{"id":21090,"date":"2020-04-22T15:16:47","date_gmt":"2020-04-22T13:16:47","guid":{"rendered":"https:\/\/novastan.org\/de\/?p=21090"},"modified":"2020-04-22T15:16:47","modified_gmt":"2020-04-22T13:16:47","slug":"vom-aussterben-bedroht-die-letzte-juedische-gemeinde-tadschikistans","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/novastan.org\/de\/tadschikistan\/vom-aussterben-bedroht-die-letzte-juedische-gemeinde-tadschikistans\/","title":{"rendered":"Vom Aussterben bedroht: Die letzte j\u00fcdische Gemeinde Tadschikistans"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\"><strong>Die einst mehrere tausende Mitglieder starke j&#xFC;dische Gemeinde Tadschikistans z&#xE4;hlt heute nur noch 50 Mitglieder. Ursache hierf&#xFC;r ist vor allem die massenweise Emigration von Juden seit Beginn der 1990er Jahre. Die einzige verbliebene Synagoge Tadschikistans befindet sich in Duschanbe. &#xDC;ber das Leben von Juden in Tadschikistan heutzutage berichtet der Korrespondent Tilaw Rassul-sade f&#xFC;r <\/strong><a href=\"https:\/\/fergana.ru\/articles\/113338\/\"><strong>Fergana News<\/strong><\/a><strong>. Wir &#xFC;bersetzen den Artikel mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Noch vor zehn Jahren befand sich die Synagoge direkt im Zentrum Duschanbes. Im Rahmen eines allumfassenden Stadtentwicklungsplanes wurde sie im Juni 2008 abgerissen. F&#xFC;r einige Monate blieb die j&#xFC;dische Gemeinde ohne Gotteshaus. Anfang 2009 schenkte dann der Vorsitzende der Orionbank, Hasan Asadullosoda, der Diasporagemeinde ein neues ger&#xE4;umiges Haus in einem reichen Bezirk in der N&#xE4;he der P&#xE4;dagogischen Universit&#xE4;t. Grunds&#xE4;tzlich bietet das Geb&#xE4;ude Platz f&#xFC;r viele Menschen, es kommen aber nur vereinzelte. Sogar am Sabbat, der von Freitagabend bis Samstagabend andauert, versammeln sich hier zum Gebet kaum mehr als 10 Personen. F&#xFC;r einen Gottesdienst oder religi&#xF6;se Riten braucht es im Judentum aber mindestens 10 erwachsene Juden &#x2013; eine Regel, die auch <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Minjan\">Minjan<\/a> genannt wird.<\/p>\n<p style=\"background-color: #d4d4d4;\"><span style=\"color: #000000;\">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin &#xFC;ber Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/novastan-ev\/werde-unser-mitglied-werde-novastan\/\"><strong>Dank eurer Teilnahme<\/strong><\/a>. Wir sind <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/novastan-ev\/unser-projekt\/\">unabh&#xE4;ngig<\/a> und wollen es bleiben, daf&#xFC;r brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/novastan-ev\/spenden\/\">Spende<\/a><\/strong> helft ihr uns, weiter ein realit&#xE4;tsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Laut den Daten der Volksz&#xE4;hlung von 1989 lebten zu dieser Zeit circa 15.000 Juden in Tadschikistan. Im Jahr 2000 waren weniger als 200 &#xFC;brig und um 2010 lediglich 36. In der Synagoge geht man aktuell von 50 Gemeindemitgliedern aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Lest auch auf Novastan: <\/strong><a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/kirgistan\/die-judische-minderheit-in-zentralasien-wie-lebt-sie-heute\/\"><strong>Die j&#xFC;dische Minderheit in Zentralasien &#x2013; Wie lebt sie heute?