{"id":26020,"date":"2021-03-25T20:58:03","date_gmt":"2021-03-25T19:58:03","guid":{"rendered":"https:\/\/novastan.org\/de\/?p=26020"},"modified":"2023-04-02T20:10:16","modified_gmt":"2023-04-02T18:10:16","slug":"die-schweiz-vs-gulnara-karimova-neue-entwicklungen-in-der-geldwaesche-affaere","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/novastan.org\/de\/usbekistan\/die-schweiz-vs-gulnara-karimova-neue-entwicklungen-in-der-geldwaesche-affaere\/","title":{"rendered":"Die Schweiz vs. Gulnara Karimova \u2013 neue Entwicklungen in der Geldw\u00e4sche-Aff\u00e4re"},"content":{"rendered":"<p><strong>Gulnara Karimova, die Tochter des ehemaligen usbekischen Pr&#xE4;sidenten Islom Karimov, ist seit 2013 in einen Korruptions- und Geldw&#xE4;scheskandal in der Schweiz verstrickt. Es geht um insgesamt mehr als 660 Millionen Euro und die Frage, wem das eingefrorene Verm&#xF6;gen rechtm&#xE4;&#xDF;ig geh&#xF6;rt: Karimova, die seit 2014 in ihrer Heimat inhaftiert ist, oder der usbekischen Bev&#xF6;lkerung, die die Gelder als Wiedergutmachung erhalten soll? Im Herbst 2020 kam es zu entscheidenden Entwicklungen im langj&#xE4;hrigen Prozess.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ein Korruptionsskandal in Millionenh&#xF6;he, Tarnfirmen auf der ganzen Welt, Geldw&#xE4;sche auf Schweizer Bankkonten und Hausdurchsuchungen in Genfer Hotels und Villen: Die Tochter des 2016 verstorbenen ersten Pr&#xE4;sidenten von Usbekistan <a href=\"https:\/\/www.novastan.org\/de\/usbekistan\/islam-karimow-vom-waisenkind-zum-vater-der-nation\/\">Islom Karimov<\/a> ist seit 2013 in einen Gerichtsprozess in der Schweiz verwickelt. Die Anklage? Korruption und Geldw&#xE4;sche im Zusammenhang mit dem Verkauf von Telekommunikationslizenzen f&#xFC;r den usbekischen Markt. Es geht um mehr als 660 Millionen Euro, die von der Schweizer Bundesanwaltschaft eingefroren wurden.<\/p>\n\n\n<p style=\"background-color: #d4d4d4;\"><span style=\"color: #000000;\">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin &#xFC;ber Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/novastan-ev\/werde-unser-mitglied-werde-novastan\/\"><strong>Dank eurer Teilnahme<\/strong><\/a>. Wir sind <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/novastan-ev\/unser-projekt\/\">unabh&#xE4;ngig<\/a> und wollen es bleiben, daf&#xFC;r brauchen wir euch! 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Verschiedene usbekische und internationale NGOs argumentieren jedoch, dass das Verm&#xF6;gen rechtm&#xE4;&#xDF;ig den EinwohnerInnen Usbekistans geh&#xF6;re und dr&#xE4;ngen auf eine schnelle R&#xFC;ckf&#xFC;hrung nach Usbekistan.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Herbst 2020 konnte Karimova in einem wichtigen Etappensieg erwirken, dass die bisherigen Gerichtsurteile im Prozess um die eingefrorenen Gelder noch einmal neu verhandelt werden m&#xFC;ssen. Das Schweizer Bundesstrafgericht muss nun &#xFC;berpr&#xFC;fen, ob die fr&#xFC;here Verurteilung von zwei engen Mitarbeitenden von Karimova rechtens ist. Deren Gest&#xE4;ndnisse sollen n&#xE4;mlich, so Karimovas Pflichtverteidiger Gr&#xE9;goire Mangeat, unter Druck von usbekischen Beh&#xF6;rden erfolgt sein und seien daher nicht rechtskr&#xE4;ftig.