{"id":21378,"date":"2020-05-04T02:40:16","date_gmt":"2020-05-04T00:40:16","guid":{"rendered":"https:\/\/novastan.org\/de\/?p=21378"},"modified":"2020-11-26T12:40:17","modified_gmt":"2020-11-26T11:40:17","slug":"kasachstan-und-china-ringen-angesichts-des-klimawandels-um-wasser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/novastan.org\/de\/kasachstan\/kasachstan-und-china-ringen-angesichts-des-klimawandels-um-wasser\/","title":{"rendered":"Kasachstan und China ringen angesichts des Klimawandels um Wasser"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\"><strong>Die Wasserfrage ist seit Jahren ein Streitpunkt zwischen Kasachstan und China. Neue Wasserkraftwerke in China und eine verschwenderische Wassernutzung in Kasachstan befeuern eine mittlerweile handfeste Krise. Folgender Artikel basiert auf einer Analyse von <a href=\"https:\/\/www.geopoliticalmonitor.com\/glacier-watch-china-kazakhstan-water-conflict-and-the-lake-balkhash-basin\/\">Geopolitical Monitor<\/a> und erschien in russischer Sprache bei <a href=\"https:\/\/caa-network.org\/archives\/19316?fbclid=IwAR1lwrpo-DOXlkRsf1wqKtQM0B1r3zodwk7s_Zk6Qr01uvKeC-8yHGdrw28&amp;__cf_chl_jschl_tk__=0c788a3ae1ed51a8149bcb8b75cd1a14f0cd6384-1588547211-0-Ac64FeQ9wqb79zA3TbahxKWvHTyF6MG4_nIJ0NcSXBUbhOJKBBSd_rWarPON_yNLtBO2YSvlZ0K6KzszpCFcTUwp9fg4xqoBSphHRV2vH-i-lfTyVo-NsLzPQAPR_PQF1ePBB5DXjrokdpFvYw66qoY5VWT5Uvaqx4BustVhay-bsB4A_lnqcLDU1s5Z3xGMRrfgv_ZlsSFQ87Lt96fMCmWRhwMrh6yDLh3DKpXIU04BMzklZzmkI3o3WnvtNZog2vKbkvyW4WfhN3VlvQxMmg9WcMSMimpPGZLA2OhD0ljNQMAPzBq67ci4sCjtB8kVy9cVhBef63SbLgl0hmMCQ1HXIPpRFvnh3K-cY2PeoTJNVNqQGnhllsaYAoD7fG83RQ\">CAA-Network<\/a><\/strong><strong>, wir &#xFC;bersetzen ihn mit freundlicher Genehmigung der Redaktionen.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Wasserfrage ist eines der am wenigsten regulierten Probleme zwischen China und Kasachstan. Die Volksrepublik baut fortschreitend Wasserwerke an den Oberl&#xE4;ufen der Grenzfl&#xFC;sse zu Kasachstan und erh&#xF6;ht somit die Wasserabnahme, was zur Verschlechterung der Wasserqualit&#xE4;t u.a. in den Fl&#xFC;ssen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ili_(Fluss)\">Ili<\/a>, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Irtysch\">Irtysch<\/a>, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Talas_(Fluss)\">Talas<\/a> f&#xFC;hrt. Dies st&#xF6;rt das nat&#xFC;rliche Gleichgewicht in den Seen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Balchaschsee\">Balqash<\/a> und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Saissansee\">Sa&#x131;san<\/a>. Angesichts des Klimawandels, der schnellen Gletscherschmelze und des verschwenderischen Umgangs mit Wasser in Kasachstan, droht dieses Problem zu einer Krise auszuwachsen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In einem ausf&#xFC;hrlichen Artikel weist <a href=\"https:\/\/www.geopoliticalmonitor.com\/glacier-watch-china-kazakhstan-water-conflict-and-the-lake-balkhash-basin\/\">Geopolitical Monitor<\/a> konkret auf die zunehmenden Gletscherschmelzen im Tian-Shan-Gebirge hin, was zu einer deutlichen Verringerung der Wasservorr&#xE4;te in den aus China entspringenden kasachischen Grenzfl&#xFC;ssen f&#xFC;hre.