{"id":25131,"date":"2021-01-25T15:37:06","date_gmt":"2021-01-25T14:37:06","guid":{"rendered":"https:\/\/novastan.org\/de\/?p=25131"},"modified":"2021-08-21T11:52:50","modified_gmt":"2021-08-21T09:52:50","slug":"vier-jahre-presse-freiheit-insider-interview-medien-usbekistan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/novastan.org\/de\/usbekistan\/vier-jahre-presse-freiheit-insider-interview-medien-usbekistan\/","title":{"rendered":"Vier Jahre in Freiheit? &#8211; Insider-Interview zur Lage der Medien in Usbekistan"},"content":{"rendered":"<p><strong>Seit dem Amtsantritt von Pr&#xE4;sident Mirziyoyev genie&#xDF;en Medien in Usbekistan mehr Freiheiten. Wie sich die Branche im Land seitdem entwickelt, erkl&#xE4;rt der Journalist Nikita Makarenko. Das Interview mit ihm erschien am 10. Juni 2020 im <a href=\"https:\/\/caa-network.org\/archives\/19930\">russischsprachigen Original bei CAAN<\/a> (Central Asian Analytical Network). Wir &#xFC;bersetzen es mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Medienlandschaft in Usbekistan, dem mit rund 33 Millionen Einwohnern bev&#xF6;lkerungsreichsten Land Zentralasiens, ist ein spannendes Forschungsobjekt. Mit dem Amtsantritt des Pr&#xE4;sidenten <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/usbekistan\/wer-ist-der-neue-praesident-usbekistans\/\">Shavkat Mirziyoyev<\/a> vor vier Jahren erhielten Medien, die zuvor noch im alten Modus offizi&#xF6;ser und strenger Zensur konserviert waren, die M&#xF6;glichkeit einer kritischen Berichterstattung und qualitativer Entwicklung. Wie sich der usbekische Journalismus seitdem entwickelt, erl&#xE4;utert im CAAN-Interview <a href=\"https:\/\/makarenko.uz\/en\">Nikita Makarenko<\/a>, Korrespondent bei &#x201E;<a href=\"https:\/\/uzreport.news\/live\">UzReport TV<\/a>&#x201C; und Autor des Telegram-Kanals &#x201E;<a href=\"https:\/\/ttttt.me\/makarenko_channel\">Effekt Makarenko<\/a>&#x201C;.<\/p>\n\n\n<p style=\"background-color: #d4d4d4;\"><span style=\"color: #000000;\">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin &#xFC;ber Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/novastan-ev\/werde-unser-mitglied-werde-novastan\/\"><strong>Dank eurer Teilnahme<\/strong><\/a>. Wir sind <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/novastan-ev\/unser-projekt\/\">unabh&#xE4;ngig<\/a> und wollen es bleiben, daf&#xFC;r brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/novastan-ev\/spenden\/\">Spende<\/a><\/strong> helft ihr uns, weiter ein realit&#xE4;tsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><strong>CAAN:<em> Wie w&#xFC;rden Sie die heutige Medienlandschaft in Usbekistan beschreiben? Welche Medien bestimmen den Markt, was lesen die meisten Menschen im Land: staatliche Medien, private Medien oder Blogs?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nikita Makarenko: <em>Usbekistans Medienmarkt ist ein durchaus lebendiger &#x201E;Basar&#x201C;, auf dem immer mehr auch ernstzunehmende Werbebudgets auftauchen. Unter dem fr&#xFC;heren Pr&#xE4;sidenten Karimov stellten die Medien einen sterilen Raum dar, &#xE4;hnlich der glatten <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Barsakelmes\">Salzwiesen der Halbinsel Barsakelmes<\/a>.&#xA0;<\/em><a href=\"\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p><em>Dort konnte man nur &#xFC;berleben, wenn man sich an der Oberfl&#xE4;che &#x201E;ausbreitete&#x201C;. Jedem, der es riskierte, seinen Kopf zu heben, der verlor ihn auch bald. Der Beruf des Journalisten war nicht sehr angesehen und schlecht bezahlt. In den letzten drei Jahren aber hat sich die Situation langsam, aber sicher um 180 Grad gewendet. Die alten Medien sind aufgestiegen und aktiv geworden. Businessmenschen sehen das Potential des Marktes, er&#xF6;ffnen Fernsehkan&#xE4;le und Online-Portale. Der Medienmarkt riecht nach Geld. Er ist keine Salzwiese mehr. Das ist ein enger, lauter und streits&#xFC;chtiger kleiner Basar.