{"id":21673,"date":"2020-05-25T15:18:30","date_gmt":"2020-05-25T13:18:30","guid":{"rendered":"https:\/\/novastan.org\/de\/?p=21673"},"modified":"2023-12-15T21:38:15","modified_gmt":"2023-12-15T20:38:15","slug":"turkmenistan-politische-gefangene-trotz-ende-ihrer-strafe-inhaftiert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/novastan.org\/de\/turkmenistan\/turkmenistan-politische-gefangene-trotz-ende-ihrer-strafe-inhaftiert\/","title":{"rendered":"Turkmenistan: Politische Gefangene trotz Ende ihrer Strafe inhaftiert"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die internationale Kampagne &#x201E;Zeigt sie lebendig&#x201C;, die gegen das gewaltsame Verschwinden von Menschen in Turkmenistans Gef&#xE4;ngnissen gerichtet ist, hat mitgeteilt, dass die Strafen einiger Verschwundener abgesessen sind. Was ist mit ihnen passiert? Sind sie hinter Gittern gestorben, hat man ihre Strafe verl&#xE4;ngert, vielleicht sogar lebensl&#xE4;nglich? Antworten auf diese Fragen wird es in naher Zukunft nicht geben. Turkmenistans Staatsmacht reagiert prinzipiell nicht auf die Aussagen der B&#xFC;rgerrechtlerInnen. Der folgende Artikel erschien im russischsprachigen Original auf <\/strong><a href=\"https:\/\/fergana.site\/articles\/114424\/\"><strong>Fergana News<\/strong><\/a><strong>. Wir &#xFC;bersetzen ihn mit freundlicher Genehmigung der Redaktion. <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Turkmenistan war 1999 das erste Land Zentralasiens, dass die Todesstrafe abschaffte. Ein Jahr zuvor war ein Moratorium &#xFC;ber diese Art der Bestrafung verh&#xE4;ngt worden. Im gleichen Jahr verh&#xE4;ngte auch Kirgistan ein Moratorium, aber bis zur vollst&#xE4;ndigen Abschaffung der Todesstrafe dauerte es noch bis 2007. Tadschikistan und Kasachstan folgten in den Jahren 2003-2004 mit Moratorien, die Abschaffung erfolgte bis heute aber nicht. In Usbekistan unterzeichnete 2005 der Pr&#xE4;sident ein Dekret zur Abschaffung der Todesstrafe ab dem 1. Januar 2008.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im <a href=\"https:\/\/base.spinform.ru\/show_doc.fwx?rgn=17899\">Dekret<\/a> des ersten Pr&#xE4;sidenten Turkmenistans <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Saparmyrat_Ny&#xFD;azow\">Saparmyrat Ny&#xFD;azow<\/a> &#xFC;ber die Abschaffung der Todesstrafe steht viel &#xFC;ber Humanismus, internationale Normen und eine leuchtende Zukunft. Doch wenn man sich in die Details vertieft, sieht alles nicht mehr so sch&#xF6;n aus. Laut Angaben des <a href=\"https:\/\/memohrc.org\/ru\/news\/turkmenistan-gotovitsya-reshenie-ob-otmene-zapreta-na-smertnuyu-kazn\">Menschenrechtszentrums Memorial<\/a> lag Turkmenistan in den Jahren, in denen der Personenkult um Ny&#xFD;azow aufgebaut wurde, direkt hinter China weltweit auf Platz 2 in Bezug auf die vollstreckten Todesurteile. Im Jahr 1998 wurden 674 Personen zum Tode verurteilt. Zum Vergleich: 1990 waren es in der gesamten UdSSR 447 vollstreckte Todesurteile. Erschie&#xDF;ungen wurden im unabh&#xE4;ngigen Turkmenistan recht schnell vollzogen. Von mehrj&#xE4;hrigen Berufungsverfahren (wie zum Beispiel in den USA) kann keine Rede sein.