{"id":22132,"date":"2020-06-12T11:14:24","date_gmt":"2020-06-12T09:14:24","guid":{"rendered":"https:\/\/novastan.org\/de\/?p=22132"},"modified":"2020-06-12T11:14:24","modified_gmt":"2020-06-12T09:14:24","slug":"nach-zehn-jahren-neun-fragen-zu-den-unruhen-in-osch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/novastan.org\/de\/kirgistan\/nach-zehn-jahren-neun-fragen-zu-den-unruhen-in-osch\/","title":{"rendered":"Nach zehn Jahren &#8211; neun Fragen zu den Unruhen in Osch"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\"><strong>Am 10. Juni 2010 gab es in Osch, im S&#xFC;den Kirgistans, gewaltt&#xE4;tige Ausschreitungen. Nach dem Sturz von Pr&#xE4;sident Kurmanbek Bakijew im April jenes Jahres eskalierten gesellschaftliche Spannungen und fanden ihren H&#xF6;hepunkt in wahren &#x201E;Pogromen&#x201C; gegen die usbekische Minderheit. Zehn Jahre nach den Ereignissen zieht Novastan eine Bilanz dessen, was wir wissen.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Vom 10. bis zum 14. Juni 2010 war die im S&#xFC;dwesten Kirgistans gelegene Stadt <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/kirgistan\/die-grenzstadt-osch\/\">Osch<\/a> Schauplatz gewaltt&#xE4;tiger Zusammenst&#xF6;&#xDF;e zwischen Angeh&#xF6;rigen der kirgisischen und usbekischen Gemeinschaften. &#x201E;Kirgisisch&#x201C; und &#x201E;Usbekisch&#x201C; bezieht sich hier auf die Volksgruppen, da alle Beteiligten Staatsb&#xFC;rger Kirgistans waren, entsprechend der zu Sowjetzeiten etablierten Unterscheidung zwischen &#x201E;Nationalit&#xE4;t&#x201C; und Staatsb&#xFC;rgerschaft.<\/p>\n<p style=\"background-color: #d4d4d4;\"><span style=\"color: #000000;\">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin &#xFC;ber Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/novastan-ev\/werde-unser-mitglied-werde-novastan\/\"><strong>Dank eurer Teilnahme<\/strong><\/a>. Wir sind <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/novastan-ev\/unser-projekt\/\">unabh&#xE4;ngig<\/a> und wollen es bleiben, daf&#xFC;r brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/novastan-ev\/spenden\/\">Spende<\/a><\/strong> helft ihr uns, weiter ein realit&#xE4;tsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das genaue Ausma&#xDF; der Gewalt ist nach wie vor unklar. Insgesamt aber forderten die Ereignisse mindestens mehrere Hundert Tote und zehntausende Vertriebene, vor allem Usbeken. Die Sicherheitskr&#xE4;fte &#x2013; ob &#xFC;berfordert oder mitschuldig &#x2013; brauchten mehrere Tage, um wieder Ordnung herzustellen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>1 Was geschah im Juni 2010 im S&#xFC;den Kirgistans?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Gewalt scheint ihren unmittelbaren Ursprung in einem Streit zwischen Kirgisen und Usbeken gehabt zu haben, der am Abend des 10. Juni in Osch in der N&#xE4;he eines Kasinos ausgebrochen war. Laut einem&#xA0;<a href=\"https:\/\/www.crisisgroup.org\/europe-central-asia\/central-asia\/kyrgyzstan\/pogroms-kyrgyzstan\">Bericht der NGO International Crisis Group<\/a> verbreiteten sich am fr&#xFC;hen Morgen des 11. Juni unter der kirgisischen Bev&#xF6;lkerung Ger&#xFC;chte &#xFC;ber Vergewaltigungen und Morde an kirgisischen Studentinnen durch usbekische M&#xE4;nner.<\/p>\n<p><strong>Lest auch bei Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/kirgistan\/die-grenzstadt-osch\/\">Die Grenzstadt Osch<\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Der Vorfall, der allerdings wahrscheinlich nie stattgefunden hat, mobilisierte viele kirgisische Jugendliche in der Stadt und aus den umliegenden D&#xF6;rfern gegen die Usbeken. &#x201E;<em>Diese heftigen Ger&#xFC;chte, denen viele Kirgisen glaubten, ermutigten sie zur Mobilisierung, vor allem in l&#xE4;ndlichen- und Bergregionen<\/em>&#x201C;, erkl&#xE4;rt der kirgisische Politikwissenschaftler Dscholdon Kutmanalijew im Gespr&#xE4;ch mit Novastan.