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lest auch bei Novastan: <\/strong><a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/usbekistan\/islam-karimow-vom-waisenkind-zum-vater-der-nation\/\"><strong>Islom Karimov &#x2013; Vom Waisenkind zum Vater der Nation<\/strong><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Nahezu zeitgleich hat die Schweiz ein Abkommen mit Usbekistan unterzeichnet, das den Transfer der veruntreuten Gelder nach Usbekistan regeln soll. Denn die Eidgenossenschaft setzt sich vehement f&#xFC;r die schnelle R&#xFC;ckgabe solcher <a href=\"https:\/\/www.eda.admin.ch\/dam\/eda\/de\/documents\/aussenpolitik\/voelkerrecht\/edas-broschuere-no-dirty-money_DE.pdf\">&#x201E;illegaler Potentatengelder&#x201C;<\/a> ein, um den Missbrauch des Schweizer Finanzplatzes zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch wie kam es &#xFC;berhaupt zum gr&#xF6;&#xDF;ten Geldw&#xE4;sche-Fall in der Geschichte der Schweiz?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Millionen in der Keksdose&#xA0;&#xA0;&#xA0;&#xA0;&#xA0;&#xA0;&#xA0;&#xA0;&#xA0;&#xA0;&#xA0;&#xA0;&#xA0;&#xA0;&#xA0;&#xA0;&#xA0;&#xA0;&#xA0;&#xA0;&#xA0;&#xA0;&#xA0;&#xA0;&#xA0;&#xA0;&#xA0;&#xA0;&#xA0;&#xA0;&#xA0;&#xA0;&#xA0;&#xA0;&#xA0;&#xA0;&#xA0;&#xA0;&#xA0;&#xA0;&#xA0;&#xA0;&#xA0;&#xA0;&#xA0;&#xA0;&#xA0;&#xA0;&#xA0;&#xA0;&#xA0;&#xA0;&#xA0;&#xA0;&#xA0;&#xA0;&#xA0;&#xA0;&#xA0;&#xA0;&#xA0;&#xA0;&#xA0;&#xA0;&#xA0;&#xA0;&#xA0;&#xA0;&#xA0;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im Juni 2012 spielte sich in der Genfer Filiale der Schweizer Bank Lombard Odier ein merkw&#xFC;rdiges Schauspiel ab, wie ein urspr&#xFC;nglich in der Schweizer Handelszeitung <a href=\"https:\/\/www.blick.ch\/wirtschaft\/die-schweizer-banker-der-prinzessin-id15495658.html\">ver&#xF6;ffentlichter Bericht<\/a> schildert. Eine Frau aus Usbekistan verlangt den Zugriff auf ein Konto einer Briefkastenfirma aus Gibraltar. Ihr Ansuchen bleibt erfolglos, da sie nicht auf der Liste der Zugriffsberechtigten steht. Hauptinhaber des Kontos ist Rustam Madumarov, ein usbekischer <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Dado_(band)\">Popstar<\/a> und Ex-Lebensgef&#xE4;hrte von Karimova.<\/p>\n\n\n\n<p>Nur drei Tage sp&#xE4;ter wiederholt sich die Szene, dieses Mal wollen Manager von Coca-Cola Usbekistan Zugriff auf das Konto haben. Die mittlerweile misstrauisch gewordenen Mitarbeitenden kontaktieren daraufhin die Schweizer Meldestelle f&#xFC;r Geldw&#xE4;scherei (<a href=\"https:\/\/www.fedpol.admin.ch\/fedpol\/en\/home\/kriminalitaet\/geldwaescherei.html\">MROS<\/a>). Es stellt sich heraus, dass nach Madumarov bereits international gefahndet wird, die Schweizer Bundesanwaltschaft sperrt seine Konten bei Lombard Odier und weiteren Schweizer Banken. Der Verdacht: Schwere Geldw&#xE4;sche.<\/p>\n\n\n\n<p>Etwa zur selben Zeit werden die bereits erw&#xE4;hnten usbekischen Coca-Cola Manager in einem Hotelzimmer in Genf von der Schweizer Polizei verhaftet und den usbekischen Beh&#xF6;rden &#xFC;berstellt. <a href=\"https:\/\/www.admin.ch\/gov\/de\/start\/dokumentation\/medienmitteilungen.msg-id-52278.html\">Von der Polizei sichergestellte Beweise<\/a> zeigen, dass nicht Madumarov, sondern in Wirklichkeit Karimova hinter der Geldw&#xE4;sche steckt.<\/p>\n\n\n<p style=\"background-color: #d4d4d4;\"><span style=\"color: #000000;\">Lust auf Zentralasien in eurer Mailbox? 