<\/p>\n<p style=\"background-color: #d4d4d4;\"><span style=\"color: #000000;\">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin &#xFC;ber Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/novastan-ev\/werde-unser-mitglied-werde-novastan\/\"><strong>Dank eurer Teilnahme<\/strong><\/a>. Wir sind <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/novastan-ev\/unser-projekt\/\">unabh&#xE4;ngig<\/a> und wollen es bleiben, daf&#xFC;r brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/novastan-ev\/spenden\/\">Spende<\/a><\/strong> helft ihr uns, weiter ein realit&#xE4;tsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ende 1998 war die Geduld der Welt&#xF6;ffentlichkeit ersch&#xF6;pft. Es war bekannt geworden, dass die turkmenischen Dissidenten Ho&#x15F;ala Gara&#xFD;ew und Muhamatkuli A&#xFD;myradow, die zu diesem Zeitpunkt bereits im Gef&#xE4;ngnis waren, bald zum Tode verurteilt werden w&#xFC;rden. Man erkl&#xE4;rte, dass Gara&#xFD;ew und A&#xFD;myradow in der Haft begonnen h&#xE4;tten, einen Staatsstreich vorzubereiten. Als Reaktion auf eine Welle internationaler Proteste beschlossen die turkmenischen Beh&#xF6;rden zuerst ein Moratorium und dann die Abschaffung der Todesstrafe. Gara&#xFD;ew wurde weniger als ein Jahr sp&#xE4;ter in einer Gef&#xE4;ngniszelle erw&#xFC;rgt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F&#xFC;r lebenslange Haftstrafen ist ein kostenintensiver Bau von Spezialgef&#xE4;ngnissen notwendig. Dies ist in sogenannten Entwicklungsl&#xE4;ndern ist oft ein Hindernis f&#xFC;r die Abschaffung der Todesstrafe. Vielleicht haben sich die Nachbarn Turkmenistans in der Region deshalb lange mit dieser Entscheidung besch&#xE4;ftigt. So wurden in Kirgistan lebenslang Verurteilte lange Zeit in Untersuchungshaft gehalten, bis erst 2015 ein Spezialgef&#xE4;ngnis f&#xFC;r sie <a href=\"https:\/\/fergana.site\/articles\/106045\/\">fertiggestellt<\/a>&#xA0;werden konnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die turkmenischen Beh&#xF6;rden besch&#xE4;ftigten sich auch drei Jahre nach der Abschaffung der Todesstrafe noch mit diesem Problem. Dies geschah aber nicht, um die Gesellschaft von zu lebenslanger Haft verurteilten manischen M&#xF6;rdern zu sch&#xFC;tzen, sondern aus politischen Gr&#xFC;nden. Im November 2002 wurde eine Gruppe von Politikern um den ehemaligen Au&#xDF;enminister Boris &#x15E;yhmyradow wegen eines versuchten Attentats auf Ny&#xFD;azow angeklagt. Laut Menschenrechtsaktivisten wurde das Attentat inszeniert, um Oppositionelle loszuwerden. Die &#x201A;Teilnehmer der Verschw&#xF6;rung&#x2018; wurden sofort zu langen Haftstrafen bis auf Lebenszeit verurteilt &#x2013; und die Beh&#xF6;rden stellten sich die Frage nach ihrer Unterbringung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/turkmenistan\/121-menschen-in-turkmenischen-gefangnissen-verschwunden\/\">121 Menschen in turkmenischen Gef&#xE4;ngnissen &#x201E;verschwunden&#x201C;<\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Jahr 2002 begann man in der W&#xFC;ste <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Karakum\">Karakum<\/a> das Gef&#xE4;ngnis Owadan-Depe zu bauen, das nach offiziellen Angaben f&#xFC;r besonders gef&#xE4;hrliche Kriminelle und Wiederholungst&#xE4;ter vorgesehen ist. Nat&#xFC;rlich sind alle Informationen &#xFC;ber dieses Gef&#xE4;ngnis streng geheim, aber in den vergangenen Jahren sind einige Daten zu unabh&#xE4;ngigen Medien durchgesickert. Es wurde berichtet, dass es im Sommer sehr hei&#xDF; und im Winter sehr kalt ist. Einige Gefangene werden auf engem Raum gehalten, w&#xE4;hrend andere durch Dunkelheit und Einsamkeit gefoltert werden. Hinzu kommen noch &#x201A;Buckelzellen&#x2018;: in ihnen ist es unm&#xF6;glich, sich aufrecht hinzustellen. Menschen, die der Hinrichtung entgangen waren, m&#xFC;ssen bis zum Ende ihres Lebens unter schwierigsten Bedingungen bleiben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Ny&#xFD;azow 2006 starb und ihm <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gurbanguly_Berdimuhamedow\">Gurbanguly Berdimuhamedow<\/a> nachfolgte, versuchten die Gefangenen in Owadan-Depe zu rebellieren, aber wie Menschenrechtsaktivisten berichteten, wurde der Aufstand hart unterdr&#xFC;ckt. Ziemlich schnell wurde klar, dass der neue Pr&#xE4;sident nicht mit einer gro&#xDF;en Geste die Feinde seines Vorg&#xE4;ngers in die Freiheit entlassen werden werde. Und es wurde nicht aufgeh&#xF6;rt, neue H&#xE4;ftlinge nach Owadan-Depe zu bringen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Unter geheimen Verschluss<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Beh&#xF6;rden Turkmenistans kommentieren Ger&#xFC;chte &#xFC;ber die Ereignisse in Owadan-Depe nicht, aber ihre allgemeine Position zu diesem Thema ist bekannt &#x2014; &#x201E;Das sind alles falsche Informationen und es ist recht wenig, was die undeutlichen anonymen Quellen sagen.&#x201C; Das mag zwar soweit richtig sein, wenn es da nicht ein &#x201A;aber&#x2018; g&#xE4;be &#x2014; es werden keine zuverl&#xE4;ssigen offiziellen Informationen &#xFC;ber Owadan-Depe ver&#xF6;ffentlicht. W&#xE4;hrend DiplomatInnen und VertreterInnen internationaler Organisationen noch gelegentlich gew&#xF6;hnliche turkmenische Gef&#xE4;ngnisse besuchen k&#xF6;nnen (nat&#xFC;rlich werden alle unangenehmen Zust&#xE4;nde vorher sorgf&#xE4;ltig <a href=\"https:\/\/fergana.site\/news\/103998\/\">verdeckt<\/a>), kann von einem Besuch ausl&#xE4;ndischer Personen in Owadan-Depe keine Rede sein. Den Gefangenen sind sogar Treffen und Korrespondenz mit Verwandten verboten. Das hei&#xDF;t, sie selbst k&#xF6;nnen auch niemandem von ihrem Leben berichten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist nicht einmal bekannt, ob die Gefangenen, die in dem Gef&#xE4;ngnis vermutet werden, noch am Leben sind. So haben die NGOs &#x201E;Unabh&#xE4;ngige Vereinigung der Juristen Turkmenistans&#x201C; und &#x201E;Turkmenische Initiative f&#xFC;r Menschenrechte&#x201C; im Jahr 2017 <a href=\"https:\/\/www.hronikatm.com\/2017\/03\/boris-shihmuradov-byil-ubit-vo-vremya-pravleniya-niyazova\/\">eine Reihe von Beweisen gesammelt<\/a>, aus denen sich folgen l&#xE4;sst, dass Boris &#x15E;yhmyradow und einige weitere wegen Teilnahme an der Verschw&#xF6;rung angeklagter Personen &#xFC;berhaupt nie nach Owadan-Depe verlegt wurden. Die Autoren der journalistischen Untersuchung nehmen an, dass diese Personen zwischen April 2003 und November 2005 im Gef&#xE4;ngnis BL-T\/5, der einzigen Strafanstalt in Turkmenistan, in der w&#xE4;hrend der Sowjetzeit Todesurteile vollstreckt wurden, erschossen wurden. Der Keller der Einrichtung wurde speziell f&#xFC;r Erschie&#xDF;ungen ausgestattet. 2008 wurde dieses Gef&#xE4;ngnis demonstrativ abgerissen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Jahr 2013, etwa zehn Jahre nach der Verurteilung wegen des Attentats auf Ny&#xFD;azow, wurde auf einer Sitzung des B&#xFC;ros f&#xFC;r Demokratische Institutionen und Menschenrechte der Organisation f&#xFC;r Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) der Start der Kampagne &#x201E;Zeigt sie lebendig&#x201C; <a href=\"https:\/\/www.fergananews.com\/articles\/7901\">angek&#xFC;ndigt<\/a>. Die InitiatorInnen der Kampagne warfen internationalen Menschenrechtsorganisationen und ausl&#xE4;ndischen Regierungen vor, gegen&#xFC;ber Berdimuhamedow, der in den bis dahin sechs Jahren seiner Pr&#xE4;sidentschaft das Problem mit Owadan-Depe nie gel&#xF6;st hatte, &#xFC;berm&#xE4;&#xDF;ig loyal zu sein. Die Forderungen der InitiatorInnen waren jedoch minimal. Sie