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Dies war der Beginn von vier Tagen gro&#xDF;fl&#xE4;chiger Zusammenst&#xF6;&#xDF;e in Osch und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Dschalalabat\">Dschalal-Abad<\/a>, eineinhalb Autostunden weiter n&#xF6;rdlich. Usbeken errichteten Barrikaden am Eingang ihrer Stadtviertel, bevor der kirgisische Mob, unterst&#xFC;tzt von mehreren gepanzerten Mannschaftstransportern der kirgisischen Armee, eindringen konnte. Es folgten tagelange Pl&#xFC;nderungen, Zerst&#xF6;rungen und Morde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Zahl der Todesopfer ist bis heute umstritten. Nach dem <a href=\"https:\/\/reliefweb.int\/sites\/reliefweb.int\/files\/resources\/Full_Report_490.pdf\">Bericht der unabh&#xE4;ngigen internationalen Untersuchungskommission<\/a>, die von der kirgisischen &#xDC;bergangsregierung eingesetzt wurde, wurden 470 Menschen get&#xF6;tet. Der Kirgisistan-Korrespondent der russischen Zeitung <a href=\"https:\/\/www.kp.ru\/daily\/24505\/657680\/\">Komsomolskaja Prawda<\/a> berichtete aber von mehr als 1000 Todesopfern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>2 D&#xFC;rfen wir von inter-ethnischer Gewalt oder anti-usbekischen &#x201E;Pogromen&#x201C; sprechen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Bilanz der Opfer und Zerst&#xF6;rungen zeigt, dass die anf&#xE4;nglich inter-ethnische Gewalt schnell zu anti-usbekischen, &#x201E;ethnischen Pogromen&#x201C; wurde, wie der franz&#xF6;sische Anthropologe Boris Petric <a href=\"https:\/\/www.cairn.info\/revue-herodote-2010-3-page-58.htm\">feststellte<\/a>. Tats&#xE4;chlich geh&#xF6;rte laut einem <a href=\"https:\/\/www.hrw.org\/reports\/kyrgyzstan0810_brochure_low.pdf\">Bericht der amerikanischen NGO Human Rights Watch<\/a> (HRW) die &#x201E;gro&#xDF;e Mehrheit&#x201C; der 2000 zerst&#xF6;rten Geb&#xE4;ude in Osch usbekischen Mitb&#xFC;rgern. Dar&#xFC;ber hinaus waren unter den 470 Todesopfern, die die Untersuchungskommission registriert hat, 74 Prozent Usbeken und 25 Prozent Kirgisen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Der Verlauf der Ereignisse zeigt auch, dass diese sehr unausgeglichene Bilanz kein Zufall ist. Nach Angaben von HRW wurden usbekische Viertel und H&#xE4;user gezielt angegriffen. Einige Geb&#xE4;ude wurden als kirgisische oder russische Geb&#xE4;ude gekennzeichnet und blieben verschont. Auch nach Angaben der International Crisis Group w&#xE4;hlten Pl&#xFC;nderer die Gesch&#xE4;fte nicht nach dem Wert der zu stehlenden Waren aus, sondern nach ethnischen Kriterien.<\/p>\n<figure id=\"attachment_22137\" aria-describedby=\"caption-attachment-22137\" style=\"width: 2081px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-22137\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2020\/06\/41-2.jpg\" alt=\"Osch Kirgise Tor\" width=\"2081\" height=\"1337\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2020\/06\/41-2.jpg 2081w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2020\/06\/41-2-300x193.jpg 300w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2020\/06\/41-2-768x493.jpg 768w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2020\/06\/41-2-1024x658.jpg 1024w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2020\/06\/41-2-1300x835.jpg 1300w\" sizes=\"auto, (max-width: 2081px) 100vw, 2081px\"\/><figcaption id=\"caption-attachment-22137\" class=\"wp-caption-text\">Spuren eines Schriftzugs &#x201E;Kirgise&#x201C; an einem Tor in Osch im Fr&#xFC;hling 2016<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify\">Schlie&#xDF;lich weisen mehrere Berichte auf einen organisierten Charakter der Gewalt hin. &#x201E;<em>Den Angreifern wurden in regelm&#xE4;&#xDF;igen Abst&#xE4;nden Vorr&#xE4;te gebracht &#x2013; Trinkwasser, Wodka, brennbare Fl&#xFC;ssigkeiten [&#x2026;]. Schusswaffen wurden auf dem R&#xFC;cksitz eines BMW 735 ohne Nummernschild ausgeh&#xE4;ndigt<\/em>&#x201C;, stellt <a href=\"https:\/\/www.crisisgroup.org\/europe-central-asia\/central-asia\/kyrgyzstan\/pogroms-kyrgyzstan\">International Crisis Group<\/a> fest. Wer hinter solchen Lieferungen stand, konnte jedoch nie eindeutig gekl&#xE4;rt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>3 Was genau provozierte den Gewaltausbruch im Juni 2010?