{"id":2023,"date":"2014-01-05T12:00:00","date_gmt":"2014-01-05T11:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/novastan.org\/de\/?p=2023"},"modified":"2016-10-06T06:43:13","modified_gmt":"2016-10-06T04:43:13","slug":"religiser-extremismus-in-zentralasien-politischer-deckmantel-oder-reale-bedrohung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/novastan.org\/de\/kirgistan\/religiser-extremismus-in-zentralasien-politischer-deckmantel-oder-reale-bedrohung\/","title":{"rendered":"Religi\u00f6ser Extremismus in Zentralasien: Politischer Deckmantel oder reale Bedrohung?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\"><em><strong>Im Juni 2012 kamen in Astana hochrangige Vertreter der Gemeinschaft Unabh&#xE4;ngiger Staaten (GUS) im Rahmen einer internationalen Konferenz zusammen, die die Rolle von Religion sowie die Gefahren des religi&#xF6;sen Extremismus in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion zum Thema hatte und Ankn&#xFC;pfungspunkte finden sollte f&#xFC;r verst&#xE4;rkte regionale Zusammenarbeit zur Bek&#xE4;mfpung der Gefahren des religi&#xF6;sen Extremismus.<\/strong> <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">W&#xE4;hrend alle GUS-Staaten mit den Sp&#xE4;tfolgen des Zusammenbruchs der Sowjetunion f&#xFC;r die nationale Identit&#xE4;tsbildung zu k&#xE4;mpfen haben und bis zu einem gewissen Grad in jeder Nachfolgerepublik nationalistische und fundamentalistische Bewegungen entstanden sind, so bleiben die Staaten Zentralasiens zweifelsohne am st&#xE4;rksten von den politischen und identit&#xE4;ren Umst&#xFC;rzen betroffen. Das Ende der UdSSR im Jahr 1991 l&#xF6;ste in jedem der f&#xFC;nf neuen Staaten Zentralasiens eine tiefgreifende kulturelle und identit&#xE4;re Sinnsuche aus, die sich sowohl auf Regierungsebene als auch inmitten der Bev&#xF6;lkerung abspielte. Der Islam, obwohl er in der offiziell atheistischen Sowjetunion unterdr&#xFC;ckt wurde, nimmt hierin eine zentrale Rolle ein und bl&#xFC;hte aufgrund seiner tiefen kulturellen Verwurzelung und dem erneuerten Austausch mit anderen Staaten der islamischen Welt schnell wieder auf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die zur Zeit der Sowjetunion vorherrschende Koexistenz von &#x201E;offiziellem&#x201C;, also vom Staat kontrollierten Islam, und dem im Privaten gelebten Islam pr&#xE4;gt weiterhin die religi&#xF6;se Praxis in den neuen unabh&#xE4;ngigen Staaten Zentralasiens. In der Sowjetunion war der privat gelebte Islam wesentlich vom in der Region weit verbreiteten Bruderschaftsmodell gepr&#xE4;gt; heutzutage umfasst er alle von nationalen Muftiyyas (muslimische religi&#xF6;se Verwaltungen) unabh&#xE4;ngigen religi&#xF6;sen Strukturen. Die Staaten verwenden seit der Unabh&#xE4;ngigkeit den Islam als (identit&#xE4;ts-)politisches Instrument, misstrauten allerdings stets seiner <a href=\"http:\/\/www.sciencespo.fr\/ceri\/sites\/sciencespo.fr.ceri\/files\/art_bb.pdf\">politischen Macht als Mittel des Protests und der Mobilisierung&#xA0;(FR)<\/a> gegen den Status quo. Seit der Unabh&#xE4;ngigkeit versuchten verschiedene nicht-staatliche Akteure dieses Potential f&#xFC;r mehr oder weniger gewaltt&#xE4;tige Proteste gegen die etablierte Ordnung zu instrumentalisieren. Islamistischer Fundamentalismus und radikaler Islam sind politische Realit&#xE4;ten in den Staaten Zentralasiens, und haben insbesondere zu Beginn des letzten Jahrzehnts im Ferghanatal, das von den Landesgrenzen Usbekistans, Kirgistans und Tadschikistans durchzogen wird, f&#xFC;r eine unmittelbare Gef&#xE4;hrdung der regionalen Sicherheit