baten weder um die Freilassung politischer Gefangener noch bestanden sie auf einer unabh&#xE4;ngigen Untersuchung der Ereignisse von 2002. Stattdessen versuchten sie nur, das Schicksal von Gefangenen zu kl&#xE4;ren und diese lebend zu zeigen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_21674\" aria-describedby=\"caption-attachment-21674\" style=\"width: 496px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-21674\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2020\/05\/63d96602-65a8-4f7f-99b4-a87032f9a3e9.jpeg\" alt=\"ine Luftaufnahme von GoogleMaps zeigt das Gef&#xE4;ngnis Owadan-Depe von oben\" width=\"496\" height=\"330\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2020\/05\/63d96602-65a8-4f7f-99b4-a87032f9a3e9.jpeg 496w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2020\/05\/63d96602-65a8-4f7f-99b4-a87032f9a3e9-300x200.jpeg 300w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2020\/05\/63d96602-65a8-4f7f-99b4-a87032f9a3e9-128x86.jpeg 128w\" sizes=\"auto, (max-width: 496px) 100vw, 496px\"\/><figcaption id=\"caption-attachment-21674\" class=\"wp-caption-text\">Eine Luftaufnahme von GoogleMaps zeigt das Gef&#xE4;ngnis Owadan-Depe von oben<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seitdem sind sieben Jahre vergangen, aber auch diese Forderung wurde nie erf&#xFC;llt. Den MenschenrechtlerInnen gelang es nur minimale Zugest&#xE4;ndnisse zu erzielen. So wurde im Sommer 2018 bekannt, dass einige H&#xE4;ftlinge aus Owadan-Depe <a href=\"https:\/\/www.hronikatm.com\/2018\/07\/memorial-vlasti-turkmenistana-razreshili-svidaniya-nekotoryim-politzaklyuchennyim-v-ovadan-depe\/\">Angeh&#xF6;rige treffen durften<\/a>. Diese Lockerung betraf jedoch nicht die angeblichen &#x201E;Feinde des Regimes&#x201C;, sondern diejenigen, die des islamischen Extremismus f&#xFC;r schuldig befunden wurden. Gelegentlich wird&#xA0; das Schicksal eines Gefangenen gekl&#xE4;rt, indem den Verwandten der Tod der entsprechenden Person gemeldet wird (insgesamt 27 Gefangene aus Owadan-Depe wurden bis heute als verstorben&#xA0;<a href=\"http:\/\/www.gundogar.org\/?0120519068000000000000011000000\">gemeldet<\/a>) oder jemand kommt frei und wird unter Aufsicht gestellt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gleichzeitig steigt die Zahl der politischen Gefangenen weiter an. In den Jahren 2016-2017 erfasste eine ganze <a href=\"https:\/\/www.fergananews.com\/news\/26863\">Welle von &#x201E;gewaltsamen Verschwinden&#x201C;<\/a> das Land. MenschenrechtlerInnen erfuhren von der Festnahme von Dutzenden von Menschen, die als oppositionell angesehen wurden. Sp&#xE4;ter wurde immer wieder etwas &#xFC;ber einzelne Verurteilte bekannt. Vermutlich befindet sich Omriyzak Omarkuly&#xFD;ew, Anf&#xFC;hrer der Gemeinschaft der turkmenischen Studenten in der T&#xFC;rkei, in Owadan-Depe. Dieser hatte im Jahr 2018 leichtfertig <a href=\"https:\/\/fergana.site\/articles\/103105\/\">versucht<\/a>, gleichzeitig mit den turkmenischen Beh&#xF6;rden sowie mit gesetzlich nicht anerkannten, unabh&#xE4;ngigen JournalistInnen zu kommunizieren. Im Herbst 2019 wurde im Internet ein Video ver&#xF6;ffentlicht, in dem es hei&#xDF;t, dass Omarkuly&#xFD;ew angeblich in der Armee diene. Menschenrechtler halten das Video jedoch f&#xFC;r fragw&#xFC;rdig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu den &#x201E;Neulingen&#x201C; in Owadan-Depe geh&#xF6;ren der ehemalige Innenminister Turkmenistans <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/turkmenistan\/turkmenischer-innenminister-wegen-korruption-entlassen\/\">Isgender