{"id":20483,"date":"2020-04-01T11:02:13","date_gmt":"2020-04-01T09:02:13","guid":{"rendered":"https:\/\/novastan.org\/de\/?p=20483"},"modified":"2020-04-01T11:02:13","modified_gmt":"2020-04-01T09:02:13","slug":"der-paradigmenwechsel-in-der-modernen-zentralasiatischen-kunst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/novastan.org\/de\/kirgistan\/der-paradigmenwechsel-in-der-modernen-zentralasiatischen-kunst\/","title":{"rendered":"Der Paradigmenwechsel in der modernen zentralasiatischen Kunst"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\"><strong>Der usbekische K&#xFC;nstler, &#xDC;bersetzer und Theoretiker Alexey Ulko beschreibt, wie sich die Komplexit&#xE4;t und der kontroverse Charakter der modernen zentralasiatischen Kunst in einen post-kolonialen und postsowjetischen Kontext fassen lassen. Seine Argumentation wird von den Installationen des kasachstanischen K&#xFC;nstlers Alexander Ugai begleitet. Folgender Artikel erschien im englischen Original bei <\/strong><strong><a href=\"https:\/\/transitorywhite.com\/articles\/the-shift-of-the-paradigm-in-modern-central-asian-art\">TransitoryWhite<\/a>, wir &#xFC;bersetzen ihn mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das von einer weltweiten wirtschaftlichen und politischen Krise gepr&#xE4;gte Ende der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts markiert das Ende einer hoffnungsvollen &#xC4;ra f&#xFC;r Zentralasien. Die zwanzig Jahre zuvor erwarteten wirtschaftlichen und kulturellen Durchbr&#xFC;che traten weitestgehend nicht ein. Mehr als jemals zuvor ist die Region von Korruption, Autokratie, Nationalismus und Traditionalismus, sowie ethnischen, klassenbezogenen und demographischen Spannungen geplagt (1). Mit dem Erwachsenwerden der ersten post-sowjetischen Generation geraten Kultur, Kunst und individuelle Kunstschaffende der Region auf verschiedenste Weisen unter Anpassungsdruck &#x2013; worauf sie wiederum auf verschiedenste Weisen reagieren. Im Folgenden versuche ich zu demonstrieren, wie diese extrinsischen Kr&#xE4;fte, die oftmals auf verschiedenen Vorstellungen von Zentralasien fu&#xDF;en, eine ganze Bandbreite an kulturellen und k&#xFC;nstlerischen Antworten hervorbringen. Ich untersuche dieses Zwischenspiel, indem ich sie mit international gel&#xE4;ufigen Narrativen und meinen eigenen Erfahrungen als in Usbekistan lebender und praktizierender K&#xFC;nstler und Kunstwissenschaftler verwebe. Der Versuchungen und Gefahren pauschalisierender und verallgemeinernder Aussagen bewusst, entschloss ich mich dennoch gegen eine l&#xE4;nderspezifische und ausdr&#xFC;cklich f&#xFC;r eine regionsbezogene Herangehensweise an die j&#xFC;ngsten Entwicklungen der modernen zentralasiatischen Kunst. Hierbei ziehe ich den Begriff &#x201E;modern&#x201C; der Bezeichnung &#x201E;zeitgen&#xF6;ssisch&#x201C; bewusst vor, um Verwechslungen zu vermeiden. Wie im Folgenden deutlich wird, k&#xF6;nnen beide Bezeichnungen nicht immer deckungsgleich verwendet werden. In anderen Worten: Die Kategorie &#x201E;zeitgen&#xF6;ssische Kunst&#x201C; in der heutigen Kunstwelt ist f&#xFC;r mich nur eine von vielen.<\/p>\n<p>Die extrinsischen Kr&#xE4;fte, die die aktuelle Kunst- und Kulturszene pr&#xE4;gt, lassen sich in drei Gruppen fassen: sowjetische Hinterlassenschaften, das ethnische und trditionelle Erbe sowie der Anspruch einer modernen und glbalisierten Welt.<\/p>\n<p style=\"background-color: #d4d4d4;\"><span style=\"color: #000000;\">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin &#xFC;ber Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/novastan-ev\/werde-unser-mitglied-werde-novastan\/\"><strong>Dank eurer Teilnahme<\/strong><\/a>. Wir sind <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/novastan-ev\/unser-projekt\/\">unabh&#xE4;ngig<\/a> und wollen es bleiben, daf&#xFC;r brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/novastan-ev\/spenden\/\">Spende<\/a><\/strong> helft ihr uns, weiter ein realit&#xE4;tsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Jener Anpassungsdruck wird von Regierungen, der &#xF6;ffentlichen Meinung, materiellen Bed&#xFC;rfnissen, der geographischen und kulturellen Besonderheiten jener Staaten und Gesellschaften und der internationalen Gemeinschaft in verschiedensten Kombinationen ausge&#xFC;bt. Es l&#xE4;sst sich behaupten, dass die meisten Kommunalbeh&#xF6;rden der Region sowjetische und