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Ankn&#xFC;pfungspunkt f&#xFC;r die Untersuchung der BA sind damit zusammenh&#xE4;ngende Verm&#xF6;genswerte in der Schweiz<\/em>&#x201C;, hei&#xDF;t es in der <a href=\"https:\/\/www.admin.ch\/gov\/de\/start\/dokumentation\/medienmitteilungen.msg-id-52278.html\">Presseerkl&#xE4;rung<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Fall entwickelt sich zu einem der spektakul&#xE4;rsten Geldw&#xE4;sche-Skandale der Schweiz: &#xDC;ber 800 Schweizer Franken (660 Millionen Euro) werden eingefroren, die Bundesanwaltschaft konfisziert Wertgegenst&#xE4;nde und Immobilien aus dem n&#xE4;heren Umfeld Karimovas und in einem ihrer Bankschlie&#xDF;f&#xE4;cher findet die Polizei umgerechnet 2,8 Millionen Euro sowie Schmuck im Wert von 6,5 Millionen Euro &#x2013; gelagert in Keksdosen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Schweizer Bundesanw&#xE4;lte konnten daraufhin best&#xE4;tigen, dass die sichergestellten Gelder aus unrechtm&#xE4;&#xDF;igen Vertr&#xE4;gen zwischen Karimova und schwedischen sowie niederl&#xE4;ndischen Telekommunikationsfirmen stammen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Schmutzige Deals mit Telekommunikationslizenzen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im Zuge der rasanten Entwicklung von Mobilfunknetzen und der steigenden Nutzung von Smartphones ist es in L&#xE4;ndern wie Usbekistan eine g&#xE4;ngige Praxis <a href=\"http:\/\/www.itu.int\/ITU-D\/treg\/Documentation\/Infodev_handbook\/2_Licensing.pdf\">Telekommunkations-Lizenzen<\/a> an ausl&#xE4;ndische Investoren zu vergeben, um auf diese Weise die Kommunikationsinfrastruktur zu modernisieren. Normalerweise sollten diese Lizenzen durch ein transparentes Ausschreibungsverfahren von einer unabh&#xE4;ngigen Telekomaufsicht vergeben werden. Der usbekische Telekommunikationssektor befand sich jedoch <a href=\"http:\/\/statecrime.org\/data\/2017\/08\/Full-Report-with-Executive-Summary.pdf\">bereits seit 2003 fest in Karimovas Hand<\/a>, so ein <a href=\"http:\/\/statecrime.org\/data\/2017\/08\/Full-Report-with-Executive-Summary.pdf\">Bericht der International State Crime Initiative<\/a>. Sie hatte einen direkten Einfluss auf das Lizenzgesch&#xE4;ft und konnte eigenst&#xE4;ndig entscheiden, welche Unternehmen den Zuschlag f&#xFC;r die lukrativen Lizenzen erhielten. Wer ihr kein Bestechungsgeld bezahlte, ging leer aus oder verlor seine bereits erworbenen Lizenzen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lest auch bei Novastan: <\/strong><a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/kirgistan\/diktatoren-ohne-grenzen\/\"><strong>Diktatoren ohne Grenzen<\/strong><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Verschiedene Unternehmen, darunter die halbstaatliche schwedische Teliasonera und die niederl&#xE4;ndische VimpelCom, erwarben so wettbewerbslos und ohne gr&#xF6;&#xDF;eren finanziellen Aufwand usbekische Lizenzen. Sie zahlten Gelder an eine in Gibraltar gemeldete Briefkastenfirma namens Takilant Ltd, deren Eigent&#xFC;merin Gayane Avakyan eine enge Mitarbeiterin von Karimova war. Die damaligen f&#xFC;hrenden K&#xF6;pfe von Teliasonera sind bis heute straffrei geblieben, ein schwedisches Gericht hat das Urteil <a href=\"https:\/\/thediplomat.com\/2021\/02\/off-the-hook-acquittals-of-swedish-telecom-officials-linked-to-uzbek-bribery-scandal-upheld\/\">noch im Februar 2021 best&#xE4;tigt<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Um die von den Telekommunikationsunternehmen gezahlten Bestechungsgelder zu waschen, entwickelt Karimova ein ausgekl&#xFC;geltes System: Ihre usbekische Firma L&#x2019;Office koordinierte die Gr&#xFC;ndung eines ganzen Netzwerks von Subunternehmen, die ihren Sitz haupts&#xE4;chlich in der Schweiz hatten. Takilant Ltd. und die Schweizer Firmen verschoben untereinander Millionenbetr&#xE4;ge, als Vorwand f&#xFC;r die Transaktionen nannten sie Beratervertr&#xE4;ge. &#x201E;<em>Es ist wichtig, die Verm&#xF6;gen durch ein komplexes Firmennetz zu schleusen, mit Firmen, die nur zur Verschleierung dienen<\/em>&#x201C;, hei&#xDF;t es in <a href=\"https:\/\/www.blick.ch\/wirtschaft\/die-schweizer-banker-der-prinzessin-id15495658.html\">sichergestellten Strategiepapieren von L&#x2019;Office<\/a>. Nachdem die die Gelder mit dieser Methode gewaschen wurde, kauften die Subunternehmen Immobilien, Schmuck und Modeartikel. Alles mit dem Ziel, Karimovas Privatverm&#xF6;gen und ihren Einfluss zu steigern.