Mulikow<\/a> und der fr&#xFC;here Leiter des Migrationsdienstes Meylis Nobatow. Ende November 2019 wurden sie der Korruption schuldig gesprochen und zu 15 Jahren Haft verurteilt. Mulikow war zuvor zehn Jahre lang Minister, was f&#xFC;r Turkmenistan ungew&#xF6;hnlich ist, da F&#xFC;hrungskr&#xE4;fte regelm&#xE4;&#xDF;ig ausgewechselt werden. Nobatow hatte unbest&#xE4;tigten Angaben zufolge nach seiner Entlassung aus dem Migrationsdienst im Jahr 2017 den Sicherheitsdienst Berdimuhamedows geleitet. Was hat den Pr&#xE4;sidenten dazu bewogen, den &#x201A;unsinkbaren&#x2018; Innenminister und den Kopf seiner Schutzgarde mit einem Schlag loszuwerden? War es die Beseitigung einer realen oder imagin&#xE4;ren Verschw&#xF6;rung? Diese Fragen bleiben, wie viele andere auch, unbeantwortet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nat&#xFC;rlich kann man nicht sagen, dass die Kampagne &#x201E;Zeigt sie lebendig&#x201C; nutzlos sei. Ihre Hauptleistung ist das Sammeln, Sortieren und Aktualisieren von Informationen &#xFC;ber vermisste Gefangene. Bis heute enth&#xE4;lt die von der Organisation gef&#xFC;hrte Liste die Namen von 121 Personen. Ohne die MenschenrechtlerInnen h&#xE4;tte sich kaum jemand an sie erinnert und ihr Schicksal verfolgt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Auch &#xFC;ber die Strafe hinaus in Haft<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 21. Januar 2020 machten die AktivistInnen von &#x201E;Zeigt sie lebendig&#x201C; darauf <a href=\"https:\/\/provetheyarealive.org\/statement-on-letter-to-berdymukhamedov-rus\/\">aufmerksam<\/a>, dass die Strafen einiger Personen auf ihrer Liste bereits abgesessen sind oder es bald sein werden. So h&#xE4;tten Esen Buri&#xFD;ew und Isa Garata&#xFD;ew bereits 2017 entlassen werden m&#xFC;ssen. Buri&#xFD;ew ist einer von zwei Br&#xFC;dern, die der Beteiligung an dem Putschversuch im Jahr 2002 f&#xFC;r schuldig befunden wurden. Esen wurde zu 15 Jahren und sein Bruder Aman zu 20 Jahren verurteilt. Aman starb nach unbest&#xE4;tigten Berichten 2005 im Gef&#xE4;ngnis. Auch Garata&#xFD;ew wurde im Rahmen desselben Falls zu 15 Jahren verurteilt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch Bazar Gurbanow hat seit 2018 seine Strafe abgesessen. &#xDC;ber diesen Mann ist nichts bekannt, au&#xDF;er dass er wegen Beteiligung an dem ber&#xFC;chtigten Putschversuch zu 16 Jahren verurteilt wurde. Im Jahr 2013 gab es Ger&#xFC;chte, dass er in Haft gestorben sein soll.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Jahr 2019 h&#xE4;tten gleich drei Personen freigelassen werden m&#xFC;ssen: Annagelda Akmyratow, Mamur Ata&#xFD;ew und Konstantin &#x15E;yhmyradow. &#xDC;ber Akmyratows Biografie ist nichts bekannt, au&#xDF;er dass er angeblich an der Verschw&#xF6;rung von 2002 beteiligt war und zu 17 Jahren verurteilt wurde. Konstantin &#x15E;yhmyradow, der auch eine 17-j&#xE4;hrige Haftzeit verb&#xFC;&#xDF;te, ist der j&#xFC;ngere Bruder von Boris. Er lebte in Aschgabat und machte Gesch&#xE4;fte. Im Jahr 2002 wurde er urspr&#xFC;nglich wegen Betrugs und Erpressung verhaftet, aber bald zum Mitt&#xE4;ter des versuchten Attentats auf Ny&#xFD;azow erkl&#xE4;rt. 2013 konnte Konstantin einen Zettel von Owadan-Depe aus an Angeh&#xF6;rige &#xFC;bergeben. Er berichtete, dass er selbst lebe, aber von den anderen Beteiligten nichts wisse. Sie alle w&#xFC;rde man getrennt halten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/turkmenistan\/turkmenistan-aufklarung-im-fall-muradowa\/\">Turkmenistan: Aufkl&#xE4;rung im Fall Muradowa?