xE4;hlt von einem k&#xFC;rzlichen Fall, als er vier Fischer im Urmaral aufgehalten hat. Sie haben 103 Forellen gefangen. &#x201E;<em>Die essen die Forellen ja nicht auf! Ganz offensichtlich sind das keine Fischer, sondern H&#xE4;ndler. Die menschliche Gier st&#xF6;rt die Natur<\/em>&#x201C;, ist sich Maser sicher.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der Fischunternehmer<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mysa Dschantschikulow ist 54 Jahre alt, die meiste Zeit davon hat er in der Stadt Talas gelebt. Seit seiner Kindheit fischt er am Fluss Urmaral, dem gr&#xF6;&#xDF;ten Zufluss des Talas. Jetzt ist Dschantschikulow seinem langj&#xE4;hrigen Traum ein St&#xFC;ck n&#xE4;hergekommen: Er hat leere, seit 1974 verlassene Teiche f&#xFC;r 10 Jahre gemietet, sie gereinigt und sie mit Fischen best&#xFC;ckt. Er tr&#xE4;umt davon, die Wilderei einzud&#xE4;mmen, den Leuten Arbeit zu geben und ein Gebiet der Erholung, unter anderen f&#xFC;r Hobbyangler, zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n<p>&#x201E;<em>Dies wird dazu beitragen, die Artenvielfalt in diesem Gebiet zu erhalten und die Umwelt zu sch&#xFC;tzen. Ich m&#xF6;chte, dass wir lernen, die Erde zu ehren, auf der wir geboren und aufgewachsen&#x201C;<\/em>, sagt Mysa.<\/p>\n\n\n\n<p>Gemeinsam mit einem Unternehmen aus dem Nachbardorf hat Mysa die Trinkwasserversorgung hier sichergestellt. Das Abwasser wird zudem aufbereitet und zur Bew&#xE4;sserung genutzt. Momentan ist der Unternehmer damit besch&#xE4;ftigt, das Gel&#xE4;nde zu bereinigen. Dazu hat er Enten gekauft, die er in das Schilf gesetzt hat, welches rund um die Teiche w&#xE4;chst. Er baut Mais an, damit er seine Enten f&#xFC;ttern kann.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"695\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/04\/Mysa-Dschantschikulow-1024x695.jpg\" alt=\"Mysa Dschantschikulow\" class=\"wp-image-26504\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/04\/Mysa-Dschantschikulow-1024x695.jpg 1024w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/04\/Mysa-Dschantschikulow-300x204.jpg 300w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/04\/Mysa-Dschantschikulow-768x522.jpg 768w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/04\/Mysa-Dschantschikulow-128x86.jpg 128w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/04\/Mysa-Dschantschikulow.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\"\/><figcaption>Mysa Dschantschikulow<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Mysa w&#xFC;nscht sich, dass mehr Kirgisen Fisch essen. Es m&#xFC;ssten weniger Nutztiere zur Schlachtung gez&#xFC;chtet werden, wodurch es eine gr&#xF6;&#xDF;ere Ern&#xE4;hrungssicherheit g&#xE4;be.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Fischer<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dass das Wasser im Talas zur&#xFC;ckgeht, bemerken nicht nur die &#xC4;lteren, sondern auch die J&#xFC;ngeren. Marat uulu Bajrak ging von klein auf mit seinem Vater, einem begeisterten Fischer, zum Fischen an den Talas.<\/p>\n\n\n\n<p>&#x201E;<em>Es gab sehr viele Fische, auch sehr gro&#xDF;e. Es war nicht ungew&#xF6;hnlich, dass mein Vater Fische mit einem Gewicht von 40 Kilogramm fing. Und nun sitze ich sehr lange am Ufer. Es gibt zwar Fische, aber nur wenige. Die paar, die es gibt, sind klein. Die Wilderer fischen mit Netzen alles M&#xF6;gliche und geben den Fischen keine Chance, nachzuwachsen&#x201C;<\/em>, erz&#xE4;hlt Marat.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute geht Marat zum Fischen zur <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kirow-Talsperre\">Kirow-Talsperre<\/a>. Sie befindet sich an der Grenze zu Kasachstan in der Tschon-Kapka-Schlucht. Sie dient haupts&#xE4;chlich als Wasserspeicher f&#xFC;r die Bew&#xE4;sserung von &#xC4;ckern im Talas-Tal und in Kasachstan. Viele Menschen kommen jedoch zur Erholung oder zum Angeln her.