{"id":15189,"date":"2018-10-18T10:07:03","date_gmt":"2018-10-18T08:07:03","guid":{"rendered":"https:\/\/novastan.org\/de\/?p=15189"},"modified":"2018-10-18T10:07:03","modified_gmt":"2018-10-18T08:07:03","slug":"no-name-die-beliebteste-bar-bischkeks","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/novastan.org\/de\/kirgistan\/no-name-die-beliebteste-bar-bischkeks\/","title":{"rendered":"No Name: Die beliebteste Bar Bischkeks"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\"><strong>Zuerst hie&#xDF; sie <em>Bad Boys Bar<\/em>, bis G&#xE4;ste aus dem Ausland sagten, dass so nur Strip- oder Gay-Clubs hei&#xDF;en k&#xF6;nnen. Deshalb hat die beliebteste Bar in Bischkek jetzt gar keinen Namen mehr. Die Mitinhaberin Jewgenija Saratowa erz&#xE4;hlt ihren Weg, wie sie von einer einfachen Kellnerin zur erfolgreichen Barbetreiberin wurde. Folgendes Interview erschien im russischen Original bei <\/strong><a href=\"https:\/\/the-steppe.com\/news\/lyudi\/2018-08-01\/the-no-name-bar-kak-sozdavalsya-samyy-populyarnyy-bar-bishkeka\"><strong>The Steppe<\/strong><\/a><strong>.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>The Steppe:<\/strong> Wie kamst du auf die Idee, eine Bar zu er&#xF6;ffnen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Jewgenija: <\/strong>Mit 17 bin ich zum Studieren nach St. Petersburg gegangen, wo ich sechs Jahre lang gelebt habe. W&#xE4;hrend des Studiums habe ich viel gejobbt, unter anderem als Kellnerin. Freitags nach der Arbeit bin ich immer in meine Lieblingsbar gegangen, habe ein Glas Wein getrunken und meinen Lieblingssalat gegessen, bevor ich nach Hause gegangen bin. Das war so eine Art Tradition. Aus der Zeit stammt der Traum, selbst eine Bar zu er&#xF6;ffnen. Ich wusste noch nicht, was f&#xFC;r eine Bar es genau sein sollte. Aber ich wusste, dass es eine sch&#xF6;ne, helle Bar sein w&#xFC;rde, wo die Leute einfach hingehen, was Leckeres trinken und sich wohlf&#xFC;hlen. Die ganzen Details kamen dann im Prozess. Das ist mein erstes Business, ich hab keine Ahnung, wie sowas eigentlich abl&#xE4;uft.Wir haben auch &#xFC;berhaupt nicht damit gerechnet, dass die Bar so beliebt wird.<\/p>\n<p><strong>The Steppe:<\/strong>Was hast du davor gearbeitet?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Jewgenija:<\/strong> Ich arbeite seit sieben Jahren in der Gastronomie. Ich wusste: Wenn ich meine eigene Bar er&#xF6;ffnen will, muss ich jedes Detail dieses riesigen Systems verstehen. Zuerst habe ich als Kellnerin in St. Petersburg gejobbt. Dann habe ich hier in Bischkek als Barista in einem Caf&#xE9; gearbeitet. Nach einer Weile wurde mir angeboten, die Er&#xF6;ffnung eines neuen Caf&#xE9;s zu betreuen. Das habe ich dann acht Monate lang geleitet. Schritt f&#xFC;r Schritt habe ich all diese Etappen durchlaufen, von der Kellnerin zur Gesch&#xE4;ftsf&#xFC;hrerin. Und eines Tages wurde mir angeboten, eine eigene Bar mitzugr&#xFC;nden. Jetzt bin ich Mitinhaberin der Bar <em>The No Name<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Alles l&#xE4;uft &#xFC;ber Mundpropaganda<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>The Steppe:<\/strong> Wieviel Geld habt ihr in die Bar gesteckt?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Jewgenija:<\/strong> Das kann ich leider nicht verraten, auch nicht, wieviel wir jetzt verdienen. Das ist der Deal mit meinem Partner.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>The Steppe:<\/strong>Wie promotet ihr die Bar?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Jewgenija: <\/strong>Wir geben kein Geld f&#xFC;r Marketing aus. Null Werbung. Alles l&#xE4;uft &#xFC;ber Mundpropaganda. Am Anfang kamen unsre Freunde, sie haben wiederum ihre Freunde mitgebracht. Inzwischen hat sich eine tolle, gro&#xDF;e Gruppe an Leuten entwickelt, die zu uns kommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>The Steppe:<\/strong> Warum hie&#xDF; die Bar zuerst <em>Bad Boys Bar<\/em> und sp&#xE4;ter <em>The No Name<\/em> Bar?