{"id":25582,"date":"2021-02-28T11:54:52","date_gmt":"2021-02-28T10:54:52","guid":{"rendered":"https:\/\/novastan.org\/de\/?p=25582"},"modified":"2021-08-21T11:46:36","modified_gmt":"2021-08-21T09:46:36","slug":"weniger-zwangsarbeit-bei-baumwollernte-in-usbekistan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/novastan.org\/de\/usbekistan\/weniger-zwangsarbeit-bei-baumwollernte-in-usbekistan\/","title":{"rendered":"Weniger Zwangsarbeit bei Baumwollernte in Usbekistan"},"content":{"rendered":"<p><strong>Zwangsarbeit gibt es in Usbekistan immer noch, aber sie ist wenigstens nicht mehr systematisch organisiert, gab die Internationale Arbeiterorganisation (ILO) bekannt. Das ist gut, aber nicht ausreichend, meint Cotton Campaign.<\/strong> <strong>Novastan &#xFC;bersetzt den Artikel, der am 5. Februar 2021 auf <a href=\"https:\/\/www.spot.uz\/ru\/2021\/02\/05\/cotton\/?utm_source=push&amp;utm_medium=telegram\">Spot<\/a> ver&#xF6;ffentlicht wurde<\/strong>, <strong>mit freundlicher Genehmigung der Redaktion<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>In ihrem <a href=\"https:\/\/www.ilo.org\/global\/about-the-ilo\/newsroom\/news\/WCMS_735883\/lang--en\/index.htm\">Bericht<\/a> gibt die <a href=\"https:\/\/www.ilo.org\/global\/lang--en\/index.htm\">ILO <\/a>bekannt, dass die systematische Einsetzung von Kinder- und Zwangsarbeit in der Baumwollindustrie in Usbekistan ein Ende hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Bericht, der f&#xFC;r die Weltbank angefertigt wurde, zeigt, dass 2020 jeder achte Mensch im arbeitsf&#xE4;higen Alter an der Baumwollernte beteiligt war. Davon waren mehr als die H&#xE4;lfte (65%) Frauen aus l&#xE4;ndlichen Gegenden.<\/p>\n\n\n\n<p>&#x201E;<em>Als ich ein Kind war haben wir leider oft den Unterricht verpasst, weil wir bei der Baumwollernte waren<\/em>&#x201C;, sagt Dilshoda Shodmonova aus Chirchiq. &#x201E;<em>Dank der Reformen kann meine Tochter heute ohne Unterbrechung in die Schule gehen und Bildung erhalten. Das treibt mich an, mich weiter f&#xFC;r das Arbeitsrecht einzusetzen<\/em>.&#x201C;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lest auch auf Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/usbekistan\/usbekistan-veroeffentlicht-erstmals-eigenstaendigen-esg-bericht\/\">Usbekistan ver&#xF6;ffentlicht erstmals eigenst&#xE4;ndigen ESG-Bericht<\/a><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nach Angaben der ILO hat Usbekistan ma&#xDF;geblichen Erfolg bei der Einhaltung grundlegender Arbeitsrechte auf den Baumwollfeldern erzielt. Mehr als 99% der ArbeiterInnen bei der Baumwollernte 2020 arbeiteten freiwillig. Die systematische Verpflichtung von Studierenden, Lehrkr&#xE4;ften, &#xC4;rztInnen sowie Krankenschwestern wurde vollst&#xE4;ndig eingestellt.<\/p>\n\n\n<p style=\"background-color: #d4d4d4;\"><span style=\"color: #000000;\">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin &#xFC;ber Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/novastan-ev\/werde-unser-mitglied-werde-novastan\/\"><strong>Dank eurer Teilnahme<\/strong><\/a>. Wir sind <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/novastan-ev\/unser-projekt\/\">unabh&#xE4;ngig<\/a> und wollen es bleiben, daf&#xFC;r brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/novastan-ev\/spenden\/\">Spende<\/a><\/strong> helft ihr uns, weiter ein realit&#xE4;tsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p>Der Anteil der verpflichteten ErntehelferInnen verringerte sich um 33% im Vergleich zu 2019. Allerdings kommt es doch immer wieder vor, dass Menschen durch Drohungen zur Baumwollernte gezwungen werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>H&#xF6;herer Arbeitslohn<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im vergangenen Jahr war die grundlegende Mitovation der ErntehelferInnen die M&#xF6;glichkeit, Geld zu verdienen. Im Durchschnitt arbeitete eine Person 21 Tage und verdiente 1,54 Millionen usbekische Sum. Damit verdiente man mehr als eine Lehrkraft im Land.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine gro&#xDF;e Anzahl an Familien ist direkt von der Baumwolle abh&#xE4;ngig. 60% der ErntehelferInnen gaben an, dass die Arbeit ihre einzige Einnahmequelle ist. Die ILO merkt an, dass die usbekische Regierung die L&#xF6;hne seit 2017 erheblich erh&#xF6;ht und eine differenzierte Lohnskala eingef&#xFC;hrt hat, damit die ErntehelferInnen gegen Ende der Ernte mehr Geld erhalten, wenn die Bedingungen ung&#xFC;nstiger sind und weniger Baumwolle vorhanden ist. Das trug ma&#xDF;geblich dazu bei, das die Zwangsarbeit verringert wurde.