<\/p>\n\n\n\n<p>&#x201E;<em>Unsere Nachbarn nutzen auch dieses Wasser<\/em>&#x201C;, er zeigt auf die nahegelegenen H&#xE4;nge, &#x201E;<em>Schaut, man kann mit blo&#xDF;en Augen sehen, wie der Wasserstand gesunken ist! Irgendwann war er nicht niedriger als diese B&#xE4;ume, die auf den H&#xE4;ngen gewachsen sind. Es gibt einfach nicht genug Wasser und bald bekommen wird das zu sp&#xFC;ren<\/em>.&#x201C;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der heilende Fluss<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Saken Dschumakeewoj aus dem Dorf Boo-Terek ist 86 Jahre alt. Der Fluss habe ihr und ihrem Mann ein langes Leben und Gesundheit geschenkt. Sie beten regelm&#xE4;&#xDF;ig zu Allah und danken ihm f&#xFC;r die Vielzahl der nat&#xFC;rlichen Quellen in ihrer Heimat Kirgistan. &#x201E;<em>Wenn der Ursprung einer Quelle rein ist, ist auch ihre M&#xFC;ndung rein. Wenn unsere Gedanken rein sind, sind auch unsere Taten ehrenhaft<\/em>.<em>&#x201C;<\/em> In Kirgistan gibt es Hunderte von Quellen, aus denen man trinken, Wasser sch&#xF6;pfen und es nach Hause bringen kann.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/04\/Saken-Dschumakeewoj-und-ihr-Mann-1024x683.jpg\" alt=\"Saken Dschumakeewoj und ihr Mann\" class=\"wp-image-26505\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/04\/Saken-Dschumakeewoj-und-ihr-Mann-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/04\/Saken-Dschumakeewoj-und-ihr-Mann-300x200.jpg 300w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/04\/Saken-Dschumakeewoj-und-ihr-Mann-768x512.jpg 768w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/04\/Saken-Dschumakeewoj-und-ihr-Mann-128x86.jpg 128w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/04\/Saken-Dschumakeewoj-und-ihr-Mann.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\"\/><figcaption>Saken Dschumakeewoj und ihr Mann<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Menschen wie Fl&#xFC;sse<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Kirgisen verehren schon immer den Fluss Talas und seine zahlreichen heiligen Quellen. In der N&#xE4;he des Ufers bauten Menschen <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Mazar_(mausoleum)\">Masare<\/a> (heilige St&#xE4;tten, Anm. d. Redaktion). Die traditionelle Heilerin Erkinbubu Tschomoewa erz&#xE4;hlt vom Masar Kanykej-Bulak, der sich in der N&#xE4;he des Kenkol-Flusses befindet, ein Nebenfluss des Talas.&#xA0;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lest auch auf Novastan:<\/strong> <strong><a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/kasachstan\/frueher-war-hier-mal-ein-fluss-wie-die-austrocknung-des-urals-das-leben-der-menschen-an-seinem-ufer-veraendert\/\">Fr&#xFC;her war hier mal ein Fluss &#x2013; Wie die Austrocknung des Urals das Leben der Menschen an seinem Ufer ver&#xE4;ndert<\/a><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>&#x201E;<em>An einer Quelle sitzen und das Wasser nicht trinken &#x2013; das geht nicht<\/em>&#x201C;, sagt Tschomoewa und z&#xE4;hlt eine lange Liste von Krankheiten auf, die das Wasser aus verschiedenen Quellen angeblich heilt. &#x201E;<em>Fr&#xFC;her war das Gebiet hier verlassen, aber dann kamen Aktivisten, die das Gel&#xE4;nde versch&#xF6;nert haben. Die Natur und die Quellen muss man mit Freundlichkeit und Liebe behandeln. Man muss achtsam damit umgehen und sie sch&#xFC;tzen. Indem wir die Quellen retten, retten wir unser Land. Es lehrt uns, freundlich und entgegenkommend zu sein. Die Welt um sich herum zu lieben und f&#xFC;r sie zu sorgen<\/em>&#x201C;, sagt Erkinbubu.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Eltern und Kinder des Flusses<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Elnur Kajnasarowa stammt aus dem Dorf Kopuro-Basar. Die gelernte Ingenieurin ist heute Mutter von mehreren Kindern und Hausfrau. Man m&#xFC;sse seinen Kindern von klein auf beibringen, das Wasser zu sch&#xE4;tzen, es nicht zu verschmutzen und sparsam zu verwenden. Genau das haben ihr ihre Eltern und Gro&#xDF;eltern beigebracht.