{"id":20385,"date":"2020-03-19T17:46:38","date_gmt":"2020-03-19T16:46:38","guid":{"rendered":"https:\/\/novastan.org\/de\/?p=20385"},"modified":"2020-04-06T11:21:09","modified_gmt":"2020-04-06T09:21:09","slug":"ueber-ausgesetzte-kinder-zentralasiatischer-migrantinnen-in-russland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/novastan.org\/de\/kirgistan\/ueber-ausgesetzte-kinder-zentralasiatischer-migrantinnen-in-russland\/","title":{"rendered":"\u00dcber ausgesetzte Kinder zentralasiatischer MigrantInnen in Russland"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\"><strong>Nicht nur M&#xE4;nner, auch Frauen aus Zentralasien migrieren vermehrt nach Russland, um dort zu arbeiten. Manche Kinder, welche dort oft au&#xDF;erehelich und ungewollt zur Welt kommen, werden von ihren verzweifelten M&#xFC;ttern ausgesetzt. Folgender Artikel erschien im russischen Original bei<\/strong> <a href=\"https:\/\/fergana.news\/articles\/115439\/\"><strong>Fergana News<\/strong><\/a><strong>, wir &#xFC;bersetzen ihn mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Eine usbekische Staatsb&#xFC;rgerin lie&#xDF; am 12. Februar ein Neugeborenes in der N&#xE4;he der Moskauer U-Bahn-Station Park Pobedy zur&#xFC;ck. Nach Angaben ihres Anwalts Alexander Timoschenko wurde K. Maftunachon, 29 Jahre alt, in Usbekistan von ihrem Vater versto&#xDF;en und ging mit einer Freundin nach Russland, um Geld zu verdienen. Sie konnte weder Russisch, noch hatte sie einen Beruf gelernt. In Russland lernte sie einen Mann kennen und wurde schwanger. Der Vater des Kindes verlangte von K. es abzutreiben und verlie&#xDF; sie anschlie&#xDF;end. Im November 2019 wurde das Kind geboren. Nachdem es aus medizinischen Gr&#xFC;nden zwei Wochen in der Entbindungsklinik bleiben musste, konnte sie es mitnehmen und begann, nach Arbeit zu suchen &#x2013; mit ihrem Baby auf dem Arm.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">&#x201E;<em>Mit dem Baby auf dem Arm ging sie jeden Tag auf Arbeitssuche. Zwei oder drei Mal pro Woche hatte sie Erfolg, z.B. auf einer Baustelle, in einem Fischgesch&#xE4;ft oder einem Handwerkerladen. Sie erhielt etwa 1000 Rubel pro Tag. Von diesem Geld &#xA0;gab sie monatlich 4000 Rubel f&#xFC;r ihr Schlafquartier und den Rest f&#xFC;r Nahrung f&#xFC;r ihren Sohn aus, da sie ihn nicht stillen konnte. Am 11. Februar ging sie in die Klinik, in der sie entbunden hatte, und sagte, dass das Kind verhungere, weil es nichts zu essen bekomme. Sie flehte darum, ihn zu retten, ihn ihr wegzunehmen. Sie wurde abgewiesen. Anschlie&#xDF;end klopfte sie an die T&#xFC;r des Waisenhauses, die aber nicht ge&#xF6;ffnet wurde&#x201C;<\/em>, schrieb die Anw&#xE4;ltin auf ihrer Facebook-Seite.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In ihrer Verzweiflung bat Maftunachon einen Bekannten, sie nach Moskau zu bringen und ging zum Eingang der U-Bahn-Station. Dort legte sie das Kind vor die T&#xFC;r und rannte weg, konnte jedoch kurze Zeit sp&#xE4;ter gefasst werden. Ihr drohen nun 15 Jahre Gef&#xE4;ngnis: Zuerst wurde sie wegen Artikel 125 (&#x201E;Zur&#xFC;cklassung in Gefahr<em>&#x201C;<\/em>) angeklagt, dann aber wegen Artikel 105 &#x2013; &#x201E;Mord<em>&#x201C;<\/em> (obwohl das Kind noch lebt und sich im Krankenhaus befindet) und Artikel 30 &#x2013; &#x201E;Vorbereitung auf ein Verbrechen und Versuch eines Verbrechens&#x201C;. Derzeit sitzt sie in Untersuchungshaft, voraussichtlich bis zum 02. April.