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Jewgenija:<\/strong> Ich bin ganz schlecht darin, Namen zu geben &#x2013; mein zweiter Kater hei&#xDF;t einfach Kater. Die Bar hie&#xDF; zuerst <em>Bad Boys<\/em>, weil das gut klingt und einfach zu merken ist. Aber G&#xE4;ste aus dem Ausland haben uns erkl&#xE4;rt, dass Bad Boy nur Strip- oder Gay-Clubs hei&#xDF;en k&#xF6;nnen. Deshalb haben wir kurzerhand die Metallbuchstaben von der Wand genommen und entschieden, dass wir erstmal keinen Namen haben, bis uns ein guter einf&#xE4;llt. Die Leute haben unsere Bar dann &#x201E;Die Bar ohne Namen an der Bokonbajew-Stra&#xDF;e&#x201C; genannt, und die Ausl&#xE4;nder sagten: &#x201E;It&#x2019;s a bar with no name!&#x201C; So kam das.<\/p>\n<p><strong>Lest auch bei Novastan: <\/strong><a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/kirgistan\/alkoholvernichtung-im-namen-allahs\/\"><strong>Alkoholvernichtung im Namen Allahs<\/strong><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>The Steppe:<\/strong> Ist es schwer, eine Bar in Kirgistan zu betreiben?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Jewgenija:<\/strong> Das kommt ganz drauf an. Ich sage meinen Leuten immer: Wenn man euch wie Dienstboten behandelt, lasst ihr offensichtlich auch zu, so behandelt zu werden. Ich selbst bin sehr gastfreundlich und nehme oft auch winzige Details war. Was ich nicht kann, ist handeln. Die H&#xE4;ndler durchschauen mich sofort und verlangen das Dreifachen, was ich dann einfach bezahle. Deshalb k&#xFC;mmert sich mein Partner um den Einkauf. Daf&#xFC;r wei&#xDF; ich, was es braucht, damit die G&#xE4;ste sich wohl f&#xFC;hlen &#x2013; wie warm es sein muss, welches Licht wir brauchen, welcher Cocktail gut schmeckt und welcher nicht.<\/p>\n<p><strong>The Steppe:<\/strong>Ist Personalmanagement auch eine deiner St&#xE4;rken?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Jewgenij:<\/strong> Inzwischen kann ich das ganz gut, aber am Anfang tat ich mich schwer. Ich war sehr unsicher und musste mich oft &#xFC;berwinden. Das ist mit der Zeit besser geworden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>The Steppe:<\/strong> Mit welchen Problemen habt ihr zu k&#xE4;mpfen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Jewgenija: <\/strong>Wir k&#xF6;nnen hier fast keinen spannenden Alkohol kaufen. Aber das ist alles eine Frage der Zeit. Fr&#xFC;her haben wir Craft-Beer aus Almaty importiert. Das war mehr so ein Image-Ding, verdient haben wir daran fast nichts. Zwei Lieferungen waren gut. Aber beim dritten Mal waren 70 Prozent des Biers abgelaufen. Es h&#xE4;tte sich f&#xFC;r uns nicht gelohnt, das zur&#xFC;ckzuschicken. Das war so &#xE4;rgerlich. Seither importieren wir nichts mehr aus Almaty.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>&#x201E;Gute Arbeit muss gut bezahlt werden&#x201C;<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>The Steppe:<\/strong> Verkauft ihr jetzt mehr kirgisisches Bier?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Jewgenija:<\/strong> Mit Bier ist es schwierig in Kirgistan. Letztendlich arbeiten wir jetzt mit der Brauerei <em>Arpa<\/em> zusammen. Die Qualit&#xE4;t schwankt ein klein wenig, aber das Bier ist sehr lecker. Trotzdem ist die Zusammenarbeit nicht so leicht. Zum Beispiel stellt uns Arpa keine Anlagen zur Verf&#xFC;gung. Wir m&#xFC;ssen 700 US-Dollar extra daf&#xFC;r zahlen. Und wir machen erst um 17 Uhr auf, Arpa liefert das Bier aber nur um 11 Uhr. Das hei&#xDF;t, wir m&#xFC;ssen morgens da sein, die Lieferung entgegennehmen und dann wieder nach Hause gehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>The Steppe:<\/strong> Erz&#xE4;hl ein bisschen von deinem Team. Wie sucht ihr euer Personal aus?