{"id":18007,"date":"2019-09-22T16:17:53","date_gmt":"2019-09-22T14:17:53","guid":{"rendered":"https:\/\/novastan.org\/de\/?p=18007"},"modified":"2024-01-17T20:39:09","modified_gmt":"2024-01-17T19:39:09","slug":"warum-die-konflikte-an-der-tadschikisch-kirgisischen-grenze-kein-ende-nehmen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/novastan.org\/de\/kirgistan\/warum-die-konflikte-an-der-tadschikisch-kirgisischen-grenze-kein-ende-nehmen\/","title":{"rendered":"Warum die Konflikte an der tadschikisch-kirgisischen Grenze kein Ende nehmen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Obwohl die Pr&#xE4;sidenten Tadschikistans und Kirgistans bereit sind, die Grenzstreitigkeiten zwischen ihren L&#xE4;ndern mit diplomatischen Mitteln zu l&#xF6;sen, forderte der Konflikt zuletzt wieder vier Tote. <\/strong><a href=\"https:\/\/asiaplustj.info\/ru\/news\/opinion\/20190918\/pochemu-ne-poluchaetsya-postavit-tochku-v-konfliktah-na-tadzhiksko-kirgizskom-granitse\"><strong>Asia-Plus<\/strong><\/a><strong> geht der Frage nach, warum die gewaltt&#xE4;tigen Auseinandersetzungen an der Grenze kein Ende nehmen. Wir &#xFC;bersetzen den Artikel mit freundlicher Genehmigung der Redaktion. <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 16. September kam es an der tadschikisch-kirgisischen Grenze erneut zu einem bewaffneten Konflikt. W&#xE4;hrend des Schusswechsels in der N&#xE4;he des Dorfes Owtschi-Kalatscha kamen drei tadschikische Soldaten und ein kirgisischer Grenzpolizist ums Leben. Dar&#xFC;ber hinaus meldete Tadschikistan, dass f&#xFC;nf weitere Soldaten Verletzungen erlitten, w&#xE4;hrend das kirgisische Gesundheitsministerium von 13 Verletzten berichtete.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Laut Angaben des tadschikischen Au&#xDF;enministeriums wurden auch Frauen und Kinder verletzt. Wie gew&#xF6;hnlich geben sich beide Seiten gegenseitig die Schuld an der Eskalation. Die genauen Umst&#xE4;nde, die die Schie&#xDF;erei ausl&#xF6;sten, scheinen jedoch unklar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dabei stellen die Ereignisse von Owtschi-Kalatscha nur den H&#xF6;hepunkt einer Reihe von gewaltt&#xE4;tigen Auseinandersetzungen dar. Allein in der von kirgisischem Staatsgebiet umgebenen, aber zu Tadschikistan geh&#xF6;renden Enklave <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Woruch\">Woruch<\/a> kam es seit M&#xE4;rz diesen Jahres zu mehreren <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/kirgistan\/zwei-tote-bei-grenzkonflikt-zwischen-tadschikistan-und-kirgistan\/\">Zusammenst&#xF6;&#xDF;en<\/a>. Auch hier ereignete sich der letzte Vorfall erst vor wenigen Tagen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/kirgistan\/grenzkonflikt-im-ferghanatal-neue-wendung-in-den-verhandlungen-um-die-enklave-woruch\/\">Grenzkonflikt im Ferghanatal: Neue Wendung um die Verhandlungen um die Enklave Woruch?<\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch wem n&#xFC;tzt die Eskalation des Konfliktes und gibt es etwa eine &#x201E;dritte Kr&#xE4;fte&#x201C;, die den Konflikt sch&#xFC;ren? Dieser Frage gehen verschiedene Experten nach.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>&#x201E;Schuld ist die zentralisierte Macht&#x201C;<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der tadschikische Politologe Raschid Gani Abdullo vertritt folgende Meinung: <em>&#x201E;Wem in Zentralasien n&#xFC;tzt ein brodelndes Tadschikistan und Kirgistan? Niemandem. Auch China hat keinen Nutzen davon. Die gesamte chinesische Politik ist darauf ausgerichtet, dass in den angrenzenden Republiken Zentralasiens politische und wirtschaftliche Stabilit&#xE4;t herrscht. Auch Usbekistan und Kasachstan sind an der Stabilit&#xE4;t Kirgistans und Tadschikistans interessiert. Deswegen sollte man nicht von irgendwelchen dritten Kr&#xE4;ften sprechen, sondern von tiefgreifenden Prozessen in der Entwicklung der zentralasiatischen L&#xE4;nder.&#x201C;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>&#x201E;Vereinbarungen werden nicht umgesetzt, weil die Macht in Kirgistan nicht zentralisiert ist&#x201C;<\/em>, sagt der Politologe. <em>&#x201E;Wenn die Zentralmacht [in Bischkek] schwach ist, meinen die regionalen Machthaber, dass sie diese nicht unbedingt ernst nehmen m&#xFC;ssen. In Tadschikistan gibt es dieses Problem nicht.