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Ereignisse in Osch geschahen vor dem Hintergrund einer nach <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Regierungswechsel_in_Kirgisistan_2010\">dem Sturz<\/a> des Pr&#xE4;sidenten <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kurmanbek_Bakijew\">Kurmanbek Bakijew<\/a> am 7. April 2010 geschw&#xE4;chten Staatsgewalt. Der Staat war in der Hand einer von <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/kirgistan\/rosa-otunbajewa-eine-ausnahmefrau\/\">Rosa Otunbajewa<\/a> gef&#xFC;hrten Interimsregierung, die Schwierigkeiten hatte, ihre Autorit&#xE4;t im ganzen Land durchzusetzen. Der ehemalige Pr&#xE4;sident stammte selbst aus der Region Dschalal-Abad und hatte im S&#xFC;den weiterhin viele Anh&#xE4;nger, auch unter den Sicherheitskr&#xE4;ften. Nach Angaben von International Crisis Group dominierte seine Familie zu dieser Zeit die lokale Wirtschaft, einschlie&#xDF;lich des Drogenhandels.<\/p>\n<p><strong>Lest auch bei Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/kirgistan\/rosa-otunbajewa-eine-ausnahmefrau\/\">Rosa Otunbajewa, eine Ausnahmefrau<\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Um die Kontrolle &#xFC;ber die s&#xFC;dlichen Region zu sichern, wandte sich die &#xDC;bergangsregierung an die bedeutende usbekische Minderheit. Der wohlhabende Gesch&#xE4;ftsmann und Politiker <a href=\"https:\/\/simple.wikipedia.org\/wiki\/Kadyrzhan_Batyrov\">Kadyrdschan Batyrow<\/a> mobilisierte seine Anh&#xE4;nger zur Unterst&#xFC;tzung der neuen Regierung und forderte eine gr&#xF6;&#xDF;ere politische Teilhabe. Lokale Fernsehkan&#xE4;le und Medien berichteten &#xFC;ber politische Forderungen, die von der kirgisischen Gemeinschaft zunehmend als Bedrohung empfunden wurde. &#x201E;<em>Die Kirgisen glaubten, dass Kadirdschan Batirow die Macht ergreifen wollte&#x201C;,&#xA0;<\/em>so Kutmanalijew.<em> &#x201E;Dies f&#xFC;hrte zu einer verst&#xE4;rkten ethnischen Mobilisierung und zu Spannungen zwischen zwei Gruppen, die sich gegenseitig nicht trauten. In der Tat kannten die Kirgisen eine solche politische Mobilisierung seitens der Usbeken nicht.&#x201C;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Diese <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/neue_unruhen_in_kirgistan-1.5757980\">ersten Spannungen<\/a> gipfelten am 16. Mai im Dorf Teyit in der N&#xE4;he der Stadt Dschalal-Abad, wo die H&#xE4;user der Familie Bakijew niedergebrannt wurden. Anh&#xE4;nger des ehemaligen Pr&#xE4;sidenten werfen Batirow vor, f&#xFC;r die Zerst&#xF6;rung verantwortlich zu sein, was dieser stets bestritten hat. Nach Angaben eines hochrangigen kirgisischen Regierungsbeamten, der von der <a href=\"https:\/\/www.crisisgroup.org\/europe-central-asia\/central-asia\/kyrgyzstan\/pogroms-kyrgyzstan\">International Crisis Group<\/a> zitiert wird, hat sich der Vorfall zu einem &#x201E;Rubikon&#x201C; entwickelt. Demnach schien eine Versch&#xE4;rfung der Spannungen, die im Juni ihren finsteren H&#xF6;hepunkt erreichten, unausweichlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>4 Welchen Platz nahmen Usbeken vor April 2010 in der kirgisischen Gesellschaft ein? <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nach Angaben des <a href=\"http:\/\/www.stat.kg\/en\/statistics\/naselenie\/\">kirgisischen Statistikkomitees<\/a> lebten 2011 786.000 Kirgistaner usbekischer Nationalit&#xE4;t im Land. Usbeken, die etwa 20 Prozent der Gesamtbev&#xF6;lkerung ausmachen, leben haupts&#xE4;chlich im S&#xFC;den Kirgistans, insbesondere in den