<\/em><\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Fachkr&#xE4;ftemangel bremst Fortschritt aus<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p><em>Eines der gr&#xF6;&#xDF;ten Probleme heute aber sind die Fachkr&#xE4;fte. Wie man sich schon vorstellen kann, hat sich in den letzten Jahren niemand der Aufgabe angenommen, Journalisten auszubilden. Sie konnten nirgendwo Erfahrungen sammeln, sich an niemandem ein Beispiel nehmen. Und die Talentiertesten gingen weg. Die Entwicklung des Marktes wird heute stark durch den Fachkr&#xE4;ftemangel ausgebremst. Mit Beginn des akademischen Jahres 2020\/21 werden an mehreren einheimischen Hochschulen wieder Fakult&#xE4;ten f&#xFC;r Journalismus er&#xF6;ffnet. Vielleicht hilft das, die L&#xFC;cken aufzuf&#xFC;llen. Ich w&#xFC;rde auch selbst gerne unterrichten, aber bisher hat mir noch keine der usbekischen Hochschulen einen Lehrstuhl angeboten.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Seri&#xF6;se Studien zum Medienkonsum in Usbekistan sind, so weit ich mich erinnern kann, noch nicht durchgef&#xFC;hrt worden. Zuletzt hat Internews aber die <a href=\"https:\/\/internews.org\/resource\/information-flows-and-radicalization-leading-violent-extremism-central-asia\">Ergebnisse einer interessanten Umfrage<\/a> ver&#xF6;ffentlicht: Dabei kam heraus, dass in Usbekistan die &#xFC;berw&#xE4;ltigende Mehrheit in allen Altersklassen das Fernsehen pr&#xE4;feriert. Das Internet ist nur halb oder gar ein Drittel so beliebt. Nur 57,7 Prozent der Befragten gaben an, dass sie &#xFC;berhaupt das Internet nutzten. Und dennoch ist das Aufbl&#xFC;hen der usbekischen Presse unter Pr&#xE4;sident Mirziyoyev eng mit Online-Medien verbunden &#x2013; und zwar nur mit Online-Medien. Hier starteten die ersten mutigen Publikationen und Recherchen. Hier wehte pl&#xF6;tzlich ein &#x201E;Wind der Freiheit&#x201C;. Hier brodelt und kocht es weiter. Das Fernsehen bleibt ein recht steriles Format, das sowohl staatlicher Zensur als auch der Selbstzensur unterliegt. Nur ein-zwei Sender erlauben es sich, bis zu einem bestimmten Grad Themen zu bearbeiten, an deren Sch&#xE4;rfe sich das Online-Publikum schon gew&#xF6;hnt hat.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lesen Sie auch bei Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/usbekistan\/zeitungsverkaeufer-in-taschkent-ein-blick-auf-die-andere-seite-des-kioskfensters\/\">Zeitungsverk&#xE4;ufer in Taschkent: Ein Blick auf die andere Seite des Kioskfensters<\/a><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Blogs und die Bl&#xFC;te ihrer Popularit&#xE4;t sind eine weitere Charakteristik des zeitgen&#xF6;ssischen Usbekistans. Sie verf&#xFC;gen &#xFC;ber einen gro&#xDF;en Vertrauensvorschuss unter den Lesenden, weil sie heikle Themen wie Korruption, Kriminalit&#xE4;t und Willk&#xFC;r teilweise &#xFC;berhaupt zum ersten Mal &#xF6;ffentlich aufgreifen. Oft erscheinen Informationen bei ihnen schon fr&#xFC;her als bei registrierten Online-Medien. Denn Letzter m&#xFC;ssen lange die &#x201E;Zeiger &#xFC;berpr&#xFC;fen&#x201C; mit ihrer inneren Selbstzensur. Einige dr&#xE4;ngende Themen kommen so nie in den offiziellen Medien vor, also bleibt nur die Blog-Sph&#xE4;re. Andererseits aber neigen Bloggende dazu, ungepr&#xFC;fte und widerspr&#xFC;chliche Informationen zu verbreiten und so ihr Publikum zu manipulieren. Auftragspublikationen und politische Hetze sind nicht selten.