<\/p>\n<p style=\"background-color: #d4d4d4;\"><span style=\"color: #000000;\">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin &#xFC;ber Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/novastan-ev\/werde-unser-mitglied-werde-novastan\/\"><strong>Dank eurer Teilnahme<\/strong><\/a>. Wir sind <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/novastan-ev\/unser-projekt\/\">unabh&#xE4;ngig<\/a> und wollen es bleiben, daf&#xFC;r brauchen wir euch! 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Und wenn sie ein Dokument zur Verweigerung des Kindes unterschreibt, informieren die &#xC4;rzte die Botschaft des Herkunftslandes der Kindesmutter. Wenn eine Frau zu Hause entbindet und das Kind dann irgendwo zur&#xFC;ckl&#xE4;sst, ist es schwieriger zu bestimmen, welche Botschaft zu kontaktieren ist. In solchen F&#xE4;llen werden die Kinder meist in russische Heime geschickt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das russische Bildungsministerium, zu dem auch Vormundschafts- und Treuh&#xE4;nderagenturen geh&#xF6;ren, f&#xFC;hrt keine Statistiken &#xFC;ber ausgesetzte Kinder aus Zentralasien. Entsprechende Daten wurden zwar bei den Botschaften zentralasiatischer L&#xE4;nder in Moskau angefordert, aber das Thema scheint ein Tabu zu sein. Viele Experten, die sich mit Migration besch&#xE4;ftigen, weigerten sich, &#xFC;ber die ausgesetzten Kinder zu berichten. Der Menschenrechtsaktivist Schuchrat Latifow etwa argumentiert, dass Frauen immer nur unter der Aufsicht eines m&#xE4;nnlichen Familienmitglieds (ihres Mannes, Bruders oder Vaters) migrieren, weshalb es keine registrierten F&#xE4;lle gibt, in denen tadschikische Frauen Kinder in der Migration zur&#xFC;cklassen. Im Extremfall w&#xFC;rden sie zu Hause gelassen werden: bei den Eltern der Frau oder vor&#xFC;bergehend in einem Internat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Die Wirklichkeit sieht anders aus<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die einzige diplomatische Vertretung, die uns die notwendigen Informationen zur Verf&#xFC;gung stellte, war die Botschaft Kirgistans, die die R&#xFC;ckkehr der in Russland zur&#xFC;ckgelassenen Kinder in ihr Heimatland aufzeichnet. Nach ihren Angaben wurden im Jahr 2019 15 Kinder zur&#xFC;ckgegeben (w&#xE4;hrend es 2017 noch 13 waren). Die Kinder werden zun&#xE4;chst vom Ministerium f&#xFC;r soziale Entwicklung betreut, das nach Verwandten in Kirgistan sucht. Werden keine Verwandten gefunden, kommen die Kinder in Waisenh&#xE4;user.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Der Pressedienst der tadschikischen Botschaft in Moskau antwortete auf unsere Anfrage, dass ihm keine Daten &#xFC;ber ausgesetzte Kinder vorliegen w&#xFC;rden. Er nannte aber Zahlen zur Gesamtzahl der Kinder, die aus verschiedenen Gr&#xFC;nden von ihren Eltern zur&#xFC;ckgelassen wurden (die z.B. gestorben oder abgeschoben worden waren). Im Jahr 2019 wurden 56 Minderj&#xE4;hrige nach Hause geschickt, und zus&#xE4;tzlich 12 in den ersten anderthalb Monaten des Jahres 2020. Ihr k&#xFC;nftiges Schicksal ist dasselbe wie das der kirgisischen Kinder: Zun&#xE4;chst suchen die staatlichen Strukturen nach Verwandten, wenn sie nicht gefunden werden, kommen sie in ein Waisenhaus. Hilfsorganisationen f&#xFC;r Migranten erz&#xE4;hlten, dass sie von mindestens zehn Kindern wissen, die im vergangenen Jahr von ihren tadschikischen M&#xFC;ttern verlassen und nach Hause zur&#xFC;ckgeschickt wurden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Lest auch bei Novastan: <\/strong><a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/usbekistan\/usbekistan-laesst-frauen-und-kinder-von-is-kaempfern-zurueckkehren\/\"><strong>Usbekistan l&#xE4;sst Frauen und Kinder von IS-K&#xE4;mpfern zur&#xFC;ckkehren<\/strong><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die usbekische Botschaft beantwortete unsere