{"id":1539,"date":"2014-09-29T12:00:00","date_gmt":"2014-09-29T10:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/novastan.org\/de\/?p=1539"},"modified":"2023-08-20T16:08:52","modified_gmt":"2023-08-20T14:08:52","slug":"das-wasser-fehlt-kirgistan-vor-der-energiekrise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/novastan.org\/de\/kirgistan\/das-wasser-fehlt-kirgistan-vor-der-energiekrise\/","title":{"rendered":"Das Wasser fehlt \u2013 Kirgistan vor der Energiekrise"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\">Diesen Sommer wurde Kirgistan von der st&#xE4;rksten D&#xFC;rre seit 23 Jahren getroffen: seit Januar 2014 flie&#xDF;en <a href=\"http:\/\/www.m.vesti.kg\/index.php?option=com_k2&amp;view=item&amp;id=28840:kyirgyizstan-ostalsya-bez-vodyi-i-kak-uveryayut-politiki-vse-eto-iz-za-klimata&amp;itemid=80\">30<\/a> bis <a href=\"http:\/\/www.timesca.com\/index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;id=14053:kyrgyzstan-experiencing-low-water-period&amp;catid=89:agriculture-a-fisheries&amp;itemid=577\">40%<\/a> weniger Wasser in den Fl&#xFC;ssen der Region Tschui, in der die Hauptstadt Bischkek liegt. Angesichts des &#xC4;rgers der Bauern, deren Ackerfl&#xE4;chen seit Beginn der 2000er zu <a href=\"http:\/\/www.gwp.org\/global\/gwp-cacena_files\/en\/pdf\/kyrgyzstan.pdf\">40%<\/a> an chronischem Wassermangel leiden, verweisen die Beh&#xF6;rden auf die Schuldigen: der Klimawandel und die D&#xFC;rre.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Dabei wird Kirgistan, dieses gebirgige Land inmitten des Tian-Schan, oft als Wasserreserve Zentralasiens bezeichnet. Das blaue Gold ist ein sehr sensibles Thema in dieser Region, in der einige auch einen Brennpunkt <a href=\"http:\/\/www.foreignpolicy.com\/articles\/2014\/06\/17\/the_water_wars_to_come_kyrgyzstan_water_central_asia\">zuk&#xFC;nftiger Wasserkriege<\/a>&#xA0;sehen. Eine Reportage &#xFC;ber eine D&#xFC;rre, die die ganze Region besch&#xE4;ftigt, zwischen F&#xFC;lle, Verschwendung und sozialen Spannungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>D&#xFC;rre durch Klimawandel?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das Tschui-Tal ist das landwirtschaftliche Zentrum des Landes. F&#xFC;r die Saison 2014 erlitten die Bauern einen Verlust ihrer Weizenernte von etwa <a href=\"http:\/\/www.gezitter.org\/society\/31297_fermeryi_kyirgyizstana_stradayut_ot_zasuhi_\/\">20%<\/a>. Die nationale Beh&#xF6;rde f&#xFC;r Wassermanagement im Alamudin-Tal (eines der T&#xE4;ler in der Umgebung von Bischkek) erw&#xE4;hnt in diesem Zusammenhang mehrere regenarme Jahre und das Verschwinden der Gletscher des Tian-Schan. Diese haben in den letzten 30 Jahren <a href=\"http:\/\/www.irinnews.org\/report\/80420\/kyrgyzstan-melting-glaciers-threaten-livelihoods\">15%<\/a> ihres Volumens verloren und schmelzen weiter. Zieht man in Betracht, dass mehr als <a href=\"http:\/\/www.ipsnews.net\/2010\/11\/kyrgyzstan-fast-melting-glaciers-threaten-biodiversity\/\">90%<\/a> des Wassers der Fl&#xFC;sse und Seen Kirgistans aus den j&#xE4;hrlichen Gletscherschmelzen stammt, erscheint dieser Verlust der logische Grund f&#xFC;r den diesj&#xE4;hrigen Wassermangel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Doch die D&#xFC;rre ist nicht die einzige Erkl&#xE4;rung. Anatolij wohnt in Komsomolskoje, etwa 15 Minuten Autofahrt von Bischkek, und ist der Direktor eines Fischervereins der Region. Er besichtigt oft die Wasserreserven in der Umgebung der Hauptstadt. Die Erkl&#xE4;rungen der Beh&#xF6;rden hat er geh&#xF6;rt, aber die D&#xFC;rre alleine h&#xE4;tte ihm zufolge &#x201E;nicht zu diesem Ausma&#xDF; an Wassermangel gef&#xFC;hrt&#x201C;, da es &#x201E;wohl Regen gegeben hat&#x201C;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><img decoding=\"async\" style=\"height: 400px;width: 600px\" src=\"\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/old\/img\/753\/img_8976.jpeg\" alt=\"Komsomolskoje\"\/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das