gesorgt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Wie ist die Rolle des &#x201E;Extremismus&#x201C; in den Staaten Zentralasiens einzuornen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Fasst man unter &#x201E;Extremismus&#x201C; die unterschiedlichen Spielarten des radikalen Islam zusammen, so geht von ihm eine zweifache Gefahr f&#xFC;r die regionale Sicherheit und die etablierte Staatsordnung aus: Zum einen umfasst dieser eine ideologische Str&#xF6;mung, die das Staatsmodell explizit zur&#xFC;ckweist zugunsten einer neuen politischen Ordnung auf &#xFC;berregionaler Ebene in Form eines Kalifats regionalen oder gar globalen Ausma&#xDF;es, und zum anderen berufen sich auf ihn Gewaltakte wie z.B. terroristische Anschl&#xE4;ge und Guerilla-Angriffe, die eine erhebliche Gefahr f&#xFC;r die Bev&#xF6;lkerung und die Staaten Zentralasiens darstellen k&#xF6;nnen. Doch hinter dem Begriff &#x201E;Extremismus&#x201C;, der zu einer der Lieblingsvokabeln der Regierungen avancierte, existiert kein eindeutiges Konzept, und sein diffuser Charakter eignet sich hervorragend zur Legitimierung repressiver Politiken, wie eine Studie der Menschenrechtsorganisation &#x201E;<a href=\"http:\/\/www.fidh.org\/en\/eastern-europe-central-asia\/Publication-of-a-report-Shanghai-12031\">F&#xE9;d&#xE9;ration internationale des ligues des droits de l&#x2019;Homme<\/a>&#x201C; (FIDH) vor kurzem hervorhob. Hierbei verwundert es kaum, dass die repressive Gangart genau jene Str&#xF6;mungen st&#xE4;rkt, die sie zu bek&#xE4;mpfen versucht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Entstehung und das Erstarken des radikalen Islamismus salafistischen Typs in Zentralasien ist Resultat einer Reihe von Faktoren: schlechte sozio-&#xF6;konomische Situation (Armut, weit verbreitete Arbeitslosigkeit), demographische Entwicklungen (hohe Geburtsraten sorgten f&#xFC;r einen gro&#xDF;en Anteil an Jugendlichen an der Bev&#xF6;lkerung Zentralasiens), die Abwesenheit politischer Alternativen, weitverbreitete Korruption und eine moralische und identit&#xE4;re <a href=\"http:\/\/dev.ulb.ac.be\/cevipol\/dossiers_fichiers\/7-gosset2.pdf\">&#x201E;Transitionskrise&#x201C;&#xA0;(FR)<\/a> als Resultat des abrupten Endes der Sowjetunion. Hierbei muss mit Olivier Roy unterschieden werden zwischen &#x201E;neofundamentalistischen&#x201C; Bewegungen und solchen, die zu bewaffneter Gewalt aufrufen und als dschihadistisch bezeichnet werden k&#xF6;nnen. Obwohl alle dem politischen Islam entspringen, lassen sich dennoch wesentliche Unterschiede festmachen. Die Hizb ut-Tahrir (&#x201E;Partei der Befreiung&#x201C;) ist eine fundamentalistische Bewegung, die auf eine Re-Islamisierung der Gesellschaft von unten abzielt, also durch missionarische Aktivit&#xE4;t (Da&#x2BF;wa) f&#xFC;r eine Umgestaltung der Gesellschaft im Einklang mit islamischen Prinzipien eintritt. Die Bewegung k&#xE4;mpft f&#xFC;r die Einf&#xFC;hrung der Scharia, des islamischen Rechts, im juristischen, &#xF6;konomischen und sozialen Kontext. Hizb ut-Tahrir verfolgt ebenso politische Absichten, denn die Erschaffung einer islamischen Gesellschaft dient dem Ziel der Errichtung eines &#xFC;berregionalen Kalifats. Sch&#xE4;tzungen gehen von 20.000 bis 100.000 Anh&#xE4;ngern dieser Str&#xF6;mung in Zentralasien aus, womit sie eine ma&#xDF;gebliche politische Kraft darstellt. Obwohl die Bewegung offiziell Gewalt zur Erlangung ihrer Ziele ablehnt, besteht aufgrund der repressiven Politik gegen Hizb ut-Tahrir die Gefahr einer Radikalisierung ihrer Anh&#xE4;nger.