Anfrage nicht, aber neun Tage nach dem Vorfall in Moskau best&#xE4;tigte die Konsular- und Rechtsabteilung des usbekischen Au&#xDF;enministeriums die Informationen &#xFC;ber die Inhaftierung der usbekischen Staatsb&#xFC;rgerin Maftunachon, die ihr Kind in der N&#xE4;he der U-Bahn-Station zur&#xFC;ckgelassen hatte. &#xA0;Die Abteilung teilte dar&#xFC;ber hinaus mit, dass die diplomatische Mission die Kontrolle &#xFC;ber die Situation &#xFC;bernommen und Kontakte zu den Strafverfolgungsbeh&#xF6;rden hergestellt habe. Das Leben des Kindes, das sich im Krankenhaus befindet, sei nicht bedroht.<\/p>\n<p style=\"background-color: #d4d4d4;\"><span style=\"color: #000000;\">Lust auf Zentralasien in eurer Mailbox? Abonniert unseren kostenlosen w&#xF6;chentlichen Newsletter <strong><span style=\"text-decoration: underline;\"><a href=\"https:\/\/2ff41361.sibforms.com\/serve\/MUIFAD3kOVgHRZMEzVL0tQuvV__Lm5slYuTqY-DEgdyDpH9WazOpCwYD2CLbIZdPKxyD_Mnaw2SKMY78StG6vCfPNIE1HcIumNXgnjsKyqsb8MuZ5Ng1jN3cNsBhf4SSp2VDJAgy_38b6jiUL7aU6Y-RaIAVhUpNqW1tNwmWOB-8YcNp9LBWEk57rUlkszlx_tQ8qxYED63Sz6UU\">mit einem Klick.<\/a><\/span><\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Berichterstattung &#xFC;ber den Fall l&#xF6;ste eine hitzige Diskussion auf usbekischen Facebook-Seiten aus. Einige Kommentatoren waren &#xFC;ber Maftunachon ver&#xE4;rgert, einige sympathisierten mit ihr, aber alle waren mit der Unt&#xE4;tigkeit der Beh&#xF6;rden unzufrieden. Auch das Thema ad&#xE4;quater Sexualerziehung kam auf, da es in direktem Zusammenhang mit dem Problem ausgesetzter Kinder steht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Sexualerziehung ist eines der sensibelsten Themen in der Region: Hinweise auf eine besondere &#x201E;Mentalit&#xE4;t<em>&#x201C;<\/em> und fehlende au&#xDF;ereheliche Beziehungen machen die Diskussion dar&#xFC;ber h&#xE4;ufig unm&#xF6;glich. In der Realit&#xE4;t ist es jedoch ein riesiges Problem: Frauen wissen h&#xE4;ufig nicht, wie sie einen potenziellen Sexualpartner ablehnen k&#xF6;nnen oder welche Verh&#xFC;tungsm&#xF6;glichkeiten es gibt und wie diese funktionieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Sexualleben und Tabu<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nodira Abdulloyeva, Expertin f&#xFC;r Fragen der Arbeitsmigration aus Tadschikistan, best&#xE4;tigte in einem Interview, dass es in der Gesellschaft tabuisiert ist, &#xFC;ber sexuelle Themen zu diskutieren. F&#xFC;r Jugendliche ist es daher schwierig, mit Erwachsenen &#xFC;ber diese Themen zu sprechen oder Zugang zu geeigneten Informationen und Dienstleistungen zu erhalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>&#x201E;Unseren NGOs zufolge verhindern nicht nur Geschlechterstereotypen und gesellschaftliche Tabus, sondern auch die mangelnde Autonomie von M&#xE4;dchen und Frauen, dass sie Informationen erhalten&#x201C;<\/em>, erkl&#xE4;rte die Expertin. Die meisten tadschikischen Frauen seien nicht in der Lage, mit ihrem Partner &#xFC;ber den Gebrauch von Kondomen zu sprechen Bei der Vorbereitung der M&#xE4;dchen auf das Erwachsenenalter werde ihnen nicht beigebracht, dass jede Handlung, die mit ihrem K&#xF6;rper zu tun hat, in erster Linie ihre eigene Entscheidung ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Laut Abdulloyeva ist die Situation von Maftunachon typisch. Viele Menschen sind schockiert, &#xA0;dass die Mutter ihr Kind zur&#xFC;ckgelassen hat, und machen ihr deswegen Vorw&#xFC;rfe. Aber wenn man das Problem genauer betrachtet, ist Maftunachon ebenso ein Opfer wie ihr Kind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>&#x201E;Die Option der R&#xFC;ckkehr ist die