<\/p>\n<p style=\"background-color: #d4d4d4;\"><span style=\"color: #000000;\">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin &#xFC;ber Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/novastan-ev\/werde-unser-mitglied-werde-novastan\/\"><strong>Dank eurer Teilnahme<\/strong><\/a>. Wir sind <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/novastan-ev\/unser-projekt\/\">unabh&#xE4;ngig<\/a> und wollen es bleiben, daf&#xFC;r brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/novastan-ev\/spenden\/\">Spende<\/a><\/strong> helft ihr uns, weiter ein realit&#xE4;tsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Gletscher speisen Str&#xF6;me<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die meisten gro&#xDF;en Flusssysteme wie der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mekong\">Mekong<\/a>, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Indus\">Indus<\/a> oder <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Jangtsekiang\">Jangtsekiang<\/a> speisen sich aus Gletschern. Gegenw&#xE4;rtig schmelzen diese Gletscher aufgrund des Klimawandels in gro&#xDF;em Ausma&#xDF;, was die Bew&#xE4;sserungssysteme, Energieerzeugung und Trinkwasserreserven in einigen der am dichtesten besiedelten Regionen des Planeten bedroht. Dabei verl&#xE4;uft die Gletscherschmelze verschiedenartig ab. In manchen F&#xE4;llen wirkt sich das Schrumpfen des Gletschers kaum auf die Vorr&#xE4;te der Fl&#xFC;sse aus, w&#xE4;hrend in anderen F&#xE4;llen das System der &#xF6;rtlichen Wasserversorgung stark gest&#xF6;rt wird, besonders wenn die Versorgungssysteme veraltet sind und ineffiziente Technologien verwendet werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das Konzept der &#x201E;maximalen Ausgabe an Wasserreserven&#x201C; veranschaulicht die akute Gletscherschmelze. Abh&#xE4;ngig davon, wie sehr sich die Gesamtmasse des Gletschers verringert, entstehen w&#xE4;hrend der Tauperiode Wasservorr&#xE4;te an der Oberfl&#xE4;che. Wenn diese Oberfl&#xE4;chenvorr&#xE4;te jedoch ihr Maximum erreicht haben, folgt ein finaler und praktisch unumkehrbarer Vorgang. Der schrumpfende Gletscher immer weniger Schmelzwasser abgeben, was wiederum die saisonale Verf&#xFC;gbarkeit von S&#xFC;&#xDF;wasser in den von ihm ausgehenden Fl&#xFC;ssen beeinflusst. Jeder Gletscher besitzt eine individuelle Wasserspeicherschwelle ab dem dieser Prozess eintritt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/kirgistan\/die-funf-wichtigsten-wasserkonflikte-in-zentralasien\/\">Die f&#xFC;nf wichtigsten Wasserkonflikte in Zentralasien<\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Eine Studie, ver&#xF6;ffentlicht in <a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41558-017-0049-x.epdf?referrer_access_token=4Ervz7wqXKS1dWoayWbHN9RgN0jAjWel9jnR3ZoTv0P5cVgyM6j6TU1jwYEKuBeIqaZjsta1OJDb4YMCRcKZYHrn1PddgWKld8dnbLky8ui2j73jnykP_XF0fKDP8qyfbVlrhvGeClxK6eiIbbIVROWaivJ7Ejrfeo2hIEjlYlyA6M8BmtqOd-0DmEF3_Gz9pHsXLsjQvkf1e3S1Xlw5JNaykIuL74dh60GhMO3_3Bch47x67ZiIzDK8ll7oAeZPfGUMM_OM1jQy3iyqkyQD66K7gQEKSbSWggWulBZHEVo%3D&amp;tracking_referrer=www.scientificamerican.com\">Nature Climate Change<\/a>, besagt, dass&#xA0; 45 Prozent der gletschergespeisten Flussbetten weltweit, diesen Punkt bereits passiert haben. Dies treffe etwa auf die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Brahmaputra\">Brahmaputra<\/a>-Quellen im <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Himalaya\">Himalaya<\/a>-Gebirge zu. Prognosen besagen in diesem Sinne auch, dass 22 Prozent der Flussbetten sich bis 2050 noch ausweiten werden, zum Beispiel die des <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ganges\">Ganges<\/a> und des oberen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Indus\">Indus<\/a>, deren jeweiliges Maximum bis 2050 und 2070 erwartet wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Gefahr einer Gletscherschmelze kann nur schwer unabh&#xE4;ngig vom jeweiligen Gesamtbild