{"id":15444,"date":"2018-11-09T13:46:36","date_gmt":"2018-11-09T12:46:36","guid":{"rendered":"https:\/\/novastan.org\/de\/?p=15444"},"modified":"2024-02-04T16:24:32","modified_gmt":"2024-02-04T15:24:32","slug":"ist-die-zukunft-usbekistans-pro-russisch-die-ergebnisse-des-putin-besuchs-im-land","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/novastan.org\/de\/usbekistan\/ist-die-zukunft-usbekistans-pro-russisch-die-ergebnisse-des-putin-besuchs-im-land\/","title":{"rendered":"Ist die Zukunft Usbekistans pro-russisch? Die Ergebnisse des Putin-Besuchs im Land"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>F&#xFC;r Usbekistan ist der Besuch des russischen Pr&#xE4;sidenten ein unver&#xE4;ndert wichtiges Ereignis, die Menschen lieben Putin. Das<\/strong><strong>&#xA0;Erbe <\/strong><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Islom_Karimov\"><strong>Islam Karimows<\/strong><\/a>&#xA0;<strong>hat usbekischen Politikern aber auch gelehrt, zwischen Moskau, Washington und Peking hin und her zu lavieren. Die folgende Analyse erschien im russischsprachigen Original auf <\/strong><a href=\"http:\/\/caa-network.org\/archives\/14455?fbclid=IwAR2zaSx8_ATpKiibEevqzKT80d2pLiOcCylh9FR1v5zL3eiZu_fcuY2OoZo\"><strong>Central Asian Analytical Network<\/strong><\/a><strong>.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Mitte Oktober erfolgte Besuch Wladimir Putins rief in Usbekistan Begeisterung hervor. F&#xFC;r die prestigetr&#xE4;chtige Delegation wurden die besten Bedingungen geschaffen: die Hotels wurden vorbereitet, ein Kulturprogramm erarbeitet, Stra&#xDF;en hergerichtet und entlang der Route wurden Banner mit Aufschriften wie <em>&#x201E;Herzlich Willkommen in Usbekistan, Eure Exzellenz, der Pr&#xE4;sident der Russischen F&#xF6;deration Wladimir Putin!&#x201C;<\/em> oder <em>&#x201E;M&#xF6;gen die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Usbekistan und Russland noch fester werden&#x201C;<\/em> aufgestellt. Entlang der Stra&#xDF;en, sowie an den Autobussen wurden die Flaggen beider Staaten angebracht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Gro&#xDF;teil der UsbekInnen unterst&#xFC;tzt die russische Au&#xDF;enpolitik. Viele hegen Sympathie f&#xFC;r den Anschluss der Krim und den Milit&#xE4;reinsatz in Syrien. Selbst die seltenen usbekischen KritikerInnen Moskaus m&#xFC;ssen anerkennen, dass der russische Arbeitsmarkt Millionen usbekischer Staatsb&#xFC;rgerInnen ein Einkommen verschafft. Daran haben auch die eingeleiteten Wirtschaftsreformen in Usbekistan nichts ge&#xE4;ndert.<\/p>\n<p><strong>Russische Investitionen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Rahmen des Besuchs Putins in Taschkent wurden Vertr&#xE4;ge im Wert von insgesamt 27 Millionen US-Dollar abgeschlossen. Insgesamt unterzeichneten beide Seiten mehr als 800 Dokumente, denen zufolge Russlands staatliche und private Unternehmen Hilfe f&#xFC;r die usbekische Landwirtschaft und Industrie, sowie f&#xFC;r die Handelsbeziehungen versprechen. Das bedeutet, dass Russland bereit ist, seinen Markt f&#xFC;r noch mehr usbekisches Obst und Gem&#xFC;se zu &#xF6;ffnen. Moskau erh&#xF6;ht im Gegenzug seine Lieferungen an Agrartechnik. Au&#xDF;erdem beschlossen die Pr&#xE4;sidenten eine gemeinsame Waffenproduktion, wobei noch unklar ist, um welche Art von Waffen es sich handeln wird. Beide Seiten einigten sich aber dar&#xFC;ber, dass die Produktion in Usbekistan erfolgen wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum &#x201E;Sahneh&#xE4;ubchen auf der Torte&#x201C; wurde Mirsijojews Wunsch, einen usbekischen Kosmonauten ins All zu schicken. Die russische Seite schlug als Antwort vor, zusammen mit Usbekistan und Kasachstan keinen Menschen, sondern einen Satelliten zu starten. Die praktischen Folgen w&#xE4;ren, dass es &#xFC;berall im Land schnelles Internet, sowie digitales Radio und Telefon geben