undenkbarste&#x201C;<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Laut Abdulloyeva ist das bestehende Ausbildungssystem f&#xFC;r MigrantInnen unvollkommen, weil es die besonderen Bed&#xFC;rfnisse von Frauen nicht ber&#xFC;cksichtigt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>&#x201E;Wenn M&#xE4;dchen unvorbereitet zur Arbeit gehen, k&#xF6;nnen sie in eine gleiche Situation wie Maftunachon geraten. Sie k&#xF6;nnen von ihren Partnern betrogen oder verlassen werden, sie k&#xF6;nnen Opfer von Gewalt durch einen Mann werden, sogar durch ihren Ehemann. Sie k&#xF6;nnen dazu gezwungen sein, in einem fremden Land zu bleiben, ohne Arbeit, Dokumente und Rechtsstatus, ohne Geld, ohne zu verstehen, an wen sie sich im Falle von Schwierigkeiten wenden k&#xF6;nnen. Gleichzeitig ist die Option der &#x201E;R&#xFC;ckkehr nach Hause&#x201C; die undenkbarste, weil es eine Schande ist, die die Angeh&#xF6;rigen nicht akzeptieren werden. Frauen sind desorientiert und sehen vielleicht keinen anderen Weg, als das Gleiche wie Maftunachon zu tun&#x201C;,<\/em> stellte die Expertin fest.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Abdulloyeva sieht den Ausweg aus dem Problem vor allem in der Auseinandersetzung mit diesem Problem und in der Bildung. Sexualerziehung m&#xFC;sse zug&#xE4;nglich und umfassend sein, regelm&#xE4;&#xDF;ig stattfinden und die Menschen in st&#xE4;dtischen und l&#xE4;ndlichen Gebieten erreichen. Sie solle nicht nur in der Schule, sondern auch au&#xDF;erhalb derselben thematisiert werden. Auch die Eltern sollen einbezogen werden, damit sie verstehen, wie wichtig es ist, &#xFC;ber solche Themen mit den Kindern sprechen zu k&#xF6;nnen, so Abdulloyeva.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Lest auch bei Novastan: <\/strong><a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/usbekistan\/trotz-verbot-polygamie-bleibt-in-usbekistan-verbreitet\/\"><strong>Trotz Verbot: Polygamie bleibt in Usbekistan verbreitet<\/strong><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Internationale Organisationen sind bereit, den L&#xE4;ndern der Region bei der Versorgung der Bev&#xF6;lkerung mit Verh&#xFC;tungsmitteln zu helfen. Galina Tschirkina, Leiterin der kirgisischen Allianz f&#xFC;r reproduktive Gesundheit, sagte in einem Interview, dass die derzeitige Situation hinsichtlich der Bildung der Bev&#xF6;lkerung als &#x201E;wellenf&#xF6;rmig&#x201C; beschrieben werden kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">So habe ich die Verf&#xFC;gbarkeit von Informationen &#xFC;ber Verh&#xFC;tung und Familienplanung ernsthaft verschlechtert, da nach 2015 viele Programme internationaler Organisationen, die unter anderem die Bereitstellung von Verh&#xFC;tungsmitteln als Form von humanit&#xE4;rer Hilfe anboten, eingestellt worden seien. Allein der UN-Bev&#xF6;lkerungsfonds hatte laut Tschirkina Kondome, Spiralen, Pillen und Hormone im Wert von einer Million Dollar pro Jahr zur Verf&#xFC;gung gestellt. Nach der Einstellung solcher Programme h&#xE4;tte die Regierung versucht, die Situation unter Kontrolle zu bringen, aber nur 20% der Bed&#xFC;rfnisse von Frauen aus extrem armen und gro&#xDF;en Familien decken k&#xF6;nnen. Die Jugendlichen, mit denen man in erster Linie arbeiten m&#xFC;sse, konnten diese Hilfe jedoch gar nicht in Anspruch nehmen . Laut der Statistik des Gesundheitsministeriums betrug die Zahl der 18&#x2013;19-j&#xE4;hrigen M&#xE4;dchen, die Verh&#xFC;tungsmittel benutzen, im Jahr 2016 37.957, halbierte sich 2019 jedoch auf 19.593. Nach Angaben des Nationalen Statistikkomitees machen junge Menschen ein Viertel der Bev&#xF6;lkerung des Landes aus, also etwa eine Million