{"id":18577,"date":"2019-11-06T15:36:09","date_gmt":"2019-11-06T14:36:09","guid":{"rendered":"https:\/\/novastan.org\/de\/?p=18577"},"modified":"2021-04-06T19:02:53","modified_gmt":"2021-04-06T17:02:53","slug":"wie-kirgistan-und-usbekistan-den-toktogul-stausee-teilen-die-geschichte-eines-sowjetischen-modernisierungsprojekts","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/novastan.org\/de\/kirgistan\/wie-kirgistan-und-usbekistan-den-toktogul-stausee-teilen-die-geschichte-eines-sowjetischen-modernisierungsprojekts\/","title":{"rendered":"Wie Kirgistan und Usbekistan den Toktogul-Stausee teilen &#8211; die Geschichte eines sowjetischen Modernisierungsprojekts"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\"><strong>Der Toktugul-Stausee und seine Nutzung sorgen seit Jahrzenten f&#xFC;r Streit zwischen Kirgistan und Usbekistan. <a href=\"https:\/\/fergana.news\/articles\/106757\/\">Fergana News<\/a> zeichnet die Geschichte des Bauwerks und des damit verbundenen Konflikts nach. Wir &#xFC;bersetzen den Artikel mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Was bedeuten das <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Toktogul-Talsperre\">Wasserkraftwerk Toktogul<\/a> und andere Gro&#xDF;projekte des Sozialismus f&#xFC;r die Zentralasiatischen Sowjetrepubliken? Wie wurden die Leuchtturmprojekte der Modernisierung, die Stromversorgung und andere Vorteile der Zivilisation f&#xFC;r die ehemaligen R&#xE4;nder des Russischen Imperiums brachten und als Sprungbretter zum Sozialismus dienten sollten, zu einer Quelle von Konflikten? Warum gingen die kirgisische und die usbekische Sowjetrepublik, ehemals zu br&#xFC;derlicher gegenseitiger Hilfe verpflichtet, zu einem r&#xFC;cksichtslosen Kampf um Ressourcen &#xFC;ber?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Mit dieser Frage besch&#xE4;ftigt sich die k&#xFC;rzlich erschienene Arbeit von Moritz Florina von der Universit&#xE4;t Erlangen-N&#xFC;rnberg, in der er die politische Geschichte des Wasserkraftwerks Toktogul beschreibt. Der Wissenschaftler setzte sich daf&#xFC;r mit der sowjetischen Presse der 1960er und 70er Jahre auseinander und &#xA0;studierte belletristische Literatur, die sich mit dem Projekt befasst, sowie die mehrb&#xE4;ndigen Erinnerungen des ehemaligen ersten Sekret&#xE4;rs der kommunistischen Partei der Kirgisischen Sozialistischen Sowjetrepublik (SSR) Turdakun Usubalijew und Archivdokumente aus Osch und Bischkek. Sein Text&#xA0; &#x201E;Emptying lakes, filling up seas: hydroelectric dams and the ambivalences of development in late Soviet Central Asia&#x201D; wurde in dem wissneschaftlichen Journal <a href=\"https:\/\/www.tandfonline.com\/doi\/full\/10.1080\/02634937.2019.1584604\">Central Asian Survey<\/a> ver&#xF6;ffentlicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Der Aufbau des Sozialismus &#x2013; ein Sieg &#xFC;ber die R&#xFC;ckst&#xE4;ndigkeit<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In der &#xC4;ra Chruschtschow verst&#xE4;rkten sich in Asien und Afrika die nationalen Unabh&#xE4;ngigkeitsbewegungen gegen&#xFC;ber den Kolonialm&#xE4;chten. Die Sowjetunion beteiligte sich aktiv an diesem Prozess und versuchte die L&#xE4;nder der Dritten Welt in das Lager des Sozialismus zu holen. Historiker beschreiben, dass die Leiter der zentralasiatischen Republiken das g&#xFC;nstige au&#xDF;enpolitische Umfeld nutzten und Investitionen f&#xFC;r ihre Wirtschaft herausschlugen, denn besonders die s&#xFC;dlichen Republiken fungierten &#x2013; sozusagen als Schaufenster des &#x201E;Sozialismus im Osten&#x201C; f&#xFC;r G&#xE4;ste aus Asien und Afrika.