Regionen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gebiet_Osch\">Osch<\/a> und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gebiet_Dschalalabat\">Dschalalal-Abad<\/a>. So machten Usbeken im Jahr 2011&#xA0; immerhin 49 Prozent der Bev&#xF6;lkerung von Osch aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Ausschreitungen im Juni 2010 sind zum Teil das Ergebnis von drei Jahrzehnten Nationenbildung in Kirgistan, wobei die usbekische Minderheit nie politisch integriert wurde. Schon zu Sowjetzeiten f&#xFC;hrte der wirtschaftliche Erfolg einiger usbekischer Stadtbewohner zu Ressentiments bei der &#xFC;berwiegend l&#xE4;ndlichen kirgisischen Bev&#xF6;lkerung. Im Juni 1990 brachen vor dem Hintergrund von Spannungen &#xFC;ber den Zugang zu Ressourcen in Osch und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/%C3%96sg%C3%B6n\">&#xD6;sg&#xF6;n<\/a> <a href=\"https:\/\/journals.openedition.org\/asiecentrale\/3350\">gewaltt&#xE4;tige Ausschreitungen<\/a> aus. Die Zusammenst&#xF6;&#xDF;e forderten mehrere hundert Tote und wurden erst durch den Eingriff der Sowjetischen Armee beendet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nach der Unabh&#xE4;ngigkeit Kirgistans im August 1991 blieben die Beziehungen zwischen den Gemeinschaften ein &#xE4;u&#xDF;erst heikles Thema. Der erste Pr&#xE4;sident, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Askar_Akajew\">Askar Akajew<\/a> (1991-2005), verfolgte nach den Worten des Anthropologen Boris Petric eine ethno-nationalistische Politik der &#x201E;Kirgisisierung&#x201C; der Gesellschaft. Die politische Macht konzentrierte sich in den H&#xE4;nden der kirgisischen Elite aus dem Norden. Um seine Macht im S&#xFC;den zu etablieren, nahm Akajew jedoch enge Beziehungen zu bestimmten Vertretern der usbekischen Gemeinschaft auf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Auf die Weise entwickelt sich zwischen den kirgisischen Politikern und ihren usbekischen Unterst&#xFC;tzer eine Form des Klientelismus. &#x201E;<em>Usbekische Gesch&#xE4;ftsleute hatten enge Verbindungen zu der politischen Macht, die von den Kirgisen gehalten wurde. Die Usbeken erhielten Zugangskan&#xE4;le [zur Macht], die Kirgisen sicherten sich die Loyalit&#xE4;t des S&#xFC;dens. Die Beziehung war f&#xFC;r beide Seiten zufriedenstellend<\/em>&#x201C;, erl&#xE4;utert Kutmanalijew. Bakijew &#xE4;nderte dieses System jedoch zugunsten seines eigenen Umfelds, zum gro&#xDF;en Missfallen einiger Usbeken. &#x201E;<em>2010 wollten diese Usbeken ihre Verluste ausgleichen, indem sie die an die Anh&#xE4;nger des Bakijew-Regimes verlorene wirtschaftliche Macht zur&#xFC;ckgewinnen<\/em>&#x201E;, f&#xFC;gt Kutmanalijew hinzu.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">So trugen mehrere langfristige Faktoren zum Anstieg der Spannungen im S&#xFC;den Kirgistans bei. Auf der einen Seite haben einige Usbeken versucht, ihre Vormachtstellung im wirtschaftlichen Bereich zur&#xFC;ckzugewinnen und ihre politische Vertretung auf nationaler Ebene zu verst&#xE4;rken. Auf der anderen Seite gab es unter Kirgisen starke Ressentiments gegen&#xFC;ber dem vermeintlichen wirtschaftlichen Erfolg der Usbeken. Tats&#xE4;chlich ergab eine Studie der Weltbank aus dem Jahr 2007, die im Bericht von <a href=\"https:\/\/www.crisisgroup.org\/europe-central-asia\/central-asia\/kyrgyzstan\/pogroms-kyrgyzstan\">International Crisis Group<\/a> zitiert wird, dass in der Provinz Osch 47 Prozent der kirgisischen Haushalte als arm galten, im Vergleich zu 55 Prozent der usbekischen Haushalte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>5 Welche Rolle spielten Sicherheitskr&#xE4;fte?