{"id":21782,"date":"2020-05-21T18:59:30","date_gmt":"2020-05-21T16:59:30","guid":{"rendered":"https:\/\/novastan.org\/de\/?p=21782"},"modified":"2020-05-21T18:59:30","modified_gmt":"2020-05-21T16:59:30","slug":"wie-sowjetische-intellektuelle-und-beamte-fuer-nehru-die-geschichte-umschrieben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/novastan.org\/de\/kirgistan\/wie-sowjetische-intellektuelle-und-beamte-fuer-nehru-die-geschichte-umschrieben\/","title":{"rendered":"Wie sowjetische Intellektuelle und Beamte f\u00fcr Nehru die Geschichte umschrieben"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\"><strong>Die Historikerin Hanna Jansen von der Universit&#xE4;t Amsterdam hat die kurzlebigen Bestrebungen indischer und zentralasiatisch-sowjetischer Wissenschaftler und Schriftsteller untersucht, welche auf eine kulturelle und ideologische Umstrukturierung der UNESCO abzielten. Folgender Artikel erschien im russischen Original bei <a href=\"https:\/\/fergana.news\/articles\/117458\/\">Fergana News<\/a>, wir &#xFC;bersetzen ihn mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nach dem Zweiten Weltkrieg, <span style=\"font-weight: normal\"><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Teilung_Indiens\">Indiens erfolgreichem Unabh&#xE4;ngigkeitskampf<\/a><\/span> und dem Aufstieg des kommunistischen China in internationalen Organisationen &#x2013; der UNO und insbesondere der UNESCO &#x2013; wehte ein frischer Wind. Im Zuge dieser Aufbruchsstimmung in den 1950er Jahren erhielten Schriftsteller und Wissenschaftler aus dem sowjetischen Zentralasien die einmalige Chance, die Weltb&#xFC;hne zu betreten. Gemeinsam mit ihren Kollegen aus Indien versuchten sie, die Infrastruktur der UNESCO auf ein neues Programm &#x201E;umzustellen&#x201C;, bei dem die historische Einheit der V&#xF6;lker Asiens und Afrikas, unabh&#xE4;ngig von modernen politischen Grenzen und ideologischen Lagern, im Vordergrund stehen sollte. Zentralasiatische Intellektuelle, so die Historikerin <a href=\"https:\/\/www.uva.nl\/en\/profile\/j\/a\/h.e.jansen\/h.e.jansen.html?cb\">Hanna Jansen<\/a> (Universit&#xE4;t Amsterdam), arbeiteten nicht nur f&#xFC;r Nikita Chruschtschows &#x201E;Soft Power&#x201C;-Strategie, sondern setzten sich auch bewusst f&#xFC;r die Einigkeit zwischen den V&#xF6;lkern Asiens und Afrikas ein. Das Schicksal dieses Projekts ist Gegenstand von Jansens Studie &#x201E;&#xAB;Afro-Asians&#xBB; in UNESCO: Reorienting World History&#x201C;, die k&#xFC;rzlich in der wissenschaftlichen Zeitschrift Journal of World History <a href=\"https:\/\/muse.jhu.edu\/article\/729109\">ver&#xF6;ffentlicht<\/a> wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Wie alles begann<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Unter Joseph Stalin wurden die zentralasiatischen Republiken in anderen asiatischen Staaten als sowjetisch, und damit in erster Linie als &#x201E;europ&#xE4;isch&#x201C; wahrgenommen, und sie wurden nicht zur ersten <span style=\"font-weight: normal\"><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bandung-Konferenz\">Konferenz asiatischer und afrikanischer L&#xE4;nder in Bandung<\/a><\/span> (1955) einberufen. Doch nach der Ann&#xE4;herung der UdSSR an Indien, nach der Aufmerksamkeit von <span style=\"font-weight: normal\"><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Jawaharlal_Nehru\">Jawaharlal Nehru<\/a><\/span> und Chruschtschow f&#xFC;r &#x201E;soft power&#x201C; (Fergana <span style=\"font-weight: normal\"><a href=\"https:\/\/fergana.ru\/articles\/115239\/\">schrieb k&#xFC;rzlich<\/a><\/span> dar&#xFC;ber [auf Russisch. Anm. d. Red.]), &#xE4;nderte sich die Situation, und Vertreter Zentralasiens und Transkaukasiens vertraten ganz unabh&#xE4;ngig voneinander die Kultur und die wirtschaftlichen Errungenschaften ihrer Republiken auf der internationalen B&#xFC;hne. Die wichtigste Plattform f&#xFC;r sie war das 1956 gegr&#xFC;ndete Sowjetische Komitee f&#xFC;r die Solidarit&#xE4;t unter den L&#xE4;ndern Asiens und Afrikas (SKSAA).