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der Fall von der Macht<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Geschehnisse in der Schweiz hatten auch Auswirkungen auf Karimovas Stellung in ihrer Heimat. W&#xE4;hrend sie f&#xFC;r lange Zeit als potentielle Nachfolgerin ihres Vaters f&#xFC;r das Pr&#xE4;sidentenamt gehandelt wurde, geriet sie nun unter Beschuss durch rivalisierende Interessengruppen und <a href=\"http:\/\/statecrime.org\/data\/2017\/08\/Full-Report-with-Executive-Summary.pdf\">wurde zunehmend politisch isoliert<\/a>. Nachdem sich dann auch ihr eigener Vater von ihr distanzierte, nutzten ihre Rivalen, darunter der damalige Chef der des usbekischen Nationalen Sicherheitsdiensts (SNB), <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Rustam_Inoyatov\">Rustam Inoyatov<\/a>, der aktuelle Pr&#xE4;sident Shavkat Mirziyoyev (damals Premierminister), und der damalige Finanzminister Rustam Azimov, diese Gelegenheit, um Karimova zu entmachten: Im <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/nzzas\/nzz-am-sonntag\/usbekische-praesidententochter-die-prinzessin-lebt-ld.139851\">Februar 2014 wurde sie vom SNB unter Hausarrest gestellt<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Kristian Lasslet, Co-Direktor der Initiative <a href=\"https:\/\/uzinvestigations.org\/about\/\">UzInvestigations<\/a> <a href=\"http:\/\/statecrime.org\/data\/2017\/08\/Full-Report-with-Executive-Summary.pdf\">begr&#xFC;ndet Karimovas Fall folgenderma&#xDF;en<\/a>: &#x201E;<em>Schlussendlich &#xFC;bersch&#xE4;tzte sich Karimova, als sie damit begann, wirtschaftliche und politische Macht zu ergreifen, ohne in der Lage zu sein ihre Position langfristig gegen&#xFC;ber ihren Rivalen abzusichern.<\/em>&#x201C; Avakyan, Madumarov sowie weitere Mitarbeitende Karimovas wurden anschlie&#xDF;end ebenfalls festgenommen und zu mehrj&#xE4;hrigen Gef&#xE4;ngnisstrafen verurteilt.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch Karimova selbst wird etwa ein Jahr nach ihrer Festnahme, im August 2015, zu f&#xFC;nf Jahren Haft verurteilt. Wie ihre Tochter Iman Karimova gegen&#xFC;ber dem <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/world\/2019\/mar\/12\/gulnara-karimova-new-details-emerge-in-story-of-uzbekistans-first-daughter\">Guardian<\/a> erkl&#xE4;rte, habe der Gerichtsprozess in der K&#xFC;che des Hauses stattgefunden, in dem sie sich seit ihrer Festnahme befand. Details zu Karimovas Verurteilung kamen jedoch erst im Dezember 2016 ans Licht, als sie aufgrund des noch laufenden Geldw&#xE4;scherei-Prozesses von Staatsanw&#xE4;lten aus der Schweiz vernommen wurde. Dies war das erste Mal seit ihrer Festnahme im Jahr 2014, dass <a href=\"https:\/\/www.wsj.com\/articles\/uzbekistans-gulnara-karimova-questioned-by-swiss-prosecutors-over-money-laundering-allegations-1484478684\">unabh&#xE4;ngige Quellen &#xFC;ber Karimovas Verbleib berichten konnten<\/a>. Als sie nicht einmal bei der Beerdigung ihres im August 2016 <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/usbekistan\/usbekistans-prsident-islam-karimow-ist-tot\/\">verstorbenen Vaters<\/a> anwesend war, wurde zwischenzeitlich sogar dar&#xFC;ber spekuliert, ob sie &#xFC;berhaupt noch am Leben sei.