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Idee ein Wasserkraftwerk im <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Naryn_(Fluss)\">Naryn<\/a> zu errichten wurde erstmals im Jahr 1960 den beiden Generalsekret&#xE4;ren <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Scharaf_Raschidow\">Scharaf Raschidow<\/a> (Uskebische SSR) und Ischak Rasakow (Kirgisische SSR) vorgestellt. Die kirgisische Seite versprach sich mehr Strom f&#xFC;r Frunse (heute Bischkek) und Osch, w&#xE4;hrend die usbekische Seite sich eine stabile Wasserzufuhr f&#xFC;r das Ferganatal erhoffte. Das Wasserkraftwerk, so schrieb es die Zeitung &#x201E;Prawda&#x201C;, sollte im Sinne der sowjetischen Gigantomanie, den Baumwollbauern von Fergana 100 000, zwei oder sogar drei Millionen Hektar bew&#xE4;sserte Fl&#xE4;chen bringen. Und an den Ufern des k&#xFC;nstlichen Sees sollten Ferienorte gebaut werden, nicht schlechter als die am Schwarzen Meer.<\/p>\n<p style=\"background-color: #d4d4d4;\"><span style=\"color: #000000;\">Novastan ist das einzige deutschsprachige Nachrichtenmagazin &#xFC;ber Zentralasien. Wir arbeiten auf Vereinsgrundlage und <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/novastan-ev\/werde-unser-mitglied-werde-novastan\/\"><strong>Dank eurer Teilnahme<\/strong><\/a>. Wir sind <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/novastan-ev\/unser-projekt\/\">unabh&#xE4;ngig<\/a> und wollen es bleiben, daf&#xFC;r brauchen wir euch! Durch jede noch so kleine <strong><a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/novastan-ev\/spenden\/\">Spende<\/a><\/strong> helft ihr uns, weiter ein realit&#xE4;tsnahes Bild von Zentralasien zu vermitteln.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Allerdings wurde die Entscheidung das Wasserkraftwerk zu bauen erst nach dem R&#xFC;cktritt Rasakows getroffen. Sein Nachfolger Turdakun Usubalijew bemerkt in seinen Memoiren, dass er nicht unbedingt eine Wasserkraftanlage bauen wollte, sondern eher ein Bef&#xFC;rworter davon war, rund um Frunse und seine Industrieunternehmen eine Reihe kleinerer W&#xE4;rmekraftwerke zu bauen &#x2013; ein bescheideneres und n&#xFC;tzlicheres Projekt f&#xFC;r seine Republik. Dennoch wurde der Bau des Wasserkraftwerkes unter ihm beschlossen, im Juni 1962. Das Projekt diente als Symbol der V&#xF6;lkerfreundschaft. Am Bau waren tausende von Arbeitern aus der gesamten Sowjetunion beteiligt und die Presse vers&#xE4;umte nicht zu bemerken, dass die h&#xF6;her entwickelten Republiken dabei halfen, die Industrien der ehemaligen &#x201E;r&#xFC;ckst&#xE4;ndigen&#x201C; Kolonien des zaristischen Russlands aufzubauen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Dar&#xFC;ber hinaus wurde das Projekt, &#xE4;hnlich wie die Wasserkraftwerke <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/DniproHES\">DniproHES<\/a> und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bratsker_Stausee\">Bratsk<\/a>, als ein leuchtendes Beispiel des Sieges &#xFC;ber die Naturgewalten gefeiert. Die Bauarbeiter kletterten heldenhaft auf steile Klippen und schleppten sogar Bulldozer dorthin. 523 Kletterer aus der ganzen Sowjetunion waren am Bau beteiligt und stiegen an Stellen, an denen zuvor nur Schneeleoparden gewesen waren. Arbeiter, Kletterer und Ingenieure &#x201E;z&#xE4;hmten&#x201C; mit kollektiven Kr&#xE4;ften den widerspenstigen Fluss Naryn.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Sie verga&#xDF;en jedoch nicht, dass das Projekt des Wasserkraftwerkes vor allem den Kirgisen geh&#xF6;rte. Es wurde zu Ehren des bekannten <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Akyn\">Akyns<\/a> <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Toktogul_Satylganov\">Toktogul Satylganov<\/a> benannt, der ausgerechnet aus der Region stammte, die vom Stausee &#xFC;berflutet wurde. Aber auch zeitgen&#xF6;ssische Schriftsteller lobten das Wasserkraftwerk in den h&#xF6;chsten T&#xF6;nen: Sujunbai Eralijew verglich den Bau mit der