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Frage nach der Rolle der Sicherheitskr&#xE4;fte bei den Gewalttaten vom Juni 2010 steht im Mittelpunkt einer heftigen Kontroverse, die nie vollst&#xE4;ndig gel&#xF6;st wurde. &#x201E;<em>Die Rolle des Milit&#xE4;rs ist zweideutig&#x201C;<\/em>, res&#xFC;miert Kutmanalijew vorsichtig. Tats&#xE4;chlich wurde das Milit&#xE4;r der direkten Verwicklung in die Angriffe auf usbekische Viertel beschuldigt, wie auch der vors&#xE4;tzlichen Bereitstellung von Truppentransportfahrzeugen und Waffen f&#xFC;r den kirgisischen Mob. F&#xFC;r den Politikwissenschaftler sind diese Vorw&#xFC;rfe nicht ganz fundiert. &#x201E;<em>Die kirgisische Armee hat nicht offen Waffen verteilt, obwohl sie einige Arsenale dem Mob &#xFC;berlassen hat. Die Sicherheitskr&#xE4;fte waren demoralisiert, die Soldaten hatten Angst<\/em>&#x201C;, sagt er.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Sicher ist, dass mehrere gepanzerte Fahrzeuge in die H&#xE4;nde&#xA0; kirgisischer Angreifer gelangt sind. Mehrere im <a href=\"https:\/\/www.hrw.org\/report\/2010\/08\/16\/where-justice\/interethnic-violence-southern-kyrgyzstan-and-its-aftermath\">Bericht von HRW<\/a> zitierte Zeugen sagen, sie seien von M&#xE4;nnern in Milit&#xE4;runiform gefahren worden. Das reicht aber nicht aus, um die Beteiligung der Armee zu beweisen. Die Fahrzeuge wurden haupts&#xE4;chlich zur Zerst&#xF6;rung der Barrikaden eingesetzt, die am Eingang zu usbekischen Stadtvierteln errichtet worden waren, um den Angreifern das Vorankommen zu erleichtern. &#x201E;<em>Die kirgisische Armee zerst&#xF6;rte in unverantwortlicher Weise die Barrikaden und vers&#xE4;umte es, die usbekische Minderheit zu sch&#xFC;tzen<\/em>&#x201C;, sagt Kutmanalijew.<\/p>\n<figure id=\"attachment_22138\" aria-describedby=\"caption-attachment-22138\" style=\"width: 1732px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-22138\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2020\/06\/20160507_183427.jpg\" alt=\"Osch Panorama\" width=\"1732\" height=\"988\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2020\/06\/20160507_183427.jpg 1732w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2020\/06\/20160507_183427-300x171.jpg 300w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2020\/06\/20160507_183427-768x438.jpg 768w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2020\/06\/20160507_183427-1024x584.jpg 1024w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2020\/06\/20160507_183427-1300x742.jpg 1300w\" sizes=\"auto, (max-width: 1732px) 100vw, 1732px\"\/><figcaption id=\"caption-attachment-22138\" class=\"wp-caption-text\">Osch, Blick nach Osten vom Sulejman-Too Berg aus<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify\">Au&#xDF;erdem lie&#xDF;en die Sicherheitskr&#xE4;fte in den ersten Tagen der Gewalt die Stra&#xDF;en der Stadt weitgehend frei und damit den Weg f&#xFC;r kampfbereite kirgisische Jugendbanden offen. &#x201E;<em>Die Armee beobachtete die Gewalt und griff nicht ein<\/em>&#x201C;, hei&#xDF;t es im Bericht der unabh&#xE4;ngigen Untersuchungskommission. &#x201E;<em>Die Rolle der Sicherheitskr&#xE4;fte bei den Ereignissen ist wichtig [&#x2026;]. W&#xE4;ren diese Truppen ordnungsgem&#xE4;&#xDF; eingesetzt worden, h&#xE4;tte die Gewalt verhindern verhindert und den aus l&#xE4;ndlichen Gebieten zugezogenen Angreifern der Zugang zur Stadt Osch versperrt werden k&#xF6;nnen<\/em>&#x201C;, schloss die Kommission.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>6 Welche Rolle spielten der ehemalige Pr&#xE4;sident Bakijew und seine Anh&#xE4;nger?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wie die franz&#xF6;sische Tageszeitung <a href=\"https:\/\/www.lemonde.fr\/international\/article\/2010\/06\/13\/pourquoi-le-sud-du-kirghizistan-s-embrase_1372103_3210.html\">Le Monde<\/a> im Juni 2010 kommentierte, glaubten mehrere Beobachter, die Gewalt sei vom ehemaligen Pr&#xE4;sidenten und seinem Umfeld orchestriert worden. Diese These wurde auch wiederholt von der kirgisischen &#xDC;bergangsregierung verbreitet. Demnach seien die Unruhen Teil eines Versuchs, die Macht wiederzuerlangen. Allerdings haben weder NGOs noch die unabh&#xE4;ngige Untersuchungskommission Beweise