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>CAAN: <em>Der Pr&#xE4;sident Mirziyoyev hat die Medien dazu aufgerufen, kritischer zu sein. Wie sieht Kritik aufseiten der wichtigsten Medien aus, an wen richtet sie sich und zu welchen Themen?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>N.M.: <em>Die Online-Medien berichten kritisch &#xFC;ber ein sehr breites Spektrum von Themen, was man aber von ihren KollegInnen beim Fernsehen, Radio und der Presse nicht sagen kann. Ruhig und schmerzfrei verl&#xE4;uft f&#xFC;r die AutorInnen Kritik an Beamten bis zum Rang der Minister &#x2013; also auch bei Leitern der Oblaste, B&#xFC;rgermeistern, Abgeordneten und Senatoren. Kritik an h&#xF6;herrangigen Politikern trifft man seltener an. Diese Bereiche sind noch immer mit einem bestimmten Niveau von Selbstzensur belegt. Ansonsten aber gibt es kaum Einschr&#xE4;nkungen. <\/em><\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Abriss, Registrierung und Meinungsfreiheit bestimmten vor Covid-19 die kritischen Medien<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p><em>Je nach ihren M&#xF6;glichkeiten und ihrem Mut kritisieren die Medien Unternehmer, kommunale Betriebe, die Innen- und Au&#xDF;enpolitik. Am h&#xE4;ufigsten geraten die K&#xF6;pfe der Oblaste und die B&#xFC;rgermeister (Khokim) ins Visier der Medien. Vor der Pandemie dominierten die kritischen Medien Probleme mit rechtswidrigem Wohnungs- und Hausabriss, mit mangelnder Infrastruktur, der Meinungsfreiheit und Selbstverwirklichung, das Meldeystem, die Handlungen der Sicherheitskr&#xE4;fte und viele mehr.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>CAAN: <em>Wie Sie bereits erw&#xE4;hnten, sind Blogs und Telegram-Kan&#xE4;le besonders popul&#xE4;r in Usbekistan. K&#xF6;nnen Sie uns eine kurze Charakteristik liefern?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>N.M.: <em>Das usbekische Telegram ist sicherlich eine am weitesten entwickelte Gemeinschaft der Welt in diesem Messenger. Es ist einzigartig: Diese Gemeinschaft wartet noch auf einen Forscher, der seine Dissertation dar&#xFC;ber verfasst. Laut den Daten von App Annie liegt Usbekistan auf dem weltweit zweiten Platz nach der User-Anzahl. Hier ist eine unvergleichliche Atmosph&#xE4;re entstanden. In einem Messenger werden freche Blogger und Trollfabriken, die die staatlichen Strukturen unterst&#xFC;tzen, lebendig, au&#xDF;erdem Patrioten und Extremisten sowie Sicherheitsorgane und Drogendealer. Das ist ein wilder Saloon, wo jeder Unterhaltung nach seiner Fa&#xE7;on finden kann. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lesen Sie auch bei Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/tadschikistan\/man-macht-uns-mal-wieder-mundtot-ueber-covid-19-und-pressefreiheit-in-tadschikistan\/\">&#x201E;Man macht uns mal wieder mundtot&#x201C; &#x2013; &#xDC;ber Covid-19 und Pressefreiheit in Tadschikistan<\/a><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Usbekische Blogger und popul&#xE4;re Kan&#xE4;le &#x2013; das ist Usbekistans Telegram. Sie formen es, f&#xFC;r ihre Inhalte folgen die Menschen ihnen in dem Messenger. Hier wird &#xFC;ber absolut alles geschrieben. Hier kann man sich witzige lokale Videos ansehen oder einen intellektuellen Kanal &#xFC;ber st&#xE4;dtische Architektur finden. Man kann nicht behaupten, dass sie usbekische Blogger und Kan&#xE4;le tiefgehend mit Fakten-Check besch&#xE4;ftigen w&#xFC;rden. In der Regel werden auf Telegram unz&#xE4;hlige Fakes und Ger&#xFC;chte verbreitet. Besonders popul&#xE4;r ist das Genre gef&#xE4;lschter Dokumente und Screenshots. Viele dieser Dinge werden bewusst erstellt, mit ganz konkreten Zielen. Ich kann nicht sagen, dass das Publikum gut darauf vorbereitet w&#xE4;re, selbstst&#xE4;ndig solche Informationen zu &#xFC;berpr&#xFC;fen. Darum sind Fake-Kampagnen oft erfolgreich.