{"id":21427,"date":"2020-05-08T08:04:29","date_gmt":"2020-05-08T06:04:29","guid":{"rendered":"https:\/\/novastan.org\/de\/?p=21427"},"modified":"2023-08-29T19:14:04","modified_gmt":"2023-08-29T17:14:04","slug":"der-kirgisische-dichter-boekoenbajew-zu-zeiten-des-grossen-terrors","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/novastan.org\/de\/kirgistan\/der-kirgisische-dichter-boekoenbajew-zu-zeiten-des-grossen-terrors\/","title":{"rendered":"Der kirgisische Dichter B\u00f6k\u00f6nbajew zu Zeiten des Gro\u00dfen Terrors"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\"><strong>Dschoomart B&#xF6;k&#xF6;nbajew (1910-1944) ist einer der bekanntesten Dichter und Autoren des fr&#xFC;hen sowjetischen Kirgistans. Der ausgebildete Journalist ist heute aber vor allem f&#xFC;r seine Aufarbeitung des nationalen kirgisischen Erbes bekannt, insbesondere des Manas-Epos, auf dem mitunter seine Oper &#x201E;Ajtsch&#xFC;r&#xF6;k&#x201C; basiert. Gerade durch solche Werke w&#xE4;re er fast dem <a href=\"https:\/\/www.dekoder.org\/de\/gnose\/grosser-terror-jeschowschtschina-saeuberungen\">gro&#xDF;en Terror<\/a> der 30er Jahre zum Opfer gefallen. Folgender Artikel erschien am 26. April in der kirgisischen Ausgabe von <a href=\"https:\/\/www.azattyk.org\/a\/repressed_kyrgyz_poetry_joomart_bokonbaev\/30544010.html\">Radio Azattyk<\/a>, wir &#xFC;bersetzen ihn mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.&#xA0; <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Bereits 1937 stand es schlecht um <a href=\"http:\/\/www.foto.kg\/galereya\/3223-istoricheskie-lichnosti-bokonbaev-dzhoomart.html\">Dschoomart B&#xF6;k&#xF6;nbajew<\/a>, einem der beliebtesten Dichter in Kirgistan. Einige seiner engen Freunde waren bereits festgenommen und zu harten Strafen verurteilt. Es war unklar, was mit den Werken B&#xF6;k&#xF6;nbajews werden w&#xFC;rde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">B&#xF6;k&#xF6;nbajew war mit einem wunderbaren literarischen Talent versehen. In den 30er Jahren wurden seine dramatischen St&#xFC;cke noch auf der B&#xFC;hne gezeigt und er stand im Zenit seiner sch&#xF6;pferischen Kraft. Gerade zu jener Zeit versch&#xE4;rfte sich die Lage um den von vielen geliebten Dichter und er wurde allm&#xE4;hlich zu den &#x201E;Volksfeinden&#x201C; gez&#xE4;hlt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>&#x201E;Das ist Verleumdung!&#x201C;<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Gr&#xFC;nde daf&#xFC;r waren, dass er die m&#xFC;ndlichen Volksepen, besonders &#x201E;<a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/kirgistan\/das-manas-epos-eine-enzyklopdie-kirgisischer-geschichten-und-sitten\/\">Manas<\/a>&#x201C;, so sehr lobte, dass er sich bem&#xFC;hte die Werke des ber&#xFC;hmten Dichters <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Toktogul_Satylganov\">Toktogul<\/a> (1864-1933) zu verbreiten, und auch dass er seine eigene Meinung unverh&#xFC;llt ausdr&#xFC;ckte. Er pflegte zwar gute Beziehungen zu einigen hochgestellten Pers&#xF6;nlichkeiten, aber auch von denen fielen viele der Repression zum Opfer. Ein solch schweres Schicksal traf auch seinen engen Freund <a href=\"http:\/\/www.foto.kg\/galereya\/3828-komsomol-v-istorii-kyrgyzstana-kambarov-kurman-pervyy-sekretar-komsomola-kirgizii.html\">Kurman Kambarow<\/a> (1909-1937), der kurz zuvor noch Erster Sekret&#xE4;r des kirgisischen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Komsomol\">Komsomol <\/a>war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/kirgistan\/manastschy-die-kirgisische-seele-in-all-ihrer-poesie\/\">Manastschy &#x2013; die kirgisische Seele in all ihrer Poesie<\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Partei und die Leiter des Sicherheitsdienstes forderten, dass er seine engsten Freunde verrate und sie volksfeindlicher Aktivit&#xE4;ten beschuldige. B&#xF6;k&#xF6;nbajews Frau Tenti Adyschewa arbeitete gemeinsam mit Kambarow, einem der Opfer der Repression, im Komsomol. Wie dieser zum &#x201E;Volksfeind&#x201C; wurde, hielt Adyschewa in ihren Memoiren, dem &#x201E;<em>Komus mit zerrissenen Saiten<\/em>&#x201C; fest:<\/p>\n<p>&#x201E;<em>Wenn ich mich nicht irre, entstand im Jahr 1937 etwas Besorgniserregendes in meiner Brust.&#xA0; <\/em><\/p>\n<p><em>Im Herbst versammelte sich das Plenum des Zentralen Komsomolkomitees. Als Mitglied des Vorstands sa&#xDF; ich im Pr&#xE4;sidium. Kurman Kambarow sa&#xDF; neben mir. Er war zu der Zeit der Kommissar f&#xFC;r &#xF6;ffentliche Bildung. Auf dem Plenum wurde viel &#xFC;ber Kambarow geredet. Ein Teil der Redner &#x201E;kritisierte&#x201C; ihn. Als wir nach dem Plenum losgingen, wandte er sich an mich:&#xA0;&#xA0;&#xA0;&#xA0;&#xA0; <\/em><\/p>\n<p><em>&#x2013; &#x201A;Haben Sie gesehen, meine Schwester, was das f&#xFC;r eine Angelegenheit ist!&#x2018; sagte er mit vor Wut ger&#xFC;mpfter Nase. Ich wusste nicht, was ich sagen sollte:<\/em><\/p>\n<p><em>&#x2013; &#x201A;Bruder, das ist doch Kritik&#x2018;, sagte ich. <\/em><\/p>\n<p><em>&#x2013; &#x201A;Kritik muss gesund sein! Das ist keine gesunde Kritik! Das ist Verleumdung&#x2018;, antwortete er auf Russisch. <\/em><\/p>\n<p><em>Was sollte ich nur sagen, ich schwieg. Ich wollte nicht &#xFC;bereilt reagieren. Ich sah ihm nach und blieb stehen. Danach sah ich ihn nicht mehr wieder&#x2026;<\/em>&#x201C;<\/p>\n<figure id=\"attachment_21430\" aria-describedby=\"caption-attachment-21430\" style=\"width: 355px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-21430 size-full\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2020\/05\/1551834474_1545132857_0-1.jpg\" alt=\"Tenti Adyschewa\" width=\"355\" height=\"500\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2020\/05\/1551834474_1545132857_0-1.jpg 355w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2020\/05\/1551834474_1545132857_0-1-213x300.jpg 213w\" sizes=\"auto, (max-width: 355px) 100vw, 355px\"\/><figcaption id=\"caption-attachment-21430\" class=\"wp-caption-text\">Tenti Adyschewa (1920-1984) in den 30er Jahren<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify\">Leute, &#xFC;ber die zu viel geredet wurde, wurden meist nach kurzer Zeit festgenommen und innerhalb von einem Jahr erschossen. Nur in seltenen F&#xE4;llen wurden sie zu 10-15 Jahren Exil im Norden oder Fernost verbannt. Nachdem viele seiner Zeitgenossen festgenommen wurden und es verboten war, ihre Namen zu nennen, wurde es auch f&#xFC;r B&#xF6;k&#xF6;nbajew eng. Als erstes traf es sein musikalisches Drama &#x201E;Altyn Kyz&#x201C; (&#x201E;Goldenes M&#xE4;dchen&#x201C;).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Dieses Drama hat B&#xF6;k&#xF6;nbajew selbst geschrieben, das St&#xFC;ck sollte auch auf der Theaterb&#xFC;hne gezeigt werden, ein Komponist hatte die Musik dazu geschrieben, das B&#xFC;hnenbild war in Vorbereitung und es wurde in der Zeitung &#x201E;Kysyl Kyrgyzstan&#x201C; (Rotes Kirgistan) beworben. Danach wurde der Titel in &#x201E;Partisanenm&#xE4;dchen&#x201C; ge&#xE4;ndert und es wurden einfach so zwei Koautoren hinzugef&#xFC;gt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Hinter den dunklen Gesch&#xE4;ften, die sich um das St&#xFC;ck