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch in den Jahren darauf gab es kaum ein Lebenszeichen von der Pr&#xE4;sidententochter: Im Dezember 2017 wurde sie <a href=\"https:\/\/thediplomat.com\/2020\/03\/another-13-years-on-corruption-charges-for-gulnara-karimova\/\">laut dem Online-Nachrichtenmagazin The Diplomat<\/a> zu einer weiteren zehnj&#xE4;hrigen Haftstrafe verurteilt, die nur kurze Zeit sp&#xE4;ter in einen f&#xFC;nfj&#xE4;hrigen Hausarrest umgewandelt wurde. Im April 2018 konnte sich sie erstmals seit &#xFC;ber einem Jahr mit ihrem Schweizer Pflichtverteidiger Mangeat treffen, <a href=\"https:\/\/www.rferl.org\/a\/uzbekistan-gulnara-karimova-defense-lawyer-concessions-corruption-mirziyoev\/29316295.html\">berichtete RFE<\/a>. In einem zitierten Interview mit der Neuen Z&#xFC;rcher Zeitung betonte er, dass seine Klientin bereit sei, &#x201E;Zugest&#xE4;ndnisse einzugehen&#x201C;, um zu einer &#x201E;vern&#xFC;nftigen L&#xF6;sung&#x201C; zu kommen. Bevor es dazu kommen konnte, wurde Karimovas Hausarrest <a href=\"https:\/\/www.rferl.org\/a\/uzbekistan-gulnara-karimova-prison\/29805872.html\">im M&#xE4;rz 2019 jedoch vorzeitig beendet<\/a> und sie wurde erneut ins Gef&#xE4;ngnis &#xFC;berstellt. Als Grund wurde angef&#xFC;hrt, sie h&#xE4;tte das Haus ihrer Tochter, in dem sie sich seit 2018 aufhielt, unerlaubterweise verlassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Laut einer weiteren <a href=\"https:\/\/www.rferl.org\/a\/jailed-gulnara-karimova-offers-686-million-frozen-in-swiss-bank-for-freedom\/30455680.html\">Meldung von RFE<\/a> wandte sich Karimova im Februar 2020 &#xFC;ber Instagram an den aktuellen usbekischen Pr&#xE4;sidenten Mirziyoyev, und versprach ihm die in der Schweiz eingefrorenen Gelder als Austausch f&#xFC;r eine umgehende Freilassung, was jedoch ohne Folgen blieb. Nur einen Monat sp&#xE4;ter, im M&#xE4;rz 2020, wurde Karimova in einem dritten Prozess zu weiteren 13 Jahren Haft verurteilt. Der Grund hierf&#xFC;r sei <a href=\"https:\/\/thediplomat.com\/2020\/03\/another-13-years-on-corruption-charges-for-gulnara-karimova\/\">The Diplomat zufolge<\/a> unter anderem Erpressung und Geldw&#xE4;sche.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>W&#xE4;hrenddessen in der Schweiz<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Schweizer Bundesanwaltschaft war zwischenzeitlich ebenfalls nicht unt&#xE4;tig: Im Mai 2018 sprach sie zun&#xE4;chst zwei Urteile gegen Madumarov und Avakyan aus. Beide sa&#xDF;en zu dieser Zeit ihre Haftstrafen in Usbekistan ab und hatten Gest&#xE4;ndnisse abgelegt. Das in der Schweiz eingefrorene Verm&#xF6;gen sollte nun m&#xF6;glichst schnell an Usbekistan zur&#xFC;ckerstattet werden. Mangeat kritisierte diese Schritte jedoch, denn <em>&#x201E;&#x201C;[d]ie Strafbefehle sind eine schwere Verletzung des Rechts auf einen fairen Prozess und des Rechts von Gulnara Karimova auf Gleichbehandlung<\/em>&#x201C;, so der Anwalt in einem <a href=\"https:\/\/nzzas.nzz.ch\/wirtschaft\/geldwaesche-millionen-fuer-usbekistan-karimowa-ld.1395429\">Interview mit der NZZ am Sonntag im Juni 2018<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Au&#xDF;erdem seien die Gest&#xE4;ndnisse auf Druck der usbekischen Beh&#xF6;rden erfolgt und daher nicht rechtskr&#xE4;ftig. Mangeat verweist auf einen Report von Amnesty International, wonach die usbekischen Beh&#xF6;rden regelm&#xE4;&#xDF;ig <a href=\"https:\/\/www.amnesty.org\/download\/Documents\/EUR6211192015GERMAN.PDF\">Folter einsetzen, um Gest&#xE4;ndnisse zu erhalten<\/a>. &#x201E;An der Freiwilligkeit der Gest&#xE4;ndnisse bestehen gro&#xDF;e Zweifel&#x201C;, gibt er im <a href=\"https:\/\/nzzas.nzz.ch\/wirtschaft\/geldwaesche-millionen-fuer-usbekistan-karimowa-ld.1395429\">selben Interview mit der NZZ<\/a> zu bedenken.