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><\/p><p style=\"background-color: #d4d4d4;\"><span style=\"color: #000000;\">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin &#xFC;ber Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/novastan-ev\/werde-unser-mitglied-werde-novastan\/\"><strong>Dank eurer Teilnahme<\/strong><\/a>. Wir sind <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/novastan-ev\/unser-projekt\/\">unabh&#xE4;ngig<\/a> und wollen es bleiben, daf&#xFC;r brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/novastan-ev\/spenden\/\">Spende<\/a><\/strong> helft ihr uns, weiter ein realit&#xE4;tsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Neben dem internationalen Kulturaustausch arbeiteten seine Mitglieder auch an einem wissenschaftlichen Programm: der Erforschung und Aktualisierung des kulturellen Erbes der V&#xF6;lker des Ostens. Das Hauptwerk von Nehru, &#x201E;Die Entdeckung Indiens&#x201C;, in dem der erste indische Ministerpr&#xE4;sident das gemeinsame kulturelle Erbe als Gegenmittel gegen religi&#xF6;se und politische Konflikte (etwa zwischen Hindus und Muslimen) erkl&#xE4;rte, hatte das gleiche Ziel. Unter Stalin w&#xE4;re Nehrus Buch als Modell des b&#xFC;rgerlichen Nationalismus gebrandmarkt worden, aber bereits w&#xE4;hrend des <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tauwetter-Periode\">Tauwetters<\/a> wurde es f&#xFC;r seinen Humanismus gelobt und als herausragendes Beispiel f&#xFC;r den gesamten Osten angesehen. Bereits das SKSAA kritisierte die UNESCO wegen ihres Eurozentrismus, der sich u.a. in der zahlenm&#xE4;&#xDF;igen &#xDC;berlegenheit der europ&#xE4;ischen Mitgliedsstaaten und der mangelnden Aufmerksamkeit f&#xFC;r die kulturellen Errungenschaften Asiens ausdr&#xFC;ckte. Die Kritik blieb nicht ohne Folgen, und als die UdSSR der Organisation beitrat, wurde ihr Vertreter, der Orientalist <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Alexander_Andrejewitsch_Guber\">Alexander Huber<\/a>, in die Redaktion des mehrb&#xE4;ndigen Buches &#x201E;Intellektuelle und wissenschaftliche Geschichte der Menschheit&#x201C; aufgenommen &#x2013; eine Idee des gro&#xDF;en britischen Sinologen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Joseph_Needham\">Joseph Needham<\/a>. Needham und seine Kollegen versuchten, einen neuen Typus der Geschichtsbeschreibung zu begr&#xFC;nden, bei dem nicht wie &#xFC;blich die Politik oder die westlichen Kolonisatoren die Hauptrolle spielen sollten. Sie hatte vielmehr zum Ziel, eine komplexe Analyse der Errungenschaften &#xF6;stlicher Kulturen, die gleichberechtigt mit den westlichen angesehen werden, zu leisten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/kirgistan\/die-sowjetische-geschichte-zentralasiens-12\/\">Die sowjetische Geschichte Zentralasiens (1\/2)<\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Zus&#xE4;tzlich zur &#x201E;Geschichte der Menschheit&#x201C; begann in denselben Jahren unter der Schirmherrschaft indischer Intellektueller die Arbeit an einem weiteren ehrgeizigen Projekt: einem mehrb&#xE4;ndigen Buch zur &#x201E;Geschichte Asiens&#x201C;. Sie wurde pers&#xF6;nlich von Jawaharlal Nehru geleitet, und dem Redaktionsausschuss geh&#xF6;rten viele Wissenschaftler aus der ganzen Welt an, darunter der ber&#xFC;hmte britische Historiker <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Arnold_J._Toynbee\">Arnold Toynbee<\/a> und der indische Botschafter in Frankreich, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/K._Madhava_Panikkar\">Kawalam Madhava Panikkar<\/a>. Das Projekt verfolgte einen demokratischen, integrativen Ansatz &#x2013; es wollte zeigen, dass die Weltzivilisation nicht von Staaten, sondern von V&#xF6;lkern und ihren Verbindungen, kultureller Arbeit und intellektuellen Errungenschaften von Gruppen geschaffen wird, die unabh&#xE4;ngig von staatlichen Autorit&#xE4;ten sind. Der asiatische Kontinent fungierte als Linse, durch die man die Verbindungen und &#xDC;berschneidungen zwischen verschiedenen Trends in der kulturellen Entwicklung sehen kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><b>Gafurov