traditionalistische Ans&#xE4;tze verbinden und dem zeitgen&#xF6;ssischen internationalen Kontext gegen&#xFC;ber lediglich Lippenbekenntnisse aussprechen. Auf der anderen Seite verfolgen internationale Nichtregierungsorganisationen (wie etwa die UNESCO, die Soros-Stifung, Hivos und andere) ihre eigene globale Agenda (2) mit einer eigenen post-sowjetischen Interpretation der UdSSR und ihres Erbes &#x2013; oftmals als &#x201E;V&#xF6;lkergef&#xE4;ngnis&#x201C; und nicht als <em>&#x201E;Affirmative Action Empire&#x201C;<\/em> (3). Jene Agenden werde von Marktkr&#xE4;ften getrieben und &#xFC;ber die Wirtschaft als ideologischen Faktoren eingesetzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">All diese Einfl&#xFC;sse haben ihren <em>normativen Charakter<\/em> gemein. Die Agenden jener Institutionen und Agenturen versuchen vorzugeben, wie eine &#x201E;wahre&#x201C; zentralasiatische Kultur <em>zu sein hat<\/em>. Dabei werden oftmals Feldforschungen dar&#xFC;ber ignoriert, wie die Realit&#xE4;t <em>ist<\/em>. Solche Ans&#xE4;tze verst&#xE4;rken eine F&#xFC;lle an kulturellen Stereotypen. Die, oftmals inkompatiblen, Vorstellungen von Zentralasien werden von verschiedenen Gruppen, Organisationen, Denkschulen projiziert. Eigenm&#xE4;chtig trennen sie &#x201E;authentische&#x201C; von &#x201E;unauthentischen&#x201C;, &#x201E;progressive&#x201C; von &#x201E;regressiven&#x201C; oder &#x201E;n&#xFC;tzliche&#x201C; von &#x201E;sch&#xE4;dlichen&#x201C; kulturellen Komponenten. Somit wird auf eine effektive Art und Weise der reale, dynamische und komplexe Charakter der zentralasiatischen Kultur behindert. Das soll nicht bedeuten, dass die Komplexit&#xE4;t dieser Regionalkultur nicht ausreichend anerkannt und erforscht wird &#x2013; im Gegenteil: &#x201E;Diversit&#xE4;t&#x201C;, &#x201E;interkultureller Dialog&#x201C;, &#x201E;kulturelle Schnittpunkte&#x201C; und weitere Konzepte werden regelm&#xE4;&#xDF;ig in internationalen Foren diskutiert. Dies geschieht jedoch oftmals unter verallgemeinernden, abstrakten und sogar normativen Vorzeichen. Organisationen arbeiten dahingehend mit staatlichen Agenturen zusammen und veranstalten Foren, die von Leitmotiven wie &#x201E;<em>heutzutage m&#xFC;ssen Menschen die Prozesse und Effekte kultureller Diversit&#xE4;t &#xFC;berdenken, in die Zukunft blicken und ihre Begierden koordinieren&#x201C;<\/em> begleitet werden (4). Gleichzeitig wird zugegeben, dass ihre begrenzten Kapazit&#xE4;ten f&#xFC;r einen Wiederaufbau wichtiger kultureller Denkm&#xE4;ler in der Region nicht ausreichen oder dass Zerst&#xF6;rungen nicht verhindert werden k&#xF6;nnen. Die Rolle internationaler Geber werde ich im Folgenden herausarbeiten und die Verbindungen zwischen bevormundenden Ans&#xE4;tzen und Fragen nach Macht und Klasse an die kulturellen Entwicklungen in der Region diskutieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/tadschikistan\/anisa-sabiri-tadschikische-poetin-kunstlerin-staatsburgerin\/\">Anisa Sabiri: Tadschikische Poetin, K&#xFC;nstlerin, Staatsb&#xFC;rgerin<\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Reaktionen der Kunstschaffenden auf die ihnen aufgedr&#xFC;ckten Zw&#xE4;nge lassen sich in zwei, sich teilweise &#xFC;berschneidende Str&#xF6;mungen kategorisieren: F&#xFC;gsamkeit und Widerstand, beziehungsweise Konformit&#xE4;t und Opposition. Diese relativ simplen Verordnungen sind stark an die internen Motiven der individuellen Kunstschaffenden gekn&#xFC;pft &#x2013; der Suche nach einer eigenen Identit&#xE4;t und &#xF6;ffentlicher Anerkennung. Im Idealfall wird eine Stilfindung von der &#xD6;ffentlichkeit entsprechend gew&#xFC;rdigt. In einer marktwirtschaftlichen Gesetzen unterliegenden Kunstszene wird dieses Prinzip jedoch durch weitere Faktoren beeinflusst. F&#xFC;r Zentralasien bedeutet dies sogar, dass extrinsische Dynamiken die Vorzeichen umkehren. Hier, genauer gesagt in autorit&#xE4;reren Staaten, kann Anerkennung lediglich durch eine F&#xFC;gung in ein entsprechendes kulturelles Modell (sei es staatlich verordnet, traditionalistisch oder multikulturell) erfolgen. Die freie Suche nach Identit&#xE4;t (ob individuell oder kollektiv) impliziert dabei eine Unvereinbarkeit mit jenen Modellen und stehen vorgegebenen kulturellen Ma&#xDF;st&#xE4;ben gegen&#xFC;ber. Diese paradoxe Sachlage und ihre ihr zugrundeliegenden Ursachen m&#xFC;ssen detaillierter betrachtet werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In den meisten zentralasiatischen Staaten (mit Ausnahme Kirgistans) halten Regierungen nicht nur das Gewaltmonopol, sie streben ebenfalls nach Kontrolle und Lenkung des spirituellen Lebens ihrer Staatsangeh&#xF6;rigen, indem sie dar&#xFC;ber entscheiden, was gem&#xE4;&#xDF; der staatlichen Ideologie angebracht ist und was nicht. Der Fall von <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Umida_Akhmedova\">Umida Akhmedova<\/a> steht stellvertretend daf&#xFC;r, wie weit eine Regierung eingreifen kann. Die bekannte Photographin wurde der Verleumdung und Diffamierung des usbekischen Volkes schuldig gesprochen, nachdem &#xFC;ber ihr Dokumentarphotographie-Album befunden wurde, <em>&#x201E;nationale Traditionen&#x201C;<\/em> in einer <em>&#x201E;respektlosen und verspottenden Art und Weise&#x201C;<\/em> zu portr&#xE4;tieren (5). Dieser inhumane Umgang mit Kunstschaffenden wird im Westen oftmals als ein sowjetisches &#xDC;berbleibsel, nicht mehr als ein Schatten des Kommunismus verlacht (6). Meiner Ansicht nach beschr&#xE4;nkt sich das sowjetische Erbe nicht nur auf den kolonialistischen Einfluss auf jahrhundertealte Lokalkulturen. Es ist auch eine gestaltende, post-koloniale Kraft, die die Entwicklung neuer Nationalkulturen in der Region pr&#xE4;gte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/usbekistan\/umida-achmedowa-eine-ausnahmekunstlerin-in-usbekistan\/\">Umida Akhmedova &#x2013; eine Ausnahmek&#xFC;nstlerin in Usbekistan<\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Zu allererst ist es das sowjetische Erbe, von dem die Suche nach einer &#x201E;wahren&#x201C; Doktrin der Kunst, eines bestimmenden Paradigmas dar&#xFC;ber, was in der heutigen zentralasiatischen Kunst akzeptabel ist, ausgeht. Diese Negierung der Pluralit&#xE4;t, ein charakteristisches Merkmal sowjetischen Denkens hat ihre Parallelen mit den zentralasiatischen Kulturen &#x2013; die ich pers&#xF6;nlich als diffus, fremdbestimmt und beimessend in ihrer Polarisierung zwischen &#x201E;richtig&#x201C; und &#x201E;falsch&#x201C; beschreibe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Paradoxerweise wird Diversit&#xE4;t, wenn sie denn einmal anerkannt wird, oftmals mit Konzeptionen &#xFC;ber distinktive Nationalit&#xE4;ten und Ethnizit&#xE4;ten in Verbindung gebracht. Dies &#xF6;ffnet eher der Apartheid, als dem Postmodernismus die philosophische T&#xFC;r. Das gemeinsam von der UNESCO und der IFESCO betriebene Projekt <em>&#x201E;<a href=\"https:\/\/en.unesco.org\/news\/launching-&#xAB;observatory-arts-education-cis-countries&#xBB;\">Arts Education in the CIS Countries: Building Capacity fort he 21st Century<\/a>&#x201C;<\/em> unterst&#xFC;tzte die Ver&#xF6;ffentlichung der Studie <em>&#x201E;<a href=\"http:\/\/ae.cis.iite.unesco.org\/observatory\/images\/PDF\/Analytical_report_Arts_Ed_Kazakhstan_eng.pdf\">Art Education in the Republic of Kazakhstan: Perception oft he National Traditions and the Rapprochement of the Cultures<\/a>&#x201C;<\/em>, die eine &#xDC;bernahme &#x201E;ethnokultureller Bildung&#x201C; in Kasachstan empfiehlt (7). Diversit&#xE4;t wird hierin bestenfalls als ein von oben nach unten wirkendes, ideologisches Dogma behandelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Kann Kunst eine echte Reflektion sozialer Prozesse sein?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wenn das Bed&#xFC;rfnis einer singul&#xE4;ren, wahren Kunst typisch f&#xFC;r sowjetische und zentralasiatische Kulturparadigmen&#xA0; ist, dann wurde das sozialistische Verst&#xE4;ndnis von Kunst als eine Reflektion sozialer Prozesse nur von einem gewissen Teil der regionalen Kunstszene angenommen. Der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sozialistischer_Realismus\">sozialistische Realismus<\/a>, der zwischen 1932 und 1934 als einzige kreative Ausdrucksweise der beobachtbaren Realit&#xE4;t anerkannt war, stand stets im Kontext des Klassenkampfes. Das Problem hierbei ist, wie wir alle nur zu gut wissen, dass der &#x201E;sozialistische Realismus&#x201C; nie eine dokumentierende oder realistische Reflektion wahrer sozialer Geschehnisse und Prozesse war. Vielmehr war er eine statische Glorifizierung gewisser sozialistischer Mythen, Gef&#xFC;hle und &#x201E;Errungenschaften&#x201C;. Eine &#xE4;hnliche Tendenz wird umso mehr in der modernen zentralasiatischen &#x201E;Nationalkultur&#x201C; deutlich, die zwar ein offizielles, ideologisches Kunstverst&#xE4;ndnis beinhaltet, sich aber nicht nur darauf beschr&#xE4;nkt. Im Sinne der sowjetischen Nationalit&#xE4;tenpolitik besteht die Selbstpositionierung des k&#xFC;nstlerischen Mainstreams der Region mit einer Verwurzelung in jahrhundertealten nationalen Traditionen fort.