w&#xFC;rde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/nicht-bewertet\/russland-china-und-die-usa-in-zentralasien-wirtschaft-und-geopolitik\/\">Russland, China und die USA in Zentralasien: Wirtschaft und Geopolitik<\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bereits im Fr&#xFC;hling vergangenen Jahres, als der usbekische Pr&#xE4;sident bei seinem ersten offiziellen Besuch in Moskau war, wurde eine verbesserte Zusammenarbeit vereinbart. Dieses Mal einigten sich die Pr&#xE4;sidenten &#xFC;ber den Umfang der Investitionen. Es ist nicht sicher, dass alle Vereinbarungen eingehalten werden und das russische Geld in vollem Umfang dem usbekischen Markt zu Gute kommt, aber die Ambitionen sind da. Indem er die Beziehungen zum Kreml festigt, kommt Mirsijojew nicht nur den W&#xFC;nschen der eigenen Bev&#xF6;lkerung nach, sondern auch denen usbekischst&#xE4;mmiger Oligarchen, von denen viele die russische Staatsb&#xFC;rgerschaft besitzen. Der bekannteste von ihnen ist <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Alischer_Burchanowitsch_Usmanow\">Alischer Usmanow<\/a>. Nach Karimows Tod wurde Usmanow zu einem der wichtigsten Investoren f&#xFC;r die Wirtschaft Usbekistans. Die Regierung erwartet, dass andere seinem Beispiel folgen.<\/p>\n<p><strong>Moskaus Interessen <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was die Ambitionen Moskaus betrifft, so z&#xE4;hlt es darauf, angesichts seiner Gro&#xDF;z&#xFC;gigkeit, nicht nur zum &#xF6;konomischen Zentrum zu werden, sondern auch politische Anziehungskraft auszu&#xFC;ben. In erster Linie hofft die russische F&#xFC;hrung darauf, mit Krediten und Investitionen das st&#xE4;ndige Hin- und Herpendeln zwischen Ost und West einzustellen, mit dem das Usbekistan der Karimow-&#xC4;ra den Kreml ver&#xE4;rgerte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Daran konnte auch die gute &#x201E;Chemie&#x201C; zwischen Putin und Karimow nichts &#xE4;ndern, da der verstorbene usbekische Pr&#xE4;sident Politisches und Pers&#xF6;nliches selten vermischte. Er konnte jedem Politiker der Welt sehr direkt seine Meinung sagen, um sie direkt danach wieder zu &#xE4;ndern. Putin versuchte, den schwierigen Charakter Karimows zu verstehen, was den Politikern auch in den schwierigsten Zeiten half, eine gemeinsame Sprache zu finden. Und solche Situationen waren nicht selten. Als Karimow beispielweise vor sechs Jahren den Austritt Usbekistans aus der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Organisation_des_Vertrags_%C3%BCber_kollektive_Sicherheit\">Organisation des Vertrages &#xFC;ber kollektive Sicherheit<\/a> verk&#xFC;ndete, gelang es Putin, in bilateralen Gespr&#xE4;chen die Beziehungen beider L&#xE4;nder zu bewahren.<\/p>\n<p><b>Mirsijojews Au&#xDF;enpolitische Strategie<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass Russland nicht davon abl&#xE4;sst, die Rolle des regionalen Hegemons zu spielen, hat Usbekistan schon lange erkannt. Taschkents Antwort war, gute Beziehungen zu allen &#xE4;u&#xDF;eren Akteuren zu pflegen und so das Maximum f&#xFC;r sich heraus zu schlagen. Diesem Ansatz folgt auch die Au&#xDF;enpolitik Mirsijojews. Sich mit einer eigenen Meinung hervorzutun, gelang dem zweiten Pr&#xE4;sidenten nicht. Nicht zu einem einzigen regionalen oder internationalen Problem hat er sich in einer Weise ge&#xE4;u&#xDF;ert, die im Gegensatz zu der Meinung anderer Politiker stehen w&#xFC;rde. Allerdings haben sich auch die Umst&#xE4;nde gewandelt. Zu viele Probleme sind aus der Karimow-Zeit geblieben, sodass die Zeit noch nicht reif ist, einen eigenen Charakter zu formen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Derzeit ist das wichtigste Ziel des usbekischen Pr&#xE4;sidenten, jeden potentiellen Investor zu &#xFC;berzeugen, dass er der wichtigste Partner ist und dies auch immer bleiben wird. Dies gelingt ihm nicht schlecht. In den zwei Jahren seiner Regentschaft hat Mirsijojew nicht nur russische, sondern auch chinesische, amerikanische und europ&#xE4;ische Investitionen angezogen. Die Mehrheit der unterschriebenen Dokumente sind Absichtserkl&#xE4;rungen, gemeinsame Projekte zu entwickeln und Geld in sie zu investieren. Aber dennoch richtet Usbekistan seine Vektoren in verschiedene Richtungen.