<\/p>\n\n\n\n<p>&#x201E;<em>Die Liebe zum Wasser und der achtsame Umgang damit wurde von Generation zu Generation weitergegeben. Ein mangelnder Respekt gegen&#xFC;ber dem Wasser birgt ein gro&#xDF;es Potenzial f&#xFC;r soziale Konflikte<\/em>&#x201C;, stellt Elnur fest. Sie ist der Meinung, dass die Bergbauindustrie nur mit fortschrittlichen, umweltschonenden Technologien betrieben werden sollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Kopura-Basar gilt als ein wohlhabendes Dorf. Viele betreiben hier Viehzucht oder sind in der Landwirtschaft f&#xFC;r den Export nach Kasachstan t&#xE4;tig. Wie viele andere ist dieses Dorf an Fl&#xFC;ssen gelegen, die in den Talas m&#xFC;nden, in dessen N&#xE4;he Gold abgebaut wird.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>&#x201E;Der goldene Fluss&#x201C;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der &#xD6;kologe Gamal Soronkulow nennt den Talas einen &#x201E;goldenen Fluss&#x201C;. Direkt an den Quellen des Flusses befinden sich prim&#xE4;re Goldlagerst&#xE4;tten: Dtscheruj am Tschu-Koschoj-Fluss, Andasch und Aktasch am rechten Ufer des Karakol-Flusses. Flussabw&#xE4;rts, quasi an den M&#xFC;ndungen jedes Nebenflusses des Talas, befinden sich noch mehr Erz- und Goldvorkommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Gamal, der aus der Region Talas stammt, kann viele interessante Dinge &#xFC;ber den Fluss erz&#xE4;hlen, an dem er aufgewachsen ist. &#x201E;<em>In der Flussaue befindet sich ein wundersch&#xF6;ner Wald. Wie reich Kirgistan ist! Als w&#xE4;re es erst gestern, kann ich mich daran erinnern, wie Schw&#xE4;rme von M&#xF6;wen, <\/em><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kormorane#Verbreitung_und_Lebensraum\"><em>Kormoranen<\/em><\/a><em> und Reihern in der N&#xE4;he des Kirow-<\/em><a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Zakaznik\"><em>Sakasnik<\/em><\/a> (sowjetisches Naturschutzgebiet, Anm. d. Red.)<em> &#xFC;berwinterten<\/em>&#x201C;, erz&#xE4;hlt Soronkulow.<\/p>\n\n\n\n<p>Gespeist vom geschmolzenen Schnee der Gletscher flie&#xDF;t der Talas 661 Kilometer bis in die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mujunkum\">Mo&#x131;ynkum -W&#xFC;ste<\/a>, wo er schlie&#xDF;lich versiegt. Im Flachland wird das Flusswasser zur Bew&#xE4;sserung genutzt und ist daher seit vielen Jahren f&#xFC;r die benachbarten Staaten &#x2013; Kirgistan und Kasachstan &#x2013; von gro&#xDF;em Interesse.<\/p>\n\n\n\n<p>&#x201E;<em>Er ist ein Fluss der guten Nachbarschaft und es ist sehr wichtig, dass er nicht zum Fluss der Zwietracht um Wasser wird<\/em>!&#x201C;, betont der &#xD6;kologe, &#x201E;<em>Seit Jahrtausenden gibt der Talas den Menschen Wasser, das sie n&#xE4;hrt und tr&#xE4;nkt. Wir m&#xFC;ssen das Wasser sauber halten und einen Wasserkonflikt mit dem br&#xFC;derlichen Kasachstan verhindern<\/em>.&#x201C;<\/p>\n\n\n\n<p>&#xA0;Gamal Soronkulow betrachtete es als Ehrensache und als seine pers&#xF6;nliche Aufgabe, zu verhindern, dass die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Seife_(Geologie)\">Seifenlagerst&#xE4;tten<\/a> am Fluss erschlossen werden. &#x201E;<em>Das w&#xFC;rde zu einer Zerst&#xF6;rung des gesamten &#xD6;kosystems des Flusses und des Talas-Tals f&#xFC;hren. Sie w&#xFC;rden das Flussbett ver&#xE4;ndern, die Weiden degradieren, die Flora und Fauna der Region ausrotten<\/em>&#x201C;, sagt er, <em>&#x201E;Und f&#xFC;r welchen Zweck? Um eine geringe Menge an Gold abzubauen. Das ist inakzeptabel!