abspielten, stand der Versuch, den beliebten Dichter als Staatsfeind, als bourgeoisen Nationalisten darzustellen. Man brauchte ein guten Vorwand, um die von vielen gemochte Person festzunehmen. Es war schwer, ihn allein wegen seiner Freundschaften zu verhaften. Au&#xDF;erdem bereitete sich Kirgistan 1938 f&#xFC;r die kirgisischen Kultur- und Literaturtage vor, die im Folgejahr in Moskau stattfinden sollten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">B&#xF6;k&#xF6;nbajew war der Autor von zwei der drei St&#xFC;cke, die in Moskau gespielt werden sollten. Neben &#x201E;Altyn Kyz&#x201C; sollte auch das Libretto der auf &#x201E;Manas&#x201C; basierenden Oper &#x201E;Ajtsch&#xFC;r&#xF6;k&#x201C; auf dem Kulturfest gezeigt werden. Das dritte St&#xFC;ck war das musikalische Drama &#x201E;Adschal Orduna&#x201C; (&#x201E;Anstatt des Todes&#x201C;) von <a href=\"https:\/\/ru.wikipedia.org\/wiki\/%D0%A2%D1%83%D1%80%D1%83%D1%81%D0%B1%D0%B5%D0%BA%D0%BE%D0%B2,_%D0%94%D0%B6%D1%83%D1%81%D1%83%D0%BF\">Dschusup Turusbekow<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Als B&#xF6;k&#xF6;nbajews Schicksal bald entschieden werden sollte, f&#xFC;gten die ideologischen Diener den St&#xFC;cken &#x201E;Altyn Kyz&#x201C; und &#x201E;Ajtsch&#xFC;rok&#x201C; zwei weitere Autoren hinzu, um die Werke unter anderem Namen zu zeigen, sollte der tats&#xE4;chliche Autor festgenommen werden. Auf die Weise wurden Turusbekow und <a href=\"https:\/\/ru.wikipedia.org\/wiki\/%D0%9C%D0%B0%D0%BB%D0%B8%D0%BA%D0%BE%D0%B2,_%D0%9A%D1%83%D0%B1%D0%B0%D0%BD%D1%8B%D1%87%D0%B1%D0%B5%D0%BA_%D0%98%D0%BC%D0%B0%D0%BD%D0%B0%D0%BB%D0%B8%D0%B5%D0%B2%D0%B8%D1%87\">Kubanytschbek Malikow<\/a> zu Koautoren. Wie damals der Druck auf B&#xF6;k&#xF6;nbajew zunahm, erinnerte sich sp&#xE4;ter seine Frau, Tenti Adyschewa:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">&#x201E;<em>Eines Tages wurde Dschoomart per Telefon von der Hierarchie gerufen. Nach etwa zwei Stunden kam er zur&#xFC;ck. Er war sehr traurig und beunruhigt. Ich fragte: &#x201A;Was ist passiert?&#x2018;. Er blieb einen Moment stehen, als sortiere er seine Gedanken: &#x201A;Ich habe mich gerade mit Wagow gestritten, er meinte ich bek&#xE4;me nun keinen Orden&#x2018;. Danach erz&#xE4;hlte er mir, was passiert ist. Er wurde also von Wagow empfangen (der damalige Erste Sekret&#xE4;r des kirgisischen Zentralkomitees). Zuerst befragte er ihn zu den Vorbereitungen f&#xFC;r die Kulturtage [in Moskau] und sagte, er habe erwogen Dschoomart f&#xFC;r den Lenin-Orden vorzuschlagen und wolle deswegen &#xFC;ber ein paar Angelegenheiten reden. Danach fragte er in welcher Beziehung Dschoomart zu Esenamanow, Dscholdoschew, Kambarow usw. (die 1937 als Volksfeinde verhaftet waren) stehe und forderte ihn auf, ihm eine ehrliche Antwort zu geben. Er fing an Druck zu machen. Dschoomart wurde w&#xFC;tend: &#x201A;Das reicht, Sie gehen mir schon seit Jahren damit auf die Nerven. Wenn ich schuldig bin, sperrt mich ein, wenn nicht, dann h&#xF6;rt auf mit diesem Unsinn&#x2018;, sagte er und schlug im Gehen die T&#xFC;r hinter sich zu.&#xA0; <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>Tats&#xE4;chlich lie&#xDF;en sie Dschoomart nach 1937 nicht mehr in Ruhe. Tratscher, eifers&#xFC;chtige Menschen und Feinde nutzten die Gunst der Stunde, um schlecht &#xFC;ber ihn zu sprechen und zu schreiben. Als Ergebnis wurde er aus der Partei ausgeschlossen und im Theater wurde sein St&#xFC;ck &#x201E;Altyn Kyz&#x201C; in &#x201E;Partisan Kyzy&#x201C; umbenannt und einem Autorenkollektiv zugeschrieben. Zudem wurden in das fertige Libretto der Oper &#x201E;Ajtsch&#xFC;r&#xF6;k&#x201C; noch korrekturhalber Dschusup und Kubanytschbek als Autoren eingef&#xFC;gt.