{"id":1707,"date":"2014-06-21T12:00:00","date_gmt":"2014-06-21T10:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/novastan.org\/de\/?p=1707"},"modified":"2016-10-06T14:12:57","modified_gmt":"2016-10-06T12:12:57","slug":"die-eurasische-wirtschaftsunion-traum-oder-albtraum-fur-kasachstan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/novastan.org\/de\/kasachstan\/die-eurasische-wirtschaftsunion-traum-oder-albtraum-fur-kasachstan\/","title":{"rendered":"Die Eurasische Wirtschaftsunion: Traum oder Albtraum f\u00fcr Kasachstan?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\"><strong>Russland, Kasachstan und Wei&#xDF;russland schreiten in gro&#xDF;en Schritten einer gemeinsamen Zukunft entgegen. Am 29. Mai unterschrieben Putin, Nasarbajew und Lukaschenko ein Abkommen zur Gr&#xFC;ndung der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU), welches am 1. Januar 2015 in Kraft treten wird. W&#xE4;hrend damit f&#xFC;r Kasachstans Pr&#xE4;sident Nasarbajew eine lang gehegte Vision in Erf&#xFC;llung geht, bangen einige B&#xFC;rger in Kasachstan um die Souver&#xE4;nit&#xE4;t ihres Landes.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Deklariertes Ziel der Eurasischen Wirtschaftsunion ist die Entwicklung und Erleichterung der Handels- und Gesch&#xE4;ftsbedingungen zwischen den drei L&#xE4;ndern. Das Integrationsprojekt soll ihren Mitgliedern den freien Verkehr von G&#xFC;tern, Dienstleistungen, Kapital und Arbeitskr&#xE4;ften erm&#xF6;glichen. Au&#xDF;erdem wollen die B&#xFC;ndnispartner in den Bereichen Landwirtschaft, Industrie, Transport und Energie in Zukunft enger zusammenarbeiten. Die EAWU soll somit zu einem neuen Wirtschaftsentwicklungszentrum werden. In K&#xFC;rze sollen au&#xDF;erdem Armenien und Kirgistan zur Eurasischen Wirtschaftsunion beitreten. Die Pr&#xE4;sidenten beider L&#xE4;nder waren bei der Zeremonie anl&#xE4;sslich der Unterschreibung des Paktes <a href=\"http:\/\/ria.ru\/spravka\/20140529\/1009667833.html#ixzz33ezViu1B\">als Beobachter anwesend<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Nasarbajews Vision und der Weg zur Eurasischen Wirtschaftsunion<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das Presseecho auf die Unterzeichnung des Abkommens zur Gr&#xFC;ndung der EAWU suggeriert gr&#xF6;&#xDF;tenteils, dass Putin Initiator der Eurasischen Union sei. &#x201E;Putin schmiedet Eurasische Wirtschaftsunion&#x201C; verk&#xFC;ndete der <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/ukraine-krise-und-die-folgen-putin-schmiedet-eurasische-wirtschaftsunion\/9965920.html\">Tagesspiegel<\/a>, &#x201E;Zum Unterschreiben verdammt&#x201C; titelte die <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/ausland\/eurasische-wirtschaftsunion-gegruendet-zum-unterschreiben-verdammt-12961389.html\">FAZ<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Dabei wird au&#xDF;er Acht gelassen, dass Kasachstans Pr&#xE4;sident Nursultan Nasarbajew eigentlicher Impulsgeber des Integrationsprojektes ist. Bei einer <a href=\"http:\/\/kisi.kz\/img\/docs\/4825.pdf\">Rede<\/a> in der Staatlichen Lomonossow-Universit&#xE4;t Moskau formulierte er bereits 1994 erstmals die Idee einer Eurasischen Union. Ihm schwebte ein B&#xFC;ndnis aus gleichberechtigten, unabh&#xE4;ngigen Staaten