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>CAAN: <em>Wie steht es um usbekischsprachige Medien? Wie unterscheiden sie sich von russischsprachigen hinsichtlich der Themen und ihres Schl&#xFC;sselpublikums?&#xA0;<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>N.M.: <em>Medien in usbekischer Sprache sind zweifellos viel beliebter und finden ein tausendmal gr&#xF6;&#xDF;eres Publikum als russischsprachige Medien. Aber diese zwei Medientypen dublieren einander nicht, sondern leben in einer sonderbaren Symbiose. Beide sind gefragt beim Publikum und bei Anzeigenkunden. Man kann nicht sagen, dass russischsprachige Medien deutlich weniger verdienen w&#xFC;rden, obwohl sie ein kleineres Publikum haben. Dazu kommt es nicht, weil beide Zielgruppen f&#xFC;r die Anzeigenkunden gleichwertig sind &#x2013; unabh&#xE4;ngig von den unterschiedlichen Zahlen. Die russische Sprache ist am weitesten verbreitet in der wirtschaftlich aktivsten Region Usbekistans &#x2013; in Taschkent. Das ist auch der Grund f&#xFC;r das Interesse der Anzeigenkunden am russischsprachigen Publikum.<\/em><\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Usbekischsprachige Medien berichten aus den Regionen &#xFC;ber Religion und Identit&#xE4;t<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p><em>Charakteristisch f&#xFC;r usbekischsprachige Medien ist die Menge an willk&#xFC;rlich &#xFC;bersetzten internationalen Nachrichten aus ausl&#xE4;ndischen Medien. Diese Schlagzeilen f&#xFC;llen den Gro&#xDF;teil der Tagesagenda, lassen aber noch etwas Platz f&#xFC;r &#xF6;rtliche Nachrichten. In den russischsprachigen Medien Usbekistans gibt es praktisch keine internationalen Nachrichten. Hier dominieren lokale Themen etwa im Verh&#xE4;ltnis 90 Prozent zu 10 Prozent. Das kommt daher, dass es russischsprachigen Leser nicht an Quellen internationaler Nachrichten mangelt.&#xA0;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lesen Sie auch bei Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/kirgistan\/kirgistans-kulturminister-liebaeugelt-nach-skandalshow-mit-zensur\/\">Kirgistans Kulturminister lieb&#xE4;ugelt nach Skandalshow mit Zensur<\/a><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>In den &#xF6;rtlichen Berichten gibt es einen kleinen Unterschied im Dreh. Russischsprachige Medien berichten nur schwach &#xFC;ber das Leben in den Regionen, auch weil es ihnen dort an Publikum und Korrespondenten fehlt. Die konzentrieren sich haupts&#xE4;chlich auf Taschkent. Meinem Eindruck nach finden sich hier &#xF6;fter kritische Berichte zu Themen wie Umweltschutz, Meinungsfreiheit, Rechte von Frauen und Behinderten und Schutz der Menschenrechte. In Medien in usbekischer Sprache kommen &#xF6;fter religi&#xF6;se Themen vor, Fragen der nationalen Identit&#xE4;t, Sprache und Geschichte. In den russischsprachigen Medien sind solche St&#xFC;cke sehr selten.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>CAAN: <em>Welches Mediensegment w&#xE4;chst derzeit am st&#xE4;rksten und warum? Gibt es einen Zuwachs an Business- oder Wirtschaftsformaten? Wie abh&#xE4;ngig sind diese von Werbekunden oder anderen Finanzierungsquellen?