Menschen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>&#x201E;Bis das Land spezielle Programme f&#xFC;r junge Menschen einf&#xFC;hrt, die die Verf&#xFC;gbarkeit von Verh&#xFC;tungsmitteln erleichtern, werden wir ungewollte Schwangerschaften, Abtreibungen, Komplikationen nach Abtreibungen, Sterblichkeit von M&#xFC;ttern in jungen Jahren und\/oder ausgesetzte Neugeborene verzeichnen. Wenn wir 17-J&#xE4;hrigen bis heute kein sicheres Sexualverhalten und Familienplanung beigebracht haben, werden wir morgen 18-J&#xE4;hrige mit ungewollten Schwangerschaften und schweren Schicksalen haben.&#x201C;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Proteste der Eltern und der Religionsgemeinschaften<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Galina Tschirkina h&#xE4;lt fest, dass diese Probleme aufgrund mangelnder Sexualerziehung in den Schulen entstehen. &#xFC;ber die st&#xE4;ndig von Fachleuten und NGOs gesprochen wird. Im Jahr 2014 habe das Bildungsministerium zusammen mit dem Gesundheitsministerium eine Methodik zur Entwicklung von Unterrichtsstunden zu gesunder Lebensweise f&#xFC;r Sch&#xFC;ler der h&#xF6;heren Klassen entwickelt, welche sich mit den Themen sicheres Sexualverhalten und Familienplanung befasste. Diese Methodik wurde in den Schulen jedoch kaum eingesetzt, was einerseits an Protesten der Eltern, andererseits an Kritik seitens Religionsgemeinschaften lag. <em>&#x201E;Sobald wir anfangen &#xFC;ber etwas zu sprechen, bei dem &#x201E;Sex&#x201C; im Namen steht: sexuelle Gesundheit, Sexualerziehung oder Sexualit&#xE4;t, m&#xFC;ssen wir mit heftigem &#xF6;ffentlichen Widerstand rechnen. So wird uns vorgeworfen, dass wir junge Menschen korrumpieren. Die Medien k&#xF6;nnten eine wichtige Rolle bei der Aufkl&#xE4;rung der &#xD6;ffentlichkeit spielen, aber leider kommt das Thema erst dann zur Sprache, wenn extreme F&#xE4;lle in der &#xD6;ffentlichkeit bekannt werden. Zu diesem Thema gibt es in den Massenmedien weder Bildungssendungen noch Spezialprogramme&#x201C;,&#xA0;<\/em>so Galina Tschirkina.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Des Weiteren erinnert sie daran, dass die Migration nach Russland insbesondere aus den s&#xFC;dlichen Regionen Kirgistans erfolgt, wo die Menschen aufgrund religi&#xF6;ser Vorschriften nur &#xFC;ber geringe Informationen hinsichtlich Sexualerziehung verf&#xFC;gen..<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>&#x201E;Wir m&#xFC;ssen den M&#xE4;dchen, die ins Ausland gehen, Informationen geben&#x201C;<\/em>, ist Tschirkina &#xFC;berzeugt. <em>&#x201E;Zuhause k&#xF6;nnen die jungen Frauen zu &#xC4;rztInnen gehen, die sie kennen. In Russland haben sie hingegen viel weniger Informationsquellen und M&#xF6;glichkeiten. Es ist deshalb sehr wichtig, sie in ihrem Heimatland gut vorzubereiten, damit sie sich in Russland selbst versorgen k&#xF6;nnen. Und dies gilt nicht nur f&#xFC;r M&#xE4;dchen: Auch M&#xE4;nner sollten so gut wie m&#xF6;glich dar&#xFC;ber informiert werden, wie sie sich vor Infektionskrankheiten und HIV sch&#xFC;tzen k&#xF6;nnen, und die Partnerin sowohl vor Krankheiten als auch vor ungewollter Schwangerschaft<\/em>&#x201C; sagte Tschirkina.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>In die Enge getrieben<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Programmkoordinatorin der Safe House Foundation, Veronika Antimonik, die Frauen in schwierigen Situationen hilft, berichtet dar&#xFC;ber, dass eine Person, die in die Enge getrieben wird, riskante und sogar verzweifelte Entscheidungen treffen kann. <em>&#x201E;Hilflosigkeit, mangelnde Unterst&#xFC;tzung, Verzweiflung f&#xFC;hren zu solchen Entscheidungen. Diese Person sieht keine M&#xF6;glichkeit, etwas an ihrer Lage zu &#xE4;ndern. Frauen in diesen Situationen brauchen viel fr&#xFC;her Hilfe; eine rechtzeitige Bereitstellung von Schutz und Unterst&#xFC;tzung kann solche Situationen verhindern&#x201C;, <\/em>stellt die Koordinatorin fest.