<\/strong><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>&#x201E;Die Migration der Juden in die historische Heimat Israel sowie in die USA, nach Kanada und Europa begann schon in den 1970er Jahren, aber in den 1990ern beschleunigte sich dieser Prozess&#x201C;<\/em>, erz&#xE4;hlt Jakow Urijewitsch Matajew, der Vorsitzende der j&#xFC;dischen Gemeinde Tadschikistans. <em>&#x201E;Geblieben sind vor allem alte Menschen. Der j&#xFC;ngste in unserer Diaspora war ich. Als mir vor vier Jahren vorgeschlagen wurde, Gemeindevorsitzender zu werden, habe ich zugestimmt. Jemand sollte doch die Verantwortung &#xFC;bernehmen&#x2026;&#x201C;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Synagoge ohne Rabbiner<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Jakow Urijewitsch ist inzwischen 50 Jahre alt, kommt geb&#xFC;rtig aus Samarkand und zog mit seinen Eltern als Kind nach Duschanbe. Nach der Schule wurde er Schneider. Jetzt verwendet er all seine Zeit darauf, die Gemeinde zu erhalten und ihre Mitglieder zu unterst&#xFC;tzen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_21092\" aria-describedby=\"caption-attachment-21092\" style=\"width: 496px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-21092\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2020\/04\/40d0da7a-41b4-4319-a5b4-4197063c87a6.jpeg\" alt=\"Jakow Urijewitsch Matajew\" width=\"496\" height=\"372\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2020\/04\/40d0da7a-41b4-4319-a5b4-4197063c87a6.jpeg 496w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2020\/04\/40d0da7a-41b4-4319-a5b4-4197063c87a6-300x225.jpeg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 496px) 100vw, 496px\"\/><figcaption id=\"caption-attachment-21092\" class=\"wp-caption-text\">Jakow Urijewitsch Matajew<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>&#x201E;Als ich zum Gemeindevorsitzenden gew&#xE4;hlt wurde, bem&#xFC;hte ich mich darum, der T&#xE4;tigkeit neues Leben einzuhauchen. Die alten Menschen, die hier zur&#xFC;ckgeblieben sind, k&#xF6;nnen nicht oft in die Synagoge kommen. Aber sofern es ihnen m&#xF6;glich ist, kommen sie, denn die Synagoge ist nicht nur ein Ort des Gebetes. Hier unterhalten sich die Gemeindemitglieder, reden &#xFC;ber pers&#xF6;nliche und gemeinschaftliche Probleme. In der Vergangenheit versammelte sich die Gemeinde in der Synagoge um Feste zu begehen, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Pessach\">Pessach<\/a>, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Chanukka\">Chanukka<\/a>, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Purim\">Purim<\/a>, aber inzwischen kommen nur noch vereinzelte an den Feiertagen. F&#xFC;r die alten Menschen ist es zu schwer aus den unterschiedlichen Ecken der Stadt hierher zu kommen. Jeden Monat lassen wir ihnen eine kleine materielle Hilfe im Umfang von 10 Dollar zukommen. Es gibt eine wohlt&#xE4;tige Frau, die den alten Menschen jeden Monat Lebensmittel vorbeibringt: Zucker, Butter und Mehl&#x201C;<\/em>, erz&#xE4;hlt Matajew.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/usbekistan\/choresm-und-buchara-die-zweigeteilte-geschichte-der-juedinnen-zentralasiens\/?noredirect=de_DE\">Choresm und Buchara: Die zweigeteilte Geschichte der J&#xFC;dInnen Zentralasiens<\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In der Synagoge von Duschanbe h&#xE4;ngen Fotos aller Rabbiner, die hier seit dem Bau des Geb&#xE4;udes Gebete abgehalten haben. Doch schon seit einigen Jahren gibt es hier keinen Rabbiner mehr, weshalb keine regelm&#xE4;&#xDF;igen samst&#xE4;glichen Gebete stattfinden. Diese kommen nur zustande, wenn G&#xE4;ste aus Israel, Deutschland oder den USA die Gemeinde besuchen und in der Regel einen Rabbiner mitbringen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>&#x201E;Dann versammle ich meine Juden aus Duschanbe zum Gebet. Zusammen lesen wir die Torah, die heilige Schrift der Juden. Sie wird in der Synagoge an einem speziellen Platz aufbewahrt. Die Texte der Torah sind auf Hebr&#xE4;isch verfasst. Leider k&#xF6;nnen unsere Gemeindemitglieder die Sprache nicht gut genug, um selbst in der Torah lesen zu k&#xF6;nnen&#x201C;<\/em>, erkl&#xE4;rt Matajew.