&#x201C;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Der Experte erkl&#xE4;rt es folgenderma&#xDF;en: <em>&#x201E;Sch&#xE4;tzungen zufolge birgt die Uramal-Lagerst&#xE4;tte 11 Kilogramm Gold. Doch die Lagerst&#xE4;tte befindet sich auf einer 600 Hektar gro&#xDF;en Fl&#xE4;che eines wundersch&#xF6;nen Auwaldes! Das bedeutet, dass ein Hektar sauberes Flussbett, W&#xE4;lder und Weide mit einem Wert von 7.000 US-Dollar f&#xFC;r weniger als 10 Dollar &#xB4;verkauft&#xB4; wird.&#x201C;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Der &#xD6;kologe ist nicht prinzipiell gegen den Bergbau, aber Umwelt- und Gesundheitsauflagen m&#xFC;ssten eingehalten werden. Zudem m&#xFC;ssten die Gewinne gerecht verteilt werden. Niemand bestreite, dass die gottgegebene Natur ein gro&#xDF;es Naturkapital ist. Doch nur unter einer Bedingung: Wenn es vern&#xFC;nftig genutzt und nicht barbarisch zerst&#xF6;rt werde.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"900\" height=\"674\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/04\/Gamal-Soronkulow.jpg\" alt=\"Gamal Soronkulow\" class=\"wp-image-26506\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/04\/Gamal-Soronkulow.jpg 900w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/04\/Gamal-Soronkulow-300x225.jpg 300w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/04\/Gamal-Soronkulow-768x575.jpg 768w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/04\/Gamal-Soronkulow-800x600.jpg 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\"\/><figcaption>Gamal Soronkulow<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Das Talas-Flussgebiet ist die Heimat von etwa drei Millionen Menschen in Kirgistan und Kasachstan. Im Jahr 2000 unterzeichneten die L&#xE4;nder ein bilaterales Abkommen &#xFC;ber die Nutzung der Wasserversorgungswerke am Fluss Talas. Das Dokument verpflichtet Kasachstan, Kirgistan einen Teil der Kosten f&#xFC;r die Instandhaltung und die Reparatur von Kan&#xE4;len, D&#xE4;mmen und Stauseen zu erstatten, die Eigentum der Kirgisischen Republik sind, aber beide L&#xE4;nder mit Wasser versorgen. Das Abkommen legt nicht fest, welcher Teil des Flusses welchem Staat angeh&#xF6;rt. Somit bleibt das Prinzip der gleichm&#xE4;&#xDF;igen Aufteilung von Ressourcen erhalten, das bereits zur Zeit der Sowjetunion galt. Kasachstan beschwert sich jedoch regelm&#xE4;&#xDF;ig dar&#xFC;ber, dass es nicht die vereinbarte Menge an Wasser erh&#xE4;lt. Allerdings leidet Kirgistan selbst unter einer Wasserknappheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Tschu-Talas-Wasserkommission ist dabei ein einzigartiges Beispiel f&#xFC;r die Zusammenarbeit im Bereich der Wassernutzung: Es werden gemeinsam Wasserbauwerke betrieben, gemeinsame L&#xF6;sungen f&#xFC;r Probleme in der Wasseraufteilung gesucht und auch die Finanzierung erfolgt auf kooperativem Wege. Dabei richtet sich die Kostenbeteiligung proportional nach der Wassermenge, die das jeweilige Land erh&#xE4;lt. Gleichzeitig ist es ein au&#xDF;ergew&#xF6;hnliches Beispiel f&#xFC;r die internationale Zusammenarbeit in der Anpassung an den Klimawandel in grenz&#xFC;berschreitenden Flusseinzugsgebieten.<\/p>\n\n\n\n<p>Nichtdestotrotz ist die Wasserknappheit in Angesicht des sich beschleunigenden Klimawandels und des Einflusses des Menschen ein ernstzunehmendes Problem f&#xFC;r die Beziehung der Nachbarstaaten. Die Spannungen k&#xF6;nnten proportional zu einem sinkenden Flusspegel steigen. Werden die L&#xE4;nder rechtzeitig etwas ver&#xE4;ndern k&#xF6;nnen?