Bew&#xE4;sserungssystem Kirgistans, eines des weitesten der Welt, stammt noch aus Sowjetzeiten. Nach der Unabh&#xE4;ngigkeit 1991 hat es Schaden genommen. Die Kolchosen, oder Kollektive landwirtschaftlicher Betriebe, die sich um diese komplexen Systeme k&#xFC;mmerten, wurden in kleine private Betriebe aufgeteilt. Doch ohne das Know-how der Kolchosen konnten die Systeme nicht bedient werden. Da ihnen die n&#xF6;tige Ausbildung fehlte, verwendeten die neuen Bauern einfach das Prinzip &#x201E;Man gie&#xDF;t nie genug&#x201C;. Die Folgen waren desastr&#xF6;s: gesch&#xE4;digte B&#xF6;den, Wasserverschwendung und Zerst&#xF6;rung der kollektiven Bew&#xE4;sserungssysteme, die unbenutzbar und unn&#xFC;tz geworden sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das Thema der Bew&#xE4;sserung und der Verteilung der Wasserressourcen steht auch bei den internationalen Organisationen in Zentralasien weit oben auf der Priorit&#xE4;tenliste. Letzten April erkl&#xE4;rte zum Beispiel die Weltbank, dass sie <a href=\"http:\/\/www.eng.24.kg\/bishkek24\/171195-news24.html\">etwa 38 Millionen Dollar zur Verf&#xFC;gung stellen w&#xFC;rde<\/a>, um das Bew&#xE4;sserungssystem Kirgistans zu restaurieren. Die finanzielle Hilfe soll die kirgisische Regierung bei ihren Modernisierungsvorhaben unterst&#xFC;tzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Die Konkurrenz der Landwirte<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Der 24 j&#xE4;hrige Alexander ist Angestellter eines Bauernhofs in Komsomolskoje, und spricht oft mit den Landwirten der Region, wenn er Nahrung f&#xFC;r sein Vieh kauft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Er gibt zu, dass einige Bauern ihre B&#xF6;den zu stark bew&#xE4;ssern, ohne die Bed&#xFC;rfnisse ihrer Nachbarn in Betracht zu ziehen. &#x201E;Normalerweise muss drei Stunden lang gegossen werden. Manche stellen die Bew&#xE4;sserung um Mitternacht an, und k&#xFC;mmern sich nachts nicht mehr darum. Dann stellen sie sie gegen 8 Uhr morgens aus. Fragt man sie, warum sie ihre Erde &#xFC;berbew&#xE4;ssern, verstehen sie die Frage nicht und zeigen sich genervt. Man wirft ihnen vor, sich nicht um die anderen zu k&#xFC;mmern, worauf sie antworten, dass das nicht ihr Problem ist.&#x201C; Laut Alexander f&#xFC;hrt das auch zu Konflikten zwischen den Landwirten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">&#x201E;W&#xE4;hrend der Bew&#xE4;sserungszeit ist das ein bekanntes Problem&#x201C;, erz&#xE4;hlt ein Freund Anatolijs und Mitglied des Fischervereins, der gerade in Komsomolskoje vorbeischaut. Laut ihm kommt das von der Missachtung der Bew&#xE4;sserungsregeln der Gemeinden. &#x201E;Die ersten, die sich bedienen, haben meistens gen&#xFC;gend Wasser. Aber das ist nicht f&#xFC;r alle der Fall.&#x201C; Es gilt: der fr&#xFC;he Vogel f&#xE4;ngt den Wurm.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Anatolij erg&#xE4;nzt: &#x201E;Nicht weit von hier, im Dorf Frunze, monopolisiert ein Bauer das ganze Wasser. Er nimmt sich fast die ganze Wasserreserve und verteilt sie dann selbst weiter. 90% kauft sein Hof, den Rest l&#xE4;sst er den anderen. Jetzt sind die Felder privat, nichts geh&#xF6;rt dem Staat. Jeder &#xFC;berlebt, wie er kann.&#x201C;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Konflikte, die aus der Wasserverteilung zwischen Bauern, Gemeinden und Industrien entstehen, werden von der UNO <a href=\"http:\/\/www.unwater.org\/fileadmin\/user_upload\/unwater_new\/docs\/publications\/kgz_pagebypage.pdf\">als einer der Hauptgr&#xFC;nde<\/a> f&#xFC;r den wachsenden Wassermangel in Kirgistan angesehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Ein nationaler &#x201E;Wasserkrieg&#x201C;<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Doch die Bauern sind nicht die einzigen, denen das Wasser fehlt. Auch Bischkek hat M&#xFC;he, seine Parks, Alleen und Gr&#xFC;nfl&#xE4;chen zu bew&#xE4;ssern. Diesen Sommer erhielt die Stadt nicht gen&#xFC;gend Wasser, was den B&#xE4;umen schadete und zum