Z&#xE4;hmung und Dressur von Wildpferden und Turar Koshomberdijew versicherte den Lesern, dass die Naturgewalten nach dem Bau des Wasserkraftwerks das Leben der Hirten und ihrer Herden nicht mehr bedrohen w&#xFC;rden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Wasser als Gegenleistung f&#xFC;r Investitionen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Offiziell sollte das Wasserkraftwerk f&#xFC;r alle von Nutzen sein: die Kirgisen sollten mehr Strom bekommen, die T&#xE4;ler des Usbekischen SSR eine st&#xE4;ndige Wasserzufuhr f&#xFC;r die Baumwolle und alle anderen V&#xF6;lker der UdSSR das Gef&#xFC;hl, den Aufbau des Sozialismus auf die n&#xE4;chste Stufe zu bringen. Jedoch wurden faktisch bereits vor Fertigstellung des Projekts die zuk&#xFC;nftigen Konflikte geschaffen: die Bew&#xE4;sserung der usbekischen L&#xE4;ndereien hing von Entscheidungen ab, die in Frunse und letzten Endes in Moskau getroffen wurden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Konflikte brachen bereits w&#xE4;hrend des Planungsstadiums des zuk&#xFC;nftigen Wasserkraftwerkes im April 1962 aus. Als das Ferganatal von einer schlimmen D&#xFC;rre heimgesucht wurde, schlug der Leiter der Landwirtschaftsabteilung des Zentralkomitees der KPdSU Wassilij Poljakow Usubalijew vor, den Wassermangel mit Hilfe des <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Songk%C3%B6l\">Songk&#xF6;l-Sees<\/a> zu l&#xF6;sen. Die Idee bestand darin, den Abfluss des Sees mit einer Reihe von Explosionen zu erweitern und dadurch den Zufluss in den Naryn zu erh&#xF6;hen. Usubalijew war nach eigenen Angaben schockiert von diesem Vorschlag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Der Songk&#xF6;l zeichnet sich durch eine einzigartige Natur und unber&#xFC;hrte Landschaften aus und Experten versicherten Usubalijew, dass der See innerhalb weniger Tage austrockenen w&#xFC;rde, sollte dieser Plan realisiert werden. Daraufhin wandte sich Usubalijew pers&#xF6;nlich an Chruschtschow und &#xFC;berzeugte ihn davon, das Projekt zu stoppen. Er argumentierte, dass es in diesem Fall wichtiger war den einzigartigen See zu sch&#xFC;tzen und es ihm nicht nur darum ging, die eigene Republik zu sch&#xFC;tzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/kirgistan\/die-funf-wichtigsten-wasserkonflikte-in-zentralasien\/\">Die f&#xFC;nf wichtigsten Wasserkonflikte in Zentralasien<\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Mit Baubeginn des Wasserkraftwerkes kam es st&#xE4;ndig zu solchen Konflikten. So gab es beispielsweise Streit dar&#xFC;ber, wo genau das Kraftwerk gebaut werden sollte. Die Kirgisen wollten einen Platz weiter oben am Lauf des Naryn, um (bei &#xDC;berschwemmungen) weniger Land zu verlieren, w&#xE4;hrend die Usbeken den Stausee mit maxialem Fassungsvolumen bauen wollten, um somit die potentiellen Wasserreserven f&#xFC;r ihre Felder zu erh&#xF6;hen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Weitere Konflikte gab es dar&#xFC;ber, wo die Hochspannungsleitungen gelegt werden sollten. Bereits ab 1962 bat die kirgisische Seite das Energieministerium der UdSSR die Leitung m&#xF6;glichst schnell nach Frunse zu legen. Aber den ersten Strom bekamen die Bewohner der Stadt <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Andijon\">Andischon<\/a>, auf der anderen Seite der Republikgrenze. Nach Frunse wurde die Leitung erst im Jahr 1979 gelegt. Und Taschkent gewann auch im Jahr 1974, also das Feganatal unter einer D&#xFC;rre litt und die usbekische F&#xFC;hrung darum bat, das Wasserreservoir nicht volllaufen zu lassen &#xA0;und das Wasser stattdessen auf die Felder zu leiten. Die Ingenieure und die F&#xFC;hrung der Kirgisischen SSR protestieren, da dies dazu f&#xFC;hrte, dass der Start der Wasserkraftwerksturbinen um ein weiteres Jahr verschoben wurde, aber die Baumwolle war auch dieses Mal wichtiger.