<\/em>&#x201C;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Die Klage aus Arys<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">B&#xF6;k&#xF6;nbajew sp&#xFC;rte, dass auch er bald verhaften werden k&#xF6;nnte, und entschloss sich, sich direkt an Moskau, an Stalin selbst zu wenden. Er setzte sich insgeheim in Frunse (der damalige Name von Bischkek) in einen Zug bis zur Station <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Arys_(Kasachstan)\">Arys<\/a> in Kasachstan. Von dort aus sandte er ein Telegramm an den F&#xFC;hrer. Der genaue Inhalt ist unbekannt, jedenfalls erreichte die Botschaft die F&#xFC;hrung in Moskau. Von dort aus kam die Antwort: &#x201E;<em>Der Dichter Dschoomart B&#xF6;k&#xF6;nbajew soll wieder in die Partei aufgenommen werden und ihm sollen gute Arbeitsbedingungen geschaffen werden<\/em>&#x201C;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Viele von der Repression getroffenen Ber&#xFC;hmtheiten aus Partei, Literatur und Kultur wandten sich damals mit Erkl&#xE4;rungen direkt an Stalin, um Gerechtigkeit zu erfahren. Aber niemand von ihnen erhielt eine erleichternde Antwort. Es gibt eine Reihe von m&#xF6;glichen Erkl&#xE4;rungen daf&#xFC;r, warum die F&#xFC;hrung B&#xF6;k&#xF6;nbajew barmherzig gegen&#xFC;berstand. Was ausschlaggebend war, kann heute niemand genau sagen. Als B&#xF6;k&#xF6;nbajew bald h&#xE4;tte verhaftet werden sollen, war die Zeit von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Genrich_Grigorjewitsch_Jagoda\">Jagoda<\/a> und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nikolai_Iwanowitsch_Jeschow\">Jeschow<\/a> (je 1934-36 und 1936-38 Leiter des <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Innenministerium_der_UdSSR\">NKWD<\/a>) vorbei und der repressive Apparat des sowjetischen NKWD fiel in die H&#xE4;nde von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Lawrenti_Beria\">Lawrenti Beria<\/a>. Unter Beria wurde das sehr &#xFC;bertriebene Massaker etwas &#x201E;bes&#xE4;nftigt&#x201C;. In dem Kontext erfuhr B&#xF6;k&#xF6;nbajews Leben doch noch eine positive Wendung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In Diskussionen um die Repression stellen manche das damalige Massaker in der Sowjetunion als etwas dar, das <em>&#x201E;au&#xDF;erhalb der Kontrolle des gro&#xDF;en Stalins von Untergebenen durchgef&#xFC;hrt w&#xFC;rde, die es vor ihm verdeckten&#x201C;<\/em>. Dabei ber&#xFC;cksichtigen sie aber nicht, dass in einem solchen Komando- und Kontrollsystem nichts im Unwissen des Anf&#xFC;hrers getan wird. Auf die Weise &#xFC;berlebte wohl auch B&#xF6;k&#xF6;nbajew die Repression dank des Telegramms, das er aus Arys abschickte.<\/p>\n<figure id=\"attachment_21432\" aria-describedby=\"caption-attachment-21432\" style=\"width: 1000px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-21432\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2020\/05\/20190526_121920.jpg\" alt=\"Ata-Beyit Bischkek\" width=\"1000\" height=\"786\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2020\/05\/20190526_121920.jpg 1000w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2020\/05\/20190526_121920-300x236.jpg 300w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2020\/05\/20190526_121920-768x604.