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lest auch auf Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/usbekistan\/baumwollernte-in-usbekistan-freiwillige-zwangsarbeit\/\">Baumwollernte in Usbekistan: Freiwillige Zwangsarbeit?<\/a><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Weiter meint die ILO, dass der Wegfall der staatlichen Bestellung von Baumwolle im M&#xE4;rz 2020 eine Schl&#xFC;sselrolle spielte. Dieses System, welches &#xFC;ber einen Zeitraum von fast einem Jahrhundert ein fester Bestandteil der Wirtschaft war, f&#xF6;rderte die systematische Verletzung von Menschenrechten und beg&#xFC;nstigte Zwangsarbeit.<\/p>\n\n\n\n<p>&#x201E;<em>Zwangsarbeit ist nicht nur sozial und moralisch nicht vertretbar, sondern ist au&#xDF;erdem eine ernstzunehmende Verletzung der Menschenrechte und ein kriminelles Verbrechen in Usbekistan<\/em>&#x201C;, sagt Tanzila Narbaeva, die Vorsitzende des Senats und der Nationalen Kommission f&#xFC;r Zwangsarbeit und Menschenhandel. &#x201E;<em>Um das Verhalten zu &#xE4;ndern, muss die Denkweise der Menschen ge&#xE4;ndert werden. Das k&#xF6;nnen wir erreichen, wenn wir alle zusammenarbeiten<\/em>.&#x201C;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Es ist nicht so einfach<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Strategie des Staates besteht darin, mehr Textilien und weniger Rohstoffe zu exportieren. Daf&#xFC;r m&#xFC;sste der Baumwollverkauf reduziert werden und mehr Waren mit h&#xF6;herem Wert gefertigt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>&#x201E;Diese Reformen sollten weiterhin von der internationalen Gemeinschaft unterst&#xFC;tzt werden&#x201C;, sagte Jonas Astrup, technischer Chefberater der IAO des externen Monitoringprojekts.<\/p>\n\n\n\n<p>In &#xDC;bereinstimmung mit den Daten von <a href=\"http:\/\/www.cottoncampaign.org\/\">Cotton Campaign<\/a> besteht jedoch ein Problem darin, dass Gebiete in Cluster zusammengelegt werden und damit in Kooperationen mit Unternehmen der vertikal integrierten Produktion. In jedem Gebiet ist nur ein Cluster aktiv. Deshalb haben die Bauern keine Wahl mit wem sie einen Vertrag schlie&#xDF;en und k&#xF6;nnen deshalb auch keinen Einfluss auf die Preise von Baumwolle und Wasser nehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bekannt ist mindestens ein Fall, bei dem ein Bauer von den &#xF6;rtlichen Beh&#xF6;rden die Antwort erhielt, dass es keine Wahl gibt, au&#xDF;er mit dem &#xF6;rtlichen Cluster zusammenzuarbeiten. Der Bauer hatte versucht, eine unabh&#xE4;ngige Genossenschaft zu gr&#xFC;nden. Bauern, die sich weigern Baumwolle anzubauen, verlieren ihr Land.<\/p>\n\n\n\n<p>Au&#xDF;erdem gibt die Regierung Land der kleinen und mittelgro&#xDF;en Bauern f&#xFC;r die unmittelbare landwirtschaftliche Bewirtschaftung ab, was verheerende Folgen f&#xFC;r den Lebensunterhalt von Menschen in l&#xE4;ndlichen Gebieten hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Einige Bauern werden als ArbeitnehmerInnen in den Clustern angestellt. Dadurch verlieren sie und ihre Angestellten die M&#xF6;glichkeit Futterpflanzen anzubauen, Tiere weiden zu lassen und getrocknete Halme zu sammeln, die zum Heizen und als Tierfutter unerl&#xE4;sslich sind. Andere verlieren ihren ganzen Lebensunterhalt .<\/p>\n\n\n\n<p>&#x201E;<em>Anstatt das Ausnutzungsmodell der Regierung zu einem Ausnutzungsmodell durch die Cluster zu &#xE4;ndern, w&#xE4;re es besser, ein Modell zu etablieren, in dem auf die verantwortungsbewusste Suche der Lieferanten gesetzt wird, und welches den angreifbaren ArbeiterInnen bessere M&#xF6;glichkeiten zum Schutz ihrer Arbeitsrechte bietet<\/em>&#x201C;, sagt Cathy Feingold, Direktorin der internationalen Abteilung von <a href=\"https:\/\/aflcio.org\/\">AFL-CIO<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.uzbekforum.org\/\">Uzbek Forum for Human Rights<\/a>, &#x421;otton &#x421;ampaign und andere Organisationen berichteten &#xFC;ber eine deutliche Verbesserung der Situation im Jahr 2020, wobei sie, im Unterschied zur ILO, bislang nicht das Ende von Kinder- und Zwangsarbeit verk&#xFC;nden wollen. Das Land sei jedoch der Beendigung des Boykotts n&#xE4;hergekommen.<\/p>\n\n\n\n<p>&#x201E;<em>Marken(-firmen) wollen ihre Waren aus L&#xE4;ndern mit einer starken und unabh&#xE4;ngigen Zivilgesellschaft beziehen, die ein g&#xFC;nstiges Umfeld f&#xFC;r strenge &#xDC;berwachung und Durchsetzung von Supply-Chain-Standards schaffen k&#xF6;nnen<\/em>&#x201C;, hei&#xDF;t es in einem Artikel der Cotton Campaign.<\/p>\n\n\n<p style=\"background-color: #d4d4d4;\"><span style=\"color: #000000;\">Lust auf Zentralasien in eurer Mailbox? 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