<\/p>\n<p>Das Problem besteht darin, dass auch wenn die zentralasiatischen Regime an ihre vergangene Traditionen ankn&#xFC;pfen wollen, es ihnen an geschichtlichem Weltblick mangelt. Geschichte wird durch Urspr&#xFC;nglichkeit und das Konstrukt &#x201E;Vergangenheit&#x201C; durch Tradition ersetzt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_20485\" aria-describedby=\"caption-attachment-20485\" style=\"width: 190px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-20485\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2020\/03\/Bildschirmfoto-2020-03-27-um-14.33.44-190x300.png\" alt=\"\" width=\"190\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2020\/03\/Bildschirmfoto-2020-03-27-um-14.33.44-190x300.png 190w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2020\/03\/Bildschirmfoto-2020-03-27-um-14.33.44.png 461w\" sizes=\"auto, (max-width: 190px) 100vw, 190px\"\/><figcaption id=\"caption-attachment-20485\" class=\"wp-caption-text\">Installation &#xFC;ber die Geschichte der koreanischen Diaspora in Usbekistan<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Der k&#xFC;nstlerische Kontext der modernen Kunst Zentralasiens<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ich w&#xFC;rde behaupten, dass in Russland und anderen post-sowjetischen Staaten Kultur ein universelles Schl&#xFC;sselelement und &#xFC;bergeordnetes Paradigma jeglicher Formen menschlichen Treibens, wie Wissenschaft, Religion, Psychologie, Kunst, Philosophie, Musik etc. ist. In Zentralasien ist diese &#x201E;Diktatur&#x201C; besonders intensiv. Individuelle k&#xFC;nstlerische Leistungen werden prim&#xE4;r von der Suche einer eigenen Identit&#xE4;t getrieben und zuallererst im Kontext einer Nationalkultur betrachtet.<\/p>\n<p>Hier haben wir alle Bestandteile der modernen zentralasiatischen Kunst beieinander: das politische Regime, das die k&#xFC;nstlerische Entwicklung leitet, die unpers&#xF6;nliche &#x201E;Achtung&#x201C; und &#x201E;Inbezugnahme&#x201C; auf &#x201E;Wurzeln&#x201C; und &#x201E;Traditionen&#x201C; als einzige ertragsreiche (beziehungsweise m&#xF6;gliche) Umgebung f&#xFC;r Kunstschaffende, ihre Identit&#xE4;t zu entdecken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/kasachstan\/die-zehn-groessten-in-kasachstans-kulturszene\/\">Die zehn Gr&#xF6;&#xDF;ten in Kasachstans Kulturszene<\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nun m&#xF6;chte ich eine andere Drehachse besprechen, die eine ebenso gro&#xDF;e Rolle in den Klassenverh&#xE4;ltnissen der zentralasiatischen Kunst spielt: Internationale Nichtregierungsorganisationen (NGO) und andere Geber zur Unterst&#xFC;tzung einer sogenannten &#x201E;unabh&#xE4;ngigen Kunst&#x201C;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wurden sie vor zwanzig Jahren noch als desinteressierte, um internationale Anerkennung buhlende Hilfsorganisationen f&#xFC;r Kunstschaffende aus Entwicklungsl&#xE4;ndern betrachtet, haben sie sich inzwischen in Zentralasien fest etabliert. Sie sind zu m&#xE4;chtigen Akteuren geworden, die ihre Agenden und Vorstellungen diktieren, wie Kunst in Zentralasien zu sein hat. In diesem Artikel m&#xF6;chte ich die Ziele der Arbeit solcher Organisationen nicht per se diskutieren und kritisieren; anstelle dessen gehe ich auf die Auswirkungen ihrer Interaktionen mit der lokalen Kunstszene ein &#x2013; diese meint nicht nur Kunstschaffende, sondern auch <em>Stakeholder <\/em>und <em>Gatekeeper<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Attraktivit&#xE4;t der Geber in Anbetracht der allgemeinen Ressourcenknappheit in den meisten Staaten Zentralasiens hatte tiefgreifende Auswirkungen auf die Kunstszene und der ihr angeh&#xF6;renden Individuen. Die Arbeit der NGOs und der von ihnen gesponserten Projekte wie das <a href=\"https:\/\/bactria.tj\/en\/eng\/\">Bactria Centre<\/a> in Duschanbe, das <a href=\"http:\/\/www.artishock.kz\/\">Art &amp; Shock-Theater<\/a> in Kasachstan oder das <a href=\"https:\/\/www.akdn.org\/akma\/project\/omnibus-ensemble\">Black Box-Festival<\/a> in