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nicht selten aber konnte sich auch die kirgisische F&#xFC;hrung durchsetzen. Als das Wasserkraftwerk Andischon 1962 buchst&#xE4;blich neben dem Naryn am Fluss <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Qoradaryo\">Kara-Daryja<\/a> gebaut wurde, sollte sich der gr&#xF6;&#xDF;te Teil seines Speichers auf dem Territorium der Kirgisischen SSR befinden. Das Zentralkomitee der kirgisischen Abteilung der KPdSU stimmte dem &#x201E;br&#xFC;derlichen Bau&#x201C; zu, aber nur unter bestimmten Bedingungen. Da der Wasserspeicher 5022 Hektar Weidefl&#xE4;chen und andere Fl&#xE4;chen der Republik &#x201E;abdecken&#x201C; sollte, schlugen die Kirgisen vor, zus&#xE4;tzliche Bew&#xE4;sserungskan&#xE4;le zu schaffen und ihnen dar&#xFC;ber hinaus, einen Teil der Fl&#xE4;che der usbekischen SSR zur Verf&#xFC;gung zu stellen. Dorthin sollten die Bewohner der Orte, die dem Wasserspeicher der Wasserkraftwerke Toktogul und Andischon weichen mussten, umgesiedelt werden. Alle diese Forderungen wurden erf&#xFC;llt: die Kirgisen erhielten 4127 Hektar Fl&#xE4;che. Au&#xDF;erdem versprach Taschkent Mittel f&#xFC;r die Umsiedler zur Verf&#xFC;gung zu stellen und den Bau von zwei Kan&#xE4;len zu finanzieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Millionen f&#xFC;r die Umsiedlung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Umsiedlung der Bewohner der &#xFC;berfluteten Territorien, vor allem des Ketmen-Tjube-Tals, war f&#xFC;r die Machthaber &#xFC;ber viele Jahre hinweg ein schmerzhaftes Unterfangen. Ein Teil der Kosten f&#xFC;r die Umsiedlung und den Bau von H&#xE4;usern &#xFC;bernahm das Energieministerium der UdSSR, den anderen Teil &#x2013; der Ministerrat der Kirgisischen SSR. Aber bereits 1968 untersuchte das Parteikomitee von Osch die Situation vor Ort und forderte entsetzt noch mehr finanzielle Unterst&#xFC;tzung. Es hatte sich herausgestellt, dass das Tal haupts&#xE4;chlich von ehemaligen Nomaden bewohnt wurde, die in den Jahren 1946-1952 zu einem sesshaften Lebensstil gezwungen worden waren. Sie mussten den Staat f&#xFC;r ihre neuen H&#xE4;user bezahlen und deshalb waren viele von ihnen immer noch verschuldet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Im Jahr 1971, als die Umsiedlung bereits beginnen sollte, gab es einige ung&#xFC;nstige Bedingungen. In Toktogul, der neuen Stadt f&#xFC;r die Umsiedler (am Ufer des Stausees) gab es immer noch keinen Strom. Usubalijew musste pers&#xF6;nlich einen Brief an der Vorsitzenden des Ministerrats Alexei Kossygin schreiben und darauf hinweisen, dass die Kirgisische SSR bereits 1,6 mal mehr Geld als geplant f&#xFC;r die Umsiedlung ausgegeben hatte, das Geld aber dennoch nicht reiche. Alleine die Umsiedlung der Schulen, f&#xFC;r die 1,4 Millionen Rubel eingeplant waren, kostete 11 Millionen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/usbekistan\/umstrittenes-wasserkraftwerk-rogun-usbekistan-und-tadschikistan-untersuchen-gemeinsam-mogliche-risiken\/\">Umstrittenes Wasserkraftwerk Rogun: Usbekistan und Tadschikistan untersuchen gemeinsam m&#xF6;gliche Risiken<\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das schwerwiegendste Problem allerdings war die schlechte Qualit&#xE4;t der B&#xF6;den auf den neuen Territorien. Die Umsiedler mussten erneut vom Anbau von Agrarg&#xFC;tern auf die Viehzucht umsteigen. Aber der Platz reichte nicht f&#xFC;r alle aus und bereits in den 1970er Jahren musste ein Teil der Menschen erneut umsiedeln, ins Tschatkalska-Tal. Vom Traum eines touristischen Mekkas rund um das Wasserkraftwerk Toktogul musste man sich auch verabschieden. Aufgrund saisonaler Schwankungen des Wasserstandes erwies sich der Bau von Erholungsorten rund um den