betrachtet werden. Die Wassersysteme der ganzen Welt leiden inzwischen unter menschlichen Einfl&#xFC;ssen wie des Dammbaus, der Bew&#xE4;sserung und der Wasserversorgung f&#xFC;r kommunale oder industrielle Zwecke. Zweifellos wird die Gletscherschmelze diese Probleme vertiefen. Wenn auch in unterschiedlichem Ausma&#xDF;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Dramatisches Beispiel: Der Balqash-See<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das Einzugsgebiet des <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Balchaschsee\">Balqash-Sees<\/a> liegt zwischen Kasachstan und China und wird von einem Flusssystem gespeist, das seinen Lauf hoch oben in den chinesischen Gletschern des <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tian_Shan\">Tian-Shan-Gebirges<\/a> nimmt. Die Studie von <a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41558-017-0049-x.epdf?referrer_access_token=4Ervz7wqXKS1dWoayWbHN9RgN0jAjWel9jnR3ZoTv0P5cVgyM6j6TU1jwYEKuBeIqaZjsta1OJDb4YMCRcKZYHrn1PddgWKld8dnbLky8ui2j73jnykP_XF0fKDP8qyfbVlrhvGeClxK6eiIbbIVROWaivJ7Ejrfeo2hIEjlYlyA6M8BmtqOd-0DmEF3_Gz9pHsXLsjQvkf1e3S1Xlw5JNaykIuL74dh60GhMO3_3Bch47x67ZiIzDK8ll7oAeZPfGUMM_OM1jQy3iyqkyQD66K7gQEKSbSWggWulBZHEVo%3D&amp;tracking_referrer=www.scientificamerican.com\">Natur Climate Change<\/a> nennt den Balqash als von &#xA0;Gletscherschmelzen besonders bedroht. So erwarte man, dass seine Wasservorr&#xE4;te wegen des Schrumpfens der Gletscher k&#xFC;nftig um mindestens zehn Prozent sinken werden. Forschungen besagen, dass das Maximum der Ausgaben an Wasserreserven der meisten Gletscher des Tian Shan noch nicht erreicht sei, dies aber in den kommenden 20 Jahren zu erwarten ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Seit den 1960er Jahren schwindet der Balqash-See mit seiner urspr&#xFC;nglichen Fl&#xE4;che von rund 16.000 Quadratkilometern zunehmend. Die Ursachen sind menschengemacht. Der See versandet, sein Wasser wird immer salziger. Der Wasserspiegel des Balqash sinkt bereits so schnell, dass viele sein Schicksal mit dem des <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Aralsee\">Aralsees<\/a> vergleichen. Etwa 80 Prozent des Balqash-Wassers bringt aus dem S&#xFC;dosten der Fluss Ili, der damit eines der gr&#xF6;&#xDF;ten Feuchtgebiete Zentralasiens formt. Der Ili entspringt in China, wo er aber gro&#xDF;e k&#xFC;nstliche Barrieren &#xFC;berwinden muss, bevor er nach Kasachstan flie&#xDF;t.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die grenz&#xFC;berschreitenden Fl&#xFC;sse Zentralasiens wie der Ili, Irtysch und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Syrdarja\">Syrdarja<\/a> sind immer wieder Gegenstand internationaler Wasserkonflikte. Gerade diese drei Fl&#xFC;sse sind die wichtigsten S&#xFC;&#xDF;wasserquellen Kasachstans. Allein bereits im Ili ist aber in den letzten 20 Jahren ein starker R&#xFC;ckgang der Reserven verzeichnet worden: Von 17,8 auf 12,7 Kubikkilometer Wasser im Jahr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Landwirtschaft hauptschuldig f&#xFC;r die sinkenden Wasserpegel. Der Anbau im trockenen Klima Zentralasiens ben&#xF6;tigt gut funktionierende Bew&#xE4;sserungssysteme. Viele sind jedoch noch zu Sowjetzeiten erbaut und aus heutiger Sicht ineffizient und verschwenderisch. Einer Sch&#xE4;tzung nach ist die Landwirtschaft verantwortlich f&#xFC;r 89 Prozent des gesamten Wasserverbrauchs in Kasachstan. Das &#xFC;bertrifft deutlich die Zahlen europ&#xE4;ischer Staaten, in denen der Anteil gerade einmal bei 58 Prozent liegt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/kirgistan\/zentralasien-2030-wie-steht-es-um-das-wassermanagement\/\">Zentralasien 2030: Wie steht es um das Wassermanagement?