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Der letzte Jude Chudschands<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Bis 2015 befand sich in <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Chudschand\">Chudschand<\/a> noch eine Synagoge. Tats&#xE4;chlich war sie auch in den 20 Jahren davor nicht mehr in Gebrauch, da fast keine Gemeindemitglieder in der Stadt &#xFC;brig geblieben waren. Dennoch geh&#xF6;rte sie der Gemeinde, obwohl ihre T&#xFC;ren dauerhaft verschlossen waren. Vor vier Jahren riss die Stadtverwaltung die Synagoge trotzdem ab und errichtete an ihrer Stelle ein Einkaufszentrum. Heute lebt in der Stadt der einzige Jude ganz Nordtadschikistans, Dschura Abajew. Er ist 82 Jahre alt und die letzten zwei Jahre bettl&#xE4;gerig. Vor mehr als 10 Jahren nahm er eine tadschikische Frau mit ihren f&#xFC;nf Kindern in seinem Haus auf, die nach der Scheidung von ihrem Mann obdachlos war. Sie wurden zu seiner Adoptivfamilie und k&#xFC;mmern sich nun um ihn.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Dschura Abajew hat selbst f&#xFC;nf T&#xF6;chter, von denen zwei in Israel leben. Vor vielen Jahren hatte er beschlossen, zu ihnen zu ziehen. Alles schien gut zu laufen, er bekam ein Zimmer und eine ordentliche Rente. Allerdings f&#xFC;hlte er sich als Rentner einsam.<\/p>\n<figure id=\"attachment_21091\" aria-describedby=\"caption-attachment-21091\" style=\"width: 496px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-21091\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2020\/04\/ef0a2ad1-25ee-441f-8a22-2f845386357f.jpeg\" alt=\"Dschura Abajew\" width=\"496\" height=\"337\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2020\/04\/ef0a2ad1-25ee-441f-8a22-2f845386357f.jpeg 496w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2020\/04\/ef0a2ad1-25ee-441f-8a22-2f845386357f-300x204.jpeg 300w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2020\/04\/ef0a2ad1-25ee-441f-8a22-2f845386357f-128x86.jpeg 128w\" sizes=\"auto, (max-width: 496px) 100vw, 496px\"\/><figcaption id=\"caption-attachment-21091\" class=\"wp-caption-text\">Dschura Abajew<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>&#x201E;In Israel fand ich keine engen Vertrauten, mit denen man sich wenigstens an den freien Tagen h&#xE4;tte unterhalten k&#xF6;nnen. Dort war ich ein Niemand, aber hier, in Chudschand, war ich ein angesehener Mensch. Jeden Tag ging ich auf den Markt und im Teehaus sa&#xDF; ich mit Freunden zusammen. Hier habe ich viele Freunde und ein eigenes Haus. Nach einem halben Jahr entschied ich, aus Israel nach Tadschikistan zur&#xFC;ckzukehren. Es stimmt schon, jetzt kann ich mich aufgrund meiner Krankheit nur mit wenigen unterhalten. Meine T&#xF6;chter rufen fast nie an, gelegentlich rufe ich sie an. Meine Rente bel&#xE4;uft sich auf 200 Somoni (20 US-Dollar). Andere Eink&#xFC;nfte habe ich nicht&#x201C;<\/em>, teilt Abajew mit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Er bedauert sehr, dass die Synagoge in Chudschand abgerissen wurde. Am Gemeindeleben in der Synagoge hatte er seit 1967 aktiv teilgenommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Erinnerung an vergangene Zeiten<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>&#x201E;Dort organisierten wir Anfang der 1990er Hebr&#xE4;isch- und Torahkurse. Damals gab es dort viele <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bucharische_Juden\">bucharische Juden<\/a>. Aber bald zogen alle fort und die Synagoge leerte sich. Einige Zeit sah ich noch nach der Synagoge, aber dann war ich nicht mehr in der Verfassung, um das zu tun. Wenn jetzt Juden hierherreisen, k&#xF6;nnen sie nur den einzigen j&#xFC;dischen Friedhof besuchen, der sich am Stadtrand befindet. Dort sind mehr als 1000 Menschen beerdigt. Selbst war ich dort seit drei Jahren nicht mehr. Fr&#xFC;her, als ich noch gesund war, k&#xFC;mmerte ich mich um die Gr&#xE4;ber, aber jetzt geht das nicht mehr&#x201C;<\/em>, klagt Dschura Abajew.