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>N.M.: <em>In den letzten drei Jahren habe ich ein rasantes Wachstum in der Entwicklung von Online-Medien gesehen. Dieses setzt sich fort. Aber die Spezialisierung von Medien ist in Usbekistan extrem unterentwickelt. Praktisch schreiben alle Online-Medien &#xFC;ber alles. Man kann nicht sagen, dass sich ein bestimmtes Segment entwickelte. Es gibt einige interessante Projekte in den Wirtschaftsmedien, aber sie sind noch weit von echter Popularit&#xE4;t entfernt. Selbst die Markteinf&#xFC;hrung des Magazins &#x201E;Forbes Uzbekistan&#x201C; ist kein aufsehenerregendes Ereignis bisher. Die &#xE4;lteste Wirtschaftszeitung Kommersant.uz wurde sogar w&#xE4;hrend der Pandemie geschlossen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Werbung ist die einzige Chance<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p><em>Private Medien sind v&#xF6;llig abh&#xE4;ngig von Werbekunden. 100 Prozent der privaten Online-Medien, die Angestellte besch&#xE4;ftigen und regelm&#xE4;&#xDF;ig f&#xFC;nf bis zehn Geschichten pro Tag ver&#xF6;ffentlichen, sind von Werbekunden abh&#xE4;ngig. Sie haben keine anderen Finanzierungsquellen &#x2013; mit Ausnahme von Medien, die zu Holdings oder Unternehmen geh&#xF6;ren und von den gemeinsamen Einnahmen leben. Staatliche Zusch&#xFC;sse sind so gut wie nicht vorhanden, und der Staat ist immer noch zur&#xFC;ckhaltend gegen&#xFC;ber ausl&#xE4;ndischen Zusch&#xFC;ssen. Deshalb ist Werbung in Usbekistan heute die einzige und sichere Chance zum &#xDC;berleben.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>CAAN: <em>Was fehlt Ihrer Meinung nach den Medien in Usbekistan (Print und Online, ausgenommen das Fernsehen)? Wie sehr ist das hiesige Publikum weiter auf externe (ausl&#xE4;ndische) Publikationen angewiesen?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>N.M.: <em>Meiner Meinung nach k&#xF6;nnen sich die usbekischen Medien immer noch nicht vollst&#xE4;ndig von den Fesseln der Selbstzensur befreien. Ich verstehe, dass dies nicht einfach ist. Vielleicht sogar gef&#xE4;hrlich. Aber die Barrieren halten sich und nicht alle Themen k&#xF6;nnen zur Sprache gebracht werden. Ein Beispiel ist: Als ich ein Medium verlie&#xDF;, in dem ich drei Jahre lang gearbeitet hatte, wurde meine Arbeit nicht ver&#xF6;ffentlicht. Ich musste es in einem anderen Medium ver&#xF6;ffentlichen. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lesen Sie auch bei Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/usbekistan\/zentralasien-2030-die-zukunft-der-printmedien-in-usbekistan\/\">Zentralasien 2030: Die Zukunft der Printmedien in Usbekistan<\/a><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Au&#xDF;erdem herrscht in den usbekischen Medien akuter Personalmangel. Aus diesem Grund k&#xF6;nnen die Medien nicht wachsen und sich entwickeln. Ich denke, dass sich das Publikum in Usbekistan voll und ganz auf lokale Publikationen verl&#xE4;sst, wenn es um lokale Informationen geht. Das russischsprachige Publikum konsumiert nach wie vor internationale Informationen aus ausl&#xE4;ndischen Publikationen, und hier ist ein Wettbewerb einfach unm&#xF6;glich.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>CAAN: <em>Welche Perspektiven sehen Sie f&#xFC;r neue, unabh&#xE4;ngige Medien? Oder werden die Medien weiterhin vom Staat kontrolliert?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>N.M.: <em>Es entstehen st&#xE4;ndig neue Medien mit unterschiedlichem Grad an Unabh&#xE4;ngigkeit, hier gibt es keine Hindernisse. Die Anmeldung von Medien erfolgt innerhalb weniger Tage. Die Registrierung einer Gesellschaft mit beschr&#xE4;nkter Haftung dauert 15 Minuten. Es gibt keine Barrieren. Eine andere Frage ist, wie man &#xFC;berleben kann? Nicht alle schaffen es, denn der Markt ist schon sehr &#xFC;berladen mit Medien.