f&#xFC;r eine Beteiligung des ehemaligen Pr&#xE4;sidenten gefunden. &#x201E;<em>Es gibt keine schl&#xFC;ssigen Beweise f&#xFC;r die Beteiligung der Bakijews bei der konkreten Planung der Ereignisse im Juni<\/em>&#x201C;, hei&#xDF;t es im Bericht der Kommission. F&#xFC;r International Crisis Group scheint es sogar wahrscheinlich, dass &#x201E;<em>die Regierung das Ausma&#xDF; der Bakijew-Verschw&#xF6;rung &#xFC;bertrieben hat, um ihre eigene Ohnmacht angesichts der Trag&#xF6;die zu rechtfertigen<\/em>&#x201C;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Eine direkte Beteiligung Bakijews erscheint zwar unwahrscheinlich, die kriminellen und mafi&#xF6;sen Netzwerke, die vom politischen Schutz des ehemaligen Pr&#xE4;sidenten profitierten, werden jedoch ebenfalls beschuldigt. Tats&#xE4;chlich hatten diese Netzwerke, die den sehr lukrativen Drogenhandel kontrollierten, viel zu verlieren. &#x201E;<em>Der Abgang von Pr&#xE4;sident Bakijew hat zu einer Reihe von wirtschaftlichen und politischen Marginalisierungen gef&#xFC;hrt, die sowohl Usbeken als auch Kirgisen betreffen. Die mit der Bakijew-Familie verbundenen Polit-Mafia-Gruppen akzeptierten ihre Marginalisierung nicht und verfolgten eine selbstm&#xF6;rderische und m&#xF6;rderische Logik, indem sie Gewalt ausl&#xF6;sten, die in eine inter-ethnische Konfrontation m&#xFC;ndete<\/em>&#x201C;, schreibt der Anthropologe Boris Petric in seiner <a href=\"https:\/\/www.cairn.info\/revue-herodote-2010-3-page-58.htm\">Studie &#xFC;ber die Ereignisse in Osch.<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>7 Waren die Vereinigten Staaten und Russland an den Ereignissen beteiligt?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Im Westen wurden die Ereignisse des Jahres 2010 manchmal als ein Destabilisierungsversuch seitens Russlands dargestellt, da sich dieses zu sehr den Vereinigten Staaten gen&#xE4;hert habe. Tats&#xE4;chlich errichteten die USA 2001 im Rahmen des Krieges in Afghanistan eine Milit&#xE4;rbasis in <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Transit_Center_at_Manas\">Manas<\/a>, nur wenige Kilometer von Kirgistans Hauptstadt Bischkek entfernt. Brennstofflieferungen rund um den St&#xFC;tzpunkt standen auch im Mittelpunkt mehrerer Korruptionsskandale, in die die Familie Bakijew verwickelt war und die zu ihrer Unbeliebtheit in der Bev&#xF6;lkerung beigetragen haben. Das Prisma des amerikanisch-russischen Kalten Krieges scheint jedoch nicht die geeignetste Lesart f&#xFC;r die Ereignisse im Juni 2010 zu sein. &#x201E;<em>Dies sind nur Spekulationen. Es gibt keinen direkten Beweis f&#xFC;r eine Beteiligung Russlands<\/em>&#x201E;, so Kutmanalijew.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In Wirklichkeit hat vor allem die Passivit&#xE4;t der beiden Gro&#xDF;m&#xE4;chte gegen&#xFC;ber der Ereignisse &#xFC;berrascht. Als die amtierende kirgisische Pr&#xE4;sidentin Otunbajewa am 12. Juni 2010 zugab, dass die Situation in Osch au&#xDF;er Kontrolle geraten war, weigerte sich Russland einzugreifen. Auch die USA lehnten ab, als die kirgisische Regierung um ein Darlehen f&#xFC;r gepanzerte Fahrzeuge bat. Zur Erkl&#xE4;rung argumentiert der Bericht von <a href=\"https:\/\/www.crisisgroup.org\/europe-central-asia\/central-asia\/kyrgyzstan\/pogroms-kyrgyzstan\">International Crisis Group<\/a>, dass &#x201E;<em>Russland nur wenige starke politische oder wirtschaftliche Interessen in Kirgistan hat, dem es an dem &#xD6;l, Gas und anderen Ressourcen mangelt, die seine Nachbarn besitzen<\/em>&#x201C;. Auch die Vereinigten Staaten hatten keine langfristigen Interessen in dem Land: Der Milit&#xE4;rst&#xFC;tzpunkt Manas wurde 2014 <a href=\"https:\/\/novastan.org\/fr\/kirghizstan\/la-fin-dune-ere-pour-lengagement-americain-en-asie-centrale\/\">geschlossen<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>8 Unter welchen Bedingungen kehrten die Fl&#xFC;chtlinge zur&#xFC;ck?