vor, das auf Prinzipien der Freiwilligkeit, der &#xF6;konomischen Zweckm&#xE4;&#xDF;igkeit und des gegenseitigen Vorteils basieren solle. So kurz nach Zusammenbruch der Sowjetunion stie&#xDF; Nasarbajews Vorschlag bei den ehemaligen Sowjetstaaten jedoch auf kein Interesse, <a href=\"http:\/\/library.fes.de\/pdf-files\/id-moe\/10810.pdf\">auch nicht bei der russischen F&#xFC;hrung<\/a>. Erst als 2000 mit Wladimir Putin ein neuer Akteur die politische B&#xFC;hne betrat, &#xE4;nderten sich mit dem Machtwechsel auch die au&#xDF;enpolitischen Ambitionen Russlands. So ist es vermutlich auch diesem Umstand geschuldet, dass Putin als Gr&#xFC;ndungsvater der Eurasischen (Wirtschafts-)Union stilisiert wird. Der russische Pr&#xE4;sident setzte sich, geleitet von geopolitischen und geo&#xF6;konomischen Interessen, von Anfang an f&#xFC;r die St&#xE4;rkung regionaler Integration ein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Schon im Oktober 2010 entstand auf Nasarbajews Initiative hin die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Eurasische_Wirtschaftsgemeinschaft\">Eurasische <\/a><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Eurasische_Wirtschaftsgemeinschaft\">Wirtschaftsgemeinschaft (EAWG)<\/a> mit Kasachstan, Kirgistan, Russland, Tadschikistan und Wei&#xDF;russland als Mitgliedern. Sie wurde gebildet um Handelshemmnisse und Z&#xF6;lle abzubauen und dadurch wirtschaftliche Zusammenarbeit zu f&#xF6;rdern. Hier zeigt sich, dass Nasarbajews Fokus in dem Integrationsprojekt von Anfang an auf der Erreichung wirtschaftlicher Ziele lag. Zwar kann man die Gr&#xFC;ndung der EAWG als erste fr&#xFC;he Etappe auf dem Weg zur Eurasischen Union begreifen, jedoch ist sie nur ein <a href=\"http:\/\/www.bpb.de\/internationales\/europa\/russland\/136827\/analyse-eurasische-union\">Forum f&#xFC;r Kooperation<\/a>, nicht f&#xFC;r Integration. Der eigentliche Grundstein f&#xFC;r die Eurasische Integration wurde im Oktober 2007 gelegt, als Kasachstan, Russland und Wei&#xDF;russland ein Abkommen zur Gr&#xFC;ndung einer gemeinsamen <a href=\"http:\/\/www.swp-berlin.org\/fileadmin\/contents\/products\/arbeitspapiere\/arbpap_FG5_polownikow_zollunion.pdf\">Zollunion<\/a> unterschrieben. Dieser Schritt zog die Einf&#xFC;hrung eines einheitlichen Zollkodexes nach sich, der im Juli 2010 in Kraft trat und schlie&#xDF;lich die Etablierung eines Gemeinsamen Wirtschaftsraums (GWR) im Januar 2012.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Ein gemeinsamer Weg, drei Wunschrichtungen: Quo Vadis EAWU?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Hinter den drei Gr&#xFC;ndungsstaaten der EAWU liegt somit bereits ein langer Weg, in dessen Verlauf sich auch immer wieder Unstimmigkeiten zwischen den Akteuren offenbarten. Dass Russland seinen beiden B&#xFC;ndnispartnern allein fl&#xE4;chenm&#xE4;&#xDF;ig eindeutig &#xFC;berlegen ist und 88 Prozent des Gesamtbudgets der EAWU tr&#xE4;gt, birgt zwangsl&#xE4;ufig Spannungspotential. W&#xE4;hrend Russland mit der Gr&#xFC;ndung der EAWU vor allem geopolitische Interessen verfolgt und seine Position im postsowjetischen Raum st&#xE4;rken will, haben Kasachstan und Wei&#xDF;russland andere Ziele.