{"id":23826,"date":"2020-10-25T18:32:52","date_gmt":"2020-10-25T17:32:52","guid":{"rendered":"https:\/\/novastan.org\/de\/?p=23826"},"modified":"2020-12-20T17:39:28","modified_gmt":"2020-12-20T16:39:28","slug":"onlinezeitung-fergana-kurz-vor-dem-aus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/novastan.org\/de\/usbekistan\/onlinezeitung-fergana-kurz-vor-dem-aus\/","title":{"rendered":"Onlinezeitung Fergana kurz vor dem Aus"},"content":{"rendered":"<p><strong>Fergana, der wichtigsten russischen Onlinezeitung f&#xFC;r Zentralasien, droht aufgrund gro&#xDF;er finanzieller Schwierigkeiten die Schlie&#xDF;ung.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Auf der Startseite der <a href=\"https:\/\/en.fergana.site\/\">englischen Version<\/a> der Onlinezeitung erscheint ein Banner: &#x201E;<em>Unterst&#xFC;tzt Fergana!<\/em>&#x201C; Das russische Medium, eines der ersten, das sich auf Zentralasien und zentralasiatische Migranten in Russland spezialisiert hat, steht aufgrund fehlender finanzieller Mittel kurz vor der Schlie&#xDF;ung. Anfang Oktober blieben nur noch zwei Mitarbeiter &#xFC;brig, darunter der Direktor und Gr&#xFC;nder Daniil Kislow. Freiberufler schreiben ohne Bezahlung, um die Website am Leben zu erhalten, auf der t&#xE4;glich nur noch ein paar Artikel ver&#xF6;ffentlicht werden.<\/p>\n\n\n<p style=\"background-color: #d4d4d4;\"><span style=\"color: #000000;\">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin &#xFC;ber Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/novastan-ev\/werde-unser-mitglied-werde-novastan\/\"><strong>Dank eurer Teilnahme<\/strong><\/a>. Wir sind <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/novastan-ev\/unser-projekt\/\">unabh&#xE4;ngig<\/a> und wollen es bleiben, daf&#xFC;r brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/novastan-ev\/spenden\/\">Spende<\/a><\/strong> helft ihr uns, weiter ein realit&#xE4;tsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p>Wenn das <a href=\"https:\/\/en.fergana.ru\/donate\/\">Spendensammeln<\/a> bei Lesern eine L&#xF6;sung sein soll, dann ist sie auch nur vor&#xFC;bergehend: Daniil Kislow, den Novastan kontaktiert hat, stellt fest, dass die Website &#x201E;<em>2&#xA0;000 oder 3&#xA0;000 Dollar<\/em>&#x201C; gesammelt hat, mit denen er im Juni die Geh&#xE4;lter von zwei Personen bezahlen konnte. &#x201E;<em>Das ist gut, aber ich hatte auf einen h&#xF6;heren Betrag gehofft<\/em>&#x201C;, f&#xFC;gt er hinzu. Er erkl&#xE4;rt, dass nur eine Minderheit der Leser es sich leisten k&#xF6;nne, die Website zu unterst&#xFC;tzen. Die meisten von ihnen sind Wanderarbeiter aus Zentralasien in Russland und k&#xF6;nnen es sich nicht leisten, Spenden oder Abonnements zu bezahlen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Entt&#xE4;uschte Erwartungen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Laut Daniil Kislow ist der Hauptanteilseigner der Zeitung, der das Medium nicht mehr finanzieren m&#xF6;chte, die Ursache der Schwierigkeiten. In der Praxis, so die russische Zeitung Novaja Gaseta in einem <a href=\"https:\/\/novayagazeta.ru\/articles\/2020\/09\/26\/87249-fergana-kak-chast-rossii\">langen Artikel<\/a> &#xFC;ber die Geschichte Ferganas, bedeute dies, dass der Investor irgendwann einfach nicht mehr auf die Anrufe der Redaktion reagierte. Pl&#xF6;tzlich zog er seine finanzielle Unterst&#xFC;tzung zur&#xFC;ck und die Redaktion wurde f&#xFC;r fast sechs Monate in unbezahlten Urlaub geschickt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Beziehung zu dem Investor hatte einen guten Start: Wie Daniil Kislow erkl&#xE4;rt, ist fergana.ru eine GmbH, von der er vor zwei Jahren &#x201E;<em>den Hauptanteil an einen ber&#xFC;hmten Oligarchen<\/em>&#x201C; verkaufte. Was er &#xFC;ber ihn preisgeben kann ist, dass es sich um einen kasachischen Gesch&#xE4;ftsmann handelt, der &#x201E;<em>Gesch&#xE4;ftsinteressen in Russland und Usbekistan<\/em>&#x201C; hat.<\/p>\n\n\n\n<p>&#x201E;<em>Zum ersten Mal in der Geschichte Ferganas gab es allein in Moskau eine Nachrichtenredaktion mit 20 Mitarbeitern<\/em>&#x201C;, erinnert er sich. &#x201E;<em>Wir hatten Redaktionen in Usbekistan, Tadschikistan, Kirgistan und Kasachstan. Jede Redaktion hatte zwei oder drei Mitarbeiter, einen Chefredakteur, einen Stellvertreter, Beauftragte f&#xFC;r die Optimierung der Websuchmaschinen [search engine optimization (SEO), Anm. d. Red.] und so weiter.