<\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Auf der kasachischen Seite der Grenze wurden im Jahr 1969 f&#xFC;r den Fluss Ili die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Qapschaghai-Talsperre\">Qapschaghai- Talsperre<\/a> errichtet, um die landwirtschaftlichen Nutzung 400.000 Hektar Land f&#xFC;r den wasserintensiven Reisanbau zu versorgen. Der Staudamm f&#xFC;llte sich nur langsam, &#xFC;ber 20 Jahre hinweg. Zeitgleich fiel der Wasserspiegel des Balqash-Sees um zwei Meter und versandete fortlaufend. Daher wurde die Sperre des Qapschaghai in den 80er Jahren vorerst ausgesetzt. Letztlich blieb der Wasserstand der Talsperre niedriger als geplant.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Auf chinesischer Seite betrug die aus dem Ili und seinen Zufl&#xFC;ssen aus der Uigurischen Autonomen Region Xinjiang gespeiste bew&#xE4;sserte Landwirtschaft Ende der 80er Jahre noch 300.000 Hektar. Seither dehnte sich diese Anbaufl&#xE4;che im Zuge des wirtschaftlichen Booms in China &#x2013; unter dem politischen Motto &#x201E;Eroberung des Westens&#x201C; &#x2013; weiter aus und hatte Zwangsumsiedlungen zur Folge. Laut einer <a href=\"https:\/\/www.abacademies.org\/articles\/is-iliirtysh-rivers-a-casualty-of-kazakhstanchina-relations-7304.html\">Sch&#xE4;tzung<\/a> wuchs die bewirtschaftete Landfl&#xE4;che von etwa 700.000 Hektar im Jahr 2004 auf 1,3 Millionen Hektar im Jahr 2014. In einer Studie von <a href=\"https:\/\/www.mdpi.com\/2073-4441\/10\/11\/1650\/htm\">Sabir Nurtasin<\/a> betrug der Wasserverbrauch in den 2000er Jahren auf chinesischer Seite 38 Prozent und auf kasachischer Seite 62 Prozent des Gesamtvolumens. Bis zum Jahr 2014 stiegen diese Anteile Chinas aufgrund der wachsenden Energienachfrage der Wirtschaft Xinjiangs auf 57 Prozent. Diese Tendenz hat sich seitdem sicherlich weiter fortgesetzt.<\/p>\n<p><strong>Lest auch bei Novastan: Kirgistan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/kirgistan\/kirgistan-wie-die-frauen-das-fliesende-wasser-zuruck-nach-an-oston-brachten\/\">Wie die Frauen das flie&#xDF;ende Wasser zur&#xFC;ck nach An Oston brachten<\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">D&#xE4;mme und Kraftwerke sind dabei ein wichtiger Faktor, der die Wasserknappheit des Flusses Ili und des Balqash-Sees verursachen. Das bereits erw&#xE4;hnte Wasserkraftwerk von Qapschaghai, gelegen auf kasachischem Gebiet, erzeugt eine Leistung von etwa 364 Megawatt. Dabei stammen nur 11 Prozent der gesamten Stromproduktion des Landes aus Wasserkraftwerken. Die meisten davon befinden sich am Irtysch. Die Regierung Kasachstans plant derweil eine Reihe kleinerer Wasserkraftwerke in der Provinz <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schambyl_(Gebiet)\">Zhambyl<\/a> unweit des Balqash-Sees &#x2013; obwohl die sinkenden Wasservorr&#xE4;te langfristig ihre Wirtschaftlichkeit gef&#xE4;hrden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In China sind bereits an den Fl&#xFC;ssen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tekes_(Fluss)\">Tekes<\/a>, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/K&#xFC;nes_(Fluss)\">K&#xFC;nes<\/a> und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Karakax_(Fluss)\">Karakax<\/a> weitere Wasserkraftwerke entstanden. Alle drei Fl&#xFC;sse speisen sich aus Gletschern des Tian-Shan-Gebirges und flie&#xDF;en in den Ili ab. Xinjiang ist Chinas Zentrum f&#xFC;r Kohlekraft, allein das Kraftwerk bei Yining (Gulja) erzeugt mehr Energie als das Wasserkraftwerk Qapschaghai und ben&#xF6;tigt riesige Mengen Wasser aus dem Ili. Letztlich ist also auch die gro&#xDF;e Wassernachfrage der Kohleindustrie verantwortlich f&#xFC;r das Austrocknen der B&#xF6;den gro&#xDF;er Teile des Nordwestens Chinas.