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Eurasian_Economic_Commission\"><img decoding=\"async\" style=\"height: 379px;width: 600px\" src=\"\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/old\/img\/670\/1.png\" alt=\"EAWU\"\/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\n<\/p><p style=\"text-align: justify\">So legte Nasarbajew neben der wirtschaftlichen Orientierung des Projekts von Anfang an Wert darauf, dass die neue Union keine Auswirkungen auf die Unabh&#xE4;ngigkeit und politische Souver&#xE4;nit&#xE4;t der Mitgliedsstaaten haben d&#xFC;rfe und <a href=\"http:\/\/akorda.kz\/ru\/page\/page_216905_uchastie-v-tseremonii-podpisaniya-dogovora-o-evraziiskom-ekonomicheskom-soyuze\">bekr&#xE4;ftigte<\/a> diesen Umstand bei der Unterzeichnung des Abkommens abermals. Gleichzeitig zeigte er sich <a href=\"http:\/\/deu.belta.by\/all_news\/politics\/Nasarbajew-Abschluss-von-EAWU-Vertrag-kennzeichnet-neue-Integrationsetappe-im-Eurasischen-Raum_i_73058.html\">zufrieden<\/a> &#xFC;ber den beschlossenen Vertrag: &#x201E;Damit heben wir die Integrationsprozesse im eurasischen Raum auf eine qualitativ neue Ebene an. Das Dokument ist abgewogen, sachgerecht und ber&#xFC;cksichtigt Interessen aller Parteien.&#x201C; Laut Aussagen des kasachischen Au&#xDF;enministeriums war Nasarbajew mit den ersten Versionen weniger zufrieden. Sie h&#xE4;tten Vorschl&#xE4;ge politischen Charakters enthalten, die auf <a href=\"http:\/\/library.fes.de\/pdf-files\/id-moe\/10810.pdf\">Dr&#xE4;ngen der kasachischen Seite<\/a> entfernt wurden. So sei es Nasarbajew zu verdanken, dass in den Verhandlungen Themen wie eine gemeinsame Au&#xDF;enpolitik, eine interparlamentarische Kooperation, Pass- und Visumsfragen und gemeinsame Grenz- und Exportkontrollen <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/wirtschaft\/2014-05\/russland-wirtschaftsunion-putin\/seite-2\">ausgeschlossen <\/a>worden sind. Auch Wei&#xDF;russlands Pr&#xE4;sident Lukaschenko lehnt eine Politisierung der EAWU ab, wenn auch nicht so hartn&#xE4;ckig wie Nasarbajew. Er erhofft sich von der EAWU vor allem finanzielle Unterst&#xFC;tzung und die schnelle Schaffung eines gemeinsamen Binnenmarktes f&#xFC;r &#xD6;l und Gas. Bislang ist geplant, einen einheitlichen &#xD6;l- und Gasmarkt bis 2025 zu etablieren &#x2013; f&#xFC;r Lukaschenko zu langsam.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Viele der im Vertrag geregelten Bestimmungen &#xFC;ber die Eurasische Wirtschaftsunion gelten bereits <a href=\"http:\/\/de.ria.ru\/zeitungen\/20140529\/268623442.html\">seit der Bildung des Einheitlichen Wirtschaftsraums<\/a>, die EAWU wird aber als eine engere Form der Integration zwischen den L&#xE4;ndern angesehen. Neu ist zum einen die<a href=\"https:\/\/www.kas.de\/wf\/doc\/kas_36785-544-1-30.pdf?140226133001\"> Anlehnung an <\/a><a href=\"https:\/\/www.kas.de\/wf\/doc\/kas_36785-544-1-30.pdf?140226133001\">internationale Standards<\/a>, die sich aus Russlands Beitritt zur Welthandelsorganisation 2012 ergeben. Die wichtigste Neuerung zu fr&#xFC;heren postsowjetischen B&#xFC;ndnissen, wie etwa der GUS, besteht darin, dass die EAWU auch &#xFC;ber supranationale Institutionen nach EU-Vorbild verf&#xFC;gen wird. Der Hauptsitz der <a href=\"http:\/\/eurasiancommission.org\/en\/Pages\/default.aspx\">Eurasischen Kommission<\/a> wird sich in Moskau (Russland) befinden, das <a href=\"http:\/\/sudevrazes.org\/en\/main.aspx\">Hauptgericht<\/a> der EAWU in Minsk (Wei&#xDF;russland) und die <a href=\"http:\/\/en.tengrinews.kz\/finance\/Almaty-is-Eurasian-Unions-Frankfurt-in-the-making-Kelimbetov-253987\/\">Einheitliche Finanzaufsicht in Almaty <\/a>(Kasachstan). Im Vertrag ist zudem geregelt, dass allen Mitgliedsstaaten auf h&#xF6;chster Ebene der Union bei Entscheidungen das gleiche Stimmrecht, also eine Stimme zusteht &#x2013; ein weiteres Novum.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>EAWU als Wiederbelebung der Sowjetunion?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Trotz der Selbstbeschr&#xE4;nkung Russlands durch die Festsetzung des Konsensprinzips bei Entscheidungen auf h&#xF6;chster Ebene, interpretieren manche Kommentatoren die EAWU als Versuch Putins, alte Machtstrukturen aus Sowjetzeiten wiederherstellen zu wollen. Der russische Pr&#xE4;sident versichert allerdings, dass niemand eine gemeinsame Staatsangeh&#xF6;rigkeit oder W&#xE4;hrung einf&#xFC;hren m&#xF6;chte und die Bedingungen der EAWU keine Auswirkungen auf die Souver&#xE4;nit&#xE4;t der Mitgliedsstaaten haben werden. Die B&#xFC;ndnispartner eint vor allem das Ziel, durch die Abschaffung von Barrieren und die Einf&#xFC;hrung gemeinsamer Regeln und Standards zur wirtschaftlichen Entwicklung der EAWU-L&#xE4;nder beizutragen. Nasarbajew spricht zudem von einer <a href=\"http:\/\/bnews.kz\/ru\/news\/post\/207756\/\">Br&#xFC;cke zwischen den &#xD6;konomien Europas und Asiens<\/a>. Doch manche sehen die Eurasische Wirtschaftsunion als <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/vorbild-eu-russland-gruendet-eurasische-wirtschaftsunion-a-972383.html\">kein ernstzunehmendes Integrationsprojek<\/a>t an, da die Gr&#xFC;ndungsstaaten eine gemeinsame Bev&#xF6;lkerung von nur 170 Millionen Menschen haben, grob etwa halb so viel wie die EU oder USA. Zudem betr&#xE4;gt die gemeinsame Wirtschaftsleistung der drei L&#xE4;nder rund 2,7 Billionen Dollar, w&#xE4;hrend die USA und die EU jeweils um die 16 Billionen Dollar vorweisen. Dabei darf aber nicht vergessen werden, dass sich die EAWU in Zukunft noch erweitern wird und bereits jetzt eine Fl&#xE4;che von rund 20 Millionen Quadratkilometern umfasst. Sie ist damit ann&#xE4;hernd so gro&#xDF; wie Nordamerika. Da die EAWU ihre Bev&#xF6;lkerung mit eigenen Ressourcen versorgen kann, sei die <a href=\"http:\/\/bnews.kz\/ru\/news\/post\/207756\/%20\">Unabh&#xE4;ngigkeit der <\/a><a href=\"http:\/\/bnews.kz\/ru\/news\/post\/207756\/%20\">Mitgliedsstaaten<\/a><a href=\"http:\/\/bnews.kz\/ru\/news\/post\/207756\/%20\"> garantiert<\/a>. Derzeit ist der EAWU-Raum zudem der gr&#xF6;&#xDF;te Exporteur von Energieressourcen und in letzter Zeit auch zum gr&#xF6;&#xDF;ten Exporteur von Weizen geworden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Gespaltene Reaktionen in Kasachstans Bev&#xF6;lkerung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Trotz der so vehement behaupteten Ausklammerung politischer Elemente aus der neuen Union, misstrauen einige kasachische B&#xFC;rger dem Abkommen und bangen um die Souver&#xE4;nit&#xE4;t Kasachstans. Im Zuge der Krise in der Ukraine, die urspr&#xFC;nglich auch Mitglied in der EAWU werden