<\/p>\n\n\n\n<p>Nur einen Monat sp&#xE4;ter, im Juni 2018, fordert die am Verfahren beteiligte Takilant Ltd., dass die Urteile noch einmal neu &#xFC;berpr&#xFC;ft und entschieden werden sollen. Im April 2019 kommt es dann zum <a href=\"https:\/\/www.luzernerzeitung.ch\/wirtschaft\/rueckschlag-fuer-bundesanwaltschaft-im-fall-karimowa-ld.1109309\">ersten R&#xFC;ckschlag f&#xFC;r die Schweizer Justiz<\/a>: Der Verfahrensleiter der Bundesanwaltschaft Patrick Lamon wird f&#xFC;r befangen erkl&#xE4;rt, da er sich im September 2018 mit der usbekischen Staatsanwaltschaft traf, und wird vom Fall Karimova abgezogen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Oktober 2020 folgt ein <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/schweiz\/schweiz-zahlt-korruptionsgelder-an-usbekistan-zurueck-genf-und-zuerich-verzichten-auf-ihre-ansprueche-ld.1585306\">weiterer R&#xFC;ckschlag<\/a>: Die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts in Bellinzona gibt einem Rekurs statt, wonach nicht Mangeat, sondern Karimova selbst berechtigt sei Takilant Ltd. vor Gericht zu vertreten. Laut Bundesstrafgericht bedeute dies, dass dem Einspruch der Takilant Ltd. aus dem Jahr 2018 stattgegeben werden muss. Die Urteilsspr&#xFC;che gegen Avakyan und Madumarov m&#xFC;ssen nun noch einmal neu &#xFC;berpr&#xFC;ft werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Parallel dazu ver&#xF6;ffentlichen die Schweiz und Usbekistan im Herbst 2020 <a href=\"https:\/\/www.eda.admin.ch\/eda\/de\/home\/das-eda\/aktuell\/news.html\/content\/eda\/de\/meta\/news\/2020\/9\/11\/80393\">eine bilaterale Absichtserkl&#xE4;rung im Zusammenhang mit den eingefrorenen Geldern<\/a>. Im Text hei&#xDF;t es, dass das Verm&#xF6;gen komplett an Usbekistan zur&#xFC;ckerstattet werden solle, da es auf illegale Weise in die Schweiz gelangt ist und allen UsbekInnen zustehe. Noch ausstehend sind jedoch die Modalit&#xE4;ten der R&#xFC;ckf&#xFC;hrung: Wie kann sichergestellt werden, dass die Gelder auch der Bev&#xF6;lkerung zugutekommen? Laut Absichtserkl&#xE4;rung gelte es, Transparenz, Rechenschaft und &#xDC;berwachung des R&#xFC;ckerstattungsprozesses zu garantieren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>F&#xFC;r das Wohl der usbekischen Bev&#xF6;lkerung?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bereits im Jahr 2017 argumentierte Kristian Lasslet in <a href=\"http:\/\/statecrime.org\/data\/2017\/08\/Full-Report-with-Executive-Summary.pdf\">seinem Bericht<\/a>, dass das Verm&#xF6;gen von Karimova rechtm&#xE4;&#xDF;ig der Bev&#xF6;lkerung Usbekistans geh&#xF6;re. Eine R&#xFC;ckf&#xFC;hrung sei jedoch einzig durch die Gr&#xFC;ndung einer unabh&#xE4;ngigen Stiftung gew&#xE4;hrleistet, welche die Gelder in einem demokratisch gesteuerten Prozess verwaltet. Aufgrund der noch immer vorherrschenden Korruption in Gesellschaft und Politik Usbekistans seien dortige Institutionen derzeit noch nicht in der Lage, diese Aufgabe zu bew&#xE4;ltigen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lest auch bei Novastan: <\/strong><a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/usbekistan\/human-rights-watch-kritisiert-annaeherung-zwischen-der-eu-und-usbekistan\/\"><strong>Human