<\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ata&#xFD;ew seinerseits kam wenig sp&#xE4;ter als die anderen mutma&#xDF;lichen Teilnehmer der Verschw&#xF6;rung hinter Gitter. Er ist ein ethnischer Usbeke, wurde in der turkmenischen Stadt <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Da&#x15F;oguz\">Da&#x15F;oguz<\/a> geboren und lebte sp&#xE4;ter in A&#x15F;gabat. 2004 wurde er angeblich wegen Beihilfe zum illegalen Grenz&#xFC;bertritt der ebenfalls des Putschversuches beschuldigten Gebr&#xFC;der Yklymow verhaftet. Ata&#xFD;ew wurde zu einer 15-j&#xE4;hrigen Haftstrafe verurteilt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Jahr 2020 m&#xFC;ssen Rustem &#x17D;uma&#xFD;ew, Saparmyrat Muhamedow und Batyr Sar&#x17E;a&#xFD;ew entlassen werden &#x2013; 2021 Orazmamet Yklymow und Owezmyrat Yazmyratow. &#x17D;uma&#xFD;ew wurde in Tadschikistan geboren und arbeitete dort im Gesundheitsministerium. 1993 zog er nach Aschgabat und begann im epidemiologischen Dienst des Verteidigungsministeriums zu arbeiten. 1999 wurde er zum Gesch&#xE4;ftsf&#xFC;hrer des Au&#xDF;enministeriums Turkmenistans ernannt und 2001 kurzfristig in die Botschaft Turkmenistans in Wei&#xDF;russland versetzt. 2002 wurde ihm Beihilfe zur Verschw&#xF6;rung vorgeworfen &#x2014; angeblich hatte er mehreren Verschw&#xF6;rern eine Wohnung zur &#xDC;bernachtung zur Verf&#xFC;gung gestellt. Diese Entscheidung brachte ihm 18 Jahre Haft ein. Nach einigen Angaben sei &#x17D;uma&#xFD;ew 2004 in Haft verstorben, laut anderen h&#xE4;tte man ihn 2008 begnadigt. Freigekommen ist er allerdings nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch Muhamedow wurde wegen des Putsches zu 18 Jahren verurteilt. Dar&#xFC;ber hinaus ist nichts &#xFC;ber ihn bekannt. Yazmuratow arbeitete zu Sowjetzeiten 20 Jahre lang als Journalist, 1991 wechselte er in die P&#xE4;dagogik. Er wurde im Rahmen des Putschverfahrens zu 19 Jahren verurteilt. Einer der Yklymow-Gebr&#xFC;der, die mit Hilfe von Ata&#xFD;ew das Land zu verlassen versuchten, erhielt 20 Jahre Haft. Unbest&#xE4;tigten Berichten zufolge starb er 2003. Die beiden anderen Br&#xFC;der, Parahat und Saparmyrat konnten nach Schweden ausreisen und der Haft entgehen. Ein weiter Bruder, Orazmamet, erhielt 19 Jahre. Auf der Liste der AktivistInnen findet sich sein Name aber aus unerfindlichen Grund nicht.<\/p>\n<p style=\"background-color: #d4d4d4;\"><span style=\"color: #000000;\">Lust auf Zentralasien in eurer Mailbox? Abonniert unseren kostenlosen w&#xF6;chentlichen Newsletter <strong><span style=\"text-decoration: underline;\"><a href=\"https:\/\/2ff41361.sibforms.com\/serve\/MUIFAD3kOVgHRZMEzVL0tQuvV__Lm5slYuTqY-DEgdyDpH9WazOpCwYD2CLbIZdPKxyD_Mnaw2SKMY78StG6vCfPNIE1HcIumNXgnjsKyqsb8MuZ5Ng1jN3cNsBhf4SSp2VDJAgy_38b6jiUL7aU6Y-RaIAVhUpNqW1tNwmWOB-8YcNp9LBWEk57rUlkszlx_tQ8qxYED63Sz6UU\">mit einem Klick.<\/a><\/span><\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sar&#x17E;a&#xFD;ew ist der einzige der genannten Gefangenen, der mit dem Putsch nichts zu tun hat. Er arbeitete seit der Sowjetzeit in Staats- und Parteiorganen. Seit 1992 war er B&#xFC;rgermeister von A&#x15F;gabat und von 1993 bis 2001 stellvertretender Regierungschef. Dann wurde er zum Leiter der &#x201E;Turkmenischen Eisenbahnen&#x201C; ernannt, allerdings im Juli 2002 wieder entlassen. Im August desselben Jahres wurde Sar&#x17E;a&#xFD;ew wegen Korruption verhaftet und dann unterschiedlichen Angaben zufolge zu 12 beziehungsweise 18 Jahren Haft verurteilt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Information, dass all diese