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Antimonik betont auch, dass die Probleme, wie im Falle Maftunachons nicht erst bei der Geburt des Kindes selbst, sondern schon viel fr&#xFC;her &#x2013; in der Familie der Eltern &#x2013; begannen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Ein Problem, dessen L&#xF6;sung immer dringender wird<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Es sei wahrscheinlich, dass die Schwangerschaft zu einem ung&#xFC;nstigen Zeitpunkt geschah und ungeplant war, dass sie keinen Zugang zu Verh&#xFC;tungsmitteln hatte oder nicht ausreichend dar&#xFC;ber informiert war. Und wenn sie kein Kind wollte, hatte sie wahrscheinlich keinen Zugang zu einer M&#xF6;glichkeit, die Schwangerschaft zu beenden. Nach der Geburt des Kindes ging sie zu ihrer Familie und bat um Hilfe, wurde aber abgelehnt. Sie konnte nirgendwo hingehen und konnte weder f&#xFC;r sich selbst noch f&#xFC;r das Baby sorgen. Und selbst als sie bereit war, es aufzugeben, blieb ihr diese M&#xF6;glichkeit versperrt. Das Baby auf der Stra&#xDF;e zu lassen, sei wahrscheinlich ihre einzige Chance gewesen, sein Leben zu retten. Nur wenn man all diese Fakten ignoriert, kann man eine kriminelle Absicht dahinter vermuten, glaubt Antimonik.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Laut der Soziologin Anna Rotscheva machen Frauen 40% der Migrationsstr&#xF6;me aus Kirgistan und 20% aus Usbekistan und Tadschikistan aus. In der Regel kommen Frauen bis zu 30 Jahren (seltener 30 bis 40 Jahre) aus Kirgistan. Etwa gleich viele Frauen unter 30 Jahren und &#xE4;ltere Frauen kommen aus Usbekistan und Tadschikistan. Sie sind in der Regel verheiratet, verwitwet oder geschieden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das Problem der ungeplanten Schwangerschaften, des fehlenden Zugangs zu Gesundheitsdiensten und der ausgesetzten Kinder wird &#xE4;hnlich dem Schneeballeffekt zunehmen, da die Migration von Frauen einerseits immer wichtiger wird, die Sexualerziehung in den L&#xE4;ndern der Region andererseits aber nicht gef&#xF6;rdert wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><strong>Ekaterina Iwaschtschenko f&#xFC;r <\/strong><a href=\"https:\/\/fergana.news\/articles\/115439\/\">Fergana News<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><strong>Aus dem Russischen von Hannah Riedler<\/strong><\/p>\n<p>&#xA0;<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kan&#xE4;len, schaut mal vorbei bei <\/span><a href=\"https:\/\/twitter.com\/novastan_de\"><span style=\"font-weight: 400;\">Twitter<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">, <\/span><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Novastan.org\/\"><span style=\"font-weight: 400;\">Facebook<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">, <\/span><a href=\"https:\/\/telegram.me\/novastan\"><span style=\"font-weight: 400;\">Telegram<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">, <\/span><a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/company\/novastan\/\"><span style=\"font-weight: 400;\">Linkedin<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> oder <\/span><a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/novastanorg\/\"><span style=\"font-weight: 400;\">Instagram<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">. 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