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nach Angaben der Vereinten Nationen, zitiert von der britischen Zeitung <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/world\/2010\/jun\/17\/kyrgyzstan-ethnic-violence-refugees-united-nations\">The Guardian<\/a>, wurden durch die Gewalt im Juni 2010 mindestens 400.000 Menschen vertrieben. Etwa 100.000 von ihnen haben in Usbekistan, das an die Regionen Osch und Dschalal-Abad grenzt, Zuflucht gefunden. Die &#xFC;berw&#xE4;ltigende Mehrheit davon waren Frauen und Kinder, die in Lagern in der Region <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Provinz_Andijon\">Andijon<\/a> in Usbekistan untergebracht wurden. Nach Angaben von International Crisis Group durften die Fl&#xFC;chtlinge die Lager, in denen sich die meisten etwa zwei Wochen aufhielten, nicht verlassen. Die meisten der 300.000 Binnenvertriebenen in Kirgistan flohen nach Angaben des <a href=\"https:\/\/www.unhcr.org\/news\/latest\/2010\/6\/4c1a2f669\/crisis-kyrgyzstan-leaves-300000-internally-displaced.html\">UN-Hochkommissars f&#xFC;r Fl&#xFC;chtlinge<\/a> (UNHCR) in den Norden in die Hauptstadt Bischkek.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Fl&#xFC;chtlinge in Usbekistan standen schnell unter starkem Druck der usbekischen und kirgisischen Beh&#xF6;rden, nach Osch und Dschalalal-Abad zur&#xFC;ckzukehren. Am 23. Juni 2010 brachte UNHCR seine Besorgnis &#xFC;ber die Situation zum Ausdruck. &#x201E;<em>R&#xFC;ckf&#xFC;hrungen m&#xFC;ssen geordnet, freiwillig und unter Bedingungen der Sicherheit und W&#xFC;rde durchgef&#xFC;hrt werden. Wir fordern die Beh&#xF6;rden auf, nicht gegen den Willen von Fl&#xFC;chtlingen und anderen Vertriebenen die R&#xFC;ckkehr zu fordern<\/em>&#x201C;, sagte die Organisation. Trotz dieses Appells kehrte die Mehrheit der Fl&#xFC;chtlinge noch im selben Monat nach Kirgistan zur&#xFC;ck. Viele wurden dann in Zelten untergebracht, die von Hilfsorganisationen in der N&#xE4;he ihrer zerst&#xF6;rten H&#xE4;user und Gesch&#xE4;fte zur Verf&#xFC;gung gestellt wurden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>9 Wer wurde verhaftet und verurteilt?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nachdem am 20. Juni alle Barrikaden in der Stadt beseitigt waren, f&#xFC;hrten die kirgisischen Sicherheitskr&#xE4;fte sofort mehrere Operationen durch, um mutma&#xDF;liche Gewaltt&#xE4;ter festzunehmen. Laut einem <a href=\"https:\/\/www.hrw.org\/report\/2011\/06\/08\/distorted-justice\/kyrgyzstans-flawed-investigations-and-trials-2010-violence\">vernichtenden Bericht von HRW<\/a>, der im Juni 2011 ver&#xF6;ffentlicht wurde, war die &#xFC;berw&#xE4;ltigende Mehrheit der Verhafteten usbekischer Herkunft. &#x201E;<em>Es gibt Grund zu der Annahme, dass die kirgisischen Beh&#xF6;rden unverh&#xE4;ltnism&#xE4;&#xDF;ig gezielt gegen Usbeken vorgingen und vergleichsweise nachl&#xE4;ssig dabei waren, kirgisische Verd&#xE4;chtige vor Gericht zu bringen<\/em>&#x201C;, schrieb die NGO. Tats&#xE4;chlich waren am 10. Dezember 2010 230 der 271 festgenommenen Verd&#xE4;chtigen Usbeken, also rund 85 Prozent. Auch 115 der 124 f&#xFC;r Mord angeklagten Personen waren Usbeken.<\/p>\n<p style=\"background-color: #d4d4d4;\"><span style=\"color: #000000;\">Lust auf Zentralasien in eurer Mailbox? Abonniert unseren kostenlosen w&#xF6;chentlichen Newsletter <strong><span style=\"text-decoration: underline;\"><a href=\"https:\/\/2ff41361.sibforms.com\/serve\/MUIFAD3kOVgHRZMEzVL0tQuvV__Lm5slYuTqY-DEgdyDpH9WazOpCwYD2CLbIZdPKxyD_Mnaw2SKMY78StG6vCfPNIE1HcIumNXgnjsKyqsb8MuZ5Ng1jN3cNsBhf4SSp2VDJAgy_38b6jiUL7aU6Y-RaIAVhUpNqW1tNwmWOB-8YcNp9LBWEk57rUlkszlx_tQ8qxYED63Sz6UU\">mit einem Klick.