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>D&#xFC;stere Aussichten f&#xFC;r Kasachstan<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die oben beschriebene Wasserfrage ist schon jetzt ein gro&#xDF;es politisches Problem in Kasachstan und China. Dar&#xFC;ber hinaus wird die Gletscherschmelze im Tian-Shan-Gebirge den Wasserstrom in den kommenden Jahrzehnten um mehr als zehn Prozent senken. Angesichts des unerbittlichen Klimawandels werden die Gletscher in den Bergen verschwinden und nicht mehr wiederherzustellen sein. Letztlich werden die L&#xE4;nder der Region gezwungen sein, k&#xFC;nftig mit deutlich weniger Wasserressourcen auszukommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">China befindet sich in der potentiellen Krise am Seebecken Balqash noch in einer g&#xFC;nstigeren Lage. Das Land kontrolliert den oberen Lauf der Fl&#xFC;sse, die den Ili und den Balqash-See mit Wasser versorgen. Was auch immer die Regierung Chinas entscheidet, wie die Frage nach dem zentralasiatischen Wasser gehandhabt wird &#x2013; Kasachstan wird die Folgen sp&#xFC;ren. China kann au&#xDF;erdem aufgrund seines wirtschaftlichen Gewichts und seiner &#xFC;berlegenen milit&#xE4;rischen Macht unverh&#xE4;ltnism&#xE4;&#xDF;ig gro&#xDF;en Einfluss auf die Verhandlungen mit Kasachstan nehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die jahrelangen bilateralen Verhandlungen zwischen den zwei L&#xE4;ndern haben bislang gerade einmal dazu gef&#xFC;hrt, dass China seine hydrologischen Daten ver&#xF6;ffentlicht. Au&#xDF;erdem ist ein Abkommen &#xFC;ber die Wasserverteilung des kleineren Flusses Horgos geschlossen worden. Der Fluss ist verh&#xE4;ltnism&#xE4;&#xDF;ig wenig umstritten und au&#xDF;erdem eng mit den Projekten der Initiative <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/One_Belt,_One_Road\">One Belt, One Road<\/a> und dem Binnenhafen Horgos verbunden. Konkret einigten sich beide Seiten darauf, im Interesse einer gemeinsamen Wirtschaftszone, zusammen einen Damm zu bauen. Die Umsetzung des Abkommens ist allerdings noch strittig. Nach Zeugenaussagen von Landwirten im Gebiet Almaty hat China seit der Unterzeichnung des Abkommens seine Wasserabnahme um ein Vielfaches erh&#xF6;ht, sodass Tausende Hektar an bestellten Maisfeldern unter D&#xFC;rre und Wassermangel leiden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das Gemeinschaftsprojekt am Horgos ist eher die Ausnahme als die Regel. Peking verweigert die Unterzeichnung jeglicher bindender, internationaler Abkommen &#xFC;ber eine gemeinsame Wassernutzung: Sei es zum Oberlauf des Mekong, Brahmaputra oder Irtysch. Das betrifft ebenso den Ili.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Lest auch bei Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/kasachstan\/das-kaspische-meer-am-scheideweg\/\">Das Kaspische Meer am Scheideweg<\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Da bisher s&#xE4;mtliche Offerten an China abgeschmettert wurden, ist die Neuausrichtung der internationalen Wasserpolitik zu einer der Priorit&#xE4;ten der Regierung Kasachstans geworden. Ein echter Fortschritt in dieser Richtung kann allerdings erst dann erzielt werden, wenn die veralteten Abwasserrichtlinien und Agrarpraktiken &#xFC;berarbeitet werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Verschiedene internationale Stiftungen unterst&#xFC;tzen Kasachstans Bem&#xFC;hungen mit dem Ziel, bis zum Jahr 2030 bis zu 9,1 Milliarden Kubikmeter Wasser einzusparen. Helfen sollen dabei neue Methoden in der Landwirtschaft, der industriellen und kommunalen Wassernutzung. Allerdings k&#xF6;nnen auch jene neuen Ans&#xE4;tze nicht unbedingt alle Probleme l&#xF6;sen. Besonders schwierig erscheint dies angesichts der fehlenden internationalen Absprachen zwischen den betroffenen Staaten. Selbst wenn Kasachstan erfolgreich wassersparende Technologien einf&#xFC;hrt und so eine effizientere Wassernutzung erreicht, verhindert das nicht die drohende Wasserkrise. Viel h&#xE4;ngt hierbei auch von China ab.<\/p>\n<p style=\"background-color: #d4d4d4;\"><span style=\"color: #000000;\">Lust auf Zentralasien in eurer Mailbox? Abonniert unseren kostenlosen w&#xF6;chentlichen Newsletter <strong><span style=\"text-decoration: underline;\"><a href=\"https:\/\/2ff41361.sibforms.com\/serve\/MUIFAD3kOVgHRZMEzVL0tQuvV__Lm5slYuTqY-DEgdyDpH9WazOpCwYD2CLbIZdPKxyD_Mnaw2SKMY78StG6vCfPNIE1HcIumNXgnjsKyqsb8MuZ5Ng1jN3cNsBhf4SSp2VDJAgy_38b6jiUL7aU6Y-RaIAVhUpNqW1tNwmWOB-8YcNp9LBWEk57rUlkszlx_tQ8qxYED63Sz6UU\">mit einem Klick.<\/a><\/span><\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Viele Gletscher, die den Balqash-See speisen, sind noch weit entfernt vom Ersch&#xF6;pfen ihrer Wasserreserven. Aber schon in den n&#xE4;chsten Jahrzehnten wird sich das &#xE4;ndern und ihre Oberfl&#xE4;chenvorr&#xE4;te werden schrumpfen. Wenn bis dahin keine bindenden Regelungen zum Wasserverbrauch eingef&#xFC;hrt werden, werden sich die Unstimmigkeiten zwischen Kasachstan und China verdichten &#x2013; ein Kampf, den Nursultan kaum gewinnen kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><a href=\"https:\/\/caa-network.org\/archives\/19316?fbclid=IwAR1lwrpo-DOXlkRsf1wqKtQM0B1r3zodwk7s_Zk6Qr01uvKeC-8yHGdrw28&amp;__cf_chl_jschl_tk__=0c788a3ae1ed51a8149bcb8b75cd1a14f0cd6384-1588547211-0-Ac64FeQ9wqb79zA3TbahxKWvHTyF6MG4_nIJ0NcSXBUbhOJKBBSd_rWarPON_yNLtBO2YSvlZ0K6KzszpCFcTUwp9fg4xqoBSphHRV2vH-i-lfTyVo-NsLzPQAPR_PQF1ePBB5DXjrokdpFvYw66qoY5VWT5Uvaqx4BustVhay-bsB4A_lnqcLDU1s5Z3xGMRrfgv_ZlsSFQ87Lt96fMCmWRhwMrh6yDLh3DKpXIU04BMzklZzmkI3o3WnvtNZog2vKbkvyW4WfhN3VlvQxMmg9WcMSMimpPGZLA2OhD0ljNQMAPzBq67ci4sCjtB8kVy9cVhBef63SbLgl0hmMCQ1HXIPpRFvnh3K-cY2PeoTJNVNqQGnhllsaYAoD7fG83RQ\"><strong>CAA-Network<\/strong><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><strong>Aus dem Russischen von Peggy Lohse<\/strong><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kan&#xE4;len, schaut mal vorbei bei <\/span><a href=\"https:\/\/twitter.com\/novastan_de\"><span style=\"font-weight: 400;\">Twitter<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">, <\/span><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Novastan.org\/\"><span style=\"font-weight: 400;\">Facebook<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">, <\/span><a href=\"https:\/\/telegram.me\/novastan\"><span style=\"font-weight: 400;\">Telegram<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">, <\/span><a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/company\/novastan\/\"><span style=\"font-weight: 400;\">Linkedin<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> oder <\/span><a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/novastanorg\/\"><span style=\"font-weight: 400;\">Instagram<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">. 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