und die gro&#xDF;e Strategie der Tadschiken<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die UdSSR beteiligte sich aktiv an diesem Programm einer Umschreibung der Geschichte &#x2013; sie wurde demokratischer und bestritt offen die Rolle des Westens als Hauptmotor der Weltgeschichte. Der neue Direktor des Instituts f&#xFC;r Orientalistik der Akademie der Wissenschaften der UdSSR wurde <span style=\"font-weight: normal\"><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bobodschon_Ghafurow\">Bobodschon Gafurov<\/a><\/span>, ehemaliger Erster Sekret&#xE4;r der Kommunistischen Partei Tadschikistans. Mit dieser Ernennung versuchte Chruschtschow der Welt zu zeigen, dass die Vertreter der &#xF6;stlichen V&#xF6;lker in der UdSSR die wissenschaftliche Agenda selbst bestimmen k&#xF6;nnen. 1957 wurde Gafurov Vorsitzender des sowjetischen Komitees f&#xFC;r die Beziehungen zwischen Ost und West, und mit der UNESCO verband ihn eine Freundschaft mit <span style=\"font-weight: normal\"><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mirso_Tursunsoda\">Mirso Tursunsoda<\/a><\/span>, dem Vorsitzenden des sowjetischen Solidarit&#xE4;tskomitees f&#xFC;r Asien und Afrika. Dar&#xFC;ber hinaus war Igor Reisner, ein Mitglied des Redaktionsausschusses der &#x201E;Geschichte Asiens&#x201C;, bereits in den 1940er Jahren Gafurovs wissenschaftlicher Direktor.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><\/p><p style=\"background-color: #d4d4d4;\"><span style=\"color: #000000;\">Lust auf Zentralasien in eurer Mailbox? 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Dar&#xFC;ber hinaus kritisierte Gafurov von Beginn seiner akademischen Laufbahn an westliche Geschichtskonzepte und betonte die Notwendigkeit, die Vergangenheit des tadschikischen Volkes, eines &#x201E;Volkes ohne Geschichte&#x201C;, das von &#x201E;b&#xFC;rgerlichen Historikern&#x201C; ignoriert wird, der Welt zu &#xF6;ffnen. Wie Nehru in &#x201E;Die Entdeckung Indiens&#x201C; argumentierte Gafurov, dass die Geschichte des tadschikischen Volkes der Welt beweisen w&#xFC;rde, dass die Menschen Zentralasiens zur Schatzkammer der menschlichen Kultur beigetragen haben.<\/p>\n<figure id=\"attachment_21787\" aria-describedby=\"caption-attachment-21787\" style=\"width: 720px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-21787\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2020\/05\/Gafurov-Museum-in-Tadschikistan.jpg\" alt=\"\" width=\"720\" height=\"478\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2020\/05\/Gafurov-Museum-in-Tadschikistan.jpg 720w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2020\/05\/Gafurov-Museum-in-Tadschikistan-300x199.jpg 300w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2020\/05\/Gafurov-Museum-in-Tadschikistan-128x86.jpg 128w\" sizes=\"auto, (max-width: 720px) 100vw, 720px\"\/><figcaption id=\"caption-attachment-21787\" class=\"wp-caption-text\">Gafurov-Museum in Gafurov, Tadschikistan<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify\">So waren die Kulturprogramme und Buchprojekte der UNESCO bis Mitte der 1950er Jahre f&#xFC;r viele Politiker zu einer strategischen Ressource geworden. Die Ideologie der Einheit zwischen den V&#xF6;lkern Asiens und Afrikas half Nehru bei der Bek&#xE4;mpfung des Konflikts zwischen Muslimen und Hindus im unabh&#xE4;ngigen Indien und Gafurov bei der Aufwertung des tadschikischen Volkes, das nicht mehr als Zusammenschluss von Bewohnern einer kleinen Bergrepublik, sondern als Schl&#xFC;sselelement in der Geschichte und Kultur des Ostens wahrgenommen werden sollte. Der sowjetische Generalsekret&#xE4;r Chruschtschow war indes mit der L&#xF6;sung von konkreteren Aufgaben besch&#xE4;ftigt: Jede &#xF6;ffentliche Aktivit&#xE4;t der Zentralasiaten auf der Weltb&#xFC;hne war f&#xFC;r sein Projekt der &#x201E;Wende nach Osten&#x201C;, die diplomatische Ann&#xE4;herung an die neuen unabh&#xE4;ngigen Staaten Asiens und Afrikas, von Nutzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/tadschikistan\/25-jahre-unabhngigkeit-tadschikistans-komplizierte-geschichte\/\">25 