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Jewgenija:<\/strong> Wir haben ein tolles Team. Neun Leute arbeiten in der Bar und drei in der K&#xFC;che. Davon sind manche Seniors, die die G&#xE4;ste empfangen, Bestellungen aufnehmen, Cocktails mixen. Die anderen helfen ihnen &#x2013; bereiten alles vor, r&#xE4;umen das Geschirr ab. Senior kann bei uns jeder werden, der gut mitarbeitet. Ich zahle ein bisschen mehr als markt&#xFC;blich, weil ich denke, gute Arbeit muss gut bezahlt werden. Mir ist wichtig, dass meine Mitarbeiter ehrlich und freundlich sind. Au&#xDF;erdem ist Teamf&#xE4;higkeit wichtig. Aber wie ich das Personal genau ausw&#xE4;hle, kann ich gar nicht so richtig sagen. Meine Leute sind alle total unterschiedlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Lest auch bei Novastan: <\/strong><a href=\"https:\/\/novastan.org\/de\/kirgistan\/essen-zu-verschenken-foodsharing-in-bischkek\/\"><strong>Foodsharing in Bischkek<\/strong><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>The Steppe:<\/strong> Bei euch h&#xE4;ngen viele Auszeichnungen an der Wand, die die Barkeeper bekommen haben. Ist es dir wichtig, dein Personal weiterzubilden?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Jewgenija: <\/strong>Unbedingt. Wir gehen zusammen zu diesen Workshops. Unsere Leute werden immer wieder ausgezeichnet und nehmen an zentralasiatischen Wettbewerben teil.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>The Steppe:<\/strong>Wo in Zentralasien gibt es die besten Barkeeper?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Jewgenija: <\/strong>In Kasachstan. Dorthat sich die Barkultur viel fr&#xFC;her entwickelt. Die Leute dort haben genug Geld, um zu reisen. Wenn sie aus dem Ausland zur&#xFC;ckkommen, wollen sie bestimmte Cocktails haben.Deshalb entwickeln die Barkeeper sich weiter. Bei uns f&#xE4;ngt das jetzt erst an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>The Steppe:<\/strong>Wollt ihr eine zweite Bar er&#xF6;ffnen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Jewgenija: <\/strong>Eine zweite <em>The No Name Bar<\/em> zu er&#xF6;ffnen &#x2013; das geht gar nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><strong>Bektur Elebes<\/strong> <strong>, <\/strong><a href=\"https:\/\/the-steppe.com\/news\/lyudi\/2018-08-01\/the-no-name-bar-kak-sozdavalsya-samyy-populyarnyy-bar-bishkeka\"><strong>The Steppe<\/strong><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><strong>Aus dem Russischen von Christina Spitzm&#xFC;ller<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: right\">Noch mehr Zentralasien findet Ihr auf unseren Social Media Kan&#xE4;len, schaut mal vorbei bei&#xA0;<a href=\"https:\/\/twitter.com\/novastan_de\">Twitter<\/a>,&#xA0;<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Novastan.org\/\">Facebook<\/a>,&#xA0;<a href=\"https:\/\/telegram.me\/novastan\">Telegram<\/a>,&#xA0;<a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/company-beta\/5246815\/\">Linkedin<\/a>&#xA0;oder&#xA0;<a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/novastanorg\/\">Instagram<\/a>. F&#xFC;r Zentralasien direkt in Eurer Mailbox k&#xF6;nnt ihr Euch auch zu unserem&#xA0;<a href=\"http:\/\/eepurl.com\/O0Qub\">w&#xF6;chentlichen Newsletter anmelden<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zuerst hie&#xDF; sie Bad Boys Bar, bis G&#xE4;ste aus dem Ausland sagten, dass so nur Strip- oder Gay-Clubs hei&#xDF;en k&#xF6;nnen. Deshalb hat die beliebteste Bar in Bischkek jetzt gar keinen Namen mehr. Die Mitinhaberin Jewgenija Saratowa erz&#xE4;hlt ihren Weg, wie sie von einer einfachen Kellnerin zur erfolgreichen Barbetreiberin wurde. 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