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\"\/><figcaption id=\"caption-attachment-21432\" class=\"wp-caption-text\">Die Gedenkst&#xE4;tte Ata-Beyit, in der N&#xE4;he von Bischkek, erinnert heute an die Opfer des Gro&#xDF;en Terrors in Kirgistan<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify\">Seine Frau Tenti Adyschewa schrieb, wie die Zuschauer vollkommen zufrieden mit den zwei St&#xFC;cken von B&#xF6;k&#xF6;nbajew auf dem Kulturfest in Moskau waren, die Schauspieler daf&#xFC;r staatliche W&#xFC;rdigung erhielten, der Autor jedoch mit leeren H&#xE4;nden verblieb. Nach dem Fest erkl&#xE4;rte Turusbekow, dass er auf seine auf halbem Wege erlangte Autorenschaft verzichte, denn ohne den ganzen Trubel h&#xE4;tte B&#xF6;k&#xF6;nbajew es auch selbst zu Ende gebracht. Malikow seinerseits zeigte keine solche Geste. Wie schaute B&#xF6;k&#xF6;nbajew selbst darauf, dass die Repression noch zwei weitere Autoren zu den zwei St&#xFC;cken hinzugef&#xFC;gt hatte, nachdem er so viel Zeit damit verbracht hatte? Laut Adyschewas Erinnerungen wie folgt:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">&#x201E;<em>Ach, Tenti, Du bist ein Kind. Woher wei&#xDF; ich, wie ich den Gedanken, der mir in meinem Haus kommt, &#xF6;ffentlich ausdr&#xFC;cken w&#xFC;rde? Ich habe Ajtsch&#xFC;rok schon lange aufgegeben, jetzt mache ich mir keine Kopfschmerzen damit. Wenn ich das &#xFC;berlebe, schreibe ich noch viel mehr<\/em>&#x201C;,<em> sagte er.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nach kurzer Zeit realisierte der flei&#xDF;ige Autor das Libretto zu der Oper &#x201E;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Toktogul_Satylganov\">Toktogul<\/a>&#x201C;, das w&#xE4;hrend des Krieges geschriebene &#x201E;Adschal menen Ar-Namys&#x201C; (Tod und Ehre) und weitere Werke. Er tr&#xE4;umte davon, ein Lied und einen Roman namens &#x201E;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kurmanjan_Datka\">Kurmanschan Datka<\/a>&#x201C; zu schreiben. Kengeschbek Asanalijew, ein bekannter kirgisischer Literaturwissenschaftler, hat in seinem Buch &#x201E;Adabii Ajkasch&#x201C; (das literarische Kreuz) eine interessante Erkl&#xE4;rung daf&#xFC;r, dass ein Autor zeitgem&#xE4;&#xDF;er St&#xFC;cke zum Ziel der Repression wurde. In seiner Jugend, als er Doktorand in der Leningrader Abteilung der Akademie der Wissenschaften war, h&#xF6;rte er, wie der ber&#xFC;hmte Gelehrte Pjotr Berkow sich &#xFC;ber B&#xF6;k&#xF6;nbajew &#xE4;u&#xDF;erte:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">&#x201E;<em>Ein Spruch von Berkow ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Mit einer scharfen Axt schneidet man so gut, wie mit einer scharfen Zunge. Wie er sagte, w&#xE4;re B&#xF6;k&#xF6;nbajew nicht bei einem Autounfall (<\/em>1944 bei einer Dienstreise<em>, Anm. d. &#xDC;.) umgekommen, so h&#xE4;tte man ihn 1948 als einen der ersten festgenommen. Mein Herz schlug wie wild. Das h&#xF6;rte sich sehr kalt an. Aber er hat das nicht nur gesagt, um Eindruck zu machen. Es schien, als k&#xE4;men sie von einer tiefen inneren &#xDC;berzeugung.&#xA0; Dieser weitsichtige, vielseitig erfahrene Mensch, der schon viel gesehen hatte, bemerkte deutlich B&#xF6;k&#xF6;nbajews maximalistische Beziehung zum Volkserbe und besonders zum nationalen Epos. <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>Toktoguls Erbe wurde zu der Zeit unterdr&#xFC;ckt und allm&#xE4;hlich vergessen. Angefangen mit der ersten Initiative der Libretti und Szenarien von &#x201E;Ajtsch&#xFC;r&#xF6;k&#x201C; und &#x201E;Semetej&#x201C;, ganz zu schweigen von ihrer Umsetzung: Wer wei&#xDF;, w&#xE4;ren nicht B&#xF6;k&#xF6;nbajews Mut und Maximalismus gewesen, h&#xE4;tte es uns vielleicht nicht auf einem solchen Niveau erreicht. Wie solch ein Maximalismus gegen&#xFC;ber dem Erbe, dem Vergangenen im Jahr 1948 eingesch&#xE4;tzt werden w&#xFC;rde, habe ich erst viel sp&#xE4;ter verstanden<\/em>.