Menschen nicht freigelassen wurden und kaum in absehbarer Zeit entlassen werden, enth&#xE4;lt tats&#xE4;chlich nichts Sensationelles. MenschenrechtlerInnen wissen seit langem, dass politische Gefangene in Turkmenistan oft direkt im Gef&#xE4;ngnis neue Strafen bekommen, was mit stets neu entdeckten Verbrechen erkl&#xE4;rt wird. Manchmal werden sogar Angeh&#xF6;rige formell dar&#xFC;ber informiert. Doch das nutzt wenig: Selbst wenn &#xFC;ber die Verl&#xE4;ngerung der Haftstrafe informiert wird, beweist das nicht, dass der Mensch noch lebt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Chancen, dass die Gefangenen von Owadan-Depe freigelassen werden, sinken von Jahr zu Jahr. Es geht nicht nur um die schwierigen Haftbedingungen, sondern auch darum, dass viele der Verurteilten schon 2002 nicht besonders jung waren. Aber es ist immer noch m&#xF6;glich, dass einige von ihnen die Haft &#xFC;berleben werden, sollte es radikale Ver&#xE4;nderungen in Turkmenistan geben. Nur dann kann die &#xD6;ffentlichkeit aus erster Hand erfahren, was in Owadan-Depe wirklich vor sich geht.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong>Tatjana Swerintsewa f&#xFC;r <\/strong><a href=\"https:\/\/fergana.site\/articles\/114424\/\"><strong>Fergana News<\/strong><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong>Aus dem Russischen von Robin Roth<\/strong><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kan&#xE4;len, schaut mal vorbei bei <\/span><a href=\"https:\/\/twitter.com\/novastan_de\"><span style=\"font-weight: 400;\">Twitter<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">, <\/span><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Novastan.org\/\"><span style=\"font-weight: 400;\">Facebook<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">, <\/span><a href=\"https:\/\/telegram.me\/novastan\"><span style=\"font-weight: 400;\">Telegram<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">, <\/span><a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/company\/novastan\/\"><span style=\"font-weight: 400;\">Linkedin<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> oder <\/span><a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/novastanorg\/\"><span style=\"font-weight: 400;\">Instagram<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">. 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Antworten auf diese Fragen wird es in naher Zukunft nicht [&#x2026;]<\/p>\n","protected":false},"author":1934,"featured_media":21675,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[4353,7],"tags":[1199,3742,1200],"coauthors":[4957],"class_list":["post-21673","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-politik-und-wirtschaft","category-turkmenistan","tag-menschenrechte","tag-politische-gefangene","tag-turkmenistan"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21673","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1934"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=21673"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21673\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":37686,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21673\/revisions\/37686"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/21675"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=21673"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=21673"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=21673"},{"taxonomy":"author","embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/coauthors?post=21673"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}