<\/p>\n<p><strong>Viele Vektoren<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der gr&#xF6;&#xDF;te Investor in Usbekistan bleibt China. W&#xE4;hrend Mirsijojews Staatsbesuchs in Peking im Mai vergangenen Jahres wurden Vertr&#xE4;ge im Wert von 23 Milliarden US-Dollar abgeschlossen. Damals sagten viele, dass die neue F&#xFC;hrung, im Unterschied zur Vorangegangen, dazu bereit sei, Risiken einzugehen um einen wirtschaftlichen Nutzen daraus zu ziehen. Dies bezog sich darauf, dass Karimow sich auch Krediten mit den besten Konditionen gegen&#xFC;ber vorsichtig zeigte, um nicht in politische Abh&#xE4;ngigkeit vom Geldgeber zu geraten. Diese Angst war der wichtigste Grund Taschkents, sich der chinesischen Initiative <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/One_Belt,_One_Road\">OneBelt, One Road<\/a> gegen&#xFC;ber distanziert zu verhalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/kirgistan\/die-neue-seidenstrase-ein-stand-der-dinge\/\">Die neue Seidenstra&#xDF;e &#x2013; ein Stand der Dinge<\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Karimow bevorzugte es, Transportkorridore auf Kosten des usbekischen Budgets zu bauen oder nur minimal ausl&#xE4;ndische Kredite in Anspruch zu nehmen. Von China finanziert wurde die Eisenbahnlinie <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Angren_(Usbekistan)\">Angren<\/a> &#x2013; <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Pop_(Namangan)\">Pop<\/a>, die man nur bedingt als Teil von &#x201E;One Belt, One Road&#x201C; betrachten kann. Die Eisenbahnlinie verbindet zwei usbekische Regionen, die Region Taschkent und das <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ferghanatal\">Fergana-Tal<\/a>. Wenn jedoch der Transportkorridor zwischen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Andijon\">Andischan<\/a> und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kaxgar_(Stadt)\">Kaschgar<\/a> gebaut wird, kann diese Eisenbahnstrecke als Verl&#xE4;ngerung der chinesischen Initiative betrachtet werden, da es zwischen Andischan und Pop schon eine Verbindung gibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Heute ist die Situation eine andere. Usbekistan ist vielmehr gerne bereit von Peking finanzierte Projekte des Transportkorridors auf seinem Territorium bauen zu lassen. Mirsijojew selbst schlug sogar vor, im Rahmen der chinesischen Initiative eine Eisenbahn-Magistrale China &#x2013; Kirgistan &#x2013; Usbekistan &#x2013; Afghanistan &#x2013; Iran zu bauen. Es ist bemerkenswert, dass dieses Projekt Russland umgeht und somit beim Warenverkehr nach Europa in direkter Konkurrenz zur <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Transsibirische_Eisenbahn\">Transsibirischen Eisenbahn<\/a> steht. Aber das st&#xF6;rt Taschkent wenig. Wie immer erkl&#xE4;rt die Regierung ihr Handeln mit nationalen Interessen und damit, dass es seine Vektoren in verschiedene Richtungen ausrichtet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wiederann&#xE4;herung an die USA<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit der Logik der vielen Vektoren l&#xE4;sst sich auch die sich an Mirsijojews Besuch in Washington anschlie&#xDF;ende Ann&#xE4;herung an die USA erkl&#xE4;ren. Der Wert der mit den USA geschlossenen Vertr&#xE4;ge bel&#xE4;uft sich auf 4,8 Milliarden US-Dollar und ist damit geringer als der Vergleichswert mit Russland oder China. Aber in Bezug auf die USA sind der usbekischen F&#xFC;hrung die Investitionen weniger wichtig als das Zustandekommen der Kommunikation. Diese war n&#xE4;mlich 2005 