{"id":26303,"date":"2021-04-16T12:30:37","date_gmt":"2021-04-16T10:30:37","guid":{"rendered":"https:\/\/novastan.org\/de\/?p=26303"},"modified":"2021-08-11T20:32:19","modified_gmt":"2021-08-11T18:32:19","slug":"religioese-koexistenz-im-10-jahrhundert-in-zentralasien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/novastan.org\/de\/kasachstan\/religioese-koexistenz-im-10-jahrhundert-in-zentralasien\/","title":{"rendered":"Religi\u00f6se Koexistenz im 10. Jahrhundert in Zentralasien"},"content":{"rendered":"<p><strong>Um das 10. Jahrhundert herum wurden die entscheidenden Weichen daf&#xFC;r gestellt, dass der Islam in Zentralasien zu der Mehrheitsreligion wurde, die er heute ist. Frantz Grenet, ein franz&#xF6;sischer Historiker und Spezialist auf diesem Gebiet, hat auf einer Konferenz das Zusammenspiel der Religionen detailliert beschrieben.<\/strong><\/p>&#13;\n&#13;\n&#13;\n&#13;\n<p>Zentralasien ist heutzutage &#xFC;berwiegend muslimisch. Doch im 10. Jahrhundert gab es hier eine bedeutsame Koexistenz verschiedener Religionen. Zu diesem Thema hat am 2. M&#xE4;rz eine Konferenz stattgefunden. Sie wurde von dem franz&#xF6;sischen Historiker Frantz Grenet in Kooperation mit dem <a href=\"https:\/\/ceus.indiana.edu\/\">Zentrum f&#xFC;r zentralasiatische Studien der Universit&#xE4;t von Indiana<\/a> organisiert und f&#xFC;r alle Interessierten frei zug&#xE4;nglich online abgehalten.<\/p>&#13;\n&#13;\n&#13;\n<p style=\"background-color: #d4d4d4;\"><span style=\"color: #000000;\">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin &#xFC;ber Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/novastan-ev\/werde-unser-mitglied-werde-novastan\/\"><strong>Dank eurer Teilnahme<\/strong><\/a>. Wir sind <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/novastan-ev\/unser-projekt\/\">unabh&#xE4;ngig<\/a> und wollen es bleiben, daf&#xFC;r brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/novastan-ev\/spenden\/\">Spende<\/a><\/strong> helft ihr uns, weiter ein realit&#xE4;tsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.<\/span><\/p>\n&#13;\n&#13;\n&#13;\n<p>Bei angenehmer Atmosph&#xE4;re, nur gelegentlich von den Unw&#xE4;gbarkeiten der digitalen Kommunikation unterbrochen, stellte Grenet das 10. Jahrhundert aus religionsgeschichtlicher Perspektive dar. In Zentralasien, wo schon Juden, Christen, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Manich%C3%A4ismus\">Manich&#xE4;er<\/a> und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Zoroastrismus\">Zoroastrier<\/a> lebten, konnte sich der Islam in diesem Jahrhundert ausbreiten. Ausgehend von seinen eigenen Forschungen und den seiner Kollegen half der Historiker den Teilnehmern ein komplexes und wenig bekanntes Thema zu verstehen.<\/p>&#13;\n&#13;\n&#13;\n&#13;\n<p><strong>Koexistenz der Religionen<\/strong><\/p>&#13;\n&#13;\n&#13;\n&#13;\n<p>Um die historische Situation des 10. Jahrhunderts zu erkl&#xE4;ren, setzte Frantz Grenet in seiner Darstellung schon einige Jahrhunderte fr&#xFC;her an. Als der Islam im 8. Jahrhundert in die Region kam, war gem&#xE4;&#xDF; dem Forscher schon &#x201E;<em>eine &#xFC;berraschende Vitalit&#xE4;t<\/em>&#x201C; anderer Religionen zu beobachten. Im 5. Jahrhundert v. Chr. breitete sich das Judentum in der Region aus. Seine Ausbreitung steht mit dem <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ach%C3%A4menidenreich\">Ach&#xE4;minidenreich<\/a> (559-330 v. Chr.) in Verbindung. Dieses reichte vom heutigen Libyen bis nach Pakistan. <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Babylonien\">Babylonien<\/a>, eine Region im heutigen Irak, beheimatete damals eine gro&#xDF;e j&#xFC;dische Gemeinde, die sich &#xFC;ber ganz Zentralasien, vor allem nach <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Samarqand\">Samarkand<\/a> ausbreitete. Wie Dokumente aus dem 11. Jahrhundert belegen, waren Juden in den Staatsapparat Afghanistans eingebunden und im Herrschaftsgebiet der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Chasaren\">Chasaren<\/a> im heutigen Kasachstan wurde das Judentum von der t&#xFC;rkischen Aristokratie sogar zur Staatsreligion erhoben.<\/p>&#13;\n&#13;\n&#13;\n&#13;\n<p><strong>Lest auch auf Novastan:<\/strong> <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/uigurische-region\/wie-china-die-sogdische-kunst-wiederentdeckt\/\"><strong>Wie China die sogdische Kunst wiederentdeckt<\/strong><\/a><\/p>&#13;\n&#13;\n&#13;\n&#13;\n<p>Auch der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Manich%C3%A4ismus\">Manich&#xE4;ismus<\/a> spielte in Zentralasien eine wichtige Rolle. Er gelangte im 3. Jahrhundert mit der Ankunft der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sassanidenreich\">Sassaniden<\/a> (224-651) in die Region wie die Kl&#xF6;ster in <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Baktrien#Das_%E2%80%9EGold_von_Baktrien%E2%80%9C\">Baktrien<\/a> und Samarkand