<\/em><\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die<\/strong> <strong>Zukunft geh&#xF6;rt Reportagen, Analysen und langen Formate<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p><em>Ich erwarte die Entstehung von Medien, die nicht nachrichtenorientiert sind, sondern sich auf Reportagen, Analysen und qualitativ hochwertige Langformen konzentrieren. Und gleichzeitig kommerziell erfolgreich und beliebt sein werden. Noch sind zwar am Horizont noch keine risikofreudigen Gesch&#xE4;ftsleute zu sehen, die in ein solch schwieriges und bez&#xFC;glich des Gewinns riskantes Projekt zu investieren. Es mangelt auch noch an coolen Videoinhalten, Youtube entwickelt sich sehr langsam. Hier warte ich auch auf &#xE4;hnliche Projekte wie das, was <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/channel\/UC1eFXmJNkjITxPFWTy6RsWg\">Pivovarov oder Parfenov<\/a> heute machen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"\"><\/a><strong>CAAN: <em>Gibt es in Usbekistan gro&#xDF;e Medien-Konglomerate, die vom Staat oder von einzelnen Gruppen der Elite finanziert werden?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>N.M.: <em>Das gr&#xF6;&#xDF;te Medien-Konglomerat des Landes ist die National Television and Radio Company, die eine Vielzahl von popul&#xE4;ren Fernseh- und Radiokan&#xE4;len betreibt. Es wird vom Staat kontrolliert. Von den privaten Konglomeraten k&#xF6;nnen wir UzReport erw&#xE4;hnen, dem die Fernsehkan&#xE4;le UzReport TV, UzReport World, Futbol TV, die beliebte Website UzReport News und andere Ressourcen geh&#xF6;ren. Versuche, eigene Konglomerate zu schaffen, werden manchmal von einzelnen Unternehmern und Politikern unternommen, jedoch nicht immer erfolgreich. <\/em><\/p>\n\n\n<p style=\"background-color: #d4d4d4;\"><span style=\"color: #000000;\">Lust auf Zentralasien in eurer Mailbox? 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Zuvor ereilte 2018 das ebenso ambitionierte Projekt Turon 24 ein &#xE4;hnliches Schicksal. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Insgesamt geh&#xF6;ren die popul&#xE4;rsten russisch- und usbekischsprachigen Medien Usbekistans verschiedenen, nicht miteinander verbundenen Eigent&#xFC;mern. Das ist eine sehr gute Situation, denn sie l&#xE4;sst viel mehr Raum f&#xFC;r Kritik und unterschiedliche Sichtweisen. Aber es ist klar, dass strategisch denkende Gesch&#xE4;ftsleute und Politiker irgendwann damit beginnen werden, die weit vertreuten Ressourcen unter ihre Kontrolle zu bringen. In Usbekistan wurden bislang aber keine solchen Prozesse beobachtet.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><strong><a href=\"https:\/\/caa-network.org\/archives\/19930?fbclid=IwAR0Z5R7HiJeYvDYIJ8L1-mgaWxyssKdskZIk4GtsnzVEa_yAFZIB_bLraeU\">Central Asian Analytical Network<\/a><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><strong>Aus dem Russischen von Peggy Lohse<\/strong><\/p>\n\n\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kan&#xE4;len, schaut mal vorbei bei <\/span><a href=\"https:\/\/twitter.com\/novastan_de\"><span style=\"font-weight: 400;\">Twitter<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">, <\/span><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Novastan.org\/\"><span style=\"font-weight: 400;\">Facebook<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">, <\/span><a href=\"https:\/\/telegram.me\/novastan\"><span style=\"font-weight: 400;\">Telegram<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">, <\/span><a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/company\/novastan\/\"><span style=\"font-weight: 400;\">Linkedin<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> oder <\/span><a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/novastanorg\/\"><span style=\"font-weight: 400;\">Instagram<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">. 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