Rights Watch kritisiert Ann&#xE4;herung zwischen der EU und Usbekistan<\/strong><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Diese Ansicht teilt auch das Uzbek Asset Return Network (UARN), eine Koalition verschiedener usbekischer und internationaler NGOs. In einer <a href=\"https:\/\/www.uzbekforum.org\/call-for-transparency-and-accountability-in-the-return-of-gulnara-karimova-stolen-assets-to-uzbekistan\/\">Absichtserkl&#xE4;rung vom M&#xE4;rz 2020<\/a> forderte das UARN die Schweizerische Eidgenossenschaft auf in ihren Verhandlungen mit Usbekistan im Zuge des R&#xFC;ckerstattungsprozesses absolute Transparenz und Rechenschaft einzuhalten und warnte, dass die Gelder nicht an Karimova zur&#xFC;ckgehen d&#xFC;rfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die bilaterale Erkl&#xE4;rung zwischen der Schweiz und Usbekistan im Herbst 2020 wurde daher von VertreterInnen des UARN genauestens analysiert. Sie betonten, dass die Schweiz nicht auf fr&#xFC;here vermeintliche Erfolge ankn&#xFC;pfen d&#xFC;rfe. Konkret erw&#xE4;hnten sie ein &#xDC;bereinkommen zwischen Kasachstan und der Schweiz aus dem Jahr 2012, das von Schweizer PolitikerInnen gerne als <a href=\"https:\/\/www.eda.admin.ch\/dam\/eda\/en\/documents\/aussenpolitik\/voelkerrecht\/edas-broschuere-no-dirty-money_EN.pdf\">positives Beispiel einer R&#xFC;ckf&#xFC;hrung von veruntreuten Geldern hervorgehoben wird<\/a>. Das UARN sieht dieses Abkommen als gescheitert an, denn es hatte sich herausgestellt, dass die NGOs, welche mit der Betreuung der Gelder beauftragt wurden, der regierenden <em>Nur Otan<\/em> Partei nahestanden.<\/p>\n\n\n\n<p>Um dies zu verhindern, m&#xFC;sse im Fall von Usbekistan ein unparteiisches Aufsichtsorgan beauftragt werden, um die r&#xFC;ckgef&#xFC;hrten Gelder zu verwalten. Unabh&#xE4;ngige NGOs und Pressemedien seien gefragt, dieses Aufsichtsorgan streng zu beobachten und stetige Transparenz zu verlangen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ob die usbekische Bev&#xF6;lkerung am Ende tats&#xE4;chlich die Millionen aus der Keksdose erh&#xE4;lt oder ob sich die Ereignisse in Kasachstan wiederholen, wird sich zeigen. Karimova selbst hat ebenfalls noch nicht aufgegeben und wird ihr Verm&#xF6;gen weiterhin gerichtlich zur&#xFC;ckfordern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><strong>Maximilian Rau<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><strong>Journalist f&#xFC;r Novastan.org<\/strong><\/p>\n\n\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kan&#xE4;len, schaut mal vorbei bei <\/span><a href=\"https:\/\/twitter.com\/novastan_de\"><span style=\"font-weight: 400;\">Twitter<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">, <\/span><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Novastan.org\/\"><span style=\"font-weight: 400;\">Facebook<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">, <\/span><a href=\"https:\/\/telegram.me\/novastan\"><span style=\"font-weight: 400;\">Telegram<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">, <\/span><a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/company\/novastan\/\"><span style=\"font-weight: 400;\">Linkedin<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> oder <\/span><a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/novastanorg\/\"><span style=\"font-weight: 400;\">Instagram<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">. 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