Taschkent er&#xF6;ffnete einigen Kunstschaffenden die M&#xF6;glichkeit zu reisen, ihre Kollegen im Ausland zu treffen, an internationalen Veranstaltungen und Projekten teilzunehmen, sowie ihre eigene Kunst zu kontextualisieren. Dieser unbestritten positive Zweck der NGOs und anderer Geber in der Region sollte genauso gew&#xFC;rdigt werden wie das Anlocken internationaler Anerkennung und materieller Gewinne, die nicht nur pr&#xE4;gende Faktoren f&#xFC;r regionale Praktiken der Kunst sind, sondern auch f&#xFC;r die Verteilung von Machtstrukturen innerhalb k&#xFC;nstlerischer Gemeinschaften. Genau wie ihre Gegen&#xFC;ber in staatlichen Beh&#xF6;rden sind Ortskr&#xE4;fte und lokale Kuratorien westlicher Geberorganisationen zu m&#xE4;chtigen Akteuren der regionalen Kunstwelt geworden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/kasachstan\/wo-die-rosen-wachsen-ein-interview-mit-almagul-menlibaeva\/\">Wo die Rosen wachsen &#x2013; ein Interview mit Almagul Menlibaeva<\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Trotz des guten Willens, die k&#xFC;nstlerische Entwicklung Zentralasiens zu f&#xF6;rdern, ist der Einfluss ausl&#xE4;ndischer Geber auf Ethik und Arbeitsverhalten lokaler Kunstschaffender, Kuratorien und des jeweiligen Projektmanagements, von ihren dominanten Agenden gekennzeichnet. Interessanterweise variiert der Inhalt der Agenden und Strategien jener Geber, <em>Gatekeeper<\/em> und Kunstschaffenden mit der Zeit. Auf ihre latent simplifizierende Sichtweise bez&#xFC;glich der Machtverh&#xE4;ltnisse zwischen Regierungs-, Nichtregierungsorganisationen und den Kunstszenen bin ich bereits eingegangen. Ich halte fest, dass die herrschende Klasse, die von Ministerien und gr&#xF6;&#xDF;eren westlichen Gebern vertreten wird, sowohl das Kapital, als auch die k&#xFC;nstlerischen Produktionsmittel (Theater, Gallerien, Druckereien etc.) besitzt und &#xFC;ber <em>Gatekeeper<\/em> der Mittelklasse operiert: Im Projektmanagement, Beamtentum, &#xFC;ber Gallerienbesitzende und in Kuratorien. Genau wie die ausgebeutete Klasse des marxistischen Denkens streben Kunstschaffende nach Macht, Anerkennung und Geld &#x2013; oder aber rebellieren und behaupten ihre Unabh&#xE4;ngigkeit und Eigenidentit&#xE4;t.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Mit der Zeit wurde deutlich, dass das Schwarzwei&#xDF;-Denken der Unterdr&#xFC;ckung und des Kampfes der Klassen zu kontrastarm war. Erstens verringerte sich, zumindest f&#xFC;r Kasachstan und Kirgistan, mit dem Voranschritt der Marktwirtschaft und der &#xD6;ffnung f&#xFC;r die Au&#xDF;enwelt die Bedeutung der Kuratorien als <em>Gatekeeper<\/em>. Dennoch sollten ihre kreativen Stimuli anerkannt und in vielen F&#xE4;llen gew&#xFC;rdigt werden. Zweitens wandelte sich die Wiederentdeckung von Protestformen der politischen Linken in eine neue Orthodoxie: Antikapitalistische Stimmungen kamen wieder in Mode und stellten sich als n&#xFC;tzliches Mittel zu Erregung von Aufmerksamkeit und finanzieller Unterst&#xFC;tzung heraus. Dies wird von der neo-marxistischen Bishkeker <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/PlatformaStab\/posts\/school-of-theory-and-activism-bishkek-stab-makes-a-historical-intervention-with-\/929981717082540\/\">Denkschule f&#xFC;r Theorie und Protests (STAB)<\/a> veranschaulicht. Die von der niederl&#xE4;ndischen Entwicklungsorganisation <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Hivos\">Hivos<\/a> getragene Initiative unterst&#xFC;tzt eine Reihe an Wohn- und Bildungsprojekten f&#xFC;r junge, zeitgen&#xF6;ssische Kunstschaffende in Kirgistan, einem Land, dass zwischen regionalen, politischen und ethnischen Konflikten zerrissen ist. Ihr Hauptanliegen ist der Klassenkampf gegen den Neoliberalismus, was in Anbetracht nationalistischer, islamisch-fundamentalistischer und geopolitischer Bedrohungen eher unangemessen scheint. Drittens ergreifen Beh&#xF6;rden repressive Ma&#xDF;nahmen, die moderate Kunstschaffende teilweise zu Protestfiguren werden lassen, wie im Falle der Anklagen <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Umida_Akhmedova\">Umida Akhmedova<\/a> und <a href=\"http:\/\/aspangallery.com\/en\/artist\/akhunov\">Vyacheslav Akhunov<\/a> aus Usbekistan, oder <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bolat_Atabajew\">Bolat Atabaev<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=jI6aj5seJvM\">Kanat Ibragimov<\/a> aus Kasachstan. So werden die Grenzen zwischen Konformit&#xE4;t und Protest noch weiter verwischt, als dass viele kleinere, unterfinanzierte Graswurzelbewegungen und unabh&#xE4;ngige Initiativen allm&#xE4;hlich Anerkennung und Unterst&#xFC;tzung erfahren, was Zweifel an ihrem Status als unabh&#xE4;ngige Kunstschaffende laut werden l&#xE4;sst.