Stausee als unm&#xF6;glich. Letztendendes stellte der Ministerrat der UdSSR noch bis 1987 dutzende Millionen Rubel als Entsch&#xE4;digung f&#xFC;r die Umsiedler zur Verf&#xFC;gung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Wie die Umwelt vergessen wurde<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Geschichte des Wasserkraftwerkes Toktogul und die Konflikte, die seinen Bau begleiteten, sind ein leuchtendes Beispiel daf&#xFC;r, wie sich das sowjetische Zentralasien zwischen Chruschtschow und Gorbatschow ver&#xE4;ndert hat. Anfangs standen unionsweite und sogar weltweite Projekte im Vordergrund &#x2013; die Modernisierung des sowjetischen Ostens (als &#x201E;Schaufenster des Sozialismus&#x201C;) oder die Entwicklung der Bew&#xE4;sserung und des gro&#xDF;fl&#xE4;chigen Baumwollanbaus. Im Lauf der Zeit traten allerdings Strategien (und konkrete Probleme) der einzelnen Republiken in den Vordergrund. Diese verteidigten eifrig ihre eigenen Interessen und forderten Kompensationen f&#xFC;r ihre Verluste. Moskau konnte sich nun nicht mehr l&#xE4;nger darum k&#xFC;mmern, allgemeine Aufgaben f&#xFC;r die Wirtschaft festzulegen, sondern musste die Forderungen der Lobbyisten aus Taschkent und Frunse in Einklang bringen.<\/p>\n<p style=\"background-color: #d4d4d4;\"><span style=\"color: #000000;\">Lust auf Zentralasien in eurer Mailbox? 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Die Umweltkritik kam aus allen Teilen der Sowjetunion (als Beispiel sei hier der Roman &#x201E;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Abschied_von_Matjora\">Abschied von Matjora<\/a>&#x201C; des russischen Autors Walentin Rasputin genannt) und verst&#xE4;rkte sich bis zu deren Zerfall.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Paradoxerweise lie&#xDF; die Kritik allerdings nach, als Moskau in Form eines &#x201E;Vorgesetzten&#x201C; oder &#x201E;Schiedsrichters&#x201C;, bei dem man auf sein Recht pochen und Geld fordern konnte, verschwand. Die Wasserkraftwerke wurden nun zur Quelle des Nationalstolzes, zum R&#xFC;ckgrat der Wirtschaft und sogar zum politischen Druckmittel gegen&#xFC;ber den Nachbarn. Beispielsweise in Tadschikistan, wo das <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Rogun-Staudamm\">Wasserkraftwerk Rogun<\/a> die Landwirtschaft Usbekistans um einen Teil des kostbaren Wassers zu berauben droht. An Stelle der &#x201E;eintr&#xE4;chtigen Eroberung der Natur&#x201C; durch zwei br&#xFC;derliche Republiken sind geopolitische Interessen und die Konkurrenz um die Mittel der Investoren getreten.<\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><strong><a href=\"https:\/\/fergana.news\/articles\/106757\/\">Fergana News<\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><strong>Aus dem Russischen von Julia Schulz<\/strong><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kan&#xE4;len, schaut mal vorbei bei <\/span><a href=\"https:\/\/twitter.com\/novastan_de\"><span style=\"font-weight: 400;\">Twitter<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">, <\/span><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Novastan.org\/\"><span style=\"font-weight: 400;\">Facebook<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">, <\/span><a href=\"https:\/\/telegram.me\/novastan\"><span style=\"font-weight: 400;\">Telegram<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">, <\/span><a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/company\/novastan\/\"><span style=\"font-weight: 400;\">Linkedin<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> oder <\/span><a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/novastanorg\/\"><span style=\"font-weight: 400;\">Instagram<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">. 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