&#x201C;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/kirgistan\/grenzkonflikt-zwischen-tadschikistan-und-kirgistan-eine-herausforderung-fuer-die-regionale-kooperation\/\">Grenzkonflikt zwischen Kirgistan und Tadschikistan: Eine Herausforderung f&#xFC;r die regionale Kooperation<\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Abdullo etwa deutet die Beziehung zwischen dem ehemaligen Pr&#xE4;sidenten (Atambajew, Anm. d. Red.) und dem amtierenden Staatsoberhaupt (Dscheenbekow, Anm. d. Red.) dahingehend, dass Kirgistan versucht, eine angemessene Form der Staatlichkeit zu finden, die die absolute Souver&#xE4;nit&#xE4;t des Zentrums &#xFC;ber das gesamte Territorium des Landes gew&#xE4;hrleistet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Bev&#xF6;lkerung w&#xE4;chst und mit ihr die Konflikte<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein anderer tadschikischer Experte ist sich ebenfalls sicher, dass es keine &#x201E;dritte Kraft&#x201C; gibt. Stattdessen gibt es zunehmend Konflikte, da die Bev&#xF6;lkerung w&#xE4;chst und mit ihr der Bedarf an Ressourcen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>&#x201E;Ich glaube nicht, dass die Eskalation an der Grenze im gegenw&#xE4;rtigen Augenblick irgendjemandem nutzt. Es ist ein eingefrorener Konflikt, der sich seit 30-40 Jahren im Entwicklungsstadium befindet. Es gibt Probleme mit Landfl&#xE4;che und Wasser, die sich nur schwer l&#xF6;sen lassen. Bis heute gibt es keine L&#xF6;sung, die beide Seiten zufrieden stellt. Deswegen kommt es von Zeit zu Zeit zu Konflikten. Die Bev&#xF6;lkerung w&#xE4;chst, der Bedarf an Ackerfl&#xE4;che und Wasserressourcen steigt und deswegen gibt es mehr Konflikte&#x201C;<\/em>, meint Parwis Mullodschanow.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ermek Bajsalow, Analyst und Redakteur des Portals <a href=\"https:\/\/cabar.asia\/en\/\">Cabar<\/a> aus Kirgistan ist sich sicher, dass die Suche nach einer &#x201E;dritten Kraft&#x201C; nicht mehr als eine Verschw&#xF6;rungstheorie ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>&#x201E;Die dritte Kraft befindet sich innerhalb beider Gesellschaften&#x201C;<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gem&#xE4;&#xDF; der Meinung des Zentralasien-Experten Alexander Knjasjew dr&#xFC;cken zwar die kommunale und die staatliche F&#xFC;hrung die Bereitschaft aus, das Problem zu l&#xF6;sen. Sich aber damit wirklich zu besch&#xE4;ftigen, sei eine andere Sache.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>&#x201E;Die Staatsf&#xFC;hrungen Tadschikistans und Kirgistans &#xE4;u&#xDF;ern die Bereitschaft die Grenzprobleme zu l&#xF6;sen. Auch die lokalen Beh&#xF6;rden sagen nichts anderes. Aber es ist eine Sache, die Bereitschaft zu &#xE4;u&#xDF;ern, und eine andere, sich mit dem Problem dann wirklich auseinanderzusetzen. Die nicht abgeschlossene Demarkation der Grenze ist ein kleiner Teil der regionalen Probleme. Die gr&#xF6;&#xDF;ten Probleme gibt es im sozialen und wirtschaftlichen Bereich, durch die dominierende Rolle von verdeckter und offener Kriminalit&#xE4;t in der lokalen Wirtschaft, und durch die ausbleibende Entwicklung sowohl in der <\/em><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gebiet_Batken\"><em>Provinz Batken<\/em><\/a><em> als auch in der Gegend von <\/em><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Isfara\"><em>Isfara<\/em><\/a><em>&#x201C;<\/em>, meint Knjasjew.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>&#x201E;An der Bereitschaft und dem Willen seitens der Beamter beiderseits der Grenze, die Probleme zu l&#xF6;sen, gibt es gro&#xDF;e Zweifel. Die Kriminalisierung der lokalen Wirtschaft f&#xFC;hrt nat&#xFC;rlich zu Korruption von Seiten der Beh&#xF6;rden als auch insbesondere der Sicherheitsorgane. Es w&#xE4;re l&#xE4;cherlich anzunehmen, dass der Drogenschmuggel ohne ihre Beteiligung stattfindet. Die gew&#xF6;hnliche Bev&#xF6;lkerung sucht nach M&#xF6;glichkeiten zu &#xFC;berleben und f&#xFC;r diese Menschen ist jeder Meter Erde, jeder Liter Wasser wichtig&#x201C;<\/em>, so der Zentralasien-Experte