bezeugen. Samarkand war ein religi&#xF6;ser Knotenpunkt von herausragender Bedeutung f&#xFC;r die Religionsgeschichte Zentralasiens. Von hier aus aus kam der Manich&#xE4;ismus nach <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Xinjiang\">Xinjiang<\/a> und schuf so eine Achse zwischen Samarkand und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Turpan\">Turpan<\/a>. In der N&#xE4;he dieser Stadt fand man illustrierte manich&#xE4;ische Manuskripte, die sich heute in Berlin befinden. Der Manich&#xE4;ismus ist eine synkretistische Religion, die islamische, christliche und buddhistische Elemente in sich vereint. Sowohl seine Entstehung als auch seine Ausbreitung sind eng mit der Entwicklung dieser drei Religionen verkn&#xFC;pft.<\/p>&#13;\n&#13;\n&#13;\n&#13;\n<p><strong>Lest auch auf Novastan:<\/strong> <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/kirgistan\/zentralasien-historisches-herz-der-muslimischen-welt\/\"><strong>Zentralasien &#x2013; historisches Herz der muslimischen Welt<\/strong><\/a><\/p>&#13;\n&#13;\n&#13;\n&#13;\n<p>Ungef&#xE4;hr zur gleichen Zeit wie der Manich&#xE4;ismus kam das Christentum nach Zentralasien. 30 Kilometer entfernt von Samarkand, in der Stadt <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Urgut\">Urgut<\/a>, finden sich &#xDC;berreste einer Kirche aus dem 8. Jahrhundert. Von hier aus breitete sich das Christentum &#xFC;ber China bis in die Mongolei aus. Schlie&#xDF;lich gelangte mit den Sassaniden auch der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Zoroastrismus\">Zoroastrismus<\/a> nach Zentralasien. Zahlreichen Quellen zufolge f&#xFC;hrten die Mitglieder dieser Religionsgemeinschaft ein zur&#xFC;ckgezogenes Leben und entwickelten neue landwirtschaftliche Bew&#xE4;sserungstechniken.<\/p>&#13;\n&#13;\n&#13;\n&#13;\n<p><strong>Die Ausbreitung des Islams<\/strong><\/p>&#13;\n&#13;\n&#13;\n&#13;\n<p>Zwar gelangte der Islam schon zuvor &#xFC;ber Handelsrouten nach Zentralasien, aber erst mit dem 8. Jahrhundert begann er sich hier nennenswert im Zuge der arabischen Expansion in die heutigen Usbekistan und Kasachstan auszubreiten. Allm&#xE4;hlich wurde der Islam zur dominierenden Religion, respektierte dabei aber auch die anderen, bereits bestehenden Religionen. Samarkand spielte als bedeutendes Zentrum der Papierproduktion auch bei der Ausbreitung des Islam eine entscheidende Rolle. Im Jahr 1000 hatte sich der Islam in Zentralasien konsolidiert und von dort weiter nach Indien und in das heutige Pakistan verbreitet.<\/p>&#13;\n&#13;\n&#13;\n<p style=\"background-color: #d4d4d4;\"><span style=\"color: #000000;\">Lust auf Zentralasien in eurer Mailbox? Abonniert unseren kostenlosen w&#xF6;chentlichen Newsletter <strong><span style=\"text-decoration: underline;\"><a href=\"https:\/\/2ff41361.sibforms.com\/serve\/MUIFAD3kOVgHRZMEzVL0tQuvV__Lm5slYuTqY-DEgdyDpH9WazOpCwYD2CLbIZdPKxyD_Mnaw2SKMY78StG6vCfPNIE1HcIumNXgnjsKyqsb8MuZ5Ng1jN3cNsBhf4SSp2VDJAgy_38b6jiUL7aU6Y-RaIAVhUpNqW1tNwmWOB-8YcNp9LBWEk57rUlkszlx_tQ8qxYED63Sz6UU\">mit einem Klick.<\/a><\/span><\/strong><\/span><\/p>\n&#13;\n&#13;\n&#13;\n<p>Michel Tardieu, ein Kollege von Frantz Grenet, wies darauf hin, dass sich diese Epoche durch eine ganz neue Art und Weise des religi&#xF6;sen Zusammenlebens auszeichnete. Grenet unterstrich dabei aber auch, dass die Arch&#xE4;ologie nicht mehr als eine Ahnung von diesem Zusammenleben vermitteln k&#xF6;nne. Herauszufinden, wie es damals wirklich und im Einzelnen gewesen sei, sei sehr kompliziert.<\/p>&#13;\n&#13;\n&#13;\n&#13;\n<p class=\"has-text-align-right\"><strong>Mathis Puyo, Redakteur f&#xFC;r Novastan<\/strong><\/p>&#13;\n&#13;\n&#13;\n&#13;\n<p class=\"has-text-align-right\"><strong>Aus dem <a href=\"https:\/\/novastan.org\/fr\/societe-et-culture\/la-coexistence-religieuse-au-xeme-siecle-en-asie-centrale-un-foisonnement\/\">Franz&#xF6;sischen<\/a> von Lucas K&#xFC;hne<\/strong><\/p>&#13;\n&#13;\n&#13;\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kan&#xE4;len, schaut mal vorbei bei <\/span><a href=\"https:\/\/twitter.com\/novastan_de\"><span style=\"font-weight: 400;\">Twitter<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">, <\/span><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Novastan.org\/\"><span style=\"font-weight: 400;\">Facebook<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">, <\/span><a href=\"https:\/\/telegram.me\/novastan\"><span style=\"font-weight: 400;\">Telegram<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">, <\/span><a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/company\/novastan\/\"><span style=\"font-weight: 400;\">Linkedin<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> oder <\/span><a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/novastanorg\/\"><span style=\"font-weight: 400;\">Instagram<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">. 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