<\/em>&#x201C; Die Website boomte. &#x201E;<em>Im Jahr 2016 zum Beispiel, dem Todesjahr von <\/em><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Islom_Karimov\">Islom Karimov<\/a> (der usbekische Pr&#xE4;sident von 1989 bis 2016, Anm. d. Red.)<em>, hatten wir 5 Millionen Leser. Im Jahr 2019 hatten wir 8 Millionen<\/em>&#x201C;, so Daniil Kislow.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sperrung, Entsperrung, Wiedersperrung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Als w&#xE4;ren die finanziellen Schwierigkeiten nicht schlimm genug, f&#xE4;llt der Bruch mit dem Hauptaktion&#xE4;r zeitlich in eine Blockade durch die russischen Beh&#xF6;rden. So ist der Zugang zur Website fergana.ru in Russland seit Ende 2019 von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/F%C3%B6deraler_Dienst_f%C3%BCr_die_Aufsicht_im_Bereich_der_Kommunikation,_Informationstechnologie_und_Massenkommunikation\">Roskomnadsor<\/a>, dem f&#xFC;r die Medien zust&#xE4;ndigen staatlichen Dienst, blockiert. Das ist ein harter Schlag, denn gerade in Russland sind die meisten Leser und damit Werbepartner zu finden. Folglich ist es schwierig, Werbung auf einer Website zu schalten, die nicht offiziell zug&#xE4;nglich ist.<\/p>\n\n\n<p style=\"background-color: #d4d4d4;\"><span style=\"color: #000000;\">Lust auf Zentralasien in eurer Mailbox? 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Der Zugang von Turkmenistan aus bleibe unm&#xF6;glich &#x2013; &#x201E;<em>wahrscheinlich f&#xFC;r immer<\/em>&#x201C;, meint Daniil Kislow.<\/p>\n\n\n\n<p>Um diese Hindernisse zu umgehen, hat die Redaktion mehrere &#x201E;<em>Mirror-Sites<\/em>&#x201C; online gestellt, also Kopien der Seite unter verschiedenen URLs: fergang.ru, fergana.agency, fergana.site, fergana.plus und fergana.media. Einige dieser Adressen sind je nach Land gesperrt, aber nicht alle.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ungewisse Zukunft<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bis zum 1. Oktober hatten die &#xFC;brigen Redakteure noch immer keine Nachricht von ihrem Investor. &#x201E;<em>Werden wir unsere Arbeit fortsetzen?<\/em>&#x201C;, fragt Daniil Kislow. Seine pessimistische Antwort lautet: &#x201E;<em>Vielleicht sollten wir aufh&#xF6;ren und alles schlie&#xDF;en. Vielleicht sollten wir versuchen, mit einem reduzierten Budget fortzufahren. Ich wei&#xDF; es nicht<\/em>.&#x201C;<\/p>\n\n\n\n<p>Vorerst arbeitet der Chefredakteur so weit wie m&#xF6;glich weiter und bittet die Journalisten, ohne Bezahlung zu schreiben. In diesem Zusammenhang erw&#xE4;hnt er eine tadschikische Journalistin, die sich bereit erkl&#xE4;rt hat, anonyme Artikel zu schreiben, die sie in Tadschikistan nicht ver&#xF6;ffentlichen k&#xF6;nne. Der Drang zu informieren h&#xE4;lt die Website am Leben &#x2013; aber wie lange noch?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><strong>Valentine Baldassari<\/strong><strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><strong>Aus dem <a href=\"https:\/\/novastan.org\/fr\/ouzbekistan\/le-media-fergana-au-bord-de-la-fermeture\/\">Franz&#xF6;sischen<\/a> von Elisabeth Rudolph<\/strong><\/p>\n\n\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kan&#xE4;len, schaut mal vorbei bei <\/span><a href=\"https:\/\/twitter.com\/novastan_de\"><span style=\"font-weight: 400;\">Twitter<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">, <\/span><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Novastan.org\/\"><span style=\"font-weight: 400;\">Facebook<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">, <\/span><a href=\"https:\/\/telegram.me\/novastan\"><span style=\"font-weight: 400;\">Telegram<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">, <\/span><a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/company\/novastan\/\"><span style=\"font-weight: 400;\">Linkedin<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> oder <\/span><a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/novastanorg\/\"><span style=\"font-weight: 400;\">Instagram<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">. 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