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Lest auch auf Novastan: <\/strong><a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/usbekistan\/die-bucharischen-juden-wie-kamen-sie-nach-zentralasien\/\"><strong>Die bucharischen Juden &#x2013; wie kamen sie nach Zentralasien?<\/strong><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In Duschanbe gibt es zwei j&#xFC;dische Friedh&#xF6;fe, auf denen mehr als 3000 Menschen begraben liegen. Obwohl in Tadschikistan fast keine Juden verblieben sind, sind beide in einem guten Zustand. Es gibt W&#xE4;chter, G&#xE4;rtner und Putzkr&#xE4;fte. Der Weltkongress der Bucharischen Juden mit Sitz in New York teilt j&#xE4;hrlich den Friedh&#xF6;fen in Duschanbe und Chudschand Mittel zur Erhaltung und Renovierung zu. Und wenn Angeh&#xF6;rige der hier beerdigten Menschen nach Tadschikistan reisen, besuchen sie in erster Linie die Grabst&#xE4;tten ihrer Angeh&#xF6;rigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Fokus auf die Gemeinsamkeiten<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>&#x201E;Die Nachkommen bucharischer Juden, die inzwischen in Israel und anderen L&#xE4;ndern leben, kommen oft nach Tadschikistan, um hier die Gr&#xE4;ber ihrer V&#xE4;ter und Gro&#xDF;v&#xE4;ter zu besuchen. Aber auch, um die Ver&#xE4;nderungen zu sehen, die im Land nach ihrer Auswanderung stattgefunden haben. Alle erinnern sich mit Nostalgie an die Jahre zur&#xFC;ck, die sie hier verbracht haben. Tadschiken und Juden lebten immer friedlich zusammen, es gab keine Konflikte zwischen ihnen. Wir haben mit den Muslimen viel gemein. Wie im Islam ist es auch im Judentum verboten, Schweinefleisch zu essen, das Schlachtritual ist dasselbe. Nur nennt man es bei den Muslimen &#x201E;halal&#x201C; und bei den Juden &#x201E;koscher&#x201C;. Muslime begraben Verstorbene in einem wei&#xDF;en Kaftan, also einem Leichentuch, bei den Juden ist es genauso. Wir haben den Brauch, Jungen am achten Lebenstag zu beschneiden. M&#xE4;nner und Frauen beten in der Synagoge getrennt, so wie in der Moschee auch&#x201C;<\/em>, erkl&#xE4;rt Jakow Matajew.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Lest auch auf Novastan: <\/strong><a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/usbekistan\/wie-usbekistan-zu-zeiten-des-zweiten-weltkriegs-fur-juden-aus-der-udssr-zum-gelobten-land-wurde\/\"><strong>Wie Usbekistan zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs f&#xFC;r Juden aus der UdSSR zum gelobten Land wurde<\/strong><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>&#x201E;Die Juden in Tadschikistan konnten immer ein angenehmes Leben f&#xFC;hren und sie sind nicht ausgewandert, weil man sie etwa unterdr&#xFC;ckt h&#xE4;tte, sondern weil sich die M&#xF6;glichkeit auftat, in die historische Heimat zur&#xFC;ckzukehren. Au&#xDF;erdem brachen damals in Tadschikistan unruhige Zeiten an, der Krieg begann. &#xDC;brigens sprechen sogar die in anderen L&#xE4;ndern geborenen Nachkommen bucharischer Juden Tadschikisch. Als ich nach Tel Aviv reiste kam es mir vor, als sei ich wieder in Duschanbe gelandet. &#xDC;berall sprechen bucharische Juden untereinander Tadschikisch. Sie haben dort ihre eigenen