<\/p>\n<figure id=\"attachment_20486\" aria-describedby=\"caption-attachment-20486\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-20486\" src=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2020\/03\/Bildschirmfoto-2020-03-27-um-14.32.14-300x198.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"198\" srcset=\"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2020\/03\/Bildschirmfoto-2020-03-27-um-14.32.14-300x198.png 300w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2020\/03\/Bildschirmfoto-2020-03-27-um-14.32.14-768x506.png 768w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2020\/03\/Bildschirmfoto-2020-03-27-um-14.32.14-1024x675.png 1024w, https:\/\/novastan.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2020\/03\/Bildschirmfoto-2020-03-27-um-14.32.14.png 1168w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\"\/><figcaption id=\"caption-attachment-20486\" class=\"wp-caption-text\">Installation &#xFC;ber die Geschichte der koreanischen Diaspora in Usbekistan<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify\">In allen zentralasiatischen Staaten k&#xF6;nnen wir (wenn auch in verschiedenen Ausma&#xDF;en) eine wachsende Schere und Spannungen zwischen der sich abzeichnenden Oberschicht und der weniger gebildeten, verarmten ruralen Arbeiterklasse beobachten. In der k&#xFC;nstlerischen Gemeinschaft fokussieren sich diese Spannung auf das komplexe Verh&#xE4;ltnis zwischen Kunstschaffenden, Kuratorien, Galleriebetreibenden, dem Beamtentum, lokalen und internationalen Gebern und anderen <em>Stakeholdern<\/em>. Hierbei wird das Schlachtfeld einmal durch &#x201E;nationale&#x201C;, und einmal durch &#x201E;zeitgen&#xF6;ssischen Agenden getrennt und durch die Kr&#xE4;fte des Marktes befeuert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Die wahre Seele Zentralasiens<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Als Kunstschaffender selbst finde ich keine Motivation, dem urweltlichen und vollkommen konstruierten Ideal einer &#x201E;nationalen Kunst&#x201C; zu folgen, oder mich an jene Spielart der zeitgen&#xF6;ssischen Kunst, mit ihrer reaktion&#xE4;ren, materialistischen &#x201E;Weltlichkeit&#x201C;&#xA0; anzupassen. Ich w&#xFC;rde behaupten, dass zentralasiatische Kunstschaffende davon profitieren k&#xF6;nnen, sich von ihrem oberfl&#xE4;chlichen Streben nach einer &#x201E;nationalen&#x201C;, oder &#x201E;zeitgen&#xF6;ssischen&#x201C; Kunst abzuwenden und sich auf das Erkunden tieferliegender Motive ihrer eigenen Kreativit&#xE4;t zu fokussieren. Es gibt keinen Anlass zur Sorge um &#x2013; oder sogar schlimmer &#x2013; zu einem Eifern nach einer &#x201E;wahren zentralasiatischen Seele&#x201C;: Wir m&#xFC;ssen akzeptieren, dass jegliche aus Zentralasien stammende Kunst per Definition, mit all ihrer Modernit&#xE4;t und Diversit&#xE4;t, &#x201E;zentralasiatisch&#x201C; ist. Deswegen sollten lokale Kunstschaffende allzu bek&#xFC;mmert dar&#xFC;ber sein, von m&#xE4;chtigen lokalen und internationalen Interessengruppen verstanden, akzeptiert und honoriert zu werden, weil sie sich um Kontemporanit&#xE4;t und Kosmopolitismus m&#xFC;hen. Kunstschaffende sollten mit ihren Ideen &#x2013; um es mit den Worten von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/David_Lynch\">David Lynch<\/a> zu sagen &#x2013; in erster Linie reflektieren, ob sie ihrer Idee treu bleiben. Ich glaube, dass die Akkumulation k&#xFC;nstlerischen Wertes tats&#xE4;chlich in der Selbstverwirklichung und letzten Endes in dessen Anerkennung liegt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/turkmenistan\/die-grosen-sieben-der-turkmenischen-kunst\/\">Die &#x201E;gro&#xDF;en Sieben&#x201C; der turkmenischen Kunst<\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Mit Blick auf die Kunstwissenschaft m&#xFC;ssen wir zugestehen, dass die konzeptuelle L&#xFC;cke zwischen der authentischen zentralasiatischen Kunstkritik des <em>Mainstream<\/em> und dem zeitgen&#xF6;ssischen Denken so gro&#xDF;, wie nur m&#xF6;glich ist. Der Paradigmenwechsel