Jahre Unabh&#xE4;ngigkeit: Tadschikistans komplizierte Geschichte<\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Aber auch Vertreter der Sowjetrepubliken zogen aktiv die Decke &#xFC;ber sich zusammen und arbeiteten an der Umgestaltung der SKSAA-Agenda. Jansen schreibt ausf&#xFC;hrlich &#xFC;ber die Diskussionen auf einer Sitzung des Pr&#xE4;sidiums der Organisation im November 1956. Der kasachische Schriftsteller <span style=\"font-weight: normal\"><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Muchtar_%C3%84uesow\">Muchtar Auezov<\/a><\/span> schlug vor, in den Hauptst&#xE4;dten der Republiken Konferenzen der afroasiatischen Solidarit&#xE4;t abzuhalten und in den sowjetischen Medien mehr &#xFC;ber die zentralasiatischen Republiken zu berichten. Trotz der grunds&#xE4;tzlichen sowjetischen Furcht vor Spionen und des schwindenden Einflusses b&#xFC;rgerlicher L&#xE4;nder wurden grenz&#xFC;berschreitende Verbindungen anvisiert: Der georgische Regisseur Akaki Chorava wies auf die Bedeutung der Beziehungen zwischen georgischen Muslimen in Georgien, Iran und der T&#xFC;rkei hin, und der Pr&#xE4;sident der Turkmenischen Akademie der Wissenschaften, Tagan Berdiev, sagte, dass die Turkmenen im Irak, Iran und der T&#xFC;rkei der UdSSR helfen w&#xFC;rden, enge Verbindungen mit der fortschrittlichen Intelligenz dieser L&#xE4;nder herzustellen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Historikerin betont, dass internationale Solidarit&#xE4;t und interkulturelle Kontakte f&#xFC;r die Mitglieder des SKSAA keine abstrakten Schlagworte waren, sondern ein Spiegelbild ihrer realen Lebenserfahrung. Gafurov und Tursunsoda verbrachten ihre Kindheit in einem mehrsprachigen und multinationalen Umfeld, das noch nicht in die getrennten Republiken &#x201E;Usbekistan&#x201C; und &#x201E;Tadschikistan&#x201C; aufgeteilt war. Auch ihre islamische Erziehung spielte eine wichtige Rolle &#x2013; der Islam nicht als eine fanatische religi&#xF6;se Tradition, sondern als Grundlage einer v&#xF6;lkerverbindenden Kultur. In Gafurovs historischem Konzept vereinten die Sufi-Dichtung und die islamische Literatur im Allgemeinen die V&#xF6;lker des Ostens, die durch Kriege und Politiker gespalten waren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>H&#xF6;hepunkt und Ende des globalen Projekts<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Der H&#xF6;hepunkt der &#x201E;Vereinigung&#x201C; der UNESCO, des Kremls und der zentralasiatischen Eliten war <span style=\"font-weight: normal\"><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Afro-Asiatische_Schriftstellerorganisation\">die Konferenz der Schriftsteller Asiens und Afrikas<\/a><\/span> in Taschkent (Oktober 1958). Die Wahl des Ortes &#x2013; nicht Moskau, sondern die Hauptstadt des &#x201E;sowjetischen Ostens&#x201C; &#x2013; kam auch den einheimischen Intellektuellen zugute und demonstrierte der Welt, dass Entkolonialisierung und Modernisierung auch auf dem sozialistischen Entwicklungspfad m&#xF6;glich sind. Zur Er&#xF6;ffnung der Konferenz rief der Erste Sekret&#xE4;r der Kommunistischen Partei Usbekistans, <span style=\"font-weight: normal\"><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nuritdin_Akramowitsch_Muchitdinow\">Nuritdin Muchitdinov<\/a><\/span>, die Schriftsteller dazu auf, das jahrhundertealte gemeinsame Erbe von Kultur und Geschichte nicht zu vergessen. Es gab nicht ausschlie&#xDF;lich sowjetische Propaganda zu h&#xF6;ren: Der Kongress wurde vom burmesischen F&#xFC;hrer Wu Wu, weit entfernt vom Kommunismus, er&#xF6;ffnet. Wu Wus Rede befand sich im Einklang mit der gleichen Ideologie: Humanismus und ein gemeinsames spirituelles Erbe der V&#xF6;lker Asiens werden es ihnen, nachdem sie das Joch der Kolonisatoren abgeworfen haben, erm&#xF6;glichen, nicht in die romantische Faszination der vorkolonialen Vergangenheit einzutauchen, sondern eine rasche Modernisierung einzuleiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das kulturelle und ideologische Programm von Gafurov, Tursunsoda und Nehru