abgebrochen worden, nachdem die USA auf das Massaker in Andischan mit Sanktionen reagierten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bis zum Treffen von Schawkat zwischen Mirsijojew und Donald Trump lag das letzte Treffen von Pr&#xE4;sidenten beider L&#xE4;nder im Jahr 2002 zur&#xFC;ck. Damals unterst&#xFC;tzte Taschkent den amerikanischen Milit&#xE4;reinsatz in Afghanistan und wurde so zum strategischen Partner. Drei Jahre sp&#xE4;ter verbannte Karimow &#x2013; nat&#xFC;rlich zur Freude Moskaus &#x2013; als Antwort auf die Sanktionen die amerikanischen Milit&#xE4;rbasen aus dem Land.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Barack Obama zeigte erst am Ende seiner zweiten Amtszeit Interesse an der Region, in dem er f&#xFC;r Zentralasien die Kommunikationsplattform C5+1 ins Leben rief. Das erste Treffen fand noch zu Lebzeiten Karimows im usbekischen Samarkand statt. Dennoch scheint mit dem Machtantritt Donald Trumps dieses Dialogformat nicht fortgesetzt zu werden. Der neue Pr&#xE4;sident ignorierte lange die Existenz der Region. Aber erneut half Afghanistan, wo die Anti-Terror-Ma&#xDF;nahmen der USA andauern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/usbekistan\/usa-wollen-usbekistan-bei-wto-beitritt-unterstutzen\/\">USA wollen Usbekistan beim WTO-Beitritt unterst&#xFC;tzen<\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu Beginn des Jahres verschlechterten sich die Beziehungen Washingtons zu Pakistan, &#xFC;ber dessen Territorium der amerikanische G&#xFC;terverkehr nach Afghanistan verlief. Damals erinnerte man sich im Wei&#xDF;en Haus an den alternativen Versorgungsweg &#xFC;ber Usbekistan. Was Afghanistan betrifft, so hat Usbekistan aber Pakistan nicht ersetzt. Vielmehr erh&#xE4;lt Pakistan f&#xFC;r seine Hilfe in Bezug auf Afghanistan weiterhin j&#xE4;hrlich zwei Milliarden US-Dollar.<\/p>\n<p><strong>Russlands Wunsch auf Einfluss&#xA0;<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Erfahrungen Karimows kommen seinem Nachfolger nicht nur bei den Au&#xDF;enbeziehungen zu Gute. Seit Beginn des Jahres versucht sich Taschkent nicht nur als selbstst&#xE4;ndiger Akteur, sondern auch als Initiator bei der Beilegung regionaler Konflikte zu positionieren. W&#xE4;hrend Russland versucht, die verschiedenen Akteure des Krieges in Afghanistan an den Verhandlungstisch zu bekommen, hat die usbekische F&#xFC;hrung den Dialog mit den Taliban aufgenommen und m&#xF6;chte die Rolle des Friedensstifters &#xFC;bernehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Moskau erkl&#xE4;rt, dass die Kontakte Taschkents mit anderen Akteuren es nicht beunruhigen, obwohl das Handeln der usbekischen F&#xFC;hrung es &#xE4;rgert. Daher r&#xFC;hren die h&#xE4;ufigen Meldungen in den Medien, dass in der Region der Islamismus an Bedeutung gewinne, was zeigen soll, dass es ohne Russland nicht laufe. Selbst Investitionen in die usbekische Wirtschaft zeugen nicht selten weniger vom Interesse daran, den lokalen Markt zu entwickeln, als vom Streben, das Land in Russlands Einflusssph&#xE4;re zu halten. Viele Projekte haben einen offen populistischen Charakter. Ein Beispiel hierf&#xFC;r ist das Atomkraftwerk (AKW), dass <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/F%C3%B6derale_Agentur_f%C3%BCr_Atomenergie_Russlands\">Rosatom<\/a> in Usbekistan baut.<\/p>\n<p><strong>Wozu braucht Usbekistan ein Atomkraftwerk?