vom sowjetischen hin zum modernistischen Narrativ ist von einem facettenreichen und oftmals kontroversen Prozess charakterisiert, der von externen und lokalen Beobachtenden nicht immer gleicherma&#xDF;en identifiziert und interpretiert werden kann. Erstere sind oft tief im post-sowjetischen Diskurs verwurzelt und k&#xF6;nnen nicht immer &#x201E;der romantisierenden Versuchung widerstehen, das <em>Andere<\/em> in den von ihnen beforschten Menschen zu sehen&#x201C; (8). In allen zentralasiatischen L&#xE4;ndern ist &#x201E;die dominierende Kulturdoktin [&#x2026;] die Konstruktion des ethnokratischen Staates&#x201C; (9) &#x2013; und die modernen Kunstgeschichten, -theorien, -und -kritiken leisten ihr folge.<\/p>\n<p style=\"background-color: #d4d4d4;\"><span style=\"color: #000000;\">Lust auf Zentralasien in eurer Mailbox? Abonniert unseren kostenlosen w&#xF6;chentlichen Newsletter <strong><span style=\"text-decoration: underline;\"><a href=\"https:\/\/2ff41361.sibforms.com\/serve\/MUIFAD3kOVgHRZMEzVL0tQuvV__Lm5slYuTqY-DEgdyDpH9WazOpCwYD2CLbIZdPKxyD_Mnaw2SKMY78StG6vCfPNIE1HcIumNXgnjsKyqsb8MuZ5Ng1jN3cNsBhf4SSp2VDJAgy_38b6jiUL7aU6Y-RaIAVhUpNqW1tNwmWOB-8YcNp9LBWEk57rUlkszlx_tQ8qxYED63Sz6UU\">mit einem Klick.<\/a><\/span><\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Es gibt definitiv ein Bed&#xFC;rfnis nach einem deskriptiveren und Agenda-befreiten &#xA0;Ansatz an das Thema, mit einem Fokus darauf, was moderne zentralasiatische Kunst in all ihrer Diversit&#xE4;t wirklich ist. Diese kultur&#xFC;bergreifende Dimension der Kunstwissenschaft k&#xF6;nnte von disziplin&#xFC;bergreifenden Arbeitstechniken der Sozialwissenschaften, Kulturanthropologie, Hermeneutik, Politikwissenschaft etc. begleitet werden.<\/p>\n<p>Vielleicht k&#xF6;nnte die &#x201E;teilnehmende Beobachtung&#x201C; moderner Kunstpraltiken und k&#xFC;nstlerischer Gemeinschaften zu einem essentiell tieferen Einblick f&#xFC;hren, als ihn post-koloniale Hypothesen &#xFC;ber eine Authentizit&#xE4;t der zentralasiatischen Kunst bieten. Die Fanszination vom Anderen und von Kontempor&#xE4;nit&#xE4;t kann oftmals einseitig und dogmatisch sein, so wie das Beharren auf &#x201E;nationalen Traditionen&#x201C; die einzige wahre Basis f&#xFC;r Kunst in der Region ist.<\/p>\n<p><strong>Lest auch auf Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/kasachstan\/ueber-die-sprache-der-vorherrschaft-ein-gespraech-mit-medina-bazargali\/\">&#xDC;ber die Sprache der Vorherrschaft &#x2013; ein Gespr&#xE4;ch mit Medina Bazargali<\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Es gibt in Zentralasien eine klare Notwendigkeit nach neuausbalancierten Narrativen, die reflektionsgebundene, indigene Traditionen der Kunstkritik und -geschichte mit einer weiten Bandbreite moderner und international anerkannter Disziplinen und Diskurse verbinden. Ich hoffe, dass dieser Artikel ein kleiner Beitrag an dieses Bed&#xFC;rfnis und ihren unausweichlichen Dialog ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>Alexey Ulko, geboren im usbekischen Samarkand, ist K&#xFC;nstler, &#xDC;bersetzer und Theoretiker. Er wurde an der Universit&#xE4;t Samarkand als Lehrer f&#xFC;r englische Sprache und Literatur ausgebildet und &#xFC;bersetzte u.a. f&#xFC;r den Stadtrat Samarkand, den British Council, und das Internationale Institut f&#xFC;r zentralasiatische Studien. Dar&#xFC;ber hinaus arbeitete er f&#xFC;r eine Reihe an zentralasiatische Kunstjournale und Online-Publikationen, wie STILLS (Kasachstan, Kirgistan), Kurak (Kirgistan), ARK (Usbekistan) und nahm an regionalen und internationalen Konferenzen und Veranstaltungen teil. 2007 war er Kurator f&#xFC;r VideoART.uz, einem unabh&#xE4;ngigen Filmfestival in Taschkent. Als Filmemacher selbst erhielt Alexey Ulko 2007 und 2008 Preise f&#xFC;r die beste Videokunst des Kinomuseums und des Verbandes usbekischer Filmemacher. Seine aktuellen k&#xFC;nstlerischen Interessen umfassen das experimentelle Kino, Photographie und visuelle Poesie. Ebenfalls ist er Mitglied der Europ&#xE4;ischen Gesellschaft f&#xFC;r zentralasiatische Studien und des britischen Verbandes der Kunsthistoriker.