verfr&#xFC;hten Bl&#xE4;tterverlust f&#xFC;hrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Laut dem B&#xFC;rgermeisteramt Bischkeks hat Zelenstroj, die Gemeindefirma, die f&#xFC;r Wasserlieferungen zust&#xE4;ndig ist, f&#xFC;r den Sommer nur 57% des bestellten Wassers erhalten: &#x201E;Die Wasserlage bleibt instabil&#x201C;. Zelenstroj hat sich schon mehrmals an offiziellen Instanzen gewendet, inklusive des verantwortlichen Ministeriums. Um den Wassermangel auszugleichen, bew&#xE4;ssern dutzende Wassertanker nachts die Stadt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><img decoding=\"async\" style=\"height: 400px;width: 600px\" src=\"\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/old\/img\/753\/img_9075.jpeg\" alt=\"Bischkek\"\/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Auf gr&#xF6;&#xDF;erer Ebene streiten sich auch die Gemeinden mit den alten Landwirtschaftskollektiven um das Wasser, und spiegeln damit die Kakophonie der Wassermanagementpolitik in Kirgistan wider. Am 11. Juli, mitten in der D&#xFC;rreperiode, <a href=\"http:\/\/www.eng.24.kg\/community\/169237-news24.html\">erkl&#xE4;rte der Vizepremierminister<\/a> die Gr&#xFC;ndung eines Organisationszentrums f&#xFC;r Bew&#xE4;sserung in der Region Tschui. Diese Ma&#xDF;nahme erscheint symbolisch f&#xFC;r eine kaum wahrnehmbare Krisenpolitik, die vor allem aus einer Abfolge von Versammlungen und offiziellen Erkl&#xE4;rungen f&#xFC;r die Medien besteht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Kubanischbek Kulmatow, der B&#xFC;rgermeister Bischkeks, <a href=\"http:\/\/www.eng.24.kg\/bishkek24\/171195-news24.html\">erkl&#xE4;rte<\/a> am 25. Juni: &#x201E;Der Wasserkrieg zwischen der Hauptstadt und der Region Tschui kann beginnen.&#x201C; Er &#xFC;bernahm damit einen von Zentralasienexperten h&#xE4;ufig verwendeten Begriff, der die regionale Verwaltung als Schuldige f&#xFC;r den Wassermangel in der Hauptstadt darstellt. Doch schlie&#xDF;lich leiden alle am Verschwinden des blauen Goldes.<\/p>\n<p>&#xA0;<\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><strong>Danara Ismetova<br>\nEhem. Frz. Cherfredakteurin von Novastan.org<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><strong>Anatole Douaud<br>\nMitgr&#xFC;nder von Novastan.org<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><strong>Aus dem&#xA0;franz&#xF6;sischen &#xFC;bersetzt von &#xA0;Florian Coppenrath<br>\nRedaktion: Luisa Podsadny<\/strong><\/p>\n<p>&#xA0;<\/p>\n<p>Dieser Artikel wurde zuerst bei <a href=\"http:\/\/www.equaltimes.org\/the-water-crisis-dividing?lang=en#.U9nMovl_vA8\">Equal Times<\/a> ver&#xF6;ffentlicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Reportage &#xFC;ber eine D&#xFC;rre, die Kirgistan und ganz Zentralasien besch&#xE4;ftigt, zwischen F&#xFC;lle, Verschwendung und sozialen Spannungen.<\/p>\n","protected":false},"author":89,"featured_media":1540,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[1074,1445,1356,690,1361,1444,751],"coauthors":[1226,1224],"class_list":["post-1539","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kirgistan","tag-bischkek","tag-elektrizitat","tag-energie","tag-kirgistan","tag-krise","tag-wasser","tag-wirtschaft"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1539","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/89"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1539"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1539\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":33969,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1539\/revisions\/33969"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1540"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1539"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1539"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1539"},{"taxonomy":"author","embeddable":true,"href":"https:\/\/novastan.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/coauthors?post=1539"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}