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><img decoding=\"async\" style=\"height: 320px;width: 400px\" src=\"\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/old\/img\/440\/extremisme_2.png\" alt=\"Tahir Yuldashev\"\/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Islamistische Bewegung Usbekistan (IBU), auch Islamistische Bewegung Turkestan genannt, entstammt einer Gruppe islamistischer Bewegungen, die sich kurz nach der Unabh&#xE4;ngigkeit im usbekischen Ferghanatal verbreiteten und die Errichtung einer autonomen islamischen Regierung in Namangan anstrebten. Aufgrund staatlicher Repressionsma&#xDF;nahmen ins Exil gedr&#xE4;ngt, wurde die Beseitigung des Regimes in Taschkent durch den Dschihad von den Gr&#xFC;ndern der IBU, Tahir Juldaschew und Jumma Namangani, zum Hauptziel der Bewegung erhoben. Sie errichteten unter dem Schutz der Taliban in der Region Masar-e-Scharif im Norden Afghanistans eine Reihe von Ausbildungslager f&#xFC;r Terroristen, die nach der NATO-Intervention unter gro&#xDF;en Verlusten in das pakistanische Grenzgebiet verlagert werden konnten. <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=lcK9C-Mi2cU\">Dieses Video<\/a> zeigt einen K&#xE4;mpfer der IBU, der pakistanischen Soldaten die Stirn bietet. Es existiert eine Reihe von weiteren kleineren Bewegungen, von denen eine reale Gefahr ausgeht: die Islamische Dschihad-Union (radikaler und internationaler als die IBU), Jund al-Khilafah, die Islamistische Partei Ostturkestans, Dschihad (vorwiegend usbekisch), Jamiat Mudschaheddin, Jaish al-Madhi (Kirgistan) und Akrammiya (Usbekistan). Verl&#xE4;ssliche informationen zu Zusammensetzung, Zielen und Aktionen dieser Bewegungen sind allerdings so gut wie nicht verf&#xFC;gbar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Religi&#xF6;se Bewegungen und sicherheitspolitische &#xC4;ngste<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die postsowjetischen Staaten Zentralasiens sind nicht nur durch das Entstehen und Erstarken neuer Formen politischen Radikalismus innerhalb ihrer Landesgrenzen beunruhigt, auch die Situation in angrenzenden Staaten im S&#xFC;den (Afghanistan und Pakistan) und Osten (Xinjiang) sowie die Entwicklungen im Vorderen Orient bereiten Grund zur Sorge. Doch sind die internen und regionalen Sicherheitsrisiken, die vom radikalen Islamismus ausgehen tats&#xE4;chlich von so gro&#xDF;er Tragweite? Die islamistische Bewegung in Usbekistan konnte f&#xFC;r die Rekrutierung neuer Anh&#xE4;nger von zwei Ereignissen profitieren: zum einen von den Unruhen in Usbekistan im Mai 2005 infolge der Niederschlagung von <a href=\"http:\/\/www.sciencespo.fr\/ceri\/sites\/sciencespo.fr.ceri\/files\/art_dc.pdf\">Protesten in der Stadt Andijon (FR)<\/a> durch das usbekische Milit&#xE4;r, und zum anderen von den ethnischen Unruhen in Osch und Dschalalabat im Juni 2010. Mehrere Quellen, unter ihnen Keneschbek Duschebajew, Leiter des Komitees f&#xFC;r Nationale Sicherheit der Republik Kirgistan, haben best&#xE4;tigt, dass mehrere hundert Personen usbekischer Herkunft sich seit den Vorf&#xE4;llen von 2010 zu Trainingszwecken in Lagern in Afghanistan und Pakistan aufhalten. Au&#xDF;erdem konnte die Gruppe durch Kampfhandlungen in Pakistan Seite an Seite mit den Taliban ihren Kreis von Rekruten auf internationale Anh&#xE4;nger des Dschihad ausweiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Abgesehen vom (wahrscheinlichen) Zuwachs der Gruppe hat die IBU auch in Sachen Effektivit&#xE4;t terroristischer Angriffe und Guerilla-Taktiken dazugelernt. Die K&#xE4;mpfer der IBU scheinen eine ma&#xDF;gebliche Rolle in den Kampfhandlungen und terroristischen Anschl&#xE4;gen gegen zivile