{"id":1803,"date":"2014-05-01T12:00:00","date_gmt":"2014-05-01T10:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/novastan.org\/de\/?p=1803"},"modified":"2023-08-20T16:03:02","modified_gmt":"2023-08-20T14:03:02","slug":"zentralasien-wchst-auseinander","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/novastan.org\/de\/kirgistan\/zentralasien-wchst-auseinander\/","title":{"rendered":"Zentralasien w\u00e4chst auseinander (1\/2)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\"><strong><em>Seit ihrer Unabh&#xE4;ngigkeit entwickeln sich die f&#xFC;nf zentralasiatischen Staaten zunehmend auseinander. Das sowjetischen Erbe weicht dem Nationalismus und stellt eine &#x201E;Schicksalsgemeinschaft&#x201C; mehr denn je in Frage.<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ende 1993, also nur zwei Jahre nach dem Erscheinen der f&#xFC;nf zentralasiatischen Staaten (<em>Usbekistan, Kirgistan, Turkmenistan, Kasachstan, Tadschikistan)<\/em> auf der politischen Landkarte, sagte &#x201E;The Economist&#x201C; voraus, dass diese Region im Laufe des folgenden Jahrzehnts zu einer der instabilsten der Welt werden w&#xFC;rde. Obwohl die Entwicklung dieser jungen unabh&#xE4;ngigen Staaten seitdem gewiss alles andere als reibungslos voran schritt, zeigt sich weder eine dramatische Instabilit&#xE4;t noch ein generalisiertes Chaos. Bei Krisen und Bedrohungen hat das postsowjetische Zentralasien R&#xFC;ckgrat bewiesen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In der Vergangenheit trafen in der Region immer Reiche und Welten aufeinander (eurasische Steppen, Persien, Indien, China, Russland, und sogar die griechische Welt); und so ist es auch heute noch. Trotz seiner Vielfalt besitzt Zentralasien jedoch eine &#x201E;starke historische Pers&#xF6;nlichkeit&#x201C; (1). Au&#xDF;erdem kann auch&#xA0; das Xinjiang (oder orientalische Turkestan, das von den Uiguren bev&#xF6;lkerte Territorium) zum zentralasiatischen Raum gez&#xE4;hlt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Nationalismus f&#xF6;rdert Desintegration<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Erfahrungen russischer Kolonialisierung und siebzig Jahre Sowjetismus haben paradoxerweise dazu beigetragen, dass die zentralasiatischen L&#xE4;nder heute miteinander vergleichbar sind. Und das, trotz all der neuen Identit&#xE4;ten, Grenzen und Abgrenzungen, die der Region ihre heutige Form verleihen. Den Unabh&#xE4;ngigkeitserkl&#xE4;rungen 1991 folgte ein wachsender Nationalismus, der bis heute anh&#xE4;lt. Er bedeutete das Ende des einst gemeinsamen, sowjetischen Daches und verbreitert zunehmend die heutigen Risse zwischen den verschiedenen Republiken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><img decoding=\"async\" style=\"height: 428px;width: 600px\" src=\"\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/old\/img\/608\/0x600.jpeg\" alt=\"Presidents SCO\"\/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die sowjetische Vergangenheit und das kulturelle Erbe der Region sollte als Bindeglied dienen, doch selbst diese Vergangenheit wird f&#xFC;r nationalistische Streitigkeiten instrumentalisiert: &#x201E;Die Gegenwart Zentralasiens ist immer mehr von der Distanz [zwischen den Staaten] gezeichnet. Dies Betrifft sowohl die verschiedenen&#xA0;inneren sozio-politischen Erfahrungen jeder der Republiken, wie&#xA0; auch ihre Probleme und geopolitischen Repr&#xE4;sentationen.&#x201C; (2)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Kann demnach noch von &#x201E;einem&#x201C; Zentralasien die Rede sein? Wie haben die Unabh&#xE4;ngigkeitsbewegungen und die Globalisierung (bis jetzt) die Entkopplung anstatt die Integration gef&#xF6;rdert?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>1991-2005: Gemeinsamkeiten und Unterschiede <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Zwischen 1992 und 1997 erlebt Tadschikistan einen komplexen B&#xFC;rgerkrieg mit politischen, regionalen und ethnischen Ursachen. Und doch zeichnet dieser Krieg auch die erste Abkoppelung des einzigen persischsprachigen Landes der Region, da er neben dem Trauma, dass er hinterlassen hat (20000 bis 100000 Tote, je nach Quellen) auch in Interaktion mit den Ereignissen im S&#xFC;den des Pjandsch, in Afghanistan stattfand. Dieser blutige Krieg und die Einnahme Kabuls durch die Taliban bilden noch heute reale &#xC4;ngste, sind aber gleichzeitig auch ein Vorwand zur Verh&#xE4;rtung aller Regime nach usbekischem Vorbild (man muss bemerken, dass dieses Land 1999 und 2004 mehrmals von terroristischen Attentaten getroffen wurde). Folgend einem Schema, das es schon in der arabischen Welt gegeben hat, pr&#xE4;sentieren sich die Autorit&#xE4;ten als letzter Schutzwall gegen den Fanatismus und legitimieren so ihre politische Verh&#xE4;rtung. Dieser internen Entwicklung folgt eine externe, da der verst&#xE4;rkte Sicherheitsdiskurs ebenfalls Auswirkungen auf die Beziehungen zwischen den Regionen hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In diesem Kontext leidet die Region, die&#xA0; auch mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu k&#xE4;mpfen hat (In Tadschikistan etwa leben noch 46% der Bev&#xF6;lkerung unter der absoluten Armutsgrenze, und 34% in Kirgistan)(3), unter einem vergifteten politischen Klima: Dissidenten werden ins Exil getrieben oder ermordet, Gewerkschaften und Vereine sind fast immer von der Zentralmacht infiltriert (au&#xDF;er in Kirgistan), und die Muslime, die als &#x201E;zu gl&#xE4;ubig&#x201C; angesehen werden, oder die von der Sowjetunion geerbten Strukturen des offiziellen Islam nicht anerkennen, werden misshandelt und teilweise sogar eingesperrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>&#x201E;Korruption auf h&#xF6;chster Ebene&#x201C;<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Auch die fl&#xE4;chendeckende Korruption ist eine weitere Gemeinsamkeit zwischen all diesen L&#xE4;ndern. Dabei handelt es sich auch um eine Korruption auf h&#xF6;chster Ebene, die zeigt, dass sich die Pr&#xE4;sidenten, ihre Familien und\/oder mehr oder weniger erweiterte Klans und Netzwerke sowohl die Machtpositionen als auch die wirtschaftlichen Ressourcen der Staaten angeeignet haben (die Familien der Pr&#xE4;sidenten Akajew und Bakijew in Kirgistan, Karimow in Usbekistan, Nasarbajew in Kasachstan, usw.). Das alles ist nur ein Zeichen eines tiefgreifenden Ph&#xE4;nomens: erkennbar am<a href=\"http:\/\/cpi.transparency.org\/cpi2013\/results\/\"> j&#xFC;ngsten Ranking der NGO Transparency International<\/a>. Kirgistan steht dort als 150. von 177 L&#xE4;ndern, Tadschikistan als 154., Turkmenistan und Usbekistan stehen gemeinsam auf dem 168. Platz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Obwohl die eingeschlagenen Wege der verschiedenen L&#xE4;nder bei weitem nicht identisch sind, ist dieser Autoritarismus in den Regionen politische Realit&#xE4;t. Diese Regime verschlechtern die Kooperation und verst&#xE4;rken nur das stetige Auseinanderdriften (auf einer nationalistischen Grundlage) der verschiedenen zentralasiatischen Staaten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\n<\/p><p style=\"text-align: right\"><strong>Panpi Etcheverry<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><strong>Absolvent des franz&#xF6;sischen Instituts f&#xFC;r internationale und strategische Beziehungen <\/strong><a href=\"http:\/\/www.iris-france.org\/en\/\">(IRIS)<\/a><br>\n<strong>Autor f&#xFC;r<strong> Francekoul.com (Novastan.com)<\/strong><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><strong><strong>Aus dem Franz&#xF6;sischen &#xFC;bersetzt von<br>\nFlorian Coppenrath und Daniela Neubacher<\/strong><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\n<\/p><p style=\"text-align: justify\"><strong><u>Quellen<\/u><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">1.&#xA0;FOURNIAU V.,&#xA0;<em>Histoire de l&#x2019;Asie centrale<\/em>, Que sais-je&#xA0;?, PUF, Paris, 1994, p. 4<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">2.&#xA0;DAMIANI I.,&#xA0;<em>G&#xE9;opolitique de l&#x2019;Asie centrale<\/em>, PUF, Paris, 2013, p. 118<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">3.&#xA0;DAMIANI I.,&#xA0;<em>G&#xE9;opolitique de l&#x2019;Asie centrale<\/em>, PUF, Paris, 2013,&#xA0;pp. 107-110<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\n<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit ihrer Unabh&#xE4;ngigkeit entwickeln sich die f&#xFC;nf zentralasiatischen Staaten zunehmend auseinander. Das sowjetischen Erbe weicht dem Nationalismus und stellt eine Schicksalsgemeinschaft mehr denn je in Frage.<\/p>\n","protected":false},"author":113,"featured_media":1804,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[4,3,6,7,5],"tags":[1117,689,1211],"coauthors":[1212],"class_list":["post-1803","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kasachstan","category-kirgistan","category-tadschikistan","category-turkmenistan","category-usbekistan","tag-gesellschaft","tag-politik","tag-zentralasien"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1803","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/113"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1803"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1803\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":33961,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1803\/revisions\/33961"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1804"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1803"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1803"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1803"},{"taxonomy":"author","embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/coauthors?post=1803"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}