<\/p>\n\n\n\n<p><em>Weitere Fotos im Originalartikel auf&#xA0;<\/em><a href=\"https:\/\/vlast.kz\/story\/43528-talas-i-ego-ludi.html\"><em>Vlast<\/em><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><strong>Wlad Uschakow und Irina Bajramykowa<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><strong>Aus dem Russischen von Jana Rapp<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Das Projekt &#x201E;&#x201C;Developing Journalism &#x2013; Exposing Climate Change&#x201D;&#x201C; zielt auf die Identifizierung und L&#xF6;sung von Problemen des fortschreitenden Klimawandel durch die Entwicklung und St&#xE4;rkung unabh&#xE4;ngiger Medien in Zentralasien. ExpertInnen des <\/em><\/strong><a href=\"https:\/\/medialaw.kg\/\"><strong><em>Zentrums f&#xFC;r Medien-Entwicklung<\/em><\/strong><\/a><strong><em> (Kirgistan) sowie der Redaktionen von <\/em><\/strong><a href=\"https:\/\/anhor.uz\/\"><strong><em>Anhor.uz<\/em><\/strong><\/a><strong><em> (Usbekistan), <\/em><\/strong><a href=\"https:\/\/asiaplustj.info\/\"><strong><em>Asia-Plus<\/em><\/strong><\/a><strong><em> (Tadschikistan) und <\/em><\/strong><a href=\"https:\/\/vlast.kz\/\"><strong><em>Vlast<\/em><\/strong><\/a><strong><em> (Kasachstan) leisten Unterst&#xFC;tzung als MentorInnen. Das Projekt wurde von <\/em><\/strong><a href=\"https:\/\/www.n-ost.org\/\"><strong><em>n-ost<\/em><\/strong><\/a><strong><em> (Deutschland) und dem Internationalen Zentrum f&#xFC;r Journalismus <\/em><\/strong><a href=\"https:\/\/medianet.kz\/about-us\/?lang=en\"><strong><em>MediaNet<\/em><\/strong><\/a><strong><em> (Kasachstan) mit Unterst&#xFC;tzung des Bundesministeriums f&#xFC;r wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) umgesetzt.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kan&#xE4;len, schaut mal vorbei bei <\/span><a href=\"https:\/\/twitter.com\/novastan_de\"><span style=\"font-weight: 400;\">Twitter<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">, <\/span><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Novastan.org\/\"><span style=\"font-weight: 400;\">Facebook<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">, <\/span><a href=\"https:\/\/telegram.me\/novastan\"><span style=\"font-weight: 400;\">Telegram<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">, <\/span><a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/company\/novastan\/\"><span style=\"font-weight: 400;\">Linkedin<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> oder <\/span><a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/novastanorg\/\"><span style=\"font-weight: 400;\">Instagram<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">. F&#xFC;r Zentralasien direkt in eurer Mailbox k&#xF6;nnt ihr euch auch zu unserem <\/span><a href=\"http:\/\/eepurl.com\/O0Qub\"><span style=\"font-weight: 400;\">w&#xF6;chentlichen Newsletter anmelden<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">. <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>FLUSSGESCHICHTEN. Drei Millionen Menschen in Kirgistan und Kasachstan sind von einem Fluss abh&#xE4;ngig, dessen Wasserstand immer weiter zur&#xFC;ckgeht. Die JournalistInnen Wlad Uschakow und Irina Bajramykowa sprechen mit einigen dieser Menschen dar&#xFC;ber, was die Wasserknappheit f&#xFC;r sie bedeutet. Es sind Geschichten von Dankbarkeit, Liebe, Erinnerungen, Ver&#xE4;nderungen und Angst. Die folgende Reportage erschien am 26. Januar 2021 [&#x2026;]<\/p>\n","protected":false},"author":830,"featured_media":26508,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[4,3,4358],"tags":[4193,1880,4235,2820],"coauthors":[3917],"class_list":["post-26494","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kasachstan","category-kirgistan","category-umwelt-und-technologie","tag-flussgeschichten","tag-menschen","tag-talas","tag-wassermangel"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26494","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/830"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=26494"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26494\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/26508"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=26494"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=26494"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=26494"},{"taxonomy":"author","embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/coauthors?post=26494"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}