<\/a><\/span><\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die kirgisischen Beh&#xF6;rden haben daher sicherlich nur einen Bruchteil derer verhaftet, die f&#xFC;r die T&#xF6;tungen und Zerst&#xF6;rungen verantwortlich waren. Es wurde auch nie eine ernsthafte Untersuchung durchgef&#xFC;hrt, um die wahren T&#xE4;ter und Provokateure zu identifizieren. Andererseits sind usbekische Verd&#xE4;chtige Opfer einer betr&#xE4;chtlichen Anzahl von Missbrauchsf&#xE4;llen geworden, die HRW dokumentiert hat. Nach Angaben der NGO haben die F&#xE4;lle von willk&#xFC;rlichen Verhaftungen, Misshandlungen und Folter von Gefangenen durch Sicherheitskr&#xE4;fte nach Juni 2010 zugenommen. Das Justizsystem hat die T&#xE4;ter dieser zum Teil v&#xF6;lkerrechtswidrigen Verbrechen nie strafrechtlich verfolgt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Der Fall <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/kirgistan\/kirgistan-lebenslange-freiheitsstrafe-fuer-menschenrechtler-askarow-bestaetigt\/\">Asimdschon Askarow<\/a> ist bezeichnend f&#xFC;r die Unf&#xE4;higkeit der kirgisischen Beh&#xF6;rden, sich der Vergangenheit zu stellen und auch nachtr&#xE4;glich f&#xFC;r Gerechtigkeit zu sorgen. Der kirgistanische usbekische Journalist und Menschenrechtsaktivist, der die Beteiligung von Strafverfolgungsbeamten an der Gewalt dokumentierte, wurde am 15. Juni 2010 verhaftet. Nach einer Anklage wegen Anstiftung zum interethnischen Hass und Beihilfe zum Mord wurde er im September 2010 zu lebenslanger Haft verurteilt. Der Prozess war durch zahlreiche Verletzungen der Rechte der Verteidigung gekennzeichnet, w&#xE4;hrend Askarow die Sicherheitskr&#xE4;fte der Folter beschuldigte. <a href=\"https:\/\/www.amnesty.de\/urgent-action\/ua-135-2010-5\/lebenlange-haft\">Amnesty International<\/a> hat Askarow als &#x201E;politischen Gefangenen&#x201C; bezeichnet. Nach zahlreichen gerichtlichen Wendungen <a href=\"https:\/\/www.azattyk.org\/a\/azimjan-askarov-sot-okum\/30610350.html\">best&#xE4;tigte<\/a> der Oberste Gerichtshof Kirgisistans jedoch am 13. Mai dieses Jahres seine lebenslange Haftstrafe. Im Alter von 69 Jahren ist dieser gebrechliche alte Mann wei&#xDF;em Bart zum Symbol einer Vergangenheit geworden, die Kirgistan immer noch heimsucht.<\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><strong>Quentin Couvreur<br>\nJournalist f&#xFC;r Novastan<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><strong>Aus dem Franz&#xF6;sischen von der Redaktion<\/strong><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kan&#xE4;len, schaut mal vorbei bei <\/span><a href=\"https:\/\/twitter.com\/novastan_de\"><span style=\"font-weight: 400;\">Twitter<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">, <\/span><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Novastan.org\/\"><span style=\"font-weight: 400;\">Facebook<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">, <\/span><a href=\"https:\/\/telegram.me\/novastan\"><span style=\"font-weight: 400;\">Telegram<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">, <\/span><a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/company\/novastan\/\"><span style=\"font-weight: 400;\">Linkedin<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> oder <\/span><a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/novastanorg\/\"><span style=\"font-weight: 400;\">Instagram<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">. F&#xFC;r Zentralasien direkt in eurer Mailbox k&#xF6;nnt ihr euch auch zu unserem <\/span><a href=\"http:\/\/eepurl.com\/O0Qub\"><span style=\"font-weight: 400;\">w&#xF6;chentlichen Newsletter anmelden<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">. <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 10. Juni 2010 gab es in Osch, im S&#xFC;den Kirgistans, gewaltt&#xE4;tige Ausschreitungen. Nach dem Sturz von Pr&#xE4;sident Kurmanbek Bakijew im April jenes Jahres eskalierten gesellschaftliche Spannungen und fanden ihren H&#xF6;hepunkt in wahren &#x201E;Pogromen&#x201C; gegen die usbekische Minderheit. Zehn Jahre nach den Ereignissen zieht Novastan eine Bilanz dessen, was wir wissen. 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