&#x201C;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/kirgistan\/manas-kulturelles-erbe-zwischen-china-und-kirgistan\/\">Manas &#x2013; Kulturelles Erbe zwischen China und Kirgistan<\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gab <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Andrei_Alexandrowitsch_Schdanow\">Schdanows<\/a> Bericht den Ausschlag f&#xFC;r einer Wiederaufleben der Repression. Diesmal wurde Kosmopolitismus mit dem einstigen bourgeoisen Nationalismus gleichgesetzt und es begannen die Festnahmen. Aus Kirgistan wurden 1949 einige Literaten aufgrund ihrer Arbeit rund um das Manas-Epos festgenommen. Und es dauerte noch einige Zeit, bis eine volle Version des Epos ver&#xF6;ffentlicht w&#xFC;rde. Nicht zuletzt musste daf&#xFC;r Kirgistan aber seine Unabh&#xE4;ngigkeit erlangen und der Sozialismus von seinem historischen Thron fallen.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"&#x41E;&#x442;&#x440;&#x44B;&#x432;&#x43E;&#x43A; &#x438;&#x437; &#x43E;&#x43F;&#x435;&#x440;&#x44B; &#xAB;&#x410;&#x439;&#x447;&#x443;&#x440;&#x435;&#x43A;&#xBB;\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/o6j6m5hG-pU?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das Libretto von B&#xF6;k&#xF6;nbajews Oper &#x201E;Ajtsch&#xFC;r&#xF6;k&#x201C;, das bereits auf &#x201E;Manas&#x201C; basierte, wurde seinerseits geschrieben, als der Sozialismus noch nach &#x201E;Volksfeinden&#x201C; suchte und die Repression verst&#xE4;rkte.<\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><strong>Bektasch Schamschijew<br>\n<a href=\"https:\/\/www.azattyk.org\/a\/repressed_kyrgyz_poetry_joomart_bokonbaev\/30544010.html\">Azattyk.org<\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><strong>Aus dem Kirgisischen von Florian Coppenrath<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dschoomart B&#xF6;k&#xF6;nbajew (1910-1944) ist einer der bekanntesten Dichter und Autoren des fr&#xFC;hen sowjetischen Kirgistans. Der ausgebildete Journalist ist heute aber vor allem f&#xFC;r seine Aufarbeitung des nationalen kirgisischen Erbes bekannt, insbesondere des Manas-Epos, auf dem mitunter seine Oper &#x201E;Ajtsch&#xFC;r&#xF6;k&#x201C; basiert. Gerade durch solche Werke w&#xE4;re er fast dem gro&#xDF;en Terror der 30er Jahre zum Opfer [&#x2026;]<\/p>\n","protected":false},"author":88,"featured_media":21429,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[3711,3713,1413,690,1198,3712,1233],"coauthors":[4966],"class_list":["post-21427","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kirgistan","tag-der-grosse-terror","tag-dschoomart-boekoenbajew","tag-geschichte","tag-kirgistan","tag-kultur","tag-nkwd","tag-sowjetunion"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21427","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/88"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=21427"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21427\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":34469,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21427\/revisions\/34469"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/21429"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=21427"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=21427"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=21427"},{"taxonomy":"author","embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/coauthors?post=21427"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}