sollte, stieg bei vielen die Angst vor einer politischen Einflussnahme des Kremls auf Kasachstan. So formierte sich in der kasachischen Bev&#xF6;lkerung eine <a href=\"http:\/\/www.eurasianet.org\/node\/68397\">Protestbewegung<\/a>, die sich aktiv gegen eine Mitgliedschaft Kasachstans in dem B&#xFC;ndnis einsetzt. Die Gegner der Eurasischen Wirtschaftsunion sprechen von einer &#x201E;ungleichen Hochzeit&#x201C; und glauben weder an &#xF6;konomische noch an politische Vorteile f&#xFC;r das Land. Trotz aller Beteuerungen Nasarbajews, dass es sich bei der EAWU um ein rein wirtschaftliches B&#xFC;ndnis handele, f&#xFC;rchten sie politische Auswirkungen auf Kasachstan. &#x201E;Ich denke, dass dunkle Tage auf uns zukommen. Wir verlieren unsere Unabh&#xE4;ngigkeit&#x201C;, so Ryspek Sarsenbay, Chefredakteur der kasachischen Zeitung &#x201E;Zhas Alasch&#x201C;. In einem von Radio Free Europe\/Radio Liberty ver&#xF6;ffentlichten <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Q7lXTlQrpk4\">Youtube-Video <\/a> ist zu sehen, wie er und andere B&#xFC;rger die kasachische Flagge, versehen mit einem schwarzen Band, vor dem Denkmal der Unabh&#xE4;ngigkeit in Almaty niederlegen &#x2013; als Symbol f&#xFC;r den Verlust von Kasachstans Souver&#xE4;nit&#xE4;t:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">[youtube https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Q7lXTlQrpk4]<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Andere Protestierende tragen <a href=\"http:\/\/www.opendemocracy.net\/od-russia\/luca-anceschi-paolo-sorbello\/kazakhstan-and-eeu-rise-of-eurasian-scepticism\">Atemschutzmasken<\/a> und folgen damit einem Aufruf, der in Sozialen Netzwerken verbreitet wurde. Mittels der Masken wollen sie symbolisch vor dem &#x201E;Virus&#x201C; des Imperialismus warnen und sich demonstrativ gegen die EAWU aussprechen. Initiator des Aufrufs und aktiver Gegner der EAWU ist Serikzhan Mambetalin. Er spricht vom B&#xFC;ndnis als &#x201E;Achse von Diktatoren&#x201C; und von &#x201E;Eurasianismus&#x201C;, eine neue Form der Kolonialisierung Russlands. Kasachstan ist das einzige Land im Rahmen der EAWU, in dem &#xFC;berhaupt eine <a href=\"http:\/\/library.fes.de\/pdf-files\/id-moe\/10810.pdf\">Diskussion<\/a> zwischen Gegnern und Bef&#xFC;rwortern stattfindet. Doch regierungskritische Aktionen werden in Kasachstan meist nicht geduldet, aufkommende Demonstrationen unmittelbar von der Polizei unterbunden. So kam es im Vorfeld der Unterzeichnung des Abkommens zu vor&#xFC;bergehenden Verhaftungen in Astana, wie <a href=\"http:\/\/www.rferl.org\/content\/kazakh-activists-rferl-correspondent-jailed\/25401457.html\">Radio Free Europe<\/a> und <a href=\"http:\/\/eurasianet.org\/node\/68416\">EurasiaNet<\/a> berichten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong><img decoding=\"async\" style=\"height: 675px;width: 600px\" src=\"\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/old\/img\/670\/2.jpeg\" alt=\"Protest EAWU\"\/><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Letztendlich &#xFC;berwiegt aber der Anteil der Bef&#xFC;rworter des B&#xFC;ndnisses. <a href=\"https:\/\/www.kas.de\/wf\/doc\/kas_36785-544-1-30.pdf?140226133001\">Laut Umfragen<\/a> sprechen sich ca. 55 Prozent f&#xFC;r eine Integration