stie&#xDF; jedoch auch auf Widerstand. Die Kommunistische Partei Chinas und ihr Vorsitzender Mao pers&#xF6;nlich lehnten die Ideen der &#x201E;geistigen Einheit der V&#xF6;lker Asiens&#x201C; als Widerspruch zum Sozialismus und als Deckmantel f&#xFC;r den &#x201E;Sowjetimperialismus&#x201C; ab. Auch afrikanische Delegierte der Organisation f&#xFC;r die Solidarit&#xE4;t der V&#xF6;lker Asiens und Afrikas konnten solchen kulturellen Projekten nichts abgewinnen: Man solle nicht an Humanismus und Literatur denken, sondern f&#xFC;r die Unabh&#xE4;ngigkeit der noch unter der Macht der Kolonisatoren leidenden V&#xF6;lker k&#xE4;mpfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/usbekistan\/die-geschichte-der-geschichte-wie-die-vergangenheit-aus-usbekischen-lehrbuechern-verschwindet\/\">Die Geschichte der Geschichte: Wie die Vergangenheit aus usbekischen Lehrb&#xFC;chern verschwindet<\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Aber es waren nicht diese politischen Ausbr&#xFC;che, die das Projekt schlie&#xDF;lich begraben sollten, sondern die allm&#xE4;hliche Entwicklung des intellektuellen Klimas der UNESCO. Der globale, universalistische Schwung der Geschichte der Menschheit oder der Geschichte Asiens kam aus der Mode. 1958 sandte Gafurov eine Reihe von Briefen an verschiedene Abteilungen der UNESCO und forderte mehr Aufmerksamkeit f&#xFC;r die Werke zeitgen&#xF6;ssischer Schriftsteller des &#x201E;Ostens&#x201C;, wie etwa Muchtar Auezovs. Die Idee eines einzigen &#x201E;Ostens&#x201C;, in dem neben den sowjetischen Kasachen auch Inder pr&#xE4;sent sind, passte nicht in die Logik der UN-B&#xFC;rokratie. Gafurov wurde jedoch eingeladen, sich bei bestimmten Staaten und deren Kulturprogrammen um Unterst&#xFC;tzung zu bem&#xFC;hen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Wissenschaft der damaligen Zeit trug auch zu der Idee bei, dass &#x201E;der Osten&#x201C; und sogar &#x201E;Asien&#x201C; zu amorphe und abstrakte Objekte seien und nur bestimmte L&#xE4;nder und Regionen erforscht werden k&#xF6;nnten. Kurze Zeit sp&#xE4;ter wurde Nehru in der Regierungspartei Indiens aus der Macht gedr&#xE4;ngt, und ihr <span style=\"font-weight: normal\"><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Indisch-Chinesischer_Grenzkrieg\">Konflikt mit China 1962<\/a><\/span> und die darauffolgende Ann&#xE4;herung an den Westen archivierten schlie&#xDF;lich das Projekt der revolution&#xE4;ren Kultur Asiens und Afrikas. Die &#x201E;Geschichte Asiens&#x201C; wurde nie ver&#xF6;ffentlicht. Gafurov und andere zentralasiatische Pers&#xF6;nlichkeiten arbeiteten zwar noch in zahlreichen sowjetischen Aussch&#xFC;ssen, aber sie versuchten nicht mehr, globale Projekte umzusetzen.<\/p>\n<p>&#xA0;<\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><strong>Artjem Kosmarskij f&#xFC;r <a href=\"https:\/\/fergana.news\/articles\/117458\/\">Fergana<\/a> <a href=\"https:\/\/fergana.ru\/articles\/117133\/\">News<\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><strong>Aus dem Russischen von Hannah Riedler<\/strong><\/p>\n<p>&#xA0;<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kan&#xE4;len, schaut mal vorbei bei <\/span><a href=\"https:\/\/twitter.com\/novastan_de\"><span style=\"font-weight: 400;\">Twitter<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">, <\/span><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Novastan.org\/\"><span style=\"font-weight: 400;\">Facebook<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">, <\/span><a href=\"https:\/\/telegram.me\/novastan\"><span style=\"font-weight: 400;\">Telegram<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">, <\/span><a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/company\/novastan\/\"><span style=\"font-weight: 400;\">Linkedin<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> oder <\/span><a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/novastanorg\/\"><span style=\"font-weight: 400;\">Instagram<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">. 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