Restaurants, Fests&#xE4;le f&#xFC;r Hochzeiten, Theater und durchweg h&#xF6;rt man Tadschikisch&#x201C;<\/em>, erl&#xE4;utert der Vorsitzende der j&#xFC;dischen Gemeinde Tadschikistans weiter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Gegen Ende des 17., Anfang des 18. Jahrhunderts begannen die bucharischen Juden sich auf dem Gebiet des heutigen Tadschikistans anzusiedeln. Durch das Leben Seite an Seite mit den lokalen V&#xF6;lkern, darunter Tadschiken und Usbeken, &#xFC;bernahmen sie viele Traditionen und Br&#xE4;uche aus dieser Kultur. Einige von ihnen konvertierten zum Islam &#x2013; die meisten gewaltsam, andere aber auch freiwillig. In Zentralasien wurden die zum Islam konvertierten Juden &#x201E;Tschala&#x201C; (Tadschikisch f&#xFC;r &#x201E;weder das eine noch das andere&#x201C;) genannt und solche Juden versuchten ihre Herkunft zu verstecken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Die Geschichte der Juden Tadschikistans<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>&#x201E;Die ersten j&#xFC;dischen Siedler gab es in Chudschand. Sie kamen aus Buchara, Samarkand, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Shahrisabz\">Shahrisabz<\/a>, Taschkent und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Qo%CA%BBqon\">Kokand<\/a> dorthin. Sie waren vor allem im Handel und Handwerk t&#xE4;tig&#x201C;<\/em>, erz&#xE4;hlt der Historiker und Journalist Kodir Muruwwat. <em>&#x201E;Ab der zweiten H&#xE4;lfte des 19.Jahrhunderts siedelten sie sich auch im Zentrum Tadschikistans an, unter anderem auf dem Gebiet des heutigen Duschanbe. Aufgrund von Gefl&#xFC;chteten stieg die Zahl der j&#xFC;dischen Gemeindemitglieder w&#xE4;hrend und nach dem Zweiten Weltkriegstark &#xA0;an. Unter ihnen waren viele Gelehrte, die einen gro&#xDF;en Beitrag zur Entwicklung der nationalen Wissenschaft leisteten. [&#x2026;] Und heute bringen viele emigrierte bucharische Juden die tadschikische Kultur nach Israel und in andere westliche L&#xE4;nder. [&#x2026;] Das zeugt davon, dass sie, obwohl sie au&#xDF;erhalb Tadschikistans leben, die Liebe zu ihrem Volk im Herzen tragen&#x201C;<\/em>, schlie&#xDF;t Muruwwat.<\/p>\n<p style=\"background-color: #d4d4d4;\"><span style=\"color: #000000;\">Lust auf Zentralasien in eurer Mailbox? 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Ich hoffe, die Synagoge bleibt nicht leer&#x2026;&#x201C;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><strong>Tilaw Rassul-sade f&#xFC;r <\/strong><a href=\"https:\/\/fergana.ru\/articles\/113338\/\"><strong>Fergana News<\/strong><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><strong>Aus dem Russischen von Marie Schliesser<\/strong><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kan&#xE4;len, schaut mal vorbei bei <\/span><a href=\"https:\/\/twitter.com\/novastan_de\"><span style=\"font-weight: 400;\">Twitter<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">, <\/span><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Novastan.org\/\"><span style=\"font-weight: 400;\">Facebook<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">, <\/span><a href=\"https:\/\/telegram.me\/novastan\"><span style=\"font-weight: 400;\">Telegram<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">, <\/span><a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/company\/novastan\/\"><span style=\"font-weight: 400;\">Linkedin<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> oder <\/span><a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/novastanorg\/\"><span style=\"font-weight: 400;\">Instagram<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">. 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