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>Alexander Ugai, geboren 1978 in Qyzylorda, lebt und arbeitet im kasachstanischen Almaty. In seinen Werken behandelt er Themen, wie Erinnerung und Nostalgie, die Interaktion von Geschichte mit der heutigen Realit&#xE4;t und Zukunft. Teilweise erkl&#xE4;rt dies seine simultane Verwendung von in Sowjetzeiten produzierten 8mm- und 16mm-Filmkameras und digitalen Aufnahmeger&#xE4;ten. Viele der Videoprojekte Ugais zielen auf die Erkundung der r&#xE4;umlichen Bande kollektiver und pers&#xF6;nlicher Erinnerungen, mit Fokus auf dem Konzept der Zeit. In den vergangenen Jahren arbeitete Alexander Ugai aktiv mit dem Medium der Installation.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Referenzen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">(1) Leshchinskiy 2007<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">(2)&#xA0;Seiple 2005, 258<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">(3)&#xA0;Martin, 2000<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">(4)&#xA0;Onghena 2007, 261<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">(5)&#xA0;Aspden 2010<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">(6)&#xA0;Pop-Eleches and Tucker 2010<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">(7)&#xA0;Muzafarov 2010, 18<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">(8)&#xA0;Monaghan and Just, 2000, 26<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">(9)&#xA0;Japarov 2010-2011, 35<\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><a href=\"https:\/\/transitorywhite.com\/articles\/the-shift-of-the-paradigm-in-modern-central-asian-art\"><strong>Transitory White<\/strong><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><strong>Aus dem Englischen von Robin Shakibaie<\/strong><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kan&#xE4;len, schaut mal vorbei bei <\/span><a href=\"https:\/\/twitter.com\/novastan_de\"><span style=\"font-weight: 400;\">Twitter<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">, <\/span><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Novastan.org\/\"><span style=\"font-weight: 400;\">Facebook<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">, <\/span><a href=\"https:\/\/telegram.me\/novastan\"><span style=\"font-weight: 400;\">Telegram<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">, <\/span><a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/company\/novastan\/\"><span style=\"font-weight: 400;\">Linkedin<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> oder <\/span><a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/novastanorg\/\"><span style=\"font-weight: 400;\">Instagram<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">. F&#xFC;r Zentralasien direkt in eurer Mailbox k&#xF6;nnt ihr euch auch zu unserem <\/span><a href=\"http:\/\/eepurl.com\/O0Qub\"><span style=\"font-weight: 400;\">w&#xF6;chentlichen Newsletter anmelden<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">. <\/span><\/p>\n<p><strong>&#xA0;<\/strong><\/p>\n<p><strong>&#xA0;<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der usbekische K&#xFC;nstler, &#xDC;bersetzer und Theoretiker Alexey Ulko beschreibt, wie sich die Komplexit&#xE4;t und der kontroverse Charakter der modernen zentralasiatischen Kunst in einen post-kolonialen und postsowjetischen Kontext fassen lassen. Seine Argumentation wird von den Installationen des kasachstanischen K&#xFC;nstlers Alexander Ugai begleitet. Folgender Artikel erschien im englischen Original bei TransitoryWhite, wir &#xFC;bersetzen ihn mit freundlicher Genehmigung [&#x2026;]<\/p>\n","protected":false},"author":676,"featured_media":20484,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[4,3,6,5],"tags":[1299,3648,3440],"coauthors":[3435,3535],"class_list":["post-20483","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kasachstan","category-kirgistan","category-tadschikistan","category-usbekistan","tag-kunst","tag-transitory-white","tag-zeitgenoessische-kunst"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20483","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/676"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=20483"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20483\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/20484"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=20483"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=20483"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=20483"},{"taxonomy":"author","embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/coauthors?post=20483"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}