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von dem Projekt erfuhren die B&#xFC;rgerInnen Usbekistans ungef&#xE4;hr vor einem halben Jahr. F&#xFC;r viele war dies unerwartet. Wie gew&#xF6;hnlich gab es keine vorhergehenden Erkl&#xE4;rungen oder Beratungen mit den B&#xFC;rgerInnen. Dies rief Unruhe und Kritik hervor. In den Medien wurde daran erinnert, dass Zentralasien ein erdbebengef&#xE4;hrdetes Gebiet ist, und jedes gr&#xF6;&#xDF;ere Beben fatale Folgen haben kann. Viele Internet-UserInnen erinnerten daran, dass man schon zu Sowjetzeiten in der Region Uran gewann, und dass heute in fast allen L&#xE4;ndern das Problem der Lagerung radioaktiven M&#xFC;lls besteht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Selbst wenn man anerkennt, dass Atomenergie &#xF6;kologischer ist, als die Mehrheit der usbekischen Kraftwerke, die auf Kohlen-Basis arbeiten, so ist doch unklar, wozu das Land einen derartigen Reaktor braucht. Nat&#xFC;rlich w&#xFC;rde ein Atomkraftwerk das Problem mit dem immer noch in einigen Regionen Usbekistans herrschenden Energiedefizit l&#xF6;sen, aber die Menge der in einem AKW gewonnenen Energie scheint angesichts des tats&#xE4;chlichen Bedarfs dennoch vollkommen unverh&#xE4;ltnism&#xE4;&#xDF;ig. Selbst wenn man ganz Zentralasien zusammen nimmt, ist die industrielle Kapazit&#xE4;t so gering, dass die in einem AKW gewonnene Energie &#xFC;bersch&#xFC;ssig w&#xE4;re.<\/p>\n<p><b>Karimows Erbe<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Idee zum Bau eines AKWs schien vor zehn Jahren perspektivenreich, als im benachbarten Tadschikistan die Energiekapazit&#xE4;ten nicht ausreichten und man dort ein Wasserkraftwerk plante. Aber Karimow sprach sich dagegen aus und appellierte an die &#xD6;kologie und die Sicherheit in der Region. Damals schien der Bau eines AKWs in Kasachstan eine alternative L&#xF6;sung zu sein, die die Energiedefizite in der ganzen Region kompensiert h&#xE4;tte. Aber heute sind die Beziehungen zwischen Taschkent und Duschanbe gut und Usbekistan tritt nicht gegen den Bau tadschikischer Wasserkraftwerke auf. Vielmehr k&#xF6;nnte so ein Wasserkraftwerk Usbekistan die fehlenden Energiekapazit&#xE4;ten liefern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Lest auch auf Novastan: <a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/kirgistan\/die-funf-wichtigsten-wasserkonflikte-in-zentralasien\/\">Die f&#xFC;nf wichtigsten Wasserkonflikte in Zentralasien<\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nicht weniger r&#xE4;tselhaft ist der politische Hintergrund des Bauprojekts. Die Kosten f&#xFC;r das Atomkraftwerk belaufen sich auf 11 Milliarden US-Dollar und werden im Wesentlichen durch russische Kredite finanziert, f&#xFC;r die Usbekistan mehrere Jahrzehnte brauchen wird, um sie abzuzahlen. Dies kann dazu f&#xFC;hren, dass sich Usbekistan in eine Abh&#xE4;ngigkeit von Russland begibt, was der politischen Ausrichtung mit verschiedenen Vektoren zuwiderl&#xE4;uft. Aber da Karimow die Wirtschaft in einem derart j&#xE4;mmerlichen Zustand hinterlassen hat, ist die neue F&#xFC;hrung gezwungen, sich enorm an Moskau anzun&#xE4;hern, sodass das Projekt unumg&#xE4;nglich scheint.<\/p>\n<p><b>Folgen f&#xFC;r die Beziehungen zu Russland<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Neben der Tatsache, dass Jordanien, Vietnam und Bulgarien wegen der Kosten davon Abstand genommen haben, sich ein AKW von Rosatom bauen zu lassen, scheint das schwere Erbe Karimows als Grund wahrscheinlich. Doch auch in diesem Fall sind die Perspektiven des Baus eines Atomkraftwerks nicht offensichtlich. Schon allein die Vorbereitungen der Bauarbeiten eines AKWs erfordern viel Zeit und hohe Ausgaben. So muss eine entsprechende Gesetzgebung verabschiedet, eine Regulierungsbeh&#xF6;rde gegr&#xFC;ndet, Personal geschult werden. Dies alles wird, auch optimistischen Prognosen zur Folge, mindestens zehn Jahre brauchen. Die Kosten des Kraftwerks k&#xF6;nnen bis dahin steigen und somit auch die Schulden Usbekistans.