und milit&#xE4;rische Ziele in Pakistan einzunehmen. Die seit 12 Jahren andauernden K&#xE4;mpfe gegen die amerikanische und pakistanische Armee hat zweifelsohne aus den Anh&#xE4;ngern der IBU kampferprobte Dschihadisten gemacht. Nachdem sie zwischen 2009 und 2011 von gro&#xDF;en Verlusten betroffen war, zeigt sich die Bewegung widerstandsf&#xE4;hig wie eh und je. Obwohl sie sich geografisch auf das afghanisch-pakistanische Grenzgebiet zur&#xFC;ckgezogen hat, verfolgt die IBU weiterhin genau die Entwicklungen in Zentralasien und scheint erneut auch<a href=\"http:\/\/www.iris-france.org\/docs\/kfm_docs\/docs\/observatoire-russie\/27052013-veillee-armes-au-ferganistan.pdf\"> Ziele im Norden (FR)<\/a> ins Auge zu fassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Jund al-Khilafah, eine weitere islamistische Bewegung, sorgt ebenfalls f&#xFC;r Kopfzerbrechen. Ihre Drahtzieher bleiben weitestgehend im Dunklen, und obwohl sie haupts&#xE4;chlich eine nationale Bedrohung f&#xFC;r Kasachstan darzustellen scheint, macht sie des &#xD6;fteren durch grenz&#xFC;berschreitende Aktionen auf sich aufmerksam, wie z.B. durch Kampfhandlungen im pakistanischen Stammesgebiet und die Ausbildung von Mohamed Merah, dem Hauptt&#xE4;ter der Anschlagserie in Toulouse und Montauban im M&#xE4;rz 2012. Die Gruppe wurde 2010 von drei Kasachen gegr&#xFC;ndet, scheint aber auch Beziehungen mit dem &#x201E;Islamischen Kaukasus-Emirat&#x201C; um den tschetschenischen Guerillak&#xE4;mpfer und Terroristen Doku Umarow zu unterhalten &#x2013; kaum &#xFC;berraschend, liegt der Nordkaukasus doch nur 300 Kilometer entfernt vom Westen Kasachstans. Ebenso lassen sich in dieser verarmten und vom Nasarbajew-Regime vernachl&#xE4;ssigten Region die meisten Anh&#xE4;nger islamistischer Str&#xF6;mungen finden. Kasachstan wurde in den letzten Jahren Zeuge einer beunruhigenden H&#xE4;ufung terroristischer Angriffe auf seinem Staatsgebiet, insbesondere in <a href=\"http:\/\/francekoul.com\/content\/kazakhstan-les-ressorts-d%E2%80%99une-destabilisation\">Atyrau, Taras und Almaty (FR).<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Das Verh&#xE4;ltnis von Islamismus und ethnischem Nationalismus<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Jeder Mensch verf&#xFC;gt &#xFC;ber verschiedene m&#xF6;gliche identit&#xE4;re Bezugspunkte, die je nach Umgebung und sozialem, kulturellem und politischen Kontext wechseln k&#xF6;nnen. So erlaubt zum Beispiel der Islam den Usbeken, die im S&#xFC;den Kirgistans leben, ihre Gruppenidentit&#xE4;t von den weniger praktizierenden Kirgisen abzugrenzen. In diesem Zusammenhang verst&#xE4;rkt der religi&#xF6;se Bezugspunkt den ethnischen oder nationalen Bezug. Von einem anderen Blickwinkel aus kann der Islamismus anstatt einer Ann&#xE4;herung an den (offiziellen) Nationalismus aber auch eine Alternative zu starren nationalen oder ethnischen Bezugskategorien bilden. In der Tat erleben die Staaten Zentralasiens seit ihrer Unabh&#xE4;ngigkeit ein Aufbl&#xFC;hen nationalistischer Gesinnungen, die sich in ihren h&#xE4;ufig durch Konflikte aufgeladenen Au&#xDF;enbeziehungen untereinander sowie in einem starken Misstrauen der Bev&#xF6;lkerungen gegeneinander widerspiegeln. Umgekehrt bietet der transnationale islamistische Diskurs mit z.B. Vorschl&#xE4;gen der Reanimierung des Khanats von Kokand, das die Grenzen im Ferghanatal beseitigen w&#xFC;rde, einen fruchtbaren Gegenentwurf f&#xFC;r eine Bev&#xF6;lkerung, die der b&#xFC;rokratischen Willk&#xFC;r, der diplomatischen Krisen und willk&#xFC;rlichen Grenzschlie&#xDF;ungen m&#xFC;de und &#xFC;berdr&#xFC;ssig ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Islamistische Zellen in Zentralasien<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Sowohl in Zentralasien wie auch in der restlichen Welt &#x2013; muslimisch oder nicht &#x2013; wird man Zeuge einer Zersplitterung dschihadistischer Bewegungen, die sich auf die Schw&#xE4;chung al-Qaidas und die damit einhergehende Verselbstst&#xE4;ndigung radikaler Zellen zur&#xFC;ckf&#xFC;hren l&#xE4;sst. Die Staaten Zentralasiens wurden h&#xE4;ufiger zum Ziel islamistischen Terrors. Im Jahr 2002 ersch&#xFC;tterte eine Explosion den Kleiderbasar von Bischkek, im Mai 2003 traf ein weiteres Bombenattentat die Stadt Osch. Im M&#xE4;rz 2004 wurden die amerikanische und die israelische Botschaft in Taschkent wiederholt Ziel von Selbstmordattentaten. Kurzum, die Globalisierung und Transnationalisierung, die Interdependenz der Staaten und die aus ihr erwachsenden Schwierigkeiten betreffen bei Weitem nicht nur die &#xF6;konomische Sph&#xE4;re, auch die Religion ist zu einem wesentlicher Schauplatz der Globalisierung geworden. Und da es sich in diesem Kontext um bewaffnete nicht-staatliche Akteure handelt, die sich auf eine religi&#xF6;se Ideologie berufen um eine neue supranationale Ordnung zu erschaffen, werden wir Zeuge einer schlagkr&#xE4;ftigen Bewegung, die Staaten umso mehr die Legitimation absprechen kann je j&#xFC;nger, fragiler und verwundbarer diese sind, wie es in Zentralasien der Fall ist. F&#xFC;r sich genommen ist der radikale Islamismus oder Dschihadismus also keine existentielle Gefahr f&#xFC;r die Staaten der Region. Bezieht man jedoch weitere destabilisierende Faktoren wie inter-ethnische Spannungen, Streits um nat&#xFC;rliche Ressourcen und L&#xE4;nder, den Drogenhandel und die Rolle mafi&#xF6;ser Organisationen mit ein und setzt diese vor den Hintergrund des Abzugs der USA aus Afghanistan, die an Macht verlierenden Regime in Kasachstan und Usbekistan, die schwache Zentralgewalt in Tadschikistan und Kirgistan sowie die Spannungen in Xinjiang, so erscheint das zentralasiatische Terrain umso anf&#xE4;lliger f&#xFC;r von Dschihadisten ausgehenden Destablilisierungsversuchen.<\/p>\n<p>&#xA0;<\/p>\n<p style=\"text-align: right\">\n<\/p><p style=\"text-align: right\"><strong>Die Redaktion von Novastan.org<br>\nAus dem Franz&#xF6;sischen &#xFC;bersetzt von Alexander<br>\nRedakteur f&#xFC;r Novastan.org<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Welche Realit&auml;ten verstecken sich hinter der Bezeichnung des &quot;Extremismus&quot; in Zentralasien?<\/p>\n","protected":false},"author":216,"featured_media":2024,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[4,3,6,7,5],"tags":[1210,689,1209,1211],"coauthors":[1147,1208],"class_list":["post-2023","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kasachstan","category-kirgistan","category-tadschikistan","category-turkmenistan","category-usbekistan","tag-extremismus","tag-politik","tag-religion","tag-zentralasien"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2023","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/216"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2023"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2023\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2024"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2023"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2023"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2023"},{"taxonomy":"author","embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/coauthors?post=2023"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}