im Rahmen der Eurasischen Wirtschaftsunion aus, ca. 35 Prozent stimmen dagegen und ca. zehn Prozent sind unentschieden. Vor allem die noch gro&#xDF;e russische Minderheit in Kasachstan, die derzeit 22 Prozent der Bev&#xF6;lkerung darstellt, positioniert sich eindeutig f&#xFC;r die Integration und verspricht sich dadurch eine Erleichterung des Arbeitskr&#xE4;fte-, Geld- und Dienstleistungstransfers. Au&#xDF;erdem sind sie der Ansicht, dass Integrationsprozesse mit Russland notwendig seien, um im harten Wettbewerb mit anderen L&#xE4;ndern und transnationalen Firmen zu bestehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Perspektiven<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ob Kasachstan und seine B&#xFC;ndnispartner von dem neuen B&#xFC;ndnis tats&#xE4;chlich profitieren werden, bleibt abzuwarten. Im Rahmen der Zollunion blieb Kasachstan hinter seinen Erwartungen zur&#xFC;ck und konnte im Gegensatz zu Russland und Wei&#xDF;russland keine Steigerung des Exports kasachischer Waren in die Partnerl&#xE4;nder verzeichnen. Stattdessen sanken die Exportzahlen um 3,7 Prozent. Trotzdem setzt Nasarbajew auf Wirtschaftspragmatismus und erhofft sich durch die Aktivierung des grenz&#xFC;berschreitenden Handels und die &#xD6;ffnung von M&#xE4;rkten im Rahmen der EAWU wirtschaftliche Chancen. Doch eine <a href=\"http:\/\/www.swp-berlin.org\/fileadmin\/contents\/products\/arbeitspapiere\/arbpap_FG5_polownikow_zollunion.pdf\">nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung<\/a> und Modernisierung l&#xE4;sst sich nur erzielen, wenn Kasachstan seine Abh&#xE4;ngigkeit von Erd&#xF6;l- und Erd&#xF6;lprodukt-Exporten mindert und den Handel mit Maschinen und innovativen Technologien steigert. Vor den Gr&#xFC;ndungsl&#xE4;ndern liegt also noch viel Arbeit. Zudem gibt es einige Unsicherheitsfaktoren &#x2013; insbesondere ein Machtwechsel in einem der Mitgliedsl&#xE4;nder k&#xF6;nnte das Integrationsprojekt ins Wanken bringen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ob die weitere Zusammenarbeit harmonisch und erfolgreich verlaufen wird, h&#xE4;ngt insbesondere auch von Russlands Verhalten ab. Nur wenn die russische Regierung nicht zu stark auf eine Vormachtstellung pochen und seine Bereitschaft zur Selbstbeschr&#xE4;nkung einhalten wird, kann der Integrationswillen der B&#xFC;ndnispartner erhalten bleiben. Und nur so besteht die Chance, dass sich die gr&#xF6;&#xDF;tenteils skeptische EU nicht auf Dauer v&#xF6;llig vor der EAWU verschlie&#xDF;en wird. Bislang zeigen sich die B&#xFC;ndnispartner trotz aller Widrigkeiten enthusiastisch und betonen die Vorteile der EAWU. Bleibt zu hoffen, dass Nasarbajews Traum sich nicht als Albtraum f&#xFC;r Kasachstan entpuppt und die dunklen Prognosen der EAWU-Gegner nicht eintreffen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><strong>Alina Kozhakhmetowa<br>\nAutorin f&#xFC;r Novastan.org, Kasachstan<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><strong>Redaktion: Sofia Tscholakidi<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 29. Mai unterschrieben Putin, Nasarbajew und Lukaschenko ein Abkommen zur Gr&#xFC;ndung der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU), welches am 1. 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