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn man alle Risiken in Betracht zieht, scheint der Bau des usbekischen AKWs ein reines Imageprojekt zu sein. Aber selbst wenn es umgesetzt wird, kann sich jede Vertragsverletzung negativ auf die russisch-usbekischen Beziehungen auswirken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dabei ist wichtig zu verstehen, dass unabh&#xE4;ngig vom Erfolg oder Misserfolg des Projektes die usbekische F&#xFC;hrung versuchen wird, seinen Kurs der verschiedenen Vektoren zu halten. Und selbst die viele Milliarden umfassenden Vertr&#xE4;ge mit Moskau werden den au&#xDF;enpolitischen Kurs Usbekistans nicht stark beeinflussen. Und auch wenn das Moskau nicht gef&#xE4;llt, wird es sich damit anfreunden m&#xFC;ssen, um die Konstruktivit&#xE4;t der Beziehungen aufrecht zu erhalten. Vielleicht wird Russland dann weniger investieren, aber die Beziehungen k&#xF6;nnen vertrauensvoller werden und &#x2013; das ist das wichtigste &#x2013; frei von Illusionen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong>Galija Ibragimowa auf <\/strong><a href=\"http:\/\/caa-network.org\/archives\/14455?fbclid=IwAR2zaSx8_ATpKiibEevqzKT80d2pLiOcCylh9FR1v5zL3eiZu_fcuY2OoZo\"><strong>CAAN<\/strong><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong>Aus dem Russischen von Robin Roth<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><\/p><p><span style=\"font-weight: 400;\">Noch mehr Zentralasien findet ihr auf unseren Social Media Kan&#xE4;len, schaut mal vorbei bei <\/span><a href=\"https:\/\/twitter.com\/novastan_de\"><span style=\"font-weight: 400;\">Twitter<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">, <\/span><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Novastan.org\/\"><span style=\"font-weight: 400;\">Facebook<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">, <\/span><a href=\"https:\/\/telegram.me\/novastan\"><span style=\"font-weight: 400;\">Telegram<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">, <\/span><a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/company\/novastan\/\"><span style=\"font-weight: 400;\">Linkedin<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> oder <\/span><a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/novastanorg\/\"><span style=\"font-weight: 400;\">Instagram<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">. F&#xFC;r Zentralasien direkt in eurer Mailbox k&#xF6;nnt ihr euch auch zu unserem <\/span><a href=\"http:\/\/eepurl.com\/O0Qub\"><span style=\"font-weight: 400;\">w&#xF6;chentlichen Newsletter anmelden<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">. <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F&#xFC;r Usbekistan ist der Besuch des russischen Pr&#xE4;sidenten ein unver&#xE4;ndert wichtiges Ereignis, die Menschen lieben Putin. Das&#xA0;Erbe Islam Karimows&#xA0;hat usbekischen Politikern aber auch gelehrt, zwischen Moskau, Washington und Peking hin und her zu lavieren. Die folgende Analyse erschien im russischsprachigen Original auf Central Asian Analytical Network. Der Mitte Oktober erfolgte Besuch Wladimir Putins rief in [&#x2026;]<\/p>\n","protected":false},"author":459,"featured_media":15446,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[1283,3599,1253,3511,2309,1289,1752],"coauthors":[2430],"class_list":["post-15444","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-usbekistan","tag-china","tag-islom-karimov","tag-russland","tag-shavkat-mirziyoyev","tag-usa","tag-usbekistan","tag-wladimir-putin"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15444","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/459"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=15444"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15444\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":38283,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15444\/revisions\/38283"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/15446"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=15444"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=15444"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=15444"},{"taxonomy":"author","embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/coauthors?post=15444"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}