weiter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/kirgistan\/highway-to-heroin-vom-drogenhandel-und-neuen-konsum-in-zentralasien\/\">Highway to Heroin &#x2013; vom Drogenhandel und Neuem Konsum in Zentralasien<\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die &#x201E;dritte Kraft&#x201C; sieht er innerhalb beider Gesellschaften: <em>&#x201E;Die dritte Kraft befindet sich innerhalb beider Gesellschaften und es ist verfehlt sie woanders zu suchen. Das Problem ist mehrere Jahrzehnte alt. 1989 habe ich meinen Artikel &#xFC;ber den Konflikt um Woruch &#x201E;Geiseln des Hinterlandes&#x201C; genannt. Es ist das Hinterland, wo die Leute aus Hoffnungslosigkeit bereit sind, daran zu glauben, dass an ihren Problemen die Nachbarn schuld sind, die eine andere Sprache sprechen. Die dritte Kraft &#x2013; das sind die Beamten und M&#xE4;chtigen Kirgistans und Tadschikistans.&#x201C;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der kirgisische Politiker <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Felix_Kulow\">Felix Kulow<\/a> sieht die Schuld an den aktuellen Geschehnissen hingegen bei den Gegnern der jeweiligen Regierungen<em>. &#x201E;Es ist eindeutig, dass es weder der tadschikischen noch der kirgisischen Seite Nutzen bringt. Ungel&#xF6;ste Grenzfragen, insbesondere wenn Sie den Alltag von Menschen auf beiden Seiten der Grenze betreffen, enthalten immer Konfliktpotenzial. Auf diesem Boden ist es den politischen Gegnern des herrschenden Regimes recht einfach, Spannungen und Auseinandersetzungen zu erzeugen. Und ein Grund findet sich immer. Gegner haben die F&#xFC;hrer beider L&#xE4;nder, aber angesichts der Tatsache, dass es in der nahen Vergangenheit in [&#x2026;] Tadschikistan einen B&#xFC;rgerkrieg gab, gibt es jetzt mehr unvers&#xF6;hnliche Gegner im Land &#x2013; obwohl <\/em><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Emomalij_Rahmon\"><em>Emomali Rahmon<\/em><\/a><em> [Pr&#xE4;sident Tadschikistans, Anm. d. Red.] f&#xFC;r die gro&#xDF;e Mehrheit des Volkes den Frieden und die Einheit der Nation verk&#xF6;rpert&#x201C;<\/em>, meint der ehemalige Premierminister Kirgistans.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong>Bachmanjor Nadirow f&#xFC;r <\/strong><a href=\"https:\/\/asiaplustj.info\/ru\/news\/opinion\/20190918\/pochemu-ne-poluchaetsya-postavit-tochku-v-konfliktah-na-tadzhiksko-kirgizskom-granitse\"><strong>Asia-Plus<\/strong><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong>Aus dem Russischen von Robin Roth<\/strong><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kan&#xE4;len, schaut mal vorbei bei <\/span><a href=\"https:\/\/twitter.com\/novastan_de\"><span style=\"font-weight: 400;\">Twitter<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">, <\/span><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Novastan.org\/\"><span style=\"font-weight: 400;\">Facebook<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">, <\/span><a href=\"https:\/\/telegram.me\/novastan\"><span style=\"font-weight: 400;\">Telegram<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">, <\/span><a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/company\/novastan\/\"><span style=\"font-weight: 400;\">Linkedin<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> oder <\/span><a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/novastanorg\/\"><span style=\"font-weight: 400;\">Instagram<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">. F&#xFC;r Zentralasien direkt in eurer Mailbox k&#xF6;nnt ihr euch auch zu unserem <\/span><a href=\"http:\/\/eepurl.com\/O0Qub\"><span style=\"font-weight: 400;\">w&#xF6;chentlichen Newsletter anmelden<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">. <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Obwohl die Pr&#xE4;sidenten Tadschikistans und Kirgistans bereit sind, die Grenzstreitigkeiten zwischen ihren L&#xE4;ndern mit diplomatischen Mitteln zu l&#xF6;sen, forderte der Konflikt zuletzt wieder vier Tote. Asia-Plus geht der Frage nach, warum die gewaltt&#